Einzelbild herunterladen
 

jgi» Etz ShurimfflWff 10 M- (mit Kustr. Mw 15 M)

Fuldaer Zeitung

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.

Nr. 131.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk.

Donnerstag, 9. Juni 1927.

Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Colonel) lokal 0,15 Ml. auswärts 0,20 Ml. Reklamezeile: lokal 0,60 Ml, auswärts 0,80 Ml. Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheckkonto Franksurt a. M. Nr. 4051.

54.Zahrg.

I Der Mord an dem Sowjetgesandten

Der russische Gesandte in Warschau das Opfer eines Revolver-Kttentats

jiltuS

ten

lern

schränkung der freien Meinungsäußerung und der Redefreiheit. Mer das große Ganze erfordert

l, dokumentiert und Unterord-

*TUttg> ln der Wahrung der Disziplin, in der Uebung Selbstzucht und in der Anerkennung auch der

Autorität der anderen. '

Sröße insbesondere eines sich ja gerade in der Ein

weilen geradezu heroischen Selbst____________o

wir gerade in der Zentrumspartei gar viele.

unter allen Ui,i gu. uvcl uiu/ixr

destoweniger nach wie vor weiter im Auslande den Bazillus des weltrevolutionären

freiwillige Eingliederung und Wahrung der

Vertretung des Standpunktes, gerade, wenn die I schwierig. Schwierig^schon

Auffassung der Mehrheit entgegengesetzt wäre, ' letztlich in Rußland selbsl

ruizipnn und Autorität zu beku tigen . Es ist schmerzlich, daß die gegeben ward durch eine " den nimmer verlöschenden 3

Disziplin.

Don einem unserer ständigen Berliner Poli­tischen Mitarbeiter gehen uns folgende Ausfüh-

. Wieder einmal jagt der Draht die Nachricht von einem politischen Mord um die Erde. Zwar ist es kem gekröntes Haupt und kein Staatsmann schlecht- "en hat, aber doch

Vie Finanzlage Nordamerikas.

Der Unterstaatssekretär im Schatzamt Mill sagte in einem Vortrag vor der Vereinigung der New- yorker Bankiers, das Schatzamt werde nicht nur über einen Einnahmeüberschuß von 600 Millionen Dollars verfügen, sondern auch in der Lage sein, die Staatsschuld um mehr als eine Milliarde $u vermindern.

wegen des Vorfalls am ________

wo ein Polizeibeamter schwer verletzt wurde.

* Unterzeichnung des deutsch-japanischen Han­delsvertrages. Die Agentur Jndo Pacific meldet aus Tokio, daß der Handelsvertrag zwischen Deutschland und Japan am 20. Juni unterzeichnet werde.

innerhalb des gemeinschaftlichen Organismus. Von diesem Standpunkt aus möchte man nur auftichtig wünschen, daß auch Dr. Wirth den Weg in diesen gemeinschaftlichen Organismus, insbesondere in die Frattion zurückfindet und dort an der allein geeig­neten und entscheidenden Stelle seine Sorge aus­spricht und für seine Meinung ringt und kämpft. Er darf gewiß sein, dabei getreue Helfer zu finden.

In der Kölnischen Volkszeitung lesen wir:

Wollens zu verbreiten. Diese Richtung hat bis­her alles über sich ergehen lassen, was in den letzten Monaten versteckt und offen gegen Rußland gerichtet war. Die Aktionen sowohl in Peking wie in Schanghai, wo man indirekt russische Interessen getroffen hat, und auch den direkten Swß gegen Rußland in London. Die Vertreter der zweiten Anschauung möchten Rußlands Interessen mit Ak­tivität und, direkter Aktion vertreten wissen, weil sie die ruhige Haltung gegenüber der Angriffen gegen die Sowjetunion als abträglich für Rußland und als zu schwächlich für einen Staat wie diesen halten. Wie gesagt, zu einer Einigung über den Kurs der russischen Außenp-Mi^'ist man bis heute noch nicht gekommen. Und außerhalb Rußlands haben sich dir Dinge inzwischen so entwickelt, daß Rußland das peinliche Empfinden hat, sich in einem Kreis zu befinden, der allmählich immer enger wird. Rußland sieht, wie sein augenblicklicher Gegner, England, alles versucht, so etwäs wie eine Einheitsfront gegen Rußland herzustel­len; Rußland muß weiterhin feststellen, daß man in Frankreich und in Amerika eine verstärke Emp­findlichkeit gegen den weltrevolutionären Bazilli der Sowjetunion zeigt und mit Worten und Tatz dagegen angeht.

einig ist, welche Richtung man dem außenpolittschen Kurs zu geben habe und welche Methoden in An­wendung gebracht werden müssen. Zwei verschie­dene Anschauungen stehen sich in Rußland gegen­über. Die eine Anschauung wird mit der Parole vertreten, sich durch nichts, was es auch immer sei, provozieren zu lassen, kriegerische Verwicklungen 'Umständen zu vermeiden, aber nichts

Är diese Situation hinein dröhnten die Schüsse, die in Warschau dem Vertreter Sowjetrußlands, Wojkow, das Leben kosteten. Das Attentat ist zwar auf polnischem Boden unternommen worden, aber der Täter ist ein Russe und, wie es heißt, russischer Monarchist. Damit kommen wir den Mo­tiven, zumal wenn man sie gegen den Himergrund der eben geschilderten außenpolitischen Lage Ruß­lands stellt, schon näher. Die politische Seele der Emigranten, deren einer der Attentäter ge- wesm ist, scheint allmählich durch die jahrelange Verbannung von der Heimat derartig mit Giftstoff geladen zu sein, daß es erklärlich wird, wenn ein­mal, zumal jetzt, wo die Gegner des heutigen Staatssystems Rußlands vielleicht Morgenluft zu wittern vermeinen, die polittsche Leidenschaft nach dem alten Mittel des politischen Mordes greift. Rein äußerlich gesehen, liegt vielleicht eine gewisse Parallele mit Serajewo von 1914 nahe. Auch damals eine äußerst gespannte, mit Explo­sionsstoffen geladene politische Atmosphäre, in die nur der Funke zu fallen brauchte, um Explosionen erfolgen zu lassen. Aber dennoch trifft dieser Ver­gleich mit Serajewo in diesem Falle nicht zu. Einmal schon deshalb nicht, weil es in diesem Falle die individuelle Tat eines Menschen ist, der sich nicht als von Organisationen vorgeschoben wußte, sondern aus eigenem Anttieb gehandelt hat; dann auch weil von dem Bestehen einer polnischen Orga-

reglerung. Die Kugeln, die das Opfer trafen, gal­ten nicht ihm als Menschen, sondern dem Staate, den er als Gesandter zu vertreten hatte. Die Wir­kung eines solchen Mordes ist also dieselbe, als ob ein Staatsoberhaupt selbst davon betroffen ist, und

-'vuugiti uuuiuiuuunu; «uuu, aiui uns Die i die Tat wird dadurch zum Ausdmck einer poli- sichere Gewähr dafür, daß nichts geschieht, was tischen Meinung. Die Frage nach den Mottven des dem k a en Willen und dem unverrückbar festgesetz- Attentats auf den russischen Gesandten liegt nahe ten Ziel der Zentrumspattei zuwiderliefe. Bis die endlichen gerichtlichen Untersuchungen völ-

Jm Grunde haben wir es in der Zenttumspartei I lige Klarheit in die Motive zu diesem Attentat ge- ja so außerordentlich leicht, Disziplin zu halten. | bracht haben werden, ist man nur auf Vermutungen angewiesen. Die Vermutungen, die man in diesem Falle hegen könnte, ermangeln allerdings nicht emer gewissen Gewähr dafür, daß sie zutteffm.

,, Rußlands außenpolitische Lage ist unbedingt vierig. Schwiettg schon deshalb, weil man sich

Tschitscherin bei Dr. Ztresemann.

In Baden-Baden folgte der russische Au­ßenminister Tschitscherin einer Einladung des Reichsaußenministers Dr. Stresemann zu einem Frühstück und hatte im Anschluß hieran mit ihm eine längere Aussprache. Der Reichraußen- minister nahm hierbei Gelegenheit Tschitscherin die Teilnahme der deutschen Reichsregieruno an dem Tode des Gesandten der Sowjetrepublik in War­schau Wojkow zum Ausdruck zu bringen. Dr. Stresemann trifft am Mittwoch wieder in Berlin ein.

Wie dieVoss. Ztg." berichtet, hat die Unter­redung zwischen Dr. Stresemann und Tschitscherin bei beiden Teilen außerordentliche Befriedi­gung hinterlassen. Entgegen vielfach herumschwir­renden Mitteilungen, daß es sich bei dem Besuch Tschitscherins um einen besonderen aktuellen An­laß gehandelt habe, teilt das Blatt mit, daß alle diese Nachrichten irrig sind. Irgendein russischer Antrag, wie vielfach behauptet wurde, sei nicht ge­stellt worden.

Heber den Inhalt der Besprechungen im einzel­nen bewahren beide Teile Stillschweigen. Das Blatt glaubt, daß im Mittelpunkt der Bespre­chungen namentlich die finanzielle Auswirkung des Abbruches der englisch-russischen Beziehungen ge­standen habe.

. Tschitscherin gab ferner der Ansicht Ausdruck, daß die bedauerliche Ermordung des russischen Gesand­ten in Warschau jedenfalls zu einer Trübung der Verhältnisse beider Länder nicht bei­tragen werde. Außenminister Dr. Stresemann wird, wie hieVoss. Ztg." weiter meldet, Mittwoch wie­der in Berlin eintreffen und mit dem Reichskabi­nett das Ergebnis der Zusammenkunft mit dem russischen Außenkommissar Tschitscherin besprechen. Am Donnerstag wird eine Kabinettssitzung stakt- finden, in der die Richtlinien für die Genfer Ta­gung des Völkerbundsrates festgesetzt werden sol­len.

Stresemann wieder in Berlin.

Berlin, 8. Juni. (Eig. Funkm.') Reichs­außenminister Dr. Stresemann ist heute vormit­tag wieder in Berlin eingetroffen. Der russische Volkskommissar des Aeußeren, Tschitscherin, wird voraussichtlich erst morgen in Berlin ein- treffen. Am Freitag reist Dr. Sttesemann wieder von Berlin ab. Tschitscherin wird voraussichtlich noch bis Samstag in Berlin bieiben.

2n jeder Organisation, möge sie politischer, sozi­aler oder gesellschaftlicher Natur sein, ist Difziplin das Rückgrat für den Zusammenhalt und für die Aktionsfähigkeit. Ist schon in einer Gruppe, die pur Vertreter einer einzigen Anschauung und Rich­tung ober eines einzigen Jnteresfenkreises umfaßt, disziplinäre Zucht unerläßlich, um die Ziele diefer Gruppe zu verwirklichen, um wieviel mehr ist solche Zucht notwendig dort, wo die Vertreter ver­schiedenartiger Auffassungen und Jnterefsen zu einer gemeinschaftlichen Organisation, die sich die Erreichung einer gemeinsamen Aufgabe zum Ziele gesetzt hat, zusammenschließen.

daß wir eben kraft der hinreißenden Wirkung der I s r 9 Kommunisten. Die

gemeinsamen Idee imstande find, die Vertreter der von der Polizei am ersten Mmgstfeiertag zwangs­verschiedensten wirtschaftlichen und sozialen I RotenFrontkampfer sind, deinVor-

Jnteressen in unseren Reihen zu sammeln und sie zufolge, bis auf drei wieder entlassen wor- zu gemeinschaftlichem Hcmdeln für das allgemeine ^rnehmungsrichter Haftbefehl

Wohl von Volk und Land zu bringen. I wegen des .Vorfalls am Bulowplatz erlassen hat,

Es sei gern zugegeben, daß mancher ost ein

großes Opfer Bringt, wenn er dem Ganzen sich beugen und seine eigene Auffassuna mrückstellen

wir doch gerade ,IUJ. vunu uwuvw«», ivc.m wir gemeinsam zusammenstehen und in gefchlos jener Front all denen begegne unverrückbaren politischen Linie

s^ben. I Savicki ausgefühtt wurde. Er "ist kurz nach der

Nicht um Haaresbreite nt die Zentrumspartei I Operation gestorben. Am Totenbett waren als m der neuen Koalition von ihrer klaren polittschen Repräsentanten der polnischen Regiemng der Mini- Llnie abgewichen. Die Klarheit dieser politischen I fter des Aeußern, Zaleski, und der Chefs des Pro- Lmlenfuhrung herausgearbeltet und der ganzen I tokolls anwesend. Marschall Pilsudski und alle Öffentlichkeit vorgestellt zu haben, ist ja gerade Mitglieder des Kabinetts haben ihre Kotten in der haä Verdienst Dr. Wirchs, der die bekannten Richt- Gesandtschaft abgegeben. Der Attentäter stammt iS «2L 01,5 61

picämgS doch MN,«dluwch! I Stet'e äü?

daß auf die Einhaltung dieser Richtltnien seitens2t^entat8 raffiföen 93ot«

der Zentrumspartei mit der größten Entschiedenheit schafter Kre sttnski begeben und ihm das Bel- und mit dem allerschärfften Nachdruck Wett gelegt ^2er *c-Lregierung zum Ausdmck wird und daß das Zenttum auch tatsächlich die Der- I auch der deutsche Gefchafts-

wirllichung dieser Richtlinien erreicht hat. Man i°^2°^^Eg-erung sem

kmm es ja heute mhig sagen, daß die Koalition ^eid ausgedruckt. Der deutsche Gesandte mWar- nicht mehr bestehen würde, wenn die Deutschnatio- I ?.tc von

pofen sich geweigert hätten, die Verlängerung des 5 Ettas, ebenfalls fein Beileid aus- Republikschutzgesetzes posittv mitzumachen und zu I gesprochen.

verantworten. Hier war eine Kabinettsfrage gegeben, deren Beantwortung durch die Deutsch- pationalen in dem vom Zentrum geforderten Sinne erfolgte. Der Kanzler hat in Bonn ausgesprochen, daß er im selben Augenblick, in welchem ein Ab- weichen von dem klaren Zenttumsstandpunkte ver- I immerhin ein wichtiger Exponent einer Staats- Mcht würde, zum Reichspräsidenten ginge und sich regiemng. Die Kugeln, die das Opfer trafen, aal- feine Verfügungsfteiheit wiedergeben ließe. Das " ---

ist das Wort eines Führers, dem wir unter allen Umständen verttauen müssen. Gerade die Tatsache, Laß Marx die gegenwättige Koalftion führt und als Kanzler verantwottlich Oertritt, gibt uns die

Die Zenttumspattei hat gegenwärtig wieder ein­mal besondere Gelegenheit, ihre Auffassung von i ...., ,

Disziplin und Autorität zu bekunden und zu betä- I k Der russische Gesandte in Warschau, Woikow, tigen . Es ist schmerzlich, daß die Veranlassung dazu 1$, 8ur Begrüßung des auf der Durchreise gegeben ward durch eine Persönlichkeit, die sich SwS? tUffl rS§trä9elS ^osengolz

den nimmer verlöschenden Dank der Zenttumspartei ^f dem Warschau^ Hauptbahnhof

erworben hat dadurch, daß sie ihr Leben in die

Schanze schlug für diesen Staat. Aber auch hier JJiwSL®mtt r.^ Geschaftsttager Rosengolz und gerade hier sollten alle diejenigen, die in gläu- wr besprach war, bat ihn em junger Mann, namens tigern Verttauen und in starker Selbstverleugnung »m eine Unterredung. Kowerko

sich der Fühmng untewrdnen, nicht irre werden, I^rach die Bttte aus, ihm emen Reisepaß nach Ruß- Der Hinweis auf das starke Fundament unserer V, beschaffen, diese Bitte wurde ,edoch von Kraft, das nun einmal in der Disziplin gegeben "bgelehnt. Als der Gesmidte den

ist, war unvermeidlich und unerläßlich. Wir leugnen SW? Cl?

gar nicht, daß wir ein gutes Stück der Sorgen, 9«b,meAtcre Schüsse auf

die Dr. Wirth hat, durchaus teilen, und daß ©^cmbtett ab. Der Gesandte zog ebenfalls auch wir mit starken Bedenken der künftigen Ent- x"19 «2 Tasche und feuette zwei

Wicklung entgegenschauen. I A^usse auf den Attentäter, die zedoch fehlgingen.

Aber diese B-Wi-Miis Hir hi» Dann stürzte Wo,kow zu Boden. Der Attentäter

- -. h A rtJnh» slt ionntcn I wurde verhaftet. Bei der Vernehmung erklärte

- 2 9?r2e ""b nur dann überwinden, werm Kowerko:Das Attentat auf den Gesandten Woj-

er9 ^ront "an C foto habe ich für unser altes Rußland verübt."

er Front all denen oeaeanen, die uns von der I Wojkow wurde sofott im Spital emer Operation

e der Zentrumspartei | unterzogen, die von dem Spezialisten Professor

Savicki ausgefühtt wurde. ~ '

Operation gestorben. S

Bei der Stadtverordnetenwahl in Rheine waren die folgenden sieben Zenttumswahlvorschläge ein­gereicht worden: Allgemeine Zenttumsliste, Kauf­leute- und Handwerker-Zenttumsliste, Angestellten- Zenttumsliste, Arbeiter - Zenttumsliste links der Ems, Arbeiter-Zenttumsliste rechts der Ems, Be- amten-Zenttumsliste.^ Glänzend! Leider unvoll­kommen; es fehlt nämlich die Zenttums-T o t e n- , gräber-Liste.

Die Zentrumspartei ist eine derartige Or- I

L Si'üttSS Der britisch-ägqpiische Zwisch-nfav. und die Auswirkung davon, auf die Wahmng der I . Reuter will wissen, daß, während einige Teile Distiplin entscheidenden Wett gelegt. Es hat 6er ägyptischen Antwort an Großbritannien als immer in der Geschichte der Zenttumspartei Epochen entgegenkommend betrachtet werden, man andere gegeben, in denen es schwer war, den Gedanken der Teile noch für unklar halt. Die ägyptische Regie-

Einordnung und der Unterordnung durchweg Prak- ^ung bekundet gute Absichten Die Note enthalt

tisch zu verwirkllchen. Es hat in Zeiten der Unmhe, °ber einige Einzelheiten, die den Gegenstand wei­cher geistigen und polittschen Kämpfe immer wieder I terer Besprechungen buben werden.

Gegensätze und Meinungsverschiedenheiten gegeben, und gerade im Interesse der Disziplin und Autott- ckät hat hie und da auch mancher Bruch vollzogen .werden müssen. Aber im Grunde ist es uns in der -Zenttumspattei doch immer wieder leicht geworden, Die Autoritätsidee zu verteidigen und Disziplin zu halten, weil wir eben in der Zentrumspartei auf Lem Boden einer gemeinsamen Weltan­schauung uns finden. Darin liegt ja das auch heute noch von unseren Gegnern vielfach garnicht verstandene Geheimnis des Erfolges unserer Arbeit,

I nisation des politischen Terrors gegen Rußland, so gespannt auch die Verhältnisse zwischen Polen und Rußland sein mögen, nichts bekannt ist. 2m übrigen wäre Polen doch in jedem Falle immer nur der Rammsporn anderer Mächte wie Frank­reich oder auch England, von denen trotz aller Aggressivität gegen Rußland doch das eine mit einiger Bestimmtheit angenommen werden kann, daß ihnen nichts daran liegt, wirklich einen Krieg gegen Rußland zu provozieren.

Allerdings sollte dieses Attentat für Rußland immerhin eine gewisse Warnung sein, daß es mit seiner Provaganda der 2dee der Weltrevolution entschieden wird zurückha'ten müf'en. Niema d wird Rußland das Recht auf seine Eigenstaatlichkeit nehmen wollen. Aber ebenso wie Rußland dieses Recht für sich in Anspruch nehmen kann, können die anderen Staaten sich dagegen wehren, daß ihr eigener Staatsbau durch subversive welttevolutio- näre Ideen russischer Propaganda unterwühlt wird; denn letzten Endes sind die verschiedenen Span­nungen, aus denen zum Schlüsse auch dieses Atten­tat zu erklären ist, dadurch erzeugt, daß in anderen Ländern ein instinktiver Abwehrwille gegen das, was man Bolschewismus nennt, wachgeworden ist. Es geht zum Schluß nicht an, daß die anderen Staaten ruhig zusehen können, wie ihre eigenen Angehörigen, von bolschewistischen Ideen benebelt, den Schwur abgeben, wie es jetzt auf dem Roten Frontkämpfertag in Berlin wie­der geschehen ist,stets und immer für die Sowjet­union und für die siegreiche Welttevolutton zu kämpfen." Selbst wenn an einem solchen Schwer 90 Prozent Phrase ist, so haben denn doch die verantwottlichen Staatsmänner die Pflicht, dafür zu sorgen, im Interesse ihres eigenen Landes, daß die übrigen 10 Prozent nicht Sprengpulver für die Nationen werden.

Die(Emigranten und der Mord.

Die Wilnaer russische Ernigranten-Zeitung Das neue Rußland", zu der der Mörder des russi­schen Gesandten Beziehungen unterhalten hat, ver­öffentlichte sofort nach der Ermordung des Sow- jetgefanbten eine Sonderausgabe, in der sie zu einer Versammlung für den Mörder Kowerko aufrief. Das Blatt wurde von den polnischen Be­hörden beschlagnahmt.

Eine russische Note an Polen.

Die Sowjetregierung hat dem polnischen Ge­sandten in Moskau eine Note überreicht, in der sie darauf hinweist, daß sie die polnische Regierung wiederholt vor der Möglichkeit provokatorischer Ver­brechen durch russische konterrevolutionäre Terror­organisationen gewarnt habe. Sie bringt zum Aus­druck, daß die polnische Regierung die Verant­wortung für die Ermordung des russischen Ge­sandten in Warschau nicht ablehnen könne, da sie es an den notwendigen Maßnahmen gegen solche verbrecherischen Akte habe fehlen lassen. Gleichzeitig behält sie sich vor, nach Eintteffen er­schöpfender Nachrichten auf diese Frage zurückzu- kommen.

* *

Die Leiche des ermordeten Sowzetgesandlen Woftorv, die abends aus dem Spital in das Ge­bäude der Sowjetgesandtschaft gebracht wurde, wird am Donnerstag, den 9. ds. Mts. nach Moskau übergeführt. Die Leitung der Svwjetgeso^- schaft in Warschau übernimmt als GeschäftstrlMc ab interim Legationsrat Uljanow.

3um englisch-russischen Bruch.

Die Beamten der Handelskammer des Staates Newyork, die gegen jede Anerkennung Sowjetruß­lands ist, b e g l ü ck w ü n s ch t e n die Mitglieder der englischen Gesellschaft, zu deren Ehren ein Frühstück veranstaltet wurde, zur Lösung der Be­ziehungen zwischen Großbritannien und Rußland. Der anwesende Präsident des Verbandes der bri­tischen Handelskammern, Vyle, erklärte, die Ge­schäftsleute in Großbritannien hätten den Bruch der Beziehungen mit Rußland feit vier Jahrei, gefordert.

Der südslawisch-albanische Konflikt.

Politico" polemisiert im Leitartikel gegen Mi­nisterpräsident Wukitschewitsch wegen seiner nach dem Abbruch der Beziehungen mit Albanien ab­gegebenen Erklärung, daß dieser ohne Folgen sein werde. Das Blatt sagt, der Abbruch der Be- Ziehungen sei eine schwerwiegende Tatsache. Der Ministerpräsident dürfte nicht vergessen, daß Sud- slawien in Albanien nicht Achmed Zogu vor sich habe, sondern Mussolini. Der Abbruch der Beziehungen könne im Gegensatz zu den Erklärun­gen des Ministerpräsidenten schwere Folgen ha-

DieNowosti" sagt, daß die Erklärungen aller derjenigen, die dem Konflikt untergeordnete Be­deutung zuschieben wollen, lächerlich seien. Ee sei unzweifelhaft, daß Italien hinter Albanien stehe. Der Konflikt bedrohe unmittelbar den Frie­den des Balkans. Das Blatt drückt die Hoffnung aus, daß der Völkerbund den europäische» Frieden retten werde.

Der albanische Gesandte Zen« Beg befindet sich noch immer in Belgrad und hat von der südslawi­schen Regierung nicht die Pässe zugestellt bekom­men. Nach einer Unterredung zwischen Zena Beg mit dem Außenminister Marinkowitsch erklärte der Gesandte, daß er und das Gesandtschaftspersonal Belgrad noch nicht verlassen würden. Der alba­nisch-südslawische Konflikt werde sicherlich in eini­gen Tagen beigelegt sein. Man scheint auch in amtlichen Kreisen in Belgrad der Aktion des albanischen Gesandten, die er beim albanifchen Staatspräsidenten Achmed Zogu persönlich einge-