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Fuld aer
Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk
Nr. 146
Dienstag, 28. Juni 1927
S4.Zahrg
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Zur Lage in China.
lieber das Bündnis Tfchiang Kai-scheks und Feng Ju-Hsiang zur Bekämpfung des Bolschewismus teilt die Havasagentur aus Schanghai mit: „Die zwischen den beiden Generalen zu- standegekommene Vereinbarung bildet ein Kompromiß zwischen der Auffassung Feng Iu-Hsiangs, der wegen seiner persönlichen Beziehungen zu Rußland Hankau gegenüber neutral bleiben wollte, und derjenigen Tschiang Kai-scheks, der gegenüber Tschang Tso-lin Neutralität bewahren wollte. Feng Ju- Hsiang hat sich bereit erklärt, öffentlich mit den Lankauer Kommunisten zu brechen und auch mit Borodin. Tschiang Kai-schek werde auf der Linie Pe- king-Bukau und Feng Iu—hsiang von Hankau aus gegen Peking vorrücken. Das Abkommen enthält außerdem eine Anzahl verwaltungsrechtlicher un* politischer Bestimmungen."
Eine Köpenickiade in Paris.
Der verhaftete Roqalistenführer Leon Daudet von seinen freunden befreit. - Der Gefängnisdirektor das Opfer einer kecken Mystifikation.
den Gefängnishof hineinfuhr, unbemerkt das Gefängnis verlassen konnten. Im Lauffe des Nachmittags hat Justizminister Barthou nicht nur mit dem Polizeipräfekten, sondern auch mit dem Gene- ralftaatsanwalt der Republik verhandelt.
Amerika und Dreimächtekonferenz.
. 3n amerikanischen politischen Kreisen ist man nicht g e n e i g t, Großbritannien in der auf der Genfer Dreimächte-Konferenz erörterten Kreuzer- frage nachzugeben. Es wird betont, die Bedeutung der Vereinigten Staaten in der Welt» Ulltik verlange eine vollkommene Parität aller Waffengattungen mit Großbritannien. Englands Argument, daß die Transportwege zwischen dem britischen Mutterland und Ueberfee gesichert werden müßten, wird mit der Begründung abgelehnt, daß England überall Flottenstützpunkte habe, also nicht so viele Kreuzer benötige. Man hat in Amerika den Eindruck, daß die Vereinigten Staa- ten aus Prestigegründen und in Uebereinstimmung mit der überwiegenden Mehrheit der Volksmei'- nung eher die Dreierkonferenz abbrechen, als in ir- flenb einem wesentlichen Punkt nachgeben werden.
Ku« nach 12 Uhr wurde der Gefängnisdirektor am Telephon angeblich vom Innenminister Sar- raut der Befehl erteilt, Daudet, Delest und Se- mard sofort fteizulassen ,auf Grund eines Beschlusses im Ministerrat. Die Begnadigten feien, um Demonstrationen der Royalisten und Kommunisten zu vermeiden, unverzüglich und ganz unauffällig auf freien Fuß zu setzen. Der Gefängnisdirektor, miß- trauisch über die der herrschenden Gewohnheit zuwiderlaufende Weise, wollte einen Beweis haben und telephonierte an das Jnnemninisterium, um ei« Bestätigung des Befehls zu erhalten. Die Ur- Heber des gefälschten Befehls aber, Camelots du Rai, hatten sämtliche Leitungen des Jnnenmini- stermms besetzt, außer einer Leitung an einen Beamten, der, selbst Royalist, mit den Camelots un- ter emer Decke steckte. Der Beamte erklärte mit 55eftimmtbeit, der Befehl sei ihm bekannt und müsse sofort durchgeführt werden. Daudet fuhr vom Ge- sangNisportal mit einer dort wartenden Autodroschke davon. Sein Aufenthalt ist unbe - rannt. In den Räumen der „Action Francaise" ist er im Laufe des Nachmittags nicht erschienen. o,$Pie Havas mitteilt, entspricht die Nachricht der „Action Francaise", daß sämtliche Telephonleitun- gen des Ministerium des Innern von Camelots du Rvl blockiert worden seien, anscheinend nicht dm Taffachen, da in diesem Augenblick gerade der Jlitmfterrat zu Ende gegangen, sollen die Leitungen
Deschlag belegt gewesen fein, bte sich über das Ergebnis des Ministerrats hätten unterrichten wollen. Havas teilt weiter mit, daß man bisher über den Aufenthalt Daudets nichts habe erfahren können. Auch der Generalsekretär der Kommunistischen Partei Semard ist spurlos verschwunden. Man nimmt an, daß er, ebenso wie auch Daudet, sich noch in Paris aufhält. Der Chef- redakteur der Action" Francaise" wurde vom Untersuchungsrichter vernommen, um Auskunft über bte Durchführung des plötzlichen Handstreiches zu geoen.
Poincare beruft das Kabinett zusammen.
L^on Daudet wurde am Samstagabend m aller Eile ein Kabinetts- ^^.s"?krdem Vorsitz PoincareS zusammen- .Der MEisterrat beschloß, den Direktor
Gefängnisses La Sante einstweilen seines Amtes zu entheben und gegen ihn ein Disziplinarverfahren emzuleiten. Außerdem wurde eine Un- Ersuchung über die Umstände der Befreiung der (befangenen angeordnet. Die Havas-Aqentur stellt übrigens fest, daß Daudet und der Geschäftsführer der „Action Francaise" in einer Kraftdroschke, die Ätzung der Reparationskommission.
. Die Reparationskommission hat am Samstag eme Sitzung abgehalten, über die folgendes offizielle Kummuniguö veröffentlicht wird:
„Nach Kenntnisnahme des Berichtes des Generalagenten für die Reparationszahlungen, sowie des Berichtes der verschiedenen Kommissare über die Ausführung des Sachverständigenplanes während des dritten Jahres der Anwendung vom 1. September 1926 bi« 31. Mai 1927, hat die Repa- rationSkonmiision mehrere Sachlieferungsftagen geregelt und das Programm für die pharmazeutischen Erzeugnisse für den Zeitraum von sechs Monaten, . beginnend am 1. Juli 1927, festgesetzt. Sie hat alle bte Ausführung der Verträge von St. Germain und Trianon betreffenden Angelegenheiten geprüft.
* Die Moskauer Zenkralkonkrollkommission für Ausschluß Sinowjews und Trotzkis. Das Präsidium der Zentralkommission der kommunistischen Partei beschloß, auf der bevorstehenden gemeinsamen Tagung des Zentralkomitees und der Zentralkontrollkommission die Frage des A u s sch l u s s e s S «- nowjews und Trotzkis aus der Zahl der Mitgliedern des Zentralkomitees der kommunistischen Partei an&iregen angesichts ihrer wiederholten llebertretung der Parteidisziplin und ihrer unausgesetzten fraktionellen Tätigkeit.
* Der amerikanische Touristenstrom nach Europa. Der Touristenverkehr nach Europa erreichte seinen Höhepunkt. Neun vollbesetzte Dampfer gingen am Samstag in New York ab, darunter sechs Dampfer der International Mercantile Marine Co. mit 6300 Passagieren.
* Proteste des „Roten Kreuzes" gegen die 2Haf- senhinrichtungen in Rußland. Der Präsident des Internationalen Roten Kreuz-Komitees, Ador, hat an die Sowjetregierung folgende Erklärung ge- wndt: Tief betrübt nimmt das Internationale Komitee des Roten Kreuzes Kenntnis von den Nachrichten aus Rußland über die Massenhinrichtungen. Das Komitee nimmt Bezug auf die Beschlüsse der internationalen Rote-Kreuz-Konferen- zen, welche die Repressalien verurteilen und die für den Schutz der Gefangenen und Geiseln ein treten, (rs appeHiert an das moralische Veraniwortungs- Sowjetbehörden gegenüber der ganzen Menschheit. Das Komitee ersucht die Sowjetbe- hörden eindringlichst, Maßnahmen zu unterlassen, die gegen die Gerechtigkeit und die Vernunft verstoßen.
* Fortführung der deutsch-französischen Handels- »ertragsverhandlungen. Nach einem durch Havas verbreiteten EommuniquL des französischen Handelsvertragsverhandlungen haben die deutsche und delsvertagsoerhandlungen haben die deutsche und
» Delegation ihre Besprechungen fort-
gesetzt. Im Anschluß an einen Schriftwechsel zwischen den beiden Delegationen haben die deutschen Vertreter bei ihrer Regierung Instruktionen einge- fordert. — Handelsminister Bokanowski der dem Ministerrat über den Stand der deutsch-französischen Verhandlungen betreffend die Verlängerung des am 30. Juni ablaufenden Handelsproviso- rtums Bericht erstattete, erklärte beim Verlassen des Ellsees den Journalisten, daß die Verhandlungen weiter geführt würden.
* Der Internat Handelskammerkongreß. (Gig. Funkm.) Der feierlichen Eröffnung des Handelskammerkongresses, die Montag vormittag um 11 Uhr im Konzerthause in Stockholm stattfand, wohnte König Gustav und Prinz Eugen von Schweden bei. Die Sitzung wurde vom Vorsitzenden des schwedischen Nationalkomitees eröffnet, worauf der Vorsitzende der internationalen Handelskammer, Sir Alan Anderson, sprach. Im Namen der schwedischen Regierung begrüßte der stellvertretende Minister des Aeußern den Kongreß.
teilt wird, in der also „die Kirche auch nichts mehr zu suchen haben soll". Die Kommunisten, die bekanntlich jede Religion» besonders aber das Christentum, als volksfeindlich ablehnen, gehen noch einen Schritt weiter. In Rußland, wo sie die Staatsmacht in der Hand haben, ist die Schule durchaus religionsfeindlich. Um eine solche Ent- Wicklung in Deutschland unmöglich zu machen, hot «o? .Zentrum in der Nationalversammlung die Alleinherrschaft der Simultanschule entschieden abgelehnt und der konfessionellen Schule ver- fafsungsmäßiges Recht gesichert. Demokraten und Sozialdemokraten hatten nut Stimmenmehrheit in den Artikel 146 der Reichsverfassung die Bestimmung ausgenommen: „Auf einer für alle gemeinsamen Grundschule baut sich das mittlere und höhere Schul- wesen auf." Der Satz hieß ursprünglich: „Auf einer für alle Klassen und Bekenntnisse gemeinsamen Grundschule (der allgemeinen Volksschule) baut sich das mittlere und höhere Schulwesen a>r‘ Unter „allen Klassen" sind hier die V o l k - s ch i ch. t e n zu verstehen. Es sollten also die bestehenden aus sozialen Gründen viel angefochtenen Vottchu- len durch diese Bestimmung beseitigt werden. Das Zentrum war damit einverstanden. Nutzt einverstanden war es jedoch mit der Hinzufiig'.mg „und Bekenntnisse", wodurch eben der simultane Charakter der Grundschule festgelegt werden sollte. Es beantragte daher, diese zwei Wörter „und Bekennt- nisse in dem Satze zu streichen, was auch zuge- sichert wurde. Als am anderen Tage die beschlos- stne Fassung vorgelegt wurde, fehlte auch das Wort „Klassen". Und nun heißt es:: „Auf der für alle gemeinsamen Grundschule usw." Durch den Ausdruck „für alle gemeinsamen Grundschule" ist zwar nicht ohne weiteres der simultane Charakter der ganzen Volksschule, von der die Grundschule nur vier Jahrgänge umfaßt, unzweifelhaft gegeben. Die Absicht der Mehrheit des Ausschusses ging jedoch, wenn auch offenbar verschleiert, in M« Richtung. Die späteren Kämpfe um das Atchsschulgefetz bestätigen diese Annahme. Um teooch die er Auslegung und damit der Beseitigung der konfessionellen Schule einen Riegel vorzuschieben, sah sich das Zentrum veranlaßt, in der kritischen Zeit, als die Demokraten aus der Regierung ausgetreten waren, mit der Sozialdemokratie ein „Schulkompromiß" abzuschließen, durch welches die Erhaltung der konfessionellen Schule (auch der Privatschule) erreicht wurde. Dieses Schulkom- promiß hat nach langen Beratungen, zu denen spater auch Vertreter der Demokraten zugezogen wurden, folgende Fassung erhalten: „Innerhalb der Gemeinden sind indes auf Antrag von Erziehungsberechtigten, Volksschulen ihrer Weltanschauung ober ihres Bekenntnisses einzurichten, soweit hierdurch ein geordneter Schulbetrieb, auch des Absatz 1, nicht beeinträchtigt wird.
Der Wille der Erziehungsberechtigten ist möglichst zu berücksichtigen. Das Nähere bestimmt die'Lau- desgesetzgebung nach den Grund! ätzen k» n t s R ei chsg efe tzes." Dieser Wortlaut ist als Absatz 2 des Artikels 146 in die Reichsver- faffung auf genommen worden. Er enthält manche Unklarheiten^Das fühlten die Verfasser des Arti- kels selbst. Weil aber die Zeit drängte und die Verfassung möglichst rasch zum Abschluß gebracht werden sollte wurde Der Erlaß eines besonderen Gesetzes in Aussicht genommen, durch welche die Unklarheiten ausgraumt werden sollten. Dieses besetz, das „Grundsätze" aufftellen soll, ist das „Reichsschulgesetz". Es war in Aussicht genom- wio <>n ,frf)nn “nb Winter des Jahres
1919=20 zu verabschieden. Dem ungestümen Simul- tamfierungsbrange gegenüber beantragte das Zen- trum: „Vis zum Erlaß dieses Gesetzes bleibt es «11 Rechtslage". Der Antrag wurde
als Artikel 174 tn die Reichsverfassung aufgenom- men und hat den Wortlaut: „Bis zum Erlaß des
Die Ausgabe des Reichsschulgesctzes
Von Abgeordneten A. Rheinländer, M. d. R.
Einzelheiten über die Tat.
In der „Action Frmrcaise" fitzen die Anhänger Leon Daudets beim Champagner, um die Be- tremng Leon Daudets zu feiern, liebet die Art und Werse, wie die Mystifikation im Gefängnis durchgeführt wurde, wird folgendes angegeben: ©egen 1 Uhr mittags begab sich ein Anhänger Daude ts (Camelot du Roi)'in das Ministerium des Innern. 11 andere Mitglieder Der royalistischen Jugendorganisation verteilten sich auf 11 CafäS, die in unmittelbarer Nähe des Ministeriums gelegen sind, und verlangten telephonische Verb in- düng mtt dem Ministerium deS Innern, um die telephonischen Leitungen zu blockieren. Der ht Ministerium des Innern befindliche Camelot du Roi verlangte von dort aus eine Verbindung mit dem Strafgefängnis und ließ den Gefängnisdirektor ans Telephon rufen, dem er mitteilte: Im heutigen Minifterrat ist die Freilassung von Löon Daudet, des Geschäftsführers der „Action Francaise" und des Generalsekretärs der kommunistischen Partei, SÄnard beschlossen worden. Ich bitte Sie- tun Unruhen zu vermeiden, die Inhaftierten sofort aus dem Gefängnis möglichst unauffällig zu entlassen." Der Gefängnisdirettor gab seiner Verwunderung darüber Ausdruck, daß man den Kommunisten wieder freilaffe, aber nicht darüber, daß L6on Daudet in Freiheit gesetzt werden sollte. Der Camelot btt Roi antwortete in energischer Weise, dämm habe er sich nicht zu küm- mern. Es liege ein dementsprechender Beschluß der «Regierung vor. Er erteile ihm den Befehl. Dieser fei sofort auszuführen. Der Gefängnis- Direktor, dem diese Mitteilung zuging, wollte sich doch noch mal vergewissem uno rief da« Ministerium des Jmtem telephonisch an, dessen Serbin« bmbungen aber immer noch besetzt waren, sodaß er eine Verbindung mit dem Camelot du Roi, der die Mysttflkation durchgeführt hatte, erlangte. Dieser erklärte ihm, er habe ihm soeben telephoniert und erwarte dringend, daß der Befehl sofort aus- aefuhrt würde, da er dafür verantwortlich sei. Verzögerungen dürsten auf keinen Fall eintreten, da auch die Presse schon über die Angelegenheit unterrichtet sei. Darauf begab sich der Gefängnis- direktor sofort zu Leon Daudet, der vor lieber- raschung in Tränen auSbrach. Der Direktor for- berte ihn aus, möglichst rasch und unauffällig daS Gefängnis zu verlassen. Leon Daudet umarmte Den Gefängnisdirektor vor Freude. Der Direktor benachrichtigte auch die anderen steizulassenden Ge- fangenen. Inzwischen war eine Kraftdroschke vorge- fahren, die die Camelots du Roi hatten requirieren lassen. Der Direktor begleitete Löon Daudet bis an die Schwelle deS Gefängnisses. Dort bestieg dieser das Automobil und fuhr in der Richtung des Boulevard d' Arago davon. S6on Daudet ist seitdem unauffindbar. Der Polizeipräfett hat bereits Auftrag erteilt, nach ihm zu suchen.
(Ein Reichsbanner-klulo beschossen.
Ein Toter — mehrere Schwerverletzte.
Ein mit Reichsbannerleuten besetztes Automobil wurde, wie die Blätter melden, hinter Müncheberg m der Mark von noch unbekannten Personen über- fallen und beschossen. Ein Reichsbcmner- mann wurde durch einen Bauchschuß getötet und mehrere teil schwer, teils leichter verletzt.
Nach den Bekundungen der stn Städttschen Krmckenhaus liegenden, zum Tell recht schwer ver- letzten Reichsbannerleute hat sich der Vorfall so abgespielt, daß die Reichsbannerangehörigen beim Durchfahren des Dorfes ArenSdors von Dorfbewohnern belästigt und mit Steinen beworfen wur- den. Als sie sich am Ausgang des Dorfes be- fanben.ftelen plötzlich eine Aiyahl Schüsse, wodurch em Relchsbannermann getötet und zehn weitere verletzt wurden. Nach den Ermittlungen der Poli- zei kommt al« Haupttäter der Besitzerssohn August Schmelzer aus Arensdorf in Frage. Er wurde m Hast genommen. Außerdem wurden noch zwei Werwolfmitglieder verhaftet. ’ 8
Der Führer der bekannten nationalistischen Pari- I der Gefängnisdirektor für sie holen ließ und die in /er Zeitung „Action Francaise", Leon Daudet, Den Gekämmislms Fnn.inhtRr der vor einigen Tagen wegen seiner zügellosen Angriffe auf die Regiemng eine Gefängnisstrafe erhalten hatte und dieser Tage verhaftet worden war, sowie sein Geschäftsführer Delest und der Generalsekretär der Kommunistischen Pattei, Semard, sind am Samstagnachmittag auf Gmnd eines gefälschten telephonischen Befehls aus dem Gefängnis La Sant6, wo sie zur Verbüßung ihrer Hast untergebracht waren, entlassen worben.
SAf,^rer-f° umfassend, Vorstellungen über Inhalt und
Ul^nSril,^e5 Gesetzes Platz greifen können. Zahl- miche Aeußerungen in her Presse bestätigen Das.
.der Vorlegung eines Entwurfes ein« Reichsschulgesetzes kommen, desto notwendiaer Km*« x?^r' Abklärung über Zweck und Be- dieses Gesetzes zu schaffen. Es handelt sich nicht um ein Gesetz, welches das ganze Schul- wesmi, vom Kindergarten bis zur Universität, vom
JrT1? J01?' ®5 beschränkt sich nur toCJ8t?t,rs[$ule. Und aus dem Gebiete Des Volksschulwesens will es nur einen kleinen m i^rau-nehmen, nämlich das Verhältnis der
Religion. Endlich will
* Riaterie durch bis ins einzelne ge- penDe Pestimmungen regeln, sondern nur Gru nd- f aufftellen, die als Unterlage für die Landes- ^Nfbung maßgebend fein sollen. So verlangt es Absatz 2 Des Artikels 146 Der Reichsverfassung. xA^n^irmirf dieses Gesetzes trug deshalb °uch .die Uederfchrift: Entwurf eines Gesetzes zur Ausfuhriing des Artikels 146 Abs. 2 der Reichs- Verfassung.
J8e#£Län,mtfl °uf einen einzigen Punkt hat die Aussicht auf dieses Gesetz eine un- gemetne Spannung in allen Volkskreisen ousqe- iF-, e ne Spannung, die nur allzu berechtigt ist. Handelt es sich doch um den Kernpunkt der jahrhundertelangen Kampfe die Konfessionen, die Regierungen, die Pä« Mo?en und vor allen Dingen Die Politiker be- ’^igt hat. Es war Der Kampf um Die Frage: "Soll Volksschule konfessionell bleiben ober soll .durch die Simultanschule ersetzt werden? Ohne aus diesen schweren Kampf einzugehen, soll hier doch erwähnt sein, daß der katholische Volksteil und der potiv gläubige Teil der Protestanten die Erhaltting der konfessionellen Schule verteidigen, wahrend der Liberalismus aller Schattierun- gen zielbewußt und zähe für Die Simultanschule
Unl 5roar ^üreich gekämpft hat. ^in^Po^'ilon nach Der anDeren hat er errungen; antfängfid) nm: geduldet, wurde die Simultan- ^uledurch das preuß Dolksschulunterhaltungsge- setz (1906) gleichberechtigt neben bte Konfessions- und Hessen war sie schon wn^er 8e!L des Kulturkampfes durch Gesetz zur Alleingestaltung gelangt, in Nasiau sogar schon im Jahre 1817 durch obrigkeitliches Edikt durchgefühtt
Der Nationalversammlung, in der die rutschen Demokraten und Die Sozialdemokraten eine überwältigende Mehrheit besaßen, wurde der j^r'uch^unternommen, die Simultanschule aus- schließlich für das ganze Reich zur Regelschule zu machen. Das Zentrum war stets energischer Geg- ner der Simultanisierung der Volksschule. Bischof von Ketteier hat schon vor 1870 und besonders zu Anfang des Kulturkampfes feine Stimme warnend erhoben. Die Simultanisierung in Hessen jedoch nicht verhindern können. Ihn leitete der richtige Gedanke: Die Simultanschule ist ein Schlag den der Liberalismus gegen die katholische Sirrfre führt, um den Einfluß der Religion auf das katholische jUoir su schwachen und allmählich zu unterbinden. Die Simultanschule ist nur die Vorstuse für Die religionslose Schule, und diese religionslose Schule wird aus die Dauer eine religionsfeindliche Schule werden. Diese seine lieber- Beugung ist Leitmotiv des gesamten katholischen Volkes gworden in der Abwehr gegen die an sich noch christliche Simultanschule. Wie begründet dieser katholische Standpunkt war und noch heute ist, hat sich bald gezeigt. Der Sozialismus, den man m kultureller Hinsicht Den Sohn des Libero- lismus genannt hat, ist mit der christliwen Simul- tanfchule durchaus nicht einverstanden. Er fttebt die radikale Trennung von Kirche und Schule an und verlangt die „bekenntnisfreie", die weltliche Schule, in der kein Reliaionsunterricht mehr er-
Zweibrücken in schwerster wirtschaftlicher Jtot- Mste. P>e Schuldenlast Der Stadt Zweibrücken, die rund 25 000 Einwohner zählt, hat, wie die ©tabt- ratsfiRung bei der (Etatsberatung mitgeteilt wurde, eine Jjofye von 4>- Millionen erreicht. Da keine Mogfichkett vorhanden ist, die Schulden aus eige- nen Kräften zu decken, sieht sich Zweibrücken, wenn keine Hufe von anderer Seite kommt, gezwungen, sämtliche Zahlungen ei nzu stellen. Der Zusammenbruch ist, so schreibt das Blatt, die ,Fo ge der Abtretung Des Saargebietes und Elsaß- Lothrlngens. In einer Entschließung richtet der.Stadtrat an das Reich und an die bayrische Regierung das dringende Ersuchen, Der Stadt zu helfen.
* Der König von Spanien in London. Der König von Spanien ist am Samstag von Paris kommend in London eingetroffen und vom König Georg, Dem Prinzen von Wales sowie Dem Prinzen Georg begrüßt worben. Man erwartet, daß er einige Wochen in England bleiben wird.