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Amtliches Kreisblatt

Anzeiger für die Stabt Fulda und den Landkreis Fulda

54.Zahrg

Dienstag, 3. Akai 1927

7lr. 101

Der Bischof von Fulda zur Schulsrage

en den

Krieg in China und das neue Militärgesetz statt, u. a. auch in Paris selbst bei einer unter freiem Himmel ab gehaltenen kommunistischen Volks, '»ersammlung.

Segen ja unser ganzes Beten, Opfern und Kämpfen gilt, wird euch alles tausendfach lohnen.

Fulda, den 7. April 1927.

t Joseph Damian, Bischof von Fulda.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk.

Neuer Generalstreik in England? Der englische Bergarbeiterführer Look kündigt einen neuen Generalstreik an.

Aus London wird gemeldet: Anläßlich der Maifeier waren im Hndepark zehn Rednertribünen errichtet. Die Teilnehmer an der Versammlung, die nach vielen Tausenden zählten, nahmen eine Entschließung an, in der gelobt wird,mit den Arbeitern anderer Länder zusammenzuwirken, um ein sozialistisches und kooperatives Gemeinwesen zu schaffen".

Unter den Sprechern befanden sich Vertreter des linken Flügels der Arbeiterpartei und Vertreter der kommunistischen Parte Der Sekretär des Bergarbeiterverbandes Cook sagte in einer Rede: Im letzten Jahre sind wir unterlegen, aber nur vorübergehend. Es hat keinen Zweck, wenn die Regierung von Frieden spricht, während man Vorbereitungen trifft, um die Gewerkschaftsbewe- gung zu vernichten. Sie hat eine Vorlage ein» gebracht, durch die ein neuer Generalstreik ver­hindert werden soll. Ob gesetzlich oder gesetzwidrig, es wird einen neuen Generalstreik geben. (Bei­fall). Diese Gewerkschaftsvorlage ist die größte Herausforderung, die die Arbeiterschaft empfangen hat. Ich begrüße die Herausforderung!

vor kulturpolitischen Kämpfen?

Die Verhandlungen um den kommenden Reichs- schulgesetzentwurf werfen bereits ihre Schatten Dar­aus. Ohne seinen Inhalt zu kennen, prophezeit derVorwärts" (Nr. 200) kulturpolitische Kämpfe, lediglich weil nach bisher bekanntge­wordenen Mitteilungen die Gleichberechti­gung der drei Schularten durchgesetzt und in der Bekenntnisschule für den Gesamtunterricht der Gei st des Bekenntnisses, maßgebend sein soll. Darin will derVorwärts" was entschie­den zu verneinen ist eineunbestreitbare Ver­fassungsänderung" erblicken, die nur bei Zustim­mung der Sozialdemokratie zu erreichen wäre. Die Sozialdemokratie werde sich aber nie dazu her­geben, der .schwarzblauen Schulreak­tion die heißesten Kastanien aus dem Feuer zu holen". DerVorwärts" erinnert bann an die Weimarer Vereinbarungen, die seiner­zeit zwischen Zentrum und Sozialdemokratie ge­troffen wurden und rühmt ihnen nach, in ihnen sei der Grundsatz der gegenwärtigen Duldung enthalten gewesen. Dem Urteil desVorwärts" über die Weimarer Vereinbarungen können mir durchaus zustimmen. Aber will uns derVor­wärts" vielleicht einmal verraten, welch wesent­licher Unterschied zwischen den von ihm gelobten Weimarer Vereinbarungen und den von ihm ge­tadelten Grundsätzen besteht, die eine angebliche schulpolitische Reaktion" in dem bevorstehenden Gesetz verwirklichen will? Wenn in dem Gesetz die weltliche, die stmultane und die konfesionelle Schule als gleichberechtigt bezeichnet wer­den, und der Wille der Erziehungsbe­rechtigten letzten Endes ausschlaggebend bleibt, welche von den drei Schularten sie bevorzugen, so gehört schon etwas Phantasie dazu, einer solchen Regelung freiheitliche und demokratische Grundsätze absprechen zu wollen.

Wer diese Regelung bekämpft, der kämpft nicht für die Freiheit, sondern für den Zwang; der fürchtet sich vor demWillen großer Volks- massen", den derVorwärts" ausschlaggebend sein lassen will denn dieser richtet sich bekanntlich nicht gegen die konfessionelle Schule, sondern fordert sie, wie u. a. die von der katholischen Schulorganisation vor einigen Iabren veranstaltete Unterschriftensammlung beweist. Wer denWillen großer Dolksmassen" wirklich respektiert, darf bte Gleichberechtigung der konfessionellen Schule nicht verhindern wollen!

Bei derdüsteren kulturpolitischen Zukunft", so klagt derVorwärts" schließlich, drohender kaum in den Anfängen vorhandenen Festigung der jungen Republik neue Gefahren". Rein, wenn Toleranz und wahre Freiheit in der deutschen Republik zur Geltung kommen, drohen ihr keine Gefahren! Wenn aber die Linke die deutsche Republik mit kulturvolitilchem Asphaltlibe­ralismus belasten will, leistet sie ihr einen sehr schlechten Dienst. Die Sozialdemokratie täte aut daran, bei der bevorstehenden Beratung de« Reichv- schulgeletzentwurfes sich von vornherein auf s sch­lich e A r b e i t einzustellen, anstatt auf Opposition um jeden Preis. An einegewaltsame @ r- l« digung" des Schulgesetzes, die derVor­wärts" als Schreckgesvenst an die Wand malt, denkt wohl niemand, sicher nicht die parlamentari­schen Vertretungen der deutschen Katholiken. Stets ist von uns betont worden, daß wir das Reichs­schulgesetz nicht zu einem Objekt heißer parlamen­tarischer Kämpfe und parteipolitischer Agitation machen möchten. Wir wollen den Stbulfrie­ben im Interesse der Schule selbst; des­wegen wünschen wir auch immer noch eine Ver­abschiedung des Reichsschulgesetzes auf möglichst breiter parlamentaricher Basis und müssen die thldoluuuggonomlummo;ulgmouomloumuud e ebbu Verantwortung für etwaige kulturpolitische Kämpfe bei der Verabschiedung des Reichsschulgesetzes denen überlassen, die glauben, mit der Opposition gegen den Gesetzentwurf einerlei wie er aussieht parteipolitische Geschäfte machen zu können.

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darauf schließen lasse, daß die Arbeiter von Schang­hai nicht einmütig hinter Tschankaischek stehen. Der örtliche Kommissar für auswärtige Angelegenhei­ten, Naotaichi, machte in einer Rede an die Ver­sammlung die britischen Imperialisten für die An­wesenheit der britischen Streitkräfte verantwortlich und drang darauf, daß an die britische Arbeiter- Sartet deswegen ein Protest gerichtet werde. Eine Resolution dieses Inhalts, ferner ein Protest gegen die Befestigungsanlagen in den Niederlassungen wurden angenommen.

Japan.

Anläßlich der Maifeierkundgebungen wurden in Tokio einige Verhaftungen vorgenommen. An­derwärts verliefen die Feiern ruhig. In einer Ver­sammlung wurde eine Entschließung für den Acht­stundentag und für Nichteinmischung in China an­genommen.

* Da- britische Gewerkschaftsgeseh. Aus London wird gemeldet: Die Regierung hat beschlossen, am Montag einen &bänberungsantrag zu dem Gesetz­entwurf über die Gewerkschaften vorzulegen, wo­nach die A u s sp e r r u n g ebenso ungesetzlich sein soll wie der Ausstand. Zweck des Abände- rungsantrages ist, zu beweisen, daß der Gesetzent­wurf keine Partei begünstigt.

Die Maifeier ist in Paris und im Lande in der üblichen Weise abgehalten worden. Sozialisten und Kommunisten haben getrennte Feiern began» gen. In Paris ruhte der Kraftdroschkenverkehr, während die Untergmndbahn, Straßenbahn und Autobusse in vollem Betrieb waren. Zwischen­fälle wurden nicht berichtet. In verschiedenen Städten fanden auch Kundgebungen geg Krieg in China und das neue Mu

vle Maifeier der Sozialisten.

Berlin.

Im Mittelpunkt der vom Wetter begünstigten Maifeier in Berlin stand die auf 1 Uhr mittags angesetzte große Kundgebung auf dem Sch oßplatz, an der gegen 50000 Personen, vor allem Mitglieder der freien Gewerkschaften und jtr kommunistischen Partei, teilnahmen. Der Dor- rbe des Holzarbeiterverbandes, Tarnow, der einziger Redner vorgesehen war, betonte in seiner Ansprache, daß der 1. Mai das Symbol eines Friedensfeiertages fei. Er erinnerte weiter an den Kampf des russischen Volkes um seine politische und wirtschaftliche Freiheit sowie an die Lage der italienischen Sozialisten. Jrn übrigen sprach der Redner von dem Kampf der Arbeiter­schaft um die Kürzung der Arbeitszeit, wobei er die Frage aufwarf, ob angesichts der großen Zahl der Arbeitslosen eine Verkürzung der Arbeitszeit auf weniger als acht Stunden zu prüfen wäre. Jrn Anschluß an die Kundgebung fanden im Laufe des Nachmittags in etwa 20 Lokalen weitere Feiern der Sozialdemokraten und der Kommunisten statt.

Beim Abmarsch der Teilnehmer an der Mai­feier im Lustgarten kam es an einigen Stellen zu kleinen Zusammenstößen mit der Polizei. In Neu- Kölln wurde ein Polizeiwachtmeister von etwa sie­ben Personen angegriffen und durch Stockschläge am Kopf und im Gesicht verletzt. Der Bedrängte konnte erst mit Unterstützung von Kameraden be­freit werden. Der Polizeiarzt stellte außer einer Gehirnerschütterung auch Blutungen im Magen fest. Zwei Täter wurden festgenommen.

München.

Im Mittelpunkt der Maifeier der freigewerk- fchastlich organisierten Arbeiter m München stand eine Kundgebung auf der Theresienwiese. Anschei­nend war die Beteiligung infolge des ungün- stigen Wetters etwas schwächer als in den Vor­jahren. Die Kommunisten hatten sich vor einem eigenen Podium versammelt, doch war die Teil­nahme gering. Zu Störungen ist es nicht gekommen.

Dresden.

Die Maifeier in Dresden und Umgebung ist ohne Zwischenfall und in voller Ruhe vor sich gegangen. Der Besuch, bei sämtlichen Veran­staltungen wurde durch das trübe Wetter beein­trächtigt.

Schweiz.

Die Maifeiern sind m der Schweiz vollkommen mhig verlaufen. Die Beteiligung war außer­ordentlich stark, wenn sie auch unter der Ungunst der Witterung litt.

Frankreich.

China.

Reuter meldet aus Schanghai: Das amerika­nische SchiffPresident Lincoln" wurde, als es von Schanghai in See ging, von ber fftngeborenenftabi aus mit Gewehren beschossen Es fielen ungefähr ein Dutzend Schüsse. Verluste sind jedoch nicht zu verzeichnen. e

rotb. Schanghai, 2. Mai. (Eig Funkm.) Reu­ter Die Japaner haben das ganze obere Yangtse-Tal westlich von Hankau ge­räumt. e

rotb. Schanghai, 2. Mai. (Eig. Funkm.) Ein britisches Kanonenboot und ein Hilfs­schiff wurden in Schanghai von den Ttschin- kianaz,Forts beschossen. Das Hilfsschifs

Oesterreich.

V Der Staatsfeiertag wurde festlich begangen. Sozialdemokraten hielten Massenversammlungen und 7- Umzüge sowie Sportfeste ab. Die Feiern in Wien ind im übrigen Oesterreich find mhig verlaufen.

Tschecho-Slowakoi.

Die Feier des 1. Mai, der in bet tschecho-slo­wakischen Republik Sta atsseiertag ist, wurde von den Arbeiterparteien durch Umzüge und Ver­sammlungen begangen. Die Veranstallungen wie­sen infolge der ungünstigen Wittemng keine be­sonders großen Teilnehmerzahlen auf und nahmen überall einen vollkommen mhigen Verlauf. Nur in Pust in Karpatho-Rußland mußte «ine Versammlung aufgelöst werden, wobei drei Gendarmen verletzt wurden.

polen.

Die Maifeier in Warschau ist verhältnismäßig ^thig verlaufen. Nur auf derNeuen Welt", der Hauptstraße ber Stadt, wurde ein Zug von Kom- vrunisten zerstreut. Hierbei wurden 10 bis 15 Per­sonen mehr oder weniger leicht verletzt. Nach den bisher vorliegenden Berichten scheint die Maifeier w ber Provinz ruhig verlaufen zu sein. Nur w Lobz würben bei Zerstreuung eines kommuni- siischen Umzuges mehrere Personen verhaftet. In Ürest-Litowsk wurde ein Kommunist erschossen.

Moskau.

Die Maifeier in Moskau trug, wie die Telegra- phenagentur ber Sowjet-Union melbet, ausgespro­chen den Charakter einer großen Volksfeier. Jm Mittelpunkt ber Veranstaltung stand eine De­monstration, an ber etwa eine Million Menschen Zunahmen. Der Demonstration ging eine Truppen- Jparabe voran, welche ber Kriegskommissar fffioro« 'ch'low in Gegenwart ber Regierungs-Mitglieder uno von Vertretern des diplomatischen Korps ab» l nahm.

Peking.

^fiebung Derb°t *n Peking jede Maifeierkund-

Schanghai.

Maifeiertag in Schanghai war der x,..Allste feit vielen Jahren. Die von den kommuni- 7En Gewerkschaften außerhalb ber Niederlassun- Vjeran!f!^ Massenkundgebung wies nur eine ^9PPJ?Aronen °uf, gegenüber sonst durch- ^MNittlich 100 000, was nach einer Reutermeldung

Zur Ankündigung des am nächsten Sonntag in ber Diözese Fulda stattfindenden Schulsonntags hat ber Hochwürdigste Herr Bischof von Fulda folgen­des Hirtenschreiben erlassen, das am Sonntag, den 1. Mai, in den Kirchen der Diözese Fulda verlesen worden ist:

Wieder steht die Schulfrage mehr denn je im Mittelpunkt der großen Gegenwartskämpfe. Was weitschauende Männer seit 50 Jahren vorhergesagt, ist wahr geworden. An der Stellung zur B e- kenntnisschule scheiden sich die Geister. Es handelt sich um eine der bedeutsamsten Entscheidun­gen für das Heil der Seelen unserer Kinder und die katholische Sache überhaupt.

Was wollen die Katholiken in diesem Kampf? Wollen sie irgend jemanden unterdrücken? Nein! Wenn Eltern, die nicht auf unserm Stand­punkt stehen, ihre Kinder nicht in eine Bekenntnis­schule schicken wollen, so haben wir nicht die Macht, sie daran zu hindern. Sie müssen das mit ihrem Gewissen ausmachen. Wir müssen aber mit Nach­druck verlangen, daß für unsere katholischen Kinder eine Schule geschaffen wird, die allen unseren katho­lischen Anforderungen entspricht. Zu bestimmen, welches diese Anforderungen sind, ist zuletzt Sache der heiligen kathoilschen Kirche selbst. Wir verlan­gen die Schule, in der katholische Kinder von treu katholischen Lehrern im Geiste des heiligen katho­lischen Glaubens unterrichtet und erzogen werden. Katholische Eltern! Hier habt ihr eine der wichtig­sten Pflichten, hier müßt ihr feststehen wie ein Mann. Von diesem katholischen Schulideal darf nichts abgebröckelt und verkürzt werden. Ihr müßt kämpfen und ringen, bis das große Ziel erreicht ist.

Auf zwei gewaltigen Grundpfeilern ruht unsere Forderung, und solange wir fest auf ihnen stehen, ist unsere Stellung unerschütterlich: es sind die gro­ßen Grundsätze des Elternrechts und ber rich­tig verstandenen Gewissensfreiheit. Da­durch, daß die deutschen Katholiken an diesen ge­waltigen Grundsätzen festhalten, glauben sie am be­sten sorgen zu können, daß der Schulfrieden, den niemand so sehr ersehnt wie gerade die deut­schen Katholiken, am ersten erreicht wird. Weil es sich hier für uns aber um letzte Grundlagen des ge­samten bürgerlichen und staatlichen Lebens handelt, darum soll man auf der Gegenseite die Zähigkeit verstehen, mit der wir an unseren Forderungen esthalten. Man hat das Wort geprägt: Die beut» chen Katholiken können für ihre Schulforderung terben, nachgeben können sie nie. Das ist der echte Geist, den unsere Väter in den Zeiten schlimmster Verfolgung der Kirche immer wieder bewährt ha­ben. Wir wollen den Kampf nicht. Wir wollen eine friedliche Lösung. Wenn man uns aber zum Kampfe zwingt, so sind wir bereit.

Wir dürfen uns auch nicht durch die lange Dauer der heutigen Schulkämpfe irgendwie ent­mutigen oder mürbe machen lassen. Denken wir an Holland! Dort haben die Katholiken 70 Jahre lang um ihre katholische Schule gekämpft. Gewiß liegen die Verhältnisse bei uns anders, aber das Ziel, das wir uns gesteckt haben, muß erreicht wer­den auf allen Gebieten des Schulwesens, muß er» reicht werden für alle Kinder, die in der Schule ihre Erziehung genießen sollen, mag es noch so lange dauern. Wenn auch in den letzten Jahren nicht weittragende Gesetze verabschiedet werden konnten, so haben wir doch immer wieder kleine Erfolge er­zielt und, Gott Dank, keine Niederlage zu verzeich­nen gehabt. Nur wenn das katholische Volk nach wie vor fest zu diesen Grundsätzen und seinen Füh­rern steht, werden wir in Zukunft Erfolg haben können.

In diesem gewaltigen Ringen ist die bewährte katholische Schulorganisation Deutschlands mit ihrer Zentralstelle in Düsseldorf im Canisiushaus eine unserer vorzüglichsten Waffen. Sie kann aber ihre Aufgabe nicht erfüllen, wenn bas katholische Volk nicht einmütig hinter ihr steht. Darum, geliebte Diözesanen, vereinigt euer Gebet mit jenen, die für die Seelen eurer Kinder in diesen schweren Zeiten ringen. Unterstützt durch euer Interesse und eure Gaben die so wichtige katholftche Schulorganisa- tion. Es ist ganz selbstverständlich, daß sie nur dann für das Heil eurer Kinder das leistet, was ihr mit Recht von ihr verlangt, wenn ihr sie selber nicht im Stich laßt. Der göttliche Rinberfreunb, dessen

Japanische Zukunft.

Aus parlamentarischen Kreisen wird uns ge' schrieben:

Dies geheimnisvolle Land tritt auf einmal wie­der in den Mittelpunkt des Interesses. Es ist let- der viel zu viel vernachlässigt worden. Und so kommt die Katastrophe nicht nur überraschend, son­dern vielfach weiß man auch mit ihr weder wirt- schaftlich noch politisch etwas anzufangen. Aber die Japaner tragen selber daran schuld. Es tft alte Taktik des Mikadorenreiches, hn Halbdunkel zu bleiben und alles mit einem geheimnisvollen Ganzdunkel zu umgeben.

Umso wichtiger aber ist es, sich über die ent» scheidenden Punkte klar zu werden.

Die Katastrophe selbst geht zweifellos auf eine Ueberfpannung des Staatskredits zurück. Tokio hat seif dem Weltkriege ein unge­heures System von Staatssubventionen Zur För­derung des japanischen Handels besonders in Asien entwickelt. Seit der Weltkrieg die europäischen Völker Zwang, ihre ganze Kraft im Kriege anzu» spannen und die Märkte zu vernachlässigen, haben sich überall die Japaner eingeniftet. Sie haben ihre vielfach billigeren Waren auch nach dem Kriege gehalten und bleiben eine ernste Gefahr für bie europäische Ware. Aber der riesenhafte Ex­port war nur durchführbar, wenn die japanische Regierung mitbaff. Sie tat es aus volitischen Gründen. Denn hinter dem japanischen Kaufmann stand der Politiker, und ihm aalt eigentlich das ganze Unternehmen. Wirtschaftlich wollte Javan sich überall festsetzen, um bann seinen politischen Einfluß zu verstärken und so dem großen Ziel näher zu kommen, Asien schließlich zu beherrschen. Man sieht ein geradezu titanisches Bestreben. Be­sonders stark ist China in dieser Weise durchsetzt worden, auf bas die Politik des Inselreiches im­mer besonderes Gewicht gelegt bat. Der Zusam­menbruch ber chinesischen Wirtschaft infolge der übermäßig lange dauernden Revolution hat bann bie japanischen Geschäfte in Schwierigkeit gebracht, bie ja teilweise nur deshalb existieren konnten, well sie gleichsam staatlich subventioniert waren Jetzt erst wirb klar, daß sich der japanische Staat über­nommen bat, als er aus nicht reinen Wirtschafts­gründen sich derartig engangierte.

Hinzu kommt, daß schon die letzte Erdbeben­katastrophe die Expansion Japans schwer mstnahm, aber damals gelang es noch zur Not zu balan­cieren. Nun ist das zu Ende, und wir stehen vor einer Finanzkatastrovhe, die einzigartig ist und nicht entfernt verglichen werden kann etwa mit dem Krach der Gründerjahre in Deutschland nach dem 70er Kriege.

Aber die Wirkungen des Zusammenbruches wer­den vermutlich noch viel weittragender sein.

Japan steht im Begriff, sich zu demokratisieren. Es hat beschlossen, das allgemeine Wahlre-w und damit einen neuen Schritt in der weiteren Moder­nisierung zu tun. Man kann sich denken, wie das wirken muß in ein-m Augenblick, in welchem der ganze Staat ins Wanken geraten ist. Insbeson­dere wird jetzt das Problem des Sozialis­mus akut. Zwar hat dis Regierung ihn bisher kleinzuhalten gewußt, und parlamentarisch wielte er überhaupt keine Rolle, weil bas bisherige Wahl- recht ein plutokratffches war und fozialistnche Ein­flüsse ausschaltete. Das wird nun nicht mehr geben und ber Sozialismus wird bestimmt mit Mandaten in das Parlament einziehen. Damit wird in die japanische Politik ein fremdes, jedenfalls neuarti­ges Element hineingebrcht, und man muß sehen, wie es sich auswirken wird. .

Und der B o l s che w i s m u s ? Daß er in ber kommenden schweren Zeiten im Trüben fi'men wird, ist sicher. Je schwieriger die Lage eines vok» kes, desto stärkeren Einfluß hat er. Wird Japan mit ihm zu tun bekommen? ..... <?>

Endlich die auswärtige Bolitik. Die letzte Regierung stand im Begriffe, mit Riißlano in ein näheres Verhältnis zu treten. Diese Ent­wicklung war natürlich als Gegengewicht gegen das angelsächsische gedacht. Aber im letzten Moment hat man doch zurückgezogen und nicht den turnt gehabt, worüber in Moskau das Erstaunen sehr groß war. da man dort bereits mit einer japanisch- russischen Entente gerechnet zu haben scheint, was den Widerstand Rußlands gegen Großbritannien in Europa vermehrt haben würde. Es ist anzu­nehmen, daß die Mikadoreoierung sich deshalb zu­rückzog, weil sie die Katastrophe voraussah und sich wenigstens die angelsächsische Hllse beim Wie­deraufbau sichern wollte.

Daran erkennt man, daß der Schlag, her Sopan getroffen hat, auch weltpolitische Folge haben wird. Es scheint, daß das Land vorläufig gelahmt unb mindestens nicht ganz frei in seinen Enffchlüssen fein wird. Sicherlich werden die Angelsachsen bie Gelegenheit benutzen, um sich bes unbequemen welt­politischen Gegners so weit wie möglich ent­ledigen In Europa werben wir zum mindesten den Ausfall des Mikaboreiches in einer Minderung des Gegensatzes Rußland-England zu spuren bc- tonunen.