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FuldaerZertung
Anzeiger für die Stabt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
Samstag, 28. Mai 1927.
Ar. 122
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. >. Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk.
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Gegen die Rheinland-v setzung.
3m Plenarsitzungssaal des Reichstages wurde unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung die elfte Tagung des Weltverbandes der Lblkerbündsliga durch den derzeitigen Präsidenten Prof. Aulard-Paris feierlich eröffnet. Der Vorsitzende der deutschen Gruppe, Reichstagsabgeordneter Graf Bernstorff, begrüßb' die Versammlung mit einer Ansprache, in der er betonte, daß der Völkerbund seine großen Aufgaben nur dann erfüllen könne, wenn in ihm eine v ö l l i ge Gleichberechtigung aller Staaten bestehe und wenn im Völkerbund die gleiche Gerechtigkeit geübt werde, sei es für große, sei es für kleine Staaten. Leider habe in Gens wenig Bereitwilligkeit bestanden, an die Frage der A b- r ü st u n g heranzugehen, und es sei Aufgabe bet Dölkerbundsliga, bei ihren Regierungen dahin zu wirken, daß abgerüstet wird.
Reichskanzler Dr. Marx führte in seiner Rede u. o. aus: Darin, daß der Verband in diesem Jahre Deutschlands Hauptstadt als Tagungsort für seine Jahresversammlung erwählte, erblicke ich ein bedeutungsvolles Zeichen für den grundlegenden Wandel, der sich im Laufe der letzten Jahre in Beziehungen Deutschlands zu den anderen Rationen vollzogen hat. Diese erfreuliche Entwicklung war nur nwglich durch die unter den schwierigsten Verhältnissen deutscherseits begonnenen und unter ebensolchen Schwierigkeiten mit unverrückbarer Konsequenz weiter verfolgte Politik der Ver- st ä n d i g u n g, die uns von der Londoner Kon- ferenz über Locarno nach Genf geführt hat. Ich kann Ihnen versichern, daß die Reichsregierung fest entschlossen ist, die bisher verfolgte Linie weiter einzuhalten.
yn der politischen Kommisiion des Weltver- bandes der Völkerbundsgesellschaften gab die deutsche Delegation zum Protokoll der Kommission eine Erklärung ab, in der es heißt: Das ganze deutsche Volk ist mit seinen politischen Parteien, mit Ausnahme der radikalen Linken und Rechten, für dis Teilnahme an den Arbeiten des Völkerbundes Eine freudige und auf wirklicher Verständigung gleichberechtigter souveräner Staaten auf- gebaute Mitarbeit im Völkerbund kann es aber solange nicht geben, als Teile Deutfchlands von Truppen ehemaliger Kriegsgeg- ner besetzt sind. Die deutschen Delegierten ver- zichten in diesem Stadium der Verhandlungen dar- auf, diese Frage des deutschen Rechtsanspruches aus sofortige Räumung des Rheinlandes unter Be- zugnahme auf die politische Entwicklung seit 1924 bis jetzt und auf die in Betracht kommenden Der- tragsartifel hier zu erörtern ober dem Kongreß eine entsprechende Resolution vorzulegen, sie gibt aber der Erwartung Ausdruck, daß es die Vollversammlung innerhalb ihrer Zuständigkeit erachten wird, auf den innigen Zusammenhang zwischen Dölkerbundsarbeit und Völkerbundsqeist und Befreiung der besetzten Gebiete hinzuweisen.
Sozialdemokraten und Republik.
Auf dem Kieler Parteitag der Sozialdemokraten wurde mit großer Mehrheit die Entschließung über die Aufgaben der Sozialdemokraten in der Republik angenommen. In der Entschließung heißt es:
1. Der Kamps um die Behauptung der Republik und die Ausgestaltung der Demokratie, die Abwehr der sozialen Reaktion und die Erringung der wirtschaftlichen Demokratie erfordern die Vereinigung aller Arbeitenden in der Sozialdemokratie. Als politische Partei lehnt die Sozialdemokratie jede Spaltung der Arbeiterbewegung aus konfessionellen Gründen ab.
2. Der Kamps um die Eroberung der Staatsmacht macht die Erringung und Behauptung möglichst zahlreicher Machtpositionen in Gemeinde, Staat und Reich notwendig. Die Beteiligung der Sozialdemokratie an der Reichsregierung hängt allein von der Prüfung der Frage ab, ob die Stärke der Sozialdemokratie im Volke und im Reichstag die Gewähr gibt, durch Teilnahme an der Regierung in einer gegebenen Situation bestimmte im Interesse der Arbeiterbewegung gelegene Ziele zu erreichen oder reaktionäre Gefahren abzuwehren. Die Entscheidung über die Teilnahme an der Regierung ist eine taktische Frage, deren Beantwortung nicht durch bestimmte Formeln ein für allemal festgelegt werden kann.
Der Parteitag stimmt schließlich einem Antrag zu, die Gesetze zum Schutze der Republik z u verschärfen und einem andern Antrag, der die Haltung der Fraktion beim Finanzausgleich billigt.
Neuwahl de« Vorstandes.
wtb. kiel, 27. Mai. (Eig. Funkm.). Am heutigen Verhandlungstag des Parteitages wurde zunächst das Ergebnis der Neuwahl des Parteivorstandes bekannt gegeben. Zu Vorsitzenden wurden wiedergewählt Wels mit 298, Hermann Müller mit 332 und Ehrispien mit 280 Stimmen. Die übrigen Mitglieder des Parteivorstandes wurden fast sämllich wiedergewählt. Die vom Parteivorstande vorgeschlaaenen Ausschlüsse einzelner Parteimitglieder wegen Verstoßes gegen das Statut wurden genehmigt.
Aus dem fernen (Dfien.
wtb. Schanghai, 27. Mai. (Eig. Funkm.). Eine drahtlose Nachricht aus Hankau teilt mit, daß die Nationalisten ein Rückschlag erlitten und bedenkliche Verluste zu verzeichnen haben. Die 8. Armee soll sozusagen vernichtet sein.
Die „Times" meldet aus Tokio, die japanische Regierung vertrete jetzt die Ansicht, daß die Zeit nahe sei, wo Japan die Regierung Tfchang- kaischeks anerkennen und ihr ihre Unterstützung «eben sollte.
die Moskowiter
Zer Amos der
sch äbigen, als das einzige der englisch-russischen Bezichw
lngen.
Meldungen über eine russische Mobilmachung.
wtb. Tokio, 27. Mai. (Eig. Funkm.) Reuter. Mehrere japanische Blätter bringen Telegramme aus Charbin (Mandschurei), wonach Befehle zur raschen Mobilmachung der Sowjet-Truppen ergangen seien. Die mobil gemachten Truppen würden hauptsächlich nach der Grenze im äußersten Osten
den Wunsch der britischen konservativen "Regierung, Sowjetrußland zu '' ’ *■ ' — '* c -‘ Motiv deS Abbruchs
Das englische Unterhaus billigt den Bruch. - Unkontrollierbare Rlarm- nachrichten aus dem Inneren Rußlands.
Deutschland übernimmt den diplomatischen Schutz Rußlands in England.
iben haben würde, ent» man dies entdeckt hätte.
die vom Premierp-inister verlesenen belastenden Dokumente Fälsch ungen seien. Außerdem wird erklärt, daß ein Sowjetanciestellter, der bolschewistische Propaganda betri ’ lassen worden wäre, sobald Die Erklärung bezeichnet bi
Am Donnerstag sollte das englische Parlament Gelegenheit habens sich zu der Ankündigung des englischen Premierministers über den Bruch mit Moskau zu äußern. Die Arbeiterpartei hatte den Antrag gestellt, das Unterhaus möge den Abbruch der Beziehungen zu Rußland bedauern und die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zur Prüfung der bei der ArcoS gefundenen Schriftstücke fordern. Dieser Antrag wurde mit 367 gegen 118 Stimmen ab gelehnt.
Der Anttaq der Konservativen, in dem die ^Entscheidung der Regierung, die Beziehungen zur Sowjetregierung abzubrechen, gebilligt wird, wurde mit 357 gegen 111 Stimmen angenommen.
Damit ist also der Bruch Englands mit Rußland endgültig. Auch die kanadische Regierung beschloß die Beendigung beS 1921 unterzeichneten Handelsabkommens mit Rußland. Der Premierminister erklärte, es seien gewisse Bedingungen des Handelsabkommens verletzt worden, die von den Sowjets fordern, daß sie sich feindseliger Schritte oder Unternehmungen und offizieller Propaganda gegen die Einrichtungen des brifischen Reichs außerhalb der Sowjetgrenzen enthalten.
Lloyd Georges Ansicht.
In der Unterhausdebatte sprach auch der Führer der Liberalen und frühere Premierminister Lloyd George. ,Zch muß offen zugeben," sagte er, „daß die Sowjetregierung nicht ehrlich gehandelt hat. Ich sehe cm, daß cS für die britische Regierung nicht möglich fft, alles Beweismaterial, was in ihre Hände gelangt ist, preiszugeben. Seiner Ansicht nach ist eS gerechtfertigt, daß die Regierung eine Aktton unternommen hat. ES ist aber sehr bedauerlich, daß die Außenpolitik in England in dem wichtigsten diplomatischen Akt seit dem Kriege vom Innenministerium und nicht vom Außenministerium diktiert worden ist. Der Abbruch der diplomatischen Beziehungen fft bet ernsteste Schritt, der in England unternommen worden ist. Er ist eines der riskantesten Dinge, die je von einer Regierung ohne Ueberlegung unternommen wurde, in einer Zeit, wo die Lage sich zweifellos besserte. Bevor sie diesen endgültigen Schritt unter- nahm, hätte die Regierung einen ober zwei Schritte vor einem vollständigen Bruch der Beziehungen tun müssen. Die Wirkung wird sicher die Ver- doppeluna und Verschärfung ber Pro- paganba fein. Wie denkt sich die Regierung die Wiederaufnahme der Beziehungen? Die Regierung hat in ein unruhiges Europa diesen Zankapfel geworfen. ES ist als Spr ung ins Dunkle und in einen Strubel.
Die russische Antwort.
Eine Erklärung des Londoner Sowjetgeschäftsträgers.
Der SowjetgeschästSttäger in London veröffentlicht eine Erklärung, in der allen Anschuldigungen Baldwins widersprochen und behauptet wird, daß
und nach Kronstadt gesandt werden. Die Maßnahme wird als Vorspiel von Feindseligkeiten zwischen Großbritannien und Sowjetruß- land angesehen.
Erklärungen Litwinows.
Aus Moskau wird gemeldet: In Beantwortung von Anfragen anläßlich des Beschlusses der britischen Regierung über den Abbruch der englisch- russischen Beziehungen erklärte Litwinow nach einer Meldung der Telegraphenagentur der Sowjetunion Vertretern der Sowjetpresse gegenüber:
Ter Beschluß Englands ist als logischer Abschluß jener sowjetfeindlichen Politik zu betrachten, die die gegenwärtige konservative Regierung Englands seit dem Tage führt, da sie ihre Wähler mit Hilfe von gefälschten Dokumenten betröge n und damit die Macht erlangt hatte. Der Abbruch der diplomattschen Beziehungen kann nicht anders denn als eine sorci erte KriegSvorberei- tung angesprochen werden. Angesichts der Rede Baldwins unterliegt eS keinem Zweifel, daß der Bruch nicht daS Ergebnis des UeberfallS auf die ArcoS ist, sondern daß im Gegenteil der UeberfaK selbst als Vorbereitung deS Abbruches ausgeführt wurde. Litwinow toieS weiter die gegen die Han- betsbelegatieon in London erhobenen Beschuldigungen der Spionage als böswillige Verleumdungen zurück und betonte, der UeberfaK auf die Arcos habe diese Beschuldigung nicht als wahr erwiesen. Wenn die englische Polizei, wie Baldwin behauptet, sogar die Namen der Angestellten der Handelsdelegation, die sich mit Spionage beschäftigten, kannten, weshalb zieht sie diese nicht zur Verantwortung und übergibt sie nicht dem Gericht? Sie tut dies nicht, weil keine derartige Beweise vorliegen. Die Sowjetunion wird alle Maßnahmen treffen, um nicht überrumpelt zu werden.
Frankreichs Haltung.
wtb. Paris, 27. Mai. (Eig. Funkm.) Die rechtsstehenden Blätter, allen voran der „GauloiS", sordern den Bruch mit Moskau und die Entfernung der russischen Handelsdelegation und diplomatischen Missionen, die seit drei Jahren Frankreich vergifteten. Die linksstehende Presse betont jedoch nach der gestrigen Absttmmung im Unterhaus nochmals, daß Frankreich eine unabhängige Aussenpolitik treiben müsse. „Oeuvre" schreibt: Bei dem englisch-russischen Konflikt handelt eS sich nur um eine Phase deS alten Kampfes zwischen London und Moskau. „Duotibien“ schreibt: ES ist zu beklagen, baß man in England nicht an den Frieden gedacht hat, bevor man sich zur Befriedigung vielleicht natürlicher Rancunen hat verleiten lassen.
Abreise Tschitscherins aus Paris.
wtb. Paris, 27. Mai. (Eig. Funkm.) Tschit- scherin hat gestern abend Paris verlassen, um sich nach Frankfurt a. M. zu begeben, wo er sich wahrscheinlich einige Tage aufhalten wird, ehe er die Rückreis e nach Moskau antreten wird.
Deutschlands Rolle.
wtb. Berlin, 27. Mai. (Eig. Tunkm.) Der Botschafter der Union der sozialistischen Sowjet- Republiken, Krestinski, sprach heute im Auswärtigen Amt vor, um den Wunsch seiner Regierung zu übermitteln, daß die Reichsregierung angesichts des Abbruchs der Beziehungen zwischen der britischen Regierung und der Sowjet-Regierung die deutsche Botschaft in London mit der Wahrnehmung der russischen Interessen in England beauftragen möge. Die Reichsregierung hat diesem Wunsche entsprochen.
* Kriegsminister a. D. von Stein gestorben. Aus Brandenburg a. d. Havel meldet uns eine Funkmeldung: In der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag verstarb in L e h n i n (Mark) der Kriegsminister a. D. und erster Generalquartier, meister im Weltkriege, General der Artillerie Dr. von Stein im 73. Lebensjahre.
Wirths Königsberger Rede.
Von der Meldung, daß sich die Parteileitung des Zentrums auf eine Beschwerde der deutsch- nationalen Parteileitung hin sich an Dr. Wirth wegen seiner Königsberger Rede gewandt habe, wurde hier schon Notiz genommen und die Unwahrscheinlichkeit des Vorgangs in der gemeldeten Form hervorgehoben. Die „Germania" schreibt jetzt zu der Angelegenheit: Ueber die Rede, die Dr. Wirth am 15. Mai in einer Reichsbanner- Versammlung in Königsberg gehalten hat, waren Berichte veröffentlicht worden, die, wenn sie zutreffend waren, Befremden erregen mußten. Unter anderem sollte Wirth zum baldigenSturz der gegenwärtigen Reichsregierung aufgefordert haben. Der Fraktionsvorstand des Zentrums hat sich alsbald nach Bekanntwerden mit der Rede Dr. Wirths beschäftigt, und den Parteivorsitzenden Dr. Marx gebeten, den Wortlaut der Rede Wirths festzustellen. Daraufhin hat Reichskanzler Marx Herrn Dr. Wirth die Bitte vorgetragen, chm umgehend eine Mitteilung darüber
zugehen zu lasten, ob die erwähnten Steuerungen tatsächlich von ihm gemacht worden seien. Die Meldung, daß die deutschnationale Parteileitung bei der Leitung der Zentrumspartei vorstellig geworden sei, ist unrichtig, wie auch aus der nachfolgenden Feststellung der deutschnationalen Pressestelle hervorgeht:
„Der Relchsdienft der deutschen Presse hat am 24 Mal abends gemeldet, daß die deutschnationale Parteileitung bei der Parteileitung des Zentrums gegen Dr. Wirth wegen seiner Rede Beschwerde erhoben hat. und daß das Zentrums ihrem Verlangen, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, entsprochen hat. Wie der T. D. N. Z. von der Parteileitung der Deutschnationalen Volkspartei erfährt, hat diese keinen Schritt in dieser Richtung getan, da sie sich grundsätzlich der Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Parteien enthält."
Es ist zwar richtig, daß sich auch der interfraktionelle Ausschuß der Regierungsparteien mit der Königsberger Rede Wirths beschäftigt hat, aber erst, nachdem der Vorstand der Zentrumsfraktion von sich aus die Klärung der Angelegnheit in die Hand genommen hatte. Von einer Einmischung der Deutschnationalen in die inneren Angelegenheiten des Zentrums kann, wie ja auch die Veröffentlichung der deutschnationalen Pressestelle fest» stellt, nicht gesprochen werden. Ein Versuch anderer Parteien, die Redefreiheit eines Zentrumsabge- ordneten irgendwie einzuschränken, würde selbstverständlich vom Zentrum entschieden a b gelehnt werden, da das Zentrum für sich dasselbe Recht in Anspruch nimmt, wie die Rechtsparteien für ihre Angehörigen.
Mussolini spricht.
wtb. Rom, 27. Mai. (Eig. Funkm.). In einer Rede in der Kammer sprach Mussolini u. a. von den neu geschaffenen 17 Prower". In diesem Zusammenhang beschäftigte sich Mussolini nut Bozen. Dalsano oder Bolgiano sei ein alter Name. Bol- giano sei Jahrhunderte hindurch eine durchaus italienische Stadt gewesen, seine Verdeutschung (et erst erfolgt, als in der zweiten Hälfte des oergange, nen Ährhunderts Oesterreich, nachdem es Venetien verloren hatte, Südtirol und Trient gewaltsam germanisieren wollte, um zwischen zwei ttalie- nischen Provinzen eine Enklave zu haben. Das alles hat jedoch, fuhr Mussolini fort, nichts mit der Brenner-Grenze zu tun. Selbst, wenn es im schlimmsten Falle in Südtirol Hunderttausende von Deutschen gäbe, so tst die Brenner-Grenze heilig und unverletzlich (Lang anhaltender Beifall) und wir werden sie, wenn es nötig wäre, oertewigen, sogar mit einem Krieg, sogar schon morgen. (Bei- ^Mussolini redet deshalb so leichtherzig von „Krieg, weil er überzeugt zu sein scheint, daß niemand in der Tat Krieg anfangen wird. Die Statiner selbst haben vorerst vom Weltkrieg her, wo sie schwere Schläge empfingen und zu Hunderttaufenden in deutschen Gefangenenlagern vor Kalte mit den Zähnen klapperten, wohl keine große Kriegsbegeisterung mitgenommen.
Nach weiteren Meldungen hat Mussolini u. a. noch gesagt: _ ....
Obwohl im Volk eine immer bewußtere Selbstdisziplin vorhanden ist, muß ich mir die Aufgabe, das italienische Volk zu regieren, koch für 1 Voder 15 Jahre sichern. Dies ist notwendig. Mein N a ch f o l g e r ist noch n i ch t geboren. Ich habe eine genau umriffene Aufgabe: Die bewaffneten Kräfte der Nation müssen auf den Zustand höchster Bereitschaft gebracht werden. Wirtschaftlich und finanziell muß unsere Rüstung vollendet fein, und schließlich müssen konstitutionelle Reformen durchgeführt werden. Mussolini berührte dann die Konferenz von Locarno und erklärte anschließend: Jetzt, wo kaum zwei Jahre verflossen sind, rüsten die Locarnovölker zu Lande und zur See. Der große Aufmarsch in Berlin liegt erst ganz kurze Zeit zurück. lGemeint ist der „Stahlhelmtag".) Bei dieser Veranstaltung wurde eine Tafel mit der Inschrift „Von Triest bis Riga" mit- geführt. Das ist eine paradoxe Renommiererei, aber es ist immerhin eine Tatsache. Deshalb ist es die wichtigste Pflicht des faschistischen Italien, seine Land-, See- und Luftstreitkräfte auf den Zustand höchster Bereitschaft zu bringen. Wir müssen in der Lage fein, im gegebenen Augenblick 5 Mil- lionen Mann zu mobilisieren und mit Waffen zu versehen. Wir müssen unsere Marine verstärken und unsere Luftflotte muß so gewaltig werden, daß ihre Flügel die «o n n e verdunkeln. Nach einigen währungspolitischen Bemerkungen erklärte bann Mussolini noch: Wir haben den korporativen Staat geschaffen und es erhebt sich die Frage nach dem Parlament für diesen Staat. Die gegenwärtige Kammer wird bis zum Ende der Legislaturperiode bestehen, aber es ist klar, daß die Kammer von morgen der derzeitigen nicht ähnlich fein kann. Wir geleiten feierlich die Lüge vom demokratischen allgemeinen Stimmrecht zu Grabe. Alles im Staat, nichts gegen den Staat, nichts außerhalb des Staates, nur der Staat ist es, der den Völkern ihre Kraft gibt. In 10 Jahren wird man Italien nicht wieder er- kennen, denn wir werden nicht nur sein Antli.z, sondern auch feine Seele völlig verändert haben.
Die uneingeschränkte Proklamation der Staats- allmacht trägt Spuren des Größenwahnsinns an sich- __________________________________
Masaryk wiedergewahlt.
Der Präsident der tschechoslowakischen Republik.
wtb.prag, 27. Mai. (Eig. Funkm.). Der bis- herige Präsident Thomas Masaryk wurde in erstem Wahlgang mit 274 für die neue siebenjährige Funktionsperiode zum Staatspräsidenten der Tschechoslowakei wiedergewählt. Die erforderliche dreifünftel Mehrheit betrug 253. An der Wahl nahmen 434 Abgeordnete und Senatoren teil. Es wurden 435 gültige Stimmen abgegeben, 104 Stimmzettel waren leer.
Nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses begab sich der Ministerpräsident auf die Burg zur Emho- lung des wiedergewählten Präsidenten, der den Eid auf die Verfassung zu leisten hat.
Masaryk, der früher in Prag Unioerfitatspro- feffor war, hat nach dem Ausbruch des Weltkrie- ges Oesterreich verlassen und in den Ententelän- bern die Propaganda für den unabhängigen Tsche» schenstat geleitet Bis zum Kriegsende wurde er wegen Hochverrats von Oesterreich verfolgt, bis er im November 1918 im Triumph nach Prag zurück- kehrte und zum Präsidenten der unabhängigen Tfchechei geroält wurde. Jetzt ist also feine Amts- zeit auf weitere sieben Jahre verlängert worden.
Der Slaggenftreit iti Siid-Rfrika.
Buten und Engländer.
wtb. London, 27. Mai. (Eig.Funkm.). „Daily Mail" berichtet aus Kapstadt, alle Hoffnungen auf Erzielung einer freundschaftlichen Regelung in dem Flaggenstreit zwischen Buren und Engländern sind nach'der erbitterten Rede des Finanzministeks Navenga in der Parlamemsdebatte über die Flag- genoorlage geschwunden, der bisher als der gemäßigte Mann im Kabinett angeieben wurde Die öffentliche Stimmung ist bis zum Siedepunkt erhitzt. Es wird von der Möglichkeit eines Bürgerkrieges gesprochen, falls die Flaggenvor- tage Gesetz wird. Eine Volksabstimmung würde fast sicher zur Annahme des Flaggenentwurfes der Nationalisten führen, da die Engländer und die gemäßigten Buren in der Minderheit sind.