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Mr unsere Frauenwelt

Beilage zur Zulbaer Zeitung

Nr. 97 vom 28. April 1927.

Hausfrau und Schwalbe.

Trautes SchwAbchen, Hausgenossin, Du mein Vorbild früh und spät. Dein« Arbeit Dir gerät Hast o»i« ich, ein Nest vollKleinchen", Recken's Köpfchen in die Höh', Brauchen ihre Strampelbeinchen Wie die meinen, wie ich seh. Bitten mit den schwachen Schwingen Wte mein .Kleinstes" mit der Hand, 8n dem Zwitschern ist ein Klingen, Das dein Kinderlaut verwandt. Deine Buben. Deine Mädchen Machen Dir auch'» Köpfchen warm. Mußt im Flug Dich drehn wie'» Rädchen Für den lieben Kinderschwarm.

A. H. zu Weißenborn.

Landflucht.

Don Jos. Mb. (3 e i g e r Xoilfingen.

Die aus den Dolkserzählungen hervorgeht, nimmt die Bevölkerung de» platten Lande» immer mehr ab. Die allgemeine Zunahme der Bevölkerung überhaupt kommt vorwiegend den Städten und Jndustrieorten zu­gute, während die Bevölterungsziffer der ländlichen Siedlungen in sehr vielen Fällen zurückgeht (Wenige Ausnahmen bestätigen nur die Regel). Eine Au», nähme scheinen diejenigen Landorte zu bilden, die in ber Nähe der größeren Städte und Industrieorte liegen. Diese weisen teilweise eine beträchtliche Bevölkerung». Zunahme auf. Diese Tatsache der Abwanderung vom Lande, die man früher schon mit dem Ausdruck .Land- flucht" bezeichnete, ist bekannt und findet durch den zis. fernmäßigen Nachwei» der neuesten Volkszählungen erneut ihre Bestätigung.

Nicht die Abwanderung als solche muß al» ungesun- der Zustand bezeichnet werden. Eine wirtschaftliche und soziale Gefahr bildet st« erst dann, wenn Mangel an tcWgee Armen eintritt, die das Feld bestellen und die Ernte einbringen Die scheinbar besseren Erwerbs- und Lebensverhältnisse ziehen den wirtschastlich Un. selbständigen vom Londe weg in die Stadt. Unter die. fen Abwandernden bilden die weiblichen Unselbst, ständigen ein recht beträchtliche, Kontingent. Nun heißt es kurz: Die, ist eine Sache, die allein die Land- wirte angeht, es ist eine reine Lohnfrage. Die Allge. meinheit hat daran nicht das geringste Interesse. Die ganze Angelegenheit ist aber von weit größerer Be. deutung als landläufig angenommen wird. Staat und Volk sind an dieser Frage gleißermahen interessiert Es ist eine offensichtliche Tatsache, daß die Industrie ihre Arbeitskräfte g wßtenteils von, Lande bezieht. Die Zahl der m einzeln -n Industriezweigen beschäftigten Arbei­ter und Arbeiterinnen, welche vom Londe kommen, be­trägt mitunter 5060 Prozent der Beschäftigten. Drängt sich uns da nicht die Frage auf: Woher wird die Industrie ihre Arbeiter nehmen, wenn die ländliche Dolkskraft derart geschwächt ist, daß sie Menschenmate- riäl nicht mehr abgeben kann? Bedenkt man weiter, daß die industrielle Arbeit und das städtische Leben sehr rasch viel Menschenmaterial verbrauchen, so wird man in manchen Stücken denen Recht geben müssen, die von einem Rabbau an Menschenkräften sprechen. ~

Soll in der ganzen hier vorliegenden Frage wieder nach eigener Lösung gesucht werden, dann wird es sich in erster Linie darum handeln, erneut den Ursachen der- selben nachzuspüren, all die Beweggründe zu untersu» chen, welche den einzelnen zum Verlassen der Scholle gezwrmgen haben, sowie nach den Anziehungskräften zu forschen, die die Stadt auf den Einzelnen ausgeübt bat. In den meisten Fällen dürfte es da, viele Geld, die vielen Vergnügungen, die Unabhängigkeit und Freiheit außerhalb der «sschäftigungszeit fein, die dazu »erlocken, vom Lande in die Stadt zu ziehen. An die dumpfe, enge Lust der Arbeitsräume, die einseitige, monotone Arbeit, die Entwertung der Persönlichkeit, die physische und moralische Ausbeutung und dergleichen mehr denkt das unerfahrene Landkind nicht. Am Schlüsse des Jahre, wird auch wohl eher ber ländliche Arbeiter seinen Sparpfennig zurückgelegt hoben, wie sein städtischer Genosie. Dabei darf nicht außer acht gelassen werden, daß die ländlichen Arbeiter und Arbei. terinnen sich bei Fleiß und Sparsamkeit eher des sozi. ölen Ausstiegs erfreuen können, wie diejenigen in der Stadt. Sie Haden weit öfters Gelegenheit, sich ein Häuschen zu bauen, bezw. zu kaufen, ein Stück Land zu pachten ober zu erwerben, Kühe, Ziegen und Schweine zu halten, während die Arbeiter in den Städten in den meisten Fällen zeitlebens unselbständige Lohnarbeiter bleiben müsien. Richt immer ist es Geld und Glück, da, in der Stadt zu finden ist, so mancher vom Lande ist in der Stadt auf falsche Wege geraten und ist nicht

mehr imstande, au, der Not herauszukommen, beson­der, auch deshalb nicht, weil er einen anderen Beruf erlernt hat und feine landwirtschaftlichen Berusskennt- niffe in der Stadt »nicht verwerten kann. Diele wären gesünder geblieben, hätten sie ihr« heimatliche Scholle nicht verlassen, wären unter der Zucht und Ordnung ohne die unser Vaterland nicht aufgebaut werden kann, fid>er oft brauchbarere Menschen geworden, wie in einer durckseuchten Umgebung der Großstadt. (Bilger).

Und noch ein wichtige, psychologisches-pädagogische, Moment muß in diesem Zusammenhang betrachtet wer­den. Der moderne kapitalistische Geist, die wirtschaft- lichen Umwandlungen und organisatorischen Neugestal- tungen haben althergebrachte gute und schieche Lebens- verhältnisse beseitigt und aufgelöst. Sitten und Ge- bräuche, an denen das Landvolk mit ganzer Seele hing, wurden verdrängt; das reiche Gemütskeben des Land­volkes schwand mehr und mehr und machte einem oben Geschäftsgeist Platz. Frohsinn und Scherz, Ehrlichkeit und Geradheit, Bodenständigkeit und Arbeitsfreude, die einstigen Grundtugenden unseres schollengebürtigen Landvolkes sind gewichen und haben vielerorts mür- rischen und unzufriedenen Wesen, rechnersichem Kalkül öder Gewinn- und eGnußsucht Platz gemacht. Die Wecker und Wahrer echten und rechten ländlichen Volkstum», wie Sohnrey, Heinen, Hansjakob, Farnk, Keller, Heim, Fuchs, Fink u. a. gleichen vielfach Rufen- den in der Wüste. Und doch muß hier geholfen werden, muß in letzter Stunde noch gerettet werden, was zu ret­ten ist.

Hier liegt einer ber wichtigsten Angelpunkte unfe- rer gesamten Innenpolitik. Der Druck der ökonomischen und sozialen VerhälMisse muß von dem Landvolke ge­nommen werden. Nicht einseitige Förderung ber Stadtkultur, übertriebene, ungerecht wirkende Industrie- alisierungs-Tendenz darf die Losung für innenpolitische Gesetzgebung abgeben. Echte Heimat- und Volkstums. Politik muß getrieben werden, wie sie in der Innenkolo­nisation, den ©artenftabtgrünbungen, ber Verlegung von Industrien aufs Land usw. zum Ausdruck kommt. Rur so wird da, vielerorts schon erstorbene .Heimat- gefühl wieder belebt, werden zahlreiche, dem Versiegen nahe gerückte psychische Quellen wieder erschlossen und die innere Gesundheit des deutschen Volkstums ange- bahnt.

warum schreit der Säugling?

Don Prof. Dr. Georg Burckhard -Würzburg.

Ein gesunder Säugling, ber sich wohlfühlt, schreit im allgemeinen nicht. Den größten Teil de, Tages ver­bringt er schlafend, der Schlaf wirb nur durch da. Nah. rungsbedürsni, ober bas Gefühl des Unbehagens unter, brachen.

Wenn ein Säugling schreit, so kann dies folgend« Ursachen haben:

1. er hat Hunger,

2. er Hegt naß oder ist schmutzig,

S. er ist zu fest eingebunden und hat nicht die nötige Bewegungsfreiheit für seine Gliedmaßen,

4. er hat Schmerzen.

Di« Mutier wird bann, wie Professor Dr. Georg Burkhard von der Universität Würzburg in seinem im Derlag Ferdinand Enke in Stuttgart erschienenen vor- trefflichenMerkbuch für werbende Mütter", das man al, Vademekum jeder jungen Mutter in die Hand geben foHte, schreibt, bald ein sthr feines Ohr dafür bekommen, welches die Ursachen sind, die ihr Kind zum Schreien veranlassen.

Es gibtungezogene" Kinder, welche aus Eigen- f*nn und der kann bei einem so kleinen Menschlein schon recht ausgeprägt zur Entwicklung kommen brüt, len. Manche Kinder machen auch die Nacht zum Tage, d. h. sie schlafen tagsüber und in ber Nacht geht ohne jebe nachweisbare Veranlassung die Brüllerei los. Solche Kinder müssen beruhigt werden. Und da gibt es kein besseres Mittel als den Schnuller. Freilich versteh« ich darunter nicht denLutschbeutel" wie man ihn gele- geistlich noch auf dem Land« sehen kann: ein zusammen­gebundenes altes Stück, womöglich dreckiger Leinwand, gefüllt mit Brot, welche, in Milch ober gar Eier ein- gemeint und mit Zucker vermischt ist, ein Inhalt, wel­cher sich balb zersetzt, zu gären anfängt und dem Kinde den schönsten Magenbarmkatarrh verursacht. Wenn es diesen Lutschbeutel nicht im Munde hat, treibt er sich irgendwo im Zimmer herum liegt auf unsauberem Tisch ober gar auf dem Fußboden nein, ein solches Mach- merk verpön« ich selbstverständlich auch, ebenso die- jenigen, welch« aus einem Flaschensauger mit einem hineingesteckten Flaschenkork gefertigt sind. Wenn ich von Schnuller sprach, so meine ich einen solchen aus fflummi mit Mundplatte; ber Gummiteil wird täglich ausgekocht ober wenigstens täglich einmal mit Salz abgerieben und während des Nichtgebrauches in einem Schusseichen mit reinem, abgekochtem, öfter, gewech-

selten Wasser ober in einem reinen, frischgewaschenen Tuch trocken aufbewahrt. Fällt er einmal auf den Boden, so wird er sofort gründlich gereinigt. Natürlich soll das Neugeborene nicht immer den Schnuller im Mund« haben, sondern, er soll wirklich nur als Beruhig- ungsmittel dienen. Und ein solches ist er in höchstem Maße, ein sehr viel besseres als Herumtragen und -fahren. Gerade damit verwöhnen die Mütter ihre Kin­der ganz ungemein; bas Kind merkt sehr bald, daß es, sobald es schreit, aus feinem Bett genommen und von ber Mutter herumgetragen wird, ober daß ber Wagen, in weichem es liegt, hin und her gefahren oder in schau­kelnde Bewegung gesetzt wird es wird schreien und nicht eher ruhen, als bis es feinen Willen durchgesetzt hat. Und die arme Mutter muß sich stundenlang mit ihrem Kinde beschäftigen und wird unter Umständen dadurch um ihre meist recht wohlverdiente Nachtruhe gebracht. Erhält das Kind dagegen seinen Schnuller, so liegt es still zufrieden in seinem Bestehen und lutscht sich langsam in Schlaf.

vom Seit im Haughalt.

von Elly Schönhöfer-Frankfurt a. M.

Die Zeiten, die in der feineren Haushaltsküche nur die Verwendung von Butter zuließen, sind längst vor­bei, denn man hat erkannt, daß «ine richtig« Zusammen- setzung de, im Haushalt zur Verwendung kommenden Fettes die Butter vollkommen ersetzt, umsomehr al» die Kostenfrage eine wesentliche Rolle spielt. Dazu kommt noch al, weiterer Grund die Tatsache, baß es viele Menschen gibt, denen der reine Duttergeschmack unan­genehm ist. Auch die ausschließliche Verwendung von reiner. Schweineschmalz verbietet sich für viele Haus­frauen, da es gleichfalls verhältnismäßig teuer und un­ergiebig ist. Jede Hausfrau sollte sich deshalb ihr Fett- auantum selbst zusammenstellen nach besonderem Ge­schmack und Belieben. Der moderne Haushatt kennt so- viele Hilfsmittel, daß man die Bereitung seines Haus- baltungsfettes ohne Schwierigkeiten bewerkstelligen kann. Eine erprobte, sparsame und vor allem schmack­hafte Fettmischung, die man uz allen möglichen Gerichten verwenden kann, bereitet man wie folgt: Ein Pfund Pflanzenfett, ein Pfund Margarine, ein Pfund Schwei- neschmaiz, ein halb Pfund Butter und ein halb Pfund Rindsfett werden mit einer Zwiebel und einer Schwarz­brotkruste ausgelassen, abgeschäumt und in saubere Steintöpfe gefüllt. Alle unreinen Bestandteile bes Fet­te, bleiben in der Pfanne zurück, da sie restlos ausge­schieden werden. Derbesiert wird die Fettmischung, wenn man nach dem Auslassen und Abschäumen sofort in dem heißen Fett ein Schmalzgebäck bereitet, deren es ja eine ganze Anzahl gibt, erinnert sei nur an die be­liebten Krapfen ober Berliner Pfannkuchen. Dieselben machen aber verhältnismäßig viel Arbeit, deshalb sei zu Nutz und Frommen aller Hausfrauen hier einges Schmalzgebäck beschrieben, das sich in kürzester Zeit be­reiten läßt:

Schneeballen.

Zwei Eier und ein Eidotter rührt man mit zwei schwachen Eßlöffeln Zucker ungefähr eine Viertelstunde, gibt bann ein Meßgröße, Stück Butter dazu und fügt hierauf soviel Mehl zu ber Masse, bi, ein weicher nudel­ähnlicher Teig entsteht. Man rollt diesen Teig zwei Messerrückendicke aus und schneidet viereckige Stücke da­raus, die mit dem Messer mehrmals eingeschnitten wer­den, jedoch so, daß ein fester Rand bleibt. Die geschnit­tenen Stücke werden wechselseitig auf einen Kochlöffel gehängt, um bann ins heiße Schmalz zu gleiten. Die Teigstücke werden goldgelb gebacken und stark mit Puderzucker bestreut.

Schmal,schnitten.

Aus zwei Eiern, etwas Butter und zwei Eßlöffeln Zucker, einem Eßlöffel Rahm macht man unter Hinzu- gäbe von Mehl und einem halben Päckchen Backpulver einen Teig, der sich ausrollen läßt. Daraus schneidet man bann zwei fingerbreite Streifen, die man bann in heißem Schmalz herausbäckt und mit Zucker überstreut.

(Einige Rhabarbergerichte.

Von Henny F e n t e n - Frankfurt e. M.

Fung» Rhabarberstiele, die in England beinahe zum Nationalgericht geworden sind, werden bei uns in Deutschland noch lange nicht so geschätzt, wie sie e» dank ihrer guten Bekömmlichkeit und ihrer verdauungsregeln­den Wirkungen verdienen. Rhabarberkompott ist die beste Zuspeise zu Pfannkuchen aller Art. Man bereitet es am besten auf folgende Art: In eine starke Zucker- lösung, etwa ein halbes Pfund auf ein Liter Wasser wirft man die klein geschnittenen geschälten und mit einem feuchten sauberen Leinenlappen abgeriebenen Stengel und läßt sie dann solange kochen bi, eine

breiige Masse entsteht. Ist bann da» Kompott noch nicht süß genug, wird nach Belieben Zucker zugesetzt. Einige Tropfen Himbeer- ober Erdbeersaft geben dem Kompott eine schöne rötliche Farbe. Auch Rhabarber­suppe ist ein seines Gericht. Die Sttele werden abge» kocht, durch ein Sieb getrieben und mit der entsprechen­den Menge Weiß-, Rot- oder Apfelwein verdünnt. Dann werden einige Löffel Zucker, etwas Zirnmet und eine ganze Nelke hinzugefügt und aufgekocht. Wer die Suppe etwas dickflüssiger liebt, der kann mit Kartoffel­mehl die Suppe eindicken.

Die Zrau als (Erzieherin.

f. Kleine Sonderlinge. Es gibt im Äinbesattei schon bemerkbare Spuren von Sonderlingsneigungen, die von verständigen Ettern bei Zeiten bekämpft werden muffen. Wer im Leben zu arbeiten hat und sich mit eigner Händearbeit vorwärts bringen will, darf feint Sonderlingsmanieren zur Schau tragen. Er soll sein« eigene Meinung haben unö seine eigene Uebergeugung nicht nur aussprechen, sondern auch mutig verfechten. Eben weil er das tun soll, darf er keine Lächerlichkei­ten zur Schau tragen. Es hemmt einen Menschen lehr am Fortkommen, wenn er sich lächerlich macht. Man sollte also lieber nicht lachen und sich amüsieren, wenn Schüler sich schon so gebärden, al» wären sie zerstreute Professoren, und wenn kleine Mädchen affektierte Sprechweise ober sonst ein von ber Regel abweichendes Benehmen zur Schau tragen, sondern man wird sie auf einen Wall» Hinweisen, in dem jeder Baum dem ande­ren Raum gönnt, sich entwickelt und doch sich einordnet. Einordnen und nicht unterordnen. Dos muß besonder» klugen Kindern immer wieder eingeprägt werden.

Die Zrau als Hausarzt.

f. Rach einer überstandene« Krankheit stellen sich häufig Gelüste nach schweren oder pikanten Lieblings­speisen ein Gibt man dem Kranken nach und besorgt ihm bas gewünschte Essen, so kann man das Schlimmst, erleben, denn ebenso wie sich die Muskeln und Nerven bei Geh. und Leleoersuchen als schwach erweisen, sind auch die Verdauungsorgane zu größeren Leistungen un- fähig. In der ersten Zeit der Genesung zeigt sich ber charakteristische Zug, daß bas Verlangen nach Wünschen heftig hervortritt, aber bas Vermögen, bas Gewollte zu verbringen, nicht vorhanden ist. Dem Gesundenden selbst fehlt vielfach die Fähigkeit, feine Kräfte abzu- schützen, und er begeht darum leicht schwerwiegende Feh. kr. Ausgabe ber Pflegerin ist es nun, ihn vor Miß- griffen zu behüten. Auch Erwachsene müssen in dieser Zett gewissermaßen als Kinder behandelt werden.

Hus dem Frauenleben.

f. Jrau Gasdireklor. In dem englischen Orte Mag- hersfield wurde eine Dame zum Direktor der Gasan. ftalt ernannt. Schon ihr Vater und danach ihr Bruder hatte das Amt inne.

f. Versicherung gegen Ehelosigkeit. Die Amerikaner haben jetzt ein ganz neues Arbeitsfeld für die Ver­sicherung entdeckt: die Ehelosigkeit. Die gegen diese Gefahr" versicherten weiblichen Schönheiten erhalten in ihrem 40. Lebensjahr, falls sie zu diesem Zeitpunkt noch unverheiratet sind, eine Entschädigung ausgezahlt. Eine gleiche Versicherung gegen Ehelosigkeif'besteht be» kanntlich schon seit Jahren in Schweden.

Die Frau in der Nüche.

f. Hammelnieren in Madeira. Man redetet je Per­son zwei Nieren, schneidet sie der Länge nach auf, zieht die dünne Hani rb und teilt jeb: Hälfte noch einmal. Sie toerben ntit Pfeffer und Salz bestreut, m Butter schnell von allen Seiten geröstet unb heißgestellt. In eine Kasserolle gibt man ein kleines Glas Madeira, ebensoviel Bratensoße, läßt dies einige Minuten ein- kochen, nimmt es vorn Feuer unb mischt etwas Butter darunter. In biese Soß« gibt man die Nnieren, läßt sie darin heiß werden und richtet sie in erwärmter Schüs­sel an. ______________

praktische winke.

f. kupferne Geschirre zu reinigen. Ein billiges Mit­tel, um Kupfergeschirre zu reinigen, sind Sauerampfer- blätter. Man reibt die Töpfe damit gründlich ab und poliert mit einem weichen Wollappen nach. Ein gleich gutes Kupferputzmittel ist Lehm, den man in Essigwasser taucht. Schließlich sei noch daraus hingewiesen, daß sich auch mit Heringslake ein schöner Glanz auf Kupferge- schirren erzielen läßt.

Der KUS des Radja.

Roman au» der Tropenwelt ier ostindischen Inselflur. Don Olaf Elfen».

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Ich erinnerte mich, bei meiner Einfahrt in den Hafen von Koepang auf einem der hinter ber Stadt gelagerten Hügel eine burgähnliche Befestigung, deren weiße Mau­ern aus dem tropischen Grün hervorleuchteten, gesehen zu haben und erwähnte dies. Herr Riedel lachte jedoch bei dieser Bemerkung

Was Sie gesehen haben, ist tatsächlich «in altes Fort," erwiderte er.Aber der Nadja weiß ebensogut wie ich, daß die zwei Kanonen, die dort oben stehen, nicht einmal mehr dazu gut sind, um nach Spatzen zu schießen, und die paar Malaien, die um die Kanonen als sogenannte Soldaten herumlungern, sind ebensowenig zu fürchten wie die Kanonen. Nein, mit diesem Macht- aufgebot kann man niemand erschrecken unb ich muß mich deshalb daraus beschränken, mit dem Nadja in Güte zu verhandeln. Vielleicht gelingt es mir aus diese Weise doch, ihn wenigsten» zur Abgabe einer rein formellen Erklärung zu bewegen, zumal er ein kluger Kops ist, ber recht gut bie Vorteile abzuwägen versteht, bi« sich ihm bieten, wenn er sich mit ber Regierung auf guten Fuß stellt."

Man wird wohl seine Begehrlichkeit etwa» wecken müssen," entgegnete ich.

Ob, begehrlich genug ist er," gab Herr Riedel zu- rück.Bisher scheiterten ja die Verhandlungen gerade an feiner übergroßen Begehrlichkeit. Es ist nicht so leicht, mit dem Manne, ber durch seinen angeborenen Mutterwitz manchem Diplomaten recht gut die Wagschale -satten kann, zu unterhandeln. Doch, wenn Sie Interesie daran haben, so labe ich Sie ein. unserer Unterhaltung beizuwohnen."

Nun hatte ich erreicht, wa» ich wollte. Ich wehrte zwar zunächst ab.

Nein, nein," sagte ich,meine Gegenwart möchte bei den Unterhandlungen unangenehm empfunden werden."

3n feiner Weise," versicherte Herr Riedel;ich zieh« ja sonst auch meist noch einen weiteren Herrn bei. Heute Ift «s nun bereit» zu spät, um den Herrn Sekretär noch Kerbecholen zu lassen. Er dürst« kaum mehr ,u Haus«

1 anzutreffen sein. Ihre Anwesenheit wird also In keiner | Weise die Unterhandlung beeinträchtigen."

In diesem Falle," erklärte ich,wäre ich wirklich sehr dankbar, wenn Sie mir ein Beisein gestatten. Es wird mir nicht uninteressant sein, zu beobachten, in wel- chen Formen sich die hohe Politik auf Timor abspielt."

Wir entschuldigten uns also bei ber Gattin be» Resi­denten und seinem Sohne unb betraten das eigentliche Haus. In einem Zimmer, da» jedenfalls das Prunk- und Staatszimmer des Residenten bildete, fanden wir den Radja. Er erhob sich bei unserem Anblick unb grüßte höflich, aber keineswegs unterwürfig, [onbern so, wie eben ein Herr den ihm gleichgestellten Herrn begrüßt. Abermals war ber Eindruck, den ber Radja auf mich machte, ein durchaus sympathischer. Man sühlte ge- radezu, daß er ein« wirkliche Persönlichkeit war und daß er sich seiner Stellung vollkommen bewußt war. Sein Benehmen war ein freies unb ungezwungenes, als wenn ihm bie Umgebung, in ber er sich zur Zeit befand, durch­aus gewohnt und alltäglich wäre.

Herr Riedel lud ihn ein, sich wieder zu setzen und wir nahmen ihm gegenüber Platz.

»Nun, Lankelan," sprach ihn der Resident an,hast du dich eines besseren besonnen? In unserer gestrigen Untergattung sind wir zu keinem Ziele gelangt."

Tuwan," entgegnete ber Radja,ich habe mir dein Anerbieten überlegt. Ich erkenne recht gerne an, daß ich «inen Nutzen davon habe, wenn ich deine Freund­schaft suche, umgekehrt meine ich jedoch, daß der Nutzen auf deiner Seit« der größere ist."

-Zn gar keiner Weise," versetzte Herr Riedel.Mir kann es schließlich ganz gleichgültig sein, ob du dich zu mir freundschaftlich stellst ober nicht. Du allein hast den Vorteil, denn du sicherst dir dadurch meine Unterstützung. Ich habe dir Waffen versprochen. Woher wolltest du diese sonst nehmen, wenn du sie nicht von mir erhältst?"

Warum hast du mir die Waffen versprochen?"

Weil ich dir und deinen Untertanen wohl will Ihr braucht Wafsen, um euch der wilden Tiere und auch räuberischer UeberfäHe seitens eurer Nachbarn zu er- wehren."

Der Radja lächelte überlegen.

Tuwan." sagte er,deine Worte klingen gut und ich glaube dir auch, daß es dein Bestreben ist, uns zu I nützen. Du gibst aber doch die Waffen nicht au» diesem ]

Grunde allein, denn du weißt recht gut, daß meine Person ausschlaggebend ist und meine Nachbarradja» sich nach meinem Beispiele richten. Gehe ich ein Freund- schaftsbündnis mit dir ein, so werden auch diese es tun! Und das willst du doch!"

Herr Riedel geriet dadurch, daß ihm der Radja den eigentlichen Zweck so ungeschminkt auf den Kops zusagte, in einige Verlegenheit.

Du gehst etwas zu weit, Lankelan," versetzte er ausweichend.Natürlich ist es mein Bestreben, auch mit den anderen Radja» gute Beziehungen aufrecht zu erhallen, aber ich betone, daß die» nicht in erster Linie meinethalben, sondern eurethalben geschieht. Das größte Interesse daran, daß Ruhe und Ordnung im Lande be- steht, hobt doch ihr selbst. Di« fortbau«rnb«n Kriege unb Streitigkeiten schaden euch. Tretet ihr dagegen zu mir in freundschaftliche Beziehungen, so werd« ich in der Lage [ein, eure Streitigkeiten durch Vermittlung zu schlichten und Blutoergißen wird dadurch vermieden. Und nicht nur das; wenn ihr in Frieden untereinander lebt, so wird sich euer Wohlstand mehren, und zahlreiche Güter, um die ihr uns beneidet, werdet ihr euch ver­schaffen können. Ich wiederhol« also, daß die Vorteile auf eurer Seite sind."

Das lasse ich gelten," meinte der Radja, mit dem Kopf sinnend wiegend,aber nicht stets haben wir in Koepang solche Worte gehört. Es gab auch Zeiten, in denen man anders mit un» sprach."

Unterdessen haben wir uns fest überzeugt, wie ihr euch jedenfalls auch, daß ein gegenseitige» Einvernehmen besser ist al» ein jahrelanger Streit um Wort«. Und um einen solchen hat es sich früher doch nur gehandelt."

Gewiß, wir wollen eben frei fein, während man uns eine Herrschaft aufzwingen wollte. Nun nennt ihr es nicht mehr Herrschaft, sondern Freundschaft. Ich fürchte aber, daß e» das gleiche sein soll!"

.Darin täuschest du dich. Jemanden Freund zu sein bedeutet noch lange nicht, fein Herr zu {ein. Sin Freund ist stets ein Gleichgestellter, ein Herr ist ein Höher­gestellter, ei Gebieter."

Gut, Tuwan, 'ich will deine Absichten al» ehrlich gemeint hinnehmen. Nun nur noch eine Frage: wenn ich die Dedingungen bes von dir vorgeschlagenen Freund­schaftsbündnisses annehme, so erhalt« ich hundert Ge­wehre!" ,

Ja, da» ist dir bereits zugesagt."

Das genügt mir ober nicht. Tuwan, du weißt, , daß meinem Vater einst von den Drang blanba der Kris, der sich in meiner Familie vom Vater zu Sohn seit vielen Geschlechtern vererbte, abgenommen worden ist. Dieser Kri» ist mir wertvoller wie hundert Gewehre."

3d> gebe das alle» zu," erwiderte der Resident, aber ich habe gestern bereits dir gegenüber bie Er­klärung abgegeben, daß der Kris von deinem Vater im Kampfe verloren wurde, er also eine rechtmäßige Beute unferer Soldaten war. Nun ist er im Besitze der nie- derländischen Regierung, und habe ich weder ein Rech) noch den Auftrag, ihn auszuliesern."

Wer hat dos Recht dazu?"

Nur die Regierung In Batavia."

So werde ich mich an diese wenden."

Tue das, Lankelan!"

Der Radja blickte Herrn Riedel scharf und durch, dringend an. Dieser aber hielt den Blick aus.

Es ist gut," sagte Lankelan dann.Ich werde Schritte ergreifen, um den Kris wieder zu erhalten."

Darf ich damit unsere Abmachung endlich als er- kedigt betrachten?" fragte der Resident.

Ich werde e» mir bis morgen noch überlegen, war die Antwort.

Herr Riedel wurde nervös. Ich sah es ihm an dem Zucken seiner Finger an.

Das sagst du nun schon jeden Tag," sprach er heftig,und niemals kommst du zu einem Entschluß. Wie lange willst du ihn denn noch hinauszögern?" Der Entschluß ist für mich sehr wichtig. Er darf nicht voreilig gefaßt werden."

So überlege noch einmal bis morgen, Lankelan, Dann aber erwarte ich deinen Entscheid."

Bis morgen werde ich mich entsckließen."

Herr Riedel erhob sich, damit gleichsam andeutend, daß er die diplomatische Aktion für heute als abgeschlossen betrachte. Der Radja verstand das sehr gut. Er erhoo sich auch und verabschiedete sich von uns in zeremonieller Weise. Wir begleiteten ihn bis an die Türe bes Hauses, roo er bereits von seinen Trabanten, einem halben Dutzend Malaien, erwartet wurde. Sie nahmen ihn in bie Mitte, unb würdevoll entfernte er sich, während wir uns langsam in das Hau» zuriickwaydD«,

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