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Fuldaer Zeitung

Der Sternhimmel im Juni

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STERNBILDER: 6R0/ZE BUCH'.

STABEN

Sterne, Kleine Buch- staben

5) Sonne D f. Vierte! (t) Vollmond (J J. Vierte!

Der Sonnenaufgang verfrüht sich von 3 Uhr 46 am Monatsanfang bis 3 Uhr 39 und verspätet sich dann bis 3 Uhr 42 am Monatsende.

Sonnenuntergang: von 20 Uhr 09 bis 20 Uhr 24.

Lichtgestalten des Mondes: 1. Viertel am 7. um 9 Uhr, Vollmond am 15. um 9 Uhr, 3. Viertel am 22. um 11 Uhr, Neumond und Sonnenfinsternis am 29. um 7 Uhr.

In anderen Jahren bietet der Sternhimmel im Juni dem Sternfreund und ebenso dem gewissen­haften Himmelsberichterstatter nicht allzuviel Stoff; denn die Sonnenhelligkeit, die selbst noch um Mit­ternacht zu spüren ist, drängt das Sternlicht zu sehr in den Hintergrund, zumal die sommerlichen Fixsterne, von den hoch am Himmel stehenden Sommersternen Arctur und Wege abgesehen, den winterlichen ohnehin an Glanz nachstehen. In die- em Jahre aber gibt es eher zuviel als zu wenig zu berichten. Die Sonnenfinsternis' am 29. des Monats, die für Nordengland, einen großen Teil Norwegens sowie für Teile des nördlichen Eis- meres eine vollständige Verfinsterung bringt, ist ür den Sternfreund wie für den Sternforscher ein Ereignis ersten Ranges. In unserer Karte haben

Der die 24 Stundenzahlen von Mitter­nacht bis Mitternacht eines Tages ent­haltende Kreis und die dick punktierte Linie, der sogenannte Horizont, sind feststehend zu denken. Der Sternhimmel dreht sich samt dem auf Mitternacht zeigenden geraden Pfeil gewissermaßen dem Zeiger der Himmelsuhr in 23 Stunden und 56 Minuten im Sinne des gebogenen Pfeils

wir den Punkt, wo Sonne und Neumond zur Zeit der Verfinsterung stehen, mit 5 bezeichnet.

Im übrigen können sämtliche mit bloßem Auge sichtbaren Wandelsterne am Abendhimmel beobach­tet werden. Um freilich den Jupiter zu sehen, müs­sen wir etwas lange aufbleiben, denn dieser Riesen­planet wird erst nach Mitternacht sichtbar; er be­wegt sich nämlich während des ganzen Monats in der Nähe des Frühlingspunktes, dem er zu Anfang am nächsten steht. Ganz besonders auffallend sind die Venus und der Mars, die Venus in außeror­dentlich hohem Glanze erstrahlend, der Mars schon ziemlich altersschwach. Am Abend des 9. sind sie nur um etwa zwei Vollmondbreiten von einander entfernt. Von da ab steht die Venus links vom Mars und bleibt abends länger sichtbar als dieser. Gegen Ende des Monats steht sie nicht mehr weit vom Regulus im Löwen entfernt. Schließlich steht der Saturn am südlichen Abendhimmel, wo er sich dem Stern Akrab im Skorpion immer mehr nähert und ihm gegen Schluß des Monats sehr nahe kommt. Man versäume nicht, die sonst so schwer wahrnehmbare Bewegung dieses langsamen Wan­delsterns durch Vergleich mit dem erwähnten Fix­stern zu verfolgen.

einmal um seinen Mittelpunkt. Der ein­gezeichnete Horizont umrahmt die zu der Stunde, auf die der gerade Pfeil zeigt, um die Monatsmitte sichtbaren Sterne. Unsere Karte zeigt also den Zustand um Mitter­nacht der Monatsmitte. Will man zu einer anderen Stunde beobachten, so denke man sich den Sternhimmel samt dem geraden Pfeil so gedreht, daß dieser auf die Be­obachtungsstunde zeigt; dadurch werden die zu dieser Zeit sichtbaren Sterne in den nicht mitzudrehenden Horizont hineingedreht. Für se 5 Tage vor der Monatsmitte ist der ge- rade Pfeil V» Stunde früher, für je 5 Tage (f)Venus na(f) ber Monatsmitte V» Stunde später zu @Tfars stellen. Man vergleiche die nächste Monats- (3) Jupiter karte. Der Mond nimmt die gezeichneten ©Saturn Stellungen ein, wenn er die angedeutete Lichtgestalt zeigt.

JV» (25.

Mittwoch, 1. Juni 1927.

kauft wird. Das Liter kostet 2 Pfennig. Eine Anzahl Kölnerinnen, die nicht zu den anmutigsten Vertreterinnen der Kölner Damenwelt zählt, füllt den Bäckerladen. Un­frisiert, z. T. in Nachtjacken gehüllt, verschlafen und nicht nach Kölnischem Wasser duftend, holen sie sich ihr Kaffee­wasser. Das ist jedenfalls der Gipfel der Bequemlichkeit. Endlich habe ich mein Brot und gehe weiter. Auf den Straßen stehen die Aschenkasten und Mülleimer dutzend­weise vor den Häusern. Was in den Gefäßen keinen Platz fand, hat man einfach vor die Tür in den Rinn- stein geschüttet. Barfüßige, zerlumpte Kinder durchwüh­len die Müllkästen. Heißhungrig fallen sie über einen Margarineeimer her und verschlingen die darin befind­lichen halbfaulen Tomaten und Obsterste. Ich sage zu den Kindern: ,Ahr werdet sa krank, wenn ihr das Zeug eßt!" Sie antworteten:Wat wollen mir mache, mir Han Hunger!", worauf ich ihnen mein Brot gebe, das sie mit unheimlicher Schnelligkeit verschlingen. In Kölns Alt­stadt herrschte in diesen Herbsttagen 1917 ein unglaub­licher Schmutz. In die Srollwerksche Kantine trete ich ein. Es ist ein merkwürdiger Raum; schmal und lang, ge­streckt, etwas breiter wie ein Eisenbahnwagen. Rechts und links Bänke und Tische genau angeordnet wie in der Eisenbahn, in der Mitte ein schmaler Gang. Ich hole mir eine Tasse Kakao für 10 Pfg. an der Speisenausgabe. Der Kakao ist braun, wässerig und besteht aus gemahlenen Kakaoschalen; flockig schwimmen sie in der Tasie herum. Das Publikum, das hier verkehrt, besteht aus Soldaten und armen Leuten, meistens älteren Männnern, die kein eigenes Heim haben. Zu Friedenszeiten war diese Kan­tine in erster Linie für die Arbeiter der gegenüberlie­genden Stollwerkschen Fabrik bestimmt. Es gibt auchMit- tagessen hier. Dann wandere ich durch Kölns Straßen und Gassen nach der Minoritenkirche. Vor dieser Kirche steht in ergreifender Schlichtheit das Denkmal des Ge­sellenvaters Kolping. In der Minoritenkirche ist die letzte Ruhestätte dieses Mannes, der soviel für die deut­schen Handwerksgesellen getan hat. Aus der rechten Seite ist eine Grabplatte aus geschliffenem Granit in den Bo­den eingelassen. Man liest ergriffen die Inschrift: ,^)ier ruht Adolf Kolping, geb. 8. Dez. 1813, gest. 4. Dez. 1865. Er bittet um das Almosen des Gebetes." Dankbare Liebe

Die russische Nonzessionspolitik.

Von Dr. H. K o p i s ch.

Der Zusammenbruch der deutschen Mologa- Konzession, der am 31. Mürz dieses Jahres erfvlgte Ablauf des 300 Millionenkredits und die Verhand­lungen über die Aenderung des zum 30. Septem­ber erstmalig kündbaren Handelsvertrages haben zu gleicher Zeit den gesamten Fragenkomplex der yeutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen aufgerollt. Das Interesse unserer Oeffentlichkeit an diesen Vor­gängen rechtfertigt die sicher nicht allzu bekannte Tatsache, daß Deutschland als Gläubiger in Höhe )on etwa 800 Millionen Mark an der russischen Wirtschaft beteiligt ist und mit dieser Summe weit­aus an erster Stelle der übrigen, zumal noch un­vergleichlich kapitalkräftigeren Länder wie Amerika und England steht. Allein bei der land- und forst- wirtschaftlichen Mologa-Konzession, der größten [ deutschen Unternehmung in Rußland, die ein Ge­biet von 5 Millionen Desjatinjen in der Nähe der Wolga umfaßt, handelt es sich um 20 Millionen Mark deutschen Geldes, die von der Rhein-Elbe- Union und der Holzfirma Himmelsbach dort fest- s gefegt sind. Die Gesellschaft, deren Aufgabe die I Abholzung riesiger Waldbestände, den Holzexport I and Sägewerksbetrieb umfaßt, befindet sich seit [ längerer Zeit in finanziellen Schwierigkeiten und I ist kürzlich unter Geschäftsaufsicht gestellt worden. Zu ihrer Unterstützung hat in den letzten Tagen die Reichsregierung trotz schwerster wirt- r schaftlicher Bedenken 25 Millionen als Kredit bewil- s !igt, deren Wiedereingang nach Lage des Falles keineswegs unzweifelhaft ist. Es entsteht die Frqge, inwieweit diese weniger aus wirtschaftlichen als als politischen Gründen bewilligte Unterstützung and überhaupt eine weitere deutsche Beteiligung in Konzessionen angesichts der bisherigen Erfah- mngen Berechtigung hat.

Nur die völlige Verschiedenheit der Wirtschafts­systeme, die Tatsache, daß in Rußland die Wirt­schaft nicht von dem privaten Kapital, sondern le­diglich durch den Staat verkörpert wird, erklärt das Wesen der Konzession, d. h. der einem ausländi­schen Kapitalisten eingeräumten Befugnis, dort ein Gewerbe zu betreiben. Ihre Einführung erzwang die fehlende wirtschaftliche Autarkie Rußlands vor L sechs Jahren. Das strenge kommunistische Wirt- | schaftssystem wurde durchdie neue Wirtschafts­politik" zu dem Zwecke durchbrochen, einmal aus­ländisches Geld in das seit jeher kapitalarme Land zu ziehen und zum andern sich auch die Errungen­schaften der fremden Technik zu Nutze zu machen. Den letzteren Erfolg sucht Rußland weniger durch Konzessionen mit Ausnahme von landwirtschaft­lichen Musterbetrieben als durch Lizenzverträge zu erreichen, die eine technische Zusammenarbeit be­zwecken. Derartige Abkommen sind vorwiegend mit deutschen Unternehmungen, wie z. B. der I. G. Farbenindustrie und der Allgem. Elektrizitäts­gesellschaft, geschlossen worden, die für die Aus­beutung ihrer Patente und die technische Hilfe an dem Ertrage der russischen Fabriken beteiligt wer­den.

Wichtiger als diese allgemeine Einführung der W neuesi i technischen Errungenschaften ist für Ruß- # land der Zustrom fremden Kapitals. An seinem - Fehlen scheiterte bisher die Erschließung der unge­heuren Möglichkeiten dieses Landes, zumal Aus­ländsanleihen dem russischen Staat bisher nicht be­willigt wurden und vor einer befriedigenden Er­ledigung der Schuldenfrage in Zukunft wohl kaum gegeben werden. Die Konzessionen bringen nun Kapital ins Land und bauen mit diesem Industrien auf, welche nach einer gewissen Zeit gewöhnlich innerhalb von 25 bis 45 Jahren unentgelt­lich dem Staate anheimfallen. Sie sol­len also nur ein Uebergangssiadium privater Be­tätigung darstellen und als Endziel die Verwirk­lichung der rein kommunistischen Staatswirtschaft ermöglichen. Die errichteten Anlagen müssen einen bestimmten Umfang erreichen, das zu verwendende Kapital und die Mindestproduktion ist meist genau festgelegt, auch besitzt in vielen Fällen der russische Staat einen Prozentsatz derAnteile, sodaß ihm schon hierdurch ein Bestimmungsrecht zusteht. Manche Gesellschaften haben sich sogar zur Erschließung des Landes durch Wege und Bahnbauten verpflichten müssen, wie z. B. die Mologa- und Harriman-Kon­zession. Für den russischen Staat bedeutet dies nun ein gewiß bequemes und billiges Verfahren, neue Industrien mit fremdem Gelbe errichten zu lassen, um diese dann späterhin ohne Entschädigung zu Eigentum zu erhalten. Der ausländische Unterneh-

und Verehrung haben einen Sänger zu einem schlichte» Liede begeistert, dessen fünfte Strophe lautet:

Man hat ihn begraben hier unter dem Stein; Doch schließet der Stein seine Liebe nicht ein, Wir wandern durch Deutschland und weiter hinaus Und grüßen die Brüder und sind wie zu Haus."

Doch das beste Denkmal ist und bleibt der Kath. Ge- sellenoerein, das Lebenswerk Vater Kolpings.

Von der Minoritenkirche aus wandere ich wieder zu­rück an das Rheinufer, in die Nähe unseres Annohauses. Aus dem Proviantamt kommt eine Anzahl Kameraden der 2. Kompanie. Ich erkenne sie an der blechernen VIII.,46, die auf den Kragen befestigt ist. Außerdem tragen sie die charakteristischen schwarzen Wachstuch­landsturmmützen. Nur Sonntags dürfen wir dasFeld­krätzchen" tragen. Der letzte Kamerad, der vorbeigeht, geht etwas schwerfällig. Ich mache eine merkwürdige Entdeckung. Sein zurückgelegter Weg vom Proviantamt bis zu meiner Bank ist etwa alle zwei Meter mit einem oder mehreren weißen Pünktchen bezeichnet. Es ist Wür­felzucker. Ich rufe: Kamerad, du hast ein Loch

in der Tasche . . ." Der Angeredete dreht sich um und ist grün vor Schreck im Gesicht und sagt zu mir:Um Jottes Wille, du wirst mich doch net verrate!" Ich bin baff.Wieso verrate?" frage ich ihn. Na ja, die Sache war einfach. Cs war üblich, daß bei den Arbeiten im Proviantamt an Würfelzucker, Kaffeebohnen usw. mitge­nommen wurde, was das Zeug hielt. Da die Taschen beim Verlassen des Proviantamtes untersucht werden, in­teressiert es mich zu erfahren, wie der Zucker usw. her­ausgeschmuggelt wird. Die Sache ist noch einfacher. Die Soldaten binden sich die Unterhosen über dem Knöchel zu und lassen nun in diesen merkwürdigen Behälter alles hineingleiten, besonders Würfelzucker und Bohnenkaffee, wofür sie in der Altstadt verschwiegene Abnehmer genug finden. Nach Angabe meines Gewährsmannes soll aus diese Weise allein das eine Proviantamt am Rhein täg­lich um 10 bis 20 Pfund Zucker und etwa ebensovie' Bohnenkaffee betrogen worden sein.

tFortjetzuno feint)

Das Quartier ist im Annohaus in der Annostraße ge­legen. Im Frieden diente dieses Haus einem Kath. Ar­beiterverein als Heim, ähnlich wie die Häuser des Gesel­lenvereins. Hier nimmt das harte Soldatenleben nun wieder feinen Anfang. In dem großen Vereinssaal ist das Massenquartier. Es sind die wohlbekannten drei­stöckigen Bettkisten aus Kistenbrettern und Drahtgeflecht. Alles macht einen unsagbar schmutzigen und verbrauchten Eindruck. Verbraucht wie dieser Unterkunftsraum sind auch die Menschen, die darin hausen. Ich setze mich auf die zerbrochene Muschel des Souffleurkastens auf der schä­bigen Bühne und habe so einen Ueberblick über das Trei­ben im Saal. Die Leute kriechen und humpeln ächzend und scheltend zwischen ihren Betten herum, irgendeine seltsame Ideenverbindung bringt mir das Märchen von en Bremer Stadtmusikanten in den Sinn, und ich muß inwillkürlich laut lachen. Es ist mir eigentlich gar nicht uns Lachen. Schon in der Schule bekam ich zuweilen m Geschichtsunterricht bei gewissen tragischen Ereignissen olche Lachanfälle, über die ich mich selbst hätte ohrfeigen inögen, weil ich mir durchaus keine Rechenschaft über *ie Ursache des Lachens geben konnte; außerdem wurden tefe Lachanfälle durch eine schlechte Note im Betragen iesühnt. Auch hier, angesichts dieses Elends, nahm ein kamerad Anstoß an meinem Lachen. Mühsam, auf zwei -töcke gestützt, humpelt er zu mir herauf. Er heißt Erich

ist aus Berlin N., Ackerstraße und redet mich als erster m Annohaus an:Na, weste, Dir wird bet Lachen hier och noch vajehen in die Giftbude". Trotzdem wurden vir aber gute Freunde. Der Berliner hilft mir ein eint- jermafjen sauberes Bett heraussuchen und macht mich mit en Gepflogenheiten im Annohaus vertraut. Auf Grund deines Laufzettels erhalte ich auf der Kammer Bett­wäsche, d. h. zwei wollene Decken und ein Leintuch,- ?aPf. Waschschüssel, Drillichkleider und anderes. Dann psse ich mich häuslich nieder. Als wichtigstes hätte ich

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s. Blatt.

Druck der Fuldaer Aelleadruckerel. Fulda

mer trägt allein das Risiko der Verzinsung und Amortisation seines Kapitals innerhalb der verhält­nismäßig kurzen Frist. Für die Erfüllung seiner Verpflichtung haften der russischen Regierung aus­reichende Sicherheiten, während der fremde Gläu­biger über sie nicht verfügt und unter Umständen gezwungen ist, sein ganzes Besitztum ohne Ent­schädigung preiszugeben. Daß trotzdem deutsche Firmen, die früher in Rußland ein größeres Ab­satzgebiet besaßen, Konzessionen erwerben, erklärt die Tatsache, daß heute dieser Absatz durch das Außenhandelsmonopol empfindlich eingeschränkt ist. Man sucht also diese Beschränkung durch die Aufnahme einer eigenen Produktion in Rußland auszuschalten, wie man ja auch hohe Schutzzölle durch die Verlegung der Erzeugung in das betref­fende Land vermeidet.

Die Beteiligung Deutschlands gliedert sich in die Handels- und Verkehrs- und in die industriellen, land- und forstwirtschaftlichen Konzessionen. Wäh­rend erstere an Umfang und Bedeutung stehen sie erheblich zurück, sich bewährt haben, hat im übrigen keine deutsche Konzession einen wirklichen Erfolg aufzuweisen. Aehn- lich geht es auch fast allen ausländischen Unterneh­mungen, die hauptsächlich die Ausbeutung von Bergwerken betreiben. Die Gewinne blieben bis­her aus, es mußten beträchtliche Verluste getragen werden. So stehen denn heute die vier größten deutschen land- und forstwirtschaftlichen Konzessio­nen in Verhandlungen mit der russischen Regierung zwecks Aenderung der Verträge, da sie ihren Ver­pflichtungen nicht nachkommen können.

Bei der Mologa hat diese Entwicklung schon zum Zusammenbruch geführt, und es erscheint äußerst bedenklich, hier eine Sanierung mit Reichs-, also

fast die Eßkarte vergessen, denn eher kann ein Soldat ver­hungern, als daß er ohne Eßkarte auch nur einen Napf Suppe erhält.

Meinem Bett gegenüber befindet sich eine Büste Leos XIII. wohl zehn Zentimeter hoch liegt der fette schwarze Staub auf den segnenden Händen des Papstes. Auf der anderen Seite des Saales hängt ein schmutziges Schild aus Pappe mit dem Worte:P a x" darauf, es mag wohl von irgend einer Feier in diesem Raum her­rühren. Einst waren die Lettern goldfarbig, jetzt sind sie grünschwarz, staubig und verschimmelt, wie das ganze Annohaus. Neben diesem Friedensschild ist mit Reisnä­geln ein Plakat angeheftet. Es stellt eine eisengepanzerte Riesenfaust dar, die etwas unter ihrem Schlag zermalmt: Das sei die Antwort!" steht großgedruckt darunter. Ob der Zufall oder ein witziger Schreiber den Gegensatz der zwei Plakate fo grell hervorhob, konnte ich nicht ermit­teln, den wenigsten wird es übrigens ausgefallen sein. Die Leute sind zu sehr mit sich selbst und ihrem Elend beschäftigt.

Neben mir tastet sich ein fast blinder Kamerad in fein Bett. Abgemagert zum Skelett sitzt er auf feinem Bett­rand und erzählt mir, daß er als vollständig unbrauch­bar entlassen wird und zwar ohne Kriegsbeschädigten­rente, weil sein entsetzlicher Zustand nicht von dem Kriegs­dienste herrührt. Die Etappe ist schuld an feinem Leiden.

Auf der Schreibstube wurde mir empfohlen, irgend welche Wertgegenstände, größere Geldsummen usw. dem Feldwebel in Verwahrung zu geben, weil in dem Quar­tier furchtbar gestohlen würde, ohne daß es seither ge­lungen wäre, den oder die Langfinger zu faffem Spinde sind nicht vorhanden, nur kleine, verschließbare Kisten. Alles hängt frei herum. Auch Kleidungsstücke und- roaren werden hier gestohlen, in einem Maße, wie ich es seither nicht für möglich gehalten haße. Am anderen Morgen sehe ich mir Köln an. Da vorläufig niemand nach mir fragt, verlaße ich sobald wie möglich das Anno­haus. Dichter, undurchdringlicher Nebel liegt an dem Frühherdstmorgen in den Straßen am Rhein. Ich bin im Besitze einiger Reisebrotmarken und hole in einem Bäckerladen Brot. Dabei mache ich die Beobachtung, daß in der Bäckerei kochendes Wasser über die Straße oer-

Aur meinem UriegMgebuch

Von Wilh. Hau ck-Fulda.

Bei den Armlerungssoldaken.

Steuermitteln zu rechtfertigen. Im Rahmen unse­rer Gesamtausfuhr stellt der Warenbezug der Kon­zessionen nur einen kleinen Bruchteil dar. Da­gegen findet langfristiges Kapital, das noch immer sehr knapp ist, und unsererseits erst durch Aus­ländsanleihen ausgenommen wird, in Rußland eine bedenkliche Verwendung. Die außenpolitischen Fra­gen und Ziele allein können jedoch diese Ausfuhr deutschen Kapitals und insbesond. unserer Steuer­mittel nicht rechtfertigen. Hier müssen die wirt­schaftlichen Grenzen innegehalten werden. Der Verlust der vor dem Kriege aus politischen Grün­den dem russischen Reich gegebenen französischen Milliarden sollte noch in frischer Erinnerung stehen!

Auch bleibt zu bedenken, daß schlechte Geschäfte erfahrungsgemäß die beteiligten Staaten verstim­men und das Gegenteil einer, politischen und wirt­schaftlichen Annäherung bewirken. Es muß des­halb bei dem Erwerbe russischer Konzessionen die allergrößte Vorsicht angewandt werden. Vorteil­hafter und sicherer erscheinen Kredit- und Garantie­abkommen für Lieferungsverträge deutscher Fer­tigwaren, wenn sich auch hier gewisse Reibungen bei der Abwicklung des 300 Millionen-Kredits durch die geschickte Ausnutzung der deutschen Konkurrenz durch die russische Handelsvertretung ergeben haben.

* Die preußischen Staatseinnahmen und Aus­gaben im April. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteHt beliefen sich die Staatseinnah­men im April 1927 auf 235,4 Mill. Mark, die Ausgaben auf 247,4 Mll. Mark. Die Ausgaben betrugen mithin 12 Mill. Mark mehr als die Ein­nahmen. Die schwebenden Schulden beliefen sich in dieser Zeit auf 76,1 Mill. Mark in Form von Schatzanweisungen.______________________________

aus dem Nachbargebiet.

--- Hanau. Die Eisenbahnbrücke bei Hanau, die zur Ueberführung der Linien Frankfurt-Bebra und Frankfurt-Aschaffenburg über den Main dient, geht letzt rüstig ihrer Vollendung entgegen. Am Sonntag sand die Einfahrung des Ueberbaues über die Schiffsoff- nung statt. Da in der Schiffahrtsöffnung wegen der zu geringen Konstruktionshöhe besondere Gerüste nicht her- gestellt werden konnten, mußte der Ueberbau für die Schistahrtsöffnung auf dem Gerüst der danebenliegen­den Qefsnung zufarnmenaebaut und nach Abfetzen auf zwei Prähmen in die Mittelöffnung eingefahren wer­den. Zur Bewerkstelligung dieses Vorganges mußte ein Sonntag auserwählt werden, da die Schiffahrt nicht gut an einem Werktage stillgelegt werden konnte. Unter der Leitung Kruppscher Ingenieure wurde dieser Vor­gang in jeder Hinsicht sorgfältig vorbereitet und ohne eben Unfall ausgeführt, sodaß jetzt eine der schwierigsten Arbeiten überwunden ist. Man hofft, die noch ubrig- bteibenben Arbeiten so schnell vornehmen zu können, daß Mitte Juli die neue Brücke in Betrieb genommen werden kann. Während der Ueberbau der alten Brücke aus Schweißeisen hergestellt worden war, verwandte man bei der neuen Brücke hochwertigen Baustahl, wo­durch ein fünfmal flöftere Tragfähigkeit erzielt wurde, als sie die alte Brücke besitzt, ohne daß die Ausmaße hättene vergrößert werden müssen.

Sus MiMkii unD Den WM Wm

** Marburg. Zu den verschiedenen Marburger denktagen in diesem Jahr gesellt sich auch der letzt» Dienstag. Vor 600 Jahren, am 24. Mai 1327, überfiel ein Mainzer Kriegshaufen die Stadt Marburg. Di» Marburger setzten sich, wie es in der Chronik heißt, mit Erfolg zur Wehr und verfolgten die Mainzer bi, in die Gegend von Amöneburg, wo sie in einen feind liehen Hinterhalt gerieten und zum größten Teile erschla gen wurden.

Marburg. Nachdem eine Dorstandssitzung uni »in Begrüßungsabend im Studentenheim vorangeganger waren, fand am Sonntag die Jahresversamm­lung des Universitätsbundes Marburg Landgrafenhaus statt. In feiner Eröffnungsansprache widmete der Vorsitzende Geh. Reg.-Rat. Dr. Häufer» Höchst dem verstorbenen Vorstandsmitglied Oberbürger­meister Dr. Voigt-Marburg einen ehrenden Nachruf und teilte ferner mit, daß das Kunstinstitut bis zum Uni­versitätsjubiläum in seinen wesentlichsten Teilen fertig- gestellt sein werde. Aus dem Jahresbericht, den Geh.- Rat Dr. Troltsch erstattete, fei hervorgehoben, daß der Unioerfitätsbunb jetzt 2056 Mitglieder in 18 Bundes­gruppen zählt. Bewilligt wurden zu Zwecken der För­derung wisfenschaftlicher Arbeiten insgesamt 15600 Mk. und zwar der Gesellschaft der Wissenschaften zu Mar­burg 5000 Mk., ferner den Herren Geh-Rat Jensen 2000 Mark, Prof. Stengel 2000 Mk., Prof. Häpke 1000 Mark, Prof. Göppert 500 Mk., Prof. Genzmer 600 Mk., Prof. Helm 400 Mk., Prof. Spitzer 300 Mk., Prof. Friedländer 300 Mk., Prof. Jaensch 1000 Mk. und wei­tere 500 Mark als Mitgliedsbeitrag zum Marburger Museumsverein. Dem Vorstand wurde für dringende Zwecke ein Dispositionsfonds von 2000 Mark zur Ver­fügung gestellt. Für den Bau des Jubiläumskunstinsti- tuts sind bis jetzt 1 250 000 Mark aufgebracht worden, davon aus öffentlich-rechtlichen Kreisen 725 000 Mark und aus privaten Kreisen 525 000 Mark, nicht tmt ein­begriffen ist der Bauplatz, den die Stadt Marburg zur Verfügung stellte. Bei auswärtigen Bundesgruppen wurden von 43 Herren 50 Vorträge gehalten. Der bisherige Vorstand wurde wiedergewöhlt, an Stelle des verstorbenen Oberbürgermeisters Dr. Voigt wurde Oberbürgermeister Müller gewählt. Es schlossen sich in der Aula der Universität zwei Festvorträge an.

Neues aus Frankfurt

Reichsdahnoberrat Buhh gestorben. Ganz plötz- lich verschied der in der Oeffentlichkeit sehr bekannte und geschätzte Vorstand des Eisenbahnverkehrsamts Frank­furt a. M. Reichsbahnoberrat Buhtz.

3n der Waschküche oerbiannf. In der Mainzer Landstraße fiel in einer Waschküche ein brennendes Holzscheit vom Herd und setzte die Kleider einer dort beschäftigten Frau in Flammen. Die Frau wurde der­art verbrannt, daß sie kurz nach der Einlieferung in das städtische Krankenhaus verstarb.

Brand in den Cafella-werken. Von zahlreichen Feuermeldern aus wurde in der Nacht zum Sonntag die Frankfurter Feuerwehr nach den Cafsella-Werken auf der Mainkur alarmiert. Hier stand ein größerer mit Farben gefüllter Lagerraum in hellen Flammen, deren Schein den Himmel weithin blutig rot färbte. Die Fabrikfeuerwehr beschränkte sich bei ihren Rettungs­arbeiten lediglich auf die Erhaltung der bedrohten Nach­bargebäude. Die Frankfurter Feuerwehr hielt sich meh­rere Stunden in Alarmbereitschaft und konnte, als die Hauptgefahr vorüber war, wieder abrücken. Der Scha­den ist erheblich, die Brandursache unbekannt.

Sottesoienitoronunq.

Mittwoch, 1. Juni. Frauenberg Fest des sei. Felix von Nikosia, Bekenner vom 1. Orden. Ablaßlag. Abends V,8 Uhr Herz-Jesu-Andacht mit kurzer Predi it.

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