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binrelmmmer 1« M. (mit MM. Sellage 15W)

uldaerZertung

Anzeiger für die Stadl Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Nr. 116.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. :-: Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk. >:

Freitag, 20. Mai 1927.

Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Colonel) lokal 0,15 JUt, auswärts 0,20 JUt. Reklamezeile: lokal 0,60 JUL, auswärts 0,80 JUL Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 4051.

54.Zahrg

rntenie Cordiale

Was wird aus der WeltwiMastsKMenz?

die Gefahr neuer großer internationaler Derwick- ! künstliche Schöpfung, sondern dar Ergebnis eines gro. lungen auslösen. ' feen Bergrutsches im Jahre 1925.

ferenz der Unfruchtbarkeit verfallen und die Un- sicherheft der weltwirtschaftlichen Verhältnisse wird

vas-Dertreters Hervorgehoben, daß wie in der Vergangenheit die Ei _____

nur die Aufrechterhaltung des Frie dens in Europa zum Ziele haben könne.

den Erzeuger, und Handelspreisen für landwirt­schaftliche Produkte, mit den Lagerbeständen, Transportkosten, mit dem Vörsenhandel von 22 verschiedenen landwirtschaftlichen Produkten usw.

* Ablehnung von Naluralifierungsanträgen in Amerika. „Associated Preß" meldet aus Phila­delphia: Das Bundesgericht lehnte die Anträge von 110 fremden Seeleuten verschiedener Na­tionalität, die in amerikanischen Häfen desertiert waren, auf Neutralisation ab. Das Gericht er­klärte, die Desertafton stelle eine ungesetz­liche Einwanderung dar und schließe die Möglich­keit, amerikanischer Sürger zu werden, aus. Es fei jedoch auch ihre Deportierung unmöglich, da alle über fünf Jahre hier ansässig sind.

wurde auch der Justizetat erledigt. Am Donners- tag soll evtl, eine Abendsitzung zu Hilfe genommen werden.

Nach dem „Matin" versichert man in britischen Kreisen, daß Chamberlain und Briand sich haupt- sächlich über die Herabsetzung der Desatzungstrup- pen rm Rheinland als Vorstuse der vollkommenen Räumung beschäftigt hätten. Frankreich wolle be- kenntlich von dieser Frage vor dem 15. Juni, also vor Beendigung der Zerstörung der Ost-Festungen, nichts wissen. Es scheine aber auch, daß Cham- oerlain die Ansicht vertrete, daß keine Konzessionen hinsichtlich der Rheinlandbesetzung gemacht werden könnten, solange die Reichsregierung nicht alle ihr gestellten Bedingungen erfüllt habe und solange deren Ausführung nicht festgestellt sei.

Sowjetrussische Handelspolitik.

Auf einem Moskauer Kongreß der Sowjet- angeftellten machte der Volkskommissar für Handel, Mikojan, genaue Angaben über die Kredltver- Handlungen in England. Danach wurden in Form von Wechselqarantien Kredite in Gesamt­höhe von 150 Mill. Rubel gewährt, die nament­lich für den Einkauf von Maschinen Verwendung finden sollen. Jetzt, nach dem Londoner Ueberfall, sei von den Direktoren der Sowjetfabriken die Forderung erhoben worden, die in England unter- gebrachten Bestellungen zu widerrufen und nach an­deren Ländern zu vergeben. Amerikanische Fir­men hätten sich bereit erklärt, die Aufträge zu gleich günstigen Bedingungen zu übernehmen. Auch die russischen Exportorganisationen beantra­gen, daß ihnen der Verkauf nach anderen Ländern gestattet werde, wobei sie sich auf günssige ameri­kanische und deutsche Angebote berufen.

Die zweite Kommission hat Untersuchungen dar­über anzustellen, wie den als notleidend geltenden Industrien der Kohle, des Eisens und Stahls, des Maschinen- und Schiffbaues, sowie der Baumwolle geholfen werden kann. Dazu kommen eine Reihe von speziellen Untersuchungen und Abhandlungen über die chemische und elektrische Industrie, über Oel, Seide und Kunstseide. Die Produktionskapizi- töt der einzelnen Industrien soll festgestellt, die Produktionsleistungen sollen verglichen, die Arbei- terzahlen und Arbeitslosenziffern besprochen, der Arbeits- und Lohnaufwand herausaestellt, Zollbe- lastungen und Einfuhrverbote geklärt, der Ver­brauch auf den Kopf der Bevölkerung ergründet und die Bedeutung der Avsaboraanisalionen (Syn- dikate, Kartelle, Trusts) untersucht werden.

Verschiedene Unterkommissionen teilen sich in die gesamte Arbeit.

Die dritte Konnnisiion hat sich mit dem ge­samten Fragenkomplex der Handelgvertragspolitik zu befassen. Besonders ist daran gedacht, die Han- delsfreiheit, das Zollwesen, die Handelsverträge, die direkte und indirekte Subventionsvolitik und das gesamte Transportwesen zu Wasser und zu Lande in den Vordergrund der Erörterungen zu rücken.

Angesichts der großen Vielheit der zu klärenden Fragen ist die Frage berechtigt, ob die Weltwirt- schaftskonferenz sich nicht „den Wagen überladen", das heißt zu viele Fragen in Angriff genom­men hat, um in absehbarer Zeit erkennen zu müs­sen, daß der eingeschlagene Weg falsch war.

Die Weltwirtschaft ist nicht erst durch den Welt­krieg zerrüttet worden. Die zuvor bestandene Zer­rüttung hat ja gerade zum Weltkrieg geführt. Der letztere hat die Krisis der Weltwirtschaft nicht ge- löst, sondern sie versieft, ganz gewaltig verschlim­mert. Wer die Beseitigung der Hindernisie will, der muß zunächst alles tun, um den Weltenhaß abzubauen und eine neue geistige Atmosphäre zwischen den Völkern der Welt zu schaffen. Dann aber gilt es, bis zu den letzten Ursachen der Krank- heft der Weltwirtschaft vorzudringen, durch welche die letztere zersetzt und vergiftet wird. Das Gläu- bigereigentum darf in keinem Lande der Welt mehr den Zufällen der Währungspolitik ausge­setzt, es muß Schluß mit dem materialistischen Zeit- geist gemacht, treu und Glauben im Verkehr wie­derhergestellt und unter Berücksichtigung der grundlegenden Verschiebungen der wirtschaftlichen Verhältnisse der alten und neuen Welt ein gesun­der Ausgleich gesucht werden. Trotzky hat da« Europa vor dem Kriege als die Fabrik, das Wa- renlager und die Zentralbank der Welt bezeichnet: heute nimmt Amerika diese Weltstellung ein. Von diesem ZentralProblem muß in Genf ausgegangen werden: geschieht das nicht, dann wird die Kon-

* Zapfenstreich vor Hindenburg. Das ostpreu- ßijche Reichswehrregiment Nr. 2, das auch die Traditionskompagnie des ehemaligen Infanterie­regiments „Feldmarschall v. Hindenburg" führt, wurde als erstes ostpreußisches Reichswehrregi­ment, das nach Berlin zur Hebung gekommen ist, vom Reichspräsidenten auf dem Trüppenübungs- platz Döberitz besucht. Am Nachmittag fand eine Besichtigung statt, dann folgte der Reichspräsident in Begleitung des Reichskanzlers Dr. Marx, des Staatssekretärs Dr. Pünder und anderer Herren einer Einladung des Offizierskorps. Um 9 Uhr abends war zu Ehren des Reichspräsidenten großer Zapfenstreich.

Aus den Parlamenten.

Reichstag.

Im Reichstag wurde am Mittwoch der Bericht des parlamentarischen Untersuchungsausschusses be­raten. Dem Ausschuß war von der Weimarer Nationalversammlung die Frage vorgelegt worden, ob in der militärischen und wirtschaftlichen Krieg­führung Maßnahmen angeordnet oder geduldet wor­den sind, die Vorschriften des Völkerrechts verletzt haben ober über die militärische und wirtschaftliche Notwendigkeit hinaus grausam und hart waren. Der Ausschuß hat u. a. ben Unterseebootkrieg als Re­pressalie gegen die völlerrechtSwibrige englische Blockabe für zulässig erklärt unb andere Fragen, wie die Deportation belgischer Arbeiter, unentschie­den gelassen. In der ausgedehnten Aussprache be­zeichneten die sozialdemokratischen unb kommuni­stischen Redner die Feststellung des Ausschusses in vielen Punkten für unrichtig, was von den Red­nern der bürgerlichen Parteien entschieden zurück- gewiesen wurde. Nach Schluß der Aussprache wandte sich das Haus der Beratung bet komm», nistischen Anträge zur Krisenfürsorge zu.bie gegen bie Demokraten, Sozialdemokraten unb Kom­munisten abgelehnt würben. Am Donnerstag steht das Zündholzmonopol auf der Tagesordnung.

Preußischer Landtag.

Der Preußische Landtag setzte am Mittwoch bie dritte Etatsberatung mit der Besprechung der einzelnen Etats fort. Nach Erledigung deS Land- wittschaftsetatS unb des Haushalts der Dergver- waltnng kamen beim Etat des Handels- und Ge-

• Heue Ueberfdjroemmungen in Amerika. (Cie Funkm.). In den Groß Dentrebergen im Staat, Wyoming U. S. A. durchbrachen die angestauten Fluter eines Gebirgsbaches denn Gros Dentre Damm und ha­ben den Ort Wilson überflutet. D'» jetzt sind nur lpSr- liche Nachrichten über die Folgen des Unglücks eingeaan- gen Der Ort hot 500 Einwohner. — Eine chinesisch, Siedlung, die der Bruchstelle näher lieat al, Wilson wurde von den Fluten weggeivUch ehe sich die Cmwob- ner in Sicherheit bringen konnten. 8 Ansiedler sind ertrunken. Der Gros-Dentre-Damm war keine

Was bringen sie mit?

Die Rückkehr der französischen Staatsmänner von London nach Paris.

Präsident Doumergue und Ministerpräsi­dent Briand haben am Donnerstag nach Be­endigung ihrer offiziellen Besuche die Rückreise nach Frankreich angetreten.

Besprechungen zwischen Briand und Lhamberlain.

Amtlich wird aus London mitgeteilt: Briand und Chamberlain hatten längere sehr freund­schaftliche Unterredungen, in deren Verlauf sie die verschiedenen internationalen Probleme prüf­ten. Die Besprechungen ergaben vollständige Uebereinstimmung der Auffassung. Beide stellten erneut die Festigkeit der Entente cordiale zwischen Frankreich und Großbritannien sowie die Notwendigkeit fest, die Entente als die sicherste Grundlage des europäischen Friedens zu stärken.

Heber den Verlauf der Unterebung Chamber­lains unb Briands berichtet der Havas-Dertreter in London: Chamberlain und Briand haben sämt­liche internationale Probleme, die gegenwärtig die Aufmerksamkeit der Welt auf sich lenken, durch-

aefprochen. Obwohl man in den offiziellen Krei­sen nicht genaues hat erfahren können, so kann man doch leicht annehmen, daß der albanische Konflikt, die Beziehungen zu den Sowjets, die Vorgänge in China und Räumungs- Verhandlungen berührt worden sind. In chlen diesen Fragen haben die beiden Außenmini­ster die Hebere,nstimmung ihrer Ansicht feststellen können. So zeigt sich von neuem, daß Frankreich 'und England notwendigerweise in der Welt eine lsolidarische Politik betreiben müssen, deren Betonung bereits die Lösung sämtlicher außenpoli- tischer Schwierigkeiten außerordentlich erleichtern wird. Zum Schluß wird in dem Bericht des Ha­in der Zukunft

bald zu einer Erledigung der Angelegenheit zu kom­men. Es wurde vereinbart, zunächst bas Urteil mit seinen Entscheibungsgrünben abzuwarten. Einstweilen ist aber das Urteil weder bei Preußen noch bei der Reichsregierung eingetrvffen.

Ferner wurde berichtet, daß Reichskanzler Dr. Marx zur Beilegung der Streitpunkte zwischen Preußen und dem Reich eine besondere Kabi­nettssitzung für den kommenden Donnerstag angesetzt und den preußischen Ministerpräsidenten Braun besonders eingeladen habe. Diese Mittei­lung entspricht nicht den Tatsachen. Reichskanzler Dr. Marx hat bereits vor einigen Monaten in ein­gehender Aussprache mit dem preußischen Minister­präsidenten Braun die vorhandenen Stteitpunkte festgestellt und ihre baldige Beilegung in mehr­fachen Besprechungen des Reichskabinetts und der sonst beteiligten Stellen in die Wege gekettet. Die Reichsregierung hält an diesen Zielen fest, ver­kennt aber nicht, daß die verschiedentlichen öffent­lichen Erörterungen der Angelegenheiten im preu­ßischen Landtag einer möglichen und baldigen reibungslosen Beilegung nicht förderlich ge­wesen sind. ___________________

Die Weltwirtschaftskonferenz in Genf hatte bis jetzt eine verhältnismäßig gute Presse. Die gehal­tenen Reben der hauptsächlichsten Vertreter aller großen Länder haben weitgehende Beachtung ge­funden. Der aufmerksame Beobachter mußte leiher feststellen, daß wohl jede dieser Reden schon vor der Abreise noch Genf ausgearbeitet worden ist. So kam es, daß kein Redner auf die Aus­führungen eines anderen Bezug nahm.

Die Reden sind verklungen, die Ausschüsse ge­bildet und zusammengetreten. Aber was für Aus­schüsse! Hundert unb mehr Mitglieder sitzen in einem Ausschuß zusammen — und reden! Jeder Ausschuß ist ein Parlament für sich! Kann bei solcher Vielgestaltigkeit, bei solcher Größe der Aus­schüsse die sachliche Arbeit gefördert und vor- angebracht werden? Das ist die große Frage! Stärkste Zweifel sind berechtigt. Fast erweckt es den Anschein, als ob wir vor einem neuen baby­lonischen Turmbau stehen. Während in Genf große Reden für den Freihandel gehalten werden, bauen Frankreich, England und Amerika ihre Zollmauern gegen DeutWand aus! Der chinesische Krieg geht weiter. Die Gegensätze zwi­schen England und Rußland haben sich verschärft und auch der ©ilberftreifen, der eine wirkliche Ver- ständigung zwischen Deutschland und Frankreich an­beutete, ist vor lauter politischen Nebeln kaum mehr zu sehen. In der ganzen Welt geht der Vernichtungskampf Aller gegen Alle roei- ter. Wenn die Genfer Weltwirtschaftskon­ferenz nicht den Mut aufbringt, an die europäischen Schuldenregelung gegenüber Amerika und an den Dawes »Plan und seine roirt- scftastlichen Auswirkungen für die europäischen Länder heranzugehen, dann wird die Konferenz vielleicht zwar zur Aufstellung einiger schöner Grundsätze kommen, aber sie wird keine wirksame Gesundung der weltwirtsck)aftlichen Derhältnisie bringen.

Nach der getroffenen Vereinbarung hat die erste Kommission das Material über die Finanz-, Land­wirtschafts- und Devölkerungsfragen zu sichten und zu klären, während die zweite Kommission sich mit den Fragen der industriellen Produktion ausein- anderzusetzen hat. Die dritte Kommission soll den Problemen des Handels- unb Zollwesens auf den Leib rücken.

Die erste Kommisiion hat inzwischen zwei Un­terausschüsse eingesetzt. Der Finanzausgleich soll sich unter anderem mit folgenden Fragen befassen: Wie ist die Währung jeden Landes zu festigen und feftzubalten? Welche Kreditpolitik sollen die einzelnen Länder befolgen? Wie steht die Steuer- belastung in den einzelnen Ländern aus? Der zweite ober landwirtschaftliche Unterausschuß hat sich mit den landwirtschaftlichen Produktionskosten,

Der preußische Ministerpräsibent hat dem Land­tag eine Aufzeichnung über bie hauptsächlich­sten zur Zeit bestehenden Meinungsverschieden­heiten zwischen Reich unb Preußen übermittelt. Diese Denkschrift enthält bas Material, auf das sich der Ministerpräsident bei seiner jüngsten Be­schwerberebe gegen bie Reichsregierung gestützt hat. Die Aufteichnung schikbert bie noch immer ungelöste Frage bet an Preußen vereinbarungsgemäß zu- rückzuerstattenben Krie gssch äben, bie 3V, Milliarden G.-Mk. betragen, unb auf die baS Reich erst 65 Millionen gezahlt hat. ES wirb weiter ge­sagt, baß Preußen keinen Ersatz seiner jährlich 36 Millionen Mark bettagenben Einnahmen au5 ben Saargruben erhalten hat, bie durch bie Ueberlassung an bie französische Regierung auS* fallen. Ebenso hat bas Reich bie preußische For­derung nicht erfiffit, ihm für bie rund 400000 Hektar verlorenen Staatsforsten im Werte von rund 1,6 Milliarden Rm. wenigstens als Ab- schlagszahlung die 6000 Hektar zu übergeben, die das Reich noch von früheren Truppenübungsplätzen her in Preußen besitzt. Preußen kann auf seine Entschädigung nicht verzichten, da für zahlreiche Unternehmungen von höchstem Wert für Preußen und damit auch für das Reich erforderliche Mittel nicht verfügbar zu machen sind. Weiter bringt die Denkschrift Erörterungen, über die von Preußen auf Grund des Gesetzes vom 25. Mai 1843 »er­langte Rü tfgäbe des Staatseigentums, das seinerzeit an das Reich übergegangen war, aber für dieses durch Verminderung unb andere Um­stände inzwischen entbehrlich geworden ist. Unge­löst ist auch noch die Frage des Rückkaufgelbes für bie Ueberlassung bet Staatseisenbahnen an daS Reich unb bie Aufwertung dieser Summe. Es wird ausdrücklich betont, baß alle Meinungsverschieben, beiten natürlich nur Einzelfälle betreffen unb auf die große Linie deS Zusammenarbeitens zwischen Reich unb preußischer Regierung nach Ansicht der preußischen Staatsregierung ohne Einfluß bleiben müssen.

Von Reichswegen wirb amttich mitgeteilt:

In der Prefle ist mehrfach die Behauptung auf- getaucht, bie Reichsregierung weigere sich, trotz des Leipziger Urteils ben Anspruch Preu­ßens auf Abordnung eines Mitgliedes in den 33er- waltungsrat der Reichsbahn anzuerkennen. Diese Behauptung ist eine böswillige Verdrehung. Der Reichskanzler hat sofort nach Dekanntwerden des Urteils mit dem preußischen Staatsministerium Fühlung genommen und ben Wunsch ausgesprochen.

Burgfriede in Magdeburg.

Der Magdeburger Polizeipräsident hatte bie Vertreter der politischen Parteien, der Verbände und der Presse am Mittwoch zu einer Aussprache über beabsichtigte Aenderungen der polizeili- chen Maßnahmen bei öffentlichen Um. z ü g e n eingeladen. Sei polizeilicher Schutz nötig, ’o müßten wegen der hohen Kosten Ge­bühren erhoben werden. Die Vertreter bet Stahlhelms, des Reichsbanners, des Roten Front- kämpferbundes unb des Kreiskriegerverbandes ga­ben die Erklärung ab, daß an dem Tage eine» Demonstrationsumzuges einer Partei ober eines Verbanbes Gegenbemonstrationsumzüge nicht statt- firtben sollten. Der Polizeipräsident erklärte dar- auf, es würden von nun an nur ein oder zwei berittene Schutzleute den Zug begleiten.

Zur Vauernrecht und Stellung.

lieber den Ausbau und die Bedingungen der „Deutschen Bauernschaft", welcher der Deutsche Bauernbund, der Bayerische Bauernbund und der Reichsverband landwirtschaftlicher Mittelbetriebe angehören, sprach gestern nachmittag im Reichs­tagsgebäude vor einer Anzahl von Parlamenta­riern und Vertretern der Behörden der bayerische Landwirtschaftsminister Abg. Dr. Fehr. Er sühne u. a. aus, man wolle keine neue Partei gründen, sondern der Zweck sei, eine berufsständige Organi­sation des deutschen Bauerntums zu schassen. Die Grundidee sei, ein freies und unabhängiges Bau­erntum zu schaffen und den Heimatgedanken zu pflegen. Man sei bereit, in Gemeinschaft mit allen Parteien zu arbeiten, die sich in den Dienst des Bauerntums stellen wollen. Freimütig bekenne er, daß die Organisation „Deutsche Bauernschaft" bereit sei, für bie jetzige ©taatsform ber deut­schen Republik einzutreten. Die Siedelungsfrage müsse mit aller Energie gefördert werben. Er könne sich keine beffere Ostmarkenpolitik benken als burch eine kluge Siebelung kleinerer und mittlerer Bau­ern in den Dörfern des deutschen Oftens. Zum Schluß charakterisierte Fehr das Verhältnis zu den anderen Organisationen der Landwirtschaft. Man wolle gern Toleranz üben und in Frieden leben; wenn aber der Kampf angeboten werde, so sei man bereit, ihn auch anzunehmen.

Die neue Organisation richtet sich wohl gegen die unumschränkte Herrschaft des großagrarischen Landbundes in den nicht-katholischen Teilen Deutschlands. _______________

* Da» Regierungsjubiläum König Alfons XIII. Aus Anlaß des 25. Jahrestages ber Krönung Al­fons XIII. fanb in ’Ölabrib in der Kapelle be« königlichen Palais ein Gottesdienst statt, an dem bie königliche Familie, bie Regierung unb zahl­reiche andere hervorragende Persönlichkeiten teil- nahmen. Die aus den spanischen Provinzen ein- getroffenen Glückwünsche zählen nach Tausenden. Am Nachmittag wurde im Thronsaal ein allge­meiner Empfang für das diplomatische Korps, Abordnungen ber Armee und Marine, das Per­sonal der Ministerien und anderer staatlichen Be­hörden sowie für Korporationen aller Art ver­anstaltet. Der Nuntius überreichte dem König ein Handschreiben des Papstes, in dem dieser feint herzlichen Glückwünsche aussprach.

Der Bürgerkrieg in China.

wtb. Schanghai, 19. Mai. Reuter. (Sig. Funkm.) Tschankaischek ist nach Nanking zurückge- kshrt. Kommuni st enfeindliche Truppen konzentrieren sich in der U m g e d u n g v o n H a n- k a u. Es wird jeden Augenblick ein Zusammen­stoß mit den Truppen ber kommunistischen Hankau» Regierung erwartet.

*

Der Vertreter des britischen Gesandten in Pe­king, Basil Newton, richtete ein Abschieds- schreiben an den Hankauer Außenminister Tschen, worin er daran erinnert, daß die britische Regierung sich fortgesetzt bemüht habe, den Wün­schen Tschens entgegenzukommen und die Hoffnung ausgesprochen habe auf eine von dem Geiste auf­richtiger staatsmännischer Gesinnung erfüllte Ant­wort. Trotz dauernder Beweise des guten Willens hätte sich aber die Lage, in der sich bie Briten in den von Hankau aus beherrschten Gebieten befän­den ,bie Räumung aller Häfen westlich von Hankau notwendig gemacht.

Den Höhepunkt hätten bie mörderischen Aus­schreitungen in Nanking am 24. März gebildet. Von den Verhältnissen in Hankau, wo der Handel bär- niederliege und Räumungen das Gefühl der Un­sicherheit zum Ausdruck brächten, erübrige es sich zu sprechen. Das Schreiben schließt: Während et klar ist, baß bie britische Politik gegenüber den be­rechtigten Ansprüchen bes chinesischen Volkes unver­ändert geblieben ist, haben diejenigen, deren Wort­führer Tschen ist, es verabsäumt, ihren Anspruch als begründet zu erweisen, daß sie wie eine verant­wortliche moderne Regierung zu regieren verstehen Newton kommt zu ber Schlußfolgerung, baß ein Verbleiben bes Vertreters des Gesandten am Sitz einer Regierung, bie so unvollkommen unb unfähig fei, ben Verpflichtungen einer zivilisierten Regie­rung nachzukommen, weder nützlich noch wün­schenswert fei._____________________

Werbeministeriums auch die Vorgänge an ber Börse zur Sprache. Handelsminister Dr. Schreiber gab eine längere Grfiärung hierzu ab, die in ber Feststellung gipfelte, baß die Veröffent­lichung des Beschlusses der Stempelvereinigung so­wohl für das Handelsministerium wie für den Dörsenvorstand völlig überraschend gefönt- men sei. Beim Haushast ber Justizverwaltung gab es ein scharfes Wortgeplänkel zwischen dem deutsch- - nationalen Abgeordneten Kenkel und dem Sozial- bemohalen Kuttner. Dem Abg. Kenkel war von •Suttner vorgeworsen worden, er habe aus dem Hinterhalt den ersten Schuß auf Höfte abgegeben und stehe in Verbindung mit den Eerichtsafsessoren ______

Kußmann und Caspary, die bekanntlich in die verschiedenem Hösle - Angelegenheit verwickelt sind. Schließlich 1 zu befassen.