Hunde und Kinder.
Von Dr. med. Karl Ander- Wien.
Ein vorbeugendes Drittel gegen die Hundewut, die immer noch von Zeit zu Zeit Unglück anrichtet, ist bisher leider nod) nicht gesunden worden. Aber wenigstens gegen den Echinococus, den Hundebandwurm, sollte etwas geschehen. Denn wenn diese Krankheit glücklicherweise bei uns in den meisten Gegenden nicht gerade häufig ist, so ereignen sich doch noch immer manche böse Fälle, die hätten vermieden werden kön- nen. Dor mir liegen drei Krankengeschichten einer chirurgischen Universitätsklinik über Echinocoeus, die von allgemeinem Interesse sind. Der erste Fall be- trifft einen Studenten, der an Fieber und Schmerzen im Kopf, Kreuz und der Lebergegend, sowie an Gelb- sucht und Erbrechen erkrankte. Man dachte an Ma- laria, umsomehr als er aus Südslavien stammte. Es war aber eine große vereiterte Echinococushöhle in der Leber. Man operierte ihn, und er wurde geheilt. In einem zweiten Fall hatte ein junger Hund an der Zahn- bürste eines Dienstmädchens herumgeknabbert. Sie benützte die Zahnbürste weiter, nachdem sie diese nur oberflächlich gereinigt hatte. Einige Monate später tra. ten Brustschmerzen, Husten, Fieber und Atemnot auf. Die Kranke nahm um 16 Psund ab. In der Nacht mußte sie im Bett sitzen, sonst bekam sie keine Luft. Eines Tages putzte sie di« Fenster, und plötzlich, beim Dorbeugen des Oberkörpers entleerte sich ein halber Liter eitrriaen Schleims aus der Brust, und die Atem- not wurde sofort besser. Es hatte sich in den Lungen eine Echinoeocushöhle gebildet, welche die obigen Beschwerden verursachte. Die Höhle vereiterte und ihr In- halt war der erwähnte ausgehustete eiterige Schleim. Man mußte operieren und fand hierbei eine maimes- saustgroße, mit Eiter erfüllte Höhle in der Lunge, deren Ursache eine Echinoeocusblase war. Die Genesung nahm lange Zeit in Anspruch. Ein tödlicher Ausgang ereignete sich in einem dritten Fall. Ein Illjähriges Mädchen erkrankte an Gelbsucht, Fieber, Appetitlosigkeit, Schlaflosigkeit, Schmerzen beim Schlucken und in der Leber, magerte ab, der ganze Körper juckte. Die Ursache war eine Echinoeoiusgeschwulst der Leber, in der sich Etter bildete. Bald trat eitrige Rippenfellentzündung hinzu, auch eine Operation vermochte das Leiden nicht ju beheben. Die Kranke starb.
Fulda, den 27. April 1927.
Kreistagswahl am 12. Juni.
Wie wir in Erfahrung gebracht haben, ist beabsichtigt, die Wahl des Kreistages für ben neuen Landkreis Fulda, nachdem der bisherige Kreistag aufgelöst worden ist, auf Sonntag, den 12. Juni (Dresiastigkeitssonntag) anzuberaumen. Bei diesem Termin stehen also noch eine Reihe von Wochen zur Verfügung, um eine gründliche Vorbe- reitting dieser wichtigen kommunalpolitischen Ab- stimmung in den Landgemeinden des Fuldaer Landes vorzunehmen. Es ist heute eine allgemein vertretene Ansicht, daß die Selbstverwaltung den Weg öffnet, um auch unter schweren Verhältnissen, wie sie sich im Restkrris Fulda zweifellos heute vorfinden, Fortschritte herbeizuführen.
Eine wirkliche Selbstverwaltung besteht nur dort, wo die weitesten Wählerkreise über die Angelegenheiten ihrer Gemeinschaft aufgeklärt sind und aus dieser Kenntnis der Verhältnisse heraus die Vertrauensmänner für di« Körperschaften bestimmen. Die Selbstverwaltung macht es erforderlich, daß die Gewählten mit starker I »i t i a t io e die Geschicke der Gemeinschaft beeinflussen und den Behörden an der Seite stehen. Bei der guten politischen Organisation und der starken Verbreitung einer unabhängigen, nur dem Dienste einer bewährten und gutbegründeten politischen Richtung verpflichteten Presse im Fuldaer Lande ist man berechtigt zu der Hoffnung, daß auch zur Vorbereitung dieses wichtigen Wahltages am 12. Juni eine gute kommunalpolitische Schulungsarbeit geleistet werden wird, die, wie sich bisher immer gezeigt hat, in einer starken Wahlbeteiligung ihren Ausdruck finden und zu einem Wahlergebnis führen muß, wie es der ehrwürdigen Geschichte des Fuldaer Landes würdig ist.
Der Schulbeginn der höheren Schulen.
Heute haben auch die höheren Schulen, nachdem gestern die Aufnahmeprüfungen stattgefunden hatten, den Unterricht wieder begonnen.
Am Staatlichen Gymnasium, besten Schülerzahl wir schon mitteilten, sind folgende Veränderungen im Lehrkörper eingetreten: Anstelle des studienhalber für ein halbes Jahr beurlaubten Studienrats Dr. Seltner trat Studienassessor Noll- Frankfurt a. M. Studienassessor Beckby wurde an das Wilhelmgmnnasium zu Kassel versetzt. Mst Beginn des Schuljahres wurden der Anstalt überwiesen die Studienastestoren R e s i n g- Limbura, L a u t h - Höchst a. M. und Dr. Kraut vom Wilhelmsaymnasium zu Kassel.
An der städtischen Oberrealschule wurden 50 Schüler ausgenommen. Am Beginn des Schuljahres 1926 wurden für die Sexta 51 und für die übrigen Klassen 19, also zusammen 70 Schüler aufgenommen. Während im Vorjahre die Schülerzahl 492 betrug, zählt sie jetzt rund 470.
Die Gesamtzahl der Schüler der Windfried- schule, staatlichen Aufbauschule, beträgt 154 gegen 138 Schüler im vergangenen Jahre. Mit Beginn des neuen Schuljahres wurde Studienassessor Otto Fi e d l e r dem Gymnasium in Hanau überwiesen. Studienrat L ü t k e h a u s, der vom Gymnasium in Pr, Friedland an die Anstalt versetzt worden ist, konnte wegen Erkrankung seine neue Stelle nicht antreten. Reu überwiesen ist Studienassessor Otto Wiener von der Herderschule in Frankfurt a. M.
Im Institut der Engl. Fräulein wurden in die. Ansangsschule 16 Schülerinnen ausgenommen.
In die Anfangsschule des E a n g l. L y z e u m s wurden 9, in die übrigen Klassen 24 Schülerinnen ausgenommen. Aus dem Lehrerkollegium sind ausgetreten Prof. Dr. Kötteritz und Frl. Lotzdorf. Wieder eingetreten in den Lehrkörper ist Frl. Bachmann, neu eingetreten Studienassessor Pfaffenberg er.
= Regierungspräsident Dr. Friedensburg weilte auf der Rückkehr von seiner Besichtigungsreise nach Bad Orb und Birstein auch in Fulda und nahm im Gasthof „zur Windmühle" Wohnung. Am Dienstag vormittag kehrte er nach Kassel zurück.
= Besprechungen über eine Tarifreform bei der Reichsbahn. Im Januar 1927 fand die 145. laufende Tagung der ständigen Tarifkommission der Reichsbahn statt. Hierbei wurde eine Denkschrift von der Eisenbahndirektion über eine etwaige G ü-
tertarifreform besprochen. Da die Fragen einer allgemeinen Tarifreform noch nicht restlos geklärt waren, wurde beschlossen, einen Unteraus- chuß einzusetzen, der aus Vertretern von den steichsbahndirektionen wie auch aus Mitgliedern )es Verkehrsausschusses bei der ständigen Tarifkommission besteht. Dieser Unterausschuß ist beauftragt, über die dringlichsten Wünsche der Ver- rehrsintereffenten Klarheit zu schaffen. Die nächste Sitzung dieses Unterausschusses findet Ende dieser Woche statt. Ob und wie weit eine Tariferhöhung nötig wird, läßt sich zurzeit noch nicht übersehen. Darüber wird auch in dieser Sitzung kein Beschluß gefaßt; jedenfalls muß die Frage geprüft werden, wie etwaige Frachterleichterungen auf der anderen Seite gedeckt werden können.
Mai-5'tzung des Landesausschusses
Die Lanbesverwaltung (Lanbeshauptmann in Hessen) teilt uns mit:
Die ordentliche Maisitzung bes Lanbesausschusses beginnt am Montag, ben 2. Mai bs. Js., nachmittags 4 Uhr.
Auf der Tagesorbnung ber Sitzung stehen neben sonstigen laufenben Verwaltungsgeschäften u. a. Bewilligungen von Beihilfen zu Feuerlöschzwecken, Bewilligungen weiterer Mittel für ben Bau ber Weserbrücke ht Rinteln, Unterstützung bes Baues von Wasserleitungen im Kreise Rinteln im Rahmen ber Hochwasser schütz maßnahm en, Unterstützungen von Landwegeneubauten in ben Kreisen Frankenberg, Fritzlar, Gersfelb, Hersfelb, Kirchhain, Melsungen unb Rotenburg, Aufnahme von .neu en Wegen in ben Lanbkreisen Kassel, Hersfelb, Gelnhausen in ben Landwegebauverband unb Erhöhung ber Pflegekosten für Schwachsinnige in verschiedenen Privatanstalten.
Im Anschluß an bie Sitzung wirb bet Landes- ausschuß bie Anstalten bes Bezirksverbanbes m Wabern, Marburg unb Buchenau besichtigen.
In Wabern sollen bie Vorschläge ber Verwaltung über bie erforderlichen Aenberungen geprüft werben.
Die Besichtigung ber Lanbesheilanstalt in Marburg ist notwendig, um ben Mitgliedern des Landesausschusses Gelegenheit zu geben, sich über die so überaus wichtige Frage ber Zukunft ber Jrren- sürsorge selbst an Ort unb Stelle ein Urteil zu bilden. eaMLÄte.
3um Religionsunterricht
in der Berufsschule.
Im preußischen Handelsministerium besteht ein aus allen interessierten Kreisen zusammengesetzter Beirat, das Landesgewerbeamt, das sich in verschiedene Fachabteilungen gliedert. Dor kurzem fand eine Sitzung ber Abteilung für das gewerbliche Schulwesen statt, auf der bie Frage des Religionsunterrichtes an den Berufsschulen erörtert wurde. Von der Möglichkeit der freiwilligen religiösen Unterweisung im Anschluß an den Unterricht haben 2 89 Berufsschulen und 86000 Schüler Gebrauch gemacht, von denen 77 000 Schüler katholisch und 8600 evangelisch sind. Bekanntlich ist der Religionsunterricht in Bayern und Baden ordentliches Lehrfach ber Berufsschule. Die beiden Kirchen hatten nun den Antrag auf gleiche Regelung auch in Preußen eingebracht und begründeten diesen Antrag mit durchschlaggebendem Material.
Es» ist in diesem Zusammenhang darauf hin- zuweisen, daß von dem Beginn des neuen Schuljahres an nun auch in den gewerblichen Berufsschulen der Stadt Fulda in Lebenskunde au religiöser Grundlage nach dem Bekenntnis von den Geistlichen der verschiedenen Konfessionen regelmäßig unterrichtet wird. In der kaufmännischen Berufsschule wurde bisher schon Religionsunterricht erteilt. _____
vom 12. April 1927 Stellung genommen. In diesem Erlaß ist eine geringere Bewertung der Fabrikgrundstücke insoweit zugestanden, daß in den Landesfinanzamtsbezirken — außer Kassel und Darmstadt gehören hierher auch die meisten süddeutschen Bezirke — in denen die Richtlinien der Lanbesfinanzämter einen Spitzensah von 70 Prozent für Fabrikgrundstücke vorsehen, die Vermögen- teuer für 1927 auf Antrag auf den Betrag ermäßigt wird, der sich ergeben würde, wenn der Spitzensatz für Fabrikgrundstücke in dem Landes- inanzamtsbezirks statt 70 nur 60 Prozent betrüge. Der Erlaß trifft weiter Anordnung für entsprechende Stundung — auf Antrag — der Vorauszahlungen auf die Vermögenssteuer 1927 und nach dem Aufbringungsgesetz für 1927. Für sog. Ge- chästsgrundstücke (außer Fabrikgrundstücken) bleibt cs bei der bisherigen Regelung. Soweit nicht Milderungen bisher schon erreicht worden sind, steht dem Steuerpflichtigen nur ein Billigkeitsantrag aus § 108 Reichsabgabenordnung offen.
— Hypolhekenkündionna von Inkrafttreten des Aufwertungsgesetzks. Die Frage, ob eine vor dem Inkrafttreten des Aufwertungsgesetzes ausgesprochene Hypothekenkündioung wirksam ist. bat das Reichsgericht in einer Entscheidung vom 22. 1. 27 (V. 329/26) besaht. Der Eigentümer ist an die , während ber Geltungsdauer der dritten Steuernotverordnung ausgesprochene Kündigung gebun- den und kann deshalb die Rückzahlung wenigstens in Höhe der damaligen Aufwertung von 15 Prozent nicht verweigern. Die Frage, ob die Kündigung auch in Höhe der weiteren 10 Prozent, also in Höhe der vollen 25 Prozent, wirksam ist, hat bas Reichsgericht nicht entschieden.
— Die Heeresversorgungsgebührnisse für den Monat M a i werden am Donnerstag, den 28., die Invaliden- und Unfallrenten am Freitag, ben 29. und Samstag, den 30. April gezahlt. Die Zahlstellen sind an ben Tagen von 8—12 Uhr norm, und von 3—6 Uhr nachm. geöffnet. Nur unter Vorlegung der Ausweisnummerkarte werden die Renten gezahlt. Beglaubigung der Unterschrift ist für den Monat Mai nicht erforderlich.
— Seltenes prüfungsergebnis. Der Fleischergeselle Franz Schultheis, Sohn des Metzgermeisters Albert Schultheis, am Luckenberg, erhielt von der Prüfungskommisiion ber Deutschen Fleischerkunst-Schule in Köln für feine Arbeiten das Prädikat „Sehr gut". Aus Anlaß dieses seltenen Prüfungsergebnisses wurde ihm gleichzeitig das Spezialisten-Diplom für Herstellung feiner Fleisch- und Wurstwaren überreicht.
= Der Reichsverband der deutschen Post- und Telegraphen'- eamten, Bezirk Kastel, der am 1. Mai hier tagt, wird zu der geplanten Reform der Land- postbestellung nicht in einer öffentlichen Kundgebung, sondern in einer Mitgliedervers amm- lurig Stellung nehmen.
Theater und Musik.
— Die Versteigerung des Rheingokd-lNanuskriples. Das Original-Manuskript ((Partitur und Text) zp Richard Wagners „Rheinaold", das 186 von beiden Seiten von Wanner eigenhändig mit Bleistift betriebene Blätter enthält, ist bei der Versteigerung in Newport von der Fa: Rosenbach zu 15400 Dollar erstanden worden.
* liebertragbare Krankheiten in Preußen. Wie ber Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, sind in ber Zeit vom 30. Januar bis 26. März 1927 nachstehenbe Erkrankungen (Todesfälle) an übertragbaren Krankheiten amtlich gemeldet worden: Diphterie 3470 (228), übertragbare Genickstarre 118 (62), Kindbettfieber nach regelrechter ober nach Frühgeburt 541 (88), nach Fehlgeburt 238 (106), spinale Kinderlähmung 58 (6), Körnerkrankheit 260 (—), Lungen- unb Kehlkopftuberkulose 8 273 (4353), Milzbrand 17 (3), übertragbare Ruhr 181 (12), Scharlach 8 498 (133), Tollwut 1 (—), linket, leibstyphus 701 (76), Paratyphus 213 (7), Fleisch- Fisch- unb Wurstvergiftung 486. (—), Bißver-
Setzungen burch tone unv tollwutverdächtige Tiere
* Dom Starkstrom getötet. In ber Transformatorenkammer des Werkes Oppau bei Ludwigshafen wollte nach Beendigung ber Arbeit in der Starkstromzelle ein Arbeiter einem Hilfsmeister seine Kenntnis zeigen und versuchte zu diesem Zweck, mit einem ungenügend isolierten Stab ben Start- trornschalterhebel umzulegen. Durch den lochgespannten Strom erlitten beibe starke Branbwunben, benen ber Arbeiter heute nacht erlegen ist.
• Schlimme Folgen eines groben Unfugs. Der in Köln wohnende 24jährige Friedrich F. verübte nachts in angetrunkenem Zustande groben Unfug und ruhe- törenden Samt, indem er laut gegen verschiedene Türen pochte und Einlaß begehrte. Insbesondere belästigte er auf diese Weile eine Familie D. in der Arnoldstrahe, mit ber er feit längerer Zeit in Streit lebte. Als das Klopfen nicht nachließ, stand ber 64jährige D. auf unb verbat sich diesen Unfug. Hierbei erhielt er von dem draußenstehenben F. einen Schlag vor ben Kops, so baß er tot zu Boden siel. Der Verstorbene, der längere Zeit herzleidenb war, hat möglicherweise durch die Aus. regung einen Herzschlag erlitten. Der Täter ist flüchtig.
Bunte Zeitung.
— Der Rückgang des Enzians. Dr. Gift! hat während der letzten sechs Jahre sorgfältige Zählungen der Enzianpflanzen auf einer 8000 Quadratmeter großen Fläche durchgefuhrt Dabei ergaben sich gegenüber 24 500 Pflanzen im Jahre 1920 für 1925 nur 1500 Pflanzen. Die sich" in diesem Ergebnis kundgebenbe erschreckenbe Abnahme bes Enzians beweist dringlich die unbedingte Notwendigkett des ausgiebigen Schutzes unserer Alpen, pflanzen.
— Allerlei Weisheit. Wenn ein Mensch im Größen- verhältnis zu einer Fliege bie gleiche Geschwinbig- teil entwickeln wollte wie diese, so müßte er mit 9180 Kilometer Stunbengeschwinbigkeit Herumfliegen. — Die Geschwinbigkeit eines Gebauten beträgt nur ungefähr 30 Meter in ber Sekunbe. — Jedes Dorf auf Samoa hat eine Herberge, eine sog. Faletale, wo Wanberer völlig freie Ausnahme finben. — Das älteste Kochbuch, welches man kennt, ist bereits 1475 in Venedig erschienen. — In ben Pariser stäbtischen Pfanbhäusern sind ftänbtg 50 000 bis 60 000 Trauringe vorhanden, bie aus Rot als Letztes von ben armen Leuten versetzt würben.
tDirtfcffaftsfraaen.
— Herabsetzung btt belgischen Vankraie. Die bet« gische Nationalbank hat den Wechseldiskont von 6 auf 5% Proz. ermäßigt.
5lus meiner Lebenstruhe.
Don Johannes R e i che It.
Wer um einer guten Idee willen nicht hundertmal in seinem Leben den seligen Tod der Ueber- zeugung stirbt, wer nicht in tiefste Abgründe sieht und ihre Schrecken lebt, wandelt nicht auf ragen- den Höhen.
Auch der Aermste wird reich, wenn er die eigenen Bronnen in seinem Herzen ergräbt.
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Schwache und kleine Naturen brechen unter dem Schmerze zusammen; aber die Starken, denen wohl der Schmerz eine flüchtige Falte gräbt, aber ihnen das Auge trotzig und hell macht, finden Quellen der Empfängniskrast aus eigenen Gnaden. Und sind Jahre vergangen, so segnen sie die überwundenen Enttäuschungen, die andere verzweifetn Netzen, und schreiten selbstbewußt zielwärts.
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Jedes gedruckte Wort ist Samen, der im Bernden Herzen aufgeht als Nutzpflanze oder Unkraut. Gärtner, die Unkraut säen, gibt es nicht. Welch ungeheure Macht und Verantwortung ist dem schreibenden Dolkserzieher in die Hand gegeben!
— Vom Sonnkagrverkehr. vom 15. Mai 1927 ab werden die Sonntagsfahrkarten von Vollmerz nach Fulda oder Brückenau-Bad auch nach Brückenau-Stadt ausgegeben.
--- Bewertung zwangsbewirtschafteter Grund- stücke. Es ist seinerzeit der Oeffentlichkeit bekannt- gegeben worden, daß der Verband Hessen- Nassauischer Industrie - und Handelskammern gemeinsam mit dem hessischen Industrie- und Handelskammertaq gegen die höhere Be- wertung zwangsbewirtschafteter Grundstücke in den Bezirken der Landesfinanzämter Kassel und Darmstadt im Vergleich zu Berlin, Hamburg, Mün- ster, Köln usw. Einspruch erhoben hat. Wie die Industrie- und Handelskammer Frankfurt a. M.» Hanau mitteilt, hat der Reichsminister der Finan- zen zu dieser Eingabe nunmehr in einem Erlaß
Bekanntlich werden Kinder von Hunden oft abge- leckt, und da die Kleinen sich dagegen nicht wehren kön- nen, läßt die Gefahr einer Hunbebandwurmverschlep- pung burch ben Hund sich nicht immer ausschließen. Es märe wünschenswert, wenn Hundebesitzer ihre Hunde von Zeit zu Zeit regelmäßig hinsichtlich Bandwürmer tierärztlich untersuchen ließen. Falls solche vorhanden wären, würde der Hund entsprechend behandelt. Die radikale Forderung eines Hygienikers, daß Hunde in Familien mit Kindern überhaupt nicht gehalten wer- den sollen, ist wohl übertrieben.
Lebensmitlelprelse in alter Seit.
Don Hans Runge- Braunschweig.
Alte vergilbte Berichte über Lebensmittelpreise, die im 14.—17. Jahrhundert gebräuchlich waren, liegen uns noch heute in großer Anzahl handschriftlich und gedruckt vor. Wohl jede alte deutsche Stadt besitzt solche Doku, mente in ihren Archiven. Es ist vielleicht von Interesse zu erfahren, wieviel, ober bester gesagt, wie wenig unsere Altvorderen für ihre täglichen Lebensbedürfnisse aufwenden mußten.
Beginnen wir mit den Fetten, den unentbehrlich-« Nahrungsmitteln ersten Ranges. Da finden mir, daß Butter, die Königin aller Fettarten, ums Jahr 1380 in nordwestdeutschen Gauen das Pfund 2 Pfennig kostete. Eine Buttertonne konnte man für Mk. 4.— erhalten. Eine Speckseite im Gewicht von 20 Pfund war für 40 Pfg. feil. Im Jahre 1544 kostete ein Zentner (Stein) Schmalz im Hannoverschen und in Braunschweig noch nicht 3 Taler.
Was waren das für Zeiten! Im Jahre 1301 kostete eine alte Henne 2 Pfennig: ein Dutzend Eier einen Pfennig. Für acht Heringe bezahlte man ebenfoviel.
Im Jahre 1380 kostete im Bremischen, im Holstei- Nischen, in Schleswig usw. eine Kuh 3 Schillinge, ein ganzer Hammel 4 Silber- ober Weißpsennige. Der Kleinpreis war dementsprechend.
Wohlseil waren auch die Fischpreise zu nennen, wenn sie auch höher waren als die Preise für Fleisch. 1388 kostete eine Tonne bester Heringe wenig mehr als einen guten Reichstaler. Die Süßwasserfische kosteten 12—20 Pfennig das Psund,
Der Konkurrenzkampf der Wasserkraft.
Schon feit mehr als fünf Jahren macht sich ganz besonders in England große Unruhe bemerkbar über die langsame aber stetige Abnahme des Steinkohlenexportes. Zu einem guten Teile schreibt man die Verminderung des Exportes auch der zunehmenden Ausbeutung der Wasserkräfteku. Im Sabre 1920 zählte man In der ganzen Welt eine Gesamtsumme von 23 Millionen Pferdekräften, die man aus der Energie von Wasserfällen, schnell strömenden Flüssen, künstlich geflauten Gewässern usw. erhielt. Im 3abre 1923 war die Summe auf 29 Millionen gestiegen und heute hat man schon mehr als 35 Millionen. Vor dem Kriege waren es nur 15 Millionen, so daß eine Zunahme von 20 Millionen Pferdekräften festgestellt werden kann. Eine Pferdekrast- stunde kommt ungefähr 600 Kalorien gleich und da man im Durchschnitt den Nutzeffekt von Dampfmaschinen (die tatsächlich geleistete Arbeit nach 2£b» zug der Reibungsverluste) nicht hoher ansetzen kann als mit 10 Prozent, so kann gesagt werden, daß für eine Pferdekraftstunde ungefähr 6000 Kalorien oder ungefähr 800 Gramm Steinkohle nötig sind, auch wieder durchschnittlich genommen, sodaß die Kapazität von 20 Millionen Pjerdekräf- ten (für den ganzen Tag gerechnet, was in ben meisten Fällen nicht zulässig sein wird) einem Kohlenverbrauch von 20 000 000 mal 0,8 Kilogramm, d. i. 384 000 Tonnen pro Tag beträgt. Das ergibt mithin pro Jahr ungefähr 150 Millionen Tonnen, die heute weniger nötig sind, als vor zwölf Jabren.
Nun freilich ist zu bemerken, daß die Meng» ungefähr durch drei geteilt werden muß, da ts in vielen Fallen nur während einer Zeit von acht Stunden nötig ist, eine Fabrik in Gang zu halten, sodaß es vielfach sogar eine schwierige Frage tft, was man mit der Energie während der übrigen Zeit anfangen soll. Oft wird deshalb der uuydj die Wasserkräfte erzeugte elektrische Strom während der stillen Stunden zur Erzeugung von Bor- ratsbanrpf verwendet, der dann fpeter für allerlei Heizwerke gebraucht wird. Man kann also sagen, daß infolge der zunehmenden Ausnutzung ber ftro- menben Gewässer in ben letzten zehn Jahren nahezu 50 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr erspart wurde.
In erster Linie wird ber englische Kohlenhandel durch diese Entwicklung betroffen. Einige Beispiele mögen das beweisen: fallen ja doch von der Gesamtvermehrung um 20 Millionen, die die weiße Kohle erfahren hat, ungefähr 10 Prozent, also 2 Millionen Pferdekräfte auf Frankreichs Rechnung, so daß {tiefes allein, das feinen Kohlen- bebarf zum größten Teil in England deckte, um 5 Millionen Tonnen jährlich weniger nötig hat.
In der Schweiz betrug die gesamte Wasserkraft bei völliger Ausnutzung 2,5 Mill. Pferde- fräfte, b. h 12, 5 Prozent ber gesamten Welt- erjeuflung. Am 1. Januar 1926 waren davon
mehr als ein Viertel in Gebrauch oder in Bau begriffen. Jetzt beläuft sich die maximale Besä- / stung aller wasserelektrischen Zentralen in der Schweiz auf 2 168 000 Pferdekräste, während eS , im Jahre 1924 nur 326 000 Pferdekräfte waren. , Die Folge dieser befferen Ausnutzung der Wasserkraft ist deutlich fühlbar in der Kohleneinsuhr. ■ Betrug diese 1913 noch 3,5 Millionen Tonnen, so ist sie heute auf 2,6 Millionen Tonnen gesunken. ) Von den wasserelektrischen Zentralen erzeugt die des Kantons Wallis die größte Menge und zwar ; 125 000 Pferdekräfte. Die Schweizer Eisenbahnen ; beanspruchen 10,3 Prozent der gesamten Pferde- - kraftmenge, bie Licht- unb Kraftversorgung rund . 52 Prozent.
Auch in Italien und Oesterreich geht > die Ausbeutung der Wasserkräfte mit Riesenschrit- j ten vorwärts. Vornehmlich Italien war ja neben j Frankreich bisher wegen des billigen Seetranspor- 1 tes auf englische Kohle angewiesen, wenn auch Frankreich selbst ein großer Kohlenproduzent war und ist.
Zweifellos gibt es noch eine Reihe von anderen . Gründen, die den Rückgang des Kohlenexportes '
nicht nur in England, sondern auch anderwärts in belangreichem Maße mitverursachen. In erster Linie muß hier bie gewaltige Steigerung im Gebrauche von Heizöl genannt werben, sowohl für bie Dampferzeugung, als für den Motorbetrieb. I Die gesamte Weltproduktion an Petroleum beträgt | eine Milliarde Barrels pro Jahr, die an Kalo- j rienroert ungefähr 250 Millionen Tonnen Stein- | kohlen ober einen Fünftel ber Weltkohlenproduk- । tion gleichkommen. Der hierburch verursachte Ties- 1 stand wird aber vermutlich vorübergehend fein, da j ja doch ein Zurückgehen ber Erbölgewinnung vor- i auszusehen ist, wenn nicht neue große Felder ge- \ fanden werden. Die modernen Erfindungen, dre ; es ermöglichen, aus Steinkohle Del ober andere j flüssige Brennstoffe herzustellen, werden dann vermutlich wieder eine Vergrößerung von Steinkoh- 1 lenerzeugunq unb -hanbel nötig machen.
Eine weitere Ursache ber Kohlendepression liegt ] ohne Zweifel in ber besseren Ausnutzung des Heiz- j wertes der Kohle im Vergleich zu früher. Hat f doch fast überall gezeigt, baß man der Erzielung ; eines entsprechenden Reinertrages aus der Stein- | kohle nicht genügende Aufmerksamkeit gewidmet | hat. Wenn eine Dampskesselanlaae einen durch- | schnittlichen Nutzeffekt von ungefähr 50 Prozent j ergibt, so ist das viel zu tief; dennoch hat man 1 in sehr vielen Fällen einen derartigen Untereffekt ruhig ertraoen. während ein mittlerer Arbeite- j effett von 65 Prozent sicher nicht zu hoch gegrif- j fen ist, da ja doch Fälle von 75 Prozent unb mehr mit einer gewissen Regelmäßigkeit immer häufiger werden. Allenthalten trachtete man denn auch- unrichtige Anlagen zu verbessern, was ohne Zweifel seine Rückwirkungen auf die benötigten Kohlenmengen in internationalen Handel hat.