Für unsere FrauenwM
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Nr. 127 vom 3. Juni 1927
Beilage zur Fuldaer Zeitung
Martha M. Kretschmer.
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Handschuh kaufe man nur in gediegener Qualität, heller Strumpf trägt sich, besonders im Sommer auf Reisen, angenehmer als ein schwarzer: aber Farbe ist ganz besonders vorsichtig zu wählen; — viel Geschmacklosigkeit kann ein Strumpf verraten!
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Die Frau in -er Küche.
f. Goldschnitten. 70 Gramm süße Mandeln gebrüht, abgezogen und gerieben. Dazu gibt Eier und 35 Gramm Zucker. Semmelscheiben
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in Milch eingeweicht und in die gut verrührte Mandel- mässe eingetaucht, hernach in Schmalz auf beiden Seiten gebacken und mit Zucker und Zimt bestreut. Eingekochte Preißelbeeren schmecken vorzüglich dazu. **
Die Frau als Erzieherin.
f. Die Grausamkeiten gegen Tiere ist ebenso wie der Egoismus ein altes Erbteil aus der Menschenurzeit, welches die Erziehung zielbewußt zu beseitigen hat. Hier kann das Beispiel des Erwachsenen unendlich viel tun. Die Erzieher begehen oft den Fehler, dem Kinde die Harmlosigkeit im Verkehr mit Tieren zu nehmen, indem sie Furcht oder Abneigung gegen bestimmte Tiere, z. B. Mäuse oder Frösche, übertragen. Ein Fehler ist es, wenn das Kind den Begriff „Angst" frühzeitig' kennen lernt, denn von Hause aus kennt das Kind überhaupt keine Furcht. ________________
Der zweite Referent des Tages, Herr Ministerialrat Dr. Schäfer aus dem Preußischen Justizministerium behandelte nach einem kurzen Rückblick aus die früheren Ansätze zu einer Umwandlung des Strafrechts den zur Zeit dem Reichstag vorliegenden Entwurf einer Reform. Bier Gedanken ziehen sich durch denselben hin, einmal die stärkere Betonung der Persönlichkeit des Täters gegenüber der Tat, ferner eine Erweiterung der Freiheit des richterlichen Ermesiens, dann ein stärkerer Schutz der Gesellfchast gegen das Gewohnheitsverbrechertum und schließlich in die Hand des Richters gelegte Maßnahmen zur Bewahrung und Sichenmg des Täters (durch eine Unterbringung in eine Heil- oder Alkoholentziehungsanstalt, Arbeitshaus oder Schutzaufsicht).
Im wesentlichen hält der neue Strafrechtsentwurf an dem Strafsystem des geltenden Rechts fest. Prinzipiell ist die Todesstrafe beibehalten; doch hat der Richter die Freiheit, auch bei Mord unter gewissen Umständen nicht auf Todesstrafe zu erkennen. Reu ist die Einführung des bisher nur auf dem Wege der Gnadenpraxis möglichen bedingten Strafaufschubs. Eine Reihe vom Red- ner besonders gestreifte Delikte (neben Wahl- igid Religionsdelikten vor allem die Sittlichkeitsdelikte) wurden in der nachfolgenden Aussprache eingehender behandelt und einige Abänderungsvorschläge den gesetzgebenden Körperschaften zur Unterbreitung empfohlen.
Aus dem Frauenleben.
f. Der Frauenüberschuß in Frankreich. Die schon oft erwiesene Tatsache des Frauenüberschusses wird auch durch die bereits im März vorigen Jahres erfolgte, aber erst jetzt amtlich veröffentlichte Volkszählung im Seine-Departement bestätigt. Bei einer Ge- famtbevölkerung von 4 628 637 überstieg die Zahl der Frauen die der Männer um 330 000. Das Mißverhältnis
Kleiöungsforgen in der Reisezeit.
Um „gut angezogen" zu sein, heißt es, eine allgemeine Regel zu beobachten: All die vielen Kleinigkeiten, die zum Anzug gehören — Schuh, Strumpf, Hut, Schal, Handschuh — sind nicht Nebensächlichkeiten. Sie muffen fein gestimmt fein auf Art und Farbe des Kleides, Jackenkleides oder Mantels. Mit eingem Ueberlegen ist
das nicht allzu schwer zu ermögNchen. — Strumpf und ~ Ein
Vie Frau im Beruf.
f. Die erste Handwerks-Jubilarin. Am 9. Mai 1927 feierte Maria Lühr in Berlin, ihr 25jähriges Jubiläum als Buchbindermeister. Sie hat als erster Prüfling 1902 die Meisterprüfung vor der Hamburger Gewerbekammer abgelegt. In ihren Räumen veranstaltete Maria Lühr eine kleine Jubiläumsausstellung.
f. Die philosophischen Französinnen. Rach nunmehriger amtlicher Feststellung haben sich im Jahre 1926 1806 junge Französinnen als Studentinnen der Philosophie und 328 als solche der Mathematik eintragen lassen gegen 21 bezw. 5 im Jahre 1905. ,
gute Waschlederhandschuh (weiß, mode, grau, braun) ist bei richtiger Behandlung für Jahre dauerhaft, darum preiswerter als alle Woll-, Daumwoll» und seidenen Handschuhe während Glace- und Wildleder schnell ihr gutes Aussehen einbüßen. — Ein Strohhut kann längst nicht so strapaziert werden wie der kleine, leichte Filz Hut. Stroh oerliert an der Farbe, leidet bei Wind und Wetter, ist schneller der Mode unterworfen, packt sich schlecht im Koffer. Der Filzhut kann beliebig gekrempt und eingedrückt werden;, man kann ihn flach zusammenlegen, jahrelang tragen — und auch dann sollte man ihn noch nicht fortwerfen, er läßt sich immer noch uniformen, färben. Ein praktisches Reisehütchen ist auch der Basthut. — .
Seit kein Stehkragen den bloßen Hals mehr deckt und der helle Blusenkragen nicht mehr die Jacke freundlich ziert, vervollständigt und belebt der farbige Schal die Straßen-, Sport- und Reifekleidung; er wird zum Knoten gebunden, auch nur lose um den Hals geklungen.
Das große Umhängetuch in Seide, Seidenkrepp, Chiffon — einfarbig, gebatikt, gemalt, gestickt — das zeitlose, hüllende, frauliche Tuch, das von alt und jung gleich gern getragen wird, das im Koffer kaum Raum und Gewicht nimmt und doch ein Kleidungsstück für sich istt Meist in quadratischer Form, wird es gerade ober im Dreieck gefaltet, wie es eben gefällt und sich zum Stil des Kleides bester eignet.
Die Handtasche ist verschieden gehalten in Form, Größe und Material, je nachdem^ ob sie die zierliche, modische, zum Anzug genau postend gewählte Kuvert- tasche der eleganten Frau ist, bestimmt für deren Mußestunden unterwegs — oder aber die große, praktische Tasche der Berufsarbeiterin, der sportlichen Frau, der Frau auf Reisen, die außer dem üblichen Tascheninhalt
noch Einkauf, Briefe, Buch, Paß, Frühstücksbrot usw. bequem (affen muff. Rach ihrem Inhalt, der geschmackvollen oder geschmacklosen Ausstattung und der zweck- maffigen Anordnung, oder aber Unordnung der vielen Dinge, die sie birgt, wirft die Handtasche ein Streiflicht auf die Persönlichkeit und und Lebensweise ihrer Eigentümerin — ist sie doch die treue Gefährtin der Frau auf allen Wegen, die sie aufferhalb des Hauses geht.
Roch persönlicher mutet das Reisezeug an, bas Vielerlei ber unentbehrlichen kleinen Sächelchen, die man täglich auf Reisen braucht, in treffender Kürze , von fremdsprachigen Worten mit „neceffaire“, „suitcase" bezeichnet. Reiseschreibzeug, »Nähzeug, -wasch- und kamm- zeug mit den dazu gehörigen Hüllen („sochets") wird die praktische Frau nicht sertig.zusammengestellt laufen, wie sie nach schematischer Anfertigung die moderne Leder- inbuftrie feilbietet. Mit wieviel itmuitz belastenbem Kram müßte sie sich plagen! Weil die persönlichen Bedürfnisse verschieden sind, läßt sich Allgemeingültiges nicht festlegen. Reisezeug, in Material und Farbe nach persönlichem Geschmack gewählt, gediegen, zweckmäßig und schön nach eigenen Angaben gefertigt, sorgfältig ge« ordnet auf dem Wasch- oder Toilettentisch, bedeutet ein Stück Heim im fremden Hotelzimmer. Deshalb, weil man keinen Tag so ein klein wenig Eigenheim unterwegs misten will, gehört notwendig zum „neceffaire", noch mehr: ein liebgewohntes Buch in kunstlchönem Einband, eine flache Obstschale, aus Stroh ober Bast geflochten, eine liebe Photographie in feinem, leichten Rahmen, ein kleines Kreuz für den Rachitisch, denn man sucht ost vergeblich nach einem Zeichen religiösen Empfindens an der Wand. Stellt man noch ein paar frische Blumen, grüne Zweige ins Wasserglas, bann ist das nüchterne Zimmer himlich geworden.
Beim Kofferpacken finden alle Kleinigkeiten wie Handschuhe, Bänder, Gürtel . . . Raum und Ordnung in besonderen Säckchen. Wäsche wird durch Bänder gehalten. Zwischen die Kleider legt man nichts, nur an jeden Bug Seidenpapier, bas verhütet Falten und
Vie Frau als Hausarzt.
f. Hämorrhoidalknoten können außer durch operah. oen Eingriff mit dem Mester auch durch Anwendung des elektrifchenGlühdrahtes beseitigt werden. Dieses Heilverfahren ist durchweg schmerzlos und radikal. Im übrigen sind zur Erzeugung weichbreiis-r Stuhleni- leerungen reichlicher Obstgenuß und zur Linderung bei Beschwerden lauwarme Kamillen-Sitzbäder sowie bn Anwendung eines Hämorrhoidalpessars ober eines Läpp- chens sehr zu empfehlen.
f. Malz- und fiteienbäber werden von Aerzien viel- fach bei Hautkrankheiten verordnet. 3m Hause lassen sich solche Bäder nach folgender Vorschrift leicht her- stellen: Man kocht 2 Kilogramm Gerstenmalz ober Wei- zenkleie mit 4 Kilogramm Wasser unter stetem Umrühren 30 Minuten lang. Dann wirb die Flüssigkeit durch einen Leinenbeutel gegossen und ber Rückstand möglichst vollständig ausgepreßt. Die so gewonnene Flüssigkeit wird bann dem Babewasser zugesetzt.
Neue Frauenbücher.
Dienst an der Kirche können wir den soeben im 'Vertag W. Vobach u. Co., G. m. b. H., Leipzig C 1, erschienenen neuen Band 37 der Sammlung Dodachi. Handarbeitsbücher: „Paramente" überschreiben, der fjerausgegeben von Paula Gratz, in farbigem Um« schlag mit Musterbogen an vielen Abbildungen bi» Mannigfaltigkeit kirchlich. Schmuckes als Handarbeit für die Frau beschreibt. Durchgeführte Dekorationen, Mu« fter und Motive für alle kirchlichen Gewänder und Bekleidungsstücke, die der Geistliche zu den verschiedensten kirchlichen Handlungen benötigt, Kelchgarnituren, Mon- stranzschleier, Tücher, Behänge und Decken werden bild- lich dargestellt und Erläuterungen und Anleitungen zur Anfertigung unter Verwendung der Typemmister und Aufbügelmuster gegeben. (Preis 1,50 Mark).
Zentrumsfrauentag.
Am Montag, den 23. Mai ist in Berlin im Anschluß an die Preußeniagung ber Reichssrauenbeirat der Zentrumspartei zu einer Delegiertenversammlung zu- jammengetreten. Anwesend waren neben den Parlamentarierinnen eine stattliche Anzahl von Vertreterin- nen aus den preußischen Provinzen, sowie den übrigen Ländern. Zur Beratung standen in erster Linie Satzungen für den Reichssrauenbeirat, die dann mit einigen Aenderungen angenommen wurden. Im Mittelpunkt der Nachmittagsverhandlungen standen zwei wertvolle Vorträge sozialpolitischen und kulturellen Inhalts. Zunächst gab Frau Oberregierungsrat Ehlert aus dem Reichsarbeitsministerium m ihrem Vortrag über die Stellung der Frau auf dem Arbeitsmarkt einen Ueber- blick über die Entwicklung und die Krisen in ber deutschen Volkswirtschaft während ber Nachkriegsjahre. Seit 1926 ist eine Aufwärtsentwicklung zu beobachten. Die Erwerbslosenziffer ist in den letzten Monaten um eine Million gesunken. Die erwerbslosen Frauen nehmen, da sie vorwiegend in zuletzt von einer Krise erfaßten Berbrauchsindustrien beschäftigt sind, mit ber Dauer der Krise an Zahl zu. Als Mütter und Töchter kehren sie roieber in die Familie zurück. Die Bedürftigkeitsfrage ist für sie zu verneinen, sodaß die Zahl ber unterstützten Frauen gegenüber ber Gesamtzahl ber Erwerbs- lösten verhältnismäßig gering erscheint. Das statistische Material des Reichsarbeitsministeriums weist eine klare ©lieberung ber Gruppe ber arbeitenden Frauen nach Beruf und Alter auf. Das System ber Erwerbslcsten- fürforge geht burch kommendes Gesetz über in das System ber Arbeitslosenversicherung. Dem arbeitswilligen Arbeitslosen fällt für die Dauer ber Arbeitslosigkeit eine Rente zu, die aber, um den Ansporn zur Arbeit nicht zu unterdrücken, in Anpassung an das herrschende Lohnklassensystem den Lohn nicht überschreiten darf. Frei von Politik und Staat soll die Organisation der ArbeitslosenDersicherung von der Wirtschaft getragen werden. In der Diskussion beschäftigte man sich noch im besonderen mit der letzten Regelung der Kleinrentnerfürsorge (Frau T e ü s ch) und beachtete die Frage ber weiblichen Hausangestellten und ber in der Landwirtschaft tätigen Arl iterinnen.
Madonnenbild.
Don Hans G ä f g e n - Wiesbaden.
Im Lärm ber Straßen Einer großen Stadt Steht ein Madonnenbild, Das frommer Sinn geschaffen hat In alter Zeit.
Die Menschen achten seiner nimmermehr, Denn ihre Tage sind
Von aller stillen Andacht leer Und von Beschaulichkeit.
In seltener Stunde Nur ein Wandersmann Hält vor dem Bilde Seine Reise an Und betet' leis';
Ober ein Mütterchen Knie» tief im Sand Und bringt der Jungfrau Wüten, grünes Laub Und singt ihr Preis! Im Lärm der Sttaßen Einer großen Stadt Steht das Madonnenbild, Das frommer Sinn geschaffen hat, Wie Glockenton.
Und Rosen blühen
Wie ein Schleier dicht Marien um das t Holde Angesicht Und ihrem Sohn.
tritt besonders in den reichen Vierteln von Pans stark hervor, während in den Arbeitervierteln der Unter, chieb nicht so sehr in die Erscheinung tritt. Die Stadt Paris zählt übrigens 2 871 429 Einwohner, von enen 16 671 älter als 71 Jahre sind.
f Der erste weibliche Generalmusikdirektor. Der erste und bisher einzige weibliche Generalmusikdirekiok in Europa ist die Leiterin des Philharmonischen Or- chesters von Paris, Madame Lola Boston. Sie genießt nicht nur in Frankreich- sondern auch in anderen Ländern einen hervorragenden Rus als Musikpädagogin.
Was die Leserinnen sagen.
Meinen lieben Mitschwestern, die mit Sommersprossen behaftet sind, möchte ich anschließend an bas Kapitel „Sommersprossen" von Dr. E. Mosbacher, ein erprobtes Hausmittel geben. Ein Radikalmittel ist es selbstverständlich nicht. Denn das gibt es nicht wie auch Herr Dr. Mosbacher sagt, wohl aber ein gutes dabei billiges Hausmittel. Man nehme ein Eiweiß, ein Eßlöffel „Kölnisch Wasser", Teelöffel Glycerin, eine Prise Salz und den Saft einer Zitrone. Dies gut vermischt, bann morgens unb abends die Sommersprossen damit besttichen. Nach einigen Tagen zeigt sich schon die Wirkung. Den ganzen Sommer hindurch regel» ! mäßig gebraucht, werden die Sommersprossen kaum merklich auffallen. M. R. F.
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Der Kris des Radja.
Vornan aus der Tropenwelt der ostindischen Jnselflur.
Jfon Olaf (Elfens.
38] (Schluß.)
Der Wind blies uns ununterbrochen günstig. Be- retis gegen Mittag bogen wir in die Rottistraße zwi- scheu Timor und ber kleinen Insel Rotti ein. In der Rottistraße wurden wir von einem größeren Dampfer eingefjolt. Von seinem Maste wehte die niederländische Flagge.
„Der Postdampfer nach Batavia," rief Herr Riedel aus. „Alle vier Wochen passiert er diese Strecke."
.Halt", sagte ich, „bas trifft sich ganz außerordentlich glücklich. Herr Riedel, ich habe einen Vorschlag zu machen."
„Darf ich bitten?"
„Sie haben doch selbst den Wunsch geäußert, jedes Aufsehen in Koepang zu vermeiden."
„Natürlich, diesen Wunsch habe ich noch."
„Dann kommt uns dieser Postdampfer sehr gelegen. Uebergeben wir doch seinem Kapitän die beiden Gräfinnen. Dadurch kommen sie mit Koepang gar nicht mehr in Berührung und ist jedes muffige Gerede ausgeschlos. fen. Die Gräfinnen sind dann einfach verschwunden und die geschwätzige Fama hat keinen Stoff, um sich an Ihnen und Ihrer Familie die Zunge zu wetzen."
„Das ist wahr," entgegnete Herr Riedel. „Ihr Vorschlag ist ausgezeichnet. Hoffentlich geht aber auch ber Kapitän des Poftbampfers darauf ein."
„Warum sollte er nicht? Wir müssen lediglich ein Leichen geben, daß wir mit ihm zu sprechen wünschen."
Der Dampfer kam so nahe an uns heran, daß wir ihn anrufen konnten. Ein Boot wurde von ihm aus- gesetzt, vermittels dessen sich Herr Riedel und ich an Bord des Dampfesr begaben . Unser Bericht über die Gräfinnen und unsere Abenteuer auf der Reise quer durch Timor erregte dort begreifliches Aufsehen und mit größtem Vergnügen erklärte sich der Kapitän bereit, uns die beiden Schwindlerinnen abzunehmen. Nach einem» kurzen Aufenthalte auf dem Dampfer brachte uns das Doot wieder zur Prau. Die Gräfinnen wurden aus der I Hütte geholt und der Bootsmannschaft übergeben. Die I Komtesse funkelte mich dobei mit ihren Augen an als 1
hätte sie Lust, mich in Stücke zu reißen. Ich bin aber gegen solche Augensprache völlig unempfindlich, konnte mir jedoch nicht versagen, zur Revanche den beiden noch nachzurufen:
„Auf Wiedersehen, meine Damen! Lassen Sie sichs in Batavia gut gefallen! Das Gefängnis soll dort ganz vorzüglich sein."
Ein schallendes Gelächter ber Bootsleute folgte.
»Wir liefern die zwei schon richtig ab," riefen sie zu- rück. „In Batavia wird man ihnen ordentlich die Fittiche beschneiden."
Das Boot stieß ab und befand sich bald wieder an der Seite des Dampfers, der die Mannschaft und die Gräfinnen aufnahm. Langsam verschwand er unseren Blicken. Aber auch unsere Prau segelte in dem ruhigen Küstengewässer rüstig weiter. Noch stand die Sonne am Himmel, als wir schon in die Bucht von Koepang eingebogen wärest und die Stadt vor uns sahen.
Es versteht sich von selbst, daß sowohl ber Radja wie ich die Gastfreundschaft des Residenten nun genas- fen. Der Abend vereinte uns zu einem kleinen Fest im engsten Familienkreise. Außer dem Radja und mir war nur noch Liesten anwesend unb feine gute Laune jorgte halb dafür, daß auch Frau Riedel und Cornelius Meder ausgeheitert wurden.
,^ihre glückliche Entlobung!" erwiderte der Mijnheer Setretaris. „Gestatten Sie mir, daß ich darauf einen herzhaften Schluck trinke!"
Auf diese Weise stellte Liesken das seelische Gleich- gewicht in der Familie Riedel wieder her.
Der folgende Tag war der Ruhe und Erholung gewidmet. Einen Tag später trieb es mich aber bereits wieder in Begleitung des Radja und Awayos hinaus in die Umgebung von Koepang. Bei diesem Ausflug hatte ich Gelegenheit, meine Kenntnisse über Land unb Leute von Timor noch zu ergänzen. Als wir abends in Koepang wieder eintrafen, tarn uns ber Resident schon mit hochwichtiger Miene entgegen unb empfing uns mit den Worten:
„3d, weiß Ihnen eine Neuigkeit."
„Angenehmer ober unangenehmer Natur?" fragte ich fürsorglich.
„Wie man es nimmt,“ erwiderte tr. „Für uns ist die Neuigkeit eigentlich von wenig Belang mehr. Sie bildet höchstens den Abschluß ber Affäre, in deren Mit- ielounkt mir aeftanben linb. Lesen Sie einmal!"
Er entnahm seiner Brieftasche ein Telegramm und reichte es mir bar. Ich entfaltete es unb überflog bie Zeilen. Da stand zu lesen:
„Sally und Ann Pavingstone, Tante unb Nichte Hochstaplerpaar — bitte festnehmen unb hierher ausliefern. Polizeibirektion New-Orleans."
„Na," sagte ich, „ganz so ähnlich habe ich mir die Sache ja auch gedacht. Ist bas Telegramm heute nachmittag eingelaufen?"
„Ja, unb ich habe sofort nach Batavia weiter Meldung erstattet."
„Dann dürfte im Grunde genommen ja nichts mehr fehlen. Der Traum ber Gräfinnen Pastuszyk aus bem schönen ßanbe Polen ist ausgeträumt.*
»Gott sei Dank! Aber halt, ich habe Ihnen noch etwas zu sagen. Fast hätte ich es vergessen."
„Noch eine derartige Neuigkeit?"
«Nein. Das geht in erster Linie nur Sie allein an. Aber mittelbar ist sie für uns alle ein Grund der Trauer, weil Sie uns nun wahrscheinlich verlassen werden." — „Ah — die „ülmelanb" eingelaufen?"
„3a, ebenfalls heute nachmittag. Ich habe mit bem Kapitän bereits gesprochen. Wissen Sie, was feine erste Frage war?"
„Vielleicht nach mir."
jawohl. Er sagte mir kaum Grüßgott, bann fragte er schon, ob Sie ein Abenteuer erlebt hätten."
„Kann es mir benken. Und was taten Sie darauf?"
„3ch erzählte ihm unsere Exkursion quer durch Timor, und da begann er zu lachen, daß ich fürchtete, er möchte in Stücke gehen. Er wollte Sie selbst aber auch noch begrüßen und darum habe ich ihn für heme abend eingeladen."
„Das kann eine lustige Sitzung werden."
„Hoffen wir es!"
Und eine solche wurde es auch. Alle Teilnehmer auf dem Zuge durch Timor waren noch einmal um den gastlichen Tisch des Residenten geschart und die unvermeidliche Abschiedsstimmung hielten wir durch verdoppelte Fröhlichkeit nieder. Mijnheer Liesken und der Kapitän überboten sich in launigen Einfällen, und manche Träne habe ich an diesem Abend vergossen, die mir kein Kummer, sondern das Lachen erpreßte.
Doch einen durfte ich nicht vergessen, meinen braven Awayo. Ich ließ ihn an unseren Tisch rufen. Aus die
Kunde, daß ich morgen Timor für immer verlassen würde, machte er ein arg trauriges Gesicht. Doch ich wußte ein Heilmittel für ihn.
„Awayo," sagte ich zu ihm, „wieviel Geld wirst du wohl brauchen, um deine Ula heiraten zu können?"
„O Tuwan," meinte er, „da brauche ich schon mindestens zwanzig Gulden, denn ich möchte einen Sauflaben in Koepang übernehmen unb —"
»Ist schon gut," unterbrach ich ihn, meine Gelbbörse ziehend. „Gründe immerhin deinen Kaufladen! Meinen Segen hast du dazu, und weil dir der Segen allein nichts hilft, lege ich noch zwanzig Gulden dazu."
Der wackere Awayo riß bei diesen Worten erst die Augen auf, daß sie ganz kugelrund wurden. Er konnte es noch gar nicht fassen, daß die zwanzig Gulden sein eigen sein sollten. Dann aber machte er, alle Förmlich- feit vergessend, einen Freudensprung und rief in Höch- fter Verzückung:
„0 Tuwan, Tuwan, Ihr seid der edelste, der groß- mütigfte, der beste und schönste aller Tuwans!"
„Warte nur, du Schlingel," rief Herr Riedel aber dagegen, „ich will von diesen vielen schönen Eigenschaften auch etwas abbekommen."
Und auch er zog seine Börse und fügte meinen zwanzig Gulden noch einmal zwanzig dazu. Aber er wurde deshalb doch nicht der edelste, großmütigste, beste und schönste aller Tuwans, vielmehr rief der überglückliche Awayo blaff:
„Jetzt muff ich aber laufen!* :
Schon eilte er mit seinem Schatze davon. ' / ; „Wohin denn so schnell?" schrie ich ihm nach. ! < „3u meiner Ula!!"
Unb so ist es sehr wahrscheinlich, baff am selbigen Abend auch noch eine junge braune Schöne auf Timor zu den glücklichsten Sterblichen unter dieser Sonne gehörte. t
Als ich aber am anderen Tage auf Deck der „Ame- lanb" stehend gegen Osten spähte und Stadt und Insel allmählich meinen Blicken entschwinden sah, da fragte ich mich, in wessen Gedanken bei all denen, die ich auf Timor kennen gelernt und von denen ich am Morgen Abschied genommen hatte, ich am treuesten fortleben würde, und ich entschied mich für Su-Hung, den Chinesen. In seinem Leben war ich das große Ereignis gewesen: Der erste Gast.