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FuldaerZettung

Anzeiger für die Skadk Fulda und den Landkreis Fulda. Amkliches Kreisblall.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: im Bild" undBuchenblStter". Rotationsdruck

,Die Welt

Nr. 125

Mittwoch, 1. Juni 1927

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Ententestaaten abhängig ist. Im Augen­blick aber ist die Erkenntnis wohl begründet, daß wir nationale Fortschritte in größerem Ausmaße höchstwahrscheinlich miraufdemUmwegeüber Genf erzielen können. Das setzt aber eine leb-

Die Epoche ist noch lange nicht zu Ende, wo Deutschland ~

uuo ^tionsdruck und Verlag

der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatlicher Bezuaspreis 1,50 Mk.

hat in der Marineschule an eine Gedächtnis­feier aus Anlaß der Skagerrack-Schlacht teilgenommen. Bei regnerischem Wetter fuhr er weiter nach Flensburg,

Zeiertage in Rom.

Der 70 Geburtstag des hl. Vaters. Dos goldne priefteriubiläum des KardinalstaatssekretLrs Gafparri.

Reichspräsident v Hindendu rq hat dem Papst Pius XI. aus Anlaß der Vollendung seines 70. Lebensjahres telegraphisch leine aufrichtigsten und wärmsten Glückwünsche ausgesprochen.

Ebenso hat der Reichskanzler dem Papst seine aufrichtigsten Glückwünsche übermittelt.

Die deutsche Regierung hat der polnischen Ste­uerung einige Gegenstände von künstlerisch'm und historischem tBert überlassen, die sich bisher 'M deutschen Besitz befanden und für die polnisch Re­gierung von Interesse sind.

* Der preußische Zustizminister Dr. Schmitt be­gab sich, wie der amtliche preußische Pressedienst meldet, heute nach Naumburg, wo ihm die I Mitglieder des Oberlandesgerichtes, der Oberstaats- anwaltschaft und des Strafvollzugsamtes vorgestellt I wurden.

ge benutzen werden, glandf eindliche Stimmung zu erzeugen. Wegen dieser Befürchtung seien Kriegsschiffe dorthin entsandt worden. In Londoner Kreisen, die mit der ägyptischen Lage

Zer Bruch Wischen ßnfllonh und Rutzlund

Vie wirtschaftlichen Zolyen.

politischer Natur ist. In diesem Sinne grüßen wir den Erlaß Dr. Beckers.

* Der Reichspräsident an der Wasserkante. Reichspräsident ist in Müriwick eingetroffen

wohlvertraut sind, werde angenommen, daß hinter den augenblicklichen Schwierigkeiten Zaglul Pascha steht.

ImEvening Standard" wird ausgeführt, die Lage in Aegypten treibe offenbar einer Krise in den englisch-ägyptischen Beziehungen zu, ja, man könne sich auf Unruhen gefaßt machen. Jetzt, wo der rechte Flügel der Konservativen Partei den entscheidenden Einfluß im britischen Kabinett ausübe, habe sich die offizielle Politik Aegypten ge­genüber vollkommen geändert. Man könne einige Besorgnis hegen, daß ein Uebermaß von Energie angewendet werde.

Reuter erfährt: Die bereits gemeldete Entsen­dung dreier britischer Kriegsschiffe von Malta nach Aegypten erfolgte als eine Vorsichtsmaßnahme, wie sie schon früher mehrmals ergriffen wurde. Groß­britannien hat die Verantwortung für den Schutz des Lebens und Eigentums der Ausländer in Aegypten übernommen und man schließt aus dem Ton der kürzlichen Debatten in der ägyptischen Kammer, daß die Extremisten vollkommen künstlich eine gespannte Lage zu schaffen suchen. Andere Ursachen der Besorgnis sind die wahrscheinlich zur Beratung gelangenden Empfehlungen des parla­mentarischen Wehrausschusses, darunter diejenigen, die sich auf die Abschaffung des Postens des briti­schen Oberbefehlshabers der ägyptischen Armee be­ziehen.

Wie verlautet, ist die Note über die vorgeschla­gene Reorganisierung der ägyptischen Armee, welche dem ägyptischen Premierminister überreicht worden ist, zwar b e ft i m m t, aber trotzdem in sehr freundlichem Ton gehalten. Sie setzt keine F r i st für eine Antwort fest.

überreicht worden. LautStar "besteht die Be­fürchtung, daß die e x t r e m e n N a t i o n a l i st en in Aegypten die kritische La

Ein wirtschaftspolitischer Mitarbeiter schreibt uns;

Der Abbruch der politischen Beziehungen zwi- ichen Rußland und England wird wahrscheinlich den zwischen den beiden Staaten geltenden Han­delsvertrag zur AujWnng bringen. England stand bisher im Geschäft mit Rußland in den vor­dersten Kreisen und wetteiferte mit Deutschland und Amerika um ten ersten Platz Von Juni 1920 bis Ende 1926 hat England nach Rußland Waren im Werte von 82,5 Millionen Pfund Sterling gelie­fert. Diese Exporte verteilen sich in der Haupt­sache auf die drei letzten Jahre. Im Jahre 10(23 be.chg Rußland aus England Waren erst im Werte von 4,7 Millionen Pfund Sterling, im Jahre 1924 betrug der Import englischer Waren bereits fast 15 Millionen Pfund Sterling und im Jahre 1925 trat eine Verdovpelung der Importe auf 31,2 Mil­lionen Pfund Sterlina ein

Am Gesamtexport Englands gemessen wird die Einstellung der Handelsbeziehungen für England allerdings nicht alles, aber immerhin doch viel be­deuten. Die gesamte Ausfuhr Englands bewertete sich im April laufenden Jahres mit rund 53 Mil­lionen Pfund Sterling, sodaß auf die Ausfuhr nach Rußland immerhin zirka 50 Prozent entfallen.

Nicht viel geringer war der Warenbezug Eng­lands aus Rußland, denn er bewertete sich im Jahre 1925 mit rund 27 Millionen Sterling. Wie von russischer Seite erklärt wurde, wollen die rus­sischen Handelsvertretungen die dringendsten Be­stellungen, die Englands Industrie zuaedacht wa­ren, nunmehr anderweitig und so teilweise auch nach Deutschland und Oesterreich vergeben. Eng­land lieferte nach Rußland hauptsächlich Daum­wollwaren, Maschinen, speziell landwirtschaftliche Maschinen und Geräte, verschiedene Eisen- und Metall waren, Autos, Fahrräder, Wolle und Woll­waren usw. England hatte aus Rußland haupt­sächlich Bauholz, Pelze, Häute und (Betreibe im­portiert. Die Maschinenau-^uhr Englands nach Rußland betrug in den Jahren 1920=26 durch­schnittlich 15 Prozent des aefamten Maschin merpor- tes. In den letzten zwei Jahren ist der Erporl in diesen Artikeln aber noch viel stärker angewach­sen.

In deutschen und österreichischen Industriellen Kreisen glaubt man. daß es möglich fein wird, den Export nach Rußland namhaft zu steigern. Richt ganz leicht ist allerdings die Sicherung der Finanzierung. Es wird darauf binaeroiefen, daß die deutsche Industrie jetzt sehr namhafte inländische Bestellungen auszuführen hat und auch durch frü­here nach Rußland einaegangene bedeutende Sie- ferunsgoerträge veranlaßt fein dürfte, eine gewisse Zuriickhaltung bei der Uebernahme neuer De- stellunaen zu beobachten. Wenn die nötigen Ga­rantiesicherungen gegeben sind so wäre es möglich, die deutsche und österreichische Ausfuhr leitens der Stahlwerke, der Kabelindustrie, der elektrischen Un­ternehmungen, der Auto-, Maschinen, und Tertil- industrie einer Steigerung zuzuführen. Allerdings darf man nicht übersehen, daß die Schwierigkeiten, welchen die russischen Besteller bereits jetzt bei der Erlangung von Krediten begegnen, sich nach Ab­bruch der politischen und wirtschaftlichen Beziehun­gen mit England erheblich steigern dürften.

Wie dem auch sei: der durch Rußland mitunter- stützte enalische Kohlenstreik brachte der Kohlenindu- ftrie Mitteleuropas unerwartete Hochkoniunktur: es ist nicht anzunehmen, daß England nach diesen erst rekonvalszenten Verlusten neue Verluste durch einen längeren Bruch mit Rußland auf sich neh­men w'll Ob daher England aus wirtschaftspoli- tischen Gründen einlenken wird, wenn es die In­nere Jnfluenzierung abaeriegelt Hai und ob Ruß­land diesmal seine reichsfinanziellen Bedürfnisse den propagandistischen des Komimern übdrorbnet, kann heute nicht eindeutig gesagt werden. Einer Handels- und Kreditblockade Rußlands unter Eng­lands Führung scheinen doch gewichtige Basis- punkte des folibären Welteinverständnsies zu feh­len - also wird man gegenferth einlenken, da es das Wirtschaftsinteresie beider Mächte erfordert, und weil auch für eine Politik Gegenseitiger Feind­schaft Lorbeeren zumindest außenpolitisch nicht zu holen sind! 1

»

Der PariserTemps" bemüht sich seit einigen Tagen krampfhaft, die Haltung Deutschlands ang.'« sichts der enalsich-russischen Spannung so darzustel­len, daß Mißtrauen In Großbritannien gegen Deutschland gesät werde. Was er heute schreibt, ist ein untrüglicher Beweis dafür, daß er gewisse Absichten verfolgt, und es erscheint deshalb notwendig, darauf ganz be'rnbers in einem Augenblick hin>nmeilen, in dem r^e auf den Fri e- den in Europa bedachten Elemente sich zu einigen, nicht aber zu trennen versuchen sollten.

DerDemos" behavvtet. daß augenblicklich in gewissen ausländischen Kreisen Jntriguen gespon­nen werden, um der Krise eine Entwicklung zu geben, die sie logischerweile nicht nehmen würde. Er lenkt die Bittmerksamkei: auf Ne Kampagne der deutschen reaktionären Presse, die darauf aus­gehe, daß Deutschland zu einem nicht hoch genug zv veranschlagenden $ - e i s sich entweder für Rußland oder für England aussprechen solle. Die Tatsache, daß Deutschland die sowiotistischen Inte­ressen in England vertritt und daß es der Arcos gestattet, ihren Sitz nach Berlin zu verlegen und

die Tatsache, daß Tschitscherin bei seiner Durchreise in Berlin Unterredungen mit dem Reichskanzler und dem Reichsaußenminister hat, bestimmt die deutschen Konservativen zu einer Hetze, die jeden Sinn für Realitäten verloren habe Gewisse natio­nalistische Zeitungen wollten sogar eine diploma­tische Aktion anregen, um einen Block aller Nationen zu schaffen, die nicht geneigt seien, England in seiner Politik gegen Sowjetrutzland zu folgen. Eine derartige Initiative sei gegen­standslos, da England nicht Krieg führen wolle und da es von keiner Macht, selbst nicht von den­jenigen, die ihm nahestehen, verlange, daß sie st ihm anschließen in der Krisis, die durch die Um­triebe der sowjetistilchen Agenten auf politischem Gebiete hervorgerufcn worden seien.

Amerika und die Bolschewisten.

Kommunistische Propaganda auf den Philippinen.

Nach einer Mitteilung der amerikanischen Ma- rinebehörden sollen sich die bei der Razzia in der Pekinger Botschaft gefundenen Dokumente auch mit der Bolschewisierung der P h i l i p p i n en befaßt haben. Ein Komplott zur Sprengung des Marine­arsenals wurde entdeckt. Die Urheber sollen aus China zugereiste Kommunisten sein. Die überwie­gende Zahl der Arsenalarbeiter wird jedoch als lo­yal bezeichnet.

*

Präsident Coolidge hielt auf dem Kriegsgefal­lenenfriedhof in Arlington aus Anlaß des Kriegs- gefallenen-Gedenktages eine Rede, in der er er­neut für eine Beschränkung des Wett­rüstens eintrat und u. a. erklärte:Sollte unser Land zum Tummelplatz von Leuten werden, die Verbrechen und Gewalttätigkeit gegen die be­stehende Ordnung und unser arbeitsfreudiges Volh begehen, so müßte im Interesse der Selbstverwal­tung die Verfassung, der Grundstein unserer Union, geändert werden, umdenMißbrauchderper- sönlichen Freiheit einzuschränken."

In politischen Kreisen hat der letzte Teil der Rede des Präsidenten besonderes Interesse erweckt im Zusammenhang mit der Tatsache, daß in dem englischen Weißbuch über die Haussuchung bei der Arcos die Adressen amerikanischer Kommunisten genannt sind.

Die englische Arbeiterpartei hat einen aus Eig­nes, Henderson und Sidny Webb bestehenden Un­terausschuß eingesetzt, der prüfen soll, ob bezw. welche Schritte möglich sind, um die Fortsetzung des Handels mit Rußland zu sichern.

Chamberlain teilte dem Unterhaus auf eine An­frage mit, daß die Regierung nicht beabsichtige, die in ihrem Besitz befindlichen weiteren Beweise anti- britischer Propaganda und der Tätigkeit der Sow­jetregierung und ihrer Agenten zu veröffentlichen.

Großbritannien und Aegypten.

Die Entwicklung in Aegypten wird in der Lon­doner Abendpresse eingehend erörtert/ Einer Agen- turmeldung zufolge ist der ägyptischen Regierung eine Note der britischen Regierung

Ein begrüßens weiter Erlaß.

In Berlin hat in der letzten Woche der Kon- greß der Völkerbundsligen getagt, umsich mit einer Reihe von Fragen zu befassen, die inter­nationalen Charakters sind und deren Lösung zur Aufrechterhaltunng des Friedens notwendig er­scheint. Diese Völkerbundsligen sind freie Vereini­gungen, die aber in allen Ländern, wo sie bestehen, sich der Unterstützung ihrer Regierungen erfreuen können. Unter ihren Mitgliedern finden sich sowohl in Deutschland wie anderwärts einflußreiche Poli­tiker und hohe Beamte, und so sind die Kongresse dieser internationalen Vereinigung von hohem mora­lischen Wert. Die Kongresse finden alljährlich statt, wobei die Tagungsorte von Ration zu Ration wechseln. Die Länder, in denen sie jeweils statt­finden, bekommen natürlich alsdmm mit ihren be­sonderen Wünschen eine starke Resonanz, und so ist es klar, daß die Bewerbungen um den Tagungsort immer recht zdhlreich sind. Der Kongreß der Völ­kerbundsligen ist in seinen Beschlüssen weniger durch den amtlichen Apparat gehemmt und auch weniger an die Hemmungen der offiziellen Politik gebunden als der Völkerbund in Genf; er trägt auch in seiner Geschichte nicht die politischen Schwächen an sich, die gleich mit der Gründung und auch mit der ersten Geschichte des Genfer Völkerbundes verbunden gewesen sind, sodaß er mit einem gewissen Recht sagen kann, er sei eine Art moralischer Kontrolle und ein Weg­weiser für die amtliche Völkerbundpolitik in Genf.

Die Berliner Vollversammlung des Kongresses der Völkerbundsligen hat am Sonntag ihren Ab­schluß gesunden. Dabei hat ihr der preußische Kul­tusminister noch ein recht fteundliches Geschenk mit auf den Weg gegeben. Auf dieser Schlußversamm­lung wurde der Erlaß bekannt gegeben, der in diesen Tagen an die preußischen Schulbehörden gerichtet worden ist. Darin wird verlangt, daß sich der Unterricht eingehend mit dem Wesen, der Arbeit und den Zielen des Völker­bundes zu befassen habe. Aus dem Wesen des Völkerbundes ergebe sich, daß jeder Unterricht in ihm getragen seift müsse vom Gefühl für die Würde des eigenen Volkes, von verständnisvoller Achtung vor dem fremden Volke und von der Einsicht, daS die Entwicklung eines jeden Volkes gefördert werde durch die Zugehörigkeit zu einer umfassenden Ge­meinschaft aller Völler. In den oberen Klassen der Bvlksschulen, in den Mittelschulen und höheren Lehranstalten, den pädagogischen Akademien, sowie bei der Ausbildung der Studienreferendare soll der Völkerbund in dem angeführten Sinne an ge­eigneter Stelle behandelt werden.

Mit diesem Erlaß hat der preußische Unter­richtsminister allen Völlerbundfteunden eine große Freude bereitet. Es liegt auf der Hand, daß der Genfer Völkerbund, wie er sich in den letzten Jahren gegeben hat, keine Einrichtung ungemischter Freude ist. Mer er ist eine Notwendigkeit, und er ist vor allem entwicklungsfähig. Wenn der Völ­kerbund nicht bestände, müßte er gegründet werden. Es wäre aber sehr fraglich, ob ein neuer, besserer Völkerbund leicht zustande gebracht werden könnte, wenn der bestehende durch die Teilnahmslosigkeit der europäischen Völler in seiner Wirksamkeit lei­den würde. Wessen der Genfer Völkerbund vor allen Dingen bedarf, das ist eine starke mora­lische Autorität, die ihm aber nicht dadurch gegeben werden kann, daß man ihr von den Völker- massen, deren Friedensinteressen er vertreten soll, geistig und moralisch trennte. Und es ist auch ganz klar, daß diejenigm Völker den stärksten Eiftfluß auf ihn haben und am besten mit ihm operieren können, denen er eine Herzensangelegenheit gewor­den, ist und die auch gerade deshalb ihre besten Politiker in den Völkerbund entsenden. Die Tschecho­slowakei ist gewiß keine der ausschlaggebenden Mächte in Europa, aber bet Außenminister dieses Staates, Bene sch, hat auf dem Boden des Völ­kerbundes außerordentlich viel für sein Land leisten können, weil er an den Völkerbund glaubt und seine Machtmittel richtig zu handhaben versteht. Der Völkerbund ist gewiß eine Gründung der Sieger­staaten gewesen und sie haben sich dabei auch ge- dacht, daß er ihr besonderes politisches Machtinstru­ment für alle gemeinsamen Angelegenheiten bleiben müsse. Mer er braucht die politische Organisations­zentrale lediglich der Siegerstaaten nicht zu bleiben, wenn gerade die besiegten und die schwachen Völker immer wieder die Genfer Völkerplattform benutzen, um ihre Rechte und ihre Ideale zu vertreten.

In Genf sind in den letzten Wochen mannigfache Sorgen darüber auf getaucht, ob nicht die äugen- blickliche politische Sage die Ententeländer veran­lassen könnte, bei der nächsten von Deutschland an­zuberaumenden Tagung die Außenminister zu Hause zu halten, um nur durch weniger prominente Dele- Sorte die Tagesordnnung durchberaten zu lassen, iese Befürchtungen wurzeln in der Ueoerlegung, daß Deutschland mit bestimmten Forderungen auf- treten könnte, die man noch nicht gerne hört, die man aber auch nicht unerfüllt lassen kann. Ohne Zweifel befindet sich das Prestige des Völkerbun­des nach der Aufnahme Deutschlands jetzt in einem gewissen leichten Krisenzustand. Die Entente muß gegenwärtig die moralischen Konsequenzen aus der sich erfüllenden Idee des Völkerbundes ziehen, sie muß bisher Unterdrückte als völlig Gleichbe­rechtigte anerkennen lernen. Es vollzieht sich also eine gewisse.moralische Anpassung, die den eng­lischen Konservativen vielleicht nicht so schwer fallen wird wie dem ftanzösischen Ministerpräsidenten P o i n c a r e, deren Hemmungen aber auf der Hand liegen. Mit um so lauterem Nachdrucke muß Deutschland den Völkerbund bekennen, mit um so stärkerer Energie gerade den Genfer Verhandlungs- «öden für seine internationalen Besprechungen auf« mchen.

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ngen mit sich herumzutragen, am Genfer Völkerbund voraus, eine Anteilnahme, g von der Einsicht der > die eben nicht nur moralischer, sondern vor allem

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Der Papst hat am Montag den deutschen Bot­schafter beim päpstlichen Stuhl Dr. v. Bergen und Frau empfangen.

Kcudinalstaawsekretär Gasparri zelebrierte am Montag vormittag anläßlich seines Priesterjubi­läums eine hl Messe Dieser wohmsn das Hl. Kollegium der Kardinäle, das diplomatische Korps, Würdenträger des päpstlichen Palastes und Abord­nungen der päpstlichen Leibgarden bei. Nach der Messe empfing Kardinalstaatssekretär die Kardinäle und Diplomaten in einem Zimmer des Vatikans. Der brasilianische Botschafter Magalhaes de Aze- redo verlas als Doyen des diplomatischen Korps die Adresse, in der der allgemeinen Hochschätzung und Verehrung, die der Jubilar genießt. Ausdruck gegeben wurde. Das diplomatische Kocps über­reichte dem Kardinalstaatssekretär ein Pergament und einen kostbaren Kelch. Dieser sprach in seiner Erwiderung zunächst seinen Dank aus. Er erin­nerte daran, daß jede Partei den Vatikan im Welt­krieg auf ihrer Seite zu sehen wünschte. Der päpstliche Stuhl habe über ihm zu stehen indem er auf die Beendigung des Krieges hinwirkte und die Leiden zu mildern beftrebt war. Diese Hal­tung habe Klagen von allen Seiten zur Folge ge­habt. Im Kriege hätten aber diejenigen Mächte, die keine Beziehungen zum Vatikan unterhalten hätten, solche angeknüpft, sodaß bas beim Vati­kan beglaubigte diplomatische Korps fast doppelt so stark geworden war. Dem Kardinalstaatssekretär gingen auch von anderer Seite zahlreiche Glück­wünsche und Geschenke zu

Reichskanzler Dr. Marx hat dem Kardinal- ftaatsfetretär Gasparri aus Anlaß des goldenen Priesterjubiläums telegraphisch >eme herzlichsten Glückwünsche ausgesprochen.

Pontifikalamt In Berlin.

wtb. Berlin, 31. Mai. (Eig. Funkm ). Aus Anlaß des 70. Geburtstages oes Papstes fand heute vormittag in der Hedw'gskirche ein feierliches Pontifikalamt statt an dem u. a. der Reichskanzler und Frau Marr, oer Staatssekre­tär Dr. Pünder, ferner eine Reche weiterer Per­sönlichkeiten, unter ihnen der polnische Gesandte, teitnahmen.

Bayerisches.

Der bayerische Landtag gab in einer Sitzung die Zustimmung zur Genehmig,na der Straf­verfolgung der nationalsozialistischen Abgeord­neten Streicher und Zipfel wegen mehreren Fäl­len von Beleidigung. *

Die Polizeidirektion München hat durch vor­übergehende ortspolizeiliche Vorschrifl das Tra­gen einheitlicher Kleidung für Ange» Aorige von Parteiorgamchtionen für offenilidje Wege, Straßen und Plätze verboten

*

Der bayerische Landtag lehnte die Regierungs- rerläge zur Abänderung d"r 23 und 8 der bayerischen Verfassung ab. § 23 der bayerischen Verfassung bestimmt, daß die Wahlen für die Ver- tretungstörper der Gemeinden und Gemeindever­bände nach den Grundsätzen des Landtagswahb rechts erfolgen. Diese Bestimmungolite nach dem Regierungsklntrage dahin abgeänbert werben, daß die Grundsätze des Landtagswahlrechts nur für biz Vertretungskörper ber Gemeinben unb Kreise gel­ten. Damit sollte die Boraussetzung für bie Schaf­fung eines indirekten Wahlsystems für die Pe- zirkswhalen gegeben werden.

Deutsch-polnische Abmachungen.

Dte polnische Regierung hat ber beutjchen Re­gierung gegenüber eine Erklärung abgegeben, wo­nach bie polnische Regierung eine allgemeine Ver- roaltungsanotbnung erlassen werbe, durch die sie auf gewisse Liquidationsbefugnisse, die ihr auf­grund des Versailler Friedensvertrages zustehm. verzichtet. Es handelt sich bet dieser Frage um alle reichsdeutschen Forderungsrechte, verdriefts und unverbriefte Wertpapiere, Beteiligungsrechte und Eigentumsrechte.

Ausgenommen von dieser Erklärung sind solche Forderungen, die bis zum 31. März 1927 bereits unter Liquidation bestanden haben, sowie Forde­rungen, die am 10. Januar 1920 Eigentum juri- tischer Personen des öffentlichen Rechts gewesen ind, und schließlich Forderungen aus Anleihen, )ie zur Unterstützung von Kriegshinterbliebenen und von Kommunalverbänden aufgenommen sind.

Diese Gebiete, die von dem Verzicht auf die Liquidation ausgenommen werden, sollen dem­nächst Gegenstand besonderer Verhandlungen bil­den.