RllikltiMMr 10 M. (mit FHultr. ffrilw *5 Pia).
Zr. Slresemami in Innen- und Autzeiipolilik!
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Der Berliner Zlahlhelmtag.
Wie der Lokalanzeiqer meldet, hat eine Der- sammlung der Berliner Hochbahner beschlossen, anläßlich des S t a h I h e l m t a g e s den Betrieb am 7. und 8. Mai ruhen zu lassen.
Ferner hat die Versammlung den am Monrac, ergangenen Schiedsspruch abgelehnt und die Vor- nähme einer Urabstimmung über Arbeit oder Streik beschlossen, die am Samstag durchgeführt werden soll.
Im Polizeipräsidium in Berlin fand unter den Vorsitz des Polizeipräsidenten eine Besprechung aller in Frage kommenden Dienststellen über die für den 7. und 8. Mai zu treffenden Maßnahmen statt. Daraus ergibt sich, daß die Polizei bis ins Kleinste hinein alle Vorbereitungen getroffen hat, um einen ruhigen und ungestörten Verlauf des Stahlhelmtages sichcrzustellen. Für die Durchführung aller an diesem Tage gestellten Aufgaben steht eine ausreichende Anzahl von Polizeibeamten zur Verfügung. Für besondere nicht vorherzusehende Fälle werden starke Reserven vorhanden sein.
Gehängte in Peking.
Reuter meldet aus Peking: Der Kommunistenführer Litatschao sowie 1 7 weitere Personen, die bei der Haussuchung in dem Gebäude der Sowjetbotschaft festgenommen worden waren, sind im Hauptpolizeigebäude erhängt worden. Man glaubte, sie würden durch einen besonderen, zu diesem Zwecke eingesetzten Gerichtshof abgeurteilt werden. Offenbar hat sich aber die Polizei von ihrer Schuld überzeugt, nachdem das Gericht selbst die Untersuchung geleitet hatte, und M die Hinrichtung befohlen.
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Reuter berichtet aus Schanghai: Die Lage in dem von den Nationalisten beherrschten China wird täglich gespannter und verwickelter. Aus Honan wird gemeldet, daß die Nationalisten nach einem Gefecht mit den Nordtruppen zurückgeworfen worden seien. Im Bezirk von Hankau herrscht große militärische Tätigkeit. Die Beschlagnahme von Waren beschränkt die Geschäfte in Hankau in verhängnisvoller Weise und durch die Schließung chinesischer Firmen werden Tausend, von Arbeitern erwerbslos. Die Japaner dehnen allmählich ihre Verteidigungswerke bis zu den äußersten Grenzen ihrer Konzession aus. Die Nachricht aus Kiukiang über den Vormarsch zahlreicher auf dem Rückzug befindlicher Truppen wird als Bestätigung der Gerüchte angesehen, daß Tschiang Kai-schel den Pangtse aufwärts auf H a n k a u vormarschiert.
Der Kreuzer „Hawkins" wird alsbald nach Hankau auslaufen, da die E n g l ä n d e r entschlossen sind, die Konzessionszone in Hankau.wieder zu erlangen, ein Vorgehen, das sie mit der Nichterfüllung des Abkommens zwischen Eugen Tschen und O'Malley begründen.
Anzeiger für die Skadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk
Der Artikel 48.
Etne Korresponvmzmeldung über das Ausfüh-' rungsgesetz zum Artikel 48 der Reichsverfassung wird von mehreren Blättern insofern bestätigt, als neben Besprechungen der Reichsresforts vom Reichs- Ministerium des Innern eine Fühlungnahme mit den Länderregierungen in der Anaele^onbeit auf- genommen worden ist, um die noch strittigen Fragen des Gesetzentwurfes zu klären. Wann das Gesetz dem Reichskabinett und den gesetzgebenden Körperschaften vorgelegt wird, ist dagegen noch unbe-^ stimmt.
Mussolini gegen Nilti.
Verschiedene Blätter greifen den ehemaligen Ministerpräsidenten Nitti wegen einer Unterredung mit der Belgrader „Wrema" scharf an, worin der ins Ausland geflohene Nitti vor der unfruchtbaren Albanienpolitik Mussolini gewarnt hatte. Die wahrscheinlich von Mussolini beeinflußten italienischen Blätter verlangen, daß Nitti die italienische Staatsangehörigkeit entzogen wird. „Popolo d'Italia" ermahnt die italienische Presse, sich nicht mehr um die politischen Ernigrc !en zu kümmern und besonders nicht mit ihren Artikeln und Veröffentlichungen zu polemisieren.
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Das faszistische Presseamt in Rom gibt bekannt, daß die katholischen Sportvereinigungen Italiens sich selbst aufgelöst haben in anbetracht des Umstandes, daß die italienischen Svortveranstaltungen unter die faszi st ische Parte iorgani- s a t i o n gestellt worden sind. — Die katholischen Organisationen dürfen leider in Italien, dem Land der Knebelung der Presse, nicht selbst sagen, was sie über die Angelegenheit denken.
dessen Ernährungsgrundlage im eigenen Lande gesichert seinen Schutz der Binnenwirtschaft nicht zuletzt um unsere Außenwirtschaft willen, das sei der große Gedanke, der sich in unserem Volke durchsetzen müsse " So pries Dr. Schiele die Notwendigkeit eine Erweiterung der deutschen Zollpolitik. Dr. Stresemann sagte auf der genannten Tagung genau das Gegenteil. Er wandte sich gegen das überlebte Prinzip der wirtschaftlichen Autarkie und meinte, daß es an der Zeit sei, mit den sogenannten Erttehunqszöl- len endlich abzubauen. Das war offenkundig eine Antwort auf Schiele. Wenn man alle diese Vorgänge zusammenstellt, dieses verblühmte Gegeneinanderarbeiten, ist da nicht die Frage berechtigt: „Was geht in unserem Kabinett vor?"
Brianö und Stresemann.
Reichsaußenminister Dr. Sftesemann hat an Außenminister Briand anläßlich seines 25jährigen parlamentarischen Jubiläums folgendes Glückwunschtelegramm gerichtet:
Sehr geehrter Herr Briand! An-dem heutigen Tage, an dem es Ihnen beschieden ist, aüf 25 Jahre eines an Ehren reichen politischen Lebens zurückzublicken, übersende ich Ihnen meine aufrich- tigsten Glückwünsche und spreche die Hoffnung aus, daß Ihnen noch viele Jahre ftuchtbringender Tätigkeit beschieden sein mögen.
Außenminister Briand hat Reichsaußenminister Dr. Stresemann mit folgendem Telegramm geantwortet:
Sehr gerührt über Ihre Wünsche, danke ich Ihnen dafür sehr aufrichtig. Wenn ich den während 25 Jahre politischen Lebens durchlaufenen Weg zurückblicke, zähle ich die letzten beiden Jahre zu den fruchtbringendsten meiner Tätigkeit, während welcher wir im Interesse unserer beiden Länder und des Weltftiedens in gemeinsamer Verständigung dasselbe Ziel verfolgt haben.
Auch die, Stadt Locarno hat Außenminister Briand zu seinem Jubiläum Glückwünsche übermittelt.
Zu diesem Telegrammwechsel glaubt das „Journal des Debats" feststellen zu müssen, auf welche Schwierigkeiten Briand bei Fortsetzung der Versöhnungspolitik stoßen werde. Das Blatt schreibt nämlich:
Der Fehler B r i a n d s ist, mit der Begründung zu arbeiten und so zu handeln, als wenn Deutschland sich im gleichen Geisteszustand befände. Der Friede ist für Deutschland nur ein Mittel, Konzessionen zu erhalten, ein Mittel, seine Verantwortlichkeit und sein Unrecht in Vergessenheit zu bringen, ein Mittel, seine Niederlage Sit verwischen. So wünschenswert auch korrekte Beziehungen mit Deutschland sind, so bedauerlich sind Abkommen, bei denen wir alle Kosten tragen müssen. Die Ereignisse haben uns seit einigen Wochen Gelegenheit gegeben, unsere Politik zu revidieren. Der von Briand unternommene Versuch hat nur zu lange gedauert. Er ist demonstrativ. Deutschland ist keineswegs zu der Annäherung bereit, die Briand ins Auge gefaßt hatte. Alle unsere Interessen und unsere Geschichte in den letzten zehn Jahren zeigen uns, daß der Friede im Westen nur durch eine englisch-französische Verständigung möglich ist, was auch der Kampf gegen den Bolschewismus und die Möglichkeit einer eingehenden Nachvrüfung unserer auswärtigen Lage gebietet. Der Augenblick ist also nicht geeignet, sich dem Deutschen Reich zu,zuwenden, das mit Sowjetrußland ein dunkles Spiel treibt, dessen Absichten uns keineswegs günstig sind und dessen Folgen für uns unheilbringend sein können.
Sur Rl)einlanö«Räumung.
Jaques Bainville beschäftigt sich in b«r; „Liberte" mit der Frage der Rheinlandräumung. Er vertritt den Standpunkt, daß, wie man auch immer die Frage stelle, die französische Politik in Verwirrung gerate. Am Rhein bleiben ist, so schreibt er, kaum mit der Wiederversöhnung zu vereinbaren, zumal man spätestens 1935 doch räumen müsse. Sofort die Truppen zurückziehen und auf diese Deckung und auf diese Garantie verzichten, bevor die französische Grenze gesichert ist, und das Loch im Osten zugestopft ist, ist derartig gefährlich, daß es kaum eine französische Regierung gibt, die die Verantwortung für die sofortige Räumung übernehmen würde. Man darf sich nicht verhehlen, daß das Räumungsprob- lern uns hinderlich geworden ist. Bei dem gegenwärtigen Stand der Dinge gibt es keine Lösung, die Frankreich und Deutschland befriedigen könnte.
Reid)sratsbefd)Iiiffe.
Der Reichsrat hat, wie das DDZ-Biiro meldet, in feiner öffentlichen Vollsitzung am Donnerstag Aussührungsbestimmungen zum Arbeitszeitnotgesetz angenommen und sich mit einer Verordnung über Zollermäßigung für Wein einverstanden erklärt. Danach wird die frühere Verordnung über Zolleriyäßigung für französischen, noch nicht zur Zollabfertigung gelangten Wein vom 18. Februar 1927 dahin abgeändert, daß auf das zweite noch unter Zollverschluß lagernde Weindrittel statt ber, ermäßigten Zollsätze von 40 und 45 RM. die vertragsmäßigen Zollsätze von 32 RM. für einen Doppelzentner Rotwein und 45 RM. für einen Doppelzentner Weißwein anzuwenden sind, venx die Verzollung spätestens bis einschließlich 30. Juni dieses Jahres erfolgt.________________
hat sich als unmöglich erwiesen, bevor sie da war! Der Sozialismus selbst fußt in kapitalistischen Gedankengängen, in bet materialistischen Geschichts- auffassung. Er hat den Kapitalismus nicht beseitigt und kann ihn auch nicht beseitigen. Er hat nur aus einem Gebiet Erfolg gehabt und das heißt:
3>im l. Mai.
Die Zerrüttung des Sozialismus.
Von Abgeordneten Andre-Stuttgart.
Weltseiertag! „Mle Räder stehen still, wenn ein starker Arm es will", so rufen die Genossen den Proletariern zu, und die letzteren glaubten es. Das war schlimm, solche Selbsttäuschung über die eigene Kraft oder Schwäche kann unangenehme Folgen haben. Sie sind da! Der Sozialismus als wissenschafüiche Lehre, als neues volkswirtschaftliches System hat ein großes Loch bekommen.
Vor 20 und 30 Jahren war der Sozialismus viel mehr gefürchtet als heutzutage. Tas hatte seine verschiedenen Gründe. Er gebärdete sich nicht nur sehr radikal, sondern er w a r es auch, und feine Führer glaubten an die Kraft und Macht der sozialistischen Idee!
Heute und morgen. Der Sozialismus ist per- spießbürgert. Seine Führer sind — von wenigen Ausnochmen abgesehen — Parteiredner mittlerer Garnitur. Und was reden sie? Ach, es sind tausend Kleinigkeiten, Tagesfragen, Personalien und etwas von Politik! Wo aber sind die sozialdemokratischen Redner hingekommen, die mit feurigen, Zungen zu den Massen sprechen und das Lob, die' Schönheit, Weisheit und Leistungsfähigkeit der kommenden sozialistischen Herrlichkeit verkünden? Verkünden mit Glaubenskraft und eigener, hingebender Uebeyeugungstreue? Sie sind nicht mehr da, diese Männer und Frauen.
Und warum nicht? Hier die Antwott:
1. Deutschland hatte seine Revolution! Die Sozialdemokraten bekamen daran anschließend 46 Prozent aller Stimmen bei den Wahlen zur Nationalversammlung. Sodann mußten sie in oer Regierung zeigen, was sie können. Es war nicht allzu viel! Es wurde auch mit Wasser gekocht! Die „Genossen" bezahlten Lehrgeld! Sie lernten aber auch erkennen, wie schwer, ja wie unmöglich es ist, unter den heutigen volkswirtschaftlichen Verhältnissen den Sozialismus in Deutschland zur Herrschaft gelangen zu lassen. Dessen Durchführung würde ja die größte Katastrophe für die deutsche Arbeiterschaft selbst bedeuten; unliebsame Gäste würden am Wege stehen. Sie heißen: Arbeits- losigkeit, Zusammenbruch der Wirtschaft, Not, Elend, Verzweiflung, Bürgerkrieg, Dittatur und soziale Reattion! Darum „Genossen": Redet ihr nicht mehr vom Sozialismus, redet chr lieber gegen das Zentrum, gegen Stegerwald und alle die „reaktionären" Ärbeitersührer! „Wir Sozialdemokraten gehören ja nicht zur Regierung, trotzdem wir Träger des neuen Staatsgedankens sein wollen," bekannte jüngst ein sozialdemokratischer Abgeordneter. Es rst eben leichter, in Oppositlonsstellung sich zu befinden, als politische Verantwortung zu übernehmen und in sachlicher Arbeit die Schwierigkeiten auf sozialem und politischem Gebiet zu meistern. Der deutsche Sozialismus hat sich selbst Tür unfähig gehalten, politisch zu führen; er ist daher noch viel fertiget imstande, das wenig ideale kapitalistische Wirtschaftssystem zu beseittgen und an dessen Stelle eine sozialistische Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung aufzurichten. Daran glauben die Führer nicht mehr; es wird auch In Deutschland der Zeitpunkt kommen, wo die sozialdemokra- ttschen Massen erkennen werden, daß sie mit ihrem Glauben an ben „Sozialismus" auf dem „Holzwege" waren.
2. Auch im Ausland hat der Sozialismus vielfach die gleiche oder ähnliche Entwicklung durchgemacht; sein Einfluß hat sich verringert.
Die englische Arbeiterpattei will gar keine rein sozialistische Partei fein; sie ist es auch nicht!
In Frankreich haben die sozialdemokrati- scheu Gruppen heute weniger zu sagen und zu bedeuten als selbst vor dem Kriege. Einen „Erlöser" bedeutet der Sozialismus für's ftanzösische Arbeitervolk bestimmt nicht.
Italien! Der frühere Sozialistenführer Mus. solini beherrscht ben Staat, aber nicht als Sozia- list, fonbem als Faschist! Der Sozialismus ist bis auf weiteres in Italien zur Sttecke gebracht. Soziale Reformen werben nicht mit ihm, fonbem gegen ihn zur Durchführung gebracht. Die Ge- werkfchasten finb entrechtet, kalt gestellt.
In R u ß l a n b hat bet Sozialismus als Volks- wirtschaftliches System sich ausgewirkt. Die Bol- schewisten hatten ben Mut, ben Marxismus praktisch durchzu führen. Zehntausenbe haben babei ihr Leben lassen müssen. DaS Land ist verarmt. Die Industrie liegt bamieber. Es fehlen bie führenden Köpfe wie die Qualitätsarbeiter! Das mssische Proletariat verdient wenig und lebt unter viel schlechteren Existenzbedingungen als die deutsche Arbeiterschaft. 85 Prozent der russischen Bevöl- kerung gehören dem Bauernstand an. Nur dadurch kann sich das bolschewistische System überhaupt halten. Für Deutschland wäre es der Untergang. Das russische Beispiel ist eine Warnung auch an den deutschen Sozialismus!
Amerika! Der Sozialismus hat über dem Öti Teich nicht viel zu bedeuten. Der ameri,-
, he Arbeiter wird Bürger! Er ist nicht so wirklichkeitsfremd wie der deutsche Sozialist! Er sieht, daß er zu einem Eigenheim kommt, Auto fahren kann und, gestützt auf die eigene Kraft, durchs Leben kommt. Für den Sozialismus hat man trotz alle kapitalistischen Entwicklung in Amerika weder Raum, noch Zeit, noch Geld übrig!
Das hochkommende Japan hat zwar auch eine sozialistische Bewegung, aber sie hat keinen maßgebenden Einsiuß.
Don der Besprechung der kleineren Jndustrie- länder kann abgefehen werden; in den Agrarstaaten hat der Sozialismus so wie so nichts oder nur wenig zu bestellen.
Alles in allem: Der Sozialismus als volks- und weltwirtschaftliches System ist erledig. Die sozialistische Wittschasts- und Gesellschaftsordnung
Wenn man die deutschnationale Presse genau verfolgt, dann kann es einem nicht mehr entgehen, daß es bas Bestreben verantwortlicher Leute unserer größten Regierungspartei ist. ben Außenminister Dr. Stresemann möglichst halb zu entfernen. Sei es bie Kreuzzeitung, sei es bie Deutsche Tageszeitung ober bie Hugenberg- Presse, in allen diesen führenden Blättern der Deutschnationalen Volkspartei wirb kaum eine außenpolitische Betrachtung angestellt, bie nicht irgendwie zwischen ben Zeilen eine nervöse Kritik an Stresemann erkennen läßt. Man ist von seiner nachgiebigen Derhanblungsweise entweder „über’s Ohr gehauen" ober gibt ihm zu verstehen, daß er nichts mehr unternehmen darf, was nicht vorher die Billigung des Gesamtkabinetts gefunden hat. Die Deutschnationalen haben es noch nicht verstanden,. sich mit den Vorgefundenen außenpolitischen Tatsachen abzufinden unb wollen vor allem auch die Vereinbarungen nicht mitverantwotten, an denen sie selbst im neuen Kabinett Marx mitbeteiligt finb. Es paßt ihnen nicht, daß die weltpolitische Situation trotz ihrer spannungsvollen Ge- ladenheit der deutschen Außenpolitik keinen rechten Spielraum läßt. Sie wollen sich noch nicht recht damit abfinden, daß Deutschland den Krieg verloren hat und damit für uns Zustände geschaffen worben finb, in benen wir nicht schimpfen können, sondern arbeiten müssen. Ihre Gewohnheit, groß zu tun, sieht sich jetzt vor steilen hohen Wänden, sie fühlen sich beengt, ohne recht zu wissen, wie sie sich nun vor sich selber mit ihrer vergangenen Agitation rechtfertigten sollen. Da liegt es ziemlich nahe, daß Stresemann ihr Sündenbock wird, auf den sie nun durch ihre Presse ein hinterhältiges Kreuzfeuer eröffnen lassen.
Es ist bekannt, daß die Deutschnattonalen sich mit der Absicht tragen, in der Frage des D a- wesplanes noch im Laufe dieses Jahres einen diplomatischen Vorstoß zu unternehmen. Die deutschnationale Presse bereitet jedenfalls auf eine solche Aktion vor. Es ist unbekannt, ob die Deutsch- nationalen sich dabei bei dem Reparationsagenten Parker Gilbert soviel Rückendeckung gesichert ha- den, daß ihre Propaganda nicht von vornherein als Beweis ihres mangelhaften Leistungswillens ausgelegt werben kann. Da bie Rhein'lanbbesa- tzung nicht an letzter Stelle damit mofioierl rtir-b» daß sie eine Garantie darstellen soll für die Erfüllung der deutschen Reparationsverpflichtungen, kann bie vorzeitige Propaganda gegen ben Dawes- plan burch die führende unb stärkste Regierungs- partei bie Rheinland-Räumungspolitik nur komplizieren. Es ist auch kein Geheimnis, daß man im Auswärtigen Amte aus diesem Grunde bie deutschnationale Propaganda für bie Revision des Dawesplanes kritisch beurteilt. Nicht als ob man eine solche Revision nicht auch für notwen- big hielte, sondern deshalb, weil diese überstürzte Art die Dinge nur kompliziert. Auch hier bestehen also Gegensätze zwischen den Deutschnationalen unb StrelemaNN, bie schließlich — um auch das noch anzuführen — durch ben Mißerfolg ber Abrüstungskonferenz in Genf bestimmt nicht gemilbert werben.
Richt ohne Pikanterie ist aber auch das Auftreten Strefemanns am Donnerstag vormittag gewesen auf ber Mitgliederversammlung des Vereins Deutscher Maschinenbau- Anstalten im Auditorium des Langenbeck- Virchow-Hauses in Berlin. Am letzten Sonntag hat der Reichsinnenminister Dr. Schiele in Bielefeld eine Nachtragsrebe zum Etat gehalten. Bei ben Etatsberatungen nn Reichstag finb bekanntlich seine Darlegungen sehr knapp und zurück- haltend gewesen. Seine vorsichtige Äusbrucksweise ließ damals noch nicht recht durchschimmern, was er nun als neubestellter Reichsernährungsminister zu unternehmen gedenke, um das Vertrauen seiner großagrarischen Gesinnungsgenossen zu rechtferti- gen. Das Hauptthema seiner damaligen Rede war die Siedlungsfrage. Diese ist aber besttmmt nicht bas, was die großen Lanbwirte augenblicklich am meisten interessiert. In Bielefeld hat er seine Etatsrebe ergänzt und sich für die 2B i e be r gern i n n u n g ber wirtschaftlichen Autor, k i e für Deutschland eingesetzt. „Alle größeren Staaten der Welt, meinte er, strebten heute, durch ben Weltkrieg belehrt, nach nationaler Autarkie. Sie sähen in ihr das höchste Ziel ihrer Wirtschafts., ihrer Zollpolitik und ihrer Politik überhaupt. Sie scheuten sich nicht, in ber Erkenntnis der Krank- heitserscheinungen ihrer Dolkswirtschtft von einer Rückbildung zur ausgeglichenen eigenen Wirtschaft zu sprechen. Denn sie wüßten, daß nur das Volk Unabhängigkeit und Geltung beanspruchen könne,
stig verarmt; sie zu Klassen- und nicht zu S t a a t s- Menschen gemacht. Demgegenüber ist es nun Aufgabe der Deutschen Zentrumspartei, ruhig und fachlich an der Hebung des schaffenden Volkes in Stadt und Land zu arbeiten, seine materielle Lage im Rahmen des wirtschaftlich Möglichen zu verbessern, seine kulturellen Güter zu schützen und echte staatsbürgerliche Gesinnung zu wecken und zur Entfaltung zu bringen. Das ist die beste Antwort gegenüber dem Sozialismus der Phrase, der sich regelmäßig am 1. Mai in ben verschiedensten Variationen auswirkt, der aber die übrige Welt nicht mehr zu schrecken vermag. Das ist vorbei! Der Sozialismus zehtt von der Vergangenheit .Er ist alt geworden. Das freie Wahlrecht ist da, das gleiche Recht auch, Demokratte und
Republik. Der Sozialismus aber steht auf der Seite, kritisiert und überläßt ben „Anderen" die politische Führung! Welche Zerrüttung und welche innere Hohlheit des Sozialismus an diesem 1. Mai 1927!
Die Bevölkerung Frankreichs.
Nach einer vom Arbeitsministerium herausgegebenen provisorischen Bevölkerungsstatistik betrug bie Zahl ber Bevölkerung in ben 90 französischen Departements im Jahre 1926 nach den Schätzun- gen vom 30. Juni 40 745 000, bie Zahl ber Ehe- schließungen 346120 bie Zahl ber Lebendgebore- nen 766 226, bie Zahl der Todesfälle 713 456, der Ueberschuß der Geburten über die Todesfälle würbe mithin 52 769 betragen. Verglichen mit ben Ziffern b es Jahres 1925 stellen sich bie Ziffern für 1926, wie folgt: Eine Verringerung ber Zahl der Eheschließungen um rund 7000, eine Verringerung der Geburtenzahl um rund 3000 und eine Erhöhung der Todesfälle um etwa 4000, sodaß der.Geburtenüberschuß, der im Jahre 1925 60 000 betrug, im Jahre 1926 auf rund 53 000 gefallen ist.
Nr. 99.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk.
Samstag, 30. April 1927.
Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Golonel) lokal 0,15 MC, auswärts 0,20 MC. Reklamezeile: lokal 0,60 JUl, auswärts 0,80 MC. Bei Wiederholungen Rabatt. :-: Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 4051. :-:
54.Zahrg.