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Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Nr. 127.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk.

Jreitag, 3. 3unl 1927.

Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Coloneff lokal 0,15 JUt,, auswärts 0,20 5U. Reklamezeile: lokal 0,60 5U, auswärts 0,80 5U. Bei Wiederholungen Rabatt. :-: Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 4051.

54.Zahrg.

Moskau gegen England.

wtb. Moskau, 2. Juni. (Gig. Funkm.) Das Ple­num der Sowjets in Moskau nahm eine Entschlie­ßung an, worin die Handlungen der russischen Re­gierung, die auf die Erhaltung des Friedens gerichtet find, restlos gebilligt werden und die Be­reitschaft ausgesprochen wird, alle Maßnahmen zum Schutz der Sowjet-Union zu unterstützen. Die Bevölkerung wird zu einer Organisierung eines mächtigen finanziellen Welt­schutzes durch die Sicherstellung einer erfolgrei­chen Realisierung der Staatsanleihe aufgerufen. Die Sowjet-Regierung foll keinerlei Anträge auf Regelung der materiellen Ansprüche britischer Staatsangehörigen zur Prüfung entgegen nehmen, bis die vollständigen diplomatischen Beziehungen zwischen der Sowjet-Union und Großbritannnien wiederhergestellt sind und die britische Re- gierung hinreichende Genugtuung für die der Sowjet-Union zugefügten Beleidigungen und ma­teriellen Schaden gegeben haben wird.

Lhamberlain über Negqpten.

Im englischen Unterhaus gab Chamberlain eine Erklärung über den englisch-ägyptischen Konflikt ab, in der er u. a. ausführte, schon seit langem sei es das Ziel der ägyptischen Warfdpartei gewesen, das ägyptische Heer tatkräftiger zu gestalten und in eine den Interessen der Warfdpartei gefügige volitische Waffe zu verwandeln. Da die Derlei- digungdesSuezkanalszuden lebenswich­tigen Interessen Englands gehört, dem außer- de mder Schutz der Ausländer in Aegypten aufer­legt sei, würden durch diese Pläne englische Inter­essen unmittelbar berührt. Es könne nicht zuge­lassen werden, daß Englands Aufgabe in Aegnvten durch die Anwesenheit einer bewaffneten Macht erschwert werde, die unter Umständen eine feind­selige Haltung einnehmen könnte. Es bestehe guter Grund zu der Annahme, daß das ägyptische Heer eine derartige Rolle spielen könnte, wenn die ' mstürzlerischen Einflüsse sich ungehemmt aus­wirken könnten. In der am Montag der ägypti­schen Regierung überreichtenNote fei dargelegt, daß in der ganzen Heeresfrage Aegypten und Groß­britannien gleichmäßig interessiert sind und deshalb die Angelegenheit auf dem Wege einer Vereinba­rung zwischen beiden Regierungen geregelt werden müsse. Zur Aufnahme dahingehender Verhand­lungen sei England bereit. Bis aber eine Vereinba­rung zustande gekommen sei, müsse England auf der Aufrechterhaltung der derzeit bestehenden Ga­rantien bestehen.________________

* Die Sorge der anderen. Wenn man in die Rechtspresse und in die Linkspresse hineinschaut, muß man glauben, in der Welt gäbe es heute nichts wichtigeres als die Lösung der Frage: Wie steht Herr Dr. Wirth zur Zentrums­partei. Im Zentrumslaaer denkt man anders. Reckst treffend schreibt die „Kölnische Volkszeitung": Mit einer etwas auffälligen Sorge betrachten die anderen Parteien die Stellung des Herrn Wirth zur Zentrumspartei. Die Sorge um die Klärung mögen sie ruhig der Zentrumspartei überlasten, in der man ohne sonderliche Aufregung die Abwicklung ter neuen Affäre Wirth abwartet. Kein Mensch in ter Zentrumspartei regt sich über die besondere Haltung des Abgeordneten Wirth gegenüber ter Reichsregierung auf, der dieser Ab­geordnete ja von Anfang an sein Mißtrauen be­kundet hat. Schließlich ist es ja auch das gute Recht des Herrn Wirth, einem Menschen oder einer Partei oder einer Regierung feine Sympathien vorzuenthalten. Die Form, in der dies bei ihm zum Ausdruck kommt, ist bei ihm immer etwas temperamentvoll und liegt immer abseits vorn üblichen Gleise. Daran und an noch einiges Andere hat man sich in der Zentrumspartei ge­wöhnt. Ein Unterschied nur gegen früher ist fest- zustellen: es gab eine Zeit, da die besondere Art des Herrn Wirth, Politik zu machen, für viele außerordentlichen Reiz hatte. Dies ist nun wirk- lich nicht mehr der Fall, und so dürften alle jene die mit hochgezogenen Augenbrauen und voll Sensationslust den neuen Fall Wirth betrachten, schnell erfahren, daß in den Reihen ter Zentrums- partei keine Lust besteht, eine Märtyrer­krone zu Schleuderpreisen abzugeben. — Dr. Wirth hat Mittwoch abend in Koblenz gesprochen. Neues hat er nicht gesagt. Wer es war, ter ihm zujubelte, kann nicht unklar sein.

Danktelegramm aus Rom.

Reichskanzler Dr. Marx hat von Kardinalstaats- fetretär Gasparri das folgende Telegramm er­halten: „Für die so herzlichen Wünsche dankend, sendet seine Heiligkeit Eurer Exzellenz den Aus­druck seines väterlichen Wohlwollens und erbittet die Hilfe Gottes für die Tätigkeit, die Sie dem Wohle Ihres Landes weihen."

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Auf das Glückwunschtelegramm des Minister­präsidenten Braun zum 70. Geburtstage des Papstes antwortete in testen Namen, wie der Amt­liche Preußische Prestedienst mitteilt, Kardinal- staatssekretär Gasparri durch folgendes Tele­gramm: „Freudig berührt von den edlen Gefühlen über die Befriedigung der Völker und die freund­schaftlichen Beziehungen zum Apostolischen Stuhl, denen Eure Exzellenz im eigenen und im Namen des preußischen Staatsministeriums so glücklichen Ausdruck verliehen haben, dankt Se. Heiligkeit für diese liebenswürdigen Wünsche und übermittelt sei­nerseits die besten Wünsche für Eure Exzellenz und das preußische Volk."

Das ungelöste Problem der Abrüstung.

Man schreibt uns:

Optimisten hat es zeitlebens in ter Weltge­schichte gegeben, und auch heute ist diese Art von Politiken: noch nicht ausgestorben trotz aller bösen Erfahrungen, welche die Menschheit in den letzten acht Jahren machen mußte. Als schlagenden Be­weis für diese Behauptung kann man ohne weiteres das Problem der Abrüstung anführen, die keinen Schritt vorwärts gekommen ist, obwohl schon mehrere Konferenzen anberaumt, ungezählte Reden gehal­ten und tausende von Büchern und Broschüren über dieses Thema geschrieben worden sind. Soeben erst gingen die Genfer Verhandlungen über die allge­meinen Rüstungsbeschränkungen zu Ente, ohne auch nur ein einziges greifbares Resultat gezeitigt zu haben und schon wieder erklingen von jenseits des Ozeans verlockende Worte über „Dernunftsgemätze Rüstungsbeschränkungen".

Kein geringerer als der Präsident der Vereinig- ten Staaten von Nordamerika, Coolidge, be­nutzte einen Kriegsgefallenengedächtnistag zu einer Rede, in welcher er programmatische Forderungen hinsichtlich einer beschränkten Rüstung machte. Der Präsident erklärte, er verkenne nicht die Notwen­digkeit einer gewissen militärischen Vorbereitung. Dann aber betonte er, daß die Beziehungen der Vereinigten Staaten zu den anderen Nationen nicht begründet sein sollen auf einer Vereinigung von Bajonetten, sondern einer Vereinigung von Ge- danken. „Unsere Haltung", führte Coolidge weiter aus, „wird nicht von dem Willen des Stärksten, sondern in Einklang mit den Erwägungen der Rechtlichkeit bestimmt werten. Gemäß dieser Poli­tik haben wir die alte Gewohnheit des Rüstungs­wettbewerbes aufzugeben versucht und machen un­seren Einfluß geltend. Wir wünschen das Element der Gewalt und des Zwanges durch Internationale Abkommen und durch unser Verhalten zu besettigen und verlassen uns auf Vernunft und Gesetz. Wir erkennen an, daß unter den gegenwärtigen Der- hältnissen in ter Welt dieses eine Vision ist, die nicht sofort verwirklicht »erben kann, aber wir soll­ten allmählich, Schritt für Schritt, auf jedem gang­baren Wege unsere Entschlossenheit zeigen, diesem Ziel unseres hohen Berufes tatkräftig zuzustteten."

Ohne Zweifel bildet diese Rete des nordameri- konischen Präsidenten einen geschickten Austakt zu der von ihm angeregten Dr eimächtekon- serenz zwischen England, ten Vereinigten Staa­ten und Japan über Seeabrüstungsftagen, welche in der Zeit vom 20. Juni ab in Gens besprochen werden sollen. Durch den Mißerfolg der vor kur­zem beendeten Abrüstungskonferenz läßt sich Coo­lidge anscheinend nicht beirren, den als richtig er­kannten Weg weiter zu beschreiten. Er hält sich auch ganz korrekt an die Bestimmungen des Versailler Vertrages, dessen Artikel 8 mit folgendem Satz be­ginnt: ‘ „Die Mitglieder des Bundes erkennen an, daß die Aufrechterhaltung des Friedens es nötig macht, die nationalen Rüstungen auf das Min­destmaß herabzufetzen, das mit der nationalen Sicherheit und mit der Durchführung ter durch ein gemeinsames Handeln auferlegten internationalen Verpflichtungen vereinbar ist."

Außerdem fängt Teil 5 des Friedensdiktates, der von ten Bestimmungen über die Land-, See» und Luftstreitkräfte handelt, mit den Worten an:

„Um den Anfang einer allgemeinen Beschränkung der Rüstungen aller Nationen zu ermöglichen, ver­pflichtet sich Deutschland zur genauen Befolgung nachstehender Bestimmungen über die Land-, See» und ßuftftreitEräfte."

Die Bestimmungen selbst zeigen, daß eine Ab­rüstung erreicht werden kann durch Vorschriften über die gesamte Wehrform, über Bewaffnung, Munition und Material, über Heeresergänzungen, militärische Ausrüstung, über Verbot jeglicher Mobi- lisierungsmaßnahmen und ähnliche Dinge. Aller­dings muß gesagt werden, daß unsere gründliche Abrüstung nur deshalb möglich war, weil wir in völliger Ohnmacht die Hände nicht rühren konn­ten. Auf der Gegenseite stand und steht heute noch die Macht. Präsident Coolidge scheint nun erkannt zu haben, daß bei mächtigen Staaten die Antriebs­kräfte zur Beschränkung der Rüstungen nicht durch Druck von außen her gewonnen werden können, sondern das einzig und allein der gute Wille der betreffenden Mächte ausschlaggebend ist.

Sofern der Seeabrüstungskonserenz ein gün­stigerer Stern leuchten sollte, als ten letzten Ab­rüstungsverhandlungen in Genf, so würden wir diese Wendung zum Besseren aus tiefstem Herzen be­grüßen. Wohl wissen wir uns frei von phantasti­schen Friedensschalmeien, aber ebenso ist uns klar, oaß ter Rüstungsfimmel, von dem zur Zeit wie­der alle Völker, mit Ausnahme der im Weltkrieg unterlegenen, befallen sind, auf die Dauer zu dem eiten Unheil für Europa, ja für die ganze t, führen muß. An Ideen zur Herbeiführung eines Zustandes, der einer Abrüstung ähnlich kom- men soll, fehlt es bekanntlich nicht. So hat der Vor­kämpfer für Paneuropa Graf Coudenhove-Kalergi jüngst einen angeblich benutzbaren „Weg zur Ab­rüstung" anempfohlen. Was sich der genannte Frie­densprediger zusammengereimt hat, läßt zur. Not einige Möglichkeiten hinsichtlich der Rüstungsbe­schränkungen zu Lande und zu See erkennen. Seine Vorschläge über die Luftabrüstung sind aber so utopisch, daß sitz unmöglich ernst genommen wer- den können. Zunächst will et von Paneuropa das russische Reich ganz ausgeschlossen wissen. Die pan- europäische Lustflotte aber soll jeweils doppelt so groß wie die der Sowjets einschließlich ihrer vor­aussichtlichen Verbündeten sein; ebenso soll diese paneuropäiiche Luftflotte immer stärker sein als die Gesamtheit der europäischen Zivilsiugzeuge, die be­liebig vermehrt werden können. Wie sich Graf Coudenhove die Durchführung seines Planes denkt, ist vollkommen schleierhaft. Schließlich kämen wir soweit, daß der Platz in Europa garnicht mehr aus­reichte, um alle zivilen und milttärischen Flugzeuge fassen zu können.

Einstweilen müssen wir, um bei den Flugzeugen zu bleiben, denen ja in einem künftigen Krieg die bedeutendsten Aufgaben zufallen würden, uns von dem Gesichtspunkt leiten lassen, daß unsere ftüheren Gegner vorerst durchaus keine Lust zur Abrüstung zu haben scheinen. Im Versailler Verttage mußte Deutschland bekanntlich die völlige Abschaffung fei­ner militärischen Luftfahrt anerkennen. Nur Luft­fahrtzeuge zu zivilen Zwecken dürfen von uns ge­baut und benutzt werden. Frankreich dagegen hat im Dienste feiner Armee nicht weniger als 3700 Flugzeuge, darunter mehrere Hundert Bombenslug-

vom Völkerbund.

Bon zuständiger Seite des ©eneralfefretariates des Völkerbundes wird uns mitgeteilt, daß die Nachricht nicht zutrifft, terzufolge ter Völkerbunds- kommiffar für Danzig, van Hamel, sich in einem Brief an den Völkerbundsrat gegen das Gesuch des Danziger Senates um Aufhebung der Bestimmun­gen des Friedensvertrages über die Einschränku tg des Baues von Flugzeugen und Flufffchfffen auf dem Gebiete ter Freien Stadt Danzig ausge­sprochen habe. Im Gegenteil befürwortete der Dölkerbundskommissar van Hamel das Dan­ziger Gesuch.

Der leitende Ausschuß des Völkerbundsamtes für geistige Zusammenarbeit ist in Paris zu einer Tagung zusammengetreten. Deutschland ist durch Prof. Krueß und den Untergeneralfetretär des Völkerbundes, Gesandten Dufour-Feronce, ver­treten.

Wie Havas aus Luxemburg meldet, bot der Ministerpräsident Regierungsbeirat Mehrer nach Poris entianbt, um mit dem Justitiar des Quai d'Orsay, Fromaaeot, die durch die Taffache geschaffene Lage zu prüfen, daß Luxemburg ohne jeden Vorbehalt in den Völkerbund aufgenommen ist, obwohl reine Verfassung die Neutralität proklamiert. Mehrer soll auch Lu­xemburgs Stellung gegenüber den Locacno- Abkommen erörtern.

♦ Durchführung der Prohibition auf hoher See. Die Associadei Preß meldet aus Washington: Der Oberste Gerichtshof bestätigte die Entscheidung der Vorinstanz, daß die Küstenwache berechtigt sei, amerikanische Schiffe auch außerhalb der Zwölf­meilenzone nach Alkohol zu durchsuchen.

China.

Ginfreffcn eines Flugwuggeschwaders in Schanghai.

Das zweite britische Flugzeuggeschwader, be­stehend aus 30 Offizieren, 200 Mann und 18 Flug­zeugen, ist Äus Hongkong kommend, in Schanghai eingetroffen.

Ausschiffung japanischer Truppen in Tsingtau.

Drei japanische Regimenter sind in Tsingtau ge­landet worden.

(Drönung in Griechenland.

Die Athener Regierung veröffentlicht eine Kundgebung, worin es heißt:

Die Regierung, die gemäß dem Willen des Vol­kes gebildet ist, um wieder eine normale politische Lage zu schaffen und die für das Leben des Landes wichtigen Fragen zu lösen, beschloß, an der rest­losen Durchführung ihres Programms festzuhalten und alle geeigneten Maßnahmen zu treffen, um ihren Anordnungen Achtung zu verschaffen.

Der Stadtkommandant von Athen sc,wie dser Kommandant des zweiten Athener Regiments, die auf andere Rosten versetz* worden sind, baten ihre Befugnisse in voller Ruhe ihren Nachfolgern übertragen. Alle anderen Offiziere in Athen und in der Provinz find den Gerüchten entgegengetreten, daß gewisse Offiziere sich dem Beschluß der Regie­rung über die Wiedereinstellung der zur Disposi­tion gestellten Offiziere widersetzen würden. Alle Nachrichten beftiitiaen, wie die Aaence d'Athenes bemerkt, daß die Regierung die Laae beherrscht, und daß ihre Haltung allgemein gebilligt wird.

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Die letzten Artikel des griechischen Verfassungs­entwurfes wurden erledigt. Die Verfaff'tng wird unverziialich veröffentlicht werden Di- Regierung hat nach einem in der Nacht abgehaltenen Kavi- nettsrat beschlossen, der Anr-aung Venizelos, die Verfassung durch eine neue Volksabstimmung be­stätigen zu lassen, nicht Folge zu geben.

* Die Flaggenverbrennung am Münchener Ge- werkschaftshaus. Die Polizei in München konnte jetzt sechs Personen ermitteln, die am Samstag eine am Gewerkschaftshaus angebrachte schwarz-rot-gol- dene Fahne mit Benzin übergossen und dann ver­brannten. Die Täter, die dem Bund „Reich s- flagge" angehören, sind geständig. Die Strafverfolgung ist eingeleitet.

* Wegen Vergebens neaen das vepublikichutz- gefeh verurteilt. Das Große Schöffengericht in Karlsruhe verurteilte den 28iähriaen verhei­rateten Landwirt Albert Roth aus Liedolsheim bei Karlsruhe, der als Agitator der Nationalsozia­listischen Deutschen Arbeiterpartei in einer Rede gesagt hatte: ,Die Staatsform ist ein Misth au» f e n, und was darin ist, ist faul", wegen Beschimv- fung der Staatsform zu einem Monat Gefängnis und Tragung der Kosten.

zeuge. England verfügt über ungefähr 1300 mih- tärifche Flugzeuge und Italien ist durch die Ent­schlußkraft eines Mussolini auf dem besten Wege, den Spuren Frankreichs im Ausbau seiner Luffflotte zu folgen. Selbst die Tschechen und Polen besitzen mehrere hundett Militärflugzeuge. Kann man angesichts solcher Ziffern den Glauben hegen, daß die europäischen Mächte ernsthaft an eine Abrüstung denken? Diese Frage stellen, hecht sie verneinen. Und doch müssen wir vom Stand­punkt der Sicherheit Deutschlands aus gerade auf eine Herabminderung der Luft- und Streitnr _e unserer Nachbarstaaten fortgesetzt drängen. Wie in Genf die Meinungen über das gesamte Rv- rüstungsproblem nicht unter einen Hut zu brm'ut waren, so wurde auch die Frage der ßuftdbrüitung in keiner Weise auch nur annähernd gelöst. Hoffent­lich gelingt es dem amerikanischen Präsidenten, 'er trotz aller bisherigen Fehlschläge mit neuem Cun» mismus zur See-Abrüstungskoifferenz eingem' 'n hat, auf diesem Wege wenigstens §ine Breschen den starren Willen einiger Mächte zu schlagen, tex« mit die Hoffnungen der Menschheit auf endlichere- friedung Europas und schließlich der ganzen Wett nicht völlig zu schänden werden.

Die Kechtung öes Krieges.

Wie der Pariser Berichterstatter der Associated Preß erfährt, ist B r i a n d und seine Kollegen un Kabinett bereit, der amerikanischen Regierung m der Frage eines Abkommens zur Aechttma des Krieges soweit wie iraenb möglich entgegenzukom­men. Die französische Regierung werde wahrsw^n- lich die Initiative ergreifen und in der nächster Zeit an die amerikanische Regierung d'" Anf-mm richten, ob sie zu Verhandlungen über diese Frage bereit s e i.

Der Re'cbspraüöent auf Sn’t

Einweihung der Reichsbahnstrecke Slanxbüll-Wester'anb^

In Klanxbüll fand am Mittwochvorrnittaa in Anwesenheit des Reichspräsidenten v. H i n d e n b u r g und mehrerer geladener Gälte, sowie unter starker An­teilnahme der Bevölkerung die feierliche Eröffnung de, über den Damm durch das Wattenmeer führenden Reichsbahnstrecke Klanrbüll-We st erlang statt. Der Reichspräsident traf in Begleitung de, Staatssekretärs Dr. Meißner und seines Admtanten Major von Hindenburg kurz nach 10 Uhr in SlnnrbuD ein. Es waren ferner anwesend die^s- Reichsmmlltei Dr. Hergt, Dr. Geßler. Dr. Koch, die preußische-- Mini, ster Grczinski und Steiger, Staatssekretär Pünder, Reichspressechef Geheimrat fleck-lin, der deutsche Bot­schafter in Moskau Graf Brockdorss-Rantzau, der Gene- raldirektor der Reichsbahn Dr Dorpmüller und viel, andere Persönlichkeiten. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Landrat des Kreises Südländern Skalweb fang ein Iungmädchenchor das Friesenlied. Sodanr bat" Generaldirekt. Dr. Dorpmüller um die Erlaub­nis, die Brücke dem öffentlichen Berkehr übergeben zv dürfen. Reichspräsident v. Hindenburg erwiderte rnii dem Danke des Reiches an alle, die mit Kopf uni Hand an der Schaffung dieses großen Seedammes ge­arbeitet haben, und mit dem Wunsche, daß der neu« Weg nach Sylt ein festes und inniges Band sein möge- erklärte er die Eiienbahnstrecke nach Sylt für eröffnet Hierauf bestiegen sämtliche Festgäste den Sonderzug der um etwa 10'A Uhr die Eröffnungsfahrt über der 12 Kilometer langen Damm antrat, dessen Bau im Jahre 1921 begonnen worden ist. In Mor­sum, der ersten Station auf der Insel, wurde bei Reichspräsident durch den Gemeindevorsteher und die Vertreter der Dammbauarbeiter begrüßt, worauf sein Patenkind Johlen ihm einen Blumenstrauß überreichte. Um 11A Uhr erfolgte die Ankunft in Westerland Hier begrüßte der Präsident der Reichsbahndirektion Altono Dr. Schneider den Reichspräsidenten und wies aus die hohe kulturelle Bedeutung des soeben eröffneten Werkes hin. Die Willkommensgrüße der. Stadt Wester­land entbot Bürgermeister Kapp Sodann unternahm der Reichspräsident, umjubelt von der aus den 3nfet- orten zahlreich herbeigeeilten Bevölkerung, im Auto ein» kurze Rundfahrt nach dem Strand. Die Stadt hat ein festliches Gewand angelegt. Um 12'A 11 hr fand im

Kurhaus ein FriMück statt. — Bei dem Frühstüä richtete Generaldiektor Dr. Dorpmüller eine Herz, liche Begrüßungsansprache an den Reichspräsidenten Er sagte u. a.: Wie dieser Damm hat auch das deutsch, Volk schwere Stürme über sich ergehen lassen müssen Doch auch das deutsche Volk hat in der Kriegszeit seinen schützenden Damm gehabt, und dieser Damm war Den körpert in Person unseres allverehrten Reichspräsiden, ten. Er war der Damm, der unerschütterlich blieb in Zeiten des Aufruhrs und der Wirrsal, unbekümmert sei­ner Pflicht nachgehend im Dienste des Vaterlandes Vizekanzler Hergt sprach hierauf dem Reichspräsi- denten Dank und Glückwünsche der Reichsregierung fiii die Verknüpfung feines Namens mit diesem gewaltige, Werk deutscher Arbeit und Sinnbild der schöpferische, Kraft und der Einigung Deutschlands. Namens de» Reichs sprach Reichsverkehrsminister Dr. Koch, namens Preußens Innenminister Grzefinfki. Der Mi­nister erklärte zum Schluß: Heute grüßen wir unser, deutschen Brüder und Schwestern, die in den von Schleswig abgetrennten Landesteilen fremder Staats- Hoheit unterstehen. Wir grüßen in ihnen deutfches Volkstum, das als Minderheit heute geistig um feinen Bestand ringt. Und so wie wir in Deutschland in bei Weimarer Verfassung den nationalen Minderheiten di« , freie und volkstümliche Entwicklung feierlich gewähr- leisteten und durchführen, so hoffen und erwarten wir, daß auch andere Staaten dem deutschen Empfinden unfe- rer Stammesbrüder Rechnung tragen. Das gegenseitige Verstehen und Achten der Völker und ihrer Eigenarten allein schafft die Grundlage für friedliches nachbarliches Miteinanderleben. ____

* Der neue Ministerialdirektor der Reichskanz­lei. Wie das „B. T." hört, ist in einer Besprechung der Reichsminister dieser Tage grundsätzlich be­schlossen worden, den dem Zentrum angehörenden, in der Reichskanzlei tätigen Ministerialdirektor Dr Dffermann demnächst anderweitig zu verwen­den und den Posten des Ministerialdirektors in dei Reichskanzlei dem Ministerialrat v. Hagenow zu übertragen, der gegenwärtig im- preußischen Finanzministerium tätig ist und der Deutschen Volkspartei nabesteht.