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Anzeiger für die Stadl Aulda und den Landkreis Fulda. Amkliches Kreisblakt.

7lr. 129.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nc. 9. >: Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk. >;

Sonntag, 5. Iuni 1927.

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54.Zahrg.

politischer Umblick.

Gedanken zum Pfingstfest.

3u|ommeitirefien StreseMnn-Wtscherin.

mentreffen.

Um den internationalen Achtstundentag

Menschheit sind, bedarf

Die Besprechungen zwischen Dr. Stresemann und dem russischen Außenkommisfar Tschitsch»riri,die auf russischen Wunsch während der Durchreise Tschitscherins durch Deutschland stattfinden sollen, werden, wie dieVoss. Ztg." wissen will, wegen der kurzen Erholungsreise Dr. Stresemanns u a dj Baden-Baden verlegt werden. Der Außen­minister wird dann nach seiner Rückkehr nach Ber­lin auf dem von der russischen Botschaft veranstal­teten Bankett nochmals mit Tschitscherin zusam-

Trotz allem sollen und dürfen wir nicht ver­zagen. Leben ist Kampf! Aber nur, wenn wir in echter Eemeinschaftsliebe diesen Lebenskampf durch­

gegenüberstehen können. Der Bruch zwischen Mos- kau und London ist ein politisches Warnungsfignal, das in seiner Fernwirkung heute noch gar nicht zu übersehen ist. Der Geist des Kampfes, der Ver­nichtung, ja selbst der Geist des Krieges geht wie­der in Europa um, und Reden, wie sie in letzter Zeit wieder Mussolini gehalten hat, zeigen uns, daß wir vom allgemeinen Pfingstgeist in der Welt noch sehr weit entfernt sind. Dieselbe Erfahrung haben wir ja auch bei der verflossenen Abrüstungs­konferenz in Genf machen muffen.

wtb. Berlin, 4. Juni. (Eig. Funkm.) Der rus­sische Geschäftsträger in London, R o s e n g o l z, ist heute vormittag auf seiner Rückreise nach'Mos­kau in Begleitung von Botschaftsrat Meisky und dem Führer der russischen Handelsvertretung in London, Tschintschuk, in Berlin eingetroffen. Rosen- golz und Maisky begeben sich noch heute weiter nach Moskau, während Tschintschuk zunächst hier verbleibt.

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Das dritte Reichstreffen des Roten Frontkämp-

klärung der Badischen Zentrumsfraktion, die im Badischen Beobachter" vom 2. Juni erschienen ist, vor. Indem sich der Vorstand einstimmig dieser letzten Erklärung anschließt, spricht er sein Be­dauern und seine Mißbilligung zu dem Verhalten Dr. Wirths, insbesondere gegenüber dem Parteivorsitzenden aus.

Deutschland abgefahren. Die Abgeordneten, deren Reise dem Studium der Lage der deutschen In­dustrie gilt, wollen Berlin, Oberschlesien und das Ruhrgebiet besuchen.

Autounfall Austen Chamberlains.

Ter englische Außenminister Austen Cham­berlain wurde auf dem Parlamentsplatz vor dem Unterhaus bei einem Autounfall auf der Heim­fahrt vom Foreign Office leicht verletzt.

Dr. Wirft) und das Zentrum.

, Der Reichsparteivorstand des Zentrums trat am Freitag nachmittag zu einer Sitzung zusammen, 1 bie sich bis in die späten Abendstunden hinzog. Es : wurde ein Bericht der Beauftragten der Partei übet die Verhandlungen mit der Bayerischen : Volkspartei entgegengenommen. Die Beauf­tragten werden die Besprechungen weiter führen.

Anläßlich dieser Sitzung kam auch die Angele­genheit Dr. Wirth zur Sprache. Der inzwischen ' veröffentlichte Brief des Parteivorsitzenden Dr. Marx an Dr. Wirth und dessen Ausführungen in J der ZeitschriftDie Deutsche Republik" wurde zur Kenntnis genommmen. Gleichzeitig lag eine Er--

flus dem Saargebiet.

Ein Engländer Präsident der Saarregierung.

Wie die Saarbrücker Zeitung" erfährt, wird die durch den Rücktritt Stephans frei gewordene Stelle eines Präsidenten der Saarregierung durch den Engländer Sir Ernest Wilton beietzt.

Sftmden und darüber bestand. Eine Besserung trat bereits durch das Gesetz vom 27. Dezember 1911 ein, doch die feste Grundlage für eine gründliche Regelung der Arbeitszeit wurde erst durch die Ende 1918 und Anfang 1919 erlassenen Verord­nungen erlassen. Vor einigen Wochen entbrannte im Reichstag der Kampf aufs neue, als das Ar­beitszeitnotgesetz zur Debatte stand. Die Meinun­gen platzten gewaltig aufeinander, da die Sozial­demokraten ihre Forderung des scheinatischen Acht­stundentages durchaus durchdrücken wollten, ohne habet zu bedenken, daß wir infolge des verlorenen Krieges und der daraus erwachsenen Daweslasten aus allgemeinen volkswirtschaftlichen Gesichtspunk­ten unmöglich eine kürzere Arbeit§-eit ^führen können als die Länder, welche die Sieger im Kriege waren.

Als neueste Phase der Entwicklung kann die Ratifizierung des Washingtoner Abkommens durch Frankreich ängesehen werden, das die Urkunde über die Ratifizierung im Völkerbundssekretariat in Genf nunmehr niedergelegt hat. Diese Urkunde enthält jedoch die ausdrückliche Bestimmung, daß die fran­zösische Ratifizierung erst in Kraft tritt, wenn auch Deutschland und Großbritannien das Abkommen rati­fiziert haben werden. Run ergibt sich die eigen­artige Tatsache, daß nicht Deutschland der hem­mende Faktor bei der internationalen Regelung der Arbeitszeit ist, sondern daß die Widerstäitde von englischer Seite auSgehen. In Genf führte oes­

Das Rrbeitsschutzgesetz.

Ter Arbeitsschutzgesetzentwurf wird, wie der Vorwärts" erfährt, bereits in der nächsten Zeit im Reichsrat zur Beratung kommen. Der Reichs- w irisch aftsrat, der für die Durchberatung des Entwurfes einen besonderen Arbeitsausschuß ein­gesetzt hat, steht augenblicklich noch bei dem Kapitel Arbeitszeit", das erst bis zum Herbst erledigt sein wird. Da aber vom Reichswirtschaftsrat schon ein Teil seiner gutachtlichen Vorarbeiten erledigt ist, kann der R e i ch s r a t bereits mit seinen Bera­tungen beginnen.

Und wie sieht es außenpolitisch aus? Herrscht hier Pfingst g e kst, herrscht hier Pfingst- gesinnung? Um Locarno ist es still geworden! Der Geist von Locarno" hat sich verflüchtigt. Von ihm ist nur noch in den Geschichtsbüchern die Rede. Die außenpolitische Situation hat sich für Deutschland in den letzten Monaten und Wochen zweifellos versteift. Wir werden in den nächsten Monaten manchen Schrftt unternehmen müssen, der schwere - Aufgaben an uns stellt, aber wir fühlen keine Ee- smnung um uns herum, die dem gerecht werden könnte, was das deutsche Volk in all seiner natio­nalen Not und Sorge empfindet. Auch die inter­nationale Außenpolitik atmet alles andere als Pfmgstgeist und Pfmgstgefinnung. Bolschewistischer Revolutionsgeist geht in der Welt um und hat wieder ganze Länder und Völker ht Schrecken und Elend, in Kampf und Blut gestürzt. Die Versuche oes Bolschewismus, nach dem Fehlschlag seiner Bemühungen, außerhalb Europas Fuß zu fassen, nunmehr sich westlich bezw. europäisch zu vrientie- , iuuvui iuh uurt«u -uw jum wvyn m |tui ,,

jeigen uns Gefahren, denen wir nicht achtlos | nächsten und der Menschheit beizutragen vermögen. 1 lassen.

wegen der britische Arbeiterdelegierte am Donners­tag bewegliche Klage, und am gleichen Tage fragte ein Abgeordneter der englischen Arbeiterpartei im Unterhause, weshalb die Ratifikation des Washing­toner Abkommen sich verzögert habe. Der englischen Regierung kam diese Frage höchst ungelegen, denn in gereiztem Tone antwortete der Staatssekretär für Arbeit, daß für die englische Regierung eine diesbezügliche Verpflichtung nicht bestehe. Wer von der britischen Regierung erwarte, daß sie sich be­eilen tmh vorangehen soll, gäbe sich nicht Rechen­schaft von den Schwierigkeiten praktischer Art. Es könne sogar dazu kommen, daß die englische In­dustrie gehemmt würde, während das Ausland in­folge einer anderen Auslegung der Bestimmungen keine Schwierigkeiten haben würde.

Vernimmt man diese Worte aus dem Munde des Vertreters des englischen Kabinetts, so ver­steht man die etwas reservierte und vorsichttge Haltung der deutschen maßgebenden Stellen und der .Kreise, welche Wirtschaftslagen von höheren Ge­sichtspunkten aus zu beurteilen vermögen. Die Sozialdemokraten werden sich allerdings von ihrem Verlangen nach dem schematischen Ächtstundentag nicht abbringen lassen, denn für sie ist der Acht­stundentag Klassenkampfparole. Sie haben die Frage der Arbeitszeit zu einer politischen For­derung erhoben, ohne Rücksicht darauf, ob in ein­zelnen Gewerben eine Notwendigkeit für eine längere Arbeitszeit vorlieqt, oder ob die Allgemeinheit da- ntnter leiden muß. Wenn von gewisser Seite da­rauf hingewiesen wftd, der Arbeiter könne mit sei­ner freien Zeit nichts anfangen, er werde nur zur Bummelei und zum Wirtshausbesuch ver­leitet und die Intensität der Arbeit toerhc durch Verkürzung der Arbeitszeit nicht gehoben, so brau­chen wir wohl nicht besonders zu betonen, daß wir diese Fehlschlüsse uns niemals zu eigen gemacht haben und daß wir solche Argumentationen auch niemals anerkennen werden.' Gerade im Interesse der geistigen Mesterbildung des Arbeiters, im Hin­blick auf die Gesundung hes Familienlebens, zur Hebung des Persünlichkeitswertes jedes einzelnen Menschen begrüßen wir jede vernünftige Begren­zung einer übermäßigen Arbeitszeit. Solange wir aber unter den Lasten der Kriegsfolgen zu leiden haben und uns wirtschaftlich nicht frei regen können, vermögen wir nicht einzusehen, daß wir als ver­armtes Volk zuerst einen Schritt wagen sollen, den zu tun das reiche Großbritannien sich weigert.

allgemeinen Fortschritt der Menschheit sind, bedarf wohl keines Hinweises mehr. Für keinen einsichtigen Politiker oder Volkswirtschaftler gibt es in diesem Punkte Zweifel. Zur Diskussion steht jedoch, ob ein starres Schema Anwendung finden soll, oder ein System, das den Ansprüchen der verschiedenen Ge- werbecrrten gerecht zu werden vermag. Man er­innert sich noch, daß vor dem Kriege zum Beit­spiel in Deutschland die gewöhnliche Ärbcitszeit 10 bis 12 Stunden betrug. Bekannt ist aber, daß in zahlreichen Gewerben eine Arbeitszeit von 12 bis 15

anstaltung in größerem Umkreis abgesperrt. Es kam nirgends zu Zusammenstößen.

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Eine Gruppe von Parlamentsmitgliedern der englischen Arbeiterpartei, darunter Benn Sporr, Greenwood und Whiteley, sind von London rach

ferbundes nahm seinen Anfang in einer Kund­gebung, die der Rote Iung-Fröntkämpferbund im Sportpalast veranstaltete. Die Polizei hatte den Sportpalast während des Aufmarsches der Roten Frontkämpfer und in der ersten Stunde der Ber-

Von unserem ständigen Berliner Mitarbeiter: Es ist eine gute und schöne Sitte, an den gro­ßen Festtagen im Hinblick auf die Gedanken und Stimmungen, die diese Feste verkörpern, sich auch Rechenschaft zu geben darüber, wie der Geist dieser Feste in unserem öffentlichen Sehen sich ausprägt, r Können wir in der Politik, wie wir sie heute vor uns sehen, wirklich den echten und rechten Pfmgstgeist erkennen? Das ist eine schwere Frage, und sie ist nicht minder schwer zu beantworten.

Pfingstgeist ist Gemeinschaftsgeist, ist Opfergeist, ist Geist der Liebe und der Eintracht, Geist der Ver­söhnung und Geist lodernder Hingabe.

' Von alldem sehen wir in unserem öffentlichen Leben recht wenig. Unsere innere Politik ist zwar, soweit die parteimäßige Gruppierung in Frage kommt, in etwa konsolidiert und stabilisiert, aber die inneren Gegensätzlichkeiten sind bei weitem noch nicht ausgeglichen, ja es scheint, als wenn sie in letzter Zeit sich zugespitzt hätten, und die große Feuerprobe auf den Bestand der gegenwärtigen politischen und parlamentarischen Gruppierung wird ja jetzt erst kommen. Die Reichstagsepoche, die nach dem Mlaus der Pfingstferien anhebt, wird zu den geschichtlich bedeutsamsten und zu den technisch und materiell schwierigsten und kritischsten gehören. Wir brauchen ja nur an die Probleme, einerseits des Schulgesetzes, anderersefts der Sttafreform zu er­innern, um auch schon die großen Gebiete zu be­zeichnen, auf denen sich die politischen Gegensätzlich­keiten am schärfsten treffen. Es ist gar nicht ausge­schlossen, daß sowohl bei dem einen wie bei dem anderen Thema die Geister aneinander geraten, und daß sich Entwicklungsmöglichkeiten daraus er­geben, deren politische und parlamentarische Kon­sequenzen heute noch garnicht übersehen werden können.

Mit eine der größten Aufgaben, die das Par- Tament zu bewältigen haben wftd, eine Aufgabe, die für ein Menschenalter hinaus Standard-Wert haben soll, wird die Resorm des Straf­rechts sein. Gewissermaßen als Pfingstgabe ist von Seiten der Reichsregierung dieses gewaltige Werk dem Reichstag vorgelegt worden. Wenn es nicht gelingt, die erste Lesung dieses Werkes, um bas sich jetzt schon, wie die Verhandlungen in Kiel zeigten, wie aber auch sonst aus Sftömungen allenthalben im Lande hervorgeht, die politischen Leidenschaften spinnen, noch vor der großen parla­mentarischen Sommerpause zu Ende zu bringen, bann ist das ganze Werk selbst gefährdet. Seit einem Vierteljahrhundert wird es vorbereitet. Roch sämtliche Kabinette, die seit dem Zusammenbruch amtierten, haben sich um die Fortführung dieser Aufgabe bemüht. Wenn es dieser Reichstag nicht schasst, wftd eine Verzögerung um Monate, ja vielleicht Jahre hinaus unerläßlich sein, und das ist nicht mehr zu ertragen. Der jetzige Reichstag wird ja aller Voraussicht nach schon im Frühjahr nächsten Jahres zu Ende gehen, und so ist es schon aus technischen Gründen notwendig, daß die erste Lesung in den nächsten Wochen zu Ende geführt wird, und daß dann in der großen Pause die Kommission in Ruhe die Einzelberatung bis zum Wiederzusammentritt des Reichstags im Herbste vorbereiten kann. Die Fertigstellung dieses Wer­kes und die Art, wie das geschieht, wird aber auch eine Probe und Prüfung für den Reichstag selber sein, und wir können es uns sehr wohl denken, daß die Reichsregierung, wenn die Polltischen Gegen­sätzlichkeiten das Zustandekommen dieses Werkes gefährdeten, kurzer Hand den Entwurf zurückzöge und einem neuen Reichstag die Aufgabe übertragen würde.

Wirtschaftlich ist auch nicht mehr viel von einem Pfingstgeist zu bemerken. Was wir bei­spielsweise in den letzten Wochen an der Börse erlebt haben, war krasser materialistischer Geist, war unheimliche Raffgier und war eine Methode, die kalten Herzens über Leichen geht. Eine Spiel- leidenschast ohnegleichen hat das deutsche Volk bis in weite Kreise hinein erfaßt, und wir konnten Entwicklungen beobachten, wie sie schlimmer kaum in der für alle Zeit berüchtigten JnflattonS-Epoche waren. Unsere Währung selbst stand in Gefahr, und da mußte freilich ein tiefer Eingriff erfolgen, der schwere Wunden geschlagen hat, leider vielfach ge­rade denen, die am unschuldigsten an der ganzen Entwicklung sind. Es ist auch innerhalb der Wirt­schaft höchste Zeit, daß man sich auf den Geist der Gemeinschaftlichkeit, aber auch auf den Geist der gemeichchaftlichen Opfergesmnung wieder besinnt, denn in einer Zeit, in der wir nach außeuhin in­folge eines verlorenen Krieges so ungeheuer ver­pflichtet sind, ist es unmöglich, daß sich einige Spekulationsschichten zum Schaden der Gesamcheit bereichern.

Von einem unserer Mitarbeiter wird uns geschrieben:

Anläßlich der Internationalen Arbeitskonferenz, die zur Zeit in Genf eine Tagung abhält, gewinnt das Problem des Achtstundentages wiederum an aktueller Bedeutung. Bekanntlich wurde in dem Washingtoner Abkommen der Achtstundentag als Normalarbeitszeit festgelegt. Die Bestimmungen dieses Abkommens sind jedoch noch nicht in allen Ländern, welche an den Washingtoner Verhand­lungen teilgenommen haben, restlos zur Anwendung gebracht, weil immer ein Land die Ratifizierung des Abkommens von dem gleichen Schritte eines anderen Landes abhängig macht. Ob die Genfer Internationale Arbeitskonfevenz in der Sage sein wird, die Söfung der vielumstrittenen Frage we­sentlich zu fördern, muß abgewartet werden. Etwas Endgültiges kann hierüber erst gesagt werden, wenn die Parlamente der Sänber, welche die Konferenz beschickt Halen, ihre Enisch usse ge'aßt haben werden.

Datz zwllckemtaatliche Vereinbarungen über dir Dauer der Arbeitszeit von größtem Werte für den

Amnestie in der Tschechoslowakei. Aus Prag wftd gemeldet: Der Präsident der Republik hat anläßlich seiner Wiederwahl eine Amnestie erlassen, die sich auf Vergehen und Ueberftetungen nach dem Gesetz zum Schutze der Republik und nach dem Terrorgesetz bezieht. Die bereits eingeleiteten Ver- , .........-------fabren sinh einzustellen. Die Stoafen werden, so-

fechten, werden wir unseren Teil zum Wohle des fern sie nicht mehr als einen Monat betragen, er-

Die (Meseftigungen.

In nicht gewöhnlicher Form beschäftigt sich die Agentur Havas in einer angeblichen Korrespondenz aus London mit der Frage der Kontrolle der Nie­derlegung der Dftbefeftigungen. Diese Auslassung hat folgenden Wortlaut:

Obwohl offiziell die alliierten Regierungen Deutschland keinen Vorschlag betreffend die Nach­prüfung der Niederlegung der Festungen an der Ostgrenze machten, und obwohl man auch offiziell noch immer bei dem deutschen Vorschlag, der übri­gens abgelehnt wurde, bleibt, diese Nachprüfung durch einen neutralen Offizier vornehmen zu lassen, schien man sich über einen Mittelweg ge­einigt zu haben, der anscheinend jedermann Genug­tuung geben konnte. Infolge von Besprechungen zwischen Major Durand und Oberst Gosset so­wie den übrigen alliierten Offizieren und General v. Pawelsz erklärte letzterer sich damit einver­standen, persönlich die ersteren aufzufordern, die Durchführung der Verpflichtung durch Deutschland feststellen zu lassen. Aber als General v. Pawelsz diese Formel Dr. Stresemann unterbreitete, lehnte dieser sie ab. Die deutschen Kreise behaupten, daß, wenn die alliierten Offiziere selbst sich an Ort und Stelle von dem Stand der angekündigten Zerstö­rungsarbeiten überzeugen werden, die Nationali­sten ihre Kampagne gegen das deutsche Kabinett wieder aufnehmen werden mit der Begründung, daß Deutschland sich damit einverstanden erklärte, aufs neue die interalliierte Militärkontrollkommis­sion funktionieren zu lassen, obwohl sie aufgelöst ist. Soweit ist man. Man hat nur noch einen neuen Vorschlag Deutschlands zu erwarten. Sollte das nicht der Fall sein, dann wird keine andere Alternative übrig bleiben, so behauptet man jetzt hier, als die Angelegenheit vor den Völker­bund zu bringen. Man macht sich in London wie in Paris immer mehr klar, daß die Deutschen, wie das oft mit ihnen geschieht, zwei Arten von Politik haben: eine mit den Nationalisten und der Reichswehr an der Ostgrenze, eine andere an der Westgrenze mit dem Vertrag von Locarno, und daß sie bereits durch ihre Pressestellen in London und durch ihre Propagandaorganisation beginnen zu versuchen, Konzessionen im Westen zu erhalten als Austausch für die Nichtausführung oder unvoll- ständigeAusführung ihrer Verpflichtungen im Osten

Anm. des wtb.: Die vorstehend wiedergegebene Meldung der Agentur Havas, wonach General von Pawelsz sich in Besprechungen mit den technischen Sachverständigen der hiesigen Missionen diesen ge­genüber damit einverstanden erklärt haben soll, die Sachverständigen zur persönlichen Besichtigung der zerstörten 34 Unterstände aufzufordern, ein Ange­bot, das aber von Dr. Stresemann abgelehnt wor­den sei, entspricht in keiner Weise den Tatsa­chen. Ganz abgesehen davon, daß die Frage, in welcher Weise die vereinbarten Zerstörungen der Unterstände verifiziert werden sollen, auf diploma­tischem Wege zu erörtern sein wird, hat die Bespre­chung in dieser Frage zwischen General v. Pawelsz, dem Sachverständigen der Reichsregierung, und den technischen Experten der hiesigen Missionen über­haupt nicht stattgefunden. Zu den Ausführungen, mit denen sich die Agentur Havas auf das deutsche innerpolitische Gebiet begibt, erübrigt sich jeder Kommentar.

Regierungskrise in Rumänien.

wtb. Bukarest, 4. Juni. (Eig. Funkm.) Es rst eine Regierungskrise ausgebrochen. Von drrr Par­teiführern, die sämtlich zu einer Zusammenkunft in der Ministerpräsidentenschaft eingeladen worden waren, erschienen nut der Führer der Natio­nalisten, Jorga, und derjenige der christlichen Liga, Kuza. Die anderen Führer blieben unter dem Vorwand fern, daß private Besprechungen eine allgemeine Verständigung vorbereiten sollten.

Ein deutsches Geschwader in Portugal. Havas berichtet aus Lissabon: Zu dem Eintreffen des deutschen Geschwaders bemerken die dortigen Zel- tungen, daß dieser Besuch der erste in den alliier­ten Ländern seit dem Kriege sei. Der deutsche Es- sandte habe erklärt, der Besuch sei die logische und erwartete Folge der freimütigen Annäherungspoli­tik Deutschlands gegenüber Portugal und eine Be­stätigung dieser Politik, die eine neue Aera in den Beziehungen zwischen beiden Ländem eröffnen werde. Der Kommandant des Geschwaders, Ad­miral Mommsen, hat der portugiesischen Regiemng eine Botschaft der deutschen Regierung überbracht.

Einigungsverhandlungen zwischen Reich und Preußen, fieber die Streitpunkte zwischen dem Reich und Preußen finden seit 14 Tagen Verhandlungen zwischen dem Reichsfinanzminister Dr. Köhler als Vertreter des Reichs und dem preußischen Finarn- minister als Vertreter Preußens statt. Wie die Germania" hört, ist es nunmehr zu einer grund­sätzlichen Einigung über den ganzen Fragen­komplex zwischen den beiden Parteien gekommen.

Zur Lage in China.

Der Sonderberichterstatter der Havasagentur in Peking meldet den liebertritt des Gouverneurs der Provinz Schansi zu den Südtruppen. Die­ses Ereignis sei militärisch von der größten Bedeu­tung, da Pen Si-schang die Eisenbahn Peking § ankau hinter der Front angreifen und vor allem eng Yu-siang den Weg nach Kalgan öffnen könne, (tzerüchte von einer Verständigung zwischen den Nationalisten seien im Umlauf. Dschianq Kai-schek würde über den Hoangho hinaus vorrücken, wäh- rend Feng Yu-Hsiang Peking besetzen würde. Tschang Tso-lin scheine nach Mukden zurückkchren zu wollen. Die Anhänger Feng Pu-Hiiangs wür­den nach seinem Abzug eine An öffentlicher Aus­schüsse, bestehend aus alten chinesischen Politikern, bilden, die während eines evemuellen Inter­regnums die Ordnung aufrecht erhaltet! sollten.