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Fuldaer Seitung

Sonntag, 15. Mai 1927.

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11. Maurer Konst. Schlitzer,

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Staatsreqierung auch heute noch auf dem punkt, daß sie eine Rückkehr des früheren aus politischen Gründen nicht quthekßen Die sich daran anschließende Aussprache unterbrochen, um die Abstimmungen zur

Kopfschmerz Migräne Neuralgie Zahnschmerz

versuchter Bestechung verurteilte das erweiterte fengericht Hanau den Motorradfahrer zu 100 Geldstrafe.___________________

Lesung des Haushalts der Handels- und Gewerbe­verwaltung vorzunehmen. Dabei werden die Aus­schußanträge angenommen. Das Gehalt des Miin- stervrästdenten wurde mit 199 gegen 139 Stimmen bewilligt. Darauf seßte das Haus die Debatte über den Etat des Finanzministeriums fort und vertagte sich schließlich zu einer Abmdfitzung, di« um 7 Uhr begann.______________

0 Schlüchtern. Am Nachmittag des 29. September vorigen Jahres waren die Landwirtssöhne Bernhard und Josef Jockel aus Rabenstein (Str. Schlüchtern) im Walde. damit beschäftigt, Besenreiser abzu­schneiden. In dieser Beschäftigung wurden sie non einem Förster gestört, welcher die Besenreiser beschlag­nahmte. Mit Gewalt eigneten sich die beiden wegen Wider st and und Beleidigung angeklagten Brü­der die Besenreiser an, weigerten sich, ihre" Persona­lien anzugeben und wurden gegen den Förster belei­digend. Das Schöffengericht Hanau verurteilte Bern- L-rd Jockel zu 75 Mk., Josef Jockel zu 50 Mk. Geld­strafe. _______________

Wie wird das Wetter?

Unsere Witterung steht immer noch unter dem Ein- fluß einer kühlen Nordwest-Strömung. Eine wesentliche Aenderung der Wetterlage ist noch nicht wahrscheinlich, doch wird die Temperatur langsam wieder ansteigen.

Aussichten bis Sonntag abend: Fortbestand der un­beständigen Witterung.

Aus den Parlamenten.

Reichstag.

Der Reichstag nahm am Freitag bei der forr- geseßten Beratung des Gesetzes zum Schutze bet Jugend bei Lustbarkeiten den Absatz 1 des 8 1 mit 201 gegen 157 Stimmen an. Danach ist der Besuch oder die Beschäftigung von Minderjährigen unter 18 Jahren zu verbieten oder emnischränken. wenn eine sittliche, geistige oder gesundheitsiche Schädigung zu besiirchten ist. In einfacher Mstimmung wurde dann der ganze § 1 in der Ausschußfassung ange­nommen. Die Weiterberatung wurde schließlich auf Samstag vertagt.

Preußischer Landtag.

Auf der Tagesordnung der Freitagssitzungstand die zweite Beratung des Haushalts des Finanz­ministeriums, mit der die Besprechung einer großen Anzahl von Anträgen verbunden ist. Die allgemeine Besprechung wurde mit einer Rede des Finanznrinisters Dr. Hovker-Aschoff einge­leitet, der u. a. zur Erhöhung der Beamtenbesol­dung mitteilte, daß Preußen die Besoldungs- gesetze nicht anders mifzieben könne als das Reich. Der Reichssinanzmmffter wolle die Desoldungsreform noch im Laufe dieses Rechnungs­jahres zur Verabschiedung bringen. Was die Frage der Rückkehr des Kaisers betreffe, so stehe die

Bei

itrovanille

2. Blatt.

Druck der Fuldaer Ackiendruckerei, Fulda

0 Steinau. Am 9. Februar d. I. wurde in Steinau auf behördliche Anordnung eine Autokontrolle abgehalten. An diesem Tage kam aus der Richtung von Fulda mit seinem Motorrad auch der 27 Jahre alte Kaufmann Oskar Gr. aus Fulda durch Steinau. Er wurde angehalten und ohne Führerschein betroffen. Er bat den Landjäger, welcher seine Personalien fest­stellte, keine Anzeige zu erstatten und bot ihm^ ein Trinkgeld in Höhe von einer Mark an.

Ballender geb. Hartung 66 I.. 6 M.. 13 T. 12. Ehefrau Juliane Stock geb. Remmert, Mittelreppich, 48 3., 5 M..

22 T._________________________________________________

Heil 52 I.. 10 M., 13 T. 11. Maurer Konst. Schlitzer, Giesel 29 I., 9 M., 22 T. 11. Agatha Birkenbach, Gott- Hards 1 I., 8 M., 26 T. 12. Rentner Witwer Bruno Kaiser 78 I., 5 M., 24 T. 11. Pflegling Otto Weh 13 3., 8 M., 18 T. 11. Arbeiter Wilhelm Michel, Bachrain 59 3-, 8 M., 10 T. 11. Maria Eugenie Aha. Rothe­mann Vk Stunde. 12. Rentenempfängerin Witwe Kath.

Mutter Erde, wie drängt es mich einmal recht eindringlich mit dir zu sprechen denn siebe de/FrüblknaV "Echt weitergehen. In deine von S Ä &7r“armte Brust möchte ich mich werken und leise fragen, was dir denn in den Ann gekommen ist. Warum erlaubst du dem ten?' ®tei6t °h Un\£eure Verheerungen anzurich- ten Weißt hu nicht, was das für so viele Hun­dertausende von Menschen heißt, Haus und Hof taoen eihtW ^rffen? mUnb bie wunderbaren Plan- 'm? i^'Eswen Baumwollfelder, es ist doch unb 65 st°nd die Ernte doch w gut! Was haben wir denn getan, daß du grollst» den 11S1“ fe’n Gnbe mit dem Erdbeben und den Ueberschwemmungen, was soll nur daraus mnrh!n\inlUrnV-11 B,elIeW’t- daß wir so stolz ae- worden sind und immer mehr hinter deine Ke- tnip honaH s.e s.j, ....' ds _ ,n Es Nicht gern, daß b" doch nur zwei Beine aegeben haft, >rßt Flügel angeschafft haben und noch höher ?ei”e Adler? Oder empfindest du das Verkehr netz, das wir um dich herum aesponnen haben, als eine unerträgliche Fessel? Willst du zei- gen, daß du doch die Stärkere bist und daß es mr nicht darauf ankommt. Dämme zu zerbrechen, die dem Herr, der Mensch, dir anaelegt hat, wie die Zugel einem Reittier? Oder bist du unmutig darüber, daß man jetzt eine Weltwirtschaftskon'- ferenz halt, und über dich und deine Länder ver­bandelt, als wärest du schon unser Eigen? Mutter Erhe, es fft genug! Sag dem Boter der Ströme da drüben, er solle einhalten. Wir wollen uns ,a auch bessern. Wir wollen mehr deinen heiligen Gesetzen folgen...

Mutter Erde aber ist stumm. Ihre ungeheuren Weiten lreoen da. als wüßten sie nichts von der Menschen Rot. Und die Wasser des Stromes gur- geln und lachen, als wäre das ein ihnen recht- maßlg zukommendes Vergnügen, wie denn auch die Menschen nach langer Rübe den Dan-, liehen. Uno fo tarnen die Wellen millionenfach auf unfern Fabern. Die ewigen Berge schauen zu. Hörst du, was das FinstSrahrhorn zur Jungfrau faat? Turgeniew hat es einmal erlauscht. Der alte Berg fchemt aufzuwachen und fragt: Iunofra,,. was siebst du da unten» Sie antwortet: Es ist alles weiß Und nach Jahrhunderten fragt er wieder- Jungfrau, was siehst du nun? Sie antwortet, daß da einige Käferlein Herumkriechen, und es wur­den dann immer mehr. Rach vielen Jahren aber tragt er wieder: Jungfrau, was siehst du? Und sie antwortet: Run ist wieder alles weiß ... So, Mot er gähnend, dann können wir also weiter schlafen . . . Mutter Erde, du bist wirklich furcht­bar, und mir graut immer, wenn ich deinen ein­samen Gang durch die Räume betrachte. Und du fererst deine »Feste, wie du willst. Kein Vulkan und fein Wasser stört dick in deinem Lenz, und sogar Kindtaufe hast du wieder gehalten, hab ichs doch vom Monde aus aefehen, daß du da im Kaspischen Meer ein Kleines zur Welt gebracht haft, ein liebliches Mädel, eine blühende Insel. Auf einmal war sie da und schaute sich um und lauschte hinaus auf die unendliche Musik der Sphären ....

Und nun zurück zu den Käferlein, ich meine den Menschen. Aus der Tatsache, daß ich auf ein halbes Dutzend Inserate hin noch keinen Stero- typisten gefunden habe, schließe ich. daß die Ar­beitslosigkeit stark zu Ende geht. Aus der weite- ren Tatsache, daß der einzige, der sich meldete, un­brauchbar war, schließe ich weiter, daß alles in allem die Unfähigkeit am längsten arbeitslos bleibt — nicht immer, aber doch zumeist. Da ich bei dieser Gelegenheit mit verschiedenen sogenannten Stiften gesprochen habe, ist mir wieder ein Grund­schaden der neueren Gesellschaft vor Augen ge­treten. Diesen Stiften geht es nämlich immer noch, wie einst dem Dichter Hebbel im Hause des Vogts. Man nützt sie aus und nimmt sich ihrer nicht liebe­voll an. Der kleine Stift, der oft den besten Wil­len hat, etwas zu lernen, muß zunächst Mädchen für alles fein. Botengänge, nicht nur für das Ge-

Theater und tttufift.

— Das Würzburger yeimakfpiel Kilianl-Franken- fghrk findet auch in diesem Jahre seine Wiederholung in den Tagen vom 3. mit 13. Juli in Anlehnung an das alljährliche Kiliani-Volksfest in Würzburg. Schauspiel­kräfte des hiesigen Stadttheaters zusammen mit einzel­nen Solokräften auswärtiger Theater teilen üch wieder in die Hauptrollen und bieten so wieder beste Gewähr für ein künstlerisch hochwertiges Festspiel. Um die Er­fahrungen des Dorjahres bereichert, wird die diesjährige Aufführung noch Besseres zu bringen suchen. Ein Besuch der Frankenmetropole zur Zeit der Kilianssest. spiele (an den Sonntagen finden auch Nachmittagsvo» stellungen statt) dürfte sich reichlich lohnen.

ANSM m heu Wfferohes tfnnhpwmfs ?nW.

Skerbefälle vom 29. April bis 13. 7Nai 1927.

29. Avril. Kaufmann Herz Eschwege 61 I., 7 TO., 27 T. 5. Mai. Privatim Witwe Margareta Westenberger geb Krastel 71 I., 3 M, 28 T. 5. Ehefrau Agnes Klü- 6er geb. Schaub 74 I., 9 M„ 4 T. ö. Ernst Karl Hof­mann 3 M., 19 T. 6. Rentenempfänger Wilhelm Bal­zer 37 I., 18 T. 6. Ehefrau Renate Romeis geb. Baum­gart 62 I., 8 M., 3 T. 8. Pfarrer Kaspar Peter Weber, Schwarzbach 50 I, 1 M., 1 T. 9. Bahnarbeiters-Ww. Mathilde Harengel geb. Weber 73 I., 6 M., 4 T. 10. Gisela Magdalena Kalb 21 T. 9. Kaufmann Moritz Weilburg 54 I., 11 TO., 23 T. 9. Magazinaufseher a. D. Otto Nöller 63 I., 8 M., 8 T. 9. Lehrling Franz Zinell 21 I., 5 TO, 21 T. 11. Ehefrau Therese Herbert geb.

Neues aus Frankfurt.

'=* Heues ans dem Frankfurter Zoo. Im Affen­haus sind einige ungemein interessante Neuankömm- -«ige zu verzeichnen, vor allem ein erstaunlich großes Hkemplar des südamerikanischen Klammeraffen, der mit feinen im Verhältnis zum Körper überraschend langen und dürren Armen und dazu dem langen Greifschwanz die absonderlichsten Bewegungsbilder bietet, sodaß fein Käfig ständig einen besonderen Anziehungspunkt bar« stellt. Nicht minder interessant ist der große Wollaffe, der seinem Namen alle Ehre macht, denn bie sehr dicht angeordneten Haare des Tieres haben in der Tat etwas Wolliges an sich. — Im Vogelhaus ist ein lange nicht mehr gezeigte Papagei, der siidamerikanische Fächer- vapagei, dessen fächerartig angeordnete Halsfedern dem Vogel seinen Namen eingebracht haben, als besonders auffallende Erscheinung zu nennen.

Rund um die Woche.

An Mutter Erde. - Eine neue Insel. - Der neu- Stift - Die Aufklärung über die Bodenletter Herrenmode und Tonnengewölbe.

schäft, sondern auch für die Hausfrau, nicht selten Stiefelputzen, Pakete schleppen, Teppiche ausklopfen unb dergleichen, das sind die Arbeiten, die ihn für jemen Kaufmannsberuf vorbereiten sollen. Das ist aber kein idealer Zustand. Hat ein solcher Stift [eine Lehre beendet, dann ist er so dumm wie vorher, und das Einzige, was er seit der Entlas­sung aus der Schule gelernt hat, ist das Zigaret­tenrauchen, was er am Ende aber schon vorher konnte. Also, liebe Meister, behandelt die Lehr- jungen so, daß sie auch etwas lernen. Sie soll- ten gehalten werden wie Kinder des Hauses. War der Stift Hebbel nicht sogar mehr wert, als der noch so tüchtige Vogt? Gewiß wird nicht jeder Lehrjunge später Dramen schreiben und ein be- rüi)tnter Dichter werden, aber er ist doch ein jun- per Mensch, und du, der du Zeit hast, die Blumen m deinem Garten zu begießen, wie kannst du den kleinen Menschenbruder vergessen, der dir zur Aus­bildung einmal anvertraut worden!

Wo ich nun gerade an Erziehungsfragen bin, will ich erzählen, was mir neulich ein Pfarrer faßte. Es hatte nämlich eine Mutter ihre Tochter an die Universität gebracht. Weinend kam sie bann unb klagte sich einer großen Schulb an. Sie habe oas Kinb nicht aufgeklärt. Run habe sie bie größte Sorge . . . Freilich muß sie nun Sorge haben. Wer heute Töchter hinausschickt, bie er sorgfältig im umhegten Heim aufgezogen hat, daß sie wirklich noch sind wie die Lilien, der sollte doch wissen, was er tut. Wenn die Mutter es nicht über sich bringt, dann bitte sie den Religions- lehrer. Aber irgend etwas von den Gefahren der und den Geheimnissen des Lebens muß dem Kinde gesagt werden. Es wird doch dadurch nicht schlechter. Es lernt doch dadurch nur ein neues Reich der Natur kennen, in dem auch der Wille des ewigen Gottes herrscht. Wie hat hier falsch geleitete Mutterliebe, bie, von einer andern Seite betrachtet, nichts ist als Zimperlichkeit, schon so oft Wichtiges versäumt. Von einer Mutter weiß irf), daß sie ihr Kind in einer Stellung an der Klinik in allergrößter Gefahr wußte und dennoch bas Notwenbigste nicht sagen wollte. Sie bekam jedesmal Krämpfe, wenn sie vom heiligen Maste- rium des Lebens sprechen sollte. Na und schließ­lich, es mußte doch sein, beginnt sie, kann nicht weiter, läßt das weinende Kind weglaufen, rennt ihr nach, auf den Boden hinauf, und so erfolgte endlich die notwendige Aufklärung über die Boden- feiter hinweg, die Tochter oben, die Mutter unten. Wie unwürdig ist das. Es ist doch einmal von Kott gewollt, daß Männer und Frauen auf einem Planeten leben. Hätten manche fromme Seelen bie Welt einzurichten gehabt, bann hätten sie wahr­scheinlich die Männer auf die Erde unb bie Damen auf ben Monb geschafft, um ein unb für alle Mal jebem Flirt ein Ende zu machen. Sie klagen auch manchmal gemeinsam mit ihrem Mann darüber, daß Gott es nicht von Anfang an so gemacht habe . . . was nach längerer Ehe ja wohl verständlich ist, aber doch eine Kritik an Gottes Weisheit, bie nur burch entsetzlich verengten menschlichen Hori­zont entschuldigt werben kann.

Damit die Männer auch noch etwas haben, so ist augenblicklich in Paris ein Streit darüber ent­standen, ob man nicht statt der röhrenartigen lan­gen Hose lieber bie culotte, eine Kniehose also, einführen solle. Die Mobebewegung unter ben Herren schreitet in glücklicher Konkurrenz zu ben Damen lustig fort. Tatsache ist, daß ein Araber in seinem wehenden Burnus dem Europäer an Ge­schmack weit über ist, namentlich wenn bas schön- weiße Gewanb im Sturme weht, währenb das schnelle Kamel seinen Herrn durch bie Wüste trägt. Allerdings sah ich einmal einen Herrn in Knie­hosen — es war in Brabant. Da bie Beine sehr dünn waren und das darüber sehr gewölbt, fo entstand ein richtiges wandelndes Tonnengewölbe. Ich glaube, es war ein Abgeordneter, was ich aber nicht mehr ganz bestimmt weiß,

Der Mann im Monde.

= Schwarzbach (Str. Hünfeld). Wie sehr der am 8. Mai verstorbene Seelenhirt unserer Gemeinde Herr Pfarrer und Oberlehrer Peter Weber, geschätzt und verehrt wurde, beweisen die Trauerfeierlichkeiten seiner Peftattung Am Dienstag nachmittag war die lieber- führung der Leiche van Fulda nach Schwarzbach Die Pfarrei empfing ihren taten Hirten, roo sie ihn gerade Dar einem Jahre erwartete und begleitete ihn zur Kirche, wa der Sarg aufgebahrt wurde. Der Krieger- verein stellte die Ehrenwache. Nach dem trauerseier- lichen Leoitenamt am Mittwach früh um 10 Uhr setzte (irf, ber Ce'rfjenmfl in Bewegung. Die sechs Bürger- meister seiner Pfarrei trugen den Sarg. Ihn begleite­ten als Vertreter der Hachw. Herrn Bischafs Damkapi- tular Gunther, van Marburg der hachw Geistliche Rai Dr. Weber, als Vertreter feiner ersten Seelfargepfarrci Herr Kaplan Lauser, sowie über 50 andere geistliche Herren Als Vertreter seiner Heimatstadt Amöneburg var Herr Bürgermeister Weißbecker erschienen. Die Studentenverbindung des „E. V. Palatia" hatte ihre Deputatian geschickt, die ihrem taten Bruder die letzte Ehre erwies und nach eindrucksvoller Rede «hm Band und Mütze mit ins Grab gaben. Zahlreich hatten sich * Men Herrn van nah und fern angeschlosien, u a $rr Landrat Dr. Wischens van Gersfeld. Vollzählig pid feine Pfarrei an dem Grab: die Schulen van Shwarzbach, Gotthards und Mahlerts mit ihren Leh- «m, Jungfrauenverein, Mütterverein und Kriegerver- tin. Nach ergreifenden Liedern und Weifen des Ge­sangvereins und der beiden Musikvereine Elters Schwarzbach hielt der hochw. Herr Dechant Bott Johannesberg die Trauerrede. Erbauend und stend wirkten feine Worte, die in dem Gedanken aus­gingen: Möge fein Grab uns eine Kanzel fein, van der aus uns auch nach feinem Ableben fein Wort und Werk lebendig bleibe. Ein Berg van Kränzen deckt nun den Hügel, unter dem er der seligen Auferstehung ent- gegenschlummert. Requiescat in pace. O. B

Der Kris des Radja.

! Roman aus der Tropenwelt der astindischen Jnselflur. 23s ---------

Allen wußten wir zum Abschied die Hände drücken Und lange noch, nachdem wir schon in den Wald wieder eingeritten roafen, hörten wir sie uns grüßend Nach­rufen.

ß „Na," fragte ich Liefken nun neckend, „wie steht es? f Leiden alle Eingeborenen van Timor immer noch an angeborener Schüchternheit?"

Ganz kleinlaut erwiderte er:

„Mijnheer, Sie haben eine eigene Art, die Leute zu ^behandeln. Das ist nicht jedermann gegeben unb ich ßhabe Sie offengestanden dabei bewundert."

„Eine solche Bewunderung ist gar nicht nötig. Die ^Hauptsache ist: wir haben nun die Sicherheit, daß wir uns auf dem richtigen Wege befinden und nicht nur bas; wir wissen auch, daß der Radja einen ziemlich ansehnlichen Anhang bei sich hat. Das werden wir stets im Auge behalten müssen."

Ich hatte das kaum gesprochen, als ich am Abhänge einer vor uns liegenden Höhe zwischen den Büschen Gebäulichkeiten bemerkte, unb als ich schärfer zusah, gewahrte ich, baß biese Gebäulichkeiten Ruinen waren.

läßt sich benten, daß ich darüber sehr erstaunt war. Dmor hat eigentlich so gut wie keine Kolonialgeschichte. Wohl beanspruchen bie Slieberlänber bas ßanb feit mehr als zwei Jahrhunderten für sich, aber über einen 2In- fprudj sind eben diese Ansprüche auch heute noch kaum Anausgewachsen. Bedenkt man fernerhin, daß in dem «anbe nicht viel mehr als zwei Dutzend niederländische vamilien ansässig sind, so wird man mein Erstaunen Wohl als berechtigt finden.

Ich deutete denn auf bie Ruinen hin unb machte Orrrn Riebel unb Liefken barauf aufmerksam.

»Ah, bas sind also bie Ruinen, von benen ich schon Betört habe," rief ber Resident.

»Wie erklären sich diese aber?" fragte ich dagegen.

»Ganz bestimmten Anschluß kann ich Ihnen bar» “»er nicht geben," erwiderte Herr Riedel, „jedoch besteht Sie Wahrscheinlichkeit, daß einer der früheren Resi- rnten sich hier gewissermaßen einen Sommersitz an» Stiegt hat."

„Unb barüber sollte keine bestimmte Nachricht mehr Erhalten sein?"

"Das finde ich sehr leicht begreiflich. Koepang ist äwei Jahrhunberten ber Sitz eines Residenten. Wer bu roie Ian9e es schon her ist, daß diese Gebäulich- gWren hort errichtet worben sind. Vielleicht ist seitbem

mehr als ein Jahrhunbert verflossen, was auf Timor eine ganz unenblich lange Zeit bebeutet, benn hier ent- wickelt sich ja keine Trabition. Ansässig ist eigentlich so gut wie keine Familie. Die jeweiligen Resibenten unb sonstigen Beamten verschwinden, sobald ihre Amts­zeit abgelaufen ist, und die übrigen Familien, die dem Kaufmannsstande angehören, bleiben auch nur solange, als ihnen zweckmäßig erscheint. Nicht eine Familie in Koepang kann von sich sagen, daß auch ihre Eltern schon im Lande gewohnt hätten. Wer soll sich also viel um bie Geschichte ber Insel kümmern? Der Resi- bent, ber hier einmal in ben Bergen gewohnt hat, ist gleich seinen Amtsvorgängern unb -Nachgängern wieder abgezogen, die von ber Stabt abgelegenen Gebäulich­keiten würben vergeßen unb sind infolgebeffen zur Ruine geworben."

„Diese Erklärung läßt sich wohl hören," entgegnete ich, „inbeffen muß uns augenblicklich weniger bie Ver­gangenheit als bie Gegenwart bie,er Ruine beschäfti­gen. Soviel ich sehe, ist sie bewohnt."

„Aus welchem Umftanbe schließen Sie bas?"

„Aus ber Tatsache, daß bei ber Ruine eine ganze Anzahl Eocospalrnen steht. Ich habe auf unserem bis­herigen Ritt stets bie Beobachtung gemacht, d-.ß bas Vorkommen biefer Palmen an bas Vorhandensein menschlicher Wohnungen gebunden Ist. Daraus folgere ich, daß die Ruinen bewohnt werden. Don den Eocos- palmen aber ganz abgesehen, würde ich eine solche Ver­mutung schon deshalb hegen, weil ich mir sage, daß ben (Eingeborenen biese TOauerrefte zur Anlage ihrer primitiven Wohnungen sehr willkommen sein mußten. Daburch würbe ihnen eine Arbeit erspart unb schließ- lich sinb die Trümmer bes Hauses trotz aller Baufällig­keit boch noch stabiler als Basthütten."

„Ja, ja, biese Gründe rechtfertigen wohl die An­nahme, daß die Ruine bewohnt ist. Für uns ist bas aber gleichgültig."

„Gleichgültig, Herr Riebel? Ich finde bas gerabe Gegenteil. Für uns ist biefer Umftanb von sehr er­heblicher Bebeutung."

„Warum bas? Wir haben doch fein Interesse baran, wer in ben alten Mauern wohnt."

„Gewiß! Unser Weg führt ja gerabe auf bie Ruine zu."

„Das sehe ich wohl."

„Dies muß uns aber Veranlassung geben, zu über­legen, wie wir uns verhalten. Wir bürfen nicht blind­lings in die Gefahr rennen."

„Gefahr? Wo soll denn für uns eine Gefahr fein?" „Eben bei ber Ruine. Diese ist von Eingeborenen bewohnt. Von wie vielen, bas wissen wir nicht. Nun

I bitte ich weiter im Auge zu behalten, daß ber Rabja sechs Männer von Beo in seiner Begleitung hat. Ich halle es bemnach nicht für ausgeschlossen, daß der Radja die Bewohner ber Ruine gegen uns aufgereizt hat, um uns Schwierigkeiten zu bereiten, ja unter Urn- ftänben hat er sogar eigens zu biefem Zwecke einige feiner Leute dort zurückgelassen."

„Was würben Sie bemnach raten?"

„Daß wir einen Umweg machen, um eine Be­rührung ber Ruine ganz zu vermeiben."

„Damit bin ich aber nicht einoerftanben," rief Herr Stiebet „Sie wissen boch selbst, baß uns Eile not tut, um ben Rabja, bevor er auf fein eigenes Gebiet kommt, einzuholen. Machen wir jetzt aber einen Umweg, so oertröbeln wir nur nutzlos bie Zeit. Cs ist aber auch ganz unwahrscheinlich, baß uns seitens ber Bewohner der Ruine irgenbwelche Schwierigkeiten bereitet werden. Ich gebe zu, daß diese sich vielleicht vor uns scheu ver­stecken, das wird aber auch alles fein. Noch schöner wäre es, wenn wir hier, einige Stunden von Koepang entfernt, schon nicht mehr sicher fein sollten. Die Leute dort sind sich boch jebenfaUs klar barüber, daß sie bei einer Widersetzlichkeit gegen uns in Strafe genommen würden. Soweit reicht denn meine Macht doch, daß ich mich nicht schon hier vor den (Eingeborenen fürchten muß! Nein, Sie gehen mit Ihrer Vorsicht zu weit! Im Gebiete des Radja von Beo, wo ich eine solche Vorsicht gerne gelten lassen will, sind wir noch nicht."

„Dennoch halte ich auch jetzt schon diese Vorsicht als nicht überflüssig."

„Sie ist es. Glauben Sie mir! Ich kenne Land unb Leute nun schon seit vielen Jahren."

Das hatte vorhin auch Liefken versichert unb nach­her hatte sich herausgestellt, baß seine Kenntnisse von Laub unb Leuten ber Wirklichkeit nicht standhielten. Ich war in einer schwierigen Lage. Vor einigen Stun­den noch hatte mir der Resident bie Führung bei un­serem Unternehmen mit eigenem Munbe anvertraut. Unb nun stieß ich bei ihm schon auf ben ersten Wider­stand Für mich war das eine außerordentlich pein­liche Situation. Bestand ich auf meinem Willen, und nach der inneren Ueberzeugung, die ich hatte, mußte ich das, fo erhielt unser bislang fo harmonisches Zu­sammenarbeiten einen Riß, der Resident folgte mir wahrscheinlich wohl, war aber dann verstimmt, unb wenn Reisegefährten aufeinanber verstimmt sinb, so erwächst baraus nie etwas Gutes. Wir gingen viel- leicht noch zahlreichen Gefahren unb Mühfalen ent­gegen, bie wir nur bann mit Erfolg zu bestehen unb ertragen in ber Sage waren, wenn wir wirklich ein» trächtig zusammenhalsen.

Was war also befler? Ich spielte ben Hartnäckigen ober ich gab in bem einen Falle nach? Schließlich ent­schloß ich mich zu bem letzteren, in ber Erwägung, daß meine Befürchtungen vielleicht boch übertrieben waren. Aber meine gute Laune, dmi ber ich bisher beseelt war, erhielt baburch einen merkbaren Dämpfer. Sollte das so weitergehen, daß ber Resident meinen Anordnungen widersprach, so hätte ich besser zu Hause bleiben können, denn ich war letzten Endes nicht dazu da, meinerseits bas, was von anberer Seite verfehlt würbe, roieber gutzumachen. Ich brach benn auch bie Unterhaltung ab unb ritt ärgerlich an ber Seite meiner Gefährten weiter durch ben Buschwald.

Der Weg zu ber Ruine zog sich länger hin, als ich gebacht hatte. Sie hatte bereits so nah geschienen unb nun schlängelte sich ber Weg beinahe endlos durch den buschigen Wald dahin, immer wieder schob sich zwischen uns unb sie ein Höhenrücken, ben wir umreiten mußten, bis wir enblich ben Abhang erreicht hatten, wo aus bem Grün bes Walbes bas alte Gemäuer hervorlugte.

Um bas Gebäube war ehemals ein Park angelegt gewesen, dennoch erkannten wir, als mir ihm uns näherten, TOauerrefte, die sich mitten burch ben Wald hinzogen. Die tropische Vegetation hatte ben Park im Saufe ber Jahre aber wieder in eine vollständige Wild­nis umgeroanbelt. Und nun waren wir vor dem Haus« selbst angelangt. Die Gebäulichkeiten, die hier vor Zeiten mitten in den tropischen Wald gestellt worden waren, hatten früher, wie die ganze Anlage auf ben ersten Blick zeigte, einen ziemlich bebeutenben Umfang eingenommen. Allerbings war nur wenig mehr davon in einigermaßen gutem Zustande erhalten. Da war zunächst bas eigentliche Wohnhaus. Von chm ftanben noch bie Mauern in ihrem ganzen Umfang. Das Dach war jeboch längst eingestürzt. Als besten Ersatz hatten die (Eingeborenen über einigen Wohnräumen Saft- dächer errichtet, was nun einen höchst kornischen Anblick bot. Anbere Räume waren nicht überbaut worden unb mitten aus ihnen heraus ragten Eocospalrnen ihre mächtigen Stämme. Bei uns in Deutschland sieht man öfters Ruinen, in denen alte Eichen oder Tannen rour- Zeln, hier war es der Fruchtbaum ber Tropen, ber in­mitten ber Ruinen seinen Stanb genommen hatte. Di« anberen Gebäulichkeiten, bie das Wohnhaus umfränj hatten, hatten jedenfalls als Wohnräume für die Diener- schäft ihren Zweck erfüllt und waren dementsprechend auch weniger solide, vielleicht zum großen Teil nur aus Holz gebaut gewesen. Sie hatten deshalb auch nicht standgehalten, sondern waren zusammengebrochen. Nur da unb dort ragten noch niedrige TOauerrefte in bie Hohe.