Anzeiger für die Sfaöt Aulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
Nr. 150.
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Sonntag, 3. 3u(i 1927.
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54.Zahrg.
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UiesenverKehr auf der Reichsbahn.
— Berlin, 2. Juli. (Gig. Funkm.). Der heutige erste Ferientag brachte der B. Z. zufolge eintzn Riese noerkehr aus der Eisenbahn. Eine Viertelmillion Berliner reisten ab. Vom Stettiner Bahnhof allein gehen heute insgesamt 20 Sonderzüae ab.
dernfalls würde der Reichslandwirtschaftsminister unter allen Umständen für feine Person die Konsequenzen ziehen — erdrohtalsomitRück- tritt.
DaS B. T. will wissen, daß sich das Reichs- kabmett bereits am Samstag vormittag mit den ablehnenden Beschlüssen des Reichsrates beschäftigen werde. Der Lokalanz. hält es noch für zweifelhaft, daß der Reichsrat auch bei einer zweiten Abstimmung die Beschlußfassung auftechterhalten werde. Nach dem Blatt bestehe die Möglichkeit, daß einige Länder, so z. B. Sachsen und die beiden Lippe, chren Vertretern im Reichsrat neue Instruktionen geben werden. Die Tägl. Rundschau erinnert daran, daß die Erhöhung des Kartoffelzolles vom Reichskabinett beschlossen worden ist. nachdem die Regierungsparteien in langwierigen Verhandlungen zu einer Einigung nicht hatten kommen können. Man könne jedoch annehmen, daß alle Regierungsparteien dem Beschluß des Kabinetts zustimmm werden. Eine solche Lösung sei als ein Kompromiß zu betrachten, das wesentliche Aen- derungen nicht mehr vertrage. Die Ablehnung der Äartoffelzoll- und Zuckerzollerhöhung durch den Reichsrat bedeute aus diesem Grunde eine Erschwerung der gesamten parlamentarischen Situation.
Schiele droht mit Rücktritt.
" — Berlin, 2. Juli. ((Fig. Funkm.) Wie die „B. Z." erfahren haben will, hat der Reichskanzler für heute vormittag auf Wunsch des Reichslandwirtschaftsministers Schiele einen Minister- rät ein berufen, der zu dem überraschenden Beschluß des Reichsrates gegen die Zollvorlage der Regierung Stellung nehmen soll.
Wie die „B. 3." weiter hört, seist sich Minister Schiele unnachgiebig dafür ein, daß die Zollvorschläge, die der Reichsrat gestern abgelehnt hat, vom Reichstage angenommen werden sollen, an-
kiegierungriliederlage im Reichsrat
Kartoffel- und Zuckerzollerhöhung adgelehnt.
In der Sitzung des Reichsrates am Freitag wurde bei Beratung des Gesetzentwurfes über die Aendemng der Zollsätze die Erhöhung des Kartoffelzolles mit 37 gegen 31 Stimmen abgelehnt, ebenso die Erhöhung des Zu ckerzolles mit 41 gegen 23 Stimmen. Die Ermäßigung der Zuckersteuer auf 10,50 Mark pro Doppelzentner wurde angenommen.
Die Führung gegen die Vorschläge der Reichs- vegierung lag bei Preußen, dessen Anträge in den beiden vorgenannten Fällen, bei dem Kartoffelzoll und dem Zuckerzoll, mit Unterstützung der Stimmen des Staatsministeriums und anderer Länder gegen die Stimmen einer Reihe preußischer Provinzen angenommen wurden.
Nachdem der Reichsrat bei der Beratung die Erhöhung des Kartoffelzolles und des Zuckerzolles abgelehnt hat, wird die Reichsregierung, dem „B. T." zufolge, nunmehr dem Reichstag eine Doppelvorlage zugehen lassen müssen, die die ursprünglichen Vorschläge des Entwurfes und die Aenderungen des Reichsrates «nchalten muß. SB ernt der Reichstag di« Regierungsvorlage annimmt, ist zu erwarten, daß der Reichsrat von dem Rechte oeS Einspruches Gebrauch machen wird. Die Vorlage muß dann nochmals dem Reichstag vorgelegt werden und kann nur Gesetz werden, wenn der Reichstag sie mit Zweidrittelmehrheit amrimmt.
Deutscher Reichstag.
Reichstag.
Am Freitag setzte der Reichstag die zweite Lesung der Aufwertungsvorlage fort. In der Einzelberatung wurde ein sozialdemokratischer Antrag, Restkaufgeldforderungen, bieint Jahre 1920 entstanden sind, ebenso wie die von 1921 bis zu 400 Prozent des Eoldmarkbetrages aufzuwerten, wurde mit 205 gegen 163 Stimmen abgelehnt. Nach Ablehnung aller weiteren Anträge wurde die Vorlage in der Ausschußfassung in zweiter und dritter Lesung angenommen sowie einige Entschließungen, in denen Maßnahmen zur Milderung von Härten gefordert werden. Nach Annahme einiger Ausschußanträge, die sich auf Bahnbauten beziehen, vertagte sich das Haus auf Gamstag. ....
V.D. Z. Berlin, 2. Juli (Eigene Funkmeldung) Auf der Tagesordnung der Reichstagssitzung am Samstag sicht ein Teilbericht des Haushaltsausschusses über die demokratischen sozialdemokratischen und kommunistischen Anträge, die schon vom Juli oder August ab Vorschußzahlungen auf die in diesem Jahre vorgesehene Besoldungserhöhung für die Beamtenfordert. Dieeigent- liche Besoldungsreformvorlage soll nach der Er- klärung des Reichsfinanzminister im Dezember fertig gestellt sein und es bleibt abzuwarten, ob der Reichstag der Anregung des Ministers entsprechend im Dezember eine kurze Tagung zur Erledigung dieser Vorlage abhalten wird. Die Regierungsparteien haben sich ebenfalls für Vorschußzahlungen ausgesprochen. In der heutigen Sitzung dürfte eine Entschließung der Regierungsparteien Annahme finden,itt der die Regierung ersucht wird, den Beamten tunlichst bald, bestimmt aber vom 1. Oktober ab Vorschußzahlungen auf die Besoldungsreform zu gewähren.
Die chinesische Völkerwanderung.
Don Dr. Wenz-Fulda.
Der ferne Osten und mit ihm der Große Ozean, das Meer der Zukunft und der Entscheidungen, ist das Gebiet der großen weltpolitischen Probleme. Wir beobachten mit Bewunderung, wie die gelbe Rasse in sieghaftem Vorwärtsdringen sich die Gleichberechtigung mit der weißen Rasse erobert; wie die bolschewistische Welle sich an der festgefügten Tradition des chinesischen Volkes bricht; wie Japan im titanenhaften Ringen mit den erbarmungslosen Naturkräften auf schwankendem Untergrund ein Weltreich aufzurichten sich abmüht. Mit lebhaftem Interesse verfolgen wir den sich überstürzenden Werdegang der politischen Ereignisse, aber en einem Ereignis gehen wir achtlos vorüber, obwohl es für die zukünftige politische und wirtschaftliche Gestaltung des fernen Ostens von einschneidender Bedeutung wird. Es ist die vor unseren Augen sich vollziehende chinesische Völkerwanderung. Ruhig und ohne jegliches Aufsehen geht sie vonstatten, aber flutartig dringt der Chinese in alle Räume des fernen Ostens, die ihm nur irgendwie zugänglich sind. Es mag ein großes Problem sein, wie das politische China sein Land gestaltet, ein viel größeres aber ist es, wie dieser durch die weitere Ausbreitung des chinesischen Volkstums herooraerufene chinesische Kulturzusammenhang in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht sich aus wirkt.
Man hat bisher bas Chinesentum als eine schwere, träge Masse betrachtet, aber sie ist jetzt durch das Eindringen der modernen Kultur in Bewegung gesetzt worden und es unterliegt kaum noch einem Zweifel, daß auch die Chinesen, wenngleich langsam und mit Rückschlägen, diese aufnehmen und zu einem gewaltigen Kulturvolk sich entwickeln werden. Dank seiner Jahrtausende alten .Kultur, die ein völliges Versinken in die abendländische Kultur unmöglich macht, behält der Chinese seine völkische Eigenart auch in seiner neuen Heimat bei und verliert nicht den Zusammenhang mit seinem Heimatlande. Trotz der großen Anbänglichkeit an Heimat und Familie treibt die chinesischen Männer die beängstigende Uebervölkerung zur Auswanderung, allerdings meist nur auf Zeit; denn nach einigen Jahren kehren sie gerne in die Heimat zurück. Auch in dieser Hinsicht ist im letzten Jahrzehnt ein auffallender Wandel eingetreten, seitdem die Chinesen in größeren Mengen sich draußen zusammengefunden haben. Früher zog der chinesische Kuli als Arbeiter hinaus, um zurückzukehren, sobald er sich soviel erspart hatte, um sich in der Heimat einen Acker zu erwerben. Heute wandert aus das chinesische Kapital in die Welt und mit ihm der Kaufmann, der Großgrundbesitzer und Industrielle. Gerade die Eignung der Chinesen für den Handel ist bemerkenswert; sie setzen sich nicht nur in den chinesischen Hafenstädten an die Stelle der fremden Kaufleute, sondern ziehen auch im Auslande den Handel immer mehr an sich vom kleinen Hausierer angefangen bis herauf zum Eroß- kaufmann. Für die Lebensführung des weitaus größten Teiles der chinesischen Bevölkerung sickd Armut, Bedürfnislosigkeit und Sparsamkest charak- teristisch. Auch der Luxus der oberen Klassen hält sich in mäßigen Grenzen. Vom Chinesen gilt das Wort: „Er arbeitet wie ein Pferd und lebt wie ein Hund." Kein Wunder, daß er bei solcher Intensität sich immer mehr emporschwingt und in den Gebieten, die bisher die Europäer als ihre „melkende Kuh" betrachtet haben, häufig schon als der reiche angesehene Herr auftritt. Bezeichnend ist es geradezu, daß z. B. in Singapore, der bedeutendsten Handelsstadt des Ostens, die die Engländer zu einem Machtzentrum erster Ordn ■ .ig ausbauen, der reichste Mann ein von einem scheu beratener Chinese ist; in seiner Hand laufen zum Aerger Englands die Wirtschaftsfäden zusammen; ihm dient der größte Teil der Bevölkerung; sein Einfluß ist darum größer als der der Engländer.
Die Auswanderungsziele der Chinesen sind ent- sprechend den klimatischen Verhältnissen der Heimat im Norden und Süden verschieden. Die nord- chinesische Auswanderung erstrebt Ackerkw. koloni- sation in den benachbarten, dem Ackerbau noch zugänglichen Teilen der Mandschurei, Mongolei und russisch Sibiriens. Die südchinesische geht über das Meer nach Hinterindien und der indischen 3r.|e(« welt sowie nach Nord- und Südamerika.
Ein politisches Ergebnis hat die Maffen-Aus- wanderung der Chinesen bereits im Norden gezeitigt. Die Mongolei, früher ein Teil Chinas, hat sich schon 1912 von China losgesagt und 1921 nach den Kämpfen zwischen den Bolschewisten und Chinesen als „Mongolische Volksrepublik" der russischen Sowjetunion angeschlossen. Die Ursache für die Lossagung von China war das immer weiter- gehende Vorwärtsstreben der chinesischen Bau<rn, die den mongolischen Nomaden immer mehr Weideplätze in den Steppen und Wüsten der armen Mon- cwlei wegnahmen. Hier spielt sich deutlich der Kampf um den Lebensraum ab. Die Mandschurei
* Reue Staatssekretäre in Preußen. Zum Staatssekretär im Ministerium für Handel und Gewerbe mürbe, wie der Amtliche Preußische Pressedienst meldet. Wirklicher Geheimer Oberregierungsrat Dr. von Seefeld ernannt. Gleichzeitig wurden zum Staatssekretär im Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten der bisherige Regierungspräsident in Lüneburg, Krüger, und zum Staatssekretär im Justizministerium der Vizepräsident des juristischen Prüfungsamtes, Hölscher, ernannt.
* Die Besichtigung der zerstörten Unterstände. Auf die von General v. Pawelsz an die Regierungen der Westmächte ergangene Einladung, Vertreter für die Besichtigung der zerstörten Unterstände au ernennen, ist nunmehr laut D. A. Z. die
haben die Chinesen, obwohl sie politisch zum chinesischen Reiche gehört, bis vor wenigen Jahren vorwiegend als ein Kolonialland behandelt und betrachtet. Seit dieser Zeit aber ergießt sich ein stets wachsender Auswandererstrom in seine fruchtbaren Gefilde. Wenn dieser Strom, wie zu erwarten ist, in diesem Ausmaße anhält, ist bis zum Jahre 1945 die Mandschurei zu einer derartig volkreichen Provinz angewachsen, daß sie an Volkszahl den großen europäischen Staaten gleichkomrn: Daß aus dieser Massenbefiedelung schwerwiegende politische Probleme hervorgehen, beweist schon die alte Rivalität zwischen Rußland und Japan, bie beide die Mandschurei nicht bloß als Einflußgebi^t, sondern sogar als Siedlungsland betrachten und nun dem Massenandrang des eigentlichen Besitzers ausgesetzt sind. Ohne ernstliche Konflikte wird die Auseinandersetzung der konkurrierenden Kräfte nicht abgehen; Herr der Situation wird der Träger der größeren Masse bleiben. Die Ansiedelung der Chinesen wird besonders begünstigt durch die wirtschaftliche Struktur des chinesischen Volkes; denn neben den Gartenackerbauern besteht die große Masse der Chinesen aus kleinen Handwerkern und Händen. Darum folgt dem Bauernsiedler sofort der Handel und das Handwerk und in kürzester Zeit ist die Kette zwischen Produktion, Umsatz und Absatz geschlossen. Dieser Umstand erleichtert das Vordringen der Chinesen außerordentlich, besonders in solchen Gebieten, wo Handwerk und Handel fehlen. Dies trifft in hervorragendem Maße für russisch Sibirien zu, wo von der gesamten Grenze aus vordringend in Transbaikalien, der Republik des Fernen Ostens und besonders im Amurgebiet, die Chinesen die russischen Gebiete Schritt für Schritt wirtschaftlich erobern. Für das übervölkerte China ist Sibirien gleichsam ein hohler Raum, und Rußland sieht sich vor die schwere Frage gestellt, entweder schrittweise zurückzuweichen und das Land den Chinesen preiszugeben oder dem Einwandererstrom einen gewaltsamen Damm entgegenzusetzen. Rußland hat also bereits seine chinesische Frage.
Bei der Auswanderung aus Südchina ist die angrenzende französische Kolonie Jndochina am meisten bedroht. 1922 sagte der apostolische Vikar von Pünnan, Monsigneur der Quebriant, über die Zukunft Jndochinas: „Wenn es uns nicht gelingt, in fünf Jahren eine anamitisch-französifche Milch- kultur zu schaffen, wird Französisch-Jndochina wieder rettungslos chinesisch." Die fünf Jahre sind inzwischen vergangen; Frankreich ist bei seiner absteigenden Bevölkerungsbewegung zur Schaffung einer Mischkultur nicht befähigt. Für Südchinä ist dieser östliche Teil Hinterindiens, der einstmals als Vasallenstaat China unterstand und dessen Bevölkerung mit den Chinesen sowohl völkisch wie kulturell nahe verwandt ist, ein geradezu ideales Kolonial- und Zukunftsland. Die Zeit ist nicht mehr fern, wo sich 50 Millionen Chinesen dort häuslich niedergelassen haben; denn bei der dünnen Besiedelung — es zählt trotz seiner üppigen Fruchtbarkeit nur 20 Millionen Einwohner — hat Jndochina reichlich Raum für das Mehrfache feiner Bevölkerung.
Auch in die übrigen OebitV Hinterindiens, ja selbst bis nach Vorderindien hinein lenkt der Chinese seine Schritte. Jede Stadt hat ihr Chinesenviertel, das sich immer mehr vergrößert. Eine besondere Rolle spielen die Chinesen auf den Inseln Niederländifch-Jndiens, wo sie teilweise als Eroßkanfleute und Großgrundbesitzer in hohem Ansehen stehen. Die Inseln bilden gute Niederlassungsmöglichkeiten und werden darum von chinesischen Einwanderern überflutet. Der chinesische Handel steht dem holländischen um nichts nach; er hat besonders auf der reichsten Insel Java festen Fuß gefaßt.
In neuerer Zeit ist man in immer höherem Maße dazu übergegangen, den südchinesischen Kuli auch in den Tropenländern Mittel- und Südamerikas mit Erfolg einzuführen. Nur die britischen Dominien Australien und Neuseeland verbieten die Einwanderung der Chinesen, weil die Arbeiterparteien in ihr eine Konkurrenz und die Regierung eine Gefahr für die Vorherrschaft der Weißen sieht. Es gibt sonst kein Land und keine Insel im Großen Ozean, wo der Chinese nicht mindestens als Händler Eingang gefunden hätte, selbst in unserer ehemaligen Südseekolonie ist er zu Haufe.
Bei der radikal nach allen Seiten hin erfolgen- den Ausbreitung ist dies eine recht bedeutende flächenmäßige Vergrößerung des chinesischen Wohnraumes, also eine Völkerwanderung. Wer wollte verkennen, daß diese bei dem Erwachen der Chinesen ihre tiefgreifende Auswirkung in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht haben wird. Der in der religiösen Ahnenverehrung begründete reiche Kindersegen sichert dem chinesischen 400-Millionen- Volke eine große Zukunft.
Mitteilung erfolgt, daß der belgische und der französische militärische Sachverständige bei der diplomatischen Vertretung dieser Länder in Berlin allein an der Besichtigung teilnehmen werden, die für Anfang nächster Woche in Aussicht genommen ist.
* ReichsbankprasKienk Dr. Schacht in Rew Dork. Der Gouverneur der Bank von England, Norman und Reichsbankpräsident Dr. Schacht, die un Bord der Mauretania in New Port angekommen waren, werden Besprechungen mit dem Gouverneur der Federal Reserve Bank, Strong, und mit dem Vertreter der Bank von Frankreich, Rist, haben, der bereits in der letzten Woche in New Dork eingetroffen ist. Die Besprechungen finden im Gebäude der Federal Reserve Bank statt.
Die Vorgänge in Ost-Gberschlefien.
Line Interpellation im polnischen Landtag.
rotb. Warschau, 2. Juli. (Eig. Funkm.) Die parlamentarischen Klubs der Nationaldemokraten, Christlichen Demokraten, Christlich-Nationalen und Plasten (Volkspartei von Nitos )haben gestern im polnischen Landtag eine dringliche Anfrage eingebracht über die Zustände, die in O st - O bersch l e s i e n seit der Uebernahme des Wojwod- schaftsamtes durch Graszynski herrschen. Darin wird auf die skadalösen Störungen der Rechtsordnung und der öffentlichen Sicherheit hingewis- fen, die sich die Mitglieder des oberschlesischen aufständischen Verbandes zu Schulden kommen ließen. In der Mehrzahl der Fälle hätten diese ihrer Tätigkeit vollkommen straflos nachgehen können. Die oberschlesischenSicherheitsbehörden hätten sich angesichts dieser verbrecherischen Uedersälle machtlos gezeigt, da sie wüßten, daß der höchste Beamte Oberschlesiens Mitglied der aufständischen Organisation sei. Angesichts dieser Zustände fordern die Interpellanten den Landtag auf, er möge an die Regierung die folgenden Forderungen stellen: 1) Die Regierung möge der Staatsanwaltschaft und den Verwaltungsbehörden befehlen, die allerstreng- sten Untersuchungen in der Angelegenheit der Verbrechen und Angriffe, die vom oberschlesischen Verband durchgeführt werden, zu unternehmen, damit die Schuldigen von den zuständigen Behörden zur Rechenschaft gezogen werden. 2) Die Regierung möge sofort den Wojwoden, Dr. Graszynski, seines Postens entheben.
* Blutgerichte in Rußland und China. De, Gerichtshof in Minsk hat am Freitag in dem Prozeß gegen neun wegen Spionage zu Gunsten Polens Angeklagte das Urteil gefällt. Der Hauptange- flagte Sawicki, der mehrmals die Sowjetgrenze zwecks Einziehung von Nachrichten über die Standorte der Roten Armee überschritten und Agenten für Spionage angeworben hatte .wurde zum Tode verurteilt. Sechs Angeklagte erhielten Gefängnisstrafen und zwei wurden fteigesprochen. — Wie aus Ningpo gemeldet wird, hat der int Abschnitt von Schanghai befehligende General Pcmghu drei Kommunisten durchpeitschen lassen, um von ihnen Nachrichten zu erhalten. Sie wurden sodann enthauptet.
Strefemanns Abschied von Oslo.
Am Freitagnachmittag reifte Stresemann vom Ostbahnhof aus Oslo ab. Zahlreiche führende Persönlichkeiten, unter ihnen der norwegische Ministerpräsident, Mitglieder der Regierung und des Robelkomitees, sowie Vertreter der deutschen Kolonie hatten sich am Bahnhof eingefunden. Als sich der Zug in Bewegung setzte, wurde dem deutschen Außenminister eine lebhafte Kundgebung zuteil. In einer Erklärung, die Stresemann den Vertretern der Presse gegeben hat, sagte er unter an- berent: „Die Tage, die ich in Oslo verleben durfte, gehören zu solchen, die für das Leben eines Menschen vcm bleibender Bedeutung sind. Die Sympathien, die mir von allen Seiten bekundet wurden, und die — rote ich mir bewußt bin — nicht mir als Person, sondern als Leiter der deutschen Außenpolitik und damit der politischen Entwicklung des deutschen Volkes gelten, sind mir um so wertvoller, als mir in zahlreichen Gesprächen mit hervorragenden Männern Norwegens immer wieder eine eigentümliche Art, die Dinge ohne Be- schönigung und doch frei von untätigem Pessimismus zu sehen, entgegengetreten ist. Ich bebaure nur, daß meine Zeit so knapp gewesen ist, um das Land und Volk noch näher kennen zu lernen. Aber was ich davon gesehen habe, hat so tiefe Eindrücke in mir hinterlassen, daß es mein dringender Wunsch ist, in nicht zu ferner Zeit mit größerer Muße wieder hierherzukommen."
Telegramm Skresemanns an Professor Slang.
Nach feiner Ankunft in Fredrik st ad sandte Reichsaußenministe r Dr. Stresemann folgendes Telegramm an den Präsidenten des Nobelkomitees, Prof. Stang:
„Vor dem Verlassen Ihres gastlichen Landes drängt es mich, nochmals meinen herzlichen Dank auszusprechen für den so überaus freundlichen ehrenden Empfang, den mir das Nobelkomitee zuteil werden ließ und der zusammen mit der von hervorragenden Männern Norwegens aus diesem Anlaß dem deutschen Volke bekundeten Sympathie sich für mich zu einem eindrucksvollen GrW nis gestaltete. Auf Wiedersehen!"
* Glückwunschschreiben des Reichskanzlers an den Präsidenken des Carikasverbandes. Der Reichskanzler hat an den Präsidenten des deutschen Caritas-Verbandes Prälaten Dr. Kreutz in Freiburg i. B., anläßlich seines silbernen Priesterjubiläums ein Glückwunschschreiben gerichtet und darin der großen Verdienste des Genannten um die deutsche Caritas gedacht.
* Reichskanzler-Rede anläßlich des Jubiläums des Reichspatentamtes. Bei dem veranstalteten aus Anlaß des 50jährigen Bestehens des Reichspatentamtes veranstalteten Festmahls hielt der Reichskanzler eine Rede, in der er die Glückwünsche der Reichsregierung übermittelte und warme Worte der Anerkenmmg für die Arbeit des Reichspatentamtes fand.
* Reichsinnenminisler a. D. Sülz reist nach Genf. Reichsinnenminister a. D. Dr. Külz ist am Freitag nach einer Meldung der „Voss. Ztg." nach Genf abgereist, um dort entsprechend einem Beschluß des Völkerbundrats die am nächsten Montag zusammentretende, vom Vokerbund einberufene internationale Konferenz zur Schaffung einer Weltnothilfe zwecks ßinberung des Elends bei schweren Erdbeben und andern großen Natur- katastrovben au vräsidieren.