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M |00.

Sonntag, 1. Mai 1927.

Das größere Mißtrauen.

G Seit mehreren Jahren zam ersten Male hat Parteitag der Deutschen Demokraten das Ge­präge einer gewissen Selbstsicherheit, ja des Hoch­mutes gezeigt. Gefühle, die mit der der Schaden­freude stark untermischt waren. Es ist nicht das erste Mast fd) die Deutschdemokraten tu der Opposition befinden, aber es ist das erste Mal, datz sich 3U gleicher Zeit ihre unmittelbarste Kon- kurrenzpartei von der gleichen weltanschaulichen Basis "s! einer Regierungskoalition beteiligt, in der sie sich nicht wohlfühlt, nämlich die Deutsche Volkspartei. In den letzten vier Jahren hat sich die Dählerziffer der Deutschdemokratischen Partei auf absteigender Linie bewegt, und die Deutsche Polkrfartei sah wohl schon den Tag nahen, wo es bei den Demokraten nur noch Führer, aber feine Gefolgschaft mehr geben würde. Die Zahl der Abgeordneten der Deutschen Volkspartei ist von einem Bäckerdutzend in der Nationalversamm­lung m den nachfolgenden Jahren auf rund 60

Hegen. Die neue Regierungskoalition ist im gütlichen das Werk der Deutschen Volkspartei.

Sßhätte gerne gesehen, daß auch die Demokraten ! flgifcn würden. Als sie sich in dieser Hoffnung ge-

Mht sah, fand sie plötzlich, daß die neue Rechts- r(jierung fein vorbildliches Werk sei, daß sie vor Km in ihr nicht mehr den Einfluß besaß, den Bft in der Großen Koalition gehabt hatte. Dieses

Leid der Deutschen Volkspartei wurde die Freude iw-r Deutschdemokratischen Partei, die sich immer für den echteren Teil des trationelten Liberalis-

; inus gehalten hat, und diese Freude war umso größer, als sich fast unerwartet kulturpolitische Fra­gen in den Vordergrund drängten, so die Konkor- ,-atsfrage und das Reichsschulgesetz. , Jetzt ist ein I heftiger Wettbewerb im Gange, in welcher der bei- [ beit liberalen Parteien sich die alte liberalistische

Nee am reinsten erhalten habe, wobei die Mmtschdemokraten den Vorteil der Opposition ha- ; den, die Freiheit ihrer Agitation, zu schalten und

$i walten wie sie will. Die Deutsche Volkspartei aber ist sozusagen innerhalb desSchwarz-blauen Nock" eingeklemmt und mußmit den Wölfen heulen".

| liegt nahe, daß die Deutsche Volkspartei den : Parteitag der Demokraten, der, wie gesagt, im Zeichen höchster Selbstbewußtseins und der Scha­denfreude stand, höchst mißgünstig und neidisch be°

\ trachtet. Dieser Reid geht außerordentlich weit und hat in der Presse der Deutschen Volkspartei be­reits Bekenntnisse höchst belustigender Art gezei­tigt. Man lese nur dieKölnische Zeitung" vom r 26. April (307): Die geistigen Führer der De- r makratischen Partei, die in Hamburg so manchen guten Gedanken aussprechen, sollten einmal dar­über nachdenken, ob die Oppositionsstellung der Demokraten im Reich wirklich einzig und allein durch dasMißtrauen gegen die Deutschnationa- len" gerechtfertigt ist. Es ist doch ein offenes Ge­heimnis, daß das größte Mißtrauen gegen dis Deutschnationalen innerhalb der gegenwärtigen Regierungskoalition und nicht zum wenigsten bei i der Deutschen Volkspartei besteht." Dann wird weiter gesagt, daß das Vertrauen, das man trotz des größten Mißtrauens den Deutschnationalen ge­währt hat, pädagogisch war, man wollte nachwei­sen, daß ihre Agitation verlogen gewesen ist. Ein außerordentlich naives Bekenntnis. Schon einmal ist die Deutsche Volkspartei so hereingefallen, un­ter Dr. Luther. Und die neuesten Reden der deutschnationalen Minister Koch, Schiele und Keu- dell lassen das pädagogische Experiment der Deut­schen Volkspartei wiederum äußerst problematisch erscheinen. Ohne Zweifel, der Katzeniammer tst längst da. Jetzt wetteifert man darum, wer das größere Mißtrauen gegen die Deutschnationalen besitzt, die Demokraten oder die Deutsche Volkspar­tei, um nachher, wenn das Experiment mißglückt ist, prahlerisch sagen zu können: Seht, ich bin es, der recht gehabt hat. Für das Zentrum ist dieser [ Ißetifampf amüsant, er stärkt feine Regierungs-

Position.

Fuldaer Zeitung

unschuld schwanken lautlos Gräser und Blumen. Bestie Mensch! . . . Wo ist Gott? ...

Breit flutet der Mississippi. Soweit das Auge schauen kann, Wasser und wieder Wasser. Will der Ozean ein Festland wegspülen? Bretter, Balken, Vieh, wunderliches Gerät, alles sauft und braust den mächtigen Strom hinab. Wie ein irr gewordener Greis, so wütet er. Da, einsam, von weißschäumenden Wellen getragen, was ist das nur? Kein Schiff, kein Floß, sind auch immerhin Menschen darauf. Wahrhaftig ein ganzes Haus. Das Dach ist schon fort. Ganze Stücke der Wände sind wegaerissen. Roch ein paar Balken, blieben zurück. Sie tragen das Glück einer Familie. Wen nimmt die Flut zuerst? Still, erstarrt, totenblaß. Da ist kein Kahn, kein Schwimmer. Siehst du das Auge des Mannes, der wohl Vater ist, der Mutter, der Kinder? Wieder bricht ein Stück fort, und bald wird der Strom sie alle in sein kühles Grab nehmen. Und es kommen neue und es ist das gleiche Bild. Schrecklicher Strom des Lebens ... Wo ist Gott? ... Wo hat er denn seine Engel? . . . Was sagt darüber die Flut, die eisig und schmutzig weiter gurgelt? . . .

Neuntausend Soldaten Tschangtsolins. Sie haben Quartier bezogen. Sie leben, rote Sol­daten eben leben, wenn der Krieg zum Hand­werk geworden ist. Wie die Schweden im Sim- plizissimus, so leben sie. Da kommts heran. Ein dunkler Schwarm. Sind's die Heuschrecken vom Aegypierland? Sie schwirren heran. Sie wach­sen. Menschen sind das. Bauern. Heber ihren Köpfen Sensen. In der Hand Keulen. Und sie brechen ein. Was hilft es, daß Salve auf Salve kracht. Schieße einen Insektenschwarm zusammen, wenn er an feuchten Lenzabenden die Luit verfin­stert über Wiese und Bach. Die Sense mäht und die Keule fällt, bis auch nicht einer von dieser wil­den Soldateska übrig ist. nicht einer von neuntau­send. Und die Sonne steigt auch dort empor und geht ihren strahlenden Weg. lieber die Toten, die Sensen, die blutigen Kleiderflicken, die dampfende Erde. Arme Bauern, die Rache wird ja kommen. Tschangsolin hat noch viele, viele Soldaten, und er hat eine harte Faust. Dor Schanghai aber liegt die gewaltige Flotte Eurovas. und die Ma­trosen spielen Whist. . . Wo ist Gott? . . .

In H a n k a u ist grenzenloses Durcheinander. Die Europäer zittern für ihr Leben. Auch Boro­din, der russische Gesandte, fühlt den Boden heiß werden. Wohin nur? Auf wen kann man sich denn noch wohl verlassen? Und er schleicht schließ­lich in die Mission, wo die barmherzigen Schwe­stern ihn in den Frieden ihres Klosters aufnehmen. Die barmherzigen Schwestern Borodin, den Sorojetmann, der aus dem Kreml kommt, wo es in großen Lettern zu lesen ist: Religion ist Opium für das Volk . . . Und Borodin, an den schrillen Ton der Marseilleise gewöhnt, wird unfreiwilliger Zuhörer, wenn die frommen Schwestern im füllen Chor ihrTantum ergo" fingen oder ihrSalve regina" . . . Was er wohl denkt? Wie es ihn wohl anmutet, dieses Bild heiliger Gottesruhe und ergeben hoffenden Vertrauens mitten in den ©tür­men der Revolution . . . Borodin bei den barm* herzigen Schwestern, das ist rote ein Sperber im Taubenschlag . . . Aber die Tauben Gottes haben keine Angst. Sieh, wie die Schwester lächelt, die ihm den Tee bringt, echten chinesischen Tee, die barmherzige Schwester dem roten Borodin , . . Und flüstert ein Gebet für den roten Bruder . . .

In seine Heimat Neu -St. Anna aber kehrt zurück ein Kriegsgefangener. Elf Jahre sind's her. Erst kam Sibirien. Dann ginge in die Mand­schurei. Von da nach Borneo. Arbeit in Wald und Hafen. Arbeit wie ein Sklave. Jeden Tag fast ein Toter. Endlich Befehl, ein Schiff mit Kohle zu beloben. Da gelingt die Flucht. Gesähr-

Telephon . . . Ein Paket für den Mann im Monde . . . Sooooo? Was ist denn darin? . . . Ja, es kommt aus Heidelberg . . . Aha, also am Eiche bas Fernrohr? . . . Am selbigen Abend aber saß ein würdiger Kreis arbeitsamer und froher Männer und Frauen zusammen und trank einen Tropfen Deidesheimer zu Ehren der treff­lichen Spender. Jung war der Wein, der gute deutsche Wein, und natürlich war da unter uns ein junges Paar, und es stießen unter andern an der Mann im Monde und das Mädchen von der Sonne . . . Vereint aber riefen wir in die Lande: Deutsche, trinkt deutschen Wein! . . . Noch ein Paket. Ich halte es zunächst ans Ohr, ob da am Ende auch ein Fernrohr mit flüssigem Inhalt darin ist. Aber es kullert nichts, es bleibt aanz schweigsam und ist auch seltsam leicht. Wir öffnen es behutsam, wie die Mutter die Windeln beim jüngsten Baby, und dank dir braver Mann aus Offenbach es kommen zutage ein Paar Stiefel. Beinahe neu. Etwas klein. Aber eben darum wie gemacht für den Studenten da, der eben nicht auf großem Fuße lebt. Diese Stie­fel werden ihn ins Doktorexamen tragen, falls sie es nicht in sich haben, die Wege zu einem Kom­merzienrat zu gehen in dem Falle würde er dann Dr. honoris causa . . . Kostenpunkt zur Zeit 4500 Mark ....

Ich denke aber nun an die seligen Zeilen, in denen Leibniz, der große Philosoph und Ma­thematiker, schreiben konnte, es sei diese Welt die beste von allen möglichen. Ob er es heute noch schreiben würde? Meine Erinnerungen gehen zu den Menschen ,von denen ich in dieser Woche ge­lesen habe. Man läßt alles Unglück sich heute von seiner Zeitung verabreichen, wie ein prickelndes Gläschen voll Interessantheiten. Und doch, roi? gut wäre es, wollte man sich in das Herz der Men­schen mehr vertiefen, die von solchem Unglück be­troffen werden. Man brauchte dann nicht mehr ins Theater, um Tragödien anzuschauen.

So weilte ich ein Stündlein bei den spanischen Soldaten in Marokko. Man hatte ihnen gesagt, der Krieg sei zu Ende. Sie träumten wohl davon, nun käme bald die Heimfahrt. Ich weiß nicht, ob die Spanier fo melancholische Lieder ha­ben, wie unsere Soldaten, aber an einfernes Lieb", daran denken sie doch wohl auch. Und ha beginnt nun in der Lust ein Pfeifen. Schon ist es Sturm, und schon schwillt es zum Orkan. Es prasselt an die dünnen Wände des Blockhauses. Finsternis rings und wütendes Toben aller Ele­mente. Und da auf einmal bas Geheul der Ka- dylen. Schüsse krachen. Hilfe! Aber die Telephon­leitungen sind zerstört. Die ganze Etappe ist rote weggefegt. Die Schiffe am Strand, die Landunas- anlagen, alles, alles, Millionenwerte vernichtet Und es ist ein Bild wie in den Jndianergeschichten, wenn die Rothäute das Haus desWeißen Man­nes" umzingeln und der Kriegsruf des Häuptlings gellt. Wir haben Mitleid mit den armen Spa­niern, die nun erschlagen im unwegsamen Gebirge liegen. Hunderte, vielleicht Tausende. Krieg, wann hörst du auf mit deinem entsetzlichen apo­kalyptischen Tanz!

Und ich denke an die Reisenden in Mexiko. Sie fahren ruhig und ahnen nichts Böses Da, ein Halt, ein Gewehrknattern. Die Türen fliegen auf und zu. Werden verschlossen. Wüste Ban­diten gießen Petroleum über die Wagen und un­ter grauenhaftem Wehgeschrei verbrennen über 100 Menschen, oder sie rennen in die zischenden Kugeln. Hölle, Tod und Teufel, welch eine Bestie ist doch der Mensch. Wo noch eben frohe Erwar­tung war. fröhliches Geplauder, stillvergnügte Fahrt, da blieb ein Haufen von verkohlten Leichen zwischen zerbrochenen Rädern und Eisenstücken. Und der Urwald schweigt. Die Sonne glüht wie immer im Lande des Mittags. Wie in Paradieses­

Zur Erinnerung an Mililärpsarrer Hermann Jseke.

Dem im Januar 1916 in Siidwestafrika kurz nach Be- endiguna des dortigen Aufstandes gestorbenen M-litar- psarrer Dr. iur utr. Hermann Jseke aus Holungen. E'chs- seld, widmet Dr. K a r l H o e b e r im zweiten Bande der Mitteldeutschen Lebensbilder einen Nachruf. Das Werk der Lebensbilder des 19. Jahrhunderts wird herausge geben von der Historischen Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt. (Magdeburg 1927). h e .Heimat Jseke? der staatlichen Verwaltung des Bezirks Merseburg untersteht, konnte der Sänaer des Eichsseldes in dem Sammelwerke auch einen Platz finden. Der Biograph faßt sein Urteil über Jseke -n. die Worte zu­sammen:Die Bedeutung Jsekes liegt in ferner edlen und stets zu Opfern für seine Mitmenschen bereiten Per­sönlichkeit, die für Volk und Vaterland wiederholt sogar sein Leben einsetzte. Als Dichter befaß er eme gewis e Eigenart, die in echt volkstümlicher, besonders studenti­scher Sprach- und Verskunst sich außeüe und m der formschönen Uebertragung der ^a*f^n^.,ftröeb,h Thomas von Kempen em Werk von bleibendem Wern schuf."___

Der Amtsschimmel lebt noch.

Die Finanzämter zahlen den Bürgermeistern und Gutsvorstehern für das Ausstellen und Aushand,gen der Steuerkarten an die Gehalts- und Lohnempfänger den genau auskalkulierten Betrag in Hohe von 0,02 RM. für die Karte, und sie übersenden den Endbetrag durch Zahlkarte. Das ist sehr schön, denn 'M allgemeinen han­delt das Finanzamt nach dem Grundsatz.Nehmen ist seliger denn Geben!" Nun hat in einem südlich ge­legenen Kreis Kurhessens e.n ©utsDorfteher nur einen Gehaltsempfänger in seinem Gutsbezirk, füllt treu und gewissenhaft die eine Steuerkarte aus und schickt dem Einzigen sein Eigentum" zu. Prompt tritt eine Tages der Briefträger bei ihm ein und überreicht ernt Zahlkarte zur Quittung über die enorme Summe von 0,02 RM. Man denke! Anweisung und Buchung der dem Finanzamt, Buchung und Porto bei dem Posticheck- amt, Eisenbahntransport und Besorgung durch den Brief- träger, dazu noch die Unterschrift. Der Gutsvorsteher aber hatte Witz und verweigerte die Annahme. Male dir die Fortsetzung selber aus, lieber Leser! Wie mag da der Amtsschimmel gewackelt haben!

liche Landung an der asiatischen Küste. Dann ech^ Monate Wanderung durch das große unwirtliche Asien. Und nun wieder zu Haus. Nach elf Jahren. Gott sei Dank. Er war mit nur. '.öer bei der Mutter, da ist (Sott. Der wird nicht mehr irre an der Welt. Elf Jahre Sklaverei und Heim­weh haben ihn gelehrt, auf Gott vertrauen.

Wozu all die Not auf der Welt und all das Unglück? Damit die Menschen nicht aushoren nach Gott zu fragen. Fragen sie aber toD1\bo'"1 es wie die Frage des Kindes, wo denn der Vater ei. Er ist schon in der Frage. .Schon weil er die einzige Antwort ist. Und so gibt es eine . Liebe die größer ist als unser Leid. Ohne sie wäre der Mississippi das letzte Wort der Bandit . . .

Der Mann im Monde.

Rund um die Woche.

Deidesheimer. Ein paar Stiefel. Die Spanier in Marokko. Banditen. Grausiges aus China' Das Haus auf dem Mississippi. Borodin bei den barmh Schwestern. Heimgekehrt. Eine tiefe Phrase.

Jotzgrund und Freigericht.

Aus dem Jotzgrund wird uns folgende niedliche Geschichte berichtet, die wir unfern Lesern nicht vorent- halten wollen: Da sitzen nun die lieben kleinen Schul- ne, nge vor mir seit einigen Tagen in ihrer köstlichen Natürlichkeit. Einige sind noch etwas scheu; denn oft genug hat man ihnen vor der Schule angst gemacht: Wart nur. bald kommst du in die Schule, da hat der Lehrer den Stock für dich bereit!" Dort in der dritten Bank sitzt ein Hosenmatz mit ganz ängstlichen Augen wie ein verschüchtertes Vögelchen und guckt mich an mit Blicken, die sagen:Tu mir nichts, ich tu dir auch nichts! Ich muß sie erst ein bißchen warm machen, und so un­terhalten wir uns denn über den Osterhasen, über den Karo und Treff, über die Minz, die Bleß und kommen auch darauf zu sprechen, was die Kinder gerne essen. Die Plappermäulchen waren aus ihrer Starre gelöst.Speck und Eier!"Schusterschkuche!"Bohnesupp!"Pud­ding un Torte!" Sieh mal an, so ein Feinschmecker! Auf einmal springt der vorher so scheue Bub aus der dritten Bank auf und ruft ganz laut und hastig:Brüh met Krummdirn, do schwitzt mer jo bebet!"

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Don Olas Eljens.

selten einige verbindliche Worte, dann wurde von Frau

I Sternchen vorgestellt, die mir Frau Riedel vorhin bereits I ausgezählt hatte. Sie selbst, die liebenswürdige Haus-

Riedel zu Tisch gebeten.

gewählt, daß mir dadurch eine Auszeichnung zuteil

zu können. Und ich sage mit dem nicht zuviel, denn sie war wirklich ebenmäßige Schönheit, wie man sie Gestalt und Form, die zarten Linien

Nähe bewundern Worte bewundern eine abgeglichene, nur selten findet.

des Gesichts, das durchsichtige Weiß ihrer Wangen und die dunkle Pracht der Lockenfülle einten sich bei ihr zu einem Bilde, auf dem das Auge nur mit Wohlgefallen weilen konnte.

Weniger bedeutend war ihre Mutter. Sie war so­zusagen nur der Planet, der von der Sonne bestrahlt wurde und ohne deren Glanz nichts bedeutet hätte. Sie war eben eine ältere Frau, bei der die Spuren einstiger Schönheit längst verwischt waren. Ich schmeichle mir nicht, ein Frauenkenner zu sein, und doch wollte es mir scheinen, als ob bei ihr überhaupt nie viel Schönheit dagewesen war. Ihre Gesichtszüge waren matt und flach, nahezu gewöhnlich, ihre Sprache nicht sonderlich ge­wählt. Aber was gab man darauf? Die Hauptsache war, daß ihre Tochter alles überstrahlte und sie hatte wie die Sonne Licht genug, um mit ihrem wärmenden Scheine auch noch ber alternben Mutter einen gewissen Abglanz zu geben.

Natürlich wurde auch ich als neueste Errungenschaft von Koepang den Gräfinnen nun vorgeführt. Wir wech-

frau, strahlte natürlich vor Festesfreude, der junge Cor­nelius war noch etwas linkisch und zurückhaltend, der Resident trug auf seinem Antlitz abgeglättete Ruhe zur Schau. Dennoch glaubte ich zu bemerken, daß diese Ruhe mehr bloß eine äußere sei. In Sekunden, in denen er sich unbeobachtet glaubte, grub sich eine Falte des Mißmuts in feine Stirne. Doch^ ich konnte mich dies­bezüglich auch irren. Wenn man irgend eine Meinung vorgefaßt hat, fo sieht man nämlich gerne alles Mög­liche, was tatsächlich gar nicht ber Fall ist.

Und nun, nachdem die Sterne und Sternchen am Koepangschen Gesellschaftshimmel erschienen waren, tauchte auch die glänzende Sonne auf die Komtesse Hania Pastuszyk mit ihrer Mutter. Alle sonstigen Ge­spräche brachen ab, aller Blicke wandten sich zu ihr, alles scharte sich um sie, um sie zu begrüßen. Heute Nach­mittag hatte ich die Komtesse nur von der Ferne ge­sehen, jetzt hatte ich das Vergnügen, sie aus nächster

nun in den Festsaal des Hauses gebeten. Da war Mijn- Heer Liefken der Löwe des Tages. Er wußte sich förm­lich allgegenwärtig zu machen. Innerhalb weniger Mi­nuten wurde ich all den Koepangschen Sternen und

wurde. Zu meiner Rechten hatte der Resident Platz, zu meiner Linken Liefken, mir gegenüber Cornelius und die Komtesse. Ich war also eingekapselt zwischen den Größen von Koepang.

Die Abendtafel war erstklassig. Der Resident hatte es nicht fehlen lassen, seine Gäste in einem Rahmen zu bewirten, der für die bescheidenen Ansprüche in Koepang glänzend genannt werden durfte. Man muß bedenken, daß auf diesen Inseln frisches Fleisch geradezu eine Seltenheit ist, Eis zu den größten Leckerbissen zählt und alkoholhaltige Getränke an und für sich nur in äußerst geringen Mengen konsumiert werden. Das Klima zwingt eben den (Europäer, sich in vielen Dingen größte Ent­sagung aufzuerlegen und im allgemeinen versteht es ber Nieberländer wie kein zweiter, sich in diese unfrei­willige Abstinenz zu fügen. Er hat seine Lebensweise darauf eingerichtet; deshalb bilden opulente Gastereien eine um so größere Ausnahme. Ein Gastgeber hat es also verhältnismäßig leicht, vor feinen Gästen zu glän­zen, und der Resident hatte in diesem Falle ausgiebig dafür gesorgt.

Die Stimmung der Gäste war dementsprechend auch eine gehobene. Don der Steifheit, die dem Niederländer sonst so gerne anhaftet, war nicht das geringste zu be- merten. Dazu trugen schon Mijnheer Liefken und die Komtesse bei. Der Setretarius sprudelte über von lau nigen Einfällen und die Komtesse sekundierte ihm getreu­lich. Dabei nahmen die beiden jedoch keineswegs in un­liebsamer Weise die Aufmerksamkeit der ganzen Gesell­schaft für sich in Anspruch, sondern verstanden es, auch die übrigen Gäste zu animieren und die heitere Stim­mung allgemein zu machen. Obwohl ich sonst gerade kein Salonheld bin, leistete ich auch das Meinige zur Würze des Abends. Ich hatte auf meinen Reifen sehr viel gehört und gesehen, was den lieben Leuten hier, die außerhalb aller Welt ein Leben verträumten, neu und fremd war, und so wurde ich ganz von selbst in die Unterhaltung mit hineingezogen. Sogar die Komtesse schenkte mir eine ganz besondere Aufmerksamkeit und fühlte sich schließlich zu dem Ausruf veranlaßt:

Gott, nach dem, was Sie alles schon gesehen und erlebt haben, muß Ihnen das Leben hier doch auher-

härte seiner Philippika über die Langeweile in Koepang nur mehr mit halbem Ohre zu, im Geiste beschäftigte ich mich bereits wieder mit anderen Dingen, nämlich mit bewußter Verlobung zwischen Cornelius und der Komtesse Pastuszyk. Das war denn doch eine eigen­artige Sache! Zwei polnische Gräfinnen werden aus ihrem Vaterlande verbannt und nehmen bann ihren Aufenthalt auf der Insel Timor. Schon dieser Umstand allein war gewiß merkwürdig. Selbst wenn man die Berbannungsgeschichte gelten lassen wollte, die ja sicher­lich nicht unwahrscheinlich war, so hatte es doch gewiß etwas seltsames, daß die Gräfinnen gerade Timor aus­suchten. Da gab es doch noch eine ganze Masse anderer Länder, auf die ihre Wahl hätte eher sollen tonnen als ausgerechnet auf Timor. Ich hatte so den Eindruck, als ob diese Dinge nicht recht zusammen harmonieren mür­ben. Allein es gibt allerhand wunderliche Käuze auf der Welt; zu denen konnten die Gräfinnen ja auch ge­hören und wäre damit wenigstens diese Sache abgetan gewesen. Daß ferner die Damen auf Timor ordent.ich verhimmelt wurden, war ebenso leicht erklärlich, -in­erklärlich blieb jedoch im Hinblick auf meine Beobach­tungen die Verlobungsangelegenheit. Schon die Tat- fache, daß eine polnische Gräfin mit einem Radja auf Timor intime Beziehungen unterhält, bas wollte mir nicht recht in den Kopf. Aber selbst diese Möglich!cit angenommen Damen mit exzentrischem Geschmack hat es ja schließlich immer und überall und selbst in der höchsten und feinsten aristokratischen Gesellschaft gege­ben, so war es doch mit einer solchen Erklärung noch nicht abgetan, wenn eine Dame non ihrem Nomen und ihrer Stellung zugleich, ganz ungeschmink: gesagt, tinen Bräutigam und einen Liebhaber hat. In dem Punkte war also ganz bestimmt keine fmrmonte mehr

Ich sah deshalb sowohl einer näheren Bekanntschaft mit den beiden Gräfinnen als auch der Entwicklung der Dinge am heutigen Abend mit einer gewissen Spannung entgegen. Es dauerte nicht lange ber Abenb brach eben an, als sich weitere Gäste einstellten. Wir wurden

Der Kris des iJtaöja.

Vornan aus ber Tropenwelt ber ostinbischen Inselflur.

------ u-1 ordentlich eintönig vorkommen. Was haben Sie denn

Die Tischordnung war so I heute den ganzen Nachmittag zum Beispiel getrieben?*

-i"- Wnsioirfinnnn »teil ' ^Fortsetzung folgt.)

Sympathien! Das ist noch viel zu wenig. Sie Wet sie rein an. Aber" und wieder klopfte er mir die Schulter und fügte er beiist Ihnen nicht tofgefaden, daß unser Mijnheer Resident ganz merk- "«big zugeknöpft ist, fobalb bas Gespräch auf bie Grä- wnen kommt?"

: ^«3n der Tat, soviel ich feststellen konnte, hat er sich *** diesem Thema nahezu gar nicht geäußert."

3a, Ja, man weiß warum, mein Bester. Ich will "Wen eine große Weisheit ins Ohr sagen: ber Mijnheer 2eibent denkt über bie Gräfinnen etwas weniger schwär- »lerisch.-

Ah, und dennoch"

m «Findet heute die Verlobung statt, ganz richtig, merken Sie sich den salomonischen Spruch: Der 'jnheer Resident steht sehr unter dem Pantoffel unserer SnxJ ®lama Riedel sie schwärmt für die Gräfinnen ihr Wort ist ihm Befehl die Verlobung wird fix." «ftm, soso."

ja, auch Koepang hat seine Geschichte, mein |ter. Deshalb wollen wir uns jedoch in keiner Weise 5 dem Konzept bringen lassen! Jede Vertobu ig bat 15 e 6u*en Seiten und bie beste Seite ist, oaß mir heute r-eln brisantes Fest erleben sollen. Wären Sie t)en £a?®er i Koepang, so würben Sie nach einem sol- "Este lechzen wie ber Verschmachtende nach einem 'st "ämlich hier für gewöhnlich ver- Rttfam ,^."llweilig, denn den ganzen Tag heißt es hübsch Man ftv uni> den hochwohlgeborenen Tuwan spielen, auf an ItDQn hinten und Tuwan vorne und Tuwan Pobtaiik" x kn unb das ist bie ganze Unterhaltung.

. notf) Einmal, man möchte schon oft gerabe 8an*7®"' ^Send ein Radja hätte Mitleid mit unserer WnPr\LUn±roürbe öur Unterhaltung einmal mit un5 ü. .7 und allen seinen braunen Teufeln mal Leben in °.Er|Zlafenen Köpfe einrücken, damit ein- l ~ , u b,e Sube kommt."

kfommen^onnteSiefte." barauf los, daß man Angst | ' er machte sich die Zunge abbeißen. Ich