Anzeiger für die Stobt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatl.
Nr. 128.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nc. 9 >: Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk.
Samstag. 4. Juni 1927.
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54.Zahrg.
wert des Defizits der italienischen Außenhandelsbilanz ist dauert gesunken, so daß dieses Defizit im Laufe der letzten vier Jahre in die Grenzen der Vorkriegszeit zurückaefchraubi wurde. Die Zahlungsbilanz befindet sich im Gleichgewicht. Die vom Auslande erhaltenen Kapitalien sind für den Augenblick im Auslande angelegt. Die Amortisationskasse arbeitet mit vollkommener Regelmäßigkeit und hat dabei bereits die fälligen Zahlungen an die Bereinigten Staaten und England geleistet. Selbstverständlich läßt sich eine folche Lage nur aufrechterhalten, wenn der Dowesplan auch weiterhin regelmäßig funktioniert. Die Vereinheitlichung der Banknotenausgabe in der Bank von Italien hat sich ruhig und präzis vollzogen und die scharfe Ueberwachung des Umlaufes ermöglicht Dieser hatte am 31. Dezember beinahe 22 Milliarden erreicht. Er wurde bis zum 20. Mai 1927 auf wenig mehr als 18 700 "00 000 gesenkt. Berücksichtigt man die gegenwärtige Entwertung der Lira, so stellt die Metalldeckung 58.47 Prozent des Wertes der im Umlauf befindlichen Banknoten dar.
Italiens zinanzlage.
Der italienische Finanzminister Graf Volpi führte tn der Kammer aus: „Der Lira muß auf den Weltmärkten die größtmögliche Kaufkraft gesichert werden, wobei auf die Wirtschaftslage Italiens Rücksicht zu nehmen ist. Die Regierung wünscht, den gegenwärtigen Kurs der Lira zu halten, damit sich die Landwirtschaft und die Industrie auf diesen Kursstand einspielen können. Ick bin der Meinung, daß die Zeit bis zum Herbst ausreichen wird, um es dem Handel und den Kreditinstituten zu ermöglichen, sich mit der neuen Währungslage in Einklang zu bringen. Ich gedenke, die Steuern auf die Zusammenlegung von Unternehmungen herabzusetzen. Die Ueberwachung der Kapitalserhöhungen werde fortgesetzt, ohne der industriellen Erzeugung Hindernisse zu bereiten. In den ersten vier Monaten dieses Jahres sank die Wareneinfuhr um eine Milliarde gegen den entsprechenden Zeitraum des Vorjahres, während sich die Ausfuhr in den beiden Zeiträumen auf ziemlich gleicher Höhe hielt. Der Gold-
WW und die WeltMtWBKonserenj.
Im Anschluß an einen mündlichen Bericht, den die deutsche Delegation den Reichsminfftern über die Weltwirtschaftskonferenz am Donnerstag erstattet«, sprach der Reichskanzler namens der Reichsregierung der Delegation für ihre Genfer Tätigkeit und den Herren von Siemens, Graf Kayserling und Trendelenburg für ihren Bericht seinen Dank aus.
Zu den Besprechungen des Kabinetts mit den deutschen Sachverständigen zur Weltwirtschaftskonferenz schreibt die „Tägl. Rundschau", es sei anzunehmen, daß es sich dabei nicht ledigsich um eine Behandlung der Konferenzergebniise gehandelt habe, sondern auch um die Frage, wie man den Entschließungen der Konferenz eine praktisch «Auswirkung sichern kann. Deutschland habe an dieser Frage ein gewisses Interesse, da die Weltwirt- schastskonferenz auf dem Gebiete der Handelspolitik Entschließungen gefaßt habe, di« als Richtlinien im Sinne einer größeren Handelsfteiheit und einer Beseitigung übermäßiger Zollschranken gelten können. Da Deutschlands Hcmdelsverttagspolittk auf solche Richtlinien eingestellt ist, so können wir acmz damit einverstanden sein, wenn die Entschließungen nicht nur auf dem Papier stehen bleiben, sondern Leben gewinnen. Von diesem Gesichtspunkt aus wird sich der Reichswirtschaftsrat wie auch der Handelspolitische Ausschuß des Reichstages mit der Weltwtttschastskonferenz und ihren Ergebnissen be- schästigen müssen. Später wird dann im Völker- bundsrat der Versuch gemacht werden müssen, die prattischen Folgenm • n ans den Ergebnissen der Weltwirtschaftskonfer^.^ zu ziehen.
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Das Reichskabinett befaßte sich am Donnerstag mit verschieden laufenden Angelegenheiten. Unter anderem fand eine erste Besprechung über den Entwurf des Steuervereinhettlichungsgesetzes statt. Im Anschluß an die Kabinettssitzung nahmen die anwesenden Reichsminister den mündlichen Bericht
der deutschen Delegation zur Weltwirtschaftskonferenz entgegen.
Der R e i ch s r a t nahm in feiner Donnerstagsitzung Kenntnis von her Ausführungsverordnung zum Gesetz über Lohnstattstik und von den Bestim- munaen zur Durchführung ter Wertermittlung und des Verfahrens bei der Erbschaftssteuer für solche Erwerbe, 6ei denen die Steuerschuld im Kalenderjahr 1927 entsteht. An die zuständigen Ausschüsse ging ein vom Reichskabinet vo«gelegter Gesetzentwurf über den endgilltigen Reichswirtschaftsrat mit Ausführungsgesetz.
Der Parteivorstand der Deuklchuationalen Dolkspartei beschäftigte fiA mit der politischen Lage und den in der nächsten Sitzungsperiode zu erledigenden gesetzgeberischen Arbeiten des Reichstages und des preußischen Landtages, wobei sich Einstimmigkeiten der Grünt auffasiung her Mitglieder des Parteivorstandss ergab.
Länderkonferen; in Dresden.
Die sächsische Regierung hat sich entschlossen, die Regierungen der übrigen Länder zu einer Konferenz nach Dresden einzuladen, auf der die künftige Regelung der Besoldung der Länderbeamten erörtert werden soll.
Der Handelsvertrag mit Frankreich.
Der „Tägl. Rundschau" zufolge werden die Handelsverttagsverhandlungen mit Frankreich, die während der Meltwittschastskonferenz geruht haben, voraussichtlich nach Pfingsten wieder ausgenommen werden. Das Blatt nimmt an, daß die deutschen Unterhändler sich in der ersten Hälfte der nächsten Woche nach Paris begeben und daß die Beratungen zwischen dem 8. und 10. Juni ihren Anfang nehmen. Was die Aussichten der Verhandlungen anlangt, so ist das Blatt der Ansicht, daß sich die Lage eher etwas gebessert habe.
Der Knti-ttnegrvertrag.
Nach Blättermeldungen aus Paris warte Driand auf die Vereinigten Staaten, und er werde mich auf die leiseste Andeutung eines Kabinettsmitgliedes hin konkrete Vorschläge zu einem Antikriegsvertrag unterbreiten. Briand habe jedoch keinen Zweifel gelassen, daß ihm di« Shotwettschen Entwürfe zu weitgehend erschienen. Die Ausdehnung des Vertrages auf andere Rationen ohne zwingende Notwendigkeit könne nach Briands Ansicht die Wahrscheinlichkeit des Zustandekommens eines solchen Vertrages nur verringern. Im besten Falle käme eine Beteiligung Englands in Bestacht. Briand erhoffe eine weitere Förderung des Planes auf der Dreimächtekonferenz, zu der einen Beobachter mit Vollmacht zu den Besprechungen zu cntfenben Frankreich sich jetzt entschlossen habe.
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AuS Washington wird gemeldet: Botschafter Eibson und Admiral Jones werden sich am 3. Juni an Bord der „Majestik" zur Dreimächtekonferenz begeben. Kurz vor ihrer Abfahtt erwartet man ein Kommunique über Amerikas Genfer Programm.
* Deutscher Flottenbesuch in Lissabon. (Eig. Funkm.) Das aus den Linienschiffen „Schleswig- Holstein", „Elsaß" und „Essen" und aus dem Kreuzer „Berlin" bestehende deutsche Geschwader ist vor der Tajo-Mündung eingetroffen und wird am Samstag Lissabon anlaufen.
Was Oesterreich helfen kann.
Generalsekretär Dr. Apold über die Dergrötzerung des österreichischen Mrtschaftsgebietes.
wtb. Loeben, 3. Juni. (Eig. Funkm.) Auf der Hauptversammlung der Eisenhütten Oesterreichs erklärte der Generaldirektor der Alpinen Montange- sellschast zur gegenwärtigen Lage, daß nur die Vergrößerung des österreichischen Wirtschaftsgebietes Oesterreich helfen könne. Der Anschluß an Deutschland ist für uns eine wirtschaftliche Notwendigkeit alter ersten Ranges und wir müssen ihn erreichen.
vom Balkan.
Der albanisch-südflawische Zwischenfall.
Aus Belgrad wird gemeldet: Durch ein amtliches Kommuniquee des Ministeriums des Aeußeren wird bestätigt, daß der südsiawische Geschäftsttäger in Tirana der albanischen Regierung die entschiedene Forderung zur Freilassung des verhafteten Dolmetschers Giurastowitsch gestellt hat, bei deren Nichterfüllung er die Pässe verlangen und mit dem gesamten Gesandtschaftspersonal Albanien verlassen werde.
Kommunisten-Krawall in Saloniki.
wtb. Athen, 3. Juni. (Eig. Funkm.) Wir den Blättern aus Saloniki gemeldet wird, haben dort gestern vormittag 200 kommunistische Arbeiter der Tabak-Manufaktur vor dem Gebäude des Gouverneurs eine Kundgebung veranstaltet. Aus die Aufforderung der Polizei und der Gerwarmerie, sich zu zerstteuen, haben sich die Kommunisten in einem Gebäude verschanzt und auf die Polizei geschossen. Rach Einttesfen von Verstärkungen konnte die Polizei in das Gebäude einbringen unb dort 135 Ruhestörer verhaften, darunter mehrere kommunistische Abgeordnete. Einige Personen wurden verletzt.
Die ägyptische Frage.
wtb. Kairo, 3. Juni. (Eig. Funkm.) In Erwiderung auf eine Anfrage wegen der Krise sagte gestern abend der Premierminister, es sei nicht der geeignete Augenblick, von der Regierung irgendwelche Einzelheiten über die Verhandlungen zu erbitten, die wegen einer Vereinbarung im Gange sind. Der Premier fügte hinzu: Auch ich bin der Meinung, daß eine Entsendung von Kriegsschiffen in die ägyptischen Gewässer auf eine irrtümliche Auffassung der Lage zurückzuführen ist und daß es in Aegypten keine Bewegung gibt, die das Leben und die Interessen von Ausländern bedroht. Friede und Sicherheit herrschen überall, und die Ausländer selbst sind vollkommen ruhig. Es besteht gute Hoffnung, daß dieser Konflikt dank des Geistes der Freundschaft, der die englisch-ägyptischen Beziehungen beherrscht, in einer Weise enden wird, die die Interessen und die Ehre Aegyptens sichert.
Hände weg von China.
wtb. London, 3. Juni. (Eig. Funkm.) Der üußenpolitische Mitarbeiter der , Daily News" betont, daß die Ereignisse in China eine größere Einigkeit zwischen den Mächten bewirken als sie bisher auf diplomatischem Gebiet bestanden habe.
Wie Havas aus Schanghai berichtet, ist zwischen Dschiang Kaischek und Tschang Tso-lin eine Verständigung erzielt worden. Darnach würden die Truppen Dschiang Kai-scheks den Gelben Fluß nicht überfchreiten In der »ranzösischen Konzessionszone in Schanghai herrsche Ruhe 8 Die Munizipalpolizei habe ihre Tätigkeit wieder ausgenommen.
Die Vertreter der verschiedenen j a p a n i s ch en Arbeiterorganisationen hielten in Tokio eine Sitzung ab und beschlossen, eine allgemeine Agitation gegen die Entsendung weiterer Truppen nach China und für die Zurückziehung der bereits dorthin ent- sandten Truppen einzuleiten. Die Versammlung nahm die Parole „Hände weg von China" an.
In englischen Unterhaus erklärte der Staatssekretär für Krieg: „Die nach Peking entsandten neuen Truppenkontingente sind ausschließlich dazu bestimmt, die Geiandichaftswache zu verstärken."
Der $aU Dr. Wirth.
Politisch kluge Worte findet im Gegen- satz zu den vielfach sehr subalternen Betrachtungen, Die in Links-Kreisen über den Fall Dr. Wirth an- gestellt werden, die „F r a n k f. Zeitung". Sie schreibt (Nr. 404 vom 2. Juni, Morgenausgabe):
Es gibt allerdings auch auf der Linken Leute, die sich äußerst vergnügt gebärden, weil der republikanische Zentrumsführer seiner Patteileitung so tapfer die Stirn zeigt. Man kann an der persönlichen Unerschrockenheit Wirths seine Freude haben, aber abgesehen von dieser mehr ästhetischen Ergötzung scheint uns ein auf der Linken etwa vorhandener Jubel über diesen haus- lichen Unfrieden kein Zeichen von besonderer politischer Intelligenz zu fein. Menn Marx, der doch nicht eigentlich die Rechte de» Zentrums, sondern dessen auf alten katholischen Traditonen beruhende Mitte repräsentiert, in einen ernsthaften Streit mit Dr. Joseph Wirth gerät, so dürste des Letzteren Stellung In der Partei bedeutend schwieriger werden, als wenn er bloß Leute bekämpft, die als Anhänger der Reaktion bekannt sind. Vielleicht Überschätzt Dr. Witth die Aussichten eines offenen Kampfes: er ist ja weit mehr der temperamentvolle und mutige Bekenner der Idee als der kühl überlegende Staatsmann, der auf lange Sicht hin operiert.
In den Streit selbst kann sich kein Außenstehender einmischen. Das aber dürfen wir aussprechen, daß für die Linke und für die Deutsche Republik ein Joseph Witth, der, wenn auch mit manchem inneren Kampfe, innerhalb der Zentrumspattei verbleiben kann, einen wertvolleren Aktivposten darstellt, als ein Wirth in der Rolle eines distinguierten Verbannten. Man hört wobl einiges Gerede, daß mit Wirth der ganze republi- kanifche Flügel des Zentrums weggehen würde, aber sollte es wirklich dazu kommen, so könnte man sich über die Kleinheit dieses Flügels vielleicht verwundern. Denn es gibt zwar eine sehr ansehn- liche republikanische Stimmung im Zentrum, aber unsrem Eindruck nach doch nur sehr wenige Persönlichkeiten, bei denen diese Stimmung sich so scharf auskristallisiert hat, daß Neigung zum Bruch mit alten Freunden und Konnexionen vorhanden wäre. Wer es mit der demo- kratifchen Zukunft Deutschlands gut meint, muß hoffen, daß der Konflikt im Zentrum friedlich beigelegt werden kann.
Hoffentlich läßt Dr. Wirth diese zutreffenden Bemerkungen der „Frankfurter Zeitung" recht stark auf. sich wirken.
Der „Badische Beobachter" bringt einen längeren Artikel über eine Sitzung der Badischen Zentrumsfraktion, die sich mit den Vorgängen, die durch Dr. Wirth veranlaßt wurden, eingehend beschäftigte. Die Fraktion erblickt in der Veröffentlichung des Briefes des Reichskanzl-rs Dr. Marx etwas, was mtt den Gesetzen ber Par
teidisziplin kaummehrinEinklang gebracht werden könne. Sie lehnt den persönlichen Absolutismus auch hochbegabter Führer in der Partei genau so ab wie den in Gemeinde und Staat. In dem Schritt des Herrn Dr. Marx sähe man den pflichtmäßigen Hinweis auf bestimmte Grenzen, die von jedem Angehörigen des Zentrums, speziell den Mandatsträgern, zu respektieren seien. Dr. Wirth bitte um einfache, klare Mitteilung. Diese Mitteilung könne, was Baden betreffe, nur lauten: Zur Zeit der Demokratie auch im Zentrum Sinn und Verständnis für demokratische Grundsätze, in der Partei kein republikanischer Integralismus und kein parteipolitischer Absolutismus weder auf der einen ober auf der anderen Seite, keine Sonder- roege neben ober außer der Partei, sondern mit beiden Füßen in der Partei; der Eigenart und dem Temperament des einzelnen in dem aufgezeigten Rahmen volle Bewegungsfreiheit, aber auch gleiches Recht den andern. Das Zentrum Badens steht treu zu der alten Fahne und begrüßt, wenn Dr. Wirth Schulter an Schulter unter dieser mit ihr fechten will.
Eine Sitzung des Reichsparteivorstandes des Zentrums, die sich mit dem Fall Wirth beschäftigen wird, wird nach dem „B. T." Freitag nachmittag in der Reichskanzlei statt» finden. Den Vorsitz führt Reichskanzler Dr. Marx als Chef der deutschen Zentrumspartei. Auf seinen Wunsch findet auch, um die Vertraulichkeit der Verhandlung wahren zu können, die Tagung in den Räumen der Reichskanzlei statt. Es wird in unterrichteten Kreisen damit gerechnet, daß am Freitag in den späten Abendstunden in einem offiziellen Kommunique das Resultat der Beratungen des Parteivorstandes und die Stellung zum Fall Wirth bekannt gegeben wird.
• Der Bürgermeister von Detroit in Berlin. Der Bürgermeister von Detroit, Smith, ist am Mittwoch Abend in Berlin eingetroffen. Er wurde am Donnerstag Vormittag vom Reichskanzler empfangen und besuchte im Laufe des Nachmittags öffentliche und ptt» vate Betriebe.
♦ perfonaloeränberung im preußischen Ministerium des Innern. Das preußische Staatsministettum hat dem „Amtlichen Preußischen Pressedienst" zufolge ernannt: zum Ministettaldirektor den Ministerialdirigenten Drr Brand, zum Ministettaldirigenten Ministerialrat Geh. Reg.-Rat Dr. Gräser, Ministettalrat Bachmann und den lippischen Staatsrat Dr. Steinbrecher. Ferner ernannt- das preußische Staatsministerium den Ministerialdirigenten im Finanzministerium Dr. Hog zum Ministerialdirektor in diesem Ministerium.
Der englisch-russische Konpffit.
Zu dem bereits gemeldeten Beschluß her Moskauer Sowjets wurde noch ein Zusatz einstimmig angenommen, in dem es heißt, die Sowjetregierung Dürfe irgendwie geartete materielle Sortierungen englischer Bürger erst regulieren nach der vollständigen Wieberherstellung ber diplomatischen Beziehungen unb nach ausreichender Genugtuung für die durch die Haussuchung bei der Arcos der russischen Regierung zugefügten Beleidigung und für den Materialschaden. Dazu wird hier noch erklärt, daß die Resolution sich nicht aus solche englischen kommerziellen Ansprüche bezieht, die sich aus den schwebenden Handelsgeschäften zwischen England und der Sowjetunion ergeben unb beren Abwicklung gemäß der Erklärung des Handelskommissars Mikojan dem internationalen Handelsbrauch entsprechend erfolgen sott. Abgesehen davon ist der Moskauer Sowjet eine kommunale Körperschaft, dessen Beschlüsse keine Bindung für die Sowjetregierung barftellen.
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Wie verlautet, wird die britische Regierung dem Sowjetgeschäftsträger Rosengolz die Liste derjenigen Personen übermitteln, denen m Uebe-ein» ftimmung mit dem Beschluß der britischen Regierung nicht gestattet wird, in England zu bleiben. Es ist nicht bekannt, wie viele Namen diese Liste enthalten wird. Es sind jedoch darin nicht diejenigen Russen aufgeführt, die im rechtmäßigen Handel tätig sind unb sich in großer Anzahl in England aufhalten, und zwar nicht nur im Arcosbetrieb arbeiten, sondern auch in den verschiedenen Unternehmungen, die unter feiner Kontrolle stehen. Es wird jedoch erwartet, daß die Aufenthaltserlaubnis von Personen, die in England bleiben dürfen, später einer neuen Ueberprüfung unterzogen wird.
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Der englische Innenminister teilte auf ein« Anfrage im Unterbaust mit, daß bi« Regierung nicht ben Wunsch habe, bem Handel zwischen Rußland unb England irgendwelche Schwierigkeiten in ben Weg zu legen, unb daß Russen, die zwecks Bona fide-Handels nach Englanb kommen möchten, dieselben Erleichterungen erhalten wie die Untertanen jeder andern auswärtigen Macht. Jnbezug auf die Visen- unb änbere Angelegenheiten würbe biefelbe Maschinerie wie bisher angewanbt mit ber «inen Ausnahme, daß in Zukunft fern Paßbeamter in Rußland fein werde. Auf bie Frage, ob die norwegische Regierung ober ihre Vertreter bas Recht haben werben, Pässen von Leuten, bie nach England zu kommen wünschen, Sichtvermerke zu erteilen, erwiderte der Innenminister, diese Frage sei noch nicht geregelt. Auf eine weitere Anfrage, ob angesichts ber Tatsache, daß Norwegen und Deutschland den regelmäßigen Konsularbienst in ben russischen Häsen unterhalten, britische Geschäftsleute nicht sicherer gehen würben, wenn sie norwegische ober beutsche Schisse gebrauchten, ertoiberte ber Innenminister, er glaube das nicht. So^er Lampson brachte in ber Antwort auf eine andere Frage zum Ausdruck, baß ber Beschluß ber britischen Regierung, bie biplomatischen Beziehungen mit ber Sowjetregierung abzubrechen, nicht die Rechtslage bezüglich ihrer Anerkennung dieser Re- gierung berühre. Das Haus vertagte sich dann bis zum 13. Juni.
Russisch-lettischer Hlpdelsverttag.
In Moskau ist im Außenkommissariat als Abschluß der den Mai über geführten Verhandlungen zwischen der sowstttussischen und lettischen Delegation ein russisch-lettischer Handelsvertrag unterzeichnet worden.
* Die kommunistische Anlimilikär Propaganda in Frankreich. In Bourges wurde in ben Räumen einer kommunistischen Zeitung eine Druckplatte sowie zahlreiche antimilitärische Druckschriften be- schlagnahmt. Bei der Ankunft von Reservisten des dort liegenden Infanterieregiments waren solch» Plakate in der Stadt angeschlagen worden.
(England und krdeitszeitabkommen.
Aus London wird gemeldet: Auf eine Anfrage eines Abgeordneten der Arbeiterpartei im Unterhaus wegen Verzögerung der Ratifikati-m des Washingtoner Ärbeitszeitabkom- mens antwortete ber Staatssekretär für Arbeit: „Es hat niemals seitens der Regierung eine Ver- pflichtung bestanden, das Abkommen zu ratifizieren. Es ist lächerlich, wenn ein britischer Staats- angehöriger tritifiert, was wir im Vergleich zu an- deren Länder getan haben. Diejenigen, die von der Regierung verlangen, daß fie sich beeilen und vorangehen solle, geben sich nicht Rechenschaft rrn den Schwierigkeiten praktischer Art. Es könnte dazu kommen, daß unsere Industrie gehemmt würde, während das Ausland durch eine ganz andere Auslegung keine Schwierigkeiten Haven würde. Ich "hoffe, daß wir das Abkommen werden ratifizieren können. Aber cs wird einige Zeit bis dahin bauern/_______
* Neue Regierungskrise In Sachsen. Da in den Verhandlungen der Fraktionen der Koalitionsparteien mit der Deutschnationalen Lolkspartei über die Umbildung der sächsischen Regierung eine Einigung nicht erzielt werden konnte, so haben die Fraktionen der Deutschen Volkspattei, der Wirtschaftspartei und der Deutsch-Demokratischen Partei ihre Minister ersucht, ihr« A e m t e r dem Ministerpräsidenten zur Verfügung zu stellen.
♦ Der unzuständige Marschall Pilsudski. Aus K a t t o w i tz wird gemeldet: Auf ein Telegramm der Deutschen Partei der Woiwodschaft Schlesien an den Marschall Pilsudski wegen der Vorfälle in Rybnik ging jetzt eine Antwott ein, worin nur kurz mitgeteilt wird, daß diese Angelegenhett in das Resiott des Jnnennünl- sters gehöre.