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FuldaerZertung

Anzeiger für die Stabt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Ar. 102.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk.

Mittwoch, 4. Mai 1927.

Anzeigen.Preise: Kleinzeile (Colonel) lokal 0,15 JIM, auswärts 0,20 JIM. Reklamezeile: lokal 0,60 JU, auswärts 0,80 JIM. Bei Wiederholungen Rabatt. :»: Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 4051. :•:

54.Zahrg.

enwärtige Gleich-

• Senatspräsident am Reichsgericht Dr. Schmidt gestorben. Der Senatspräsident am Reichsgericht, Dr. Karl Schmidt, ist in Leipzig im 71 Lebens­jahre gestorben. Dr. Schmidt ist besonders als Vorsitzender der Kriegsbeschuldigtenprozesse bekannt geworden.

* Nach verbüßter Zuchthausstrafe freigesprochen. Das Berl. Tageblatt meldet aus Hanau: Der der sozialdemokratischen Partei angehörende Ober­amtsrichter Dr. Pusch in Ortenberg in Hessen war seinerzeit wegen Rechtsbeugung zu einem Jahr Zuchchaus verurteilt worden. Diese Strafe hat er verbüßt. Im Wiederaufnahmeverfahren fällte die Darmstädter Strafkammer einen Frei- spruch. Die Kosten fällen der Staatskasse zur Last.

China und England.

Neuer englischer Protest bei der hankau-Regierung.

Einem Telegramm »»folge hat der Vertreter des Großbritannischen Gesandten in Hankau bei der Hankau-Regierung formell gegen die Besetzung des britischen Konsulats und anderen britischen Eigentums durch die Südtruppen in Tschangkiang Einspruch erhoben.

Im Unterhaus erklärte der Sekretär der Ad­miralität, die britischen Schiffe auf dem Yangse seien ermächtigt worden, auf Feuer von chinesischer Seite zu erwidern.

Chamberlain erklärte im Unterhause, die Be­sprechungen der Mächte untereinander wegen Nan­king dauerten an. Er sei noch nicht in der Lage, eine endgültige Erklärung abzugeben.

wtb. London, 3. Mai. (Eia. Funkm.) Reuter berichtet aus Peking, daß nach japanischen Mel­dungen die Ges andten der fünf Proto- kollmächte gestern eine Besprechung über die zweite Note an die nationalistische chinesische Re­gierung gehabt haben, die jedoch zu keinem Ein­vernehmen führte.

Die Frage des Verhältnisses zwischen Reich und Ländern ist in der volksparteilichen Presse in letz­ter Zeit in einer Form besprochen worden, die nunmehr den „Bäuerischen Kurier" zu folgender Aeußerung veranlaßt:

„Die Deutsche Volkspartei scheint in ihrer Erundauffassung über den staatlichen Aufbau des Reiches an einem Wendepunkt angelangt zu fein. Sie trete jetzt, wie die Rede des Abgeord­neten Cremer im Reichstag im März dieses Jahres gezeigt habe, für den Einheitsstaat ein. Preisgabe und Verleugnung des Rechtsprinzips und rein wirtschaftlich-rationalistische Betrach­tungsweise sind die Grundzüge des volkspartei­lichen Bekenntnisses. Man möchte gern auf irgend­einem Umwege — etwa durch finanzielle Trocken­legung und Verwaltungsreform — um die ver­fassungsmäßige Regelung der Frage herumkom­men. Demgegenüber sei zu sagen, daß es ein ge­fährliches Spiel im Staatsleben der Völker fei, sich über das Recht und insbesondere das Verfas- sungsrecht als die Grundlagen der staatlichen Ge­meinschaft hinwegzusetzen."

Um -en neuen Staat.

Seit einiger Zeit ist eine heftige Fehde in Of- fizierskreisen im Gang, die sich gegen den Major a. D. Kurt Anker wendet, der in mehreren, rm . „Berliner Tageblatt" erschienenen, Artikeln den Wandel seiner Auffassungen zwischen einstigem Monarchisten und heutigem Republikaner darlegte. Major Anker nimmt nun erneut das Wort, um zur Begründung seines AuffassungsWechsels u. a. : folgendes auszuführen:

|F „Ich habe aus der Entwicklung der letzten

I Jahre gelernt, ich habe mich davon überzeugt, daß die Umgestaltung Deutschlands zur demokratischen Republik unabänderlich ist, und daß jede Rückkehr zur Monarchie die Zertrümmerung des Reiches bedeuten würde. Und da hielt und halte ich es für meine vaterländische Pflicht, ein offenes Be­kenntnis begangener Irrtümer abzulegen, und mit allen meinen Kräften für die Festigung des re­publikanischen Gedankens und damit des Vaterlan­des in feiner jetzigen Gestalt einzutreten."

In diesem Zusammenhang spricht er gegenüber feinen Widersachern folgendes aus:

„Welche Unlogik und Verlogenheit steckt darin, uns, die wir uns zur Republik bekennen, zu be­schimpfen und in Acht und Bann zu erklären, gleichzeitig aber mit lautem Jubel den Reichsprä­sidenten von Hindenburg zu begrüßen, der doch wohl das feierlichste und bindendste Bekennt­nis zur Republik abgelegt hat. Oder hat der Deutsche Offiziersbund den Feldmarschall von Hin­denburg auch »vegen Schädigung der Bundesinte­ressen aus seinen Listen gestrichen?"

Major Anker fügt dann eine ganze Reihe von Zuschriften hoher und höchster militärischer Persön­lichkeiten an, die diesen Darlegungen zustimmen

Pohtcard spricht.

Gegen den Bolschewismus.

In Frankreich ist die Session der Gene­ra träte eröffnet worden. Da die Vorsitzenden der meisten Generalräte Parlamentarier sind, haben sie zum Teil bei Uebernahme des Vorsitzes poli- jtische Reden gehalten, in denen sie sich über die augenblickliche innere und außenpolitische Lage «äußerten. Poincare hat in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Generalrats des Maas-Departe- »nents in Bar-le-Duce eine außerordentlich um­fangreiche Rede gehalten, in denen er eine bis ins einzelne gehende geschichtliche Darlegung seiner Ministerpräsidentschaft gab und den Weg zeichnete, den er als Finanzminister gehen mußte, um eine .Stabilisierung der französischen Währung und einen Ausgleich des Budgets zu erzielen. Poittcare for­derte "für die Zukunft die Einigkeit der Parteien. Unter scharfer Betonung der Volkssouveränität er­klärte Poincare weiter, es sei ein Gebot der Not­wendigkeit, der ärgsten und umnittelbaren Gefahr, die der Kommunismus für den Staat bilde, mit Kaltblütigkeit entgegenzutreten. Frank­reich sei kein MmrSverierungsfeld für den bolsche­wistischen Imperialismus. Die Regierung sei ent­schlossen, die Gesetze der Republik sofort zur An­wendung zu bringen, wenn verbrecherische Versuche unternommen würden, die Sicherheit des Landes ober die Unteilbarkeit der Nation zu gefährden.

Ueber die Frage der Sicherheit Frank- »eichS erklärte Poincarä: Frankreich ist eine der Nationen, die feit mehreren Jahren ihr Heeres- und Marinebudget am stärksten eingeschränkt haben. Es hat nach dem Siege niemals etwas anderes verlangt als die loyale Ausführung der Verträge, und wenn es auf den gleichen guten Willen gestoßen wäre, dann wäre schon längst der in den Urkunden unterzeichnete Friede in die Geister eingezogen. Frankreich wünscht heute nur die regelmäßige Bezahlung der Reparationen, wie sie im Dawesplan vorgesehen ist, und die vollständige Wahrung seiner Sicherheit. Es kann infolgedessen nichts von seiner Unabhängigkeit oder von den Rechten und Garantien opfern, die ihm die Verträge zuerkannt haben. Und da Frankreich gleichzeitig Land- und Marinemacht ist, muß es zu Lande und zu Wasser die Mittel behalten, um sich gegen Angriffe zu schützen.

schaftlichen Ursachen für die gegenroärtii gewichtsstörung in Handel und Industrie zu geben. Schärfer umrissen ist der zweite Teil der Tages-

Die kulturpolitische Debatte.

verschärfte Auseinandersetzungen über Schule und Konkordat.

In den letzten Tagen ist eine Verschärfung der Tonart der kulturpolitischen Debatten und zwar bemerkenswerter Weise gerade bei der D e u t s ch en Volkspartei zu beobachten. So hat der Wahl­kreisverband Berlin II der Deutschen Volkspartei neuerdings folgende Entschließung gefaßt: „Sie be­grüßt das energische Eintreten der Fraktion in Preußen für die ungeschmälerte Erhaltung der Staatshoheit in der Schule und fordert bezüglich der Auseinandersetzung zwischen Staat und Kirche Wahrung der Staatshoheit und lehnt deshalb den Abschluß jedes Konkordats in Preußen wie im Reiche ab."

Auffallend ist es auch, wie schroff neuerdings die „Kölnische Zeitung" sich äußert. So schreibt sie in Nr. 319:

„Gelingt es dem Zentrum, für sein erweitertes Schul­ideal im Reichstag eine Zweidrittelmehrheit zu gewinnen, so mag es die Verfassung abändern. Solange das nicht geschieht, muß es bei dem Schulkompromiß bleiben und muß auch der leiseste Versuch, auf der Hintertreppe will­kürlicher Verfassungsauslegung doch noch ein anderes Ziel zu erreichen, mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen werden."

Man versteht die verschärften Töne, wenn man weiß, daß zurzeit die Sprecher des Evangeli­schen Bundes durch das deutsche Land ziehen und gegen das Konkordat Sturm laufen. Es han­delt sich meist um Redner, die schon feit Jahrzehnten zum Kampf gegen Rom blasen. Die Töne sind in­folgedessen zwar etwas rauh und rostig. Bei den starken Fortschritten, die die historische Wissenschaft gerade auf dem Gebiete der Reformationsgeschichte zu verzeichnen hatte, fühlt man sich bei den „anti- papistischen" Redewendungen in eine versponnene und verstaubte Rumpelkammer versetzt. Gleichwohl hören manche Leute solcher Weisheit mit Erstaunen zu und durch die Agitation des Evangelischen Bun­des gegen das Konkordat (auch in Fulda sprach am Sonntag der nicht unbekannte Kasseler Studien­rat Hoffmann über die Frage) — geraten die Rechtsparteien, die doch wiederholt in den Schul- und Konkordatsfragen zustimmende Erklärungen abgegeben haben, in eine peinliche Lage. Die Sozialdemokraten bemühen sich, diese Lage noch peinlicher für die Rechte zu gestalten. — Die „Frankfurter Volksstimme" schreibt in Nr. 100:

Es ist nur zu verständlich, wenn jetzt der Evange­lische Bund gegen Konkordat und die katho­lischen Absichten beim Reichsschulgesetz aufmuckt. Aber was nützen dem Evangelischen Bund die schönsten Auf­rufe! Während die Hirtenbriefe in allen katholischen Blättern in großer Aufmachung verkündet werden, muß sich der Evangelische Bund damit begnügen, daß seine Proteste an unscheinbarer Stelle in der „Täglichen Rundschau" Erwähnung finden, wo sie niemand liest. Während das Zentrum seine ganze Kraft dafür einsetzt, um die Schulwünsche der römisch-kathollschen Kirche zu befriedigen, wird sich die Deutschnationale Volkspartei bestimmt nicht wegen der Sache des Protestantismus in Unkosten stürzen. Und die Volkspartei? Herr Strese- manr ist nicht umsonst zum Verräter des evangelischen Liberalismus geworden, ehe der Hahn dreimal krähte. Bilanz: Deutschnationale und Volkspartei führen ihr Christentum im Munde, wenn sie die Hilfe der Evan­gelischen bauchen, oder der Sozialdemokratie eins auswi- schen wollen, und kümmern sich im Übrigen nicht um die Wünsche der evangelischen Kirche.

Politisch gesehen könnte der Sozialdemo­kratie kein größerer Gefallen erwiesen werden, als wenn aus „Gefichle n" konfessioneller Art heraus Konkordat und Reichsschulgesetz von der jetzigen Regierungskoaltion nicht zustande gebracht würde.

Die wirtschastsbonserenz beginnt.

Der große Aufmarsch zur internationalen Wirt­schaftskonferenz in Genf hat begonnen. Insge­samt werden 43 Staaten vertreten sein, die an­nähernd 200 Delegierte entsenden. Dazu kommt eine mindestens ebenso große Zahl von Sachver­ständigen, technischem Hilfspersonal, Vertretern der Presse und die bei den großen Konferenzen nie feh­lenden „stillen Beobachter", so daß sich im ganzen tausend Personen für die Weltwirtschafts­konferenz einfinden werden.

Die Konferenz ist geboren aus den Schwierigkei­ten der weltwirtschaftlichen Lage und aus dem all- seitigen Bestreben, eine Befriedigung der Gegen­sätze wirtschaftlicher Natur herbeizuführen. Krieg und Friedensschlüsse haben eine Zerreißung der engen wirtschaftlichen Zusammenhänge, wie sie bis 1914 bestanden, herbeigeführt, neue Industrien und Produktionsstätten haben sich entwickelt, die Pro- duktions- und Bsdarfszentren haben sich verschoben Ueberangebot und Absatzstockung machen sich gel­tend, so daß die Staaten teilweise in der eigenen Produktion ersticken. Sinken der Kaufkraft, Arbeits­losigkeit, Stagnation und Verarmung sind die Fol­gen. Die zahlreichen neugeschaffenen europäischen Staaten haben sich handelspolitisch abgeschlossen und hohe Zollmauern um ihre Grenzen gelegt. Merkantilistische und Monopolisierungstendenzen machen sich auf der ganzen Erde geltend und er­schweren immer mehr die Wiederanknüvfung der alten wirtschaftlichen Fäden und die Wiederher­stellung der wirtschaftlichen Zusammenhänge der Welt. Die wachsende Konkurrenz Amerikas tut das übrige, um die Beseitigung der wirtschaftlichen In­teressengegensätze zu erschweren.

Der Völkerbund erkannte sehr bald die Notwendigkeit, hier einzugreifen und Abhilfe zu schaffen. Die ersten Versuche führten allerdings nicht zum Ziel. Die Brüsseler Finanzkonferenz blieb ergebnislos. Mehr Erfolg hatte ein von dem französischen Großindustriellen und Wirtschaftspoli­tiker Loucheur am 10. 9.1925 auf der Völkerbunds­versammlung gestellter Antrag, eine Weltkonferenz zur Beseitigung der wirtschaftlichen Kriegsursachen einzuberufen. Der Antrag wurde vom Völker­bundsrat einstimmig angenommen und zu seiner Ausführung am 15. 12. 1925 ein vorbereitender Ausschuß eingesetzt.

Die Schwierigkeit für die Konferenz lag in der Vorbereitung und in der Aufstellung des Pro­gramms. Von vornherein bestand die Gefahr, daß die Erörterungen bei einer zu weiten Ausdeh­nung des Programms ins Uferlose wachsen würden. Eine Beschränkung erwies sich daher bei der Fülle der Probleme und Fragen als notwendig. Es konnte sich auch nicht darum handeln, eigene Erhe­bungen zu veranstalten und Fragebogen an die Regierungen der einzelnen Länder zu versenden. Der einzig mögliche Weg war vielmehr der, durch Sachverständige, deren Auswahl bereits das Er­gebnis zu einem guten Teil festlegte, Unterlagen, ( tachten und Vorschläge einzuholen, die der Voll­versammlung zu unterbreiten waren. Diese hat also in der Hauptsache die Aufgabe, die Ergebnisse der erwähnten Untersuchungen gutzuheißen, auf Grund deren Entschließungen zu fassen und die vorher aus­gearbeiteten Vorschläge sich zu eigen zu machen oder zu verwerfen. In der Mehrzahl ist der Inhalt dieser Gutachten und Vorschläge bereits bekannt. Es ist also kaum anzunehmen, daß die Weltwirtschafts­konferenz besondere Ueberraschungen bringen wird. Der erste Teil der Tagesordnung weist der Kon­ferenz die Aufgabe zu, die weltwirtschaftlichen Grundprobleme vom Standpunkt der einzelnen Länder zu betrachten und eine Analyse der mist«

Unterhaus und Streikgesetz.

Der Attorney-General eröffnete im Unterhause die zweite Lesung des am 4. Avril eingebrachten Gesetzentwurfes über die Gewerkschaften durch eine Erklärung, in der er sagte: Die Hauptgrundsatze sind: 1. Der Generalstreik ist ungesetzlich und nie­mand wird Darunter zu leiden haben, daß er ferne Teilnahme Daran abgelehnt hat. 2. Eine Einschüchterung ist ungesetzlich und niemand wird durch Drohungen gezwungen wer­den, nicht zu arbeiten. 3. Niemand wird gezwungen werden, an die Kasse irgend einer politischen Partei Zahlungen zu leisten, außer wenn er es wünscht. 4. Wer in den Staatsdienst tritt, muß dem Staate volle Treue schworem

Die Debatte über das Gesetz wickelte sich trotz der bei Der Arbeiterpartei herrschenden Erregung ohneZwischenfallab, wobei sich im Verlauf des Abends der Sitzungssaal mehr und mehr leerte. Für die Liberalen sprach der Abg. Harney, der die Vorlage als zu hastig ausgearbeitet und zu hart für die Arbeiter kritisierte. Die Debatte wird fortgesetzt._________

* Der neue Oberbefehlshaber der englischen Rheinarmee, Generalleutnant Sir William Thwaites, der Nachfolger des Generals Sir I. P. Du Cane (jetzt Gouverneur von Malta) ist in Wiesbaden anaefommen.

ordnung. Hier sollen nur die beiden Hauptpunkte: Handelsschranken und internationale Kartelle be­handelt werden. Auf besonderen Wunsch der deut­schen und französischen Vertreter ist außerdem eine Behandlung Der Agrarfrage in das Programm mit aufgenonynen.

Eine wertvolle Vorarbeit für die Konferenz bil­den auch die Anregungen der internationalen Han­delskammer, die durch Befragen einer Reihe von wirtschaftlichen Körperschaften gewonnen wurden. Ihre Anregungen werden unterstützt durch die Er­gebnisse der Denkschriften auf dem Gebiete der Han­delserschwerung (Zollformalitäten, Abänderungen von Zolltarifen, Staatssubventionen und andere Dinge mehr).

Der Schutz der Sowietöelegierten

Nach dem Journal de Geneve wurden im Bun­desausschuß in Anwesenheit desBundespräsidenten Motta und des Leiters des Polizeiwesens im Kan­ton Genf die Maßnahmen zum Schutze der Sow­jetrussischen Delegierten für Die Wellwirtschaftskon­ferenz besprochen. Es werbe alles für Die Sicherheit Der russischen Delegierten auch schon auf ihrer Reise getan roerDen.

Nach einer weiteren Mitteilung Des Blattes wer- Den für Die russischen Delegierten, Die Mittwoch abenD in Genf erwartet werden, außerordemlich strenge Maßnahmen zur VermeiDung jebes Zwi­schenfalles getroffen.

Die sowj et-russische Delegation für die Weltwirtschaftskonferenz in Genf ist Dienstag vormittag in Berlin eingetroffen.

Die Reichsfinanzen.

Die Befürchtungen des Reichsfinanzministers.

wtb. Berlin, 2. Mai Vor Den Mitglieder Des Vereins Berliner Kaufleute und Industrielle fpram' heute abend Reichsfinanzminister Dr. Köhler über; das Thema „Reichsfinanzen und Volkswirtscha^". Er ging auf Die Staatshaushalte im einzelnen e n. Weniger günstig als Der Abschluß für 1926 -he Der Etat für 1927 aus. Da Der Etat für 1927 schön große Schwierigkeiten bereitet, io mache ihm die Ausstellung des Reichshaushaltes für 1928 grö­ßere Sorge. Wir rücken mit diesem Etat in Das Normaljahr der Reparationsbelastungen ein. Es fehlen zur Abdeckung des Betriebsfonds sowie Der Ueberschuß für 1926 mit insgesamt 400 Millio­nen. Auf Der anderen Seite stiegen die Repara­tionsleistungen um rund 350 Milionen, so daß wir in großen Zahlen schon eine Verschlechterung gegen bisher in Höhe von % Milliarden hätten. Hier können nur starke Einschränkungen der Ausgaben helfen. Unsere Gesamtlage gibt noch in gar keiner Weise optimistischen Auf­fassungen Raum. Von einer kontinuierlichen Linie des Aufstiegs ist wenig zu merken. Wem es gut geht, oder wer es nicht nötig hat zu erklären, daß es ihm ihm gut gehe, der sollte nicht ohne wei- teres verallgemeinern, denn solche Ver­allgemeinerung geben ein falsches Bild von un­serer Leistungsfähiakeit und müssen uns nur scha­den. Unsere öffentliche Last ist gegenüber derjeni­gen anderer Länder in ihrer Auswirkung sehr viel schwerer, trotz aller gegenteiligen Behaup­tungen. Deshalb müssen Steuererhöhun­gen ganz außer Bereich der Erörte rung bleiben. Steuerermäßigungsmaßnahmen müssen hingegen fortgesetzt werden. Zur jetzigen Anleihe­politik des Reiche- bekenne ich mich durchaus, wobei allerdings zwei Voraussetzungen zu erfüllen wä­ren: 1. daß Der Begriff Der werbenden Anleihe eng zu fassen und nicht lediglich zu weitgehender Entlastung der laufenden Ausgaben Diene, Da sonst eine verhängnisvolle Schuldenpolitik das Ende wäre, 2. muß der Kapitalmarkt aufnahmefähig fein und Die Anleihebedingungen müssen der Marktlage entsprechen.

Ich habe noch eine Ermächtigung, im laufenden Etatsjahre fast eine Milliarde als Anleihe aufzu­nehmen. Ich werde in den nächsten Monaten be­stimmt nicht, und auch später nur mit äußerster Zurückhaltung, von dieser Ermächtigung Gebrauch machen Für die Behandlung der Ausländsanlei­hen ist in erster Linie die wechselnde Lage des Geldmarktes entscheidend. Daß die heutige Ver­knappung insbesondere den Realkredit getroffen hat, gibt habet zu denken. Ich beabsich­tige in allernächster Zeit eine Reihe von Gesetz­entwürfen vorzulegen. die eine Fortführung der Steuerreform des Jahres 1920 bedeuten im Sinne einer weiteren grundlegenden Vereinheitlichung, Vereinfachung der gesamten Steuergesetzgebung in Reich und Ländern einschließlich des Verwaltungs­verfahrens. m „

Ein Grundsteuerrahmengesetz, ein Gewerbesteuer­rahmengesetz ein Gebäudeentschuldungssteuer­gesetz und endlich ein Gesetz über die Vereinfachung Des Verfahrens in Steuersachen sollen diesem Ziel dienen. Endlich soll eine Vereinfachung der Steueroerroaltung zum Zweck der Ersparnis an Verwaltungskosten und der Vereinfachung für Den Steuerpflichtigen vorgesehen roerDen.

Der Minister schloß: Die Zusammenfasiung aller Kräfte roirD uns die Stärkenden, die not­wendig ist, um Die ungeheuerliche Folgen Des Krie­ges und Der Nachkriegszeit zu überwinden und unser Volk in allen seinen Schichten wieder des- seren Tagen entgegenzuführen. Der soziale Ge­danke müsse Dabei nicht nur theoretilch, sondern in Der Praxis verwirklicht werden. Nur durch seine Realisierung werde das deutsche Volk Dem Aufstieg entgegengeführt werden können. Voraussetzung dafür, ist eine gesunde Wirtschaft. Gerade die Wirtschafts- und Handelsvertragspolitik der näch­sten Monate wird diesen Gedanken zum Ausdruck bringen müssen im Sinne einer engeren Verflech­tung Der deutschen Wirtschaft mit der Weltwirt- schäft und der Kräftigung des inneren Marktes in der Erhöhung der Konsumkraft unseres Volkes.

• Der evangelisch» Bifchofstitel. Im Derfaf- fungsausfchuß der Generalfynode in Berlin ist der Bifchofstitel mit Stimmengleichheit ab« gelehnt worden. Die Vorlage wird trotzdem vor die Dollverfammlung kommen.

Die Thronfolge in Spanien.

wtb. Paris, 3. Mai. (Eig. Funkm.) Wie „Jour­nal berichtet, hat der spanische Ministerrat Ende vergangener Woche in Sevilla die Frage der Thronfolge erörtert. Man habe die Möglich­keit eines Zusammentretens der Cortes, die durch allgemeines Stimmrecht gewählt werden sollen, ins Auge gefaßt, da die Mehrheit der Minister den Standpunkt vertreten habe, daß die Bezeichnung des Zchronfolgers von den Vertretern des Volkes gebilligt werden müsse. Diese Meinung sei auch vom König geteilt worden. Im übrigen sei die Proklamierung des dritten Sohnes AlfonS XIII., Don Juan, zum Thronfolger schon nach dem 15. März anläßlich der letzten Krank- beit des Königs ms Auge gefaßt worden. Die Angelegenheit sei im Zusammenhang mit dem Be­such des Prinzen von Wales in Madrid wieder auf» Cnt worden, der sich über die Lage mit dem

Ischen Königspaare unterhalten habe.