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FuldaerZertung

König Feröinanö m Rnmönien gestorben

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also einer Prinzessin zwar auch aus deutschem Für­stenhaus, aber englischer Herkunst. Diese Hei­rat hat in der Geschichte des Weltkrieges eine nicht unbedeutsame Rolle gespielt. Als im Okto­ber 1914, kurz nach dem Ausbruch des Weltkrie­ges. der an dem Bündnis Rumäniens mit Deutsch­land festhaltende König Karl verstarb und Fer­dinand sein Onkel auf dem Thron folgte, gewann die ententefreundliche Grupp« der rumä­nischen Politiker die Oberhand. König Ferdinand, der stark unter dem Einfluß seiner ehrgeizigen Gat- lin stand, konnte das Festhalten an dem Pündnis mit Deutschland, dem Rumänien ebensowenig wie Italien bei Ausbruch des Krieges durch sofortige Waffenhilfe entsprochen hatte, nicht erreichen. Es folgte zunächst eine Zeit, in der Rumänien in ver­schleierter Form zur Entente hielt, bis dann die Kriegserklärung an Oesterreich am 27. August 1916 erging. Wenn die deutschen Armeen Rumänien auch schnell und flriinblid) niederwarfen und das Königshaus in schwere Gefahr kam, so hat doch der Verlust des Weltkrieges durch Deutschland im

Griechenland vermählt war, regieren soll, die Rachfolgerfrage sich gestalten wird, i Augenblick noch nicht zu erkennen.

bereits mit einer Intervention, auch die Tschecho­slowakei rüstete zur Abwehr, in Ungarn waren die Dinge auf das Allerhöchste gespannt und die Fern­wirkungen alles dessen waren in düsteren Schatten wahrzunehmen, die sich, wie wenn man einen Stein ins Wasser wirft, in immer weiteren Kreisen über den Erdball zogen.

Es ist das große staatsmännische Verdienst des Bundeskanzlers Seipel, daß der Brand, der entfacht war, und der das ganze Land zu entzün­den und mit seinen Flammen in die Außenwelt zu schlagen drohte, noch lokalisiert und erstickt wer­den konnte. Seipel hat sich in dieser schwierigsten inneren Lage, in der er sich jemals befunden hat, als ein wirklicher verantwortlicher Führer und Staatsmann erwiesen.

Er wich nicht von seinem Posten, nicht etwa aus Prestigegründen, oder weil er an seinem Posten hinge. Er fühlte sich vielmehr als verant­wortlicher Sachwalter der ihm von dem National­rat in ordentlichem gesetzlichem Verfahren über­tragenen Gewalten und Aufgaben, er fühlte sich damit verantwortlich nicht nur der österreichischen Volksvertretung, sondern dem ganzen österreichi- schen Volke gegenüber und deshalb lehnte er ernst, würdig und entschieden das ihm von den Sozial- bemotraten gestellte Ansinnen bes Rücktritts ab. Der Bunbeskanzler stellte sich auf ben absolut rich­tigen Standpunkt, daß er und die österreichische Regierung für diese Vorgänge nicht verantwort­lich seien, daß schon aus diesem Grunde eine Kon­sequenz für die Regierung garnicht gegeben sei.

Wichtiger aber und dem Gedanken der Staats­autorität entsprechend war Seipels Erklärung, daß er es unter allen Umständen ablehnen müsse, poli­tische Konzessionen unter dem Druck der Straße zu machen. Demgemäß verlangte Seipel, daß, bevor überhaupt über die politischen Nachwir­kungen gesprochen werden kann, der unverant­wortlicherweise proklamierte Generalstreik abge­brochen werden müsse. Dieser Abbruch des Gene­ralstreiks war ja auch die selbstverständliche Vor­aussetzung dafür, daß das Parlament überhaupt zusammentreten konnte und das Parlament allein hat in einem geordneten Staatswesen politische Entscheidungen, wie es insbesondere der Wechsel ober bte Veränberung einer Regierung wäre, zu treffen. Darum konnte Seipel auch bte Forberungen ber Sozialbemokratie nicht erfüllen, baß er Zusagen machen müsse, dahingehenb, daß bas zusammentretenbe Parlamentkeine reaktio­nären Schritte" unternehme. Diese Forderung war ein Rückzug ber Sozialbemokraten, nachbem sie erkennen mußten, baß sie gegenüber dem festen, unbeugsamen Willen Seipels ihr Spiel verloren hatten.

Man kann ruhig zugeben, daß die österreichische Sozialdemokratie diese Dinge, wie sie sich in Wien entwickelt haben, nicht gewollt hat. Aber es bat sich doch klar erwiesen, daß die bisher immer _

Die Beisetzung der Toten in Wien.

100 Tote, 1000 verwundete. Die Mahnung des Massengrabes

ganzen für Rumänien einen großen Gewinn be­deutet. Es hat durch die Friedensschlüsse Sieben­bürgen, die Bukowina, Ostungarn, einen großen Teil des Banats und Bessarabien erhalten. Im ganzen hat es 166 000 Quadratkilometer Land und über 8 Millionen Einwohner gewonnen, sodaß es als Groß-Rumänien jetzt über 16 Millionen Ein­wohner auf 304 000 Quadratkilometer Land ver­fügt. Dem König, der ein schwacher und abhängi­ger Mann war, kommt dafür allerdings kein Ver­dienst zu. Die Königin Maria überragte an poli­tischer Befähigung den König bet weitem. Aller­dings ist sie auch bekannt als eine sehr extravagante Dame, die durch ihre Amerikareise int vorigen Jahre, als der König schon krank war und ber Kronpinzenskandal seinen Höhepunkt erreicht hatte, unliebsames Aufsehen erregte. Die Königin, die auf Kosten einer Filmgesellschaft reifte, sah sich in Amerika feindseligen Kundgebungen der Bevölke­rung ausgesetzt und mußte scUeunigst die Heimreise antreten.

Der Negenlschaftsrat im Rmt.

wtb. Bukarest, 20. Juli. (Gig. Funkm.). Amt- l i ch. König Ferdinand von Rumänien ist in der vergangenen Nacht in seinem Sommerschloß Sinaia gestorben. Der Regentschafsrat ist damit in sein Amt eingetreten.

Die Nacht zum Mittwoch ist in Wien vollkom­men ruhig verlaufen. Am Mittwoch vormittag tragen alle Schulgebäude, Amtshäuser, Wohlfahrts­anstalten usw. anläßlich der Trauerfeier für die Opfer schwarze Fahnen.

Auch nach vorsichtiger Beurteilung der Lage kann man am Mittwoch, an dem Tage, wo 60 Opfer der Unruhen zur letzten Ruhe gebettet werden sollen, feststellen, daß der Nervosität der letzten Tage eine gewisse Beruhigung gefolgt ist. Das kommt auch in dem Straßenbilde zum Aus­druck. Man sieht bereits weniger Wachleute mit Karabinern. Die Reiterpatrouillen machen noch ihre Runden, doch haben sie meistens die Gewehre schon abgelegt. Auch das Ueberfallkommando der Polizei wurde wesentlich vermindert.

Dienstag vormittag kam es vor der Leichen­halle des Wiener allgemeinen Krankenhauses noch zu stürmischen Szenen. Als zahlreiche Kränze eintrafen, staute sich vor dem Gittertor eine große Menschenmenge. Außerdem waren viele Leute erschienen, die ihre vermißten Angehörigen unter den Toten suchen wollten und, wenn sie diese sanden, in lautes Wehklagen ausbrachen. Als die Leute vor dem Tore diese Ausbrüche hörten, be­mächtigte sich ihrer Erregung und Unruhe, sodaß das Tor geschloffen wurde und die Wache die Straße räumen mußte. Neue Erregung entstand, als vor dem Tore ein Wagen mit ungefähr 30 Bargen vorfuhr. Erst nachdem die Särge in die Halle getragen worben waren, trat Ruhe ein.

Der Notenwechsel mit Belgien

Belgiens Aniwori auf die deutsche Note über dis Reichswehr.

Die belgische Telegraphen-Agentur meldet aus Brüssel:

In Beantwortung der deutschen Antwortnote sagt die belgische Regierung u. a.:

Man darf sich darüber wundern, daß die Reichsregierung Belgien vorwerfen zu müssen meint, zu Friedensgefühlen nicht kommen zu wollen, wäh­rend neulich vor dem Reichstag veröffentlichte Dokumente die Legende wieder ins Feld zu rufen versuchten, nach welcher Belgien die Neutralität verletzt hätte und die belgische Regierung sowie die helgische Bevölkerung Verbrechen gegen das Völkerrecht und die Menschlichkeit beschuldigten. Die Quellen, die der belgische Kriegsminister für seine Behauptungen benutzt hat, sind sicher sorg­fältig geprüft. Wir müssen also die angeführte Zahl der Entlassungen und der Einstellungen auf- rechterhalten. Wir bemerken, daß der Minister schon am 15. Februar 1927 seine Befürchtunoen der Kammer mitteilte und daß ihre damalige Ver­öffentlichung der deutschen Regierung nicht An- laß gab, zu protestieren. Was die Erklärungen des Abg. Rönneburg im Reichstage anbetrifft, so wurde ihr Wortlaut aus den Berichten deutscher Zeitungen entnommen."

Zum zweiten Teil der deutschen Antwortnote, der die Entwaffnungsverpflichtungen behandelt, sagt die belgische Regierung:Es ge­nügt den Fachmännern, das Militärbudget des Reichs zu prüfen und festzustellen, daß die Rü­stungsausgaben außer jedem Verhältnis zu den Bedürfnissen eines 100 000 Mann-Heeres stehen, das den Rüstungsbedingungen unterworfen ist, dis das Reich in Versailles angenommen hat. Außer­dem hat schon im Jahre 1926 die deutsche Presse darauf hingewiefen. daß die Gesamtausgaben der Reichsarmee 62 Prozent der Ausgaben der preußischen Armee im Jahre 1913 ausmachten."

Die belgische Regierung erwähnt noch den amt­lichen Bericht vom 13. März 1925. in dem darauf aufmerksam gemacht wird, daß die allgemeinen Ausgaben seit dem Kriege vermindert wer­den sollten, da der Friedensvertrag gewisse Einrich­tungen, wie den Großen Generalstab und gewiiie Rüstungsformen, wie schwere Artillerie, Feldartil­lerie, Flugzeuge usw. untersagt.

wtb. Belgrad. 20. Juli. (Gig. Funkm.). Die Agentur Avala meldet aus Bukarest: König Ferdinand von Rumänien ist heule nacht 2 Uhr gestorben.

König Ferdinand ist bekanntlich schon lange an einem Krebsleiden schwer erkrankt gewesen. Man rechnete bereits mehrfach mit seinem Ableben und die rumänischen Politiker trafen Maßnahmen für den Todesfall, da die Thronfolge sich nicht einfach gestalten dürfte. Bekanntlich ist der älteste Sohn des Königs, der frühere Kronprinz Karl, infolge feiner Liebesaffären aus dem Lande ver­bannt worden und lebt in Paris. Einflußreiche Politiker Rumäniens widersetzen sich feiner Rück­kehr und treten für eine Regentschaft ein, die zu­gunsten eines legitimen Nachkommen des Prinzen Karl, der in erster Ehe mit einer Prinzessin von

wtb. Bukarest, 20. Juli. (Gig. Funkm.). Der Zustand des Königs, der sich in den letzten beiden Tagen zunehmend verschlechtert hatte, war gestern abend rasch in das kritische Stadium getreten. Gegen Mitternacht erhielt ber König die Sterbe­sakramente nach griechisch-katholischem Ritus. Er verschied morgens ^3 Uhr. Am Sterbelager be­fanden sich die Königin von Rumänien, die Köni­gin von Jugoffavien, der ehemalige König und die ehemalige Königin von Griechenland, der kleine rumänische Kronprinz Michael (Sohn des Prinzen Karl), Prinz Nikolaus und Prinzessin Jleana. Der König war bis zum letzten Augenblick bei vollem Bewußtsein und hatte einen sanften Tod. In Bu­karest und im ganzen Lande herrscht vollkom­mene Ruhe. Sämtliche öffentlichen Gebäude haben Halbmast geflaggt.

auch schon zu einem gemeinsamen Schritt der Wien beglaubigten auswärtigen Diploma­len geführt, ja die italienische Regierung drohte

Die sozialdemokratische WienerArbeiter- zeit u ng bringt mit schwarzem Trauerrand einen demVermächtnis derToten" gewidmeten Artikel, in dem es u. a. heißt: Nichts liegt uns in der Trauer um unsere gefallenen Brüdern und Schwestern ferner, als ber Gebanke ber Ver­söhnung. Was wir am Grabe der Toten gel­tend machen werden, ist nicht Versöhnung, sondern leidenschaftlicher Kampf gegen die bür­gerlich-kapitalistische Welt.

Die der Regierung nahestehendeReichs- p o st" schreibt unter ber Ueberschrift:Das Janus- gesicht" u. a.: Es ist ein Januskopf, den die So- zialbemokraüe zeigt. Mit dem einen Gesicht sorgt sie sich um die Verhinderung bes Bürgerkrieges ; und um den Bestand der Republik und mit dem 1 anderen zeigt sich haßvolle Leidenschaft und bol- - schewistisches Träumen.

Andere Wiener Blätter warnen vor einer Zu­spitzung der Gegensätze.

Von einem besonderen Mitarbeiter wird uns geschrieben:

Wohl den wenigsten ist es in diesen Tagen zum Bewußtsein gekommen, vor welchen außerordent­lich großen außenpolitischen Gefahren wir infolge der Wiener Ereignisse standen. Es hätte nicht viel gefehlt und wir hätten wieder ein­mal vor einer Situation gestanden wie 1914, denn auch diesmal hatte ein einziger verbrecherisch ab= gefeuerter Schuß Flammen von verheerender Wir­kung entfacht. Die Wiener Ereignisse batten ja 1

von den österreichischen, bekanntlich viel radikaler als die deutschen eingestellten Sozialdemokraten ausgestellte Behauptung, daß ihr republikanischer Schutzbund durchaus die Aufrechterhaltung der Ordnung gewährleisten könne, falsch ist. Wenn es auch richtig ist, daß die sinnlosen, teilweise geradezu wahnsinnigen Zerstörungen auf das Schuldkonto des kommunistischen Mob ber Großstadt kommen, so steht andererseits doch fest, daß sich auch viele ber sozialbemokratischen Partei Wiens angehörige Demonstranten zu unverantwortlichen Freveltaten haben hinreißen lassen. Es ist kein gutes Zeichen für bie österreichische Sozialbemokratie, daß ihre Führer nicht imstande sind, die Massen in solchen Situationen in der Hand zu halten. Was ist das überhaupt für eine Führung, die es noch nicht ein­mal vermag, das Losbrechen einer derartigen Massenbewegung zu verhindern? Es war des­halb auch eine Anmaßung sondergleichen, daß die Sozialdemokraten, nachdem sie gesehen hatten, wie zügellos ihre eigenen Leute sind, von der Regie­rung Seipel politische Folgerungen zugunsten der Sozialdemokratie forderten! Seipel hat in der ihm eigenen ruhigen, aber bestimmten Weise die Sozialdemokratie in die Schranken zurückgewiesen und das bedeutet einen schweren Verlust an An­sehen für die österreichische Sozialdemokratie.

Wie die sozialdemokratische Partei in Oester- reich selber, so haben auch der Republikanische Schutzbund und auch die sozialdemokratischen Ge­werkschaften in Wien sich als unfähig erwiesen, Ordnung zu halten, oder gar ungeordnete Massen wieder zur Ruhe und Besinnung zurückzuführen. Das ist die Warnung von Wien, daß es nicht damit getan ist, die Menschen zu radikalisieren und ihnen Andersdenkende als Feinde hinzustellen, die man mit Revolver und Brand zum Schweigen bringt, sondern daß man die Massen zur Bürger- und Staatsverantwortung zu erziehen verpflichtet ist. Und die andere Warnung von Wien ist die, daß die Waffen aus den Händen der Unbefugten her­auskommen müssen, und sich nur bei den Organen der Staatsgewalt befinden dürfen. Schon haben wir ja gesehen, wie die Kommunisten, die in Oesterreich zahlenmäßig übrigens außerordentlich schwach vertreten sind, die aber immer ihre Mit­läufer im Großstadtpöbel haben, die Gele­genheit benutzen wollten, um einen allgemeinen Brand zu entfachen und die deutschen Kommun:- sten glaubten schon Morgenluft zu wittern. Ihre Delegation unter Führung des preußischen Land­tagsabgeordneten Pieck, die sich mit dem Flugzeug nach Wien begeben hat, ist allerdings dort sofort hinter Schloß und Riegel gebracht worden.

Lernen wir aus der Warnung von Wien, daß nur Ausgleich der politisch, wirtschaftlich und weltanschaulich gegenüberstehenden Kräfte Ruhe und Ordnung in einem Staatswesen und da­mit die Gewähr für eine friedliche wirtschaftliche, politische und kulturelle Entwicklung eines Landes und Volkes geben. -

Moskaus werk.

DieWiener Reichspost", das Organ der Christ- lich-sozialen Partei, schreibt in ihrem Leitartikel zu der Verhaftung bolfchewistischer Parteigänger in Wien:

Die sozialdemokratischen Führer sind in dis ausgebreiteten Netze ihrer kommunistischen Ri- oalen blind hineingerannt. Was aus die­ser Revolte, in die sich ein starker Flügel der So­zialdemokratie hereinlocken ließ, gemacht werden sollte, das verraten die wohlausgearbeiteten Ak­tionspläne, die einem auf dem Wege nach Wien befindlichen kommunistischen Führer.Deutsch­lands abgenommen worden sind. Die Pläne sind Moskauer General st absarbeit. Wie­der sollte Wien Einbruchs st ation des Bolschewismus für Westeuropa wer- ben"

Im übrigen bearüßt es dieReichspost", daß mit dem von der Regierung geforderten Abbruch des Generalstreiks die r e a l p o l i t i s ch e Rich­tung in der Sozialdemokratie endlich den Sieg über die radikalen Scharfmacher davongetragen habe. Die Erfüllung der Regierungsforderung er­öffnet die Möglichkeit von Verhandlungen und be- künde die Bereitwilligkeit der Sozialdemokratie, sich wieder auf den Boden der Wirklichkeit zu stel­len.

Was den Sturm auf bas Gebäude der Reichspost" und die dort vorgenommene Brandlegung betrifft, so stellt das Blatt fest, daß an der Spitze des Brandkommandos ein elegant gekleideter Intellektueller stürmte. Auch die Gesellschaft des Führers habe nicht aus Leuten bestanden, die dem Arbeiterstande angehörten. Alle feien mit Zündstoffen ausgerüstet gewesen. Der Führer und einige seiner Begleiter hatten in kleineren Behältern und in Kannen leicht brenn­bare Flüssigkeit mitgebracht. Die Kannen waren gefüllt schon um 7 Uhr früh bei einem Hausmeister in der Wirtschaft nebenan unter einem Vorwande in Aufbewahrung abgegeben und sind kurz vor dem Sturm abgeholt worden. Einige der Leute warfen Körper, die einen grauen Rauch entwickel­ten und sofort zündeten, andere wieder besaßen Fackeln, die ein scharfes Licht, ähnlich dem Mag­nesium. ausstrahlten, wieder andere hatten stab- artige Doppelkerzen. Hier war, so meint das Blatt, deutlich Moskau am Werke, wohlorganisiert und nicht erst aus der Unruhe des Augenblicks entstanden.

Die Mitschuldigen.

Neben den roten Hetzern sind an den Wiener Vorgängen auch die Hetzer von der anderen Seite mitschuldig. Die Schießerei der Rechtsradikalen im Burgenland auf Arbeiter darf bei der Vor­geschichte des Wiener Aufftandes ebensowenig über­sehen werden wie jetzt, nach dem Unglück, die Be- nnihunoen deutscher Rechtsradikalen falsche Schlüsse

aus den Vorgängen zu ziehen und neuen Haß zu säen, aus dem nichts Gutes erwachsen kann. Die reaftionären Blätter in Deutschland, nament­lich die Berliner Hngenberg-Preffe, die alle mög­lichen und unmöglichen Schauergefchichten zusam« menträgt, schwelgen darin, die Niederlage ber Wie- ner Sozialdemokraten recht breit auszumalen. Sit leisten damit dem Bundeskanzler Dr. Seipel einer schr schlechten Dienst. Sie bringen ihn in ben Geruch reaktionärer Gesinnung, sie möchten ihr zu einem reaktionären Diktator machen; Wenn in Wien an Stelle Seipels Männer von den. Schlage regierten, wie sie unserer Rechtspresse als Ideal vorschweben, dann wäre ber Aufruhr bor' wahrscheinlich noch lange nicht zu Ende. Im üb­rigen üben die deutschen Kommuni st en natürlich die genau umgekehrte Taktik. Sie glaubten, den Sturm auf den Justizpalast zu einem breiten revcu lutionären Vormarsch benutzen zu können und sehen sich darin nun durch das Verhalten der Wiener So­zialisten gehemmt. Kein Wunder, daß sie empört sind und den Wiener Sozialismus als Fa- s z i s m u s verhetzen.

Mit solchen parieipolittschen Manövern hilft man weder der Wahrheit noch der österreichischen Be­völkerung. Man übersieht, daß die Quelle des Uebels der Vertrag von St. Germain ge­wesen ist, der mit Oesterreich ein wirtschaftspolitisch unhaltbares Gebilde geschaffen hat. Es ist ein ver­stümmelter Staat geworden, dem man obendrein durch außerordentlich hohe Zollschranken die Luft zum Leben genommen hat. Der Wirtschaftsdruck hat ganz natürlich die Nerven der Bevölkerung im höchsten Maße gereizt und der Versuch der Parteien, die Lasten des Friedens von sich auf den Nächsten abzuwälzen, hat außerordentlich tiefe Gegensätze unter den sozialen Schichten des Landes aufgerissen. Nirgendwo klafft der Ee- « zwischen Bürgertum und Proletariat so rie in Wien. Dazu kommt, daß dieser Grnp- penbildung weltanschaulicher Charakter eingeprägt worden ist. Der Gegensatz ist nicht nur ein partei­politischer und wirtschaftlicher, sondern zugleich ein weltanschaulicher und gesellschaftlicher. Der ver­bissene Zorn, mit dem man einander bekämpft, hat in dem Urteil des Geschworenengerichtes unmittel­baren Ausdruck gefunden. Hier liegt die Quelle des Uebels. Es wird die Aufgabe der österreichi­schen Politiker fein, den wirtschaftspolitischen Mei­nungsverschiedenheiten die dogmatische Verbissen­heit zu nehmen. Eine letzte Erlösung aber kann nur durch eine Aenderung der politischen Gesamtsituation dieses Landes erfolgen.

Zur die Bundesregierung.

wtb. Wien, 20. Juli. (Gig. Funkm.). In einer gestern veranstalteten Vertrauensmänner« Versammlung der christlich en Gewerkschaf­ten kam eine sehr scharfe Stimmung g e g e n d i e sozialdemokratischen und die freien Gewerkschaften und eine warme Verteidi­gung der Haltung der Regierung zum Ausdruck. Der Hauptreferent betonte, daß der Schattendorfer Spruch kein Klassenurteil gewesen fei, weil die Ge» schworenen zum großen Teil Arbeiter waren. In einer Entschließung wird von einem Mißbrauch der Gewerkschaften durch den Generalstreik gespro­chen und die Auflösung der Gemeinde­schutz w a ch e und Bestrafung der schul­digen Hetzer gefordert. Der Gewerkschaft»-

Der jetzt verstorbene König Ferdinand 24. August 1865 als zweiter Sohn des . Leopold von Hohenzollern geboren. Im Jahre 1893 verheiratete er sich mit der Prinzessin Maria von Sachsen-Koburg-Gotha,

Mr. 165.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk.

Donnerstag, 21. 3n(i 1927.

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