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Anzeiger für die Stabt Fulda unb ben Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
Nr. 111.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk.
Samskag, 14. Mai 1927.
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54.Zahrg.
Zer WM Student in der deuWrn PMgemeiliWt
fen werden. £ Elend §u uns,
komme nicht aus Not und aus dem Entschluß freier
Berlin und Wien Bruderstädte.
Loebe über deutsch-österreichische Wirtschaftsgemeinschaft.
Als Auftakt zu der Tagung des Oesterreich- Deutschen Dolksbundes fand heute im Plenarsaal des Reichswirtschaftsrates ein Begrüßungsabend statt. Reichstagspräsident L o e b e, als Präsident des Volksbundes, führte in seiner Begrüßungsansprache u. a. aus, man solle über das Fernerliegende das jetzt schon Mögliche nicht vergessen. Der große deutsche Markt könne schon jetzt geschaf.
und für die Arbeiter auf. Um die Verbraucher vor Mißbräuchen zu schützen, sind Sicherungen event. durch die Gesetzgebung zu treffen. Um die Wirtschaft in den Kartelländern durchsichtig zu machen, empfiehlt es sich, für die Kartelle an einer besonderen amtlichen Stelle die R e g i st r i e r p f l i ch t und die Offenlegungspflicht einzuführen. Ich schlage daher der Konferenz vor, den Völkerbundsrat zu ersuchen, den schon bestehenden Wirtschaftsausschuß des Völkerbundes durch geeignete Sachverständige, darunter auch Arbeitnehmer, zu ergänzen und ihm die Fragen des Ausbaues der Wirtschaftsstatistik, der Konjunkturbewegung, der Zolltarifnomenklatur und der Kartelle besonders zu übertragen. _________________
Der Auswärtige Ausschuß.
Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages ist laut Lokalanz. für Dienstag vormittag 10 Uhr zu einer Sitzung einberufen worden.
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Die „Germania" meldet: Die Besprechungen, die unter Vorsitz des Reichskanzlers und im Beisein mehrerer Reichsminister mit den Parteiführern der Regierungsparteien gepflogen worden sind, haben zu einem vorläufigen Ergebnis geführt. Danach werden die Regierungsparteien im Reichstag einen Anttag einbringen, wonach das Gesetz zum Schutze der Republik auf zwei Jahre verlängert werden soll. Das Kabinett ist davon abgekommen, von sich aus eine Regierungsvorlage an den Reichstag gelangen zu lassen. Was den Inhalt dieses Antrages angeht, so besteht er aus einem Paragraphen, der besagt, daß das Republik
Der Görresring, der Bund katholischer deutscher Studenten an den deutschen Hochschulen, veranstaltete in der Berliner Universität eine Kundgebung über das Thema „Der deutsche Student in der deutschen Volksgemeinschaft". Reichskanzler Dr. M a r x hielt eine Rede, in der er vor allem auf die politische Stellung und die politischen Aufgaben der deutschen Studentenschaft einging. Ausgehend davon, daß der Akademiker in der Zeit des alten Staates ein etwas eigenartiges Verhältnis zum alten Staat gehabt habe, in dem er die Sorge um die Entwicklung des Staates einfach den verantwortlichen Führern überließ, sich selbst aber kaum darum kümmerte, was leider auch heute noch nicht viel anders geworden sei, betonte der Reichskanzler, daß die Studentenschaft in der nächsten Zeit darüber zu entscheiden habe, ob der Akademiker darauf verzichten wolle, am Staatsleben mitzuarbeiten oder ob er seine ganze Kraft für das Wohl des Volkes einfetzen wolle. Weiter betonte der Kanzler, daß die katholische Kirche keine bestimmte Staatsform als geltend vorschreibe, sondern daß jede Staatsform, die verfassungsmäßig und gerecht zustande gekommen sei, erlaubt sei. Unsere Macht, unsere Geltung im Auslande würde noch größer sein, wenn wir eine einige, eng geschlossene nationale Macht darstellen würden. Auch die Not des Volkes habe keine Einigung zustande zu bringen vermocht, die Parteien können sich immer noch nicht zu gemeinsamer Arbeit zusammenfinden. Was die Reichsfarben anbelange, so dürften auch die Farben des alten Reiches nicht verachtet werden, aber man müsse ebenso verlangen, daß man den Farben der neuen Staatsform Achtung und Ehre entgegenbringe, seien es doch die Farben, die hinüberwiesen nach unserem Nachbarlande Oesterreich, mit }>em wir so eng verbunden seien. Ein Volk werden, das sei das Ziel, auf das auch die Arbeit unserer Akademiker gerichtet sein sollte.
Hierauf behandelte Dr. Karl Sonnenschein die Stellung der deutschen Studentenschaft zum deutschen Volkstum, wobei er auf die Fremdheit zwischen Student und Volk hinwies und die bisherigen Versuche schilderte, um die Gegensätze zu überwinden.
Männer. Wir dürfen aber nicht erwarten, bis der Zufall uns zu Hilfe komme, sondern müßten im eigenen Lande die Vorbereitungen für den Anschluß treffen. Schon jetzt sei es notwendig, daß in beiden Ländern die Staatsbürger wie Bürger des eigenen Landes und nicht wie Ausländer behandelt werden und dann blieben nur die Grenzpfähle noch stehen. Wenn auch diese fielen, dann sei erreicht, was wir wollten, ein Volk, ein Reich, ein freies Vaterland! Stürmischer, nicht endenwollender Jubel begleitete das Ende der Rede. Nach Reichstagspräsident Loebe sprach Oberbürgermeister B ö ß als Delegierter des Volksbundes für die Stadt Berlin die Hoff- nung aus, daß bald Oesterreich und Deutschland ein Vaterland und Wien und Berlin bald Bruderstätte fein werden.
Die Verhandlungen übet die Neubildung der österreichischen Regierung.
Die Verhandlungen über die Bildung der neuen Regierung wurden fortgesetzt. Es wurde eine Einigung darüber erzielt, daß der Landbund in der Regierung vertreten sein wird, und zwar wurde ihm der Posten des Vizekanzlers überlasten. In der Sitzung des Ministerrats wird nunmehr der Beschluß auf Demission des Gesamtkabinetts gefaßt werden. Die Neubildung der Regierung ist für die zweite Sitzung des Natio- nalrats, die am Donnerstag, den 19. Mai statt- finden wird, in Aussicht genommen.
Die russische Delegation gab ihren ersten internationalen Presseempfang. Der Zweck der Teilnahme Sowjetrußlands an der Weltwirtschaftskonferenz wurde von den russischen Delegierten einheitlich als ein Versuch bezeichnet, Mittel und Wege zur Zusammenarbeit bei friedlichem Nebeneinanderbestehen der beiden Wirtschaftssysteme ausfindig zu machen. Inbezug auf das Ergebnis und die Möglichkeit der Wirtschaftskonferenz erklärten die russischen Delegierten, daß sie sich den Skeptikern und Pessimisten anschließen, jedoch über die Zusammenarbeit mit den übrigen Delegationen, besonders mit der deutschen, zufrieden seien.
Den Ergebnissen der Ausschußarbeiten werde die russische Delegation nur insoweit zustimmen, als sie mit ihrer eigenen Auffassung in Übereinstimmung stehen. Was schließlich die Teilnahme Rußlands an den weiteren Vorbereitungen zur Abrüstungskonferenz betrifft, so betonte Ossinski, daß Sowjetrußland nur aus dem Grunde an ihnen nicht teilgenommen habe, weil feine Vertreter nicht hätten nach Genf kommen können. Sowjetrußland habe aber die Teilnahme an einer Konferenz über Abrüstungsfragen nicht zu fürchten.
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Im Jndustrieausschuß hielt der deutsche Delegierte Lammers, Vorstandsmitglied des Reichs- verbandes der Deutschen Industrie, eine mit großem Beifall aufgenommene Rede über die Kartellfrage, in der er u. a. ausführte:
Kein Kartell darf sich Die Aufgabe setzen, feinen Mitgliedern oder den bei diesen beschäftigten Per- sonen einen übertriebenen privaten Nutzen auf Kosten anderer Berufszweige zu sichern, vielmehr ist es vornehmste Ausgabe aller Kartelle, der Rationalisierung der Produktion im Interesse der Verbilligung und Verbesserung zu dienen. Auf keinen Fall dürfen internationale Kartelle dazu benutzt werden, um die Auswirkungen des nationalen Protektionismus auf bestimmten Teilgebieten der nationalen Wirtschaft zu überbrücken und damit die Fortführung des Protektionismus auf anderen Gebieten zu erleichtern. Ein solches Verfahren müßte notwendig den Abschluß von Handelsverträgen zwischen den beteiligten Nationen erschweren. Hierauf verbreitete sich Lammers über die Kontrolle und Oessentlichkeit des Ge- schästsgebahrens der Kartelle und stellte hierfür eine Reihe von Gesichtspunkten auf.
Dor Lammers sprach im Industrieausschuß zum gleichen Thema der deutsche Sachverständige B altrusch, Mitglied des Reichswirtschaftsrats und Geschäftsführer des Gesamtverbandes der christlichen Gewerkschaften Deutschlands. Baltrusch führte u. a. aus: Die Kartelle können zweifellos zur Kontinuität der Produktion beitragen und zu große Preisschwankungen unterbinden. Zweifellos treten mit der Bildung der Kartelle auch Gefahren für die Produktion, für die Verbraucher 4
man wirklich Angst haben kann um die junge deutsche Republik. Was soll aus ihr werden, wenn wir immer wieder vor jedem Jugendschutzgesetz zurückschrecken, weil wir politisch und roeftäni*-'’ gespalten sind. Das Gesetz enthält ja einen Schutzparagraphen, der besagt, daß Schaustellungen wegen ihrer weltanschaulichen, religiösen, sittlichen und politischen Tendenz als solcher nicht verboten werden dürfen. Aber die gemeine Zote, den Schlamm und das Perverse müssen wir für Jugendliche verbieten können.
Aber nun wittert man, daß die Freiheit der Kunst eingeschränkt werden könnte. Wenn es sich nur in Deutschland immer um wirkliche Kunst handeln würde. Wenn wir tatsächlich die großen heiligen Güter der Künstler wahren müßten. Aber das Gesetz meint ja jene Schaustellungen und Lustbarkeiten, die für Jugendliche unter 18 Jahren verboten werden sollen, weil sie auf die niedrigsten Instinkte und Triebe spekulieren, weil sie nur die verfaulten Früchte einer kapitalistischen Geschäfts- gier sind.
Es ist nicht wahr, daß wir durch diesen Gesetz- entwurf eine Vorzensur für das Theater schaffen wollen. Freilich müssen die ausführenden Instanzen einen sachverständigen Ueberblitf über die Schaustellungen und fiuftbärfeiten ihrer Stadt haben. Manche wollen, daß wir das Theater von dem Gesetzentwurf ausnehmen sollen. Das würden wir sofort tun, wenn Theater ein festumrissssener Begriff und wenn sie tatsächlich ein Tempel der Kunst wären. Aber tatsächlich sind manche kleinen und kleinsten Theaterchen gar keine Stätten der Kunst mehr, sondern sie führen Sensationsstücke auf oder Schaustellungen, die Jugendliche bis in den Grund verderben können.
Das Gesetz unterscheidet zwischen dem Besuch und der Beschäftigung Jugendlicher. Hoffentlich wird ein Jugendgesetz bald alle Maßregeln über den Sckiutz der Jugend einmal einheitlich zu- sammenfassen können. Aber auch dann würde dieses Gesetz wegen des Besuches der Jugendlichen nicht überflüssig werden. Fürchtet man wirklich, daß der „Tell" nicht mehr aufgeführt werden kann, weil engherzige Maßnahmen der ausführenden Organe auf diesen seltsamen Einfall kommen könnten? Wir fürchten es nicht. Wir wissen aber, daß uns die Jugend zu schade ist, um einer dekadenten Lebewelt sogenannte genußreiche Stunden zu verschaffen.
Es ist vor allem erfreulich, daß die deutsche Republik durch Jugendschutzgesetze ihren verantwortlichen Geist gegenüber dem Volke ausprägen will. Sie ist darin mutiger als der Obrigkeitsstaat, sie wurzelt stärker im Volk, sie ftrafft und spannt nicht bürokratische Maßnahmen an, sondern solche, tue die Volkskraft selbst in Anspr- nehmen. Erst wenn ein Volk aus seinen eigenen starken geistigen Kräften heraus sich selbst reinigen und helfen kann, braucht der Staat nicht mehr einzugreifen.
Am lautesten aber ruft man ins Land mit einer pathetischen Empörung: Laßt doch die Jugend in Ruhe! Sie kann sich schon selbst helfen! Sie braucht das Gängelband und die Pergewaltigungs- lust einer älteren Generation garnicht! Sie fürchtet vor allem die Bläffe des Lebens und die Knebelung einer jungaufstrebenden Künstlerschaft. — Ist es wirklich wahr, daß die Jugend sich selbst helfen kann? Das kann man doch nur von bestimmten Gruppen und von einzelnen Starken behaupten. Viele oder manche können es nicht, und sind vor allem in einem gewissen Alter stark gefährdet. Das hat auch der Reichsausschuß der Deutschen Jugendverbände eingesehen und sich deshalb grundsätzlich auf den Boden des Gesetzentwurfes gestellt.
Aber schließlich möchten wir auch, daß die Jugend sich selbst hilft, d. h. daß sie den schwachen Jugendlichen hilft, die es nicht können. Sie ist ja in den Jugendämtern, die vor Erlaß einer Anordnung gehört werden, vertreten. Dort mag sie sich in ihren Jugendführern und durch ihre Der- bände tatkräftig durchsetzen. Wir hoffen und glauben, daß sie das gemeinsam mit allen Jugendfreunden tun wird. Wir begrüßen das Gesetz, weil uns das Leben höher steht, als ein totes Schema und der Mensch wertvoller ist als alle Materie.
ar— stroitaa wird die Beratung fortgesetzt.
Die KarteHfrage in Genf.
Aus Genf wird gemeldet:
Dem vom Industrieausschuß eingesetzten Redaktionskomitee zur Kartellfrage gehören der beut^ije Delegierte Lammers als Vertreter der wichtigsten Industrieländer, Sir Arthur Balfour als Vertreter der Interessen der Internationalen Handelskammer, und der jugoslawische Sachverständige T s ch o u r t s ch i n als Vertreter der Verbraucher an. Als viertes Mitglied ist der französische Gewerkschaftler I o u h a u x als Arbeitervertreter auserseben, der jedoch seine Teilnahme von der Zustimmung der übrigen Vertreter der Zweiten Internationale abhängig gemacht hat.
Schutz der Jugend.
Der Reichstag hat am Donnerstag in zweiter Lesung über das Gefetzzum Schutze der Jugend bei Lustbarkeiten beraten. Von deutschnationaler, volksparteilicher und Zentrumsseite wurde das Gesetz gutgeheißen, während der kommunistische Redner die Vorlage verwarf.
Für die Zentrumspartei sprach die W>- georbnete Frau Weber: Der sozialdemokratische Vorredner hat, so führte sie aus, mit Recht hervor, gehoben, baß im Vergleich zu den großen sozialen Mißständen unserer Zeit, wie z. B. der Woh- n u ng s n o t, dieser Gesetzentwurf nur ein kleines Mittel der Besserung dieser schlechten Zustände bedeutet. Er hat darauf hingewiesen, daß nur die sozialdemokratische Frattion sich für einen ernsthaften Jugend chutz eingesetzt habe. Demgegenüber muß aber festgestellt werden, daß auch die Zentrmnsfraktion mtner einen positiven Ju- gendschutz tatkräftig vertreten Kit. Sie ist zum Beispiel dafür eingetreten, daß Verbesserung geschafft wurde bei der Beschäftigung der Kinder in der Filmindusttie. Sie hat im Arbeitszeitnotgesetz Üeberftunben für Jugendliche energisch abgelehnt. Sie ist in der Sozialversicherung immer für einen besonderen Schutz und für eine zielsichere Fürsorge für Jugendliche und andere Familienangehörige eingetreten. Dor allem in der Erwerbslosenfürsorge hat Frau Abgeordnete Teusch sich mit Nachdruck für eine bessere Familienfürsorge eingesetzt. Man verlangt, daß durch Reichsmittel Jugendheime gebaut und Sportplätze angelegt werden. Ich mache deshalb darauf aufmerksam, daß der preußische Minister für Volkswohlfahrt, Hirt- fiefer, erreicht hat, daß in den preußischen Etat noch eine Million für Sportzwecke eingestellt wurde.
Wiederum ist im Namen der „Freiheit des Geistes" eine Gegnerschaft diesem Gesetzentwurf entstanden. Es wetterleuchtet aus allen Enden Deutschlands von Furcht und Mißtrauen, sodaß
gerichtshofes an einen Senat des Reichs- gerichts übergehen. Sobald das Verwaltungsgericht in Kraft tritt, soll es an feine Stelle treten.
Zu dem Gesetz werden die Regierungsparteien eine Sntschließung einbringen, die die Re- flierung auffordert, Erwägungen darüber anzustel- en, welche Bestimmungen des Gesetzes überhaupt beibehalten und in das allgemeine Strafgesetzbuch übergehen sollen. Die Entschließung ist noch nicht formuliert. Der Inhalt soll sich aber in der angedeuteten Richtung bewegen.
Die Z e n t r u m s f r a 11 i o n des Reichstages trat einmütig diesen Abmachungen bei und billigt die Haltung ihrer Unterhändler. Die Vertreter der Bayerischen Volkspartei und der Deut- fchen Volkspa rt ei werden sich gleichfalls im Sinne dieser Übereinkunft in ihren Fraktionen einsetzen.
Der Reichskanzler wird im Verlauf der nächsten Tage mit den Vertretern der Oppositionsparteien Fühlung nehmen. In parlamentarischen Kreisen nimmt man als sicher an, daß das Gesetz noch vor den nächsten Ferien verabschiedet werden wird.
Englisch-russischer Zwischenfall.
Haussuchung in der Londoner Zentrale der rttffifdjen kooperativen Gesellschaften.
Die Polizei in London hat in den im GeschästS' viertel liegenden Büroräumen der allrussischen kooperativen Gesellschaften eine umfassende Haussu- chung vorgenommen. Die Geschäftsräume der russischen Handelsdelegation, die unter dem Schutz bei diplomatischen Exterritorialität stehen, blieben von der Haussuchung unberührt. Verhaftungen wurden nicht vorgenommen.
Reuter teilt mit, daß die polizeilichen Maß. nahmen für die fowjetrussifche Botschaft die von dem Bevorstehen der Haussuchung gänz> li ch un unterrichtet war, völlig überraschend gekommen seien.
Die Bewohner des von der englischen Polizei besetzten Gebäudes sind isoliert. Trotzdem ist es der Presse gelungen, folgendes zu erfahren: Die Angestellten hätten über vier Stunden ohne Speise und Trank in einem Zimmer auf ihre Durchsuchung warten müssen. Jede Abteilung des Hauses sei gründlich durchsucht worden, einschließlich der Büros der russischen Handelsdele- g a t i o n, die augenscheinlich das Hauptziel der Durchsuchung gewesen sei. Die Polizei habe auf Oeffnung aller Schränke und Schreibtische de- standen. Zwei Bücherrevisoren einer wohlbekann- ten Londoner Firma, die im Hause anwesend 10a» ren, seien festgehalten worden Ebenso ein Presse- Vertreter, dem es gelungen war, in das Gebäude einzudringen. Es verlaute, daß die Polizei das Gebäude mehre re Tagebesetzt halten werde. Die Gesamtzahl der Angestellten betrage 400 Köpfe.
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Der Arbeiterführer Arthur Henderson wird im Unterhaus an den Staatssekretär des Innern die Anfrage richten, ob es Tatsache sei, daß mit seiner Ermächtigung eine Haussuchung auf dem Grundstück der Arcos ober ber russischen Hanbels- belegation ober beider Behörden erfolgt ist und wenn dies der Fall ist, ob er die Gründe angeben und dem Hause eingehende Aufklärung geben könne.
Eine Rede Sinowjews und ihre Folgen.
Aus Moskau wird gemeldet: Sinowjew hielt in einer Nichtparteiversammlung anläßlich des 50jäh- rigen Jubiläums der Prawda eine Rede, die Angriffe gegen das Zentralkomitee der kommunistischen Partei und gegen dessen Entschließung, sowie gegen die Prawda enthielt. Aus diesem Anlaß hat das Zenttalkomitee der kommunistischen Partei beschlossen, das Vorgehen Sinowjews als unzulässig und sämtliche von der Opposition übernommenen Verpflichtungen hinsichtlich der Ein- Haltung der Parteidisziplin äks verletzend zu be- ttachten. Es hat ferner beschlossen, Sinowjew zur Verantwortung vor der Partei zu ziehen und d"ie Angelegenheit der Zentralkommission zur Prüfung zu unterbreiten. Die Moskauer und Die Leningrader Komitees der kommunistischen Partei verlangen in angenommenen Entschließungen, daß Sinowjew zur Verantwortung gezogen werde, insbesondere im Hinblick darauf, daß er Mitglied des Zentralkomitees ist.
Eine gleichlautende Entschließung nahm die Parteikonferenz der Moskauer Garnison an.
Neuer König von Albanien?
wtb. Paris, 13. Mai. (®ig. Funkm.). Nag einer Meldung des „Journal" aus Belgrad haben aus Albanien in Südslavien eingetroffene politisch«. Flüchtlinge angekündigt, daß der Präsident der Re- publik Albanien, Achmed Zogu, der auch Mi- nisterprästdent und Oberbefehlshaber ist, am kom- inenden Sonntag zum König ausgerufen würde.
Polizei und Nationalsozialisten.
Die als Ersatz für die von den Berliner Nationalsozialisten einberufene Protestversammlung anberaumte VersammlungdesAbg. Diei- r i ch wurde, da sie ebenfalls verboten war, polizeilich verhindert. Dabei kam es zu Zusammenrottungen vor dem Hohenzollernpalais, die mehrfach von der Polizei zerstreut werden mußten Es wurden zehn Personen wegen Nichtbefolgung polizeilicher Anordnungen zwangsgestellt und der Abteilung la zugeführt. Außerdem wurde ein gewisser Schäfer sestgenommen, der als einer der Haupttäter an den Lichterfelder Zusammenstößen in Frage kommt, bisher aber von der Polizei vergeblich gesucht worden war. Ebenfalls mußte die Polizei gegen ca. 150 Nationalsozialisten auf dem Kurfürftendamm zwischen Joachimsthaler- und Schlüterstraße einschreiten, die das Publikum anrempelten und auch teilweise sogar schlugen.
Zu diesen nationalsozialistischen Tumulten vor den Hohenzollern-Festsälen am Wilhelmplatz in Charlottenburg und auf dem Kurfürftendamm melden die Blätter noch, daß sich bisher auf dem zuständigen Polizeirevier 11 Personen gemeldet haben, die von den Nationalsozialisten schwer mißhandelt worden sind. Nach der „Soff. Ztg." hat die von der Polizei aufgenommene Untersuchung ergeben, daß die Ueberfäöe auf dem Kurfürftendamm von unsichtbarer Stelle aus planmäßig organisiert waren. Der Polizeipräfi dent hat sich die verhafteten Nationalsozialisten, darunter auch den entlaufenen Fürsorgezögling Schäfer, noch, im Laufe der Nacht vorführen lassen, um sie persönlich zu vernehmen.
Hus Mussolinis Reich.
Aus Rom wird gemeldet: Der Untersuchungs ausschuß des Sondergerichts zum Schutze des Stau tes sprach sich für Niederschlagung des Prozesses gegen die Engländerin Eidson, die aus Mussolini einen Anschlag verübt hatte, wegen deren völliger Unzurechnungsfähigkeit aus. Miß