NWlmiMtt io M. (mH Zllllstr. Mw 15 M.)
Anzeiger für die Stabt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Areisblakk.
Nr. 119.
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Dienstag, 24. Mai 1927.
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S4.Zahrg.
Wahl - Ergebnis in Mecklenburg.
Am Sonntag wurde in Mecklenburg»Schwerin zum Landtag gewählt. (Es fehlen zum Wahl- ergebnis nur noch wenige ländlich« Bezirke. Vorläufiges Ergebnis: Sozialdemokraten 12t 196, Deutschnationalen 67 804, Deutschvölkische 1723!, Deutsche Dolkspartei 23754, Kommunisten 14 678, Wirtschaftspartei 32 496. Demokraten 8715, Gruppe für Dolkswohlfahrt 9848, Nationalsozialistische Arbeiterpartei 5473 Stimmen.
Die Aage der Ostfestungen.
wtb. London. 23. Mai. (Eig. Funkm.) „Times" berichtet, daß die Dolschafter Groß-Britanniens, Frankreichs und Italiens während der allerletzten Tage freu ndschaftli che Borstellungen gegenüber der deutschen Regierung über die Frage der Ost-Befestigungen machten.
Wie den Blättern mitgeteilt wird, sind tatsächlich sowohl in Berlin als auch in den alliierten Hauptstädten diplomatische Sondierungen über die Frage der Perstörungen der Ost-Unterstände im Gange. Dabei handelt es sich aber nur um lose Vorbesprechungen ohne entscheidenden Charakter. Mehr ist im Augenblick schon deshalb nicht möglich, weil der Bericht des Generals von Pawelsz über die Beendigung der Zerstörungen bisher noch nicht vorliegt. Es wird entschieden in Abrede gestellt, daß irgendwie eine Demarche oder ein Kollektivschritt der fremden Mächte bei der Reichsregierung erfolgt ist.
Line Ltresemann-Rede.
In Freiberg in Sachsen sprach Reichsaußen. Minister Dr. Stresemann. In einer Betrach- tung der Außenpolitik wandte sich der Minister mit besonderer Schärfe gegen die Ver- suche, die Arbeit der Reichsregierung dadurch zu stören und Unruhe in die Bevölkerung zu tragen, daß man gewisse Meldungen in deutschen Blättern als feststehende Meldungen der Reichsregierung in Zweifel ziehe. Das sei beispielsweise mit einer Meldung über angebliche Versuche zur P r i v a t i» sierung der Reichspost sowie mit der Mel- düng über angebliche französisch.englische Aufmarschpläne gegen Deutschland geschehen. Besonders verwerflich sei es, daß man in diesem Zusammenhang durchblicken ließ, wenn auch nicht die Regierung, so doch gewisse Politiker das betreffende Dokument in Händen hätten. Der Minister verurteilte ferner auf das nachdrücklichste die von einigen Blattern betriebene Hetze gegen den deutschen Botschafter in Amerika, Herrn v. Maltzan, der wiederholt auf Grund von Berichten, die, wie amtlich festgestellt worden ist, völlig entstellt waren, Gegenstand von Presseangriffen gerne [cn ist.
Die Russen in Genf.
Nach den privaten Besprechungen des Sonntag hatte Ossinski gegen Mitternacht eine Besprechung mit Theunis, des Präsidenten der Weltwirtschafts, konfersnz, bei der nach einer Mitteilung von ruf. fisther unterrichteter Seite die Schwierigkeiten bei- gelegt werden konnten, die durch die Abstimmung der russischen Delegationen gegen das Entschlie- ßungswerk der drei Hauptausschüsse entstanden waren. Aufgrund dieser Regelung wird, so Der- lautet von russischer Seite, die sowjetrussische Delegation sich bei der en bloc-Abstimmung über das Gesamtentschließungswerk der Stimme enthalten, während andererseits die Konferenz der am Samstag vom sogenannten Derbindungsausschuß einstimmig angenommen Einigungsformel in Bezug auf den bekannten fowjetrüfsischen Antra«, zustimmen wird. Die auf Montag vormittag an- gesetzte Vollsitzung der Konferenz wurde auf den Nachmittag verlegt. Der Montag Vormittag bleibt den Beratungen des Verbindungsausschusses Vorbehalten. Mit der Nachmittagssitzung wird die Weltwirtlchaftskonferenz wahrscheinlich abgeschlossen werden. _________________
* Der Reichslandbund fordert einen Zoll oon 2 Mark für Lartoffeln Auf der Tagung des Reichs' landbvndes in Berlin wurde, der ,3off. Ztg.' zufolge, eine Entschließung angenommen, die einen „wirk' lieben" Zollfchutz für die Landwirtschaft verlangt, und die Erhöhung des bishe.igen Kartofielzolles von 0,50 Rm. auf mindestens 2 Rm. je Doppelzentner fordert.
f * Ludendorff über die Ursache des Lrlegsaus- gangs. In der New-Parker Hem st- Zeitung „New Pork American" beginnt Ludendorff mit der Ber- öffentlichung einer Artikelreihe, in der er nachzu« weifen versucht, daß für die Niederlage Deutsch- lands im Wellkriege die Unfähigkeit der deutschen Diplomaten schuld sei. — Bisher hat Ludendorff immer die Juden und Jesuiten für die Niederlage verantwortlich gemacht.
Skgmelöung der roten Chinesen.
Aus englischer Quelle wird gemeldet, daß die Truppen der kommunistischen Regierung Hankau in der Richtung auf Tschantschau verlassen haben, worauf die Stadt von den N o r d t r u p» Pen besetzt wurde. Dorodin lei geflohen.
Aus Hankau meldet im Gegensatz zu dieser Nachricht Reuter das folgende:
Der Oberbefehlshaber der roten Truppen von Hankau gab bekannt, daß feine Streitkräfte in drei» tägiger Schlacht Tfchangtfoa Siping und das Gebiet längs des Fluffes Hungho erobert, 8000 Feinde töteten, 5000 Gefangene machten und zahlreich« Geschütze, Maschinengwebre und Munition erbeuteten. Die roten Truppen verloren 700 . Mann. Ihr« Dorhtt erreichte T s ch a u k i a k o w am Flusse Tashaso.
3« Ma Stunden über den Atlantischen Lzean.
Der Amerikaner Lindberg fliegt allein im Flugzeug von New-York nach Paris — Begeisterungsstürme — vor 20 Iahren bestaunte man einen $lug von 60 Metern.
Sim Samstag abend, 10,22 Uhr, ist der jugendliche Amerikaner Lindbergh, der allein den Flug über den nordatlantischen Ozean von Rewyork mi8 gewagt hatte, wohlbehalten in Paris angelangt. Di« Annmst hat sich aus dem Dariser Flugplatz Le Bourget zu einer Ovation gestaltet, die alle Grenzen überschritt. Im Augenblick der Landung durchbrach die auf 100 000 Personen geschätzte Menge dir Pvlizeikette und sucht« nach d«m Teil deS Flugplatzes zu gelangen, wo das Flugzeug niedergegangen war. Lindbergh wurde auS dem Flugzeug gehoben und, während man ihm eine ungeheure Ovation bereitete, im Triumph in eines der Verwaltungsgebäude getragen . Lindbergh erklärt«, er habe den Wunsch, der Mutter deS vermißten französischen Ozeanfliegers Nungesser einen Besuch abzustatten. Trotzdem die Menge ungestüm Verlangte, Lindbergh solle sich auf dem Balkon zeigen, geschah daS nicht. Der amerikanische Botschafter Myron T. Herrick erschien, um die Menge zu beruhigen. Lindbergh war übermüdet und ein auf dem Flugplatz zu feinem Empfang erschienener amerikanischer Arzt brachte chn unbeachtet in fernem Auto nach Paris, wo er am Grabe des Unbekannten Soldaten vorbeifuhr und dort einige Minuten verweilte. Kriegsminister Painlevtz hatte, sobald die Nachricht von der Ankunft Lindberghs «inAetroffen war, diesem durch seinen Kabinettschefseine Glückwünsche zu dem Gelingen des Fluges Rewyork- Paris auSvrücken lassen.
Lindbergh empfing in der amerikanischen Botschaft zwischen zwei und drei Uhr nachts einige amerikanische Journalisten. Rach "bem „Rewyork Herald" brachte er seine Verwunderung darüber zum Ausdruck, daß es ihm gelungen fei, in so kurzer Zeit den Ozean zu überfliegen. Er hätte nvj 500 oder 1000 Meilen wetterfliegen können. Während des Fluges habe er über Neuschottland und Neufundland besseres Wetter gehabt, als es daS Wetterbüw vorauSgesagt hatte, lieber dem Ozean sei er jedoch in einen Nebel ge- raten, den er durch Tiefer- ober Höhergehen nicht vermeiden konnte. Daraufhin sei er 1000 Meilen durch dichten Nebel geflogen. Im übrigen habe er oft die Höh« gewechselt. Bisweilen sei er in 10 Fuß Höhe über dem Meeresspiegel geflogen, und dann habe et sich wieder in einer Höhe von 10000 Fuß gehalten. Ein einziges Mal habe er in ber Nacht di« Lichter eines Schiffes auf hoher Gee gesichtet. Am Tage habe er kein Schiff bemerkt. Nach ber „Chieaav Tribüne" waren bie ersten Morte Linbberghs bei seiner Landung: „Bin ich hier? Ist daS wirklich Paris?".
Glückwunschtelegramm Coolidges.
Präsident Coolibq« hat an den Flieger Lindbergh «in Glückwunschtelegramm gesandt, in dem eS heißt: „DaS amerikanische Volk vereinigt sich mit mir in der Freude Über den glänzenden Abschluß Ihres Helden- haften Fluges. Der erste ununterbrochene Flug eines einzelnen Fliegers über den Ozean ist ein Rekord, ber ber amerikanischen Luftfahrt bi« Krone aufsetzt. Indem Sie Frankreich die Grüß« deS amerikanischen Volkes überbringen, geben Sie ihm gleichfalls di« Versicherung unserer Bewunderung für Die unerschrockenen Franzosen Nungesser und Coli, deren Kühnhett zum ersten Male daS Wagnis Ihrer Tat unternahm, und bekunden ebenfalls unsere andauernde Befürchtung wegen ihres Schicksals."
Di« 5=reube in Rewyork.
Ungeheure Menschenmengen auf dem Broadway sangen und jauchzten vor Freude, als bi« Meldung über die Ankunft Lindberghs eintraf. Tausende Rammelten sich vor den Nachrichtenbüros und lasen die Telegramme auS den anderen Stödten, wo eine gleiche unbändige Freude zum Ausdruck kam. Die Glocken läuteten und die Fabriken, Lokomotiven und SchiffS- sirenen pfiffen und heulten. Außer dem Waffenstill- standStag waren ähnliche Kundgebungen noch nicht erfolgt.
Angebot« an Lindbergh.
wtb. Rewyork, 23. Mai. (Eig. Funkm.) Lindbergh sind telegraphisch zahlreiche verlockende Angebote ge- macht worden, darunter für 400 000 Dollar von Music HaNS, für 200 000 Dollar von einer Filmgesellschaft, für 100 000 Dollar von Theatern, für 50 000 Dollar von einer Radiogesellschaft. Weitere bettächtliche Summen wurden ihm von Verlegern und Zeitungen angeboren. Der Gesamtwett ber ihm gemachten Anerbietungen wirb auf über eine Million Dollar geschätzt.
L'mbbergh war, als er fn Rewyork abflog, noch ein ganz unbekannter, junger Mann.
Minister beS Aeußern, Brianb, hat angeorbnef, daß auf dem Quai d'Orsay das Sternenbanner anläßlich der Ankunft Lindberghs gehißt werde, wäh- renb sonst nur beim Eintreffen von Staatsoberhäuptern in Frankreich die betreffenbe fremde Nationalflagge gehißt wird.
Zur Geschichte des Ozeansfluges schreibt unser Mitarbeiter:
Mit einer Maschine, die nur aus großer Entfernung demlffe Aehnlichkett mit einem heutigen Flugzeug besah, ffog vor wenig mehr als 20 Jahren — am 23. Oktober 1906 — ber damals als Freiballonführer schon bekannt« Drastlianer Santos Dumont bei Der- sailles den ersten Flug ber Menschheit 21 Sekunden lang. 60 Meter weit. Die Welt merkte auf! Es war also möglichst, den Crtooben mit einem Luftfahrzeug schwerer als Luft zu verlassen. Das Problem des dynamischen Fluges war gelöst.
Kaum mehr als ein Dutzend Jahre später statteten drei amerikanisch« Flieger, um über beten Nordatlantik hinweg Europa auf dem Luftwege zu erreichen. Seit- dem ist kaum ein Dezenium vergangen und stets blieb die Ueberfliegung des zwischen Europa und Amerika liegenden Weltmeeres ein Problem, das zu lösen für unternehmungslustige Flieger immer der größte Anreiz blieb, soweit es den nördlichen Atlantik betrifft und für die Flüge Flugzeuge, tticht Luftlchiffe benutzt wurden.
Es ist eine allgemein bekannte Tatsache, daß schon an den innerkontinentalen Lustverkehr große Anforderungen gestellt werden, zuweilen so gewaltige, daß die bisher gebauten, allerdings ausgezeichneten Maschinen Sie zu erfüllen nicht immer imstande sind. Der Gedanke les Luftverkehrs über Riesenstrecken, die Versuche, sein«
Deffen ungeachtet taucht von Zeit zu Zeit Ländern, die Luftfahrt treiben, der Wunsch
vielerlei Mögsichkeiten sofort zu erfassen, ist den bisherigen Leistungen der Flugzeugindustrie etwas vorausgeeilt und muß heute noch Halt machen an den von dieser gegebenen Tatsachen, der Konstruktion und Leistungssähigkeit der z. Zt. fliegenden Flugzeuge.
Deffen ungeachtet taucht von Zeit zu Zeit in allen
Es scheint, daß man schon kurze Zeit nach dem Kriege die Empfindung hatte, durch die manchmal überstürzte und nur auf Spezialsorderungen eingestellte Entwicklung ber Fliegerei während der Kriegsjahre sich an fliegerische Aufgaben heranwagen zu können, die ihrer Größe und Bedeutung nach noch im Schoße der Zu- kunft hätten ruhen müssen.
Jedenfalls ließ es zunächst den Amerikanern keine Ruhe. Die drei Leutnants Read, Bellinger und Towers machten sich Anfang Mai 1919 nach sorgfältigen Vorbereitungen, die sowohl die Maschinen rote besonders die Streckensicherung betrafen, auf den Weg nach Europa. Jedes ihrer Flugboote war mit vier Liberty-Motoren ausgerüstet, deren jeder 350 PS leistete. Sie rechneten mit einer Eigengeschwindigkeit von 130 Km. in der Stund«. Der Start der drei Maschinen fand ziemlich gleichzeitig in der Trepassey-Bucht auf Neufundland statt. Die Flugstrecke in Richtung Azoren war durch Torpedoboote kenntlich gemacht, die nachts Leuchtsignale gaben, sodaß die Flieger mit ähnlichen Navigationsver- hältniffen rechnen konnten röte heute die Derkehrspiloten auf den deutschen Nachtflugverkehrsstrecken. Read traf schon % Stunde nach dem Start mit seiner Führer- maschine auf das erste Torpedoboot, das ungefähr 100 Kilometer von ber Küste entfernt stationiert war. flog also mit etwas Rückenwind ca 145 Km. in ber Stunde. Die letzten 6 Stunden mußte das Flugzeug im Nebel zu- rücklegen, landete jedoch, nachdem es in 18)4 Stunden 2800 Km. durchflogen hatte, glatt bei Fayal auf den Azoren.
Die beiden anderen Flugzeuge hatten unterwegs aufgeben müssen und wurden durch die gut arbeitende Stre- cfenorganifation geborgen. Der Weiterflug von den Azo- ren nach Lissabon bot keine Schwierigkeiten mehr und galt schon damals als keine besonders zu wertende fliegerische Leistung.
Einige Tage später startete ebnfatls von Amerika aus der Engländer Hawker auf einem Sopwith-Doppelbecker in Richtung Irland. Motorschaden zwang ihn jedoch, unterwegs auf das Meer niederzugehen, wo er durch einen Dampfer aufgefifcht wurde. Ein anderer eng- lischer Flieger Rayharn machte schon bei feinem Start zu einem Fluge Amerika-Europa restlos Bruch.
Die durchaus verschiedenen Luftwege, die bei den ersten Versuchen einer Djeanüberfliegung eingeschlagen wurden, dürfen zu weit größtem Teil auf die SBetter- verhältniffe zurückzuführen fein, da sie sich genau nach der Lage der über den Ozean verteilten Hoch- und Tief- brutfgebiete und den damit verbundenen Luftströmungen und Störungsfronten richten müssen.
Ein glücklicheres Ereignis war ber Flug der beiden Amerikaner S m i th und Nelson, die im Verlause eines Weltrundfluges, als diese Art fliegerische Unternehmung bei allen Nationen sehr beliebt war, den Nord- atlatnif überquerte, allerbigns mit Zwischenlandungen auf Island und Grönland.
Neuerdings machte der französische Hauptmann Fonk viel von sich reden, der den Versuch machen wollte, von Newyork ohne Zroifchenlanbung nach Paris zu fliegen, um den 25000 Dollar-Preis zu gewinnen, den ber amerikanische Hotelier Raymund Orteig für diesen Flug ausgesetzt hat Als nach mehrmaligem Verschieben des Startes das Flugzeug, eine Maschine ber Sikorski Manufakturing Corporation, endlich auf die Reise gehen wollte, geriet es kurz nach dem Aufstieg in Brand und stürzte ab
Trotz diese erneuten Mißerfolges im Transozeanflug blieb der Gedanke daran road). Die beiden französischen Flieger Nrngesser und Coli, an sich vielleicht zwei ausgezeichnete Piloten, sind auf den Atlantik hinaus- m>n und in Amerika nicht an gekommen. Die en dieses bedauerlichen Unglücks sind zweifellos ebenso in der mangelhaften Beschaffenheit des Flug- zeugs wie auch in ber völligen Verkennung der Wetterlage zu suchen.
In Slmerifa rüstete man schon seit einiger Zeit um bie Wete, um ben ersten Transozeanflug ohne Zwischen- lanbung von Rewyork nach Paris zu erledigen. Kapi- tain Linbberg hats jetzt geschafft. Er bat die 25 000 Dollar gewonnen. Dr. Lothar Heberer-Halle.
Das neue Ziel: Honululu!
... . ... iunfrö auf, von
Kontinent zu Kontinent zu fliegen. Wenn dabei auch die für derartige Unternehmen ausgeroorfenen hohen Geldbeträge verlockend ins Gewicht fallen, so bleibt doch stets ber mit bem etwaigen Erfolg verbundene Ruhm einer Dfleanüberquerung im Flugzeug und die Freude an der fliegerischen Leistung selbst ausschlaggebend für ben Entschluß.
Der Flieger Chamberlain, der mH seinem Bellanca-Flugzeug von New-Park nach Paris fliegen wollte, sagte heute: Paris ist jetzt erledigt. Menn wir starten, werben wir wahrscheinlich nach Westen fliegen, nicht nach Osten, vielleicht nach Honululu.
Lindbergh erzählt.
wtb Paris, 23. Mai. (Eig. Funkm.) Lindbergh hat sich einem Vertreter des »Journal" gegenüber geäußert, daß bie Errichtung einer HandelSfIug- DerkehrSlinie PariS-New-Nork praktisch in» Auge gefaßt werden könnte. Im „Matin" erklärt er, ber Wimmfte Teil seiner Fahrt fei der Empfang in Le Bourget gewesen. Das Wetter war natürlich nicht so, wie es die Meteorologen vorauSja tt«n. Emen Augenblick war eS so sürchier- ltch, daß ich wirklich Lust hatte, urnzukcaren. Boi allem die Vereisung, der icblimmue Feind deS Fliegers, machte mir zu schaffen. Ich mußte auf drei Meter über den Meere» >p«oel nttbergeben und stieg zeitweilig auf 3000 Meter Hö e. Erst gegen Mo aen konnte ich eine mittlere Höbe einhallen. Die Nacht war am schlimmsten. Dre Käste machte sich bemerkbar und em Sturm. Zum Umkehren war eS zu 'pät. Ich beschloß, koste es was es wolle, den Flug fort^isetzen. Der Flieger hat 33 Stunden fein Auge schließen können. Er flog ganz allein.
Das britische Gewerkschostsgesetz.
Von Dr. AlphonS Nobel.
Als das jetzige englische Parlament mit seiner konservativen ^-Mehrheit gevähl: war, machte die in die Minderheit versetzte Opposition den Konser- vativen den Vorwurf unfairer Agitation. Als die Wahlschlacht am heftigsten tobte, war nämlich aus dem mit Konservativen besetzten Auswärtigen Amt ein Brief in die Oeffentlichkeit gelangt, den Si- n o ro j e f f, der damalige Leiter der Dritten Internationale, geschrieben haben sollte und der im ge« wissen Sinne kompromittierend für die Arbeitspartei oder wenigstens für manche ihrer Führer war. Dieser Brief machte einen ungeheuren Eindruck auf die Wählermassen, und vielleicht ist es wirklich nicht ganz unberechtigt gewesen, den au- ßerordentlich großen Erfolg der konservativen Par- tei diesem in letzter Stunde zurecht gekommenen Agitationsmaterial zuzuschreiben. Moskau sowohl als die britische Arbeitspartei hat diesen Brief dann als Fälschung bezeichnet und wahrschein- lief) ist er das wirklich gewesen. Man weiß, eine wie große Rolle das bolschewistilche Gespenst in der britischen Außenpolitik spielt. England, das in allen Ecken seines Kolonialreiche- die russische Minierarbeit spürt oder doch zu spüren glaubt, ist auch im eigenen Lande sehr nervös und fürchtet des Kommunismus über alles. Diese Furcht ist durch die von Moskau gewährte finanzielle Unterstützung des Generalstreikes nur verstärkt worden.
Das für die Entwicklung der englischen Gewerkschaften und für die dortige Arbeiterbewegung überhaupt verhängnisvolle Gewerkschafts» aesetz hat eine fdjiarfe Opposition im Lande bei Liberalen sowobl wie bei Arbeitern und vielleicht selbst bei Engländern gefunden, die tn den letzten Wahlen für die konservative Partei stimmten. In diesem Momente geschieht etwas öh::liches wie damals bei den Unterhauswahlen. Wieder spielt ein Brief und wieder Moskau in die englische Innenpolitik hinein. Ein geheimes Staatsdokument, wahrscheinlich ein Aufmarschptan des Ge- neralstabes, soll aus dem Kriegsministerium entwendet und in die Gebäude der russischen Handelsdelegation versckuvunden fein. Der plötzliche polizeiliche Ueberfall und die rigorose Durchsuchung der „Arcos" sind noch in frischer Erinnerung. Wieder wird gegen die Konservativen der Vorwurf unfairer Politik erhoben: sie wollten die Aufmerksamkeit von dem unrechten Gewerkfchaftsoesetz durch die Inszenierung eines außenpolitisch-n Skandals ablenken.
Die Arbeiterpartei stand feit zwei Jahrzehnten nicht mehr in so heftiger Opposition wie jetzt. Es ist in der englischen Parlamentsgeschichte nichts Ungewohntes, die Entwicklung der Gewerkfchaft durch Gesetze zu hemmen. 1901 wurden die Gewerkschaften für schadenersatzpflichtig erklärt für aus Streiks den Firmen entstandenen Schaden; 1911 die politische Tätigkeit der Gewerkschaften als ungesetzlich bezeichnet. Diese Hemmungen wurden freilich immer schnell wieder abgebaut. 1906 verlieh ein Gesetz ausdrücklich den Gewerkschaften ein Privileg, in Dem er sie von jeder Haftung für Handlungen ihrer Beauftragten in gewerblichen Streitigkeiten befreite. Und das Werkvereins- Ö1913 gab den Gewerkschaften wieder das ,; zur politischen Betätigung. Nun ist abermals eine Hemmung eingetreten, denn das neue Gesetz will die parteipolitische Betätigung der Gewerkschaften ersticken. Die wichtigsten korporati- ven Mitglieder der Arbeiterpartei sind die Gewerkschaften; jedes Gewerkschaftsmitglied ist von selbst Mitglied der Arbeitspartei. Das soll nun anders werden, denn das Gesetz verbietet die Verwendung der Gewerkschaftsbeiträge für politische Zwecke, falls der gebende Arbeiter nichts ausdrücklich der Gewerkschaft fein Einverständnis für eine solche Verwendung erklärt. Zudem hat das Gesetz eine Definition von ungesetzlichen und damit verbotenen Streiks geschaffen, die dehnbar genug ist, um auf jeden Stttiks ausgedehnt zu werden. Die Diehards in der Konservativen Partei haben über die gemäßigten Elemente den Sieg davongetragen. Als ihr Führer gilt der englische Innenminister Joynson-Hicks. Er inszenierte auch den polizeilichen Ueberfall auf die russische Handelsvertretung Kein Wunder, wenn man da Zusammen- hänge konstruiert.
Das unter dem frischen Eindruck des großen Streiks geschaffene Gesetz dürfte aber keine lange Lebensdauer haben. Ebenso, wie die anderen Hindernisse für die Gewerkschaftsbewegung nach eini- oen Jahren wieder abgebaut wurden, so muß es auch mit diesem geschehen. Die englische Regierung würde die Massen in eine gefährliche Opposition treiben, wollte sie es bei dem Zustande lassen Am übrigen ist gar nicht anzunehmen, daß das Gesetz in seinem strengsten Sinne angewendet wird. So stellt es mehr eine Drohung als eine Tatsache dar Aber gerade die Drohung verbittert. Diese ganze Richtung der britischen Innenpolitik beweist wiederum die Schwäche des Premier Baldwin. Denn er ist sicherlich nicht der geistige Vater des Gesetze-- und aus feiner ganzen Einstellung heraus auch ein ungeeigneter Verfechter solcher Gewaltmaßregeln. Aber er hat sich von Joynson-Hicks und von Curchill an die Wand drücken lassen.
• Tschitscherin in Paris. Laut „Humanste" tro am Sonntag der russische Außenminister Tschitscherin in Paris ein.
wirtschaftliche Kampf Bewegungen.
= Idtousfpeming bei der A. <5 <8. Da bie Der. Handlungen zwischen der Direttton der A. E. G. und den Berne em der streikenden ®ertfleuqarhei!er zu feiner Einigung geführt Haden, hat d!e A. E. B. Mvmannvroen in verschiedenen Betrieben 2500 Arbeiter entlassen, für die sie infolge des Fehlens von Facharbeitern keine Beschäjtigung mehr hat.