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Anzeiger für die Stobt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatl.

Nr. 128.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nc. 9 >: Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk.

Samstag. 4. Juni 1927.

Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Colonel) lokal 0,15 JUL, auswärts 0,20 5Ut. Reklamezeile: lokal 0,60 5Ut, auswärts 0,80 JUt. Bei Wiederholungen Rabatt. :»: Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 4051.

54.Zahrg.

wert des Defizits der italienischen Außenhandels­bilanz ist dauert gesunken, so daß dieses Defizit im Laufe der letzten vier Jahre in die Grenzen der Vorkriegszeit zurückaefchraubi wurde. Die Zah­lungsbilanz befindet sich im Gleichgewicht. Die vom Auslande erhaltenen Kapitalien sind für den Augenblick im Auslande angelegt. Die Amorti­sationskasse arbeitet mit vollkommener Regel­mäßigkeit und hat dabei bereits die fälligen Zah­lungen an die Bereinigten Staaten und England geleistet. Selbstverständlich läßt sich eine folche Lage nur aufrechterhalten, wenn der Dowesplan auch weiterhin regelmäßig funktioniert. Die Ver­einheitlichung der Banknotenausgabe in der Bank von Italien hat sich ruhig und präzis vollzogen und die scharfe Ueberwachung des Umlaufes er­möglicht Dieser hatte am 31. Dezember beinahe 22 Milliarden erreicht. Er wurde bis zum 20. Mai 1927 auf wenig mehr als 18 700 "00 000 ge­senkt. Berücksichtigt man die gegenwärtige Entwer­tung der Lira, so stellt die Metalldeckung 58.47 Prozent des Wertes der im Umlauf befindlichen Banknoten dar.

Italiens zinanzlage.

Der italienische Finanzminister Graf Volpi führte tn der Kammer aus: „Der Lira muß auf den Weltmärkten die größtmögliche Kaufkraft gesichert werden, wobei auf die Wirtschaftslage Italiens Rücksicht zu nehmen ist. Die Regierung wünscht, den gegenwärtigen Kurs der Lira zu hal­ten, damit sich die Landwirtschaft und die Indu­strie auf diesen Kursstand einspielen können. Ick bin der Meinung, daß die Zeit bis zum Herbst ausreichen wird, um es dem Handel und den Kre­ditinstituten zu ermöglichen, sich mit der neuen Währungslage in Einklang zu bringen. Ich ge­denke, die Steuern auf die Zusammenlegung von Unternehmungen herabzusetzen. Die Ueberwachung der Kapitalserhöhungen werde fortgesetzt, ohne der industriellen Erzeugung Hindernisse zu bereiten. In den ersten vier Monaten dieses Jahres sank die Wareneinfuhr um eine Milliarde ge­gen den entsprechenden Zeitraum des Vorjahres, während sich die Ausfuhr in den beiden Zeiträu­men auf ziemlich gleicher Höhe hielt. Der Gold-

WW und die WeltMtWBKonserenj.

Im Anschluß an einen mündlichen Bericht, den die deutsche Delegation den Reichsminfftern über die Weltwirtschaftskonferenz am Donnerstag erstattet«, sprach der Reichskanzler namens der Reichsregie­rung der Delegation für ihre Genfer Tätigkeit und den Herren von Siemens, Graf Kayserling und Trendelenburg für ihren Bericht seinen Dank aus.

Zu den Besprechungen des Kabinetts mit den deutschen Sachverständigen zur Weltwirtschaftskon­ferenz schreibt die „Tägl. Rundschau", es sei anzu­nehmen, daß es sich dabei nicht ledigsich um eine Behandlung der Konferenzergebniise gehandelt habe, sondern auch um die Frage, wie man den Ent­schließungen der Konferenz eine praktisch «Aus­wirkung sichern kann. Deutschland habe an dieser Frage ein gewisses Interesse, da die Weltwirt- schastskonferenz auf dem Gebiete der Handelspolitik Entschließungen gefaßt habe, di« als Richtlinien im Sinne einer größeren Handelsfteiheit und einer Beseitigung übermäßiger Zollschranken gelten kön­nen. Da Deutschlands Hcmdelsverttagspolittk auf solche Richtlinien eingestellt ist, so können wir acmz damit einverstanden sein, wenn die Entschließun­gen nicht nur auf dem Papier stehen bleiben, son­dern Leben gewinnen. Von diesem Gesichtspunkt aus wird sich der Reichswirtschaftsrat wie auch der Handelspolitische Ausschuß des Reichstages mit der Weltwtttschastskonferenz und ihren Ergebnissen be- schästigen müssen. Später wird dann im Völker- bundsrat der Versuch gemacht werden müssen, die prattischen Folgenm • n ans den Ergebnissen der Weltwirtschaftskonfer^.^ zu ziehen.

*

Das Reichskabinett befaßte sich am Donnerstag mit verschieden laufenden Angelegenheiten. Unter anderem fand eine erste Besprechung über den Entwurf des Steuervereinhettlichungsgesetzes statt. Im Anschluß an die Kabinettssitzung nahmen die anwesenden Reichsminister den mündlichen Bericht

der deutschen Delegation zur Weltwirtschaftskon­ferenz entgegen.

Der R e i ch s r a t nahm in feiner Donnerstag­sitzung Kenntnis von her Ausführungsverordnung zum Gesetz über Lohnstattstik und von den Bestim- munaen zur Durchführung ter Wertermittlung und des Verfahrens bei der Erbschaftssteuer für solche Erwerbe, 6ei denen die Steuerschuld im Kalender­jahr 1927 entsteht. An die zuständigen Ausschüsse ging ein vom Reichskabinet vo«gelegter Gesetzent­wurf über den endgilltigen Reichswirtschaftsrat mit Ausführungsgesetz.

Der Parteivorstand der Deuklchuationalen Dolkspartei beschäftigte fiA mit der politischen Lage und den in der nächsten Sitzungsperiode zu erledi­genden gesetzgeberischen Arbeiten des Reichstages und des preußischen Landtages, wobei sich Ein­stimmigkeiten der Grünt auffasiung her Mit­glieder des Parteivorstandss ergab.

Länderkonferen; in Dresden.

Die sächsische Regierung hat sich entschlossen, die Regierungen der übrigen Länder zu einer Kon­ferenz nach Dresden einzuladen, auf der die künf­tige Regelung der Besoldung der Länder­beamten erörtert werden soll.

Der Handelsvertrag mit Frankreich.

Der „Tägl. Rundschau" zufolge werden die Handelsverttagsverhandlungen mit Frankreich, die während der Meltwittschastskonferenz geruht haben, voraussichtlich nach Pfingsten wieder ausgenommen werden. Das Blatt nimmt an, daß die deutschen Unterhändler sich in der ersten Hälfte der nächsten Woche nach Paris begeben und daß die Beratungen zwischen dem 8. und 10. Juni ihren Anfang neh­men. Was die Aussichten der Verhandlungen an­langt, so ist das Blatt der Ansicht, daß sich die Lage eher etwas gebessert habe.

Der Knti-ttnegrvertrag.

Nach Blättermeldungen aus Paris warte Driand auf die Vereinigten Staaten, und er werde mich auf die leiseste Andeutung eines Kabinetts­mitgliedes hin konkrete Vorschläge zu einem Anti­kriegsvertrag unterbreiten. Briand habe jedoch kei­nen Zweifel gelassen, daß ihm di« Shotwettschen Entwürfe zu weitgehend erschienen. Die Ausdeh­nung des Vertrages auf andere Rationen ohne zwingende Notwendigkeit könne nach Briands An­sicht die Wahrscheinlichkeit des Zustandekommens eines solchen Vertrages nur verringern. Im besten Falle käme eine Beteiligung Englands in Be­stacht. Briand erhoffe eine weitere Förderung des Planes auf der Dreimächtekonferenz, zu der einen Beobachter mit Vollmacht zu den Besprechungen zu cntfenben Frankreich sich jetzt entschlossen habe.

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AuS Washington wird gemeldet: Botschafter Eibson und Admiral Jones werden sich am 3. Juni an Bord der „Majestik" zur Dreimächtekonferenz begeben. Kurz vor ihrer Abfahtt erwartet man ein Kommunique über Amerikas Genfer Programm.

* Deutscher Flottenbesuch in Lissabon. (Eig. Funkm.) Das aus den Linienschiffen „Schleswig- Holstein", „Elsaß" und „Essen" und aus dem Kreu­zer „Berlin" bestehende deutsche Geschwader ist vor der Tajo-Mündung eingetroffen und wird am Samstag Lissabon anlaufen.

Was Oesterreich helfen kann.

Generalsekretär Dr. Apold über die Dergrötzerung des österreichischen Mrtschaftsgebietes.

wtb. Loeben, 3. Juni. (Eig. Funkm.) Auf der Hauptversammlung der Eisenhütten Oesterreichs er­klärte der Generaldirektor der Alpinen Montange- sellschast zur gegenwärtigen Lage, daß nur die Ver­größerung des österreichischen Wirtschaftsgebietes Oesterreich helfen könne. Der Anschluß an Deutschland ist für uns eine wirtschaftliche Not­wendigkeit alter ersten Ranges und wir müssen ihn erreichen.

vom Balkan.

Der albanisch-südflawische Zwischenfall.

Aus Belgrad wird gemeldet: Durch ein amt­liches Kommuniquee des Ministeriums des Aeußeren wird bestätigt, daß der südsiawische Geschäftsttäger in Tirana der albanischen Regierung die entschie­dene Forderung zur Freilassung des verhafteten Dolmetschers Giurastowitsch gestellt hat, bei deren Nichterfüllung er die Pässe verlangen und mit dem gesamten Gesandtschaftspersonal Albanien verlassen werde.

Kommunisten-Krawall in Saloniki.

wtb. Athen, 3. Juni. (Eig. Funkm.) Wir den Blättern aus Saloniki gemeldet wird, haben dort gestern vormittag 200 kommunistische Arbeiter der Tabak-Manufaktur vor dem Gebäude des Gouver­neurs eine Kundgebung veranstaltet. Aus die Auf­forderung der Polizei und der Gerwarmerie, sich zu zerstteuen, haben sich die Kommunisten in einem Gebäude verschanzt und auf die Polizei geschossen. Rach Einttesfen von Verstärkungen konnte die Poli­zei in das Gebäude einbringen unb dort 135 Ruhe­störer verhaften, darunter mehrere kommunistische Abgeordnete. Einige Personen wurden verletzt.

Die ägyptische Frage.

wtb. Kairo, 3. Juni. (Eig. Funkm.) In Er­widerung auf eine Anfrage wegen der Krise sagte gestern abend der Premierminister, es sei nicht der geeignete Augenblick, von der Regierung irgendwelche Einzelheiten über die Verhandlungen zu erbitten, die wegen einer Vereinbarung im Gange sind. Der Premier fügte hinzu: Auch ich bin der Meinung, daß eine Entsendung von Kriegsschiffen in die ägyptischen Ge­wässer auf eine irrtümliche Auffassung der Lage zurückzuführen ist und daß es in Aegypten keine Bewegung gibt, die das Leben und die In­teressen von Ausländern bedroht. Friede und Si­cherheit herrschen überall, und die Ausländer selbst sind vollkommen ruhig. Es besteht gute Hoffnung, daß dieser Konflikt dank des Geistes der Freund­schaft, der die englisch-ägyptischen Beziehungen beherrscht, in einer Weise enden wird, die die In­teressen und die Ehre Aegyptens sichert.

Hände weg von China.

wtb. London, 3. Juni. (Eig. Funkm.) Der üußenpolitische Mitarbeiter der , Daily News" be­tont, daß die Ereignisse in China eine größere Einigkeit zwischen den Mächten bewirken als sie bisher auf diplomatischem Gebiet bestanden habe.

Wie Havas aus Schanghai berichtet, ist zwi­schen Dschiang Kaischek und Tschang Tso-lin eine Verständigung erzielt worden. Darnach würden die Truppen Dschiang Kai-scheks den Gelben Fluß nicht überfchreiten In der »ranzösischen Konzes­sionszone in Schanghai herrsche Ruhe 8 Die Mu­nizipalpolizei habe ihre Tätigkeit wieder ausge­nommen.

Die Vertreter der verschiedenen j a p a n i s ch en Arbeiterorganisationen hielten in Tokio eine Si­tzung ab und beschlossen, eine allgemeine Agitation gegen die Entsendung weiterer Truppen nach China und für die Zurückziehung der bereits dorthin ent- sandten Truppen einzuleiten. Die Versammlung nahm die Parole „Hände weg von China" an.

In englischen Unterhaus erklärte der Staats­sekretär für Krieg: „Die nach Peking entsandten neuen Truppenkontingente sind ausschließlich dazu bestimmt, die Geiandichaftswache zu verstärken."

Der $aU Dr. Wirth.

Politisch kluge Worte findet im Gegen- satz zu den vielfach sehr subalternen Betrachtungen, Die in Links-Kreisen über den Fall Dr. Wirth an- gestellt werden, die „F r a n k f. Zeitung". Sie schreibt (Nr. 404 vom 2. Juni, Morgenausgabe):

Es gibt allerdings auch auf der Linken Leute, die sich äußerst vergnügt gebärden, weil der republika­nische Zentrumsführer seiner Patteileitung so tapfer die Stirn zeigt. Man kann an der persönlichen Unerschro­ckenheit Wirths seine Freude haben, aber abgesehen von dieser mehr ästhetischen Ergötzung scheint uns ein auf der Linken etwa vorhandener Jubel über diesen haus- lichen Unfrieden kein Zeichen von besonderer politi­scher Intelligenz zu fein. Menn Marx, der doch nicht eigentlich die Rechte de» Zentrums, sondern dessen auf alten katholischen Traditonen beruhende Mitte re­präsentiert, in einen ernsthaften Streit mit Dr. Joseph Wirth gerät, so dürste des Letzteren Stellung In der Partei bedeutend schwieriger werden, als wenn er bloß Leute bekämpft, die als Anhänger der Reaktion bekannt sind. Vielleicht Überschätzt Dr. Witth die Aussichten eines offenen Kampfes: er ist ja weit mehr der tempe­ramentvolle und mutige Bekenner der Idee als der kühl überlegende Staatsmann, der auf lange Sicht hin ope­riert.

In den Streit selbst kann sich kein Außenstehender einmischen. Das aber dürfen wir aussprechen, daß für die Linke und für die Deutsche Republik ein Joseph Witth, der, wenn auch mit manchem inneren Kampfe, innerhalb der Zentrumspattei verbleiben kann, einen wertvolleren Aktivposten darstellt, als ein Wirth in der Rolle eines distinguierten Verbannten. Man hört wobl einiges Gerede, daß mit Wirth der ganze republi- kanifche Flügel des Zentrums weggehen würde, aber sollte es wirklich dazu kommen, so könnte man sich über die Kleinheit dieses Flügels vielleicht verwundern. Denn es gibt zwar eine sehr ansehn- liche republikanische Stimmung im Zentrum, aber uns­rem Eindruck nach doch nur sehr wenige Persönlichkeiten, bei denen diese Stimmung sich so scharf auskristallisiert hat, daß Neigung zum Bruch mit alten Freunden und Konnexionen vorhanden wäre. Wer es mit der demo- kratifchen Zukunft Deutschlands gut meint, muß hoffen, daß der Konflikt im Zentrum friedlich beigelegt werden kann.

Hoffentlich läßt Dr. Wirth diese zutreffenden Bemerkungen der „Frankfurter Zeitung" recht stark auf. sich wirken.

Der „Badische Beobachter" bringt einen län­geren Artikel über eine Sitzung der Badischen Zentrumsfraktion, die sich mit den Vor­gängen, die durch Dr. Wirth veranlaßt wurden, eingehend beschäftigte. Die Fraktion erblickt in der Veröffentlichung des Briefes des Reichskanzl-rs Dr. Marx etwas, was mtt den Gesetzen ber Par­

teidisziplin kaummehrinEinklang gebracht werden könne. Sie lehnt den persönlichen Absolu­tismus auch hochbegabter Führer in der Partei ge­nau so ab wie den in Gemeinde und Staat. In dem Schritt des Herrn Dr. Marx sähe man den pflichtmäßigen Hinweis auf bestimmte Grenzen, die von jedem Angehörigen des Zentrums, speziell den Mandatsträgern, zu respektieren seien. Dr. Wirth bitte um einfache, klare Mitteilung. Diese Mittei­lung könne, was Baden betreffe, nur lauten: Zur Zeit der Demokratie auch im Zentrum Sinn und Verständnis für demokratische Grundsätze, in der Partei kein republikanischer Integralismus und kein parteipolitischer Absolutismus weder auf der einen ober auf der anderen Seite, keine Sonder- roege neben ober außer der Partei, sondern mit beiden Füßen in der Partei; der Eigenart und dem Temperament des einzelnen in dem aufgezeigten Rahmen volle Bewegungsfreiheit, aber auch glei­ches Recht den andern. Das Zentrum Badens steht treu zu der alten Fahne und begrüßt, wenn Dr. Wirth Schulter an Schulter unter dieser mit ihr fechten will.

Eine Sitzung des Reichsparteivor­standes des Zentrums, die sich mit dem Fall Wirth beschäftigen wird, wird nach dem „B. T." Freitag nachmittag in der Reichskanzlei statt» finden. Den Vorsitz führt Reichskanzler Dr. Marx als Chef der deutschen Zentrumspartei. Auf seinen Wunsch findet auch, um die Vertraulichkeit der Ver­handlung wahren zu können, die Tagung in den Räumen der Reichskanzlei statt. Es wird in un­terrichteten Kreisen damit gerechnet, daß am Frei­tag in den späten Abendstunden in einem offiziellen Kommunique das Resultat der Beratungen des Parteivorstandes und die Stellung zum Fall Wirth bekannt gegeben wird.

• Der Bürgermeister von Detroit in Berlin. Der Bürgermeister von Detroit, Smith, ist am Mittwoch Abend in Berlin eingetroffen. Er wurde am Donners­tag Vormittag vom Reichskanzler empfangen und be­suchte im Laufe des Nachmittags öffentliche und ptt» vate Betriebe.

♦ perfonaloeränberung im preußischen Ministerium des Innern. Das preußische Staatsministettum hat dem „Amtlichen Preußischen Pressedienst" zufolge ernannt: zum Ministettaldirektor den Ministerialdirigenten Drr Brand, zum Ministettaldirigenten Ministerialrat Geh. Reg.-Rat Dr. Gräser, Ministettalrat Bachmann und den lippischen Staatsrat Dr. Steinbrecher. Ferner er­nannt- das preußische Staatsministerium den Ministe­rialdirigenten im Finanzministerium Dr. Hog zum Mi­nisterialdirektor in diesem Ministerium.

Der englisch-russische Konpffit.

Zu dem bereits gemeldeten Beschluß her Mos­kauer Sowjets wurde noch ein Zusatz einstimmig angenommen, in dem es heißt, die Sowjetregie­rung Dürfe irgendwie geartete materielle Sor­tierungen englischer Bürger erst regulieren nach der vollständigen Wieberherstellung ber diplomati­schen Beziehungen unb nach ausreichender Genug­tuung für die durch die Haussuchung bei der Ar­cos der russischen Regierung zugefügten Beleidi­gung und für den Materialschaden. Dazu wird hier noch erklärt, daß die Resolution sich nicht aus solche englischen kommerziellen Ansprüche bezieht, die sich aus den schwebenden Handelsge­schäften zwischen England und der Sowjetunion ergeben unb beren Abwicklung gemäß der Erklä­rung des Handelskommissars Mikojan dem inter­nationalen Handelsbrauch entsprechend erfolgen sott. Abgesehen davon ist der Moskauer Sowjet eine kommunale Körperschaft, dessen Beschlüsse keine Bindung für die Sowjetregierung barftellen.

*

Wie verlautet, wird die britische Regierung dem Sowjetgeschäftsträger Rosengolz die Liste der­jenigen Personen übermitteln, denen m Uebe-ein» ftimmung mit dem Beschluß der britischen Regie­rung nicht gestattet wird, in England zu bleiben. Es ist nicht bekannt, wie viele Namen diese Liste enthalten wird. Es sind jedoch darin nicht diejeni­gen Russen aufgeführt, die im rechtmäßigen Handel tätig sind unb sich in großer Anzahl in England aufhalten, und zwar nicht nur im Arcosbetrieb ar­beiten, sondern auch in den verschiedenen Unter­nehmungen, die unter feiner Kontrolle stehen. Es wird jedoch erwartet, daß die Aufenthaltserlaubnis von Personen, die in England bleiben dürfen, spä­ter einer neuen Ueberprüfung unterzogen wird.

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Der englische Innenminister teilte auf ein« An­frage im Unterbaust mit, daß bi« Regierung nicht ben Wunsch habe, bem Handel zwischen Rußland unb England irgendwelche Schwierigkeiten in ben Weg zu legen, unb daß Russen, die zwecks Bona fide-Handels nach Englanb kommen möchten, die­selben Erleichterungen erhalten wie die Untertanen jeder andern auswärtigen Macht. Jnbezug auf die Visen- unb änbere Angelegenheiten würbe biefelbe Maschinerie wie bisher angewanbt mit ber «inen Ausnahme, daß in Zukunft fern Paßbeamter in Rußland fein werde. Auf bie Frage, ob die nor­wegische Regierung ober ihre Vertreter bas Recht haben werben, Pässen von Leuten, bie nach Eng­land zu kommen wünschen, Sichtvermerke zu er­teilen, erwiderte der Innenminister, diese Frage sei noch nicht geregelt. Auf eine weitere Anfrage, ob angesichts ber Tatsache, daß Norwegen und Deutschland den regelmäßigen Konsularbienst in ben russischen Häsen unterhalten, britische Geschäftsleute nicht sicherer gehen würben, wenn sie norwegische ober beutsche Schisse gebrauchten, ertoiberte ber Innenminister, er glaube das nicht. So^er Lamp­son brachte in ber Antwort auf eine andere Frage zum Ausdruck, baß ber Beschluß ber britischen Re­gierung, bie biplomatischen Beziehungen mit ber Sowjetregierung abzubrechen, nicht die Rechts­lage bezüglich ihrer Anerkennung dieser Re- gierung berühre. Das Haus vertagte sich dann bis zum 13. Juni.

Russisch-lettischer Hlpdelsverttag.

In Moskau ist im Außenkommissariat als Abschluß der den Mai über geführten Verhandlun­gen zwischen der sowstttussischen und lettischen Dele­gation ein russisch-lettischer Handelsvertrag un­terzeichnet worden.

* Die kommunistische Anlimilikär Propaganda in Frankreich. In Bourges wurde in ben Räumen einer kommunistischen Zeitung eine Druckplatte sowie zahlreiche antimilitärische Druckschriften be- schlagnahmt. Bei der Ankunft von Reservisten des dort liegenden Infanterieregiments waren solch» Plakate in der Stadt angeschlagen worden.

(England und krdeitszeitabkommen.

Aus London wird gemeldet: Auf eine An­frage eines Abgeordneten der Arbeiterpartei im Unterhaus wegen Verzögerung der Ratifikati-m des Washingtoner Ärbeitszeitabkom- mens antwortete ber Staatssekretär für Arbeit: „Es hat niemals seitens der Regierung eine Ver- pflichtung bestanden, das Abkommen zu ratifizie­ren. Es ist lächerlich, wenn ein britischer Staats- angehöriger tritifiert, was wir im Vergleich zu an- deren Länder getan haben. Diejenigen, die von der Regierung verlangen, daß fie sich beeilen und vorangehen solle, geben sich nicht Rechenschaft rrn den Schwierigkeiten praktischer Art. Es könnte dazu kommen, daß unsere Industrie gehemmt würde, während das Ausland durch eine ganz an­dere Auslegung keine Schwierigkeiten Haven würde. Ich "hoffe, daß wir das Abkommen werden ratifizieren können. Aber cs wird einige Zeit bis dahin bauern/_______

* Neue Regierungskrise In Sachsen. Da in den Verhandlungen der Fraktionen der Koalitionsparteien mit der Deutschnationalen Lolkspartei über die Um­bildung der sächsischen Regierung eine Einigung nicht erzielt werden konnte, so haben die Fraktionen der Deutschen Volkspattei, der Wirtschaftspartei und der Deutsch-Demokratischen Partei ihre Minister ersucht, ihr« A e m t e r dem Ministerpräsidenten zur Verfü­gung zu stellen.

♦ Der unzuständige Marschall Pilsudski. Aus K a t t o w i tz wird gemeldet: Auf ein Telegramm der Deutschen Partei der Woiwodschaft Schlesien an den Marschall Pilsudski wegen der Vorfälle in Rybnik ging jetzt eine Antwott ein, worin nur kurz mitgeteilt wird, daß diese Angelegenhett in das Resiott des Jnnennünl- sters gehöre.