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FuldaerZertung

Anzeiger für die Stabt Fulda unb ben Landkreis Fulda. Amtliches kreisblatk.

54.Zahrg.

Nr. 113

Dienstag, 17. Mai 1927.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk.

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Zer sranzösische Plösidentenbesuch in London

Die Reichsregierung zum vörsensturz.

Die nicht

auch ver- d e r

von -er polnisch-russischen Grenze.

wtb. Warschau, 16. Mai. (Gig. Funkm.) Wie »Glos Prowdy" meldet, sind in den Ostmarken ,n den leisten Tagen wiederum zwei Fälle von Seschießungen polnischer Gren,zwachen Mrch bolschewistische Patrouillen zu verzeichnen. Seide Male wurde jedoch trotz lebhaften Feuers luf polnischer Seite niemand verletzt.

Tatsächlich hat sich das Reichskabinett auch schon mit dieser Frage beschäftigt. Man denkt gegebenenfalls an bestimmte gesetzliche Vorschriften an die Danken über die Verwendung ihrer Gel- der. Diese Androhung hat ungeheuren Eindruck auf die berufsmäßige Spekulation gemacht. Folgen des jetzigen Börsenkrachs sind noch zu übersehen.

der Locarnoer Abmachungen berechtigt war, hat Dr. Stresemann bis zum Herbst zurückgestellt, bis die letzten Forderungen der Botschafterkonferenz hinsichtlich der deutschen Abrüstung ausgeführt sind. Aber unabhängig davon glaubte unser Außenminister auf Grund der Besprechungen in Locarno vor zwei Jahren die Herabsetzung der rheinischen Besatzungsstärke verlangen zu können. Der prompte französische Gegenwunsch lautete, daß die «Feststellung der Schleifung der deutschen Ost» festungen durch die militärischen Attaches der En­tente geschehen müsse. Die mit der Botschafter­konferenz getroffenen Abmachungen dulden zwar die Entente-Militärattaches noch weiter in Deutsch­land, aber sie besagen nicht, daß es von ihrem Gutachten avhängt, ob nun die Schleifung der in Frage kommenden Ostfestungen tatsächlich durck- geführt ist oder, nicht. Deutschland sähe am lieb­sten, daß die Feststellung durch neutrale Sachver­ständige gemacht würde. In diesem Punkte ist im Augenblick eine Einigung nicht erzielt, die ganze Frage hat im Gegenteil wieder dazu beigetragen, die deutsch-französischen Beziehungen etwas zu trüben.

Ob die Londoner Besprechungen eine Klärung bringen, muß man abwarten. Briand hotte dem Botschaftsrat Rieth versprochen, eine endgültige Antwort bis zum Ende der abgelaufenen Woche zu geben. Sie ist nicht erfolgt. Entschuldigen wird sich Briand wahrscheinlich mit der bemerkens­werten Demarche Italiens, das in London zum Ausdruck gebracht hat, es werde nicht zulassen, daß eine frühzeitigere Räumung des Rheinlandes oder ein Abbau der Besatzung als eine rein fran­zösisch-deutsche Angelegenheit behandelt würde, auch Italien müsse dabei zu Rate gezogen werden. Italiens Anfrage, wie sich England zur Frage der Rheinlandräumung überhaupt stelle, soll die eng­lische Regierung dahin beantwortet hoben, daß sie den gegenwärtigen Zeitpunkt für eine solche Er­örterung nicht für opportun halte.

Einheitsfront gegen Moskau.

wtb. London, 16. Mai. (Eig. Funkm.) Ueber den Besuch Doumergues und Briands in London schreibtDaily Chronicle" u. a.: Chamberlain und Briand hätten den Wunsch, die Stellung Stress» manns gegenüber den extrem-konservativen Ele­menten in seiner Regierung zu stärken, aber Briand habe auch auf andere französische Ansichten als seine eigene Rücksicht zu nehmen.Daily News" glaubt, daß Briand und Chamberlain die Rheinlandfrage erörtern werden. Leider verschlechtere Deutschland wie so oft seine eigene Stellung. In diesem Zu­sammenhang führt das Blatt u. a. die Stahlhelm­kundgebung an.Times" schreibt dem franzö- fischen Besuch keinerlei außergewöhnliche politische Bedeutung zu, während Daily Telegraph u. a. aus- führt, die britische Diplomatie ist getane jetzt all- allzusehr in Anspruch genommen, um sich mit der neuen deutsch-französischen Krisis zu beschäftigen. Gleichzeitig wird aber Besorgnis wegen Herrn Stresemanns persönlicher Stellung empfunden. Es besteht kein Wunsch, ein enttäuschtes Deutschland in die Arme Moskaus zu treiben. NachMorning Post" blldet die britisch» französische Freundschaft den Eckstein der franzö­sischen Politik. Diejenigen, die Groß-Britannien im Interesse Deutschlands von Frankreich trennen

Haussuchung bei einer Deutschen in Tarnowitz. Rach einer Meldung aus Tarnowitz wurde dort bei »er Geschäftsführerin der Tarnowitzer Caritativen ßeretne, Fräulein Kopetzki, eine Hausschung vor- genommen. Die Polizei beschlagnahmte dabei eine große Menge Schriftstücke. Auf Grund welchen Der- dachts die Durchsuchung erfolgte, ist unbekannt. In deutschen Kreisen hat das Vorgehen der Polizei Be­fremden und Erregung hervorgerufen, da Fräulein Kopetzki dort in hohem Ansehen steht, sich pölitisch Xie betätigte, vielmehr sich ausschließlich caritativen Zwecken widmete.

Prolog eröffnet, welcher der deutschen Politik eine größere Bescheidenheit empfiehlt. In der Tat werden alle Wünsche, die Deutschland äußert, von Frankreich seit einem Jahre stets mit Gegenwün- schen beantwortet. Die Forderung der völligen . , ____

Rheinlandräumung, zu der Deutschland wohl durch I heitssront die beste Hoffnung aus Sicherheit die korrekte Durchführung des Dawesplanes uno | liegt.

Heute wird der französische Präsident Dou- mergue mit seinem Außenminister Briand in Lon­don erwartet. Der Besuch ist schon seit langem fällig, doch wird er nichtsdestoweniger eine hoch­politische Note haben. Man wird nicht fehlgehen, wenn man annimmt, daß das englisch-französische Verhältnis, das in London besprochen wird, sich nicht zuletzt auch auf die Fragen erstrecken wird, die die besonderen deutschen Interessen berühren.

Wir haben nicht den Eindruck, daß dieser Be­such in einem Augenblick erfolgt, wo die politische Gesamtsituation für Deutschland günstig ist und Momente enthält, welche die Partner auf der Ge­genseite geneigter machen könnten, die deutschen Forderungen zu erfüllen, die bekannt sind. Die letzten Monate war Deutschland aus der euro­päischen Politik in hohem Maße ausgeschaltet. Nur in einem Falle hatte man einen Anlauf gemacht, Deutschlands Hilfe in Anspruch zu nehmen, das war kurz nach dem Appell Italien» an die Re­gierungen Paris, London und Berlin, in welchem gegen die angeblichen jugoslawischen Rüstungen an der Nordostgrenze Albaniens protestiert wurde. Damals sollte auch Deutschland sich an einer inter­nationalen Untersuchungskommission beteiligen, welche die militärischen Verhältnisse an der jugo­slawisch-albanischen Grenze nachprüfen sollte. Aus dieser Untersuchungskommission ist aber nichts ge­worden. Vielmehr ist der jugoslawisch-italienische Streitfall durch eine gewisse Nachgiebigkeit der Belgrader Regierung vorläufig zuvückgeschoben worden, eine Nachgiebigkeit, zu der wahrscheinlich die französische Diplomatie geraten hatte. Der Ti- raner Pakt Mussolinis, der heftigste Stein des An­stoßes, nicht nur der jugoslawischen Regierung, sondern auch der anderen Ententestaaten, ist un­angetastet geblieben. Mit dieser Nachgiebigkeit aber hat sich ohne Zweifel wieder eine stärkere Annäherung zwischen England und Frankreich vollzogen mit dem psychologischen Effekt, daß wahrscheinlich jetzt Frankreich naheliegende Wünsche äußern wird. Diese Wünsche dürften sich auf die Unterstützung Englands gegenüber den deutschen Forderungen beziehen.

Es ist auch nicht zu verkennen, daß in letzter Zeit in Frankreich wieder eine heftigere Stimmung gegen den Bolschewismus Platz gefunden hat. Ein politischer Seelenzustand, der mit dem augen­blicklich in London herrschenden recht inniglich korrespondieren dürfte. Man hat sich dieser Tage auf der Genfer Wirtschaftskonferenz bei der fran­zösischen Delegation etwas indiskret zu erkundigen bemüht, wie es um die russisch-französischen Schul­denoerhandlungen stehe. Die Frage hatte einen politischen Unterton. Die Antwort, die gegeben wurde, war sehr witzig, aber auch sehr bezeichnend und lautete:Nun, die russisch-amerikanischen Ver­handlungen dauern ja auch sehr lange!" Der rus­sisch-französische Ausgleich läßt also noch auf sich warten, und es ist durchaus möglich, daß die Le- sprechungen in London das Verhältnis der beiden Staaten zu Rußland einmütig gestalten.

Diese Verhältnisse muß man berücksichtigen, wenn man abschätzen will, ob die in den letzten Tagen durch den Botschaftsrat Rieth dem franzö­sischen Außenminister vorgelegten Wünsche bezüg­lich einer Herabsetzung der Besatzungsstärke im Rheinland erfüllt werden. Es ist ein schlechtes Vorzeichen, daß die franzosenfreundlicheTimes" den Besuch Doumergues und Briands mit einem

möchten, mögen enttäuscht darüber sein, daß die beiden Länder noch immer an ein gemeinsames Zu­sammengehen glauben. Wik dürfen auch hoffen, daß angesichts der Gefahr, die jetzt die westliche Civili- sation von Osten her bedroht, Frankreich und England einsehen werden, daß in einer Ein-

Die Kleine Entente ist bekanntlich ein Werk des politisch stets vielgeschäftigen tschechischen Au­ßenministers Dr. Benesch. Geschickt wußte er aus den gemeinsamen Interessen der T s ch e ch e I, Rumäniens und Jugoslawiens die Grundlagen zu der Erhaltung des Friedens von Trionon zu schäften, auf der die Kleine Entente enfttehen konnte. Die Furcht, daß von Seiten Ungarns an diesem Trianoner Frieden gerüttelt werden könnte, war und ist zweifellos auch heute noch das Band, das die Staaten der Kleinen En­tente untereinander bindet. An Festigkeit Hot allerdings dieses Band gegen die ersten Jahre sehr verloren, denn das Verhältnis der drei Staaten der Kleinen Entente zu Ungarn selbst hat sich völ­lig gewandelt. Wir erleben heute das eigentüm­liche Schauspiel, daß alle drei Staaten der Klei­den Entente, die sich gegen Ungarn zusammen- getan haben, sich um die Freundschaft und das Wohlwollen der Budapester Regierung bemühen. Die Ursache dafür liegt aber in nichts anderem als in der von Mussolini so erfolgreich durch­geführten und von England unterstützten italieni­schen Politik im Südosten Europas. Denn wie aus dem erst kürzlich zwischen Italien und Un­garn abgeschlossenen Freundschaftsvertrag erhellt, ist von der römischen Polittk dem ungarischen Staate eine ganz besondere Rolle zugewiesen wor­den, und das hat gleichsam revolutionierend auf die Einstellung der Mächte der Kleinen Entente zu Ungarn gewirkt. So versucht nunmehr Rumä­nien, das sich selbst für einen italienisch-englich freundlichen Kurs enftchieden hat, mit Ungarn »u einem Ausgleich zu kommen, denn ohne ihn ist das rumänisch-italienische Verhältnis auf die Dauer nicht denkbar. Wie weit in dieser Richtung die

Zur politischen Sage.

Aus dem Reichstag teilt man uns mit:

Die politische und parlamentarische Situation ist jetzt, nachdem die Einigung über die Behand­lung der Verlängerung des Republikschutzgesetzes so ziemlich abgeschlossen ist, wieder als beruhigt an» Zusehen Die Frage wird so geregelt, wie wir das in unseren Darlegungen wiederholt geschildert 'haben. Vor den Pfingstserien werden' größere Schwierigkeiten nicht mehr zu erwarten sein.

Große Sorge macht allerdings die Betrachtung der außenpolitischen Situation, insbeson­dere die Weigerung Frankreichs, den deutschen Wünschen bezüglich der rascheren Herabsetzung der Besatzung entgegenzukommen. Das Reichskabinett wird sich alsbald mit dieser Frage noch eingehend beschäftigen müssen.

Nach den Pfingstserien werden ja die Fragen des Reichsschulgesetzes, ferner die großen Zoll- !> r o b l e m e im Vordergrund der Erörterungen tehen. Die demokratische Oppositionspresse macht geltend, daß die Deutschnationalen dahin taktieren, die neueZollvorlage noch unter Dach und Fach zu bekommen. Dann würden die Deutsch- nationalen sofort, ähnlich wie damals im Kabinett Luther, einen Vorwand suchen, um aus der Koa- 4ition auszuscheiden. Das sind aber ledig­lich leere Kombinationen, die darauf angelegt sind, neue Verwirrung in die Koalition zu bringen.

3m übrigen beziehen sich jetzt die Erörterungen En parlamentarischen Kreisen in der Hauptsache tauf die gerade katastrophalen Ereignisse an der ^Berliner Börse. Dort haben sich in wenigen Ta­igen Kursverluste von 100 Prozent und mehr bei größeren Papieren ergeben. Die Börse zeigt eine Ifo verworrene und geradezu panikartige Verfas­sung. wie sie noch selten erlebt worden ist.

Die Ursache liegt in dem scharfen Druck, den Die Reichsbank auf die Großbanken ausgeübt hat, um sie zur Verkürzung der für das Börfenfviel gewährten Gelder zu veranlassen. Die Großbau- ken sind nicht freiwillig dieser Anregung gefolgt, sondern lediglich unter dem Zwang der ausdrück­lichen Drohung des Reichsbankpräsidenten, daß gegebenenfalls gesetzgeberische Maßnahmen zur Eindämmung des Spiels an der Börse getroffen werden.

Ding« bereits gediehen sind, zeigt die Tatsache daß Gerüchte von einer ungarisch-rumänischen Per- fonalunion auftaudjen konnten, deren Durchführung sich zwar augenblicklich noch schwere Hindernisse entgegetateöen, deren Möglichkeit aber doch auf beiden Seiten immer noch erwogen wird. Noch mehr ist Iugvsiavien durch die italienische Ein- freifungs- und Abschnürungspolitik in die Zwangs­lage versetzt, mit Ungarn in ein besseres Einver­nehmen gelangen zu müssen, da es nur so hof­fen kann, den italienischen Ring zu sprengen. Es ist der Belgrader Regierung allerdings nicht ge­lungen, den italienisch-ungarischen Freundschafts­vertrag zu verhindern, aber die Möglichkeiten, ge­wisse Auswirkungen dieses Freundschaftsvertrages abzuschwächen, sind für Jugoslawen doch gegeben. Einmal ist Iugoslavien von allen drei Mächten der Kleinen Entente der Staat, der sich am wenigsten Magyaren einoerleibt hat, so daß die vorhandenen Reibereien, zwischen beiden Nachbarn nicht allzu störend wirken können, und dann ist Ungarn trotz der Eröffnung einer Freihafenzone im italienischen Fiume auf das Wohlwollen Jugoslawen? angewie­sen, da es nur über jugoslavisches Staatsgebiet an das Mittelmeer kommen kann. Diese für Rumä­nien und für Iugoslavien sich als Folge der itaüe- nischen Politik ergebende Umstellung zu Ungarn zwingt aber auch schließlich die Tschechei in^cine gleiche Richtung, wenn sie sich nicht völlig isosteren lassen will. Benesch hat sich zwar lange dagegen gefträubt, doch ist er heute anderer Meinung ge­worden, wie das aus seinem außenpolitischen Pro­gramm hervorgeht, das er kürzlich vor Prager Redakteuren entwickelte. Ausdrücklich betonte er hierin, daß die Zukunft eine engere Zusammen- arbeit mit Ungarn oerlanae, weil das letzter» al«

Wie steht es um die Kleine Entente?

Bon Dr. Paul Ostwald.

Es wird demgegenüber übrigens in voller Uebereinftimmung mit den Darlegungen, die sei­tens der Reichsbank bereits gegeben sind, fest- gestellt, daß der Herr Reichsbankpräsi­dent Anfang dieses Monats dem Reichskabinett anläßlich der Erörterung einer anderweitigen An­gelegenheit auch feine Auftastung über die seit längerer Zeit in der Entwicklung begriffenen Bör­senbewegung mitgetcilt hat. Beschlüsse seitens des Reichskabinetts wurden zu diesem Punkt aber nicht gefaßt, in--besondere auch nicht in der Frage, ob auf eine Verminderung der Report- gelber hinpuwirken sei. Das Reichskabinett äußerte dem Herrn Reichsbankpräsidenten gegen­über auch keine Wünsche, in welcher Weise er feine Aufgabe zum Schutze der Währung und in der Führung der deutschen Geldpolitik bei sei­nen Verhandlungen mit den Kreditbanken erfüllen möchte.

(Eine Denkschrift des Reichsbanners Schwarz« Rot-Sold.

Den Frakttonsvoritänden der republikanischen Parteien im preußischen Landtag und sämtlichen Mitgliedern deS preußischen Kabinetts ist. wie der Montagmorgen erfährt, im Laufe des Sonntags eine Dmkschrift des Bundesvorstandes des Reichs- bannerS Schwarz-Rot-Gold zugegangen, in der eine Reihe ernster Beschwerden über die noch immer mangelhafte Republikani- f ierung der preußisch en Verwaltung" zusammengefaßt sind. Es hagelt sich um die gleiche Beschwerdeschrist, die Bundesvorstand des Reichsbanners vor einigen ~agen dem preu­ßischen Ministerpräsidenten Braun übergeben hat.

Amtlich wird bekanntgegeben:

Bei der Erörterung der Börsenlage wird die Auffassung vertreten, daß die die Baisse anlassenden Maßnahmen auf Beschluß___

Reichsregierung zurückzuführen seien, die außerdem noch ohne Fühlungnahme mit den sonst zuständigen Stellen zustandegekommen seien. Diese Darstellung ist völlig falsch.

lein die Aussicht auf eine erfolgreiche Wirksamkeit gegen die italienisch-englische Politik im südöstlichen Europa gewähre. Wie weil er dabei allerdings auf ungarische Gegenliebe stoßetz wird, muß abge­wartet werden.

Die Festigkeit des ungarischen Bandes ist also für die Kleine Entente heute bereits stark in Zwei­fel zu ziehen, und es erhebt sich bezüglich der weiteren Lebensfähigkeit der Kleinen Entente da- her nur die Frage» ob diese Festigkeit noch Io tart sein wird, um auch den sonstigen ©egen- atzen, die zwischen den drei Staaten immer be­tanken haben und noch bestehen, genügenden Widerstand leisten zu können. Das für den Zu­sammenhalt der Kleinen Entente immer schon ge­fährlichste Problem war Rußland. War Ru­mänien Bessarabiens wegen gezwungen, eine rus­sischfeindliche Stellung ernzunehmen, so traf da» weder für Iugoslavien noch für die Tschechei zu. Wiederholt ist vielmehr sowohl in Belgrad als auch in Prag die Frage der Anerkennung des Sowjetstaates akut gewesen und nur im letzten Augenblick immer wieder auf Druck der Purster Diplomatie unterblieben. Dieses von Anfang an verschiedene Verhältnis der drei Kleinen Entente­mächte zu Rußland ist nun heute noch verschärft worden, und zwar auch wieder durch die Haltung Italiens. Durch die italienische Unterzeichnung des Bestarabischen Protokolls ist das rusiisch-rumä- Nische Verhältnis bedeutend gespannter geworden, während auf der anderen Seite Iugoslavien noch mehr als bisher die Freundschaft Rußlands suchen muß, um einen Rückhalt gegen Italien-England zu gewinnen. Die russisch-jugoslavische Annähe­rung aber hat heute auch darum größere Aussich­ten gewonnen, weil sie Förderung erfahren wird von Frankreich, das selbst nach einem Ausgleich mit Rußland in der Schuldenfrage strebt. Di» Besserung des französisch-russischen Verhältnisse» wird aber auch Rückwirkungen haben müssen aus das tschechisch-rusiische. Mit einem gewissen Recht ist Benesch, der sich am stärksten bisher einer An­näherung der Tschechei an Rußland widersetzte, von seinen Gegnern der Vorwurf gemacht wor­den, daß seine Politik das Land in eine gefähr- liche Isolierung gebracht habe, und er selbst hat in dem schon oben erwähnten Interview, das er den Prager Redakteuren gewährte, eingestehen müssen, daß ihn seine Hoffnungen auf Polen be­trogen haben. Scheidet aber Polen forthin als poli­tischer Freund für die Tichechei aus, dann ist der Weg Prags nach Moskau frei, und die Tschechei wird diesen Weg sogar gehen müssen, und sie wird ihn um so lieber gehen, wenn sie dazu noch den Pariser Segen erhält.

In dieser sich auoenblicklich am politischen Hori zonte zeigenden Umstellung der Tschechei und I goslaviens zu Rußland liegt zweifellos das fern Schicksal der Kleinen Entente beschlossen, an ihr wird vermutlich bas ungarische Band, das die drei Mächte vorläufig noch zusammenhätt, zer­brechen. Das fühlt auch Benesch selbst, der schon mit einem Plan der Schaffung eines mittel­europäischen Kleinstaatenblocks um­geht und dafür Propaganda zu machen sucht. Brüchig genug ist jedenfalls die Grundlage der Kleinen Entente geworden, und auch die jetzt wie- der stattfindende Konferenz in Ioachimstal wird darüber nicht Hinwegtäuschen können. Das zu be­dauern. haben wir Deutsche allerdings am wenig­sten Ursache, denn immer bedeutete die Kleine Entente eine befondere Stärkung der ftanzösischen Machsttellung in Europa, da ihr Gründer sie von vornherein in den engsten Zusammenhang mit der großen Entente gebracht hatte.

Das Konferenz»(Ergebnis.

Nach Beendigung der Konferenz der Kleinen Entente im böhmischen JoachimStal empfingen die drei Außenminister die rn Ioachimstal anwesenden Journalisten. Der rumänische AußenMini- st er Mitilineu erklärte u. a.: Wenn die Kleine Entente nicht existierte, wäre es notwendig, sie zu schaffen. Alle biefenigen, welche noch an die Mög­lichkeit erneS MißverständnffseS unter uns glauben, werden enttäuscht sein durch die weitere Entwicke­lung der Kleinen Entente. Das Verhältnis zu Frankreich ist herzlich und fest. Zu England und Italien bestehen ausgezeichnete Beziehungen. DaS Verhältnis zu Deutschland ist gut und es be­steht daS Bestteben, eS zu bessern. Nach Erledi- aung einiger Fragen wird für Rumänien kein Hin­dernis bestehen» mit Deuffchland in ein noch engeres Verhältnis zu treten. DaS Verhältnis der Staa­ten der Kleinen Entente zu Polen ist das hefte. Auch das Verhältnis zu Oesterreich fft gut. Ueber das Verhältnis der Kleinen Entente zu Ungarn erklärte Mitilineu: Wir streben alle sehr au fridjtig nach der Beseitigung aller Hindernisse zwischen der Kleinen Entente und Ungarn. Ich freue mich, zu sehen, daß Ungarn seine Politik der Isolierung verläßt. Wir verlangen, daß sämtliche Nachbarn Ungarns mit ihm verhandeln, und Abkommen er­zielen. Wir erwägen die Möglichkeit, mit Bul­garien einen Vertrag über gegenseitige gute Nach­barschaft abzuschließen. Was die Sowjets betrifft, hat sich an unserem bisherigen Standpunkt nichts geändert. Auf die Frage wegen des Zusam­menschlusses Oesterreichs mit Deutsch- land erklärte Minister Mitilineu, daß diese Frage nicht aktuell sei und daß der Standpunkt der Kleinen Entente in dieser Frage sich in keiner Weise geändert habe. Der jugoslawische Minister Ma- r i n k o w i t s ch erklärte: Die Kleine Entente ist un­erläßlich, nicht nur für die drei verbündeten Län­der, sondern auch für die Erhaltung des Gleich- ?ewichtS in Mitteleuropa. Minister Benesch hob ie Notwendigkeit wirtschaftlicher Zusammenarbeit der Länder der Kleinen Entente und ihrer Nach­barn hervor. Die Wirffamkeit der Kleinen Entente für die internationale Politik gewinne immer grv- feere Bedeutung