,™ Eiiwlnnwr 10 fft. (mit Musts. Mw 15 Pfg).
FuldaerZertung
Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
3lt. 98.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk.
Jreifag, 29. April 1927.
Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Colonel) lokal 0,15 JLK, auswärts 0,20 Reklamezeile: lo?al 0,60 5U, auswärts 0,80 5U. Bei Wiederbolungen Rabatt.
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54.Zahrg.
Krieg in neuer Gestalt.
Eine englische Versnchskruppe aus „mechanisierten" Abteilungen.
wtb. London, 27. April. (Eig. Funkm.). Den Blättern zufolge gibt das Kriegsamt amtlich bekannt, daß versuchsweise eine Truppe von t eilig „mechanisierten" Abteilungen gegenwärtig in Tid- worth besteht, um auf praktischem Wege Feststellungen über die Wirkung der Mechanisierung auf die Organisation und taktische Verwendbarkeit sehr beweglicher Truppenteile zu machen. Die Streitmacht wird bestehen aus einem Tankbatatl- ton, einer Panzerwagenkompagnie, einer Feldartilleriebrigade, einer Gebirgsbatterie, einer Pionierkompagnie, einer Signalabteilung und einem Jnfantcriebataillon, das als Maschinengewehr- bataillon ousgestaltet und mit 36 Maschinengewehren versehen ist.
Mussolini zur albanischen Mage
ranken voll-
Oesterreich nach den Wahlen
halten konnte.
darüber gewundert, wie es i bedeutende Mann in einer solchen
Der Hauptvollzugsausschuß der Sowjetunion wählte sein Präsidium aus 27 Mitgliedern mit
kümmerliche Phrasengebimmel geistige Werte vermittelten. Man hat sich Im Reichstag schon lange dieser geistig nicht un- olchen Gesellschaft aus«
Deutscher Minderheitssieg im Königshüttcr Stadtparlament.
wtb. Königshütte, 28. April. (Eig. Funkm.) In der gestrigen Stadtverordnetensitzung erhielt bei der Wahl der unbesoldeten Stadträte die deutsche Fraktion von 10 Sitzen 7 und die Polen nur 3.
Rußland nnö die Wellwirtschaftskonferenz.
Die internotionole WirtsWsmslchtung
Eine R§de des Reichsministers vr. Strefemann.
Die amerikanische Vermittlung in Nicaragua.
wtb. Managua, 28. April. (Eig. Funkm.). Drei Vertreter der aufständischen Liberalen sind auf einem amerikanischen Torpedobootzerstörer von Puerto Cobezas noch Corinto abgereist, worauf sie sich nach Managua begeben werden, um mit der konservativen Gegenpartei in Frieden-verhandlun- gen einzutreten. Es verlautet, daß dem für besondere Mission hier weilende frühere amerikanische Kriegssekretär Stimson die folgende Lösung vorgetragen wird:
1. Präsident Diaz bleibt bis Dezember 1928 tm Amte, 2. beide Parteien liefern' sofort ihre Waffen ab, 3. die Liberalen werden aufgefordert, an der Regierung teilzunehmen, 4. im Jahre 1928 finden unter der Aufsicht der Bereinigten Staaten unbeeinflußte Wahlen statt.
kommen abschließen, so würden sich die europäischen Lander bald in den tief st en und engherzig- st e n P r o t e k t i o n i s m u s verstricken. Die Weltwirtschaft ist ein einheitliches Ganzes und es ist eine Auswirkung dieser von wirtschaftlichen Gesetzen bcherrschten Bankgemeinschaft aller Glieder der heutigen Wirtschaft, daß ein jedes an dem wirtschaftlichen Gedeihen des andern ein Interesse und Anteil hat. Dr. Stresemann führte dann einen Absatz aus der Denkschrift, die der Verein für die Weltwirtschaftskonferenz vorbereitet hat und worin gesagt wird, „daß der gegenseitige Austausch der Maschinen erzeugenden Lander untereinander wesentlich wichtiger ist als die Ausfuhr nach den sich industrialisierenden Ländern." Leider hat sich, fuhr der Minister fort, dieser Gedanke der internationalen Verflechtung
Reuter berichtet aus Peking, daß die Haltung der auswärtigen Mächte in Peking be- zülllich Tfchens Antwort auf die Nankingnote der Mächte noch immer unbestimmt ist. Es sei bekannt, daß der amerikanische Gesandte dieselben Ansichten vertritt wie die übrigen Gesrndten. Es seien jedoch Anzeichen vorhanden, daß Washington zögert, die Mächte in der Frage eines Ultimatums bezüglich der Sanktionen zu unterstützen. Die Haltung Japans ist noch immer etwas zweifelhaft. Man nimmt an, daß die Verhandlungen zwischen den Hauptstädten der Mächte weitergehen. Während der letzten zwei Wochen seien Andeutungen erfolgt, daß Großbritannien als die in den letzten zwei Jahren am ernstesten bedrohte Macht vielleicht allein ohne Verbindung mit Frankreich oder Italien verhandeln könne, ohne auf die anderen zwei Mächte zu warten, sollten letztere nicht in der Lage sein, den Vorschlägen zuzustimmen. Laut „Evening Standard" wird in London der Eindruck immer stärker, daß das völlige Ausscheiden Amerikas au sden Erörterungen immer wahrscheinlicher wirb.______________
beide Länder eine wirklich dauerhafte Ent- s p an nu n g bringen würde. Mit gutem Miller auf beiden Seiten würde das nicht allzu schwierig sein. Auf keinen Fall aber kann der gegenwärtige Zu stand andauern. Man muß die zwischen den Heiden Ländern schwebenden Fragen vraktisch in realistischem Geiste lösen, ohne die Elemente der Eigenliebe und des Prestiges zu berücksichtigen. Offen gesagt, sehe ich nicht recht ein, welche greifbaren und praktischen Ziele Rom in Manien verfolgt. Der Völkerhund ist in Süd-Slavien fehr populär. Mer gerade weil wir ihm Bewunderung zollen, würden wir ihm lieber diese schwierige Aufgabe ersparen.
Politische Verhaftungen in klthen.
wtb. Paris, 28. April. (Eig. Funkm.) Nach einer Meldung der Information aus Athen hat die Regierung die Verhaftung weiterer in das Komplott gegen das gegenwärtige Regime wickelter Anhänger des Generals Pan- aalos angeordnet. Darunter befinden sich auch General Kapaieanu und Oberst Belsamanaki. Diese Verhaftungen sollen in Athen große Erregung hervorgerufen hahen.
wtb. London, 28. Avril. (Eig. Funkm.) Mussolinis Antwort in der albanischen Frage, die durch seine Abwesenheit von Rom während der Ostertage verzögert wurde, ist jetzt in London eingettoffen. Darin heißt es unter anderem, die Beziehungen zwischen Rom und Belgrad hätten keine Unterbrechung erlitten und wenn der jugoflavische Gesandte in Rom irgend eine Mitteilung zu machen wünsche, werde diefe in sehr freundschaftlichem und gut nachbarlichem Geiste entaegenoenommm werden. Ter Vertrag von Tirana aber fei zwischen Italien und Albanien in voller Ausübung ihrer Souveränitätsrechte abgeschlossen und vor seiner Ratifizierung durch das albanische Parlament ausführlich besprochen worden. Da er in-keiner Weise gegen irgend einen anderen Staat gerichtet sei, könne seine erneute Erwägung nicht in Frage kommen.
wtb. Paris, 28. April. (Eig. Funkm.) Der Balkansonderberichterstatter des Petit Parisien hatte in Belgrad eine Unterredung mit dem jugoslawischen Außenminister Marukowitsch über die italienisch-jugoflavische Frage. Marukowitsch erklärte: Ich hin davon überzeugt, daß eine offene Aussprache zwischen Belgrad und Rom für
Wähler in Wien vorhanden waren, die seit den 1923er Wahlen zu gewachsen waren.
Das Schlußresultat der Wiener Wahlen brachte keinerlei Zahlenverschiebung: es blieben 78 Sozialdemokraten zu 42 Bürgerlichen.
Dies Bild wäre aber nicht vollständig; würde man nicht einer kleinen Verschiebung gedenken: in der roten Hochburg Ottakring verloren die Sozialdemokraten 1 Mandat an die Bürgerlichen und gewannen dafür im Juden-Viertel der Leopold- stadt das Mandat, welches bisher die Jüdisch- Nationalen innebatten. Es haben sonach die Bürgerlichen zwar keinen Zahlenerfolg, wohl aber einen Achtungserfolg errungen.
Von Landtagen waren zu wählen: Niederösterreich: 60 Mandate, Steiermark: 56 Mandate, Kärnten: 42 Mandate, Burgenland: 32 Mandate.
Auf Grund des Wahlergebnisses in Steier- mati wird die Landesregierung sich aus vier Mitgliedern der Einheitspattei, zwei Landbündlern und zwei Sozialdemokraten zusammensetzen. Be- denft man, daß in Steiermark die Affäre der Steirer Bank und zusammenhängend der „Fall Ahrer" spielte, sonach das schwerste Terrain dar- stellte, so ergibt sich aus dem genannten Zahlenverhältnis, daß die Sozialdemokraten ihr Ziel — den roten Landeshauptmann — nur mit Hilfe des Bauernbundes erreichen könnten, was nicht wahrscheinlich erscheint.
Ter Kärntner Landtag wird umfassen: 11 Einheitsliste, 12 Landbund, 1 Nationalsozialist, 16 Sozialdemokraten, 2 Slowenen. Sonach 24 Koalitionsmandate und 16 und 2 Oppositionsmandate.
In Niederösterreich haben die Sozialdemokraten im Landtag 1 Mandat verloren und damit auch den Sitz in der Landesregierung eingebüßt. Am allerbezeichnendsten ist, daß in der; Zentrale des niederösterreichischen Jndusttieviertels, d. h. in Wiener-Neustadt ein nur derartig geringer Stimmenzuwachs der Sozialdemokraten zu verzeichnen war (sämtliche Parteien bekamen durch die hohe Wahlbeteiligung einen „Stimmenzuwachs"), daß im Wiener-Neustädter Gemeinderat (50 Sitze) 5 Mandate den Sozialdemokraten verloren gingen, so daß sich hier das bisherige Verhältnis 34 Sozialdemokraten plus 1 Kommunist zu 15 Bürgerlichen in nunmehr 29 Sozialdemokraten zu 16 I Bürgerlichen umwandelte. In einem ausgesproche- I neu Industrieviertel bedeutet dies immerhin einiges I und zeigt sehr klar, wo der Damm anfängt, den der sozialdemokratische Generalangriff nicht mehr über- I fluten konnte.
und Arbeitsteilung noch nicht überall bei den Industriestädten Eurovas durchgesetzt. Im Gegen- reil scheine eine große Anzahl, insbesonderer junger, Staaten durch hohe Zolltarife ihren Markt ab- schließen zu wollen, um neue Industrien groß zu ziehen, zu denen ihnen die Grundlage fehlt. Der bekannte ftanzösische Wirtschaftler und Staatsmann L o u ch e u r hat unlängst einmal gesagt, daß die politische Befriedung der Welt erst durch die wirtschaftliche Befriedung ihre wahre Festigung erhält. Dr. Stresemann hofft, daß man diesem Ziel durch die Weltwirtschaftskonferenz ein gut Teil näher kommen werde. Die deutsche Sachverständigengruppe ist keine Vertte- tung der deutschen Regierung, vielmehr gehen ihre Mitglieder als Exponenten der deutschen Wirtschaft nach Genf. In diesem Gedanken des internatio- nafen Meinungsaustausches zwischen den hervorragendsten Vertretern von Handel, Industrie und Landwittschaft aller Länder liegt ein großer Fortschritt. Wenn die Konferenz gewiß auch nur ein Anfang ist, so kann sie doch helfen, die Schwierigkeiten, die heute bestehen, durch ein besseres Verständnis für die gegenseitigen Nöte und Wünsche zu beseitigen.__________________________
Abreise des Reichskanzlers nach Berlin.
wtb. Düsseldorf, 28. April. (Eig. Funkm.) Heute mittag ist Reichskanzler Dr. Marx, der zur Einweihung des Canisius-Hauses hier weilte, nach Berlin zurückgereist.
Der Zerfall der Kommunisten.
Man darf es ruhig als ein Zeichen fortschreitender innerer Gesundung bezeichnen, daß die radikalen Gruppen der äußeren Rechten wie der äußeren Linken einem völligen Zerfall entgegen gehen. Bei den V ö l k i s ch e n im Reichstag hat sich diese Zersetzung nahezu zu einem völli- gen Zusammenbruch entwickelt. Von einer ge« ichlofsenen und aktionsfähigen Gruppe ist gar keine Rede mehr. Das ohnehin schon arg zusarnmen- gesckmiolzene kleine Häuflein der Völkischen hat sich in seinen einzelnen Bestandteilen aufgelöst, sodaß nahezu jeder Abgeordnete eine eigene „Gruppe* vertritt.
Eine ähnliche Zerfallserscheinung beobachten wir seit Monaten auch bei den Kommunisten. Auch dort ist durch innere Wirren eine derartige Zerklüftung eingetreten, daß von einer einheitlichen kommunistischen Parteiauffassung, geschweige denn von einer geschlossenen parlamentarischen Kraft der Kommunisten schon längst keine Rede mehr sein kann. Ein ganz besonderes Zeichen für diesen Zerfall der kommunistischen Reichstaasfraktion ist nun durch den soeben vollzogenen Austritt des Reichtstagsabgeordneten Dr. Artur Rosenberg aus der kommunistischen Partei gegeben. Rosenberg begründet seinen Schritt mit dem „völligen Zusammenbruch der Politik der Komintern in China". Er will aber als parteiloser Abgeordneter sein Mandat weiter ausüben. Rosenberg ist seit 1914 Privatdozent für Geschichte an der Berliner Universität und er vertrat den Wahlkreis II Berlin für die kommunistische Partei. Jedenfalls ift fein Austritt charakterstisch für die gegenwärtige Verwirrung innerhalb der kommunistischen Partei und der kommunistischen Reichstagsfraktion, lieber den Fall Rosenberg schreibt der „Vorwärts" unter anderem folgendes:
„Rosenberg ist der elfte von den im Dezember 1924 gewählten 45 Abgeordneten, die teils freiwil- lig, teils gezwungen die Fraktion verlassen haben. Außerdem sind noch zwei weitere Fraktionsmitglieder aufgefordert worden, ihr Mandat niederzulegen. Auch ihr Ausschluß steht bevor.
Im Falle Rosenberg handelt es sich um einen Verlust, der die Kommunistische Partei besonders schwer treffen wird. Denn der jetzt, wie es scheint, freiwillig Äusgeschiedene, war sozusagen das Paradepferd der kommunistischen Reichstagsfraktion. Er war — wenn man von dem Agrarspezialisten Putz absieht — der einzige Abgeordnete dieser Fraktion, der vom Hause mit Interesse angel)ört wurde, der einzige, der imstande war, Reden zu halten, die unter Verzicht aus das sonst übliche
Ein Manifest Tschankaischek.
wtb. London, 28. April. (Eig. Funkm.) „Chicago Tribüne" meldet aus Schanghai vom 27. dieses Monats, General Tschankaischek hat ein Kuomintang-Manifest veröffentlicht, das erklärt, der britische Gesandte in Peking bereite Pläne vor, um große Gebietsteile Chinas bei Nanking und Schanghai im Falle der Ablelnmng der Noten der fünf Mächte zu besetzen. Das Manifest fordert das chinesische Volk auf, nicht nur die Militaristen, sondern auch die Imperialisten zu stürzen, von denen die E n g l ä n d e r die s ch l i m m st e n seien. Im Zusammenhang mit dem 1. Mai hat Tschan- kaischek zwei weitere Regimenter nach Schanghai gesandt, um die Ordnung aufrecht zu erhalten.
wtb. Berlin, 28. April. (Eig. Funkm.) Bei der Eröffnung der diesjährigen Tagung des Vereins deutscher Maschi nenbauan st alten hielt Reichsminister Dr. Stresemann eine Rede, in, der er sich mit den modernen Problemen der Wirtschaft beschäftigte. Nachdem er die Grüße des Reichswittschaftsministers übermittelt hatte, wies der Minister auf die Bedeutung hin, die die Zn- fammenarbeit der wirtschaftlichen Faktoren mit den Behörden angesichts der jetzigen Lage habe, in der wir vor schweren Entscheidungen stehen. Dr. Strefemann betonte bann die Notwendigkeit der Erkenntnis hier und draußen, daß nur in der gegenseitigen Verflechtung des Staatenverkehrs und des Güteraustausches der Nutzen und Gewinn aller Volkswittschaften gefunden werden kann. Wir müssen uns, so fuhr er fort, freimachen von dem Gedanken, als gäben Verluste und schlechte Absatzverhältnisse im Exporthandel den Industrien der Länder ein ausschließliches Recht auf den heimischen Markt. Wollten wir die inneren Märkte durch Einfuhrverbote und Zollsch kommen abschließen, so würden sich d Länder bald in den tiefsten und -
Aus W ien wird uns geschrieben:
Die große Entscheidung in Oesterreich, ob m ben nächsten vier Jahren bürgerlich ober soi rallstisch regiert werden soll, ist zu Gunsten der Bürgerlichen gefallen. Da im allgemeinen <ine außerordentliche Wahlbeteiligung von burchschsitt- lrch 90 Prozent vorliegt, so ist im gewissen Sinn bas Maximum ber Wähler zur Urne gebracht worden-, lediglich Salzburg und Kärntew weisen eine Wahlbeteiligung von zirka 80 Prozent, dagegen W.en und Niederösterreich eine solche von 95 ^Prozent auf.
Ter Wahlakt verlief in vollständiger ungestörte Ruhe. Für den Nationalrat waren zu vergeben 165 Mandate, wovon besetzt sind: 90 Bürgerliche zu 72 Sozialdemokraten, sonach 18 Mandate bürgerliche Majorität aufweisen.
Relativ schwach hat der selbständig kanditüerende Landbund abgefdjnitten, ber wahrscheinlich 6 Mandate erreichen wirb, wogegen man ursprünglich bem Landbund eine Chance bis auf 10 Mandate 3ufprtt$ biefem Fehlschlag ber selbständige» Landbundliste ist nach dem Sondervergehen bei ben Wahlen nunmehr eine Einglieberung iws Lanb- bunbes in bie bürgerliche Majorität bes Nationalrates vorgesehen.
Vergleicht man bie Ziffern des vorigen Nationalrates und zwar 92 bürgerliche Koalition, 5 Landbund, 68 Sozialdemokraten, so haben die Sozialisten 4 Mandate gewonnen. Läßt man jedoch Wei Momente auf sich wirken a) das Motto des Linzer Parteitags: „Ergreifung der Regierungsmacht im Staat", b) bie ganz enorme Propaganda, toefdje auf Grund einer vorsichtigen Schätzung mehr als 20 Milliarden Kronen --- 2 Millionen Schilling — 1,2 Millionen Mark den sozialdemokratischen Patteikassen kostete, während die bürgerliche Wahl- Propaganda geradezu verschwindend i« dem Wald sozialdemokratischer Plakatierung untiettauchte — läßt man diese beiden Momente auf sich wirken und damit auch das Facit des Eewinues von nur toter Mandaten, so kommt man zu folgenden zwei Ergebnissen:
Das Bürgertum Oesterreichs hat eine Abwehr- schlacht geliefert, die sich sehen lasse» kann.
Die Sozialdemokraten haben die größtmöglichste Ausdehnungsfähigkeit in Oesterreichserreicht.
WaS diesmal unter ganz besoftders günstigen Voraussetzungen (Banken-Skanbale!h nicht gelang, l das wirb ein zweites Mal ebenfalls nicht mehr I gelingen.
Ter Generalangriff ber Sozialdemokraten erreichte vier Manbate — mit etwa 20 Mandaten bleibt bie bürgerliche Majorität im Nationalrat «halten; ganz objektiv ausgebrücht ist sonach bie Abwehrfront gelungen.
Noch bezeichnender ist, baß bie verschiedenen uetnen Parteien, b. h. ber Ube-Berbanb, die Wiener Demokraten und da und dott eine Lokal-Liste vollkommen ausgeschaltet wurde»; in dieser Der- Wten Stimmenzersplitterung ist der 4 Mandats- gewinn der Sozialdemokraten ursächlich zu finden.
Es mag sich in den nächsten Tagen begreiflicher- weise ein oder die andere Verschiebung «geben — an einem grundsätzlichen Endresultat wird sich nicht mehr vtel ändern.
Ter Wiener Gemeinberatswahl kam ote Hauptbedeutung zu; in ben Ländern konnten
Ibemotraten kaum einen wesentlichen Zuwachs erwarten. Daher war Wien auch bie Hoch- urg der Propaganda und die Hochburg der Erwartungen; kam hierzu, baß rund 100 000 neue,
Tie Presseabteilung des Völkerbundsfekretariats veröffentlicht eine auf die Frage ber Teilnahme Rußlands an ber Weltwirtfchaftskonferenz bezügliche Mitteilung, in welcher unter dem Hinweis auf die Erklärungen der Sowjetregierung vom 22. Dezember 1926 und 19. Januar 1927' folgendes ausgeführt wird:
„Es ist Sache der Sowjetunion, nunmehr darüber zu entscheiden, ob noch ein Hindernis für die Entsendung russischer Delegierter besteht. Für den Völkerbund ist die Lage klar. Die Einladung zu b»r Konferenz ist auf einffimmiaen B bes Völkerbundsrates erfolgt. Sie bleibt unverändert bestehen Wenn Delegierte der Sowjetunion nach Genf kommen, fo werden sie dieselbe Ausnahme finden wie die Vertreter der anderen Staaten.
Der Rak der Volkskommissare der Sowjetunion.
Aus ben bisher gegebenen Ziffern geht klar h«vor, baß ber sozialdemokratische Generalansturm auf ber Strecke geblieben ist. Am allerklarsten wirb bie Tatsache babnrch beleuchtet, baß bei sozialdemokratisch inspirierte Wiener „Morgen" (Montagsblatt) bie Tatsachen und Prämissen insofern auf den Kopf stellt, als « bei Besprechung der Wahlen seststellen zu müssen glaubt, daß die „Offensive der Einheitsfront zusammengebrochen ist". Da bet Linzer Patteitag ausdrücklich als Programm „Die Ergreifung ber Staatsmacht" proklamierte unb bie Einheitsfront bloß bie Abwehr bieses Programmes, so kann nunmehr es nicht zweifelhaft sein, wer in ber Offensive unb wer in der Defensive war; das Umbrehen bief« Tat- ÜF i ISSS'
mat9ie* I roschilow.
Rosenberg ftanb früher mit den jetzigen „linker Kommunisten" in enger Verbindung, aber es scheint nicht, als ob eine dieser linken Gruppen — es gibt deren bekanntlich mehrere — auf ihn als Zuwachs rechnen könnte. In feiner Partei sagte man ihm schon vor längerer Zeit eine gewisse Neigung nach rechts nach.
Mag er aber nach rechts ober links gehen gleichviel — für die „Rote Fahne" gibt es auf ulle Falle von heute ab einen „Acbelterverräter" unb „Agenten ber Bourgeoisie" mehr."