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Nr. 138.

Samstag, 18. 3uni 1927.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. >: Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk. :»:

Nnrelmmmer 10 M. (mit ZM. Vellaae 15 M.)

uldaerZertung

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakk.

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Der Kartoffel-Zoll.

Zu den interfraktionellen Besprechungen über ble Erhöhung des Kartoffelzolles schreibt die Tagt. Rundschau: Von den in Deutschland eingeführten rund 400 000 Tonnen Kartoffeln bei einem Ver­brauch von rund 40 Mill, entfallen etwa 360 000 Tonnen auf die Einfuhr von F r ü h k a r t o f f e l n, die einem besonderen Zoll unterliegen, der nicht ge- | L ändert werden soll. Die Zollerhöhung kommt nur k für den Rest von 40 000 Tonnen in Frage. Man k -wird der Ansicht sein, so führt das Blatt aus, daß der Kartoffelpreis nicht davon abhängt, ob man diese 40 000 Tonnen mit einem Zoll von 50 Pfenni­gen oder einer Mark pro Doppelzentner belegt. Von diesem Gesichtspunkt erscheint die Erhöhung des Kartoffelzolls keine dringende Forderung zu fein. In der interfraktionellen Besprechung traten die Deutsch-Nationalen für eine Erhöhung ein, während das Zentrum eine Erhöhung ablehnte. Die Deutsche Volkspartei hat keinen bindenden Beschluß gefaßt.

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Die Frankfurter Besprechung.

Im „Dortmunder General-Anzeiger" v. 14. 6. 4927 ist von einer „Vertrauenssitzung linker Zen-

I strumsführer" die Rede. Die Namen von Teil­nehmern werden aufgeführt; das Ergebnis der Ta­gung sei gewesen: „Unter allen Umständen diese

; Regierung zu stürzen".

M Hierzu teilt uns der Einbemfer und Leiter der . I Aussprache, der Chefredakteur der Rhein-Maini- i ■ fchen Volkszeitung folgendes mit:

t „Es hat auf Einladung der Rhein-Mainischen -Volkszeitung hin am 13. Juni in Frankfurt a. M. eine Besprechung des Mitarbeiterkreisesder s /Rhein-Mainischen Volkszeitung statt- gesunden, zu der auch eine Reihe anderer Persön- lichkeiten emgeladen war. Von den im „Dortmun- 1 der General-Anzeiger" genannten Personen hat der Abgeordnete A. Röder nicht teilgenommen. Von I Reichstagsabgeordneten waren anwesend: Dr. Brü­ning, Dr. Dessauer, Joos, Dr. Krone, Schwarz, Frau Teusch, Frau Weber, Dr. Wirth. Die gegen­wärtige politische Lage war Gegenstand der Aus- i spräche. In den Mittelpunkt rückte das Reichs- ; schulgesetz und die mit ihm zusammenhängenoen kulturellen und politischen Fragen und Aufgaben. " £c5 Ergebnis der Aussprache war, daß die Zen- trumspartei so wie bisher die politischen Aufgaben in Freiheit und Unabhängigkeit von rechts und links lösen müsse. Zu dem vom „Dortmunder General-Anzeiger" gemeldeten Ergebnis ist zu be­merken, daß dieses weder Zweck noch Gegenstand der Aussprache gewesen ist. Festzustellen ist außer­dem noch, daß die Einladung zu dieser Aussprache des Mitarbeiterkreises der „Rhein-Mainischen Volks­zeitung" seit Monaten geplant und der Termin bereits festgesetzt war, ehe Dr. Wirth seine be­kannten Fragen in der Oeffentlichkeit aufgeworfen hatte." •

(Eine Lehre.

Aus den Reichstag wird uns geschrieben:

Die Opvositionsparteien benutzten am Dienstag km Reichstag die erste beste Gelegenheit, utn einen Vorstoß gegen die Regierungskoalition zu unterneh­men. Da die zu den Regierungsparteien gehören­den Abgeordneten an Zahl schwächer waren, so er- kitt die Koalition eine Schlappe. "W ’Vfl Rein sachlich hat dieser Erfolg der Opposition wchts zu bedeuten: denn es handelte sich darum, vb der kommunistische Auttag, die Interpellation über die Erhöhung der Posttarife am Mittwoch auf die Tagesordnung zu setzen, angenommen oder ab­gelehnt werden sollte. Wenn nun auch infolge der Nichtanweserlheit zahlreicher Parlamentarier der Re- .. tzierungskoalition der Antrag der Kommunisten An­nahme fand, so konnte am Mittwoch doch keine end­gültige Entscheidung im Parlament getroffen wer- >en. Bekanntlich steht die Reichspost auf eigenen Füßen und die Frage der Tarifregelung kann sie Auä eigener Machtvollkommenheit unter Mittvir- Mng des Verwaltungsrates vornehmen. Der Der- -oaltungsrat aber tritt erst am Freitag zu­sammen, um sich mit dem Entwurf des Reichspost- über Erhöhung der Tarife zu befassen, t Feststellung soll jedoch nicht gesagt sein, -aß d,e Oeffentlichkeit über eine Portoerhöhung be- pnders erfreut sei. Selbstverständlich ist es ein Tnsmn, wenn einige Schwarzseher behaupten, die chhere Bewertung der Beföroerung eines Briefes ei der Anfang einer neuen Jnflarion. So liegen die Dinge nicht. Die iÄhöhung des Portos ist, vom Standpunkt des Steuerzahlers aus »ettachtet, eine neue indirekte Steuer, die umso chwerer drückt, als die Last der anderen Steuern ' ncor als völlig ausreicht, um Kummer und Sor­ten zu bereiten. Besonders die Heineren Geschäfts - Sttc werden am härtesten davon betroffen. Viel- cht findet sich em Ausweg, um die Härten auf mer anderen Seite wieder abzumildern. In die- Beziehung wäre vielleicht an eine Herabsetzung ver Telephonqebühren zu denken.

Doch, wie gesagt, über das Porto entscheidet ; jMn Endes die Reichspost samt Derwaltungsrat iZelvlt. uns wohl an dem oben geschilderten -Vorgang interessiert, ist die Saumseligkeit vieler Parlamentarier. Es ist doch selbstverständlich, daß O:e Oppositionsparteien ständig aus der Lauer lie- §EN> um der Regierungskoalition so oft wie mög- llimmiAinlichkeiten zu bereiten. Wer in den , nten Wochen die demokratischen und sozialdemo- rratischen Blatter verfolgt hat, kann sich darübergar remE Zweifel hingeben. Aus dem Vorgang des Regierungsparteien unweiger- •u) den Schluß ziehen, daß ihre Vertreter immer in fugender Zahl sich nicht nur in Berlin aufhalten "Wen, sondern daß sie auch bei Abstimmungen LtV? diese noch so unwichtig sind, nicht i^ylcil dürfen. Mehr als eine schwierige Gesetzes-

Deutschland und das Ergebnis von Genf.

wtb. London, 17. Juni. (Eig. Funkm.) Der Reuter-Korrespondent in Genf erfährt, daß die Besprechungen zwischen Briand und Strese- mann am 14. und 15. d. Mts. eine beträcht­liche Annäherung der Ansichten über die beide Länder berührende Hauptfragen gezeigt hätten, und daß diese Tatsache von den anderen Außenministern in Genf sehr begrüßt wurde.

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Wenn wir außenpolitisch nicht soviel in Opti­mismus gemacht hätten und weniger, als es der Fall war, der Versuchung erlegen waren, die zwei­fellos errungenen außenpolitischen Vorteile als Er­folge zu feiern, hätten wir aller Wahrscheinlichkeit nach nicht nur unserer Außenpolitik, sondern auch der deutschen Oeffentlichkejt einen Dienst erwiesen und zur politischen Bildungsarbeit am deutschen Volke beigetragen. Daß sich nach den Erfolgsfeiern, die wir nach Locarno, Genf und Thoiry veranstaltet haben, in immer weiteren Kreisen jetzt eine Art Kater st immung festgesetzt hat, ist sicherlich nicht nur eine Folge der zweifellos eingetretenen Versteifung der außenpolitischen Situation, sondern auch der gesteigerten Hoffnungen, die, nicht ganz ohne amtliches Zutun, auf die geernteten Früchte unserer vernünftigen Außenpolitik gesetzt worden sind.

Wie groß die Schwierigkeiten immer noch sind, die wir auf dem Wege zu Deutschlands Wiederauf­stieg und internationalen Geltung zu überwinden haben, zeigt mit bedauernswerter Deutlichkeit die Völkerbundstagung, die gegenwärtig in Genf abge­halten wird. Nüchterne Beurteiler der außenpoliti­schen Entwicklung sind darüber nicht erstaunt, denn die Gründe, die zu einer Stagnation in unserer außenpolitischen Lage geführt haben, treten schon feit längerer Zeit in Erscheinung, und die Verdüste­rung des politischen Himmels Gesamteuropas konnte nach Lage der Dinge nicht zu einer Erleich­terung unserer eigenen außenpolitischen Situation führen. Es wäre darum unrichtig zu sagen, daß etwa die jetzige Reichsregierung im Reiche an der mißlichen außenpolitischen Entwicklung vor allem ober gar allein die Schuld trage, obgleich nicht zu verkennen ist, daß den Gegnern einer Ver­ständigung mit Deutschland und den Siegerstaaten die Tatsache des Bestehens einer Rechtsregierung im Reiche vielfach bequemen Anlaß gegeben hat, der Auswirkung des in Locarno besiegelten Der- ständigungsgedankens Hemmungen zu bereiten. In Wirklichkeit dürfte für manche Politiker im Aus­land die Verständigung mit Deutschland zu schnelle und beängstigende Fortschritte gemacht haben, und sowohl aus wirtschaftlichen wie aus allgemein poli­tischen Erwägungen heraus ist das Bestreben un­verkennbar, Deutschland nicht gar zu bald schon zu einem selbständig mitentscheidenden Faktor in der großen Politik werden zu kaffen. Die europäi­sche Beunruhigung, die stärker als je seit Ausgang des Krieges wieder um sich gegriffen hat, läßt es dem Ausland geboten erscheinen, Deutsch­lands Stellung unter den Mächten Europas nicht zu schnell erstarken zu lassen, um die den Sieger­staaten drohenden Gefahrsmomente nicht noch mehr zu vergrößern.

Das Mißtrauen, diese gefährlichste Ursache aller Streitigkeiten der Völker untereinander, ist leide» noch längst nicht in dem Maße geschwunden, als es im Interesse einer wirklichen Befriedigung Europas wünschenswert und erforderlich wäre. Am unbequemsten ist den Westmächten und insbeson­dere England gegenwärtig die entschiedene Neu­tralität, die Deutschland im englisch-rus­sischen Konflikt aus Selbsterhaltungstrieb wahren muß, und im Zusammenhang damit wirkt es störend, daß Deutschland immer noch nicht mit Polen in gut nachbarliche Beziehungen getreten ist. Man geht kaum fehl in der Annahme, daß bei den Besprechungen der Staatsmänner in Genf das Verhältnis Deutschlands zu Polen Gegenstand ge­wichtiger Besprechungen gewesen ist, und man wird abroorten müssen, ob als Auswirkung der darüber gepflogenen Erörterungen die b eu t f ch-p olni - fchen Handelsvertragsverhandlun- g e n wieder in schnelleren Fluß und zu einem bal­digen Ergebnis gelangen werden. Eine Beendi­gung des deutsch-polnischen Zollkrieges liegt sicher­st chauch im Interesse Deutschlands, und je bereit­williger wir uns zeigen, bei der Bereinigung aller überbrückbaren europäischen Schwierigkeiten mitzu­wirken, um so entschiedener werden wir unser Recht bei Einhaltung striktester Neutralität in dem Kon­flikt mit Rußland wahren können.

In der Frage der O st b e f e ft i g u n g e n ist in Genf sicherlich eine befriedigende Vereinbarung ge­troffen worden, denn nachdem die Zerstörung der Betonbauten von uns zugestanden unb burchgesührt ist, kann bie Verifizierung berfelben für uns keine Prestigefrage fein, wenn nur Vorkehrungen getrof­fen finb, baß biefer Einzelfall kein Präzebenzfall sein bars. Auch dieVerminberungberBe- fatzungsstärke im Rheinlanb sollte für uns keine Prestigefrage sein. Je weniger wir uns auf Handeln im Rheinland verlegen, und statt des­sen um so nachdrücklicher unseren Anspruch auf bie völlige Befreiung ber Rheinlanbe geltenb machen, um so schneller bürsten wir auch im Verfolg bes Zieles ber Wieberherstellung ber beutschen Sou­veränität weiter kommen. Wir haben allem An­schein nach keinen Anlaß, mit ber jetzigen Genfer Ratstagung besonbers zufrieben zu sein, aber wir dürfen auch aus dem Genfer Ergebnis keine beut«

Se Nieberlage folgern. Unsere Stellung in ber eit ist noch keineswegs gefestigt unb unumstrit­ten, unb wenn biefe Erkenntnis aus ben Verhanb- lungen in Genf erwächst unb Gemeingut bes Volkes wirb, bann bürfen wir bie Hoffnung hegen, baß Regierung unb Reichstag in aller Nüchternheit unb Folgerichtigkeit ben bisherigen Kurs ber beutschen Außenpolitik weiter steuern.

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Im Verlauf einer Geheimsitzung in Genf rich­tete ber Generalsekretär des Völkerbundes an ben Rat eine durch Dubgetinteressen veranlaßte An- ftage, wie er sich zur Ernennung eines deutschen Mitgliedes in bie Mandatskommission stelle, die als möglich im Budget für 1927 vorgesehen sei. Der Rat hat beschlossen, die Anfrage der Mandats­kommission zur Aeußerung zuzuleiten. Rach dem Verlaufe dieser Besprechung, der aus den Forma­lien des Beschlusses nicht ersichtlich ist, handelt es sich, wie das Wolsfbüro erfährt, bei der Ueberwei- sung der Anfrage an die Mandatskommisfion selbst um einen Höflichkeitsakt dieser gegenüber. An einer Erledigung im Sinne der deutschen Auffassung dürfte nach der einmütigen Stellungnahme der Ratsmitglieder nicht zu zweifeln fein.

Der Völkerbundsrat hat sich weiterhin mit dem Ergebnis der Weltwirtschaftskonferenz befaßt und den Bericht Dr. Stresemanns angenommen.

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Der Auswärtige Ausschuß des Reichstags, ber Ausschuß für Volkswirtschaft unb ber Ausschuß für Hanbelspolitik traten Freitag vormittag im Reichstag zu einer gemeinsa­men Sitzung zusammen, um ben Bericht über ben Verlauf unb bas Ergebnis ber Weltwirt­schaftskonferenz entgegenzunehmen. An ber Sitz­ung nahm auch Reichswirtschaftsminister Dr. Cur- tius teil. Sofort nach Eröffnung ber Sitzung ergriff Abg. Lammers (Ztr.), ber Führer ber beutschen De­legation bei ber Weltwirtschaftskonferenz in Genf, bas Wort zu feinem Bericht.

Brianös Heimreise.

Der französische Außenminister Brianb hat vor­zeitig Genf verlassen unb ist nach Paris zurück- gekehrt. Sein körperliches Befinben hat sich so ver­schlechtert, baß er seine Absicht, noch einmal mit Dr. Stresemann zusammenzukommen, nicht ausführen konnte. Wie von ber französischen Delegation ver­lautet, hanbelt es sich bei ber Erkrankung Brianbs um eine schwereEntzünbungbeslinken Auges, woburch eine Entzünbung ber Gehirnhaut broht. Nach bem Gutachten ber Aerzte ist für Brianb eine längere Ruhepause erforberlich. Frank­reich wirb im Völkerbunbsrat burch Paul Boncour unb Loucheur währenb ber weiteren Sitzung ver­treten fein.

Deutsch-französisches Studienkomitee

Das deutsch-französische Stubienfomitee, bas unter bem Vorsitz bes luxemburgischen Industriel­len Mayrisch tagt, hat feine Arbeiten in Paris be= enbet.

Die Beratung biente insbefcnbere ben bei ber letzten Zusammenkunft in Berlin aufgeworfenen Fragen. Im Mittelpunkt bes ersten Tages ftanb ein Referat des burch feine verfaffungs- unb ver­waltungsrechtlichen Schriften bekannten französi­schen Staatsrechtlehrers Maurice C h a r b o n, das sich mit bem heutigen Fuhrerproblern in ber Staatswifsenschaft beschäftigte. Die Besprechungen bes zweiten Tages galten den For­men ber heutigen inbustriellen Entwicke­lung unb ben Rückwirkungen, bie biefe auf all« gemeinwirtfchaftlichem unb sozialem Gebiete ha­ben. Französischerseits sprach insbesonbere bazu ber Präsident des französischen Kohlensyndikats be Beyrinhofs, ber ber Delegierte Frankreichs auf ber Weltwirtschaftskonferenz war. Die beutschen Ge­sichtspunkte würben von Dr. Bücher vertreten. Bei ber für Enbe Oktober nach Luxemburg einzuberu- fenben letzten Sitzung sollen neben allgemeinen Themen bie Folgen behandelt werden, bie bie zu- nehmenbe Rattonalsierung ber Produktton aller Lander auf die internationale Wirtschaft ausübt.

Das Komitee, dem deutscherseits neuerdings der Bischof von Meißen, Dr. Christtan Schrei­ber, beigetreten ist. gab mit feiner Tagung allen Teilnehmern weitestgehende Gelegenheit zu gegen» fettigem Gedankenaustausch unb zur Begegnung mit Vertretern maßgebender französischer Kreise. Hierzu diente hauptsächlich ber Empfang, in dessen Verlauf ben beutschen Mitgliedern der Siubft'n- kommission Gelegenheit geboten wurde, sich über aktuelle Fragen, bie bie deutsch-französische An­näherung betreffen, mit führenden französischen Politikern unb intellektuellen Vertretern bei In­dustrie, bes Hanbels unb ber Finanzwelt auszu- sprechen.

Italien und Belgien.

wtb. London, 17. Juni. (Eig. Funkm.) „Daily Expreß" berichtet aus Brüssel: Nach dort auftau­chenden Nachrichten soll die italienifche Regierung beschlossen haben, die italienische Botschaft in Brüssel zeitweilig einem Geschäftsträger zu überlassen, um dem Mißfallen der italie­nischen Regierung über die Haltung des sozialistischen belgischen Außenministers $ an ber« velde gegenüber Mussolini Ausdruck zu geben. Vaudervelde hat nämlich an einer sozialistischen anti« saszistischen Kundgebung am 1. Mai teilgenommen, auf der verschiedene Redner Mussolini angriffen.

materie harrt in den nächsten Wochen ihrer Be­handlung. Machen eines schönen Tages die Kom­munisten oder die Sozialdemokraten wiederum einen Ueberrumpelungsversuch und haben wegen nicht ge- nügender Besetzung der Bänke der Koalitionspar­

teien damit Erfolg, fo find die Konsequenzen, wenn es sich um wichtige Frage handelt, durchaus nicht abzusehen. Die Lehre vom Dienstag dürste daher Anstoß zu einer gründlichen Eewissenserforschung sein.

bas Urteil in Warschau.

Keine Todesstrafe.

Der Mörder bes russischen Gesandten in Polen, ber Student Boris Kowerba, würbe vom Stanb- gericht zu schwerer Gefängnisstrafe ohne Fristangabe verurteilt unb jeglicher Bürgerrechte für verlustig erklärt. Gleichzeitig hat bas Gericht beschlossen, sich an ben Staatspräsi­denten mit ber Bitte zu wenben, baß bem Ver­urteilten biefe Strafe in eine 15jährige schwere Ge­fängnisstrafe verwanbelt werbe.

Der Staatsanwalt begrünbete in seiner An­klagerede, weshalb bie Angelegenheit vor bas Stcmbgericht gehöre unb vertat ben Standpunkt, baß ber Morb an Woikow als die Tat eines E i n» Seinen zu betrachten fei, ber sich weder irgend­welchen Organisationen, noch von sonstigen Be­gleitumständen leiten ließ. Die Frage des Straf­maßes überließ der Staatsanwalt der Entschei» düng des Gerichts.

In Moskau ist man mit bem Urteil natürlich sehr unzufrieben.

Der Telegraphenagentur ber Sow­jetunion wirb offiziell mitgeteilt, baß die Mel-, biing, wonach bie Sowjetregierung beabsichtige, an bie polnische Regierung eine neue Note abzusenben, ohne bie Antwort der polnischen Regierung auf bie jüngste Sowjetnote abzuwarten, nicht ber Wahr, heft entspricht.

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Die Telegraphenagentur ber Sowjetunion ist ermächtigt, bie von ber Auslandspreise wiederholt verbreitete Meldung über die Verhängung des ,Kriegszustandes über Moskau und ^Leningrad, über Mobilmachung in ber Ukraine unb angebliche Maffenrepreffalien in ver­schiedenen Städten der Sowjetunion als Erfin­dung zu bezeichnen und auf das bestimmteste zu dementieren. Jeder Grundlage entbehren die Mel­dungen von der Erschießung weiterer 28 Offiziere in Moskau, sowie von Massenerschießungen in Wladiwostok, Tiflis unb anderen Städten. Das normale Leben fei nirgends gestört unb keinerlei Maßnahmen zur Abänderung ber Einreise- unb Ausreiseorbnung ber Sowjetunion seien getroffen. Massenausreisen von Ausländern seien keineswegs zu verzeichnen.

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Die Telegraphenagentur der Sowjetunion mel­det: Das Militärtribunal in Kronstabt ver­urteilte den ehemaligen Kommandanten eines der baltischen Flotte angehörenden Schiffes, Klepikow, wegen Spionage zuguntten Eng­lands zum Tobe, seine Frau wegen Beihilse zu brei Wochen Gefängnis. Klepikow versorgte einen in Finnlcmb sich aüfhaltenben Vertreter bes eng­lischen Geheimdienstes mit Geheimberichten über den Zustand der Kriegsstreitkräfte der Sowjet­union, besonders der Flotte. Klepikow hat seine Spionagetätigkeit eingeftanben.

Diplomatischer Zwischenfall in Oslo.

Der russische Gesandte in Oslo (Norwegen), Maker, begab sich in das Ministerium des Aeußern zu einer Konferenz mit dem Außenminister Lydke. Heber die Konferenz wurde keine offizielle Mit­teilung ausgegeben. Es hat sich wahrscheinlich um die Trauerfeierlichkeit gehandelt, die m der russi­schen Gesandtschaft aus Anlaß der Ermordung des russischen Gesandten in Polen stattfand. Hierbei Hatte Maker in seinem Nachruf einen äußerst schar­fen Angriff gegen England gerichtet, der als ein Bruch derchiplomati sch en Bezieh­ungen angesehen wird.

Sieg der Franzosen in Syrien?

wtb. Paris, 17. Juni. (Eig. Funkm.) Nach einer aus London kommenden Agenturmeldung aus Konstantinopel sollen die französischen Truppen in heftigem Kampfe Sultan Attasch in der Gegend von Sigha vernichtend geschlagenhaben. Attasch sei nach Bagdad geflüchtet. Man bettachte nunmehr den Ausstand in dieser Gegend Syriens als beendet,

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Die französische Kammer hat den Gesetzentwurf bes früheren Kriegsministers Dalabier, ben er bem Regierungsentwurf für bie Militärgesetze entgegen» stellte, mit 324 gegen 220 Stimmen abgelehnt.

Albanien.

England und ber Albanien-Konflikt.

Das Reuterbüro erfährt, daß die Nachricht vcpi der Abreise des albanischen diplomatischen Ver- treterS bei bet jugoslawischen Regierung Regierung Tsena Beg aus Belgrad in britischen Kreisen Bedauern hervorgemfen habe, da dies bedeute, daß der diplomatische Bruch zwischen Jugo- flawien und Albanien jetzt vollständig sei. Es bestehe jedoch keine Neigung, unnötig pessimistisch wegen der Lage zu sein, da angenommen werde, daß durch Vermittlung der Großmächte ein Aus­weg aus der augenblicklichen Sackgasse gefunden werde. Man erwatte, daß die Frage möglicherweise inoffiziell von den alliierten Staatsmänner? in Genf aufgenommen wird.

Die Lage in China.

wtb. London, 17. Juni. (Eig. Funkm.) Au- Tsingtau wirb gemeldet: Nachbem Genera! Tschanatschungtschang, ber Schantung-Defehlshabe'. unb Anhänger Tschangtsolins ist, den japanischen unb chinesischen Behörden mitgeteilt hatte, daß er nicht die Verantwortung für die Gcherheit der japanischen Staatsangehörigen in Schantung übernehmen könne, wurden 1500 Mann japanischer Truppen nach der Hauptstadt der Schantung-Pro- vinz Tsiman-Fu entsandt. Ferner sind Verstör»