JVo 129.
Sonntag, 5. Juni 1927.
Fuldaer Zeitung
2. Blatt.
Druck der Aukdaer AcNendcuckerei, Fulda
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wte und ^atidwirfschäf}. tigert Saumateiiaheit Marhof- C&merd’
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Lin Vorkämpfer des Völkerbunds.
Dieser Tage hatte der Weltverband der Völker- bundsliga in Berlin zu einem Weltparlament sich zusammengefunden. Der Reichspräsident selber hat den Verhandlungen die größte Aufmerksamkeit gewidmet, und der Leiter der deutschen Politik, Reichskanzler Marx hat der Tagung den offiziellen Gruß der Reichsregierung entböten. Unter Feierlichkeiten und Ehrungen aller Art hat sitz diese Tagung vollzogen. Die Tatsache, daß der Kanzler einer Regierung, in der sich heute auch die Deutsch, nationalen befinden, aussprechen konnte, daß heute in Deutschland der Völkerbund-Gedanke mehr und mehr an Boden gewinnt und daß die Völkerbund- Idee bis auf eine verschwindende Minderheit anerkannt wird, ist politisch von einer ganz außerordentlichen Bedeutung, wenn man sich des Lei» desweges erinnert, den diese Idee und dieser Gedanke gehen mußten.
Und da ist es doch an der Zeit, daß man sich an den deutschen Vorkämpfer für die Idee des Völkerbundes, an Erzberger, wieder einmal erinnert. Zu einer Zeit, in der es ein unerhörtes Wagnis war, hat Erzberger den Gedanken des Völkerbundes nicht nur in die Debatte geworfen sondern auch politisch und wissenschaftlich begrün-
Es ist ein charakteristisches Zeichen für die ffSchnellebigkeit unserer Zeit, daß dieser Kampf Erz- ' bergens für den Völkerbund, und daß insbesondere sein im September 1918 erschienenes und damals epochemachendes Werk: „Der Völkerbund. Der Weg zum Weltfrieden," . heute schon fast vergessen ist. Die Tagung der Volkerbundsliga der ganzen Welt gab Veranlas- fung, an Erzberger und an seinen geradezu heroischen Kampf, in dem er unterlag, nicht weil die Größe der Idee und die Berechtigung der Gründe versagt hätten, sondern weil Erzberger hin- gemordet wurde.
Es ist deshalb ein verdienstliches Unterfangen, d«ß Hans Wehbergin der „Deutschen Republik" (Heft 31) von dieser Bedeutung Erzbergers im Kampf für den Völkerbund eingehend spricht. Mit Recht macht er geltend, daß Erzberger tot ist und nun die anderen die Resultate seiner Politik ein« heimsen. Er sagt:
Anderen wird der Friedenspreis zuteil, wäh- »end Erzberger, fast vergessen von einer ungerechten Nachwelt, zur ewigen Ruhe gegangen ist und sich nicht mehr verteidigen kann.
Wer spricht heute noch von dem im September 1918 erschienen Werke Erzbergers: „Der Völkerbund. Der Weg zum Weltfrieden", (Berlin, Reimar Hobbing, 196 S.), das zum erftenmale von Seiten eines deutschen Politikers, der der pazifi- stifchenBewegung fernstand, mit großer Wärme das Programm eines wahren Bundes der Völker entwarf? Zwar hat Wilhelm IL, wie ich als Sachverständiger des Untersuchungsausschusses des deutschen Reichtags feststellen konnte, an den Rand des ihm vorgelegten Erzbergerfchen Völkerbundentwur- fes, der in der „Boffischen Zeitung" zuerst am 21. September 1918 abgedruckt worden war, das Wort „Dalldorf" geschrieben. Aber die Masse des Volkes, die unter der Schwere des Krieges vier Jahre lang gelitten, dachte damals über Erzbergers Bestrebungen anders und nahm sie wie eine Verheißung auf. In den furchtbaren Monaten des letzten Kriegsjahres wurden viele Deutsche ausge- rlchtet bei dem Gedanken, daß diesem Blutbad ein „wahrer" Friede, so wie ihn Erzberger in seinem Werk befürwortete, folgen werde. Heute wirb jenes, damals in einer Auflage von 50 000 Exemplaren gedruckte und längst vergriffene Buch kaum noch genannt. Schon in dem Jahre, da Erzberger ermordet wurde, schwiegen sich die meisten deutschen Völkerbundsschriften ängstlich über die Verdienste des Erzbergerfchen Buches aus. Der zu Tode geheßte und verläfterte Politiker durfte nicht mehr erwähnt werden. Man vermied es, sich durch
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Doch, was war das? Ging nicht ein Zucken über Prvtvwskas Antlitz?
Nun blickte er mit freundlichem Lächeln auf. Die Zwieselrute in seiner Hand hatte deutlich und kräftig sich dreimal nach unten geneigt.
„Herr, hier ist Wasier! Grabt danach!"
Das war eine Aufregung im Dorfe! Schnell fanden sich freiwillige Arme, und ehe zwei Stunden vergingen, sprudelte wirklich ein Quell aus der aufgewühlten Erde empor, rein, gesund und start!
Protowska, Brunnenzauberer, Wasserfinder, Herr der Wünschelrute! Ja, er war heute der Held des Tages, der Schützling des Dorfes!
Und man hatte gar nicht geahnt, was für ein trefflicher Kamerad der Fremde fein konnte! Nachmittags unter der Linde norm „Roten Hahn!" Was wußte er für Scherze, und wie wundersam strich er die Fiedel! Wie lustig erklangen seine Schelmenlieder!
Schätzten ihn die Alten, so bewunderten ihn die Burschen, und gar die Mädchen, die drehten die Hälse und schwärmten für seine Augen. Nicht, daß er ihnen den Hof machte, nein, sein edles Gesicht, seine sehnige Gestatt und vor allem seine rätselhaften Blicke schienen Zaubermacht zu besitzen; und wenn er seine Geige singen ließ, da knisterte es heraus wie zehrendes Feuer, da wob sich's um die Sinne wie goldene Fäden, da stahl sich's in die Herzen wie sehnsüchtiges Grüßen.
Als sich dann der Abend niederscnkte, mild und maienschön, da gab sich's von selbst, als neckend und werbend die Weisen des fremden Spielmannes erklangen, daß es den Dirnen in den Füßen zuckte, daß ihre Augen lebhafter glühten und daß die Burschen, wie sonst auf dem Tanzboden, die Hüften der Schönen umschlangen und sie jauchzend im ländlichen Reigen schwenkten.
„Hoch, Protowska, hoch!"
Toller wurde das Rufen und ungestümer die Freude.
Die Sonne war indessen hinter den Bäumen ge-
Das Nosenfchlößchen.
Roman von K a r l S ch i l l i n g.
. Nachdruck verboten.
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schwunden. Leise und glanzlos wie ein weißes Wölkchen Ferne ertönten, oder war's, daß der Taktschlaa des Rei ftirtA Sa«- VTY> ahS AWAIIC ____V • « L A— - . - I/O
stieg der Mond herauf.
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gens die nahenden Klänge verschlang?
Zwei Reiter näherten sich dem Lindenplatzc, der auf dem schwarzen Vollblut war der Baron Thilo von Wet- tenstein. Ein langer, graubrauner Bart gab ihm ein gebieterisches Aussehen, aber um seinen Mund lag ein gewinnender Zug von Güte.
Zlurmverbeerungen in Oldenburg.
wib. Oldenburg. 4. Juni. (Eig. Funkm.). Nach genauen Feststellungen sind bei der Wirbelsturmkatastro. phe in Süd-Oldenburg 75 Wohnhäuser und Ne- bengebäude in den Ortschaften Auen, Bolthausen und Lienerloh teils ganz vernicklet, teils schwer beschädigt 9 Personen sind schwer verletzt. Das oldenburgische Staatsministerium hat als erste Hilfe 20 000 Mark zur Verfügung gestellt.
Notwendigkeiten der zukünftigen Entwicklung dazu gehörte, für ihn einzutreten.
Es trifft ferner durchaus zu, wenn Hans Wehberg geltend macht, daß eine gerechte Würdigung der Gesamtleistung Erzbergers auf dem Gebiete der Völkerbundspolitik erst der Zukunft vorbehalten bleiben könne. Der Völkerbund in seiner heutigen Struktur entspricht sicherlich nicht dem Idealbilde, das Erzberger aufzeigte. Umso wid)tjget und wertvoller gerade für uns aber ist es, daß. in dieser rasch vorwärts schreitenden und leider allzu vergeßlichen Zeit sich an das zu erinnern, was einer der unseren in einer unerhört schwierigen Zeit und mit einem persönlichen Mute ohnegleichen für eine Idee geleistet hat, die mehr und mehr, nicht nur bei uns, sondern in der ganzen Welt Boden gewinnt.__
Nun spielt der Frühling seine gewaltigste Sinfonie. Wie in einem rauschenden Triumphe zieht er durchs Land, und alles, was nicht tot und er- ftorben ist, ergibt sich ihm, stellt sich mitten in sein Vreben und laßt sich warm von ihm durchströmen. Seine Sprache geht lieblich ein und wendet sich an leben befonbers. Es ist immer nur die eine Bot- Mlft, die er bringt, aber es vernimmt sie anders der Mensch und anders das Tier, anders die Pflanze und anders die Luft und das Wasser. Doch allen ist sie willkommen und jedes gibt Antwort: „Da bin ich!" Es fühlt sich keines gezwungen und vergewaltigt, sondern jedes ergibt sich gern der warm überredenden Kraft dieses gütigen
Erkennen wir das Sinnbild, das darin liegt?
Jeder Frühling ist ein Bild jenes großen, ersten Pfingstwunders, das Wiederholung will. Nicht etwa Wiederholung in feinen äußeren Umständen, sondern seinem inneren Wesen nach, so wie jeder Frühling anders und doch seiner Wesenheit nach derselbe ist. Und das Wesentliche jenes ersten Pfingsten war nicht das einem jeden ins Gehör fallende Sprachenwunder, sondern das, was dahinter lag und wovon das Sprachenwunder selber wieder ein Symbol war, ein Zeichen nämlich, daß die, die jedem seine Sprache sprachen, allen dies werden konnten und wollten, daß sie bereit waren, sich auszugießen, wie der Geist sich ausgegossen hatte.
So sind heute wir der Wett das Pfingstwun- der schuldig, sind schuldig, daß auch mir „in verschiedenen Sprachen reden", das heißt, daß wir eine Sprache finden, die alle verstehen und auf die alle ein freudig verstehendes Echo geben.
Sieh, da sind sie noch, die Kreter und Araber, die Parther und Elamiter, nur daß sie heute andere Namen tragen und durch Meere und Wüsten von uns getrennt sind. Aber wir brauchen nicht einmal so weit zu denken. Mitten unter uns find ja Ausländer und Abseitige, die von uns weiter
Erstaunen malte sich in seinen Augen, als er die bunten Lampions und das fröhliche Treiben gewahrte.
Mit fester Hand zügelte er das ungeduldige Roß und ließ es nur schrittweise vorwärts schreiten. Er wollte doch sehen, was hier bei dem Bauernvolke so Festliches vorging.
Neben ihm ein süßes Bild, sein einziges Töchterchen, die siebzehnjährige Baronesse Dorothea Eva Marie. Leicht und sicher saß sie auf der kleineren Jsabellen-Stute.
Voll und reich quoll das goldwellige Blondhaar unter dem schmalen Neifhut hervor, und in lieblicher Neugier schürzten sich ihre Lippen.
Jetzt klopfte sie mit der weißen Hand dem schönen Tiere beruhigend auf den Hals.
In der Nähe des Lindenbaumes machten beide unwillkürlich Halt. Mit fragenden Blicken bog sich die Baronesse vor und verschlang mit glückhungrigen Mienen das unerwartete Schauspiel da vor ihr: die tanzenden Paare, die buntfabrigen Lampions, die schwatzenden Alten. Jetzt gewahrte sie mit lebhaftem Erstaunen den Spielmann, seine stolze Haltung, sein edelgeschnittenes sremdes Gesicht, und auch in ihr Ohr stahlen sich weich und werbend die Klänge der Fiedel, daß sie für Augenblicke sich vergaß und in stummem Entzücken der Melodie lauschte.
Hatte anscheinend niemand die vornehmen Gäste bemerkt, so waren sie doch den sonst so blöden Augen des schwachsinnigen Hannes nicht entgangen. Mit grinsender Freude griff er zur Böllerbüchse, geschäftig lud er sie — es galt ja jetzt für die hohe Herrschaft den Ehrenschuß abzugeben — und nun! krachend und grollend zerriß ein mächtiger Schlag die Idylle.
Ein lauter, ängstlicher Schrei antwortete. Jäh brach die Musik ab, wild stob die Menge auseinaber.
Hochauf bäumte sich das Roß des Barons. Ein grimmes Wort entrang sich feinen Lippen, dann packte er die Zügel kurz und fest, daß das erschrockene Tier der Macht
Der Wirt ahnte, heute abend füllte sich noch fein Säckel. Die neue Wasserquelle am Harzbühl berauschte die Köpfe.
„Ein Fest, ein Fest!"
Er hatte es gehört. Laut brüllte er es nach. Dann lief er und rannte und schalt den Wirtsburschen, der nicht schnell genug die bunten Papierlaternen fand, die noch vom letzten Sommerfeste oben in der alten Bodenkammer in der Kiste lagerten.
Mit ungewohnter Schnelligkeit, unterstützt von einem Dutzend flinker Hände, schlang er die lange Wäscheleine um die Bäume, die rings den Dorfplatz vor dem „Roten Hahn" umstanden. Und ehe sich's die Menge noch recht bewußt ward, flammten schon die ersten Lichtlein auf, und die roten, blauen, grünen, gelben Ballons schwebten wie große ruhenge Falter in der Lust.
Höher schlugen die Wellen der Freude. Der reiche Buchenbauer griff mit ungewohnter Freigebigkeit in feinen Beutel. „Ein Faß vom Besten!" Brausender Jubel antwortete ihm.
Und nun lagen und saßen die Burschen und zwischen ihnen die Mädchen und lachten und schwatzten, und ab und zu, da fang wohl des Protowska Zauberfiedel.
Dann ebbte sich das Getöse, und manchmal, da schien es, als wolle all der bunte Lärm vor der süßen Weise ganz ersterben.
Doch da schleppte der schwerhörige Hannes die alte Böllerbüchse herbei, die er — es war seine einzige Kunst — sonst nur zur Kirmes und zum Dorettentag bediente, und weiß Gott, wo er die Schüsse aufgetrieben!
Laut krachend durchschall es die Luft, daß die Mädchen kreischend auffuhren und die Geige verstummte. — Höher stieg der Mond, silberner war sein Glanz. Aus der Linde strömte der Duft, und in die Herzen legte sich jenes unerklärliche Sehnen, wie wir es so leicht an frühlingsholden Abenden empfinden.
Wieder stand Protowska am Stamm der Linde, wieder spielte er polnische Tanzlieder und wieder schwangen sich Burschen und Mädchen im Reigen, doch seiner, sehnender, stiller.
Lag solcher Rausch über den Tänzern und Zuschauern, daß [je die Hufschläge nicht vernahmen, die aus der
1825 FUlda 1825
Bahnhofstrasse 5
sich beugte und nach wenigen Augenblicken wie fest- gebannt dastand, wenn auch der Gischt vor seinem Maule schäumte.
Doch dort, die Eva Marie! In wildem Erschrecken stieg ihre Stute, ein noch junges .furchtsames Tier, so ungebärdig, daß ihrer Reiterin der Zügel entfiel Ein Schrei entrang sich ihrer Brust, qualvoll, erschütternd.
Ein Herzschlag nur, da hatte Protowska die Gefahr auch schon erkannt, und ehe noch die von dem Schrecken gelähmte Menge die Notlage überblickte, haschte feine markige Hand den Zügel des Rosses. Eisern mußte sein Griff fein, denn ob das Tier auch zitterte und widerstrebte, es mußte sich der gewaltigen Faust fügen. Noch einmal wagte es einen kurzen Befreiungsversuch — vergeblich! Mit trotzigem Schlage hob es den Hinterhuf — ein feines Knirschen, und in Trümmern lag die Fiedel, deren Saiten noch eben so füß und sehnend gesungen hatten.
Da traten auch schon hilfsbereite Männer herbei. Schnell warf ihnen Protowska die Zügel zu und wandte sich nach der Baronesse um, die indessen totenbleich auf dem Rücken des Pferdes kauerte.
Wie der Schrecken uns nach überstandener Gefahr oft doppelt mächtig packt, so ging es ihr; eine Ohnmacht wollte sie umfangen . Sie fühlte, wie sie vom Pferde g'itt und konnte es doch trotz aller Willenskraft nicht hindern.
Da sprang Protowska herbei und kam gerade recht, die Sinkende aufzuhalten. Einen Augenblick ruhte das süße, feine Geschöpf an der Brust des landfremden Mannes.
Wie im Traume schlug sie die blauen Augen jählings auf. Zwei seltsam dunklen Sternen begegnete ihr Blick. Unsagbares durchbebte ihre Seele.
Da trat auch schon der Baron hinzu und nahm sie in seinen Arm.
Als sie nach kurzer Zeit in klarer Besinnung die Augen wieder öffnete, war ihr kühner Retter längst in der Menge untergetaucht.
Lächelnd blickte sie ihren Vater an, und wie sie mit der Hand die blonden Löckchen aus der Stirne strich, war es ihr, als striche sie damit den Fiebertraum hinweg, der sie soeben berückt.
(Fortsetzung folgt)
Neuer Transozeanfluy.
Ml dem Flugzeug „(Columbia“ v. Rewyork nach Berlin.
Nun will auch der amerikanische Flieger Chain- berlain mit dem Bellanea Flugzeug „Columbia" den Flug über den atlantischen Ozean versuchen. Das Flugzeug liegt fertig zum Abflug im Newyorker Flughafen. Als Ziel der Fahrt wird Berlin angegeben. Chamberlain wollte bereits in der Nacht zum Freitag den Flug antreten, hat aber wegen des ungünstigen Wetters, das von der hohen See gemeldet lvird, die Abfahrt verschoben.
Die dem Newyorker Flugplatz Curtiß-Field in der Nacht zum Samstag übermittelten letzten Wetterberichte besagen, daß an der Spitze des atlanttschen Ozeans über Neuschottland und Neufundland günftiges Flugwetter herrscht. Dem Nebel, der nordöstlich von Neufundland lagern, kann Chamberlain dadurch entgehen, daß er im Bogen etwas nach Süden ausweicht. Chamberlain ist Samstag abend 11,20 Uhr aus New- york auf dem Flugplatz eingetroffen. An Lebensrnitteln für den Flug führt er 6 Apfelsinen und 10 belegte Brüte mit sich.
(Empfangsootbereifungen in Berlin.
Wie der Berliner Polizeivizepräsident Dr. Weiß der „Boss. Ztg." mitteilt, wird auf dem Flugplatz Tempelhof der Polizeiaussichtsdienst in besonderem Maße verstärkt werden, damit die Landung des Fliegers ohne Zwischenfälle oonftatten geht. Es sind genügend Polizeikräfte zur Verfügung. Cs wird vor allem Wert darauf zu legen fein, daß der Flugplatz bei Ankunft des Fliegers nur von Personen betreten wrd, die ein dienstliches Interesse wahrzunehmen haben.
Die Lufthansa erklärt: Sollte der Flug wirklich stattfinden, so werden wir unseren ganzen Apparat zur Verfügung stellen, um den Flieger zu empfangen. Alle Vorbereitungen, die dem Flieger seinen Weg erleid), tern können, werden von uns getroffen werden. Don der Grenze Deutschlands, ja schon von Amsterdam her, werden wir den Flieger von unseren eigenen Maschinen begleiten lasten. Von Amsterdam werden wir ein umfangreiches Nachrichtennetz für die Presse ausbauen, sodaß der Flieger bei seiner Ankunft auf dem Kontinent sofort gemeldet und auf seinen einzelnen Etappen verfolgt werden kann.
Die „Columbia“ startbereit.
mtb. Newyork, 4. Juni. (Eig. Funkm.). Soeben 3,45 Uhr früh wird das Flugzeug „Columbia", mit dem Chamberlain seinen Europaflug unternehmen will, zum Aufstieg bereit gemacht.
entfernt sind, als wenn sie durch Länder und Ozeane von uns geschieden wären. Alle jene, meine ich, die, unter welchem Namen und unter welcher Fahne auch immer, dem Christentum fremd und feindlich geworden sind und doch alle noch etwas, nein, viel von ihm erwarten. Wie könnten sie sonst so bitter von ihm sprechen? Denen, gerade denen sind wir das Pfingstwunder schuldig, und wir haben niemals ein Recht, uns gleichgültig oder gar überheblich von ihnen wegzuwenden. Auch die Apostel, als sie vor dem zusammengelau- senen Volke standen, haben ja nicht gedacht, „das sind nun die Feiglinge und Verräter, die ruhig zugesehen haben, daß unser Herr überliefert, gefangen und gekreuzigt wurde, was können sie uns angehen?" Nein, sie sprachen zu ihnen in der einem jeden verständlichen Sprache. Und eine solche Sprache gibt es heute noch. Sie heißt: Liebe. Das ist die einzige Sprache, in der wir zu jenen reden können, in der sie uns verstehen und — worauf sie einzig warten. Jene Liebe ist gemeint, die nicht redet, sondern handelt und sich im Dienste der andern verzehrt. Die da lenktet, wie die Frühlingssvnne und alle Lebensbeziehungen wieder entgiftet, erneut und verjüngt. Pfingsten ist Heraustreten aus dem engen Kreise des eigenen Selbst, ist Weitwerden, wie der Geist, der am Pfingstfeste kam. Pfingsten ist ein Sich- verschenken in Liebe und Treue, ist ein Reichfein für andere aus der Kraft des empfangenen Geistes.
Wer also nichts geben kann, von dem ist es klar, daß er noch gar nichts empfangen hat, das heißt, daß in ihm noch nicht Pfingsten geworden ist. Er gleicht jenen kahlen Felsen des Südens, dis nicht ein einziges Blümchen tragen, obzwar tausend Sonnen auf sie scheinen. Er redet, aber er spricht nicht. Das Pfingstwunder eines neuen Menschheitssrühfings aber geht nur von denen aus, die nicht bloß fingen Fons vivus, ignis, chari- tas, sondern das alles auch selber werden wollen und sind.
erste Präsident der „Deutschen Liga für Völkerbund" gewesen, an deren Sitzungen er regelmäßig und zwar anfangs persönlich, später durch seinen Prioatsekretär, den späteren Staatssekretär Hemmer, teilgenommen hatte. Lange vor seinem Tode hatte man Erzberger bereits veranlaßt, seinen Vorsitz in der Deutschen Liga für Völkerbund niederzulegen, damit die Propagandatätigkeit der Liga nicht durch die Tatsache der Präsidentschaft Erzbergers ungünstig beeinflußt werde. Als bann Erzberger ermordet worben war, beschränkte sich die Zeitschrift der De!ltschen Liga für Völkerbund („Neue Brücken", zweiter Jahrgang, Nr. 7/8, Juli/August 19ßl) auf einen Nachruf von genau zehn Zeilen, indem es unter anderem hieß: „Erzberger war einer der ersten, der in Deutschland für den politischen Gedanken des Völkerbundes eintrat. Er war an der Gründung der Deutschen Liga für Völkerbund beteiligt und war auch als Vorgänger des Grafen Vernstörff ihr Präsident. — Eine ausführliche Würdigung feiner Persönlichkeit behalten wir uns vor." Diese ausführliche Würdigung ist ober in Wahrheit nie erschienen. — Daher ist es für jeden Anhänger des Völkerbundsgedankens, für ^r Ver
ständigungspolitik Izeute ein Gebot der Wahrhaftigkeit und der Gerechtigkeit, ein letzter ritterlicher Dienst, den wir dem toten Vorkämpfer des Völkerbundes schuldig sind, festzüstellen, was Erzberger für den Völkerbund getan hat zu einer Zeit, als dieser Gedanke der Mehrzahl des deutschen Volkes noch völlig fernlag und ein klarer Sinn für die
die Nennung des Namens „Erzberger" zu kom- primittieren.
Jenes Buch ist keineswegs die einzige Kundgebung Erzbergers für den Gedanken des Völker- bunbes gewesen, die zunächst außerordentlichen Beifall gefunden hat. So hat Erzberger später am 27. Dezember 1918, auf Einladung der Nettesten der Kaufmannsschaft von Berlin einen 1919 in der Flugschriftensammlung der „Deutschen Liga für den Völkerbund" erschienenen Vertrag „Der Völkerbund als Friedensfrage" gehalten, der außerordentlich beachtet wurde. Damals brängte man sich förmlich zu betn Vortrage, um ben berühmten Staatsmann zu sehen unb zu hören. Aber schon ein Jahr später, als der Friede von Versailles unterzeichnet war und Erzberger einen öffentlichen Vortrag als Präsident der Deutschen Liga für Völkerbund in der Philharmonie halten sollte, mußte er vor Beginn des Dorttages in seinem eigenen Interesse gebeten werden, nicht zu kommen. Denn die Personen, die sich in den überfüllten Saal gedrängt hatten, waren nicht von guten Absichten getragen. Schon damals trachtete man ihm nach dem Leben. Weil der von ihm vertretenen Politik ein unmittelbarer Erfolg zunächst nicht bekhieben war, wanbte man sich von ihm unb seinen Ideen ab, und zwar in so scharfer Weise, daß man, als später die Völkerbundsidee in Deutschland an Boden gewann, den Namen Erzberger mit dem Völkerbund nicht mehr in Beziehung brachte.
Tiefste Undankbarkeit wurde diesem Manne zu Teil! Er war einer der Mitbegründer und der
Auf den hl. Pfingsttag
Von Iah. Hatzfeld. .
Bowlen
Eismaschinen
Eissdiränke Fliegensdiränke Butterkühler billiget
M. Kalb Sohn, Buttermarkt
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