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Anzeiger für die Stabt Fulda unb ben Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Nr. 120.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk.

Mittwoch, 25. Mai 1927.

Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Colonel) lokal 0,15 JLH, auswärts 0,20 JUt. Reklamezeile: lokal 0,60 JO, auswärts 0,80 5Ut. Bei Wiederbolungen Rabatt. :-: Postscheckkonto Franksurt a. M. Nr. 4051.

54.Zahrg.

Stresemann; Außenpolitik.

Nochmalige Anrufung des Haager Schiedsgerichts?

Wie der Demokratische Zeitungsdienst erfährt, wird zurzeit im Finanzministerium erwogen, ob und in welcher Form die deutsche Regierung noch einmal das Haager Auslegungsschiedsgericht für den Dawesvertrag in der Frage der Entschädigung des Reiches an die Reichsangehörigen wegen Ein­behaltung, Liquidation oder Uebertragung der deut­schen Rechte und Interessen anrufen soll. Das Haager Schiedsgericht hatte in seinem Spruch vom 29. Januar d. I. entschieden, daß auf die Jahres­zahlungen nicht anzurechnen wären „die Entschädi- gungen, die das Deutsche Reich nach dem 1. Sep­tember 1924 bezahlt hat oder zahlen wird". Es bleibt demnach die Frage offen, ob die deutschen Liquidationszahlungen, die vor dem 1. Sept. 1924, dem Tag des Inkrafttretens des Dawesver­trages, geleistet sind, angerechnet werden oder nicht, ob also Deutschland aus dieser Zeit noch Guthaben hat.

Die Zerstörungen der Ostunterstände.

Wie Reuter zu der Erklärung Deutschlands, daß die Militärsachverständigen kein legales Recht haben, die Zerstörungen der Ostunterstände fest­zustellen, erfährt, ist die britische Haltung die, daß Deutschland gut beraten wäre, wenn es feinen guten Willen dadurch kundtun würde, daß es die Militärsachverständigen ein­lädt, den Stand der Zerstörungen in Augenschein zu nehmen. Man hat zwar noch nichts Endgültiges davon gehört, daß etwa vereinigte Vorstellungen in diesem Sinne gegen- wärtig gemacht werden, die allgemeine Auffassung ober ist, daß etwas derartiges unternommen wer­den sollte. c

Ehrung Stresemanns.

Der Verband sächsischer Industriel­ler hat anläßlich seines 25jährigen Bestehens dem früheren Syndikus des Verbandes, Reichsaußen- ninister Dr. Stresemann, die Urkunde über die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft zugleich mit .inem Ehrengeschenk des Verbandes zugedacht. Die Ueberreichnng der Ehrenurkunde erfolgte am 21. Mai in einer Festsitzung des Gesamworstandes. Er, Stresemann erwiderte auf die Worte des Verbandsvorsitzenden in einer Rede, in der er die Bedeutung des Verbandes als zusammenfassende Organisation des großen deutschen Wirtschaftsge­bietes hervorhob und der Hoffnung Ausdruck gab, daß die Einzelpersönlichkeit rm Wirtschaftsleben, wie sie gerade in der sächsischen Industrie verkörpert ist, noch lange erhalten bleibe.

* Das Deutschlandlied im besetzten Gebiet. Am letzten Tage der D ü r e n e r Verkehrs- und Werbe- wvche hatte der französische Besatzungsbefehlshaber auf Antrag der Stadtverwaltung das Absingen des Deutschlandliedes vor dem Rathause gestattet. Es ist wohl das e r st e m a l, daß im Bereiche der fran­zösischen Besatzungszone eine derartige Erlaubnis erteilt wurde.

* Das Ergebnis der Wahlen in Mecklenburg. Die Wahlen in Mecklenburg, die durch die Land­tagsauflösung notwendig geworden waren, haben folgendes Ergebnis gehabt: Sozialdemokraten 21 (bisher 20), Demokraten und Mieter 4 (bisher 3), Kommunisten 3 (bisher 3). Das sind zusam­men 28 Mandate. Alle übrigen Gruppen verfügen über 24 Mandate, nämlich die Deutschnationalen über 11 (bisher 12), Volkspartei 4 (bisher 4), Wirt­schaftspartei 6 (bisher 3) und Völkischen 3 (bis­her 5). _________________________

* Die Präsidentenwahl in Chile. Nach den vor­läufigen Ergebnissen der Präsidentenwahl in Chile ist Oberst Carlos I b a r e z mit großer Mehrheit gewählt.

* Friedensschluß in Nicaragua. Einem in Hamburg eingetroffenen Kabeltelegramm zu­folge teilt die Regierung von Nicaragua mit, daß unter Mitwirkung der Amerikaner der offizielle Fried en sschluß zwischen der konservativen und liberalen Partei erfolgt sei.

Um die Handelsverträge.

Zur Frage der deutsch-französischen Handels- vertragsverhandlnngen.

Das französische Handelsministerium läßt eine Nachricht verbreiten des Inhalts, die seit einigen Wochen ruhenden Verhandlungen über den endgül- tigen deutsch-französischen Handelsvertrag würden im Handelsministerium wieder ausgenommen werden.

Da die deutsche Wirtschaftsdelegation sich nicht kn Paris befindet und auch vorerst deren Ankunft in Paris nicht an gekündigt ist, entspricht diese Nach­richt n i ch t den Tatsachen. Auch ohne die Anwesen­heit der deutschen Unterhändler findet auf diploma- tischem Wege, wie bereits wiederholt berichtet, von Zeit zu Zeit eine Fühlungnahme mit dem franzö- sischen Handelsministerium statt, indes ist unter den gegebenen Umständen auch nicht unwahrscheinlich, daß nach Rückkehr des Ministerialdirektors Ser- tut)5 aus Genf ein derartiger Kontakt stattfinden werde. Das bedeutet aber nicht die definitive Wie­deraufnahme der Verhandlungen, die ja zum Teil eine Unterbrechung erfahren haben wegen der noch nicht geklärten Ausnahme, die das französische Par­lament dem neuen Zolltarif bereiten wird.

Deutsch-po'nische Verhandlungen.

Am 20. Mai 1927 wurden im Auswärtigen Amt die Verhandlungen zwischen Deutschland und Polen über Fragen der Aufwertung und die damit zu­sammenhängenden Gebiete eröffnet. Auf deutscher Seite führte den Vorsitz Geheimrat Dr. Zechlin, auf polnischer Seite Dr. von Pradzynski. Die Ar­beiten, die ein bedeutendes Gebiet umfassen, wurden auf einige Unterkommissionen verteilt.

Abschluß in Gens.

Die Weltwirtschaftskonferenz ist Montag abend mit einer Schlußrede des Prä­sidenten Theunis abgeschlossen worden. Dieser be­tonte, daß die Beseitigung der Hindernisse des Handels- und Wirtschaftslebens mit dem doppelten Ziele der Belebung der Produktion und der Wie­derherstellung der Freiheit des Handels gemein­sam vereinbarte internationale Maßnahmen not­wendig macht. Wesentlich dabei sei, daß die Län­der sofort die Maßnahmen zur Abschaffung bezw. Verminderung der Zollmauern treffen. Ohne ein Gefühl des Vertrauens in einen dauerhaften Frieden werde es nicht möglich sein, jene Wohlfahrt wieder zu erreichen, die der heuti­gen Produktionsfähigkeit entspricht. Die Mitglie­der der Weltwirtschaftskonferenz seien durch An­nahme der Entschließungen eine moralische Ver­pflichtung eingegangen, die feierlich verkündeten Grundsätze zu propagieren und zu verteidigen.

Die Weltwirtschaftskonferenz hat in ihrer Schlußsitzung den schwedischen Antrag über den Zusammenhang zwischen wirtschaftlichem Wiederaufbau und Rüstungsaus­gaben, ferner die Einigungsformel des Verbin­dungsausschusses über Sowetrußland und eine Ent­schließung über die Durchführung der aus der Stellungnahme der Weltwirtschaftskonferenz sich er­gebenden Arbeiten angenommen. In der Gesamt­abstimmung über das vorliegende Entschließungs­werk einschließlich der Berichte der drei Hauptaus­schüsse für Handel, Industrie und Landwirtschaft und des vom Verbindungsausschuß ausgearbeite­ten allgemeinen Teiles wurden unter Enthaltung der sowjetrussischen und der türkischen Delegierten sämtliche Berichte und Entschließungen, die die Weltwirtschaftskonferenz genehmigt hat, angenom­men und beschlossen, das gesamte Material dem Völkerbundsrat zu überweisen.

wirtschaft und Rußland.

In der Schlußsitzung der Weltwirtschaftskonfe­renz hielt der schwedische Delegierte Derne eine Rede zur Begründung des schwedischen Ent­schließungsantrages über die Erschwerung des wirtschaftlichen Wiederaufbaus durch die R ü - stungsausgaben. Er wies darauf hin, daß feit 1923 keine Herabsetzung der Rüstungen einge­treten und daß im Gegenteil in zwei Staaten er­hebliche Mehraufwendungen für „.^ungsausgaben erfolgt feien. Heute würden in der ganzen Welt mehr als 19 M i l l i a r d en jährlich für m il i- tärifche Zwecke ausgegeben, d. h. fast der gleiche Betrag in Goldwährung wie vor dem Kriege, obwohl durch die Fried msoerträge inzwischen die militärischen Heeresformationen von vier Ländern wesentlich eingeschränkt worden seien Di» Weli- wirtschaftskonferenz könne schwerlich davon Abstand nehmen, ihrer Unruhe über diese hohen Rüstungs­ausgaben Ausdruck zu geben und beim Völk.w- bundsrat und bei den verschiedenen Regierungen auf die Wichtigkeit einer starken Herabsetzung die­ser Ausgaben mit Nachdruck hinzuweisen.

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Der frühere amerikanische Beobachter bei der Reparationskommission, Boyden, empfing nach Schluß der Weltwirtschaftskonferenz die Presse, um in seiner Eigenschaft als Führer der Delegation der Internationalen Handelskammer auf der Weltwirtschaftskonferenz eine kurze Erklä­rung über die Weltwirtscyaftskonferenz und ihre Ergebnisse abzugeben. Wenn die Männer von so verschiedenen Nationalitäten, so führte er dabei aus, diese dreiwöchigen Arbeiten in eine Reihe von Ent­schließungen über die wirtschaftlichen und Handels­fragen zusammenfassen, so ist damit ein praktischer Schritt vorwärts auf dem Wege der i n t e r n a tio- nalen wirtschaftlichen Zusammen­arbeit getan. Der nächste praktische Schritt be­steht in der E'greifung von Maßnahmen, durch die diese Entschließungen eine praktische Wirkung erzielen. Die I ternationale Handelskammer i ll durch ihre 24 Ländergruppen und ihre Mitglieder aus 43 Staaten auf diesem Wege praktische Arbeit leisten. Sie kann das umsomehr, als die Ent­schließungen in vieler Hiusicbt mit dem von der In­ternationalen Handelskammer vorgelegten Bericht über die Zollschranken und ihre Befe''«gung 'n Einklang sind. Die Internationale Handelskam­mer tritt am 26. Juni zu ihrem nächsten Kongreß in Stockholm zusammen und zweifelt nicht daran, daß das Werk der Weltwirtschaftskonferenz für den Stockholmer Kongreß von Vorteil sein wird und daß dieser wiederum die Arbeiten der Weltwirt­schaftskonferenz noch wirksamer gestalten wird.

Die Abreise der Delegierten.

wtb. Genf^ 24. Mai. (Eig. Funkm.) Die deut­schen Delegierten und Sachverständigen bei der Weltwirtschaftskonferenz sind heute vormittag nach Berlin abgereist. Zahlreiche Delegierte anderer Länder haben Genf gestern abend verlassen. Nur die russischen Delegierten fahren erst Mittwoch vor­mittag ab. Sie werden sich dem Vernehmen nach in Berlin aufhalten, wo sie voraussichtlich vor ihrer Reise nach Moskau mit T s ch i t s ch e r i n Zu­sammentreffen. ___

♦ Internationale Konferenz der Kriegsgefange­nen. Wie Havas aus Luxemburg berichtet, hat die internationale Konferenz, auf der Deutschland, Frankreich, England, Amerika und die Tschechoslo­wakei vertreten waren, am 21. und 22. Mai in Luxemburg getagt und sich mit der Frage der in Sibirien zurückgebliebenen Kriegsgefangenen und mit der Frage der Schaffung eines internationalen Rechts für die Kriegsgefangenen (Liga des Blauen Kreuzes) beschäftigt. Die Entschlie­ßungen sind im Geiste der Verständigung und des Pazifismus gefaßt worden.

England und Rußland.

Vollsitzung des englischen Kabinetts.

Am Montag janb in London eine Vollsitzung des englischen Kabinetts statt, die den Beratungen der Beziehungen zu Rußland galt. Es wird berichtet, daß der Innenminister seinen Mini­sterkollegen mitteilte, was er im Unterhause über die Frage der Haussuchung im Arcos, gebäude zu sagen gedenkt. Es verlautet fer­ner, daß auch die diplomatischen Folgen der Haussuchung und die entscheidende Frage eines endgültigen Bruchs mit der Sowjetregierung wie­der geprüft wurden Es ist bisher nichts darüber bekannt, ob die Meinungsverschiedenheiten des Kabinetts über das zu verfolgende Verfahren bet« gelegt worden sind oder nicht. Der Entwurf des Foreign Office für die Antwort auf die Protest­note der Sowjetregierung lag dem Kabinett vor.

Keine russischen Bestellungen mehr in England.

Telegraphenagentur der Sowjetunion' meldet aus Moskau: Der Volkskommissar für Handel, Mikojan, richtete an den Handelsvertreter in Lon- don die Verordnung, sich neuer Bestellungen unter den englischen Industriellen zu enthalten.

*

In London ist der Wortlaut der Ermächtigung veröffentlicht worden, die der Friedensrichter der Polizei in der Angelegenheit der Durchsuchung der Arcosgebäude gegeben hatte. Es heißt darin: Auf­grund eidlich bekräftigter Aussagen ist hinreichen­der Grund für den Verdacht gegeben, daß im Ge­bäude der Arcos und der russischen Handelsdele­gation Vergehen gegen den Akt von 1911 betref­fend Amtsgeheimnisse begangen wurde oder bevorsteht. Die Polizei wird infolgedessen er­mächtigt, das erwähnte Gebäude, wenn nötig mit Gewalt zu betreten und die Räume und die darin befinMidjen Personen zu durchsuchen, sowie alle Schriftstücke mit Beschlag zu belegen, die den Be­weis für das erwähnte Vergehen bilden oder bei­den könnten. ________

Der sozialdemokratische Parteitag.1

Mit einer von mehr as 8000 Personen besuchten großen öffentlichen Kundgebung in der Kieler Nordostfeehalle begann der diesjährige Parteitag der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, zu dem mehr als 400 Delegierte aus dem ganzen Reiche eingetroffen fino. Unter den Gästen befin­den sich auch zahlreiche Vertreter aus dem Aus­lande, u. a. aus Italien, Frankreich, dec Tschecho­slowakei und Rußland.

Am Montag nahm die Tagung in dem mit roten und schwarz-rot-goldenen Fahnen geschmück­ten großen Saale des Gewerkschaftshauses die eigentlichen Arbeiten auf. Zuerst erstattete Otto Wels den Bericht des Parteivorstan- d e s. Eine Einigung mit der kommunisti­schen Partei sei heute n i ch t,d e n k b a r. Der Kampf der Partei gehe um den Sozialismus, die Demokratie und die Arbeiterschaft. Heute sei der Zeitpunkt besonders günstig hinsichtlich der Ge­sinnung der chri ft lichenArbeiterscha ft. Unter dem lebhaften Beifall des Parteitages schloß der Parteivorsitzende seine Ausführungen mit dem Aufruf zum gemeinsamen Denken und Handeln aller Hand- und Kopfarbeiter, um die Massen des Volkes für den Sozialismus zu gewinnen.

Darauf erstattete Regierungspräsident K r ü • g e r-ßüneburg den Organisations- und Kassen­bericht. Er teilte mit, daß die Gesamtpartei im Jahre 1926 eine Einnahme von rund 8,5 Millionen hatte. Danach kommt pro Kopf des Parteimitglie­des, auf ganz Deutschland gerechnet, ein Betrag von über 1 0 M a r k p r o I a h r für die politische Or­ganisation. Das fei eine Leistung, auf die die sozialistische Partei stolz ist. Vom Jahre 1924 bis 1927, also in drei Jahren, habe die Partei für Wahlen, Volksentscheide usw. über fünf Millionen Mark ausgegeben.

Die Laos in China.

Miles Lampson, der englische Gesandte in Pe­king, hatte in Schanghai mit dem Vizeadmiral Tyr- whitt und dem Kommandanten der chinesischen Flotte, sowie mit Newton, dem früheren britischen Vertreter in Hankau, eine lange Unterredung.

Nach Meldungen aus Nanking soll Tschang- k a i s ch e k gegen die Nordtruppen einen glänzen­den Sieg davongetragen haben. Er soll den Ge­neral der Nordtruppen, Tschangtsungtschang, gegen Hsuchowf» zurückgeschlagen haben, nachdem er Pengpu in der Provinz Anhwei eingenommen hat.

vevölkerungszah! Japans.

Die Agentur „3nbo Pacific" meldet aus Tokio: Die öffentliche Volkszählung weist eine Ver­mehrung der Bevölkerung Japans selbst, also ohne die Kolonien, um mehr als eine Million Einwoh­ner im Jahre 1926 auf. Die Gesamtbevölkerung übersteigt 60 Millionen. Die Sterblichkeit ist im Vergleich zu 1925 schwächer, der Geburtenzuwachs höher. ________________________

• Bayern und die Portoerhöhung. Im b a y e • rischen Landtag teilte Ministerpräsident Dr. Held mit, daß die Staatsreqierung ihre Vertreter im Terwaltungsrat der Reichspost anweisen werde, der in Aussicht stehenden Gebührenerhöhung nur dann zuzustimmen, wenn der zwingende Beweis erbracht wird, daß ohne Gebührenerhöhung die Fortsührung des Post- und Telegraphenverkehrs in einem den Bedürfnissen der Wirtschaft entspre­chenden Rahmen ausgeschlossen ist. Preußen hat sich bekanntlich noch in der letzten Sitzung des Landtages gegen eine Erhöhung der Portogebühren ausgesprochen, sodaß für eine Annahme der Vor­lage sehr wenig Aussicht besteht

Krieg, ein nationales verbrechen.

Die vereinigten Staaten und die Abrüstungs­konferenz.

Die „Wrold" erfährt aus Washington, daß die Bereinigten Staaten der Beschränkung der Linienschiffe auf 25000 Tonnen und derjeni­gen der Kreuzer auf 10 000 Tonnen zustimmen werden. Japans Wunsch nach Erhöhung auf 5 zu 5 zu 4 käme nur für kleine Unterefeeboote zur Küsten Verteidigung in Betracht Gegen die Erhöhung anderer Typen würde Amerika sich sträuben, aber die Delegation gehe nicht mit einem festen Programm nach Genf. Sie sei beauftragt, auch inoffizielle Wünsche Italiens und Frankreichs zu berücksichtigen. *

Unter den Auspizien der Völkerbundsunion wurde in London die Konferenz zur Begrenzung und Herabsetzung der Rüstungen abgehalten, an der viele hervorragende Persönlichkeiten teilnah­men. Unter den Anwesenden befanden sich Lord Parmvor, Viscount Cecil, der Luftfahrminister Samuel Hoare, der Vorsitzende des Unterausschus­ses A der vorbereitenden Abrüstungskommisfion des Völkerbundes, Louis de Brauetere. Lord Pannoor sagte, wir müssen den Krieg nicht zu etwas machen, worüber sich die beteiligten Natio­nen zu verständigen haben, sondern zu einem n a- tionalen Verbrechen gegen den Grundsatz des Völkerbundes. Broucfere erklärte, über die vom Unterausschuß bearbeitenden Fragen sei ein positives Ergebnis nicht erreicht worden. Auch untei den günstigen Umständen seien nur langsame Ford schritte zu erwarten. 2lber es gibt eine Zeitgrenze Wir müssen greifbare Ergebnisse erreichen, benot wir den Krieg auf dem Halse haben. Die Kräfte, die auf einen Krieg hinarbeiten, sind immer deut­licher zu erkennen und wir befinden uns in genau derselben Lage wie vor dem großen Kriege. E- ist ein Wettlauf zwischen Frieden uni Krieg, und das Ergebnis ist alles andere al- sicher. ie

Das Journal of Conunerce weist in einem Artikel auf die außergewöhnliche Höhe der vom Reparationsagenten im April vorgenommenen Bartransferierungen hin und führt dieselben auf den im Ausland bestehenden Widerstand gegen deutsche Naturalleistungen zurück. Wenn dies jedoch ein dauernder Zustand werden sollte, würde, wie das Blatt betont, der Dawes- plan sehr bald schwere Belastungspro­be n zu bestehen haben. Die Reichsbank werde vielen schwierigen Problemen gegenüberstehen, wenn sie dem Reparationsagenten und der Ge­schäftswelt Transferkredite in einer Zeit gewäh. ren wolle, in her die Devisenkurse sich auf einen regen Export eingestellt hätten. Schon die April­transferierungen hätten zu pessimistischen Voraus- sagen Anlaß gegeben.

Die deutsche Landwirtschaft.

Rede des Reichsernährungsminister Dr. Schiele in Dortmund.

wtb. Dortmund, 24. Mai. (Eig. Funkm.) Zur Eröffnung der 3 3. Landesausstellung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft überbrachte der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft zunächst Grüße und Wünsche des Reichspräsiden­ten und der Reichsregierung und führte u. a. fol­gendes aus: ,

Die Wahl Dortmunds für die Ausstellung bringt in besonders glücklichem Zusammentreffen die na­turgegebene Verbundenheit zwischen Industrie und Landwirtschaft zum Ausdruck. In der Erkenntnis der Solidarität zwilchen Industrie und Landwirtschaft und in dem Bekenntnis zu solcher Solidarität liegt heute das Schicksa 1 Verbeut- schen Wirtschaft beschlossen. Der schwere Kampf der Landwirtschaft um ihre Lebensbedin­gungen wird letzten Endes geführt nicht nur Für die Zukunft unserer Bauern, sondern für die Zu­kunft unseres ganzen deutschen Volkes in Stadt und Land. Es gibt keinen wirklichen Gegensatz zwischen Berbroudjer und Erzeuger. Die Not des einen ist in der Tat die Not des andern. Sie Ausstellung gibt Kunde von den riesenhaften An­strengungen, die die Landwirtschaft im Verein mit der Wissenschaft und Technik vollbracht hat. um dem großen Ziel näher zu kommen, unserem Volke die wahre Unabhängigkeit der Exstenz zu er­kämpfen und zu sichern und zeigt, daß in den engen Wechselbeziehungen zwischen Industrie und Landwirtschaft das wichtig st e Tätigkeits­feld der Industrie liegt, daß die deutsche Landwirtschaft das g r ö ß te und sicherst« Absatzgebiet für Industrie und Gewerbe, di« zuverlässigste Stütze des Binnenmarktes ist.

* Die Beamtenbefoldung. Wie die „National- liberale Korrespondenz" mitteilt, hat sich am 21 Mai der Vorsitzende der Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei, Reichsminister a. D. D r. Scholz, in Begleitung des Abgeordneten M o - r a t h zum Reichsfinanzminister Dr. Köhler be­geben, um ihm im Auftrag der volksparteilichen Reichstagsfraktion die Forderung zu unterbreiten, die Befoibungsooriage für die Reichsbeamtenfchoft den gesetzgebenden Körperschaften so zeitig vorzu­legen, daß sie am 1. Juni in Kraft treten kann. Der Reichsfinanzminister erklärte sich nach Beendigung der Aussprache bereit, das Vorgetra­gene im Kabinett zur Sprache zu bringen. Es ist zu erwarten, daß er nach dem Wiederzusammen- tritt des Reichstags eine bindende Erklärung des Reichskabinetts bezüglich des Zeitpunktes, von dem an die erhöhte Besoldung gewährt werden soll, ab­aeben wird.