nr. 107
Dienstag, 10. Mai 1927.
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Fuld a er Z ertun g
______Anzeiger für die Stabt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Areisblatk.
Reue Kämpfe in China.
Die Operalionspläne der chinesischen Nordtrnppcn.
wtb. London, 9. Mai. (Eig. Funkm.) „Times" meldet aus Schanghai: In der Erwartung, daß die ■ Herrschaft der Nationalisten im Bangtsetal vor dem Zusammenbruch steht, treffen die Nordtruppen Vorbereitungen für den Vormarsch gegen die Stellungen der Kantonesen: Suntschuanfang soll am großen Kanal vorrücken, den Dangtse übesrchreiten und Schanghai einnehmen, Tschangtschungtschang soll Tschankaischek in Nanking angreifen. Gleichzeitig soll in der Provinz Honan Wupeifu den Vormarsch antreten.
Wie die Havasagentur aus Brüssel berichtet, telegraphiert der Amsterdamer Korrespondent der belgischen Telegraphenagentur, man kündige an, daß nicht nur der holländische Kreuzer „Sumatra" Schanghai mit Bestimmung Japan und Niederländsich-Indien verlassen würde, sondern auch sämtliche holländische Marinetruppen.
Hauptstadt-Weihe in Australien.
Der zweite englische Königssohn hall die Weiherede.
Nachdem er auf der Fahrt von Alburg nach der neu gebauten Hauptstadt Australiens, die den Namen Ca n b e r r a trägt, einem Schuß oder Steinwurf gegen den Eisenbahnwagen glücklich entgangen war, ist der H e r z o g v o n ?) o r k, der zweite Sohn des Königs von England, an seinem Ziele eingetroffen. Er eröffnete am 8. Mai im Namen des Königs von England unter großen Feierlichkeiten das australische Parlament in Canberra. In feiner Rede wies er auf die Bedeutung dieser Parlamentseröffnung hin. Er er- klärte, das britische Reich sei ein System von Nationen, von denen jebe frei ihr eigenes individuelles Leben gestalte, sie alle aber seien durch die Treue gegenüber ihrer Krone zu einer Einheit verbunden und wirkten in allen Fragen des gemeinsamen Wohles zusammen. Es sei vielleicht besonders angebracht, daß man die Geburt her neuen Hauptstadt feiere gerade nach Schluß einer Reichskonferenz, die den Beginn eines neuen Kapitels in der Geschichte des britischen Reillys bedeute.
* Jungfrau von Orlean-Feier in Frankreich. Am Sonntag haben in ganz Frankreich in verstärktem Maße die Feierlichkeiten zur Erinnerung an die Jungfrau von Orlean ftattgefunöen. Im Gegensatz zum vergangenen Jahre hatte Innenminister Sarraut wieder größere öffentliche Umzüge erlaubt. Die Regierung selbst beteiligte sich an dem Fest. Innenminister Sarraut und Kriegsminister Painleve legten am Denkmal der Jungfrau von Orleans im Namen der Negierung Kränze nieder und wohnten dem Vorbeimarsch von vier Regimentern der Pariser Garnison bei. Der Präsident der Republik ließ sich vertreten. An dem Zug beteiligte sich auch die hohe Geistlichkeit unter Führung des Erzbischofs von Paris, Mons, du Bois, sowie viele katholische Vereine.
Das japanische Zinanz-Unglück.
Vorstoß der japanischen Zweiten Kammer gegen den Staatsrat.
Aus Tokio wird gemeldet: Die Zweite Kammer nahm eine Entschließung an, in der der geheime Staatsrat als verantwortlich für das Entlehen der Finanzkrise erklärt wird, weil er gegen )ie Vorschläge der vorigen Regierung zur Unter- tützung der Bank von Taiwan kein Veto eingelegt hat. Es ist dies der erste Fall, wo das Parlament einen derartigen Schritt gegen den geheimen Staatsrat tut.
* Der Besuch des Reichspräsidenten in Oldenburg. Am Sonntag nachmittag fand in Anwesenheit des Reichspräsidenten im Landestheater eine Festvorftellung statt. Nach dem Essen trug die Oldenburger Sängervereinigung vor der Loge einige Lieder vor, die der Reichspräsident vom Balkon aus anhörte. Montag früh 8.15 Uhr begab sich der Reichspräsident zu einem kurzen Besuch bet der Marine nach Wilhelmshaven. Auf dem Bahnsteig- einigte Empfang Lurch NeichswMmimster Dr. Geßler und den Chef der Marineleitung, Admiral Zenker. Nach Abschreiten der Front der Ehrenkompanie fuhr der Reichspräsident, von der Bevölkerung herzlichst begrüßt, zur nahen evangelischen Garnisonkirche, durch die ein kurzer Rund- gang unternommen wurde.
flammendes Geknatter. Eine mehrfache Symphonie von Feuer und Farben."
Optimisten hätten wohl nicht geglaubt, daß man wirklichen Frontkämpfern noch nicht zehn Jahre nach dem Krieg mit der verlogenen Mache eines fo genannten „Schlachtenfeuerwerkes" kommen dürfe. Man darf alles.
In der Loge der Ehrengäste waren mtch einige preußische Prinzen anwesend.
Der Sonntag war der Haupttag der Stahlhelm- Veranstaltung. Er brachte die großeParadeim Lustgarten. Die Angaben über die Zahl der Teilnehmer schwanken zwischen 50 000 und 100 000. Der Stahlhelm selbst gibt die höchstgenannte Ziffer an. In den Vorstädten sammelten sich am Vormittag die auf Grund einer vorzüglichen Organisation formierten Heersäulen. Um die Mittagsstunden waren die Ströme der Demonstranten aus den verschiedenen Stadtteilen zwischen dem Dom und dem Denkmal Friedrichs d. Gr. zufammenge- flössen. Die Kriegskabnen trugen schwarze Trauerwimpel, denn, so heißt es in einem Kommentar des Stahlhelm, „die Stunde der Befreiung Deutschlands ist noch nicht gekommen". Die einzelnen Kolonnen marschierten an den beiden Führern Seldte und Oberst a. D. Düsterberg boröei, in Reih und Glied auch drei preußische Prinzen. Der Stahlhelmkommentar bemerkt dazu: „Das wirkt hier vor dem königlichen Schloßportal in dieser Erniedrigung als ein plötzlich erwachtes Symbol." Dor dem Denkmal Friedrichs d. Gr. legten die Führer einen Kranz aus Eiche und Lorbeer nieder. Nach dem Präsmtiermarsch schritten die beiden Führer die Front ab. Von der Kuppel ertönte hierauf der Choral: „Mr treten zum Beten", in den der Chor der Zehntausende einstimmte. Unter gesenkten Fahnen wurde dann das Lied vom guten Kameraden gesungen. Hierauf verlas der Führer Seldte die Stahlhelmbotschaft, die durch Lautsprecher verkündet wurde. Sie wurde an vielen Stellen mit starkem Beifall aufgenommen. Es ist eine Sammlung verschwommener Erklärungen. Von
Kommifftonsberatung in Genf.
Der Abschluß der Generaldiskussion.
Am Samstag hat als erster Russe Gregox S o k o l n i k o f f auf der Weltwirtschaftskonferenz gesprochen. Was er vortrug, war ein außerordentlich vorsichtig und geschickt abgefaßter Be- ri'Ht in der Art, wie wir sie aus den bisherigen L russischen Veröffentlichungen schon kennen. An dem E Elend Sowjetrußlands ist natürlich das za r i« A -st i f ch e Rußland schuld, sind all die Kräfte schuld, die bis zum Jahre 1920 Rußland mit Krieg über- ° Sogen, als die wirtschaftliche Produktion auf 18 Prozent der Vorkriegsproduktion zurückging. Dem neuen russischen Wirtschaftssystem und der Tatkraft der russischen Regierung sei es gelungen, in wenige ri Jahren die russische Wirtschaft wieder auf den Stand ihrer Vorkriegsproduktion zu bringen. Interessant war die Bemerkung Sokolnikosfs, daß die russischen Arbeiter, die die Wirtschaftspolitik Rußlands beftimmen, den festen Willen zu erkennen gegeben haben, in kürzester Zeit den vorwiegen- den Agrarcharakter des Landes zu revidieren, der einer der unerfreulichsten Erbschaften des vor- revolutionären Systems fei. Die Umbildung Ruß- lands vom Agrarftaat zum Industriestaat wird aUerbtngs geeignet fein, die wirtschaftlichen Bezie- lmngen Rußlands zum Auslande wiederum auf etne neue Grundlage zu stellen, denn Rußland ist und bleibt vorwiegend Ausfuhrland von Agrar- erzeugniffe. Die Sowjetrepublik, io erklärte So- erhobener Stimme, ist bereit, mit den -wirtschaften anderer Länder zusammenzuarbeiten. Sie erhofft einen allgemeinen Fortschritt aus der gemetnfamen Arbeit des russischen wirtschaftlichen Systems und des kapitalistischen Systems der übrigen Welt.
Mittags sprach auch der zweite Russe, der Führer der Delegation Ossinski. Er war viel angriffslustiger als sein Landsmann, griff den Kapitalismus und die Rechtssozialisten an. Er verengte die Niederschlagung aller Kriegsschulden, vollkommene Freizügigkeit von Staat zu Staat, Abschaffung der Protektorate und Mandate und Anerkennung des Selbstbestimmungsrechtes aller Volker als unbedingt erforderlich. Außerdem soll jede militärische Intervention in China aufhören, damit dieses Land normale wirtschaftliche Bezie- Hungen zu der übrigen Welt aufnehmen könne. Jeder Boykott gegen Sowjetrußland soll eingestellt werden und unter Anerkennung des Außenhan- deismonopols sollen die Beziehungen zu diesem dtaat wieder aufgenommen werden. Auch ver- langt Ossinski die vollkommene Abrüstung zu Lande und zur See. Es fei bemerkt, daß Ofsinskis Rede 'm Gegensatz zur Rede Sokolnikoffs nur imßerst spärlichen Beifall fand.
iw ul französische Delegierte und Vater der Wirtschafskonferenz Loucheur faßte auf der Weltwirtschaftskonferenz das Ergebnis der allge- meinen Aussprache kurz zusammen und erklärte:
Die Zollschranken können nicht durch die Aufrichtung der Vereinigten Staaten von Europa unterdrückt werden. Die Zolle können nur schritt- meite durch von der Konferenz zu empfehlende Maßnahmen ersetzt werden, durch Vorbereitung einheitlicher Detaills und durch möglichst große B-. weglichkeit der Zollsätze. Zu erwägen wäre zwecks -Vereinfachung von Verhandlungen über Handelsvertrags die Berufung an ein Schiedsgericht und einen ständigen internationalen Gerichtshof. ~,e Konferenz kann nur auf die Notwendigkeit Hinweisen, das fchntzzöllnerifche Rennen einzüstel- len. Das gegenwärtige Problem ist, die Produk- tton fo zu steigern, daß den Arbeitslosen Arbeit gegeben werden kann. Die Wiedereroberung der Exportnwrkte wäre eine Losung, die schwerlich durchgefuhrt werden kann. Dgs Wichtigste wäre, die K a u f k r a f t der europäischen Märkte zu e r- bofjen öurrf) Anpassung an amerikanische Pro- duktionssysteme, vor allen Dingen in Bezug auf £te Rationalisierung der Industrien durch Bil- dung internationaler Kartelle, deren erster Zweck .n, der Beilegung von Zollkonflikten und in der möglichst gleichzeitigen und gleichlaufenden Er- Mung von Produktion und Gehältern bestünde. Die Ausgestaltung eines von Iouhaux vorgeschla- genen internationalen Wirtschaftsamtes würde am besten vom Völkerbund vorgenommen werden, der E entweder eine neue Körperschaft schaffen oder be« - reite vorhandene Organe mit entsprechenden Auf» xrben betrauen könnte. Loucheur erntete lebhaften Beifall.
Rach Loucheurs Rede wurden noch sechs Referate gehalten. Der Präsident der Danziger Hajn-- delskammer, Klavitter, legte bar, daß Danzig vfs der kleinste der ihrer wirtschaftlichen Basis ent- ri ff en en Staaten schwer zu leiden habe. Von Deutschland durch hohe Zollschranken getrennt und nnt Polen durch eine Zollunion verbunden, müsse sich Danzig im Handel wie in der Produktion auf einen Markt einfteöen, dem eine festgelegte Währung noch fehle. Danzig, so betonte Klavitter, sei durch den Gegensatz der treibenden Interessen einer Hafenstadt und den schutzzöllnerischen Befttebungen der Staaten im übrigen Europa in eine außerordentlich ungünstige Lage gebracht und hoffe, daß leine besonderen Interessen und Wünsche auf der Weltwirtschaftskonferenz besonders Gehör finden wurden.
Kurz nach 8 Uhr abends erklärte Präsident Theunis die allgemeine Aussprache für geschlossen und setzte die konstituierenden Sitzungen für die Hauptausschiisse auf Montag vormittag an.
*- ., Reichsfinanzminisker Kohler in Budapest. Reichsfinanzminister Köhler traf mit einem Flug- Budapest ein, um an einer Feier des rakholischen Studentenbundes teilzunehmen.
* Die spanische Thronfolgerfrage. Die spanische Mft m Paris dementiert sämtliche im Aus- verbreiteten Nachrichten über angebliche Be- IfiKUUe betreffend die spanische Thronfolge.
Zr. Slrefemann 06er die autzenpolitW Lage.
Der Reichsauhenminister kämpft um bas vertrauen. — Man hält ihn
, im Kusland für isoliert. — Die Verhandlungen in Paris.
Anläßlich der Tagung des Wahlverbandes Westfalen der Deutschen Volkspartei am Sonntag in Bad Oeynhausen sprach nach Referaten des Reichsministers a. D. Scholz, der Landtagsabgeordneten Frau Kulesza und des Reichstagsabgeordneten Dr. Hugo der Reichsaußenminifter Dr. Strefemann in einer Diskussionsrede über die außenpolitische Lage und führte dabei aus:
Der „Temps" hat vor wenigen Tagen erklärt, daß der Außenminister ebenso wie die Deutsche Volkspartei im Reichskabinett in Bezug auf ihre Anschauungen isoliert seien . Die Behauptung des „Temps" entspricht n i ch t den Tatsachen. In den Richtlinien, die zur Bildung der gegenwärtigen Regierung führten, haben die Parteien, die heute die Regierung bilden, sich zur Fortführung der bisherigen Außenpolitik entschlossen. In dieser Fortführung sind mir vonseiten des Reichskabinetts keine Hindernisse bereitet worden. Wenn Kundgebungen in Deutschland, die insbesondere an die Traditi on der alten Armee antnüpfen, mit einem Abweichen von dieser Außenpolitik in Verbindung gebracht werden, so ist dieses eine völlig falsche Darstellung. Die in Deutschland bestehenden Organisationen dieser Art sind an sich doch nur ein Reflex der einseitigen deutschen Abrüstung. Sie würden ihre Bedeutung, vielleicht ihre Existev- in dem Augenblick verlieren, in dem der deutschen Abrüstung die Abrüstung anderer Länder folgen würde. Wenn man die anderen ansteht, wenn man davon spricht, daß neben der Reichswehr in Deutschland gewissermassen noch ein geheimes schlagfertiges Heer befände, das in einem Augenblick erwachen und sich auf feinen Nachbarn stürzen könne, wo sich irgend jemand widersetze, so sind das Märchen, würdig eines Jules Verne, aber nicht würdig ernsthafter Betrachtungen. Ich darf doch auch darauf Hinweisen, daß es die Regierungserklärung des Kabinetts war, die offen davon gesprochen hat, daß die Reichsregierung diese Politik der Revanche ablehnt. Schließlich ist mein Name eine Gewähr dafür, daß sich die Einstellung zur Außenpolitik nicht geändert hat. Wo- dann die Verträge von Locarno anlangt, fo bemerke ich, daß unser Verhältnis zu unserem östlichen Nachbar Polen, durch biefenigen Abmachungen, die in Locarno getroffen wurden, geregelt sind. Diese Abmachungen werden vielfach auf unter Verhältnis zu Frankreich und Belgien bezogen. Polen ist jedenfalls durch die mit ihm abgeschlossenen Schiedsverträge gesichert, die eine friedliche Auseinandersetzung über etwaige Differenzen gewährleisten. Diese Situation hat das neue Kabinett bei seiner Begründung vorgefunden und sie durch nochmalige Anerkennung der bestehenden ©ertrüge besonders unterstrichen. Die Frage unseres Verhältnisses zu Polen ergibt sich daher aus den geschaffenen Grundlagen.
Dr. Rieth und Brianö.
Die französische Presse beschäftigt sich mit der Unterredung, die der deutsche Botschaftsrat Dr. Rieth am Freitag abend mit Außenminister Briand hatte. Gegenüber anderslautenden Darstellungen ist festzustellen, daß nach Gerüchten, die in gewissen französischen Kreisen umlaufen, diese Unterredung auf französische Initiative zurückzuführen ist. Der „Temps* schreibt: Wir glauben zu wissen, daß der Besuch, den der deutsche Geschäftsträger am Freitag dem Außenminster ab- stattete, nicht den Charakter einer deutschen Demarche trug, den ihm gewisse Nachrichten nach- fagen. Es ist möglich, daß man es für nützlich
erachtet hat, gewisse in der am Mittwoch ftattge- habten Unterredung erörterte Punkte zu präzisieren, aber es scheint nicht, daß bei der Unterredung der vollkommene allgemeine Charakter verlassen wurde, auf den sich der erste Besuch des Botschaftsrats Df. Rieth beschränkte. Der deutsche Geschäftsträger hat nach der zweiten Unterredung ebensowenig wie nach der ersten eine schriftliche Note zurückgelassen, und man kann unter diesen Umständen nicht behaupten, daß man sich einer offiziellen Demarche der Berliner Regierung gegenüber befinde, die sich auf klar definierte Forderungen bezieht, die S t ä r k e der B e- satzungstruppen in beftimmtem Umfang verringert zu wissen.
Die Repko tagt.
Die Reparationskornmiffion hat in Paris eine Sitzung abgehalten. Nach dem amtlichen Kornmu- niquee hat der Generalagent für die Reparationszahlungen, ParkerGildert, ein Exposee über das Abkommen gegeben, das er mit der Reichs- eisenbahngesellichaft hinsichtlich der monatlichen Bezahlung der Zinsen für die sogenannten Eisen- bahnobligationen geschlossen hat. Die Reparationskommission hat dieses Abkommen gebilligt. Sie hat eine gewisse Anzahl der die Ausführungen des Sachverständigenplanes und der Friedensverträge betreffenden Angelegnheiten geprüft, u. a. hat sie eine Verteilung von Barzahlungen unter die interessierten Mächte gebilligt und die Hohe des Deutschland für die Lieferung von Schiffs- und Luftschiffahrtsmaterial vorzufchreiben- den Kredits festgesetzt. Die Reparationskommission hat außerdem gebilligt, 1. ein Abkommen zwischen der Internationalen Rheinlandkommission und den Vereinigungen der Inhaber der ungarischen sogenannten eisernen Toranleihe, 2. ein Abkommen zwischen der rumänischen und der serbischen Regierung und denselben Verbänden zur Regelung der Wiederaufnahme über die Organisierung des Finanzdienstes dieser Anleihen.
von Gu6rar- spricht.
Der Parteitag der rheinischen Zentrumspartei.
wtb. Köln, 9. Mai. (Eia. Funkm.). Auf dem Parteitag des rheinischen Zentrums in Köln sprach der Vorsitzende der Reichstagsfraktion, Geheimrat o. Gu-mard, über das Zentrum in der neuen Reichsregierung. Die an Locarno und Genf geknüpften Wünsche seien stark enttäuscht worden. Auf die völlige Räumung und die baldige Rückgabe des Saargebiets hätten wir ein gutes Recht. Das Saarland werde wirtschaftlich verelenden, wenn es bis 1935 von uns getrennt bleibe. Wir können unmöglich die ungeheuerliche Grenzziehung ■im Osten abermals garantieren und uns der Möglichkeit berauben, auf friedlichem Wege eine Sten» berung herbeizuführen. Wir erwarten von der Reichsregierung, daß sie in der Räumungsfrage entsprechend handele. Neben dem Fiasko von L o c a r no steht das Fiasko der Ab r L st u n g s- k o n f e re n z. Wir wünschen auch die Erörterung des Äawesplanes und der Reparations- frage. Der Redner streifte dann noch die Rettung des Arbeitszeitnotgefetzes durch das Zentrum und die Konkordatsfrage. Die Verlängerung des Republikfchutzgesetzes bezeichnet er als dringendste Arbeit nach Wiederzufammentritt des Reichstages. Er bemerke im übrigen keine Krisenluft.
Der Berliner Stahlhelm-Tag.
Die Polizei sicherte Ordnung und Ruhe.
Ohne erhebliche Störungen ist der Berliner Stahlhelmtag, dem viele Unglück-Prophezeiungen vorhergingen, verlaufen. Einige Herne Zusammenstöße hat es zwar zwischen Stahlhelmleuten und Roten Frontsoldaten gegeben; die Polizei hatte aber so umfassende Maßnahmen getroffen, daß jeder größere Störungsversuch von vornherein zum Scheitern verurteilt war und die wohl in den Arbeitervierteln Berlins zu Tage tretenbe Erbitterung gegen den Stahlhelm, der von den Arbeitern als Hort der gelben Gewerkschaftsbewegung angesehen wird, vor Ausschreitungen ohne Folgen blieb.
Das eigentliche Programm der Stahlhelmtagung begann am Samstag mit einem großen Zapfenstreich im Stadion, m das die Stahlhelmgimppen aus allen Ecken Deutschlands mit wehenden Fahnen und unter dem Klange alter preußischer Militärmärsche einmarschietten. Auch eine große Anzahl von Einwohnern Berlins, die mit dem Stahlhelm sympathisieren, füllten das Stadion fast bis auf den letzten Platz. Die Verkehrsverstärkung der Reichsbahn kam den Bedürfnissen entgegen. Bravorufe und Händeklatschen der Zuschauer begleiteten den Einmarsch der Stahlhelmleute in das Stadion. Ein großes „S ch lachet enfeu er werk" erfreute und begeisterte das Stadion. Die Kreuzzeitung gibt davon folgende begeisterte Schilderung:
„Ein großes Schlachtenfeuerwerk schloß sich dem weihe- und stimmungsvollen Akte an. Die Nacht er- glühte mit einem Male, unter grünroten vielfarbenen Feuerbüscheln. Raketen jagten empor zu schwindelnder Höhe, flammten auf, gossen ihren magischen Feuerregen zur dunklen Erde, Kanonenschläge ließen die Finsternis erzittern, das Geknatter von 100 Maschinengewehren ragte über das Stadion, in flammenden Lettern sprang eine herzliche Begrüßung der Stahlhelmkameraden aus der Nacht. Dann wieder flammende Feuerbüfchel, Ströme von Glut und Feuer, dumpfes Krachen und
der Kuppel der Domes etHang hierauf der Choral: „Nun danket alle Gott". Unter dem Gesang des Deutschlandliedes zogen hierauf die Stahlhelmleute wieder aus dem Lustgarten ab, um ihre Quartiere aufzusuchen.
Em Todesfall beim Stahlhelmtag.
Während des Marsches bet Magdeburger Stahlhelmgruppe vom Potsdamer Bahnhof nach der Neuen Welt in der Hafenheide brach der 55jähr!ge Kaufmann Wilhelm Bernhardt im Glied plötzlich zusammen. Ein zufällig vorübergehender Arzt leistete die erste Hilfe. Doch verstarb der Kaufmann schon nach wenigen Minuten an den F o l ge li eines Herzschlages. Das heiße Wetter hatte eine ganze Menge von Ohnmachtsanfällen und Hitz- schlägen zur Folge.
Montagspost zufolge sollen bei den Ueberfälkr auf Stahlhelmleute zwei schwer verletzt wor- den sein. In das Virchow-Krankenhaus fei ein Stahlhelmmann eingeliefert worden, der schwer»