Fulda, den 14. Juni 1927.
Vie Lage des klrbeitsmarktes.
5m Bezirk des Arbeitsnachweises Fulda hat sich die Arbeitsmarktlage weiter erheblich gebessert. Die Zahl der Erwerbslosen- und Krisenunterstützungsem- pfänger, die Ende April noch 1637 betrug, ist bis Ende Mai aus 1132, also um SOS zurückgeganqen. An dem Rückgang der Erwerbslosigkeit ist beteiligt: der Stadt- kreis Fulda mit 90, der Landkreis Fulda mit 240, der Kreis Gersfeld mit 122 und der Kreis Hünfeld mit 53 Unterstützungsempfängern. Arn 1. Juni wurden von der Erwerbslosen- und Krisenfürsorge unterstützt: in der Stadt Fulda 336, im Kreise Fulda 542, im Kreise Gers- feld 131 und im Kreise Hünfeld 123 Erwerbslose. Di« im Monat Mai aus der Fürsorge ausgeschiedenen Er- wrrbslosen haben in der Tetilindustrie, Wachswarenin- dustrie und in der Lederverarbeitungsindiistrie Haupt- sachlich aber im Baugewerbe und bei sonstigen Außen- arbeiten Beschäftigung gefunden. Die Nachfrage nach Baufacharbeitern von Baufirmen aus Rheinland un» Westfalen war so stark, daß fie nicht restlos befriedigt werden konnte.
Die Arbeitslosigkeit wird in den Sommermonaten noch weiter ^urückgehen, doch wird der Rück- gang voraussichtlich geringer sein, als wie in den oer- stoffenen Monaten.
Erleichterung der Notstandsarbeiten.
D-r Reichsarbeitsminister hat sich hn Einvernehmen mit dem Reichsminister der Finanzen damit einverstanden erklärt, daß die Bedingungen für die Förderung von Notstandsarbeiten bis auf weiteres in folgenden Punkten erleichtert werden:
1. Bei der Errechnung der Zuschüsse und Darlehen werden die neuen Höchstsätze zugrund» gelegt, die durch Verordnung des Reichva'rbeitsmkni- sters vom 9. November 1926 in der unterstützenden Erwerbslosenfürsorge eingeführt worden sind. Als Durchschnittssatz ist der Unterstützungssatz für nicht alleinstehende Personen über 21 Jahre der ersten acht Wochen der Unterstützungszeit mit Zuschlägen für zwei Kinder anzusehen. Die Durchschnittssätze betragen somit im Wirtschaftsgebiet I in der Ortsklasse A 218, in der Ortsklasse B 204, in der Ortsklasse C 190 und in der Ortsklasse. D 176 Reichs Pfennig, im Wirtschaftsgebiet II in der Ortsklasse A 256, in der Ortsklasse B 241, in der Ortsklasse E 226 und in der Ortsklasse D 211 Reichspfennig, im Wirtschaftsgebiet Hi in der Ortsklasse A 275, in der Ortsklasse D 259, in der Ortsklasse C 243 und in der Ortsklasse D 227 Reichspfennig.
2. In begründeten Ausnahmefällen kann bei Förderungsdarlehen die untere Grenze des Zinssatzes bis auf 3 Prozent herabgesetzt werden.
Als begründete Ausnahmefälle sind anzusehen: a) Volkswirtschaftlich besonders wertvolle Arbeiten,-chei denen eine Rentabilität entweder nicht vorlieat oder sich nur in sehr niedrigen, eine höhere Verzinsung nicht gestattenden Grenzen hält.
b) Notstandsarbeiten von Gemeinden, dis durch eine starke und lang anhaltende Erwerbslosigkcrt auch in finanzieller Hinsicht besonders getroffen sind.
3. Die Unterscheidung von Notstandsbezirken und anderen Bezirken wird aufgehoben. In Zukunft sind daher auf alle Notstandsarbeiten 'In Preußen auch diejenigen Besttmmungen anwendbar, die bisher nur für Arbeiten in Nofftandsbeztt» ken und außerdem für solche Arbeiten aalten bei denen überwiegend Erwerbslose aus diesen Bezirken beschäftigt werden.
4. Zu der in 'Vorschlag gebrachten V rlänge- rung der Tilgungsfrist für künftige Darlehen über einen Zeitraum von 15 Jahren hinaus sieht sich der Reichsarbeitsminister nicht in der Lage.
5. Die Gewährung der vorstehenden Erleichterung ist bei dm Gemeinden, in denen Krisenunter.
Sitze.
In der gestrigen Tabelle über
das
Hunderte von Kleinen Anzel$en
I*
5808 913
1299 1102
252 914
443
Stellengesuche, Stellenangebote, Wohnungsgesuche. Wohnungsangebote, Ankäufe und Verkäufe gebrauchter Sachen, Häusermarkt, Grundftücksmarkt werden allmonatlich in der
Fuldaer Zeltuni“ veröffentlicht
_ . _ Wahlergeb
nis waren dem Zentrum nur 12 Sitze zugesprochen. Die Stimmzahl der christlichen Volkspartei war mit 1908 angegeben worden. An beiden Angaben trug der Druckfehler die Schuld. Ferner war in dem Verzeichnis der Einzelergebnisse das Stimmergebnis von Dietershausen versehentlich bei Dietershan und das von Dietershan bei Dietershausen eingesetzt worden.
Der Urlaub der Knoeltellten.
Da der Urlaubsanspruch gesetzlich noch nicht geregelt! ist, bestimmt er sich nach den geltenden tariflichen ober: einzelvertraglichen Abmachungen. Der Angestellte kann: den ihm zustehenden Urlaub voll beanspruchen, Erkran- kung im Laufe des Jahres kann mangels ausdrücklicher Vereinbarung nicht darauf verrechnet werden. Die Zeit des Urlaubs wird vom Arbeitgeber festgesetzt. Haben die Arbeitnehmer ihre Urlaubswünsche eingereicht, ohne Widerspruch erfahren zu haben, fo gilt die beantagte Urlaubszeit als genehmigt. Während des Urlaubs darf der Arbeitnehmer anderweitige bezahlte Arbeit nicht verrichten, sonst gibt er unter Umständen einen wichtigen Grund zu fristloser Auflösung des Dienstvertrages. Verweigert der Arbeitgeber den Urlaub, so kann der Arbeitnehmer Entschädigung in Geld verlangen. Nach überwiegender Anschauung gilt der Urlaubsan. spruch als verfallen, wenn der Urlaub — ohne Veranlassung des Arbeitgebers — nicht während des laufen- ''en Kalenderjahres genommen wird. Kündigt der Arbeitgeber vor der Urlaubsgewähung ohne wichtigen Grund oder gibt er begründeten Anlaß zur fristlosen Kündigung für den Arbeitnehmer, so bleibt der Urlaubsanspruch bestehen und ist gegebenenfalls durch Zahlung der Entschädigung abzugelten. Kündigt der Arbeitnehmer ohne wichtigen G'-und ober wird er mit Recht fristlos entlassen, so entfällt der Anspruch. Ist »r Urlaub der Zeit nach festgesetzt, so muß er ohne Rücksicht auf eine ordnungsgemäße Kündigung vorn festgesetzten Zeitpunkt an gewährt werden. Kündigt der Arbeitnehmer fristgerecht, so entfällt der Urlaubsanspruch, soweit er während des Vertragsverhältnisses nicht mehr gewährt werden kann.
Di« Reichsregierung hat dem Reichsrat den Entwurf einer Verordnung vorgelegt, durch den die Geltung^ dauer deS Gesetzes über eine Krisenfürsorge für EvZ werbSIose b is zum 30. September 1927 ver. l länger! wird. Aendemngen an dem Gesetz sind nichs vorgesehen. I
Büchlein wird auch künftig feinen guten Zw->» aufs beste erfüllen. T
3ur Erwerbslosenfürsorge.
fter^häufe^fiA^hi^^F be5 Reichsarbeitsmini. * .5 Haufen sich die Falle von Mißbräuchen bei der Inanspruchnahme der Grroerbslofenfür. forfle. SBieberbolt ist festgestellt worben daß Er» werbslose sich m dauernden Arbeitsstellen branden oder daß sie Gelegenheitsarbeiten verrichwren obrw den Verdienst aus dieser Zeit dem ösfenttich"» beitsnachweis anzuzeigen. Nicht selten haben sich ferner Personen dadurch zu Unrecht in den Genuß der Erwerbslosenunterstützung gesetzt, daß sie im Unterstützungsgesuch falsche Anssitben machten oder durch eigenmächtige Stempelnachahmung oder aus andere Weise die Kontrollvorschriften verlebten Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteUt" ersucht der Preußische Justizminisler in einer cßaei meinen Verfügung die Strafoersolgungsbehörden gegen solche Mißbräuche, soweit sie den Tatbestand einer strafbaren Handlung, insbesondere etwa Betruges ober der Urkundenfälschung erfüllen nachdrücklich vorzugehen und dabei dem Gesichts^ punkt Rechnung zu tragen, daß die Erwerbslosen, fürforge eine öffentliche Einrichtung von großem sozialpolitischer und finanzieller Tragweite und die Gefahr von Mißbräuchen hier besonders groß iff. Es soll also auf eine der Bedeutung der Tat crtz sprechende Bestrafung hingewirkt werden.
Dem Berufsstande nach sind durch die auf der Zentrumsliste gewählten Kandidaten die wirffchastlichen Verhältnisse des Landkreises Fulda ziemlich richtig zum Ausdruck gekommen: 4 Landwirt« mit verschiedener Betriebsgröße, 3 Arbeiter, 3 Handwerker mit landwirtschaftlichem Nebenbetrieb, 3 Kopfarbeiter. Durch die einseitige Auswahl der Vertreter auf den anderen Lfften ergibt sich für den gesamten Kreistag im Hinblick auf die Berufsstände folgendes Bild: 6 Landwirte, dazu ein weiterer Landwirt, der sich in erster Linie als Kolonialwarenhändler fühlt, 9 Arbeiter, 3 ländliche Handwerksmeister, ein Großschlächtermeffter, ein Kurhotelbesitzer und 3 Kopfarbeiter. Uns will scheinen, daß diese Zusammensetzung den wirtschaftlichen Charakter des neuen Landkreises Fulda nicht ganz richtig spiegelt und die vom Zentrum in Vorschlag gebrachte Dertreterliste, wenn sie sich ganz hätte durchsetzen können, viel besser gepaßt hätte.
3ur Kreistagswal)!.
Das endgültige amtliche Ergebnis.
Der Druckfehlerteufel hatte sich gestern bemüßigt gefühlt, feine Finger auch noch in die an sich schon recht komplizierten Verhältnisse bei der diesmaligen Kreistagswahl des neuen Landkreises hineinzumischen. Aber auch die amtliche endgültige Feststellung der Wahlziffern, die inzwischen stattgefunden hat, wußte die ermittelten Ziffern noch in Kleinigkeiten ändern. Das endgültige amtliche Wahlergebnis ergibt folgende Verteilung der 2 4 Kreistagsmandate. Es erhielten:
Dom Zentrum sind gewählt: Landwirt Karl Herbert-Zirkenbach, Maurer Fritz Schönherr, Großenlüder, Landwirt Vieth, Langenbieber, Schmiedemeister Heinrich Schüler, Malkes, Maurerpolier August Kräh, Sttuht- Flieden, Bürgermeister Albert Pütz, Bad Salzschlirf, Schuhmachermeister Joseph Hartung, Hosenfeld, Schneidermeister und Hüttner Karl Schum, Dietershausen, Pfarrer Joseph Kircher, Petersberg, Domänenpächter Heinrich Bispinck, Maberzell (Trätzhof), Bergarbeiter Jos. Schickentanz, Neuhof-Neustadt, Landwirt Joseph Jestädt, Eichenzell, Lehrer Robert Vogel, Bachrain.
Bon den Sozialdemokraten ziehen ein Gewerkschaftssekretär A u t h-Niederkalbach und Maurer Damian Jahn-Opperz. Von der Liste der Arbeiterschaft sind gewählt: Bahnarbeiter Axt-Petersberg, Bahnarbeiter Jakob-Horas und Fabrikarbeiter Jestädt- Künzell. Don der ch r i st l. D o l k s p a r t e i sind gewählt: Landwirt Vogel-Zirkenbach und Maurer Rehm- Wiffels. Von der Deutschnationalen Volkspartei ist gewählt: Pensionsbesitzer Wilhelm Sinnen- kohl-Bad Salzschlirf. Vom Handwerk und Handel: Metzgermeister Martin-Horas und Landwirt August Leinweber-Uffhausen. Schließlich noch der Landwirt Schmitt, Lappenstein, Gemeinde Rückers.
iBeratung des Prvmems oss yvoerattsrnus und seine finanzielle Auswirkungen gesagt.
„Es wäre verhängnisvoll, wenn man das Problem nur von Preußen aus betrachten wollte. ... Ich will, daß man für eine Aenderung der Struktur des Deutschen Reich» die Weimarer Verfassung sich auswirken laffe. Der Arsikel 18 spricht sich außerordentlich klar über diese Dinge aus."
> Und der Abgeordnete Lauscher trifft den Nagel auf den Kopf, wenn er sagt: „Ein wirkliches Fö- derativsystem kann in Deutschland solange nicht aufkommen, als der Großstaat Preußen besteht." v Die Maus und der Löwe können sich eben nicht föderieren l Deshalb ergibt sich mit Naturwendigkeit die Lösung, die Adam Röder in die Worte faßt: „Man gebe den Niedersachsen und Kurhess-.-n ihr Land zurück, auf das sie geschichtlich und moralisch ein Recht haben, man gebe dem Rheinland wieder seine alte Selbständigkeit, als dem Ursprungsland jenes westlichen Deutschtums, das mit dem südlichen das Deutschland prägte, das als kulturelle Macht den Begriff Mitteleuropa schuf, das werbend und ausgleichend ein Faktor der Völker- verföhnung ist."
Daß für Oesterreich der föderative Aufbau des Reichs die conditio fine qua non des Anschlusses ist, hat der kluge Bundeskanzler Oesterreichs, Prälat Seipel, schön im Jahre 1925 mit wünschenswerter Deutlichkeit durch die Worte ausgedröckt haß die Voraussetzung des Anschlusses das Deutschland vor 1866 fei. So wie er, denken alle Heimattreuen Oesterreicher! Und daß das Rhein- land ohne Preußen leben kann, tft ohne Frage. Das Rheinland war taufend Jahre deutsch, -he Preußen existierte. Es hat im Ruhrkampf bewie- fen, daß es ohne „die preußische Klammer" seine Selbständigkeit und sein Deutschtum verteidigen kann.
i So hoffen wir deutschen Föderalisten zuversichtlich auf baldige Neugliederung des Reiches, allen Gewalten zum Trotz. Wir sehen allein in der Bindung an Stamm und Heimat das Heil für die Zukunft. Diesem Gesetz müssen die geschichtlichen Größen, zwischen denen wir leben, unterworfen werden, auch Preußen. Die Notwendigkeit einer starken Zentrittgewalt im Reich erfordert keineswegs die Vormachtstellung Preußens. Nordamerika und die Schweiz, die praktischen Vorbild:' für den wahren Föderalismus, haben keine Vor- machfftaaten. Auch in Deutschland soll sich künftig kein Stamm bedrückt, keiner minder beteiligt und minder verantwortlich am Reich fühlen als der andere. Deshalb fort mit der Hegemonie Preußens! Wir wollen kein preußische», sondern ein deutsches Deutschland!
In diesem neuen, deutschen Deutschland werden nur wenig Minister und Parlamente sein, dafür aber viel heimaffrohes Volk mit Herz und Hand mitschaffend an dem großen, starken Reich.
Nicht Mißtrauen dieser naturhaften Bewegung gegenüber, sondern Vertrauen und Verstehen ist angebracht. In der deutschen Zemrumspart.'i zumal ist es immer üblich gewesen, allen Kräften freie Entfaltung zu lassen.
In necessariis unitas, in dubiis liberlös, i n Omnibus caritas!
stützte vorhanden pno, onvon abhängig M machen, daß zunächst die in der KrisenfürsorÄ! stehenden Erwerbslosen bei den betreffenden Nofftandsarbei- ten verwendet werden, damit auf diese Weise mit der Durchführung der Notstandsarbeiten gleichzeitig eine Prüfung aller Krisenunterstützten auf Arbeitsfähigkeit und Arbeitswillen erfolgt.
6. Es sind Zweifel entstanden, ob nach dem In- frafttreten der Erwerbslofenverficherung die bereits begonnenen Notstandsarbeiten in der alten Weise weitergefördert werden dürfen. Wie der Reichsarbeitsminister mitteilt, ist beabsichtigt, durch ' Übergangsbestimmungen sicherzustellen, daß die Notstandsarbeiten, die vor dem Inkrafttreten des Gesetzes in Angriff genommen sind, bis zum Ende der laufenden Förderungsfrift zu den vorher bewilligten Bedingungen gefördert werden können.
Zentrumspartei Sozialdemokrat. Partei Arbeiterschaft
Ehristl. Volkspt. (Vogel) Deuffchnationale Dolksp. Handwerk, Handel ufw. Schmitt, Lappenstein
Stimmen, 13
„ 2
n 3
„ 2
„ 1
„ 2
„ 1
9lbcr es iyt eine schiefe Bahn, auf die sie sich beaeocn. Kein Eingeweihter kann im Zweifel darüber sein, daß die Drahtzieher dieser auf den Siändeegoismus eingestellten Bewegungen der Wirtschastspartei mit Kräften zu- sammenarbeiten, die als geschworene Feinde namentlich christkacholischer Weltbettachtung angesehen werden müssen.
Diesen Gruppen von Widersachern mutz die Zen- ttumspartti ihr Ideal in voller Reinheit entgegen» ftellen., Das Programm der Volksgemeinschaft, des Ausgleichs der wirffchastlichen und sozialen Soiwer- wünsche um des Ganzen willen, muß sie mit aller Deut- lichkeit dem Volke zur Erkenntnis bringen. Der Wille zu diesem Programm der Volksgemeinschaft entspringt religiöser Ueberzeugung. Es ist verankert in tiefster Glaubenserkenntnis, gefordert von dem Gebote der christlichen Nächstenliebe. Es mag Zeiten gegeben haben, wo man dieses Programm bei dem einheitlichen Bevöl- kerungscharatter im Fuldaer Land ohne große Schwierigkeiten und ohne viele Worte in dem öffentlichen Leben verwirklichen konnte. Heute geht das in dieser einfachen Weise nicht mehr. Von zwei Seiten greift der Feind an. Da mutz die Vertretung der Zent rüms s a che mit vorbildlichem Eifer, mit unermüdlicher Zähigkeit geführt werden und die Führung gehört in die Hände der besten Männer. Im prattischen politischen Leben setzten sich die einzelnen Bestrebungen niemals so scharf gegeneinander ab, wie es in der Theorie gezeigt werben kann. Wir finden zahlreiche Uebergcmgserscheinungen.. Man kann nicht leugnen, daß auch gewisse Kreise im Zentrum sich von den Lockungen sowohl des Sozialismus als der Wirtschaftspartei haben ankränkeln lassen und dem Gedanken des Klassenkampfes auf der einen Sette, dem Gedanken des Ständeegoismus auf der anderen Sette gewisse Zugeständnisse machen möchten. Leute solcher Art sind in der vordersten Linie der Zen- trumSpaffei heute nicht mehr zu gebrauchen. Sie verwirren bk Kampffront uni» schaden unserer Sache. Wir zweifeln nicht, baß die zuständigen Parteistellen in diesen Tagen in allem Ernst darüber beraten werden, Welche Persönlichketten in die wichtig« Instanz des Kreisausschusses als Repräsentanten der Zentrumsidee zu entsenden sind. Nachdem eine Reihe von Parteien im Kreistag sitzen, ist es nicht mehr Hauptaufgabe der Zentrumspartei, für verwaltungsmäßige Gesichtspunkte, Vertreter nach der Größe eines Ortes oder ähnlichem, Sorge zu tragen. Es kommt daraus an, im Kreisausschuß mit Nachdruck für unsere Idee zu kämpfen und damit den Grund zu legen für neue Wahl- auseinandersetzungen. Mtt papiernen Aufrufen ist nicht viel auszurichten im Kampf der Geister. Es mutz aus Taten verwiesen werden können. Wir messen der Frage, ob ein paar Hundeff Stimmen mehr oder weniger für die Zentrumspaffei abgegeben werden, wenn sie nur durch opferreiche Kompromisse zu erzielen sind, keinen entscheidenden Wert bei. Wir müssen nur immer uns den Glauben erhalten können: es geht um eine gute Sache, es geht um das zeitliche und ewige Glück unserer Volksgenossen im lieben Fuldaer Heimatland. _________________
personennachrichlen.
Ernannt wurde zum technischen Reichsbahn-Inspektor der techn. R.-Ober-Sekretär Herrn. This- f e n in Fulda.
Todesfall.
Heute nacht verschied hier im Alter von 69 Jahren der Geheime Sanitätsrat prakt. Arzt Dr. Hermann Kind. Der Verstorbene war tief verwurzelt mit der Eigenart des heimatlichen Bodens. Er entflammte einer Fuldaer Arztfamilie und wählte auch selbst wieder, nachdem er auf dem Fuldaer Gymnasium im Jahre 1876 die Reifeprüfung bestanden hatte, das ärztliche Studium, in dem er es zu reichem Wissen gebracht hat. Zeit seines Lebens hat er durch fortgesetztes Lernen und Forschen seine medizinischen Kenntnisse auf der Höhe gehalten und in seiner Praxis menschenfreundlich sein Wissen in den Dienst der leidenden Menschen gestellt. Dr. Kind beschränkte seine Tätigkeit nicht auf sein Fachgebiet. Wenn er auch sehr zurückgezogen lebte und feine Geselligkeit auf einen sehr engen Kreis von Freunden beschränkt war, so hat er doch auch im öffentlichen Leben mitgewirkt und in den Jahren 1900 bis 1906 das Amt eines Stadtverordneten begleitet, nicht ohne in einer Reihe damals atjjteller Fragen starken Einfluß auszuüben. Auch im wirtschaftlichen Leben unserer Stadt war Dr. Kind nicht unerfahren und gehörte zeitweilig als Aufsichtsratsmitglied dem Aufsichtsrate der Vereinigten Schuhstoffwerke und der Filzfabrik an. Auch Kunst und Wissenschaft hatten in ihm einen kenntnisreichen Freund und Förderer; namentlich die Heimatliteratur hat Dr. Kind sehr eingehend studiert. Er besaß eine vielleicht einzigartige Sammlung Fuldas Hieran» cher und kulturgeschichtlicher Dokumente. Der Ver- torbene hinterläßt das Andenken eines Mannes, )er zwar feine eigenen Wege ging, aber durch Wif- en und Charakter die Verehrung seiner Mitbürger über das Grab hinaus sich gewonnen hat.
Zum Umtausch vo« Reichsanleihen in Aniethe- ablösungsschuld.
Von der Nachrichtenstelle des Reichsfinanz, ministeriums wird mitgeteilt: die Frist für die Anmeldung der Reichsanlechen neuen Besitzes zum Umtausch in die Anleiheablösungsschuld läuft am 3 0. Juni dieses Jahres ab. Markanlei- hen des Reichs, die nicht zum Umtausch angemel« del werden, sind nach Ablauf der Anmeldungsfrist wertlos. Die Anmeldung ist bei einer Bank, Sparkasse oder Genossenschaft vorzunehmen.
von der Reichswehr.
Mil dem 15. 6. 1927 werden kommandiert: Grimme, Kommandeur des 5. A.-R. zum Stabe des Artillerie-Führers VI. in Münster in Westfalen; Knuth, Oberst beim Stabe des 3. Arlil- lerie-Regiments in Frankfurt a. d. O. zum 5. Artillerie-Regiment in Fulda. Oberst Gnnnne wird voraussichtlich in nächster Zeil zum Arlillerie-Füh- rer VI., Oberst Knuth zum Kommandeur des 5. Artillerie-Regiments ernannt werden.
von der Feuerwehr.
Wir werden gebeten darauf hinzuweisen, daß mtt Rücksicht auf den Fronleichnamstag die Hebung der Reserve-Feuerwehr am Mittwoch, den 15. Juni 1927 ausfäflt. Dafür soll anschließend an die letzte Hebung am 31. August 1927 noch eine Hebung am 14. September 1927 abgehalten werden.
Ausbietung einer Bahnhofswirtschaft.
Nach der am 10. d. M. bei der Reichsbahn-Direktion Frankfurt a. M. stattgehablen Eröffnung der Angebote auf Pachtung der Bahnhofswirtschaft in Schlüchtern haben sich 67 Liebhaber beworben. Auch ein Zeichen der Seit! Die Gebote, in denen ein Prozentsatz des msatzes und eine Mindestsumme als Pacht anzu- bieten waren, bewegten sich zwischen 8 bis 15 Proz. und 200 bis 3800 RM.
Für die Fronleichnamsprozesfion
ist die Sammlung der Gebete, Evangelien und Gesänge, die zum ersten Mal im Jahre 1882 her- auskam, dieser Tage in 5. veränderter Auflage in dem alten Verlag von Aloys Maier-Fulda erschienen. Das Büchlein macht die Mitnahme des Gesangbuchs für die Prozessionsteilnehmer und die Zuschauer entbehrlich. Neu mitgenommen ist der lateinische Text der Gesänge, die an den einzelnen Altären nach Erteilung des Segens von dem Domchor xum Vortrag gebracht werden. Das
— ffiarfenbatwerdn. Der Ehrenvorsitzende, Herr Sell, leitete die schwach besuchte Monatsversammlung am Montagabend. Es wurde mitgeteilt, daß kurz nach de" Mai-Versammlung eine Eingabe bezüglich Entschädigung der Landbesitzer im Kohlhäuserfeld an den Magistrat gesandt wurde. Ein Bescheid steht noch aus. Einer Einladung zur korporativen Beteiligung des Gartenbauverems am Festzug des Kreisturnsestes kann leider^iicht entsprochen werden, da der Gartenbauverein feint Fahne oder Standarte besitzt. An Stelle des kürzlich verstorbenen Vorstandsmitgliedes Mollenhauer wurde Herr S ch o o b gewählt. Herr Ries machte darauf aufmerksam, daß infolge des naßkalten Wetters in letzter Zeit viele Gemüsesorten im Wachsen zurückgeblieben sind. Aus diesem Grunde wäre eine korporative Beteiligung des Vereins bei der hier stattfiudenden Landwirtschaftlichen Ausstellung im Juli nicht empfehlenswert. Die Versammlung beschließt, von der beab- chtigten Ausstellung Abstand zu nehmen. Ferner empfahl Herr Kunstgärtner Ries dringend, die jetzt wieder stark an Obstbäumen auftretende Blutlaus energisch zu bekämpfen. Säumige Obstbaumbesitzer werden mit polizeilichen Strafen belegt. Die Blutlaus ist der gefährlichste Feind der Obstbäume. Bekämpfung mit Petroleum oder wiederholtes Bepinseln der Bäume mit Gustin ist sehr zu empfehlen. Die sorgsamste Obstbaumpflege müßte Hauptaufgabe jedes Obstbaumbesitzers fein, um die hohe Einfuhr ausländischen Obstes (besonders Aepfel) zu erniedrigen. Die Bekämpfung der Raupennester sowie des Stachelbeermehltaus und der Stachelbeerwespe durch Bespritzen sei jetzt unbedingt erforderlich. Der starke Frost im Mai hat viel Schaden an den Obstblüten, besonders Aepfeln, verursacht. Es wurde beschlossen, am 3. Juli nachmittags 13,30 Uhr mit Sonntagstarte einen Ausflug nach Gersfeld zu machen zwecks Besichtigung gut gepflegten Spalierobstes. Herr Ries hatte ein Prachtexemplar von Hortensie zur Schau gestellt, deren Blüten einen Durchmesser von 50 Zentimeter hatten. Ferner gab Herr Kunstgärttier Ries belehrende Aufklärung über Anwendung von Volldünger und Harnstoff. Jni Juli fällt die Monatsversammlung aus. Die Augustversammlung ist am 8. August.
— Hauptversammlung des Rhönklubs in Frankfurt a. RI. Der Rhönklub hatte seine Getreuen zu seiner diesjährigen Hauptversammlung am Samstag und Sonntag nach Frankfurt am Main berufen, wo in der Geschlechterstube des Römers unter dem Vorsitz von Justtzrat Dr. Pfeiffer -Fulda die Hauptsitzung statt- fand, zu der nicht nur die Vertreter des Klubs selbst, sondern auch Delegierte verschiedener befreundeter Vereine herbeigeeilt waren. Der Klub zählt über 11000 Mitglieder in 73 Zweigvereinen. Der Vorstand wurde wiedergewählt, als Ort der nächsten Jahrestagung ist Bad Brückenau ausersehen. Die Wiederaufbauarbeit des Klubs ist erfreulicherweise bereits ein gute« Stück vorwärtsgekommen. Die Mittel für eine eigene Geschäftsstelle wurden bewilligt, ein Antrag auf Her- absetzunng des Jahresbeitrages in Rücksicht auf die Ansprüche, die im nächsten Jahre an den Klub gestellt werden dürften abgeelehnt. Oberlehrer Straub-Würzburg hielt einen Vortrag über Jugendpflege, der sich der Rhönklub bekanntlich mit besonderem Eifer widmet. Der Samstagabend vereinigte die Teilnehmer mit ihren Gästen im Zoologischen Garten zu einem Begrüßungsabend. Der Sonntag war geschäftlichen Sitzungen sowie geselligen Veranstaltungen gewidmet.
— Enthüllung des hessischen Artilleriedenkmals in Darmstadt. Die Enthüllungsseierlichkeiten beginnen am 2. Juli abends; Hauptfesttag ist der 3. Juli. Die Feier ist frei von jeder Politik, gilt nur der Heldenehrung und Kameradschaft. Wer noch keine Einladung erhielt, wolle sie sofort anfordern. Anfragen an Hauptmann a. D. Bickel, Darmstadt, Karlstraße 90. Spenden an die gemeinsame Denkmalskasse „Felda. Regt. 25 Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 20444".
Da? Wahlergebnis vom 12. Juni fordert eine eingehendere Würdigung vom Standpunkt des Kommunalpolitikers. Die ouS Zenttumskreisen stammenden Splttterlisten, die Liste Vogel-Zttkenbach, die Liste Aff-Petersberg und die Liste Schmitt-Lappenstein, die msammen fast 3000 Stimmen aufbrachten (mit den Zentrumsstimmen also 9000), und 6 Mandate erzielten, (mit den Zenttumsmanbaten also 19), haben das Ergebnis der Kreistaaswahl nicht so deutlich werden lassen, Wies bei einheitlichem Vorgehen der Zentrumsanhänger der Fall gewesen Wäre. In diesen Stimmen des Zentrums und der aus dem Zentrumslager stammenden Splttterlisten kann man den starken Kern im kom- munalpolttischffr Leben des neuen Fuldaer Landkreises erblicken. Di« Wideffacher lassen sich, ganz allgemein gesehen, in zwei Gruppen einteilen. Da ist einmal die Sozialdemokratie, die nicht immer einheillich austritt, zuweilen noch mit ihrem linken kommunistischen Flügel erscheint, zuweilen aber, wie bei der diesmaligen Wahl, als alleiniger Deffreter des marr istischeu Klassenkamp feS unter der Arbeiterschaft Boden zu gewinnen versucht. Die Sozial- demokratie gchl aus von dem Dogma deS Materia- liusmus: sie leugnet ethische Forderungen, die auf übernatürlicher Grundlage beruhen, und zieht aus dieser Grundanschauung für alle kulturellen, sozialen und wiffschastlichen Fragen ihre Folgerungen, die m unver- embarem Gegensatz zu den christlichen Fordemngen stehen. So ist es «nverrneidlich, daß auch im Fuldaer Land auf kommunalpolitischem Gebiet wie diesmal so auch in Zukunft ein zäher Kampf der Geister mit den Sozialisten geführt werden muß. Das Se Wahlergebnis zeigt erfreulicherweise, daß der Sozia- mS im Landkreis Fulda wesentliche Foffschritte in der letzten Zeil nicht gemacht hat.
.Der andere beachtensweffe kommunalpolttische Gegner, den ebenso tiefe Unterschiede in Zielsetzung und Beweggffinden von uns trennen, ist die Wirt schäfts- Partei. Diese Gruppe tritt bei den Wahlkämpfen un- ter verschiedenen Namen auf. Wir haben sie in der Stadl Fulda als Bürgerpaffei vor uns gehabt; beider jetzigen Wahl erschien sie unter der Firma: Liste für Handwerk, Handel und Gewerbe. Der AusgangspunN der Lfften und die Gesichtspunkte, unter denen sie zur Wahl empfohlen werden, sind immer dieselben. Im kommunalpolitifchen Leben handele es sich, so wttd gesagt, nur um wirtschaftliche Dinge. Die Gesinnung eines Mandatsbewerbers müsse nur für Wiffschastsstagen festgelegt fein; anderes spiele keine Rolle. Da werde der betreffenbe Kandidat schon wissen, was er zu tun habe. Mil anderen Worten: Wellan- schauung, Kulturbewußlsein, religiöse Ueberzeugung seien Privatangelegenheiten, di« aus dem öffentlichen Leben, wie es sich in den Selbswerwaltungskör- perschasten abspiell, ausgeschaltel werden müßten. Diese Auffassung, wie sie von den Woffsührern söge- nannter Wttlschastslfften verttelen wird, unterschei- bet sich nicht sehr von der sozialistischen Lehre, baß sich alles lediglich nach wirtschaftlichen Gesetzen vollziehe und Religion Privatsache sei. Auch in der Wirtschastspartei haben wir eine Weltanschauungsgruppe vor uns, bi« sich in (Sebantengängen bewegt, mtt benen wir niemals einen Vergleich schließen können. Die Anhänger des Gedankens der Wiffschafts- paffei sind sich allerdings vielfach über die Grundlage ihrer Stellungnahme nicht ganz klar. Sie lassen sich verlocken durck Hinweise auf wirtschaftliche Sonderwünicb«.