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Fu ld a er Z ertun g

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Areisb'lakt.

Nr. US

Sonntag, 22. Illai 1927

54.Zahrg.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Derlaq der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr 9 >_________Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk.

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Wechsel in Oer Taktik Oer SozialOeWkratie?

erscheinen,

graphen, sondern Männern ob. Stellen wir diese Manner, dann bleibt die Republik gesichert."

Man wird nach all dem wohl der Aufs "

i dürfe, bezw. daß ähnliche Erwägungen vor allem Deutschen Reich bekannt und daher ver» rrt werden müssen.

------- Gegensätze sein müß­

ten und als ob nicht auch hier ein Ausgleich durch gemeinschaftliche Wahrnehmung der Interessen von Arbeitergeberseite und Arbeiternehmerseite möglich wäre.

kann nicht in Abrede gestellt werden, daß e heutige Lage Jugoslawiens in diesem die Stirn* nrung reifen ließ, man könne keineswegs jemals wegen ein paart tausend Slowenen die Freund- schäft des deutschen 80 Millionen-Volkes in Frage stellen. Als ich bei Dr. Nintschitsch ungeschminkt diese Frage berührte, griff er sich an den Kopf und sagte ohne irgendwelche diplomatische 93er- schleierung: -Mir sind Realisten und dieses Stre­ben nach Kompensation wäre Widersinn."

Gerade aber diese Disposition läßt es möglich erscheinen, daß man in den Freundschaftspakt auch eine Klausel hineinbrächte, welche den kompensa- tionslosen Anschluß wenn er aktuell wird, und die territoriale Integrität der Kärtner Grenze sichert.

JugoslawenDeutschland

Zchiedsgerichtspakt und Irredenta.

Die Spaltung in der K. p. D.

Die aus der kommunistischen Partei ausge­schlossenen kommunistischen Führer, Ruth Fischer und Urbahns hatten in Berlin eine außerordent­lich stark besuchte 93ersammlung einberufen. Ur- bahns erklärte, daß die kommunistische Partei auf den Abweg des Reformismus gelangt fei. Rach ihm sprach Ruth Fischer. Sie führte aus, dag durch dis Arbeitermassen eine große Enttäuschung gehe. Die linke Opposition, wie sich die neue Or­ganisation der Ausgestoßenen nennt, will den un­verfälschten Leninismus wieder Her­stellen. Eine neue Partei soll nicht gegründet wer­den, sondern die linke Opposition kämpfe für bie Wiedervereinigung aller revolutionären Arbeiter in der alten leninistischen Partei. In einer Resulu- tion wird erklärt, die Diktatur des Prole- t a r i a t s fei kein Ziel für fernere Zeiten, son­dern ein Ziel, dasinderjetzigenZeit befolgt und verwirklicht werden müsse.

* Gegen die Skeuetsaboleure. Der Reichstag hat in seiner Sitzung vom 16. Mai beschlossen, die Genehmigung zur Strafverfolgung des der Natio­nalsozialistischen Freiheitspartei angehörenden Ma­jor o. D. Wilhelm Henning, Berlin-Lichterfelde, wegen Steuersabotage zu erteilen. Wenn wir recht unterrichtet sind, dann ist das nicht der einzige Fall, in dem der Reichsfinanzminister Dr. K ö h l e r den Schutz der Gerichte gegen Steuersaboteure angeru- fen hat.

* Der Fall hösle im Varmat-Prozeß. In der Berhandlung des Barmat-Prozesses befaßte sich letzt das Gericht eingehend mit der Person des Mi- Nisters Höfle. Der Strafanstaltslehrer Glatzer, der Hmle wiederholt im Untersuchungsgefängnis be­sucht hatte, erklärte, Höfle habe ihm gegenüber wiederholt seine Unschuld beteuert. Sein Eindruck fei gewesen, daß Höfle s u b j e k t iv stets die Wahr­heit gesagt habe. Höfles langjähriger Freund, Direktor Hermkes, sagte, daß er den Minister ge­warnt habe, als er hörte, daß er mit den Konzer­nen, denen er Postkredite gab, Geldgeschäfte mache. Höfle habe ihm darauf sehr entrüstet er­widert: Der sei ein Lump, der darin eine un­lautere Verbindung sehe. Lediglich die Sorge für die 15 000 Arbeiter habe ihn zur Kredithergabe bestimmt. Weiter sagt dann der Zeuge aus be­fragen, er sei von der Lauterkeit Höfles fest über- zeugt gewesen. Er hätte überall Kredit bekom- men können. Hermkes schilderte dann Höfles pri­vate Vermögensverhältnisse. Seine Gesamt- schuld en hätten, wie er (der Zeuge) bei der Ordnung des Nachlasses festgestellt habe, 295 000 Mark betragen. Er habe beruflich so viel zu tun gehabt, daß er keine Zeit für seine privaten An­gelegenheiten hatte.______________

* Der rumänische Außenminister Mtilimeu ist in Paris eingetroffen. Der Minister wird sich mehrere Tage in Paris aufhalfen.

» Reichsbeschwerde über Hörsing. Wie die B. Z. erfährt, wird auf Beschluß des Ministerrates die Reichskanzlei sich wegen der Rede, die vor einer Woche der Obervräsident Hörsing in sei­ner Eigenschaft als Bundesvorsitzender des Reichs- banners in Ost-Preußen gehalten hat, Be- schwerde führend an die preußische Regierung wen- den mit dem Ersuchen, ihrerseits entsprechende Schritte gegen Hörsing zu unternehmen. Es läßt sich natürlich im Augenblick nicht absehen, wie die preußische Regierung barauf reagieren wird. Es muß erst abgewartet Werren, welche Forderungen an sie gestellt werden.

* Ratifizierung de« Washingtoner Abkomens in Frankreich. Die französische Kammer hat den Ge- setzentwurf betreffend Ratifizierung des Washing­toner Abkomens über den Achtstundentag in der vom Senat vorgeschlagenen Form, wonach die Ra­tifikation erst in Straft tritt, wenn Großbritannien und Deutschland die Ratifizierung vollzogen ha­ben, angenommen.

Beides wäre jetzt zu erreichen. Ein Schieds» unb Freunbschaftsoertrag würde ionach nicht nur die großen Linien deutsch-slawischer Gemeinschaft für Dezennien inaugurieren, sondern auch diese kleine Grenzsrage endgültig alsFrage" ans der Welt schaffen, wobei man stets tin Reich bedenken muß, daß die Kärtner Karawankengrenze des deut- schen Volkes Süd-Ost-Grenzen in verkehrstechni­scher, wirtschaftlicher, politischer, nationaler und geographisch-strategischer Hinsicht sind und bleiben müssen.

Der Schiedsgerichts- und Freundschastspakt wäre daher nicht nur ein anhenpo i 'bcs Werk, sondern auch ein nationales Grenzwerk, woran man st im Interesse der Grenzen uettn Abschluß erinnern möge.

Von einer besonderen Seite wird uns geschrie­ben:

Anläßlich der zehnten Jahresfeier der Mai- deklaration (welche im Jahre 1917 die Vereinigung der Serben, Kroaten und Slowenen verlangte) ver. anftalfet bie LaibacherMinderheits"-Organisatlon Jugoslawenska Matica am 29. Mai in ganz Slowe­nien große DolkskundgebuiMN. In Laibach selbst wird ein Denkmal für die noch unbefreiten Jugo­slawen enthüllt, vor dem ein ewiges Licht bren­nen wird.

Wenn sich diese slowenische Irredentabewegung auch in erster Linie gegen Italien wendet, so kann an der Tatsache nicht vorübergegangrn werden, daß auch in der Kärtner Abstimmungszone A laut letztem österreichischem Wahlergebnis über 9 000 Wahlberechtigte slowenisch d. h. irredentistisch gewählt haben.

Es soll nicht in Abrede gestellt werden, daß lange Zeit in Jugoslawien die Absicht bestand, den Anschlußgedanken Oesterreichs, bezw. den Vollzug des Anschlusses mit dem Kompensationsgeschäft zu verbinden, die ehemalige Abstimmungszone als Preis für die Zustimmung Jugoslawiens zu er­handeln. Daß besonder« in Laibach derartige Ge- dankengänge stark gepflegt wurden, ist Binsen- Wahrheit; ebenso aber auch, daß Belgrad hierfür keineswegs jenes Interesse an den Tage legte, wel­ches eine wirkliche aktuelle Beunruhigung (viel­fach asigenomene Orjuna-Einsälle) cder e ne spä­tere diesbezügliche Auseinandersetzung als absolut wahrscheinlich annehmen ließ.

Jedenfalls war darauf stets Bedacht zu nehmen, daß der Vollzug des Anschlusses mit keinerlei wie immer gearteter Kompensation verquickt werden

In der letzten Zeit haben Erörterungen ver­schiedener Art über die Taktik der Sozialdemokraten stattgefunden. Diese Debatte ist in Fluß gekom­men durch einen Zeitungsartikel des Reichstags- präsidenten Loebe, der die Frage aufwirst, ob nicht die Sozialdemokraten wieder zu der früher beobachteten Taktik der prinzipiellenOppo- fition zurückkehren sollen. Loebe hat diese Zu­rückziehung in die unbedingte Oppositionsstellung ent pf oh len mit der Begründung, daß nicht mehr so sehr die Frage der Auseinandersetzung zwischen Monarchisten und Republikaner zur Debatte stehe, sondern der Gegensatz zwischen Kapitalismus und Sozialismus, daß damit also die sozialen Fragen mehr im Vordergründe ständen. Offenbar sieht Loebe diese sozialen Fragen lediglich unter dem nach der Entwicklung der Dinge übrigens voll­ständig veralteten und engen Gesichtswinkel der Sozialdemokratie der Vorkriegszeit an dergestalt, als ob auf diesem Gebiete Gegens"

Jüan wird nach all dem wohl der Auffassung Raum geben dürfen, daß die Loebe'schen Erör- terungen und ihr Echo in der sozialdemokratischen Presse in der Hauptsache veranlaßt sind im Hin­blick auf den jetzt in Kiel stattfindenden Sozial­demokratischen Patteitag.

In diesem Zusammenhang ist es auch von stärk­stem politischen Interesse, eine bayrische Stimme ju der Frage der Zusammenarbeit mit der Sozial­demokratie zu vernehmen. So wird demBay­rischen Kurier" Nr. 138, aus Patteikreisen u. a. geschrieben:Die Bayrische Volkspartei hat, so­viel wir wissen, niemals den Satz vertreten, daß die Sozialdemokratie grundsätzlich und unter allen Umständen von der öffentlichen Mitarbeit an Staat und Gemeinde auszuschließen fei; sie hat sich bei aller sachlichen Gegnerschaft gegen die Sozial­demokratie niemals zu einerantimarxistischen Linie" in dem Sinne bekannt, wie er von den Deutsch- nationalen und den Völkischen vettreten wird; sie hat bei aller Würdigung der Umstände niemals den Satz ausgesprochen, daß die gegenwättige Koalition verewigt werden müsse und daß eine staatspolitische Linie" nicht ohne ausreichenden Machtbesitz der Deutschnationalen inne gehalten werden könne."

Ein Wechsel in der Polittk der Sozialdemokratie würde naturgemäß fofort eine grundsätzliche Neu­orientierung in unserem gesamten Patteileben her- beiführen. Ob den SozialdemokrÄen das will- kommen wäre, müssen sie ja nun schließlich selbst entscheiden. Die Verantwortung aber für die Fol- gen muß die Sozialdemokratte schon selbst tiagen.

Loebe ist nicht irgendwer. Seine Auffassung verdient Beachtung. Es hat nicht geringes Erstau- uen hervorgerufen, daß gerade ein so kluger und maßvoller Mann wie Loebe einen derattigen Wech­sel der Taktik und der Politik der Sozialdemokra­tie empfiehlt. Man muß sich umso mehr darüber wundmi, als doch die Sozialdemokraten augen­blicklich noch Regierungspartei in Preußen sind. Darum ist es auch außerordentlich beachtlich, was dieGermania" über diesen Zusammenhang schreibt. Sie äußert fidj:

Der Zufall will es, daß gleichzeifig mit dem sozialdemokratischen Patteitag das preußische Zen­trum seinen Patteitag abhält. Zentrum und So­zialdemokratie sind in Preußen Koalitionsgenossen. Man sollte meinen, diese Tatsache müßte verhin­dern, daß bei allen grundsätzlichen Unterschieden, die Ansichten über das Prinzipielle der Koalitions­politik allzu weit auseinandergehen. Dem preu­ßischen Zentrumspatteitag messen wir r^rabe jetzt, wo im Reiche und in Preußen vers4)iedenarttge Koalitionen regieren, eine besondere Bedeutung für bie Heransaroeitung der bei, un­

ter denen das Problem der Koalitionspolitik be- .ftachtet sein will. Was uns nottut, ist nicht Er- stanung, fonbem Beweglichkeit, nicht Scheidung nach toten Formeln, sondern Bereitschaft zum Ein­gehen lebensvoller Perbindungen."

Zu der von Loebe vorgeschlagene Taktik selber bemerkt dieGermania" folgendes:

Was der Abgeordnete Loebe hier aufstellt, ist eine grandiose Fehlrechnung. Was er möchte, wird er nicht erreichen, und eintretev wstd das, was er nicht will. Er verfällt in den alten Fehler seiner Partei, die jedes entschieden soziale Denken, Wollen und Handeln im Sozialismus münden sieht. Ist denn eine jahrzehnte lange Geschichte nicht eindrucksvoll genug, um den Abgeordneten Loebe davor zu bewahren, das Opfer eines so phänomenalen Irrtums zu werden? Dem Vor­dringen des Sozialismus ist, wie bie Geschichte zeigt, dort eine Schranke gesetzt, wo er als System und Weltanschauung vom Boden einer anderen Anschauung abgelehnt wird, die die Welt und die Sozialdemokraten in einem ganz anderen Lichte sieht. Die Sozialdemokraten, die Realpolitik trei­ben wollen, werden gut tun, dem Abgeordneten Loebe nicht in das luftige Reich seiner Konsttuk- ttonen und Illusionen zu folgen. Die Wirkung einer sozialdemokratischen Tastik, wie sie Loebe empfiehlt, würde eine andere fein. Loehe spielt dem Grafen Westarp in die Hände. Er wirbt für den Bürgerblock", und der müßte kommen, wenn die Sozialdemokratie nicht anders will. Daß wir das für ein Unglück halten würden, brauchen wir nicht erst zu sagen."

Aber auch auS den eigenen Reihen heraus wird LoebeS Auffassung widersprochen. Der bayrische Abgeordnete Sänger weist gerade auf die Rück­wirkung der von Loebe vorgeschlagenen Tastik für Preußen hin und sagt: ,Zch fürchte, Graf Westarp hat sich königlich darüber gefreut, daß ein so autori- fchen Reichstags die Sozialdemokratische Koalitions­konkurrenz jahrelang in Opposition halten möchte. Gerade jetzt da sich nicht unbedenkliche Risse im Hause des Bürgerblocks zeigen werden die Deutschnationalen eine möglichst lange sozialistische Oppositionsstellung als nützlich und erfolgreich für sich empfinden. Und mit jedem Jahr unserer Oppo- lition reift selbstverständlich ihr Wunsch, auch in Preußen zu herrschen, heran. Oder glaubt Ge- Hoffe Loebe, daß die machtpolttischen Verhältnisse in Preußen unberührt bleiben, wenn die Pattei sich auf die von ihm empfohlene Taktik festlegen vürde?"

In diesem Zusammenhang ist es auch von In- treffe, was ein anderer Sozialdemokrat, näm­lich der ftühere Preußische Innenminister Seve- ring zu der grundsätzlichen Frage äußert. Er sagt in einem Artikel desVorwätts":Wer der freiwillig grundsätzlichen Opposition, Opposition um jeden Preis und auf alle Fälle, im Reich das Wort redet, der darf sich nicht wundern und ent­rüsten, wenn wir in den Ländern, einschließlich Preußen, einmal unfreiwillig an die Seite, man kann auch sagen, in die Opposition gedrängt wer- den. Alle Wünsche und Forderungen auf Demo­kratisierung und Republikanisierung der Verwal­tung, Polizei und Justtz bleiben müßiges Gerede, toenn wir nicht alles daran setzen, Männer unseres Vertrauens an die Macht zu bringen und diese Machtposition gegen jeden Ansturm zu verteidigen. Der wahre Schutz der Republik liegt nicht Para- i

Rußland und West-Europa.

wtb. Paris, 21. Mai. (Eig. Funkm.)Echo de Paris" stellt heute die Frage, was Frank- reich tun würde, wenn England mit den Sowjets breche. Es schreibt: England kann von unserer Politik nicht erwarten, daß Frank­reich allen Schwankungen der englischen Politik folgt. Wir haben gewisse Gründe, die auch denen Englands ähneln, uns gegen die Sowjets energisch auszusprechen, aber wenn derartige Gründe nicht beständen, hätten wir keine Ursache, das englische Stabinett zu schonen. Aber man darf auch etwas anderes nicht übersehen: Das Foreign Office wird sich, wenn die Dinge zwischen England und Ruß­land sich verschlimmern, bemühen, eine eure- päische Blockpolitik zustande zu bringen ' und auch erklären, daß Deutschland dem Einfluß der Russen entzogen werde. In dieser Frage darf England unseren Standpunkt nicht vergessen: Deutschland helfen, heißt Rußland helfen.

*

Im Derbindungsausschuß konnte in Genf die Aussprache über den russischen Antrag auf An­erkennung des Nebeneinanderbe- ! stehens der beiden Wirtschaftsfysteme ! und Empfehlung der Zusammenarbeit noch nicht : abgeschlossen werden. Bei der Beratung hat die j Zuständigkeitsfrage eine wesentliche Rolle 1 gespielt, ebenso die Frage, ob die Weltwirtschasts- i konferenz zu einem Antrag Stellung nehmen kann, ! der von 19 Delegierten als politisch ange­sehen wird und daher nur von einer politischen Konferenz entschieden werden könnte. Trotzdem die Frage der Zuständigkeit noch einige Schwierigkei­ten macht, scheint man auf allen Seiten bemüht zu fein, für den russischen Antrag eine neue Formulierung zu finden, die diesen Beden­ken und den russischen Wünschen ausreichend Rech­nung tragen würde.

Amerikanische Rüstungen.

Von Otto Corbacb.Berlin.

Großbritannien

34

38

Zusammen 82

4

38

«9

6

4

Zerstörer Unterseeboote

62

176

64

22 36

15 10

25 60

21 fO M

Kreuzer 1. Klaffe Leichte Kreuzer

Veieiin te Staaten gebaut u im Bau

14

Klem. Schlachtschiffe 4

Klein. Schlachtkreuzer 1

3 .37 309 124

5

39

128

77

9 8

gebaut u. im Bau

Moderne Schlachtschiffe

Moderne Schlachttreuzer 10

Aeltere Schlachtschiffe

Die amerikanische Schlachtflotte, die am Vor­abend des großen Krieges an dritter Stelle stand, ist heute der britischen gleichwertig und mehr al» doppelt so stark wie die Flotten irgendwelcher zweier anderer Seemächte. Es erhellt daraus, daß das Volk der Vereinigten Staaten heute im Ge­gensatz zu feiner früheren Grundstimmung von Mißtrauen wider die übrige Welt erfüllt ift Es glaubt, daß es wegen feines märchenhaft wachsen­den Wohlstandes allgemein beneidet und gehaßt wird und irgendwann einmal von starken Gegnern angegriffen werden könnte. Gewiß will es mit der übrigen Welt in Frieden leben; hat es doch ihr gegenüber auf Grund feiner Gläubigerrechte An­spruch auf jährliche Zahlungen von insgesamt 22 143 539 993,10 Dollar.Wenn wir die realen Opfer in Betracht ziehen, die auf Seiten anderer Nationen nötig sind, um die vereinbarten Zahlun­gen zu leisten," erklärte Präsident Coolidge un­längst in einer Rede,und wenn wir alle damtt zusammenhängenden Umstände berücksichtigen, so sollten wir uns ihre wachsende Bewunderung und Achtung sichern." Als Hauptmittel zu solchem Zweck soll der Union eben ihr längerer Atem im Wettrüsten dienen, bis ein Abrüstungsdiktat die kriegerische Ueberlegenheit Amerikas ein für alle­mal stabilisieren kann.

Zusammen 127

Zerstörer 233

Torpedoboote 1. u. 2. Kl. 70

Unterseebeote 96

Zusammen 404

,ttu«z. Mutterschiffe 19 Kreuzer

Heute wendet die Union für ihre Flotte vier» mal soviel auf wie vor 25 Jahren und doppelt soviel wie im Jahre 1914. Auch ihr stehendes Heer ist, obgleich noch verhältnismäßig klein, ge­genwärtig viel größer als früher. Dazu kommen gewaltige Luft - Streitkräfte. Die Ausgaben der Bundesregierung für Armee und Flotte werden für das laufende Jahr auf 680 537 642 Dollar geschätzt,, wovon 574 Millionen auf die Seeoertei- oigung entfallen. Unberücksichtigt sind dabei die Ausgaben des Schiffahrtsamtes für die Aufrecht­erhaltung einer den Ausmaßen der Kriegsflotte entsprechenden Handelsflotte, die im Laufe von neun Jahren die stattliche Summe von 3623 000000 Dollar ergaben. Nach Abzug des Erlöses für ver­kaufte Schiffe und Materialien bleibt immer noch ein Fehlbetrag von rund drei Milliarden Dollar. Alles in allem hat der Flottenehrgeiz das Volk der Vereinigten Staaten feit 1916 etwa zehn Milliar­den Dollar gekostet. Am 1. Februar 1927 waren gebaut oder im Bau in

Im Jahre 1901 gaben die Vereinigten Staa­ten für ihre Kriegsflotte 80 060 240 Dollar aus Roch konnten sich Volk und Regierung in bet Union rühmen, von dem Rüstungsfieber der alten Welt nicht angefterft zu fein. Man fürchtete kei­nen Angriff von irgendwelcher Seite. Man be­trachtete die Duldung der britischen Herrschaft übet Kanada als ausreichende Sicherheit gegen feind­selige Gelüste Englands; man sah auf die mittel- und südamerikanischen Republiken gleichgültig, fast verächtlich herab, machte sich auch um deren Sicher­heit mit Rücksicht auf die von allen großen Mäch­ten anerkannte Monroe-Doktrin keine Sorge; man blickte über den Stillen Ozean und verließ lieb auf die Versicherung der Marinesachverständigen, daß keine Schlachtflotte ein genügendes Wirkungs­feld besitze, um die Union vorn Pazifik her in ihren Gewässern anzugreifen; man fühlte sich al« Vormacht eines befriedeten Erdteils wirtschaftlick unabhängig und unbesiegbar.

Erst das weltpolitische Temperament des Prä­sidenten Roosevelt, das in dem Admiral Mahan einen bedeutsamen Theoretiker fand, riß das Volk der Vereinigten Staaten nachhaltig aus seinem herkömmlichen geruhsamen Dasein heraus. Die amerikanische Flotte mußte die Erde umsegeln, um aller Welt den Anbruch der imperialistischen Zeit amerikanischer Außenpolitik zu offenbaren. Im­merhin blieb die amerikanische Rüstungspolitik bis zum Ausbruch des großen Krieges noch infolge der pazifistischen Tradition des Volkes der Vereinigten Staaten stark gedämpft. Großbritan­nien wandte immer noch last doppelt soviel für seine Flotte auf wie die Union für die ihrige (144 545 000 Dollar gegen 52 705 779 Pfund). Das Stärkeverhällnis der Flotten der beiden angelsäch­sischen Mächte war nach Brasseys Annual 1914 bas folgende:

22 1

20 16

84 79

83 39

_ , Engst Berein.Staat. Ja». Stank. Italien

Große Schlachtschiffe 12 14

Große Scblachtkreuz. 3

* Die neue Cdfung der Diener Gemeinde. B«i der konstituierenden Sitzung des Wiener Ge­meinderates wurde zum Bürgermeister bei Sozial­demokrat Karl Seitz, zu Vizebürgermeistern der Sozialdemokrat Emmerling und der Chrifttich. ioziale Hoß gewählt. In der Programmrebe gab Seitz bekannt, baß für bie nächsten fünf Jahre ein Bauprogramm für 30 000 Wohnungen vorgesehen fei unb daß Hoffnungen bestehe, daß bie 30 Mill. Dollaranleihe bald zum Abschluß komme. Der Wiener Landtag wählte den Sozialdemokratischen Abgeordneten Danneberg zum Präsidenten, den christlich-sozialen Abgeordneten Zimmerl unb be*1 Sozialdemokraten Hellma ' ju 5BUa*""äf'bepte'