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Anzeiger für die Skadk Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt

Mr. 123

Sonntag, 29. Mai 1927

Der neue spanische Botschafter in Berlin

tagsabgeordneten Gustav

der

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Unter dem

samten öffentlichen Schul-, Erziehungs- und For- st schunaswesens unter unbedingter Auftechterhaltung fc der staatlichen Schulhoheit fordert. Solange die fii

Lateinisch-Amerika.

Tödlicher Zwischenfall in Nicaragua.

* Der Elsenbahnerstreik in Mexiko beendet. De: Streik der Eisenbahner, der mehrere Monate ge­dauert hat, ist nunmehr beendet und die Arbeit bereits zum größten Teil wieder ausgenommen

Vie Sozialdemokraten und bas Konkordat.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk.

schloß sich eine Unterhaltung, in deren Verlauf der Botschafter dem Reichspräsidenten die Mitglieder der Botschaft vorstellte.

De Ostbefestigunoen.

General v. Pawelß hat laut Lokalanz. der Reichsregierung einen kurzen Bericht über die Zer­störung der Unterstände in Ostdeutschland vorge­legt. Ein ausführlicher Bericht wird dem Reichs­kabinett erst anfangs Juni zugehen.

Die Grenzbahnhöfe.

Deutsch-französische Abkommen über Grenzbahnhöfe.

Reichsminster Dr. Stresemann hat, derTägl. Rundschau" zufolge, dem Reichstag ein Abkommen zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich über die Einrichtung der Grenzbahnhöfe Zugehen lassen. Für die Grenzländer Bayerns und Preußens bleibt es bei dem System getrennter Grenzbahnhöfe auf deutschem und französischen Gebiet. Bezüglich der Rheingrenze war die im Versailler Vertrag enthaltene Bestimmung maßgebend, daß hier die Grenzbahnhöfe auf dem rechten Rheinufer einzu- riclsten sind. Die auf deutschem Boden dienstlich tätigen französischen Beamten unterstehen den deut­schen Strafgesetzen und Polizeivorschriften und der deutschen Gerichtsbarkeit. Auch hat sich die fran­zösische Regierung verpflichtet, solche Beamte zu versetzen, deren Verhalten den deutschen Behörden Anlaß zu berechtigten Beschweren gibt. Das Ab­kommen ist auf fünf Jahre beschlossen.

Aus Kapstadt wird gemeldet: Der Minister­präsident von Südafrika sagte im Parlament, an- .läßlich des Bruches zwischen England und der Sow­jetunion, daß die südafrikanische Regierung nicht beabsichtige, augenblicklich irgendwelchen Schritt in dieser Sache zu tun.

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Aus Washington wird gemeldet: Staatssekretär Kellog dementierte, daß die amerikanische Wirt­schaftsdelegation in Genf zu Handelsvertragsver­handlungen mit den Delegierten Rußlands beauf­tragt fei. In politischen Kreisen hofft man, daß der Bruch Englands mit Rußland die Ausfuhr Amerikas nach Rußland, die im letzten Jahre um 40 Prozent zurückgegangen war, günstig beeinflus­sen wird.

(Eine w'chtiqe Zrage.

= Berlin, 28. Mai. Wie dieB. Z." meldet, wird in Berliner diplomatischen Kreisen sowie auch in den Kreisen der hiesigen fremden diplomatischen Vertretungen allgemein anerkannt, daß der Ent­schluß des deutschen auswärtigen Amtes, dem Wunsche der Russen entsprechend den diploma­tischen Schutz in London zu übernehmen, keinerlei Option der Reichsregierung im englisch- russischen Streit bedeutet. Rach Lage der Dinge war eine Ablehnung des russischen Ersuchens un­möglich. Dazu kommt, wie in diplomatischen Krei­sen ausdrücklich hervorgehoben wird, daß Deutsch­land ohnehin als gleichzeitiger Vertragspartner der Locarnoverträge und des Berliner Vertrages für die Rolle des neutralen Vermittlers am geeignetste!» erschien.

Praktisch wird sich die Uebernahme des Schutzes der russischen Staatsangehörigen in England nur dahin auswirken, daß die deutsche Londoner Bot­schaft zum Mittler der Wünsche und etwaigen Be­schwerden der in England lebenden russischen Staatsangehörigen wird.

Ein amerikanischer Hauptmann hat den liberalen Armee angehörenden General Ca - bulla durch einen Revolverschuß getötet, an­geblich, weil dieser in der Trunkenheit seinen Re­volver gegen die Passanten richtete.

Evening Standard" erfährt, daß die russischen Schiffe, die den Handelsverkehr zwischen L e n i«i- grad und London besorgten, ihren Verkehr bereits e i n g e st e l l t hätten.

Dreimächkevertrag zwischen Salvador, Guakemala und Honduras.

Rach einer Meldung der Associated Preß aus San Salvador unterzeichneten die Regierungen Salvador, Guatemala und Honduras in einer Kon­ferenz der drei Außenminister einen Dreimächtever­trag. in dem sie sich verpflichteten, zu allen Zen­tralamerika berührenden Angelegenheiten gemein­sam Stellung zu nehmen. Die Außenminister ver. emborten regelmäßige Besprechungen. Die nächste wird im Dezember in der Stadt Guatemala statt- finden.

Gefährliche Verbrecher.

wtb. Stendal, 28. Mai. (Eig. Funkm.) Aus dem hiesigen Gerichtsgefängnis versuchten gestern die beiden polnischen Häftlinge Urbanski, genannt Duda, und Petrow, einen Ausbruch. Petrow lockte den diensttuenden Beamten an feine Zelle. Der Verbrecher, der sich seiner Fesseln entledigt hatte, stürzte sich auf den Beamten, raubte ihm die Schlüssel und den Revolver und öffnete bann die Zelle Urbanskis. Auf die Hilferufe des Beamten, der inzwischen wieder zusich gekommen war, eilte Hilfe herbei, worauf es gelang, die beiden Häft­linge zu überwältigen. Petrow war im Dezember 1926 zum Tode, Urbanski dreimalzumTode verurteilt worden. Es ist dies der zweite Aus­bruchsversuch in wenigen Monaten, den die Ver­brecher unternahmen.

Die politischen prüge'eien.

Aus Anlaß der Schlägereien in der Humbold- straße in München sind die deutschnationalen Ab- geordneten Dr. Hilpert und Bauer beim bayeri- scheu Staatsminister des Innern Stützet vorstellig geworden, um zu verlangen, daß durchgreifende Vorbeugungsmaßnahmen in die Wege geleitet wer­den. DieMünchener Post" veröffentlicht eine ihr zugegangene Mitteilung, wonach Angehörige des Reichsbanners an den Schlägereien nicht beteiligt waren Es habe lediglich ein Reichsdau- nermonn zu dem Zeitpunkt, als die Schlägerei er­folgte, die Straße überquert. Der bet dem Zu­sammenstoß verletzte Rationalist ist bekanntlich ver­storben.

Wie derVölkische Beobachter" meldet, kam es fast an der gleichen Stelle, wo am Mittwoch abend der Uebersall auf national-sozialistische Leute fei- nen Ausgang genommen hatte, auch am Donners­tag mittags zu UeberfäCen auf Nationalsozialisten. Den Blätter zufolge werden die parlamentarischen Vertreter verlangen, daß die Vorfälle einer ge­nauen Untersuchung unterzogen werden.

Die Polizeidirektion München hat angeordnet: Der vom Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold geplante südbayerische republikanische Tag mit allen Veranstaltungen wird verboten. Ferner wer- den verboten die von der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei für den 27. Mai einberu­fene Masfenprotestversammlung, sowie die von den vereinigten vaterländischen Verbänden für den 28. Mai einberufene Versammlung und schließlich alle Zuge zu und von der Beisetzung des am 25. Mai bei den Zusammenstößen in der Humboldtstraße getöteten Nationalsozialisten Hirschmann.

Bemerkenswert war auf dem Kieler Parteitag der Sozialdemokraten auch die Stellungnahme zur Konkordatsfrage. Dazu gaben die Dertr der preußischen Landtagsstaktion mit Severing an der Spitze eine Erklärung ab, die besagte, daß die Unterzeichner jedes Konkordat ablehnen, das Schulfragen behandelt, daß aber nicht alle Konkordate grundsätzlich abzulehnen seien, namentlich soweit es sich um die Abgrenzung der Bistümer und um die Bischofswahl handle. Es bestehen bereits Abmachungen zwischen der Kurie und Preußen seit dem Jahre 1821, deren Neuregelung für die Republik schon deshalb not- toenbig sei, weil in dieser noch zu Recht bestehenden und angewendeten königlichen Verordnung Rechte des Königs festgelegt seien, die aus den Staat übergehen müssen. Würden in Preußen solcheKon- kordate' abgelehnt, so enfftehe die Gefahr, daß das Reich eingreife. Beim Reiche fei aber, wenig­stens bei der jetzigen Regierung, die Gefahr vor­handen, daß die Staatsautorität und die Geistes- iger geschützt werden als in Preußen. Eindruck dieser Erklärung wurde die Entschließung Löwenstein, die sich gegen jedes Kon­kordat wendet, gegen eine starke Minderheit ab­gelehnt.

Neue Uebersälle auf Deutsche in Oberschlesien. Anläßlich der Meisterschaftsspiele der Deutschen Turnerschaft für Polen kam es wieder zu schweren Ausschreitungen polnischer Aufständischer gegen An­gehörige der deutschen Minderheit. Der Turnver­ein Bielitz wurde bei seinem Marsch nach Pleß von Aufständischen zur Rückkehr gezwungen. Eine Ab­teilung des Kattowitzer Turnvereins wurde von uniformierten Aufständischen überfallen und schwer mißhandelt. Die Wehrlosen, meist Frauen und Kinder, mußten fliehen, wurden aber auf Fahr­rädern verfolgt und weiterhin mißhandelt. Auch m Pleß ereigneten sich schwere Uebergriffe der Auf- ständischen. Auch diesmal vollzogen sich die lieber- °ällen vor den Augen der Polizei, ohne daß diese ich der Ueberfallenen annahm.

allgemeine Weltlichkeit nicht erreicht sei, sehe die Sozialdemokratie in der weltlichen, das heißt also bekenntnisfreien Schule ein wertvolles Teilziel.

Ausschlüsse aus der K. P. D.

Die kommunistische Bezirksleitung Berlin-Bran­denburg schloß lautRoter Fahne" 34 Partei- Mitglieder, darunter auch den preußischen Land-

In Berlin verurteilte das Schöffengericht Mitte den Kohlenarbeiter Reinhold Schlicht, ein Mitglied des Roten Frontkämpferbundes, wegen Beteili­gung an einer politischen Schlägerei zu se chs M o- naten Gefängnis. Eine Rotte von 40 bis 50 jungen Burschen war über drei Reichebanner- leute hergefallen, die aus einer Scheidemann-Ver­sammlung gekommen waren. Dabei waren einem Postschaffner, der mit dem Abzeichen des Reichs­banners versehen war, zwei Zähne ausgeschlagen und sonstige Verletzungen beigebracht worden.

------) Müller, wegen partei­schädigenden Verhaltens und wegen fortgesetzter bewußter Verstöße gegen Parteitagsbeschlüsse aus der Partei aus.

Zur Schulsrage waren vom Parteivorstand einige Resolutionen vorgelegt worden, die auch Annahme gefunden haben. Darin wird gesagt, daß die Sozialdemokratie die Weltlichkeit des ge-

vie Bolschewisten in China.

Polizeimaßnahmen gegen Kommunisten in Hongko,.z.

wtb. Hongkong, 28. Mai. (Eig. Funkm.) Reuter. Infolge der dauernden Umtriebe der Kommunisten gegen Gesetz und Ordnung besetzte die Polizei . bas Hauptquartier der hiesigen Ortsgruppe des Santoner Seemannsverbandes. Im Anschluß darar ordnete die Regierung die Schließung der Büros des Verbandes an.

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Der amtliche englische Funkdienst bestätigt di« Meldungen über eine schwere Niederlage bei Kantontruppen in bet Provinz Honan. Die achte Armee der Kantonesen soll dabei völlig auf­gerieben worben sein. Borobin soll mit fieber anbeten Russen aus Hankau auf bas südlich bei Flußufer gelegene Gebiet sich begeben haben. E- verlautet aus einer guten Quelle, daß zwischen be Hankauer Regierung unb Tschang Kai-schek eh, Einvernehmen erzielt worden sei.

wtb. Berlin, 28. Mai. (Eig .Funkm.) Der Herr Reichspräsident hat heute in Anwesenheit des Reichsministers des Auswärtigen, Dr. Stresemann, den neuernannten spanischen Botschafter, Herrn Dr. Fernando Espinosa de los Monteros y Bermejillo zur Entgegennahme seines Be­glaubigungsschreibens empfangen. Der Botschafter wies in seiner in deutscher Sprache gehaltenen An­sprache u. a. darauf hin, daß er seine berufliche Laufbahn in Berlin begonnen habe und daß ihm deshalb die Wiederkehr nach Berlin, das er als Mittelpunkt der Wissenschaft und der Arbeit kennen und schätzen gelernt habe, besonders begrüßenswert gewesen sei. Wie sein Vorgänger im Amt, werde er bemüht sein, dazu beizutragen, die herkömmlichen Bande der Freundschaft zwischen Spanien und Deutschland, wenn überhaupt möglich, noch enger zu ziehen unb zu festigen. Der Herr Reichs- präfibent gebuchte. in seiner Erwiberung zu­nächst der jahrelangen außerordentlich erfolgreichen Tätigkeit des Vorgängers des Herrn Botschafters und führte u. a. weiterhin aus: Auch mir und der Reichsregierung liegt die Erhaltung und Pflege der zwischen Deutschland und Spanien bestehenden, auch in schweren Zeiten erprobten Freundschaft und die Entwicklung und Förderung der unsere Länder verbindenden wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen besonders am Herzen. Dabei weiß ich mich eins mit dem deutschen Volk, das für das edle spanische Volk und seinen erhabenen Herrscher die aufrichtigsten Gefühle der Freundschaft sowie für die reiche alte Kultur Spaniens volle Bew underung hegt. An den Empfang

vär unb z sch.

Die englische Note.

Freitag mittag gegen zwölf Uhr wurde dem russischen Geschäftsträger in London vom Foreign Office die Note übersandt, in der die Aufhe­bung ber biplomatischen Beziehungen Englanbs zu Rußlanb ausgesprochen wirb.

In der etwa 700 Worte umfassenden, in höf­licher Form abgefaßten Note werben unter Dar­legung der von der Regierung bereits ausgespro­chenen Grunde die Beamten der diplomaftschen Sowjetmission und der Handelsdelegation aufge­fordert, innerhalb zehn Tagen England zu verlassen. Die britische Mission werde in bei gleichen Zeit aus Moskau zurückgezogen sein. Es werben alle russischen Beamten mit Namen auf­geführt, bereu Abreise geforbert wirb. Die nicht­offiziellen juffifdjen Staatsangehörigen ber Arcos unb ber übrigen Handelsbelegationen sind barin nicht eingeschlossen unb werden wie die übrigen Ausländer in England behandelt. Als solchen ist ihnen der weitere Aufenthalt im Vereinigten König­reich gestattet, soweit sie nicht auf die Liste bei unerwünschten Ausländer" gesetzt sind oder wer. den und als solche also ebenfalls England zu ver­lassen haben.

Die Note wurde ohne Formalitäten von einen Boten des britischen Außenamtes in versiegeltem Umschlag ins Cheshamhouse gebracht.

Herr Rosengolz, der Sowjetgeschäststräger, und einige feiner Beamten waren Gäste einer klei­nen Gruppe von Labourabgeordneten, die den Rus­sen im Parlamentsgebäude ein Abschiedsessen gaben. Dabei hielt Rosengolz eine Rede. Er betontedie Unechtheit des Beweismaterials, aus Grund dessen die britische Regierung gehandelt hat" und sagte, an oberen Stellen habe Leichtgläu­bigkeit geherrscht, an unteren Stellen aber seien verbrecherische Handlungen begangen worden. Gefahr eines neuen Krieges sei nie­mals so groß gewesen wie augenblicklich.

Die Erhaltung der Währung.

Durch die Börsenspekulation sind eine Milliarde Devisen verloren gegangen. Mas Schacht über den Zusammenbruch an der Börse und feinen Zu­sammenhang mit der Währung sagtt

In Stralsund hat der Reichsbankpräsident : Schacht aus Anlaß der Einweihung eines dort neu L erbauten Reichsbankgebäudes die erste Gelegen- I heit wahrgenommen, um sich in aller Oeffentlich- ' feit über die Vorgänge an der Börse und vor allem darüber auszusprechen, welche Gefahren die Reichs­bank in der letzten Entwicklung der Börse nament­lich für die Währung erblickte. Diese Rede ist so kennzeichnend für die Situation, daß sie in ihren wesentlichen Teilen einer breiteren Öffentlichkeit zu übergeben wert erscheint. Schacht sagte u. a.:

Ich fühle mich in der Rolle des Geprügelten, der hierher kommt, um etwa Schutz und Trost zu suchen gegen die hageldichten Angriffe der groß­städtischen Presse, die es bekanntlich immer besser weiß als alle anderen, und die mich auf das schwerste bei dem bekannten schwarzen Freitag an­gegriffen hat. Die Beweggründe, die die Reichs- bank veranlaßten, zu scharfen Maßnahmen zu grei­fen, waren allerdings dazu angetan, gewisse Illu­sionen plötzlich zu zerstören.

Im Jahre 1926 konnten wir durch das unerhörte Glück des englischen Kohlenarbeiterstreiks, ber ein Unglück für England gewesen ist, einigermaßen un­seren Verpflichtungen Nachkommen. Ich habe den Eindruck, als ob es in Deutschland noch viel zu viele Leute gibt, die an der optimistischen Auffas­sung über die Wirtschaft verdienen möchten, nicht aber an ihrem Fortschritt selbst. Durch die Speku­lationen hat die Reichsbank in den letzten Monaten eine Milliarde Mark Devisen verlo­ren. Dabei ist die Kursbewegung an ber Börse ständig nach oben gegangen. Leider wurden die Käufe an der Börse nicht mit dem eigenen Porte­monnaie getätigt, sondern es hat sich gezeigt, daß Geld dazu aus dem Ausland hereingekommen ist, und zwar in einer Höhe, die für normale Wirt­schaftsverhältnisse entschieden zu hoch ist. Jeder kann mit seinem Gelde machen was er will; wir können es aber auf keinen Fall dulden, daß er De­visen an der Börse riskiert, die letzten Endes die Reichsbank bezahlen muß. Wenn diese Gelder nicht als Valuten zurückgezahlt werden, sondern unsere Handelsbilanz belasten, gefährden sie unsere Wäh­rung auf das schwerste.

Solange ich an der Spitze der Reichsbank stehe, werde ich es nicht zulassen, daß die Valuta irgend­wie gefährdet wird. Cs ist nicht so, wie dieFrank­furter Zeitung" und die gelehrten Börsenjour­nalisten schreiben, daß die Börsengewinne zurück- fließen in die V o l k s wirtschaft. Sie fließen viel- mehr in die Gast wirtschaft. Aus dem Auslande werden vielfach dafür Konsumwaren erstanden. Man ist der Ansicht gewesen, die Reichsbank hätte m das Kursniveau eingreifen wollen, um den fal­schen Eindruck von dem angeblichen Wohlstand Deutschlands zu zerstören, der durch die Börsen­kurse erzeugt wurde. Dazu liegt gar keine Ver- anlassung vor. Diejenigen Männer, die über das Schicksal des Dawesplanes zu entscheiden haben, wird niemand täuschen. Schon der Versuch allein wäre eine Dummheit. Ganz unabhängig davon, ob die Leistungen des Dawesplanes von Deutsch­land aufgebracht werden können, handelt es sich für die Reichsbank darum, dafür zu sorgen, daß das Transferproblem im richtigen Lichte gesehen wird und die Verschuldung an das Ausland und nament­lich die kurzfristige Verschuldung, nicht in einem Umfange fortschreitet, der die Währung gefährdet, die niemals auf geborgten Devisen aufgebaut wer­den kann."

Es ist übrigens bemerkenswert, daß nunmehr danach gestrebt wird, daß der Kreis der sog.Ein­geweihten" wesentlich erweitert wird. So hat der Zentralverband des Deuffchen Banken- und Ban­kiergewerbes sich an den Reichsbankpräsidenten mit der Bitte gewandt, den Kreis derjenigen Person- lichkeiten, die in engerer Beratung über die Fragen des Geldmarktes und die Maßnahmen der Reichs- bank unterrichtet werden, weiter als bisher zu ziehen.

Wir würden eine derartige Maßnahme für «ußerordentlich bedenklich halten. Die (Erör­terungen über die Wcihrungs- und Finanzpolitik I müssen in den dafür allein zuständigen Instanzen I erfolgen, einerseits also innerhalb des Reichsbank­direktoriums und zum anderen innerhalb der I Reichsregierung, gegebenenfalls des Kabinetts. Die I obige von Schacht feftgefteüte Tatsache, daß durch I die längste Effektenspekulation nicht nur im In- I «and» sondern auch im Ausland nicht weniger als I eine volle Milliarde Reichsmark an Devisen der I Reichsbank verloren ging, ist geradezu beängsti­gend. Sicherlich sollen die Fragen der Geldwirt- I schäft und der Finanzpolitik des Reiches und der Reichsbank keine geheime Wissenschaft sein. Wir würden im Gegenteil wünschen, daß gerade dieses Problem viel mehr in der Oeffentlichkeit behandelt würde und eine viel größere Beachtung in den wei­teren Schichten des Volkes und der Wirtschaft fin­den würde. Aber es erscheint uns unmöglich, über I die allein zuständigen Instanzen hinaus Zirkel zu schaffen, die über bestimmte Maßnahmen der Reichsbank- oder der Reichsfinanzpolitik unterrich- tet werden. Was die Oeffentlichkeit angeht, soll auch in der gesamten Oeffentlichkeit be- I handelt werden, alles übrige muß mit der gerade bei solchen Fragen nun einmal gebotenen Vorsicht I unb Zurückhaltung zur Beurteilung und Entschei­dung tommen._______________

* Der Beleidigungsprozeß Dr. Stresemanns. jSm Beleidigungsprozeß des Reichsaußenministers I ^- stresemann gegen den Rechtsanwalt. Müller I m Plauen wird die Berufungsverhandlüng Ende I 3u»i in Plauen stattfmden. 1

Mussolini und der Stahlhe'm.

Zu ber Bemerkung Mussolinis in ber gestrigen Kammerdebatte, daß bei dem großen Aufmarsch des Stahlhelms in Berlin Tafeln mit der Inschrift Son Triest bis Riga" mitgeführt worden seien, teilt die Pressestelle des Stahlhelms mit, daß bei der Stahlhelmkundgebung in Berlin über­haupt keine Tafeln getragen worden find. Ebenso falsch sei die Meldung desPopolo d' Ita­lia", wonach der AusdruckÄon Triest bis Riga" in Reden der Stahlhelmführer gebrauche worden sei.

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