Anzeiger für die Stabt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
Nr. 94
Sonntag, 24. April 1927
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilage: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actieudruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9.
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Der Stahlhelmtag.
Don einem besonderen Berliner Mitarbeiter wird V- vns geschrieben:
3n Nr. 17 der „Stahlhelm"-Zeitung kann man <tuf der zweiten Seite folgendes lesen: „Der Bundesführer hat mit Recht betont, daß die Stahlhelm- leutr in Ruhe nach Berlin ziehen und wieder fortgehen werden, daß sie aber dereinst wiederkommen werden, um dort zu bleiben. Dieses Wort ist selbstverständlich nicht, wie die böswillige Auslegung der Linken es darzustsllen versucht hat, als eine Aufforderung zum gewaltigen Vorgehen zu verstehen, es bedeutet vielmehr nur die Ankündigung, daß der Geist des Stahlhelm, der weite Teile des deutschen Vaterlandes siegreich erobert hat, nunmehr auch auf seinem unwiderstehlichen Vormarsch nicht vor der Reichshauptstadt Halt machen wird."
Es ist nicht das erste Mal, daß der Stahlhelm so die vor zwei Monaten gefallenen Worte seines Führers Seldte über den Marsch nach Berlin und das Bleiben in Berlin interpretieren muß. Bundesführer Seldte vertritt innerhalb der Stahlhelm-Organisation, die augenblicklich über 600 000 Mitglieder zählen soll, nicht den radikalen Flügel. Hier ist Düsterberg der düstere Geist. Seldte gehört zu den Stahlhelmleuten, die auch die Politik S t r e s e m a n ns anerkennen und die Verbindung dem Jungdeutschen Orden nicht verlieren möchten. Wer das wußte, hat auch in die Rede Seldtes vor zwei Monaten keine Putschabsichten hineinge- ckegt. Trotzdem muß gesagt werden, daß sein dro- chendes Wort vom „Bleiben in Berlin" mißverständlich gewesen ist, zumal, wenn man bedenkt, welches Echo es in den Gemütern der militärisch Organisierten Hunderttausende des Stahlhelm naturgemäß wecken mußte. Die Ausdrucksweise war also unvorsichtig und sie ist auch schuld, daß ' an den Stahlhelmtag in Berlin am 7. und 8. Mai allerhand Sorgen knüpfen. Diese Sorgen sind auch deshalb nicht grundlos, weil sich der Tenor fast sämtlicher Nummern der Stahlhelmzeitung der letzten Monate in der Tanskala hielt: „Das Wichtigste für uns ist die Gewinnung der po- sli tischen Macht." Zwar wird auch diese Parole wieder abschwächend kommentiert. Man spricht davon, daß sie nichts anderes bedeuten solle, als daß der Stahlhelm seine Aufgaben neuerdings nicht mehr auf dem militärischen, sondern auf dem p o - li tt sch en Gebiet suche, wie ja auch der Ausruf: „Hinein in diesen Staat wie ex, ist!" unverkennbar offenbare
Man muß in der Stahlhelm-Zeitung aber schon i f.. u^e nachsuchen, wie die Politik und das Staatsburgertum gepflegt wird. Gewöhnlich findet man nur Erinnerungsartikel an die heroische Kriegszelt oder Aufsätze, die die Stahlhelmgesin- starken sollen. Diese wird aber wieder rein ü™1 oder machtpolitisch verstanden, wobei der Messe des Stahlhelms Disziplin und Unter- ordnung gepredigt wird. Man erklärt, daß es tüchtige politische Kräfte in der Bewegung gäbe, man sagt aber garnicht oder nur sehr selten und andeutungsweise, welchen Inhalt ihre politische Gesinnung hat und welchem politischen Ziel zuge- arbeitet wurde. So bleibt denn als Niederschlag politischer Erkenntnis bei einer fortgesetzten Lek- ture des Stahlhelm nichts anderes übrig, als daß "".,Q U eP. *1 *1 ö r i s ch gedrillt werden, da- my NE hinter gewissen, noch unbekannten politischen Führern tapfer und unbeirrt einhermarschieren, wenn diese sich anschicken, auf irgend einem Wege sei es direkt oder indirekt, die politische ME in die Hand zu nehmen. So wie das Mili- tarische in sich etwas Handwerkliches und Technisches ist, so wird auch das angeblich neuerdings gepflegte Politische zunächst nur organisatorisch und EEchyisch begriffen. Wie eine Litanei wiederholt sich durch jede Stahlhelm-Zeitung die stereotype Forderung: Wir müssen die Macht bekommen. Was man mit der Macht anfangen wird, darüber ist noch sehr wenig gesagt. Es scheint nur so, daß Herrn Mussolini alsdann nachahmen wird, dessen „Magna Charta" der Arbeit vorläufig im Vordergründe zu stehen scheint.
Man hat den Eindruck, daß die Dernachlässi- aung der geistigen Erziehung des Stahlhelms, die- ses Abstellen des Politischen nur auf Drill und .äußerlichen Machtbesitz unter Umständen Gefahren •tn sich bergen kann, wenn nicht in der Stahl- .helnwrganisation das Gefühl lebendig bleibt, daß für die Aufrechterhaltung der bestehenden Ordnung m Berlin eine stärkere Macht als die Stahlhelm- Demonstranten sie darstellen, zur Verfügung steht. Die Besorgnisse wegen des 7. und 8. Mai haben sich dadurch vermehrt, daß die k o m m v n i st i s ch e I ',Z.a r t e t es offenkundig auf Provokation absieht. -Sie hat zunächst einen Verkehrs st reik für Derlin inszenieren wollen, ist aber dabei auf den Widerstand der Gewerkschaften gestoßen, die den Stahlhelmdemonstranten natürlich keine Chancen für politische Dummheiten geben wollen. So wollen die Kommunisten denn jetzt am 7. und 8. Mai Gegenkundgebungen veranstalten, wobei natürlich die Gefahr blutiger Zusammenstöße gegeben ist. Wahrscheinlich werden diese Kundgebungen verboten, da es seit langem Hebung der Berliner Polizei ist, Kundgebungen aus verschiedenen politischen Lagern auf den öffentlichen Straßen und Platzen nicht zu gleicher Zeit zuzulassen. Die So- zialdemokratie ist über die unverständlichen und kindlichen Manöver der Kommunisten sehr entrüstet und sucht sie zu verspotten. Vom Reichs- banner ist die Parole ausgegeben worden, zuhause xu bleiben und den Stahlhelm sich ausloben zu lassen. Nichtsdestoweniger steht die Berliner Polizei für den 7. und 8. Mai in erhöhter Alarmbercsit- fchaft, und sie dürfte sehr froh sein, wenn die Tage ohne besondere Zwischenfälle vorübergehen. Die Verfassung erlaubt selbstverständlich parteipolitische ^usammenkünftfe und Kundgebungen auch auf der vtraße, und das Berliner Polizeipräsidium hat «Vtz der mißverständlichen Reden des Stahlhelm
führers Seldte die Massenkundgebungen auch g e - stattet, obwohl es nicht an Versuchen gefehlt hat, ein Verbot durchzusetzen.
Der Stahlhelm hätte es natürlich sehr gern gesehen, wenn der Reichspräsident Hindenburg an der Tagung teilgenommen hätte. Aber Hindenburg wird an den beiden Tagen nicht in Ber - l i n weilen. Die Deutsche Zeitung ist darüber sehr entrüstet und wirft dem Reichspräsidenten bmo- kratische Formalismus vor. Wir sind im Gegenteil der Meinung, daß von Hindenburg sehr gut beraten war, als er sich entschloß, diesen einseitigen machtpolitischen Demonstrationen fern zu bleiben.
* Erhöhung des Zuckerzolls bevorstehend? Dem Reichstag dürfte laut einer sozialistischen Korre
spondenz demnächst eine Vorlage zugehen, die eine SOprozentige Erhöhung des Zuckerzolls vorsieht. Voraussichtlich werde der Entwurf noch im Juni vor den Reichstag kommen. Die Frage einer entsprechenden Ermäßigung der Zucker st euer werde von den zuständigen Stellen noch erörtert.
* verbot von Maifeiern in Bayern. Die Polizeidirektion München hat die von der Ortsgruppe München der kommunistischen Partei für Sonntag, den 1. Mai geplante Maifeier verboten sowie den Anschlag der die Maifeier ankündigenden Plakate untersagt. Ebenso wurde eine von der kommunistischen Partei Deutschlands für den 1. Mai einberufene Volksversammlung mit dem Thema: „Die Bedeutung des 1. Mai" verboten.
Leitgedanken der China-Betrachtung.
Von Hermann Wilhelm R e u ß - Berlin.
Wer wird noch aus dem chinesischen Wirrwarr klug? Täglich überfluten ungezählte Nachrichten die große Chinesische Mauer, hinter der das Millionenvolk der Mitte jahrhundertelang im tiefen Schweigen der Welt dahindämmerte.
Dieses kalte Schweigen ist gebrochen. Lauter Lärm ist an seine Stelle getreten! Ein Widerhall der zujammenpiallenden Armeen, die heute das „B'umenreich der Mitte" roh zertreten.
Widerspruchsvoll häuft sich Bericht an Bericht, Nachrichten durcheilen wie ein Lauffeuer den Blätterwald der ganzen Welt: sie bringen statt Klarheit Verwirrung, statt der erwarteten Uebersicht vermitteln sie den Eindruck eines buntscheckigen und chaotischen Durcheinander!
Die Uederheblichkeit, mit der wir früher achselzuckend China als ein minderwertiges Land in unserem sonstigen Streben nach dem Wissen um die Dinge dieser Welt übergingen, rächt sich heute in der Ratlosigkeit, mit der wir dem großen Völkerbrande im fernen Osten gegenüberstehen: China : ist für uns eine terra incogniia!
Und doch ist die Hebersicht über das Geschehen am Stillen Ozean nicht allzu schwer zu erringen! Das Durcheinander ist nicht so planlos, wie es erscheint. Es gibt Leute — hesonders in England —, die da meinen, alles, was in China geschehe, sei Heller Wahnsinn- gesetzt — so fei es, bann steckt , in diesem Wahnsinn doch Methode!
Es gibt gewisse Grundzüge im Wirrwarr der chinesischen Dinge, Leitgedanken für den ernsten Betrachter, die feinem forschenden Sinn in dem buntschillernden Durcheinander immer wieder richtunggebend die Orientierung vermitteln.
Diese Gedanken wollen wir suchen!
In China herrschte bis 1912 eine Dynastie — China war ein Kaiserreich, an dessen Spitze ein Sproß der alten, tatkräftigen Mandschu-Herrscher aus der Mandschurei stand. Das Kaisertum hielt die vierhundert Millionen wie eine eiserne Klammer zusammen. Worauf beruhte diese Macht der Mandschu-Herrscher? Etwa auf den Gewaltmitteln, über die sie verfügten? O, nein! Vielmehr verhielt sich die Sache so:
Seit Jahrtausenden hielten die Chinesen die Lehren Konfutses heilig. Konsutses Lehren «her waren in ihrem innersten Wesen durchdrungen von einem konservativen Geiste. In drei Hauptgeboten atmete dieser Geist des Konsutse: Heilighaltung der Familie und Heilighaltung des Kaisers. An dieser Lehre hing mit Inbrunst das ganze chinesische Volk.
China mar durch tausend heilige Bande eng miteinander verbunden: das Volk China war nicht die bloße Zusammenfassung von Millionen einzelner Menschen, — es war selbst eine Person von besonderer Art, eine Collektivperson. Der Geist der Verbundenheit, der Solidarität, der Zusammengehörigkeit hielt die Einzelnen fest miteinander umschlungen.
Da kam in dieses Land der wesentliche Geist, der Geist des Individualismus. Die Amerikaner als extremste Vorkämpfer dieses individualistischen Geistes, trieben jahrzehntelang eine systematische Kulturpropaganda in dem chinesischen Lande.
Die Saat reifte! 3m Jahre 1906 wurden die konfuzianischen Staatsprüfungen, die seither als Voraussetzung zu Bekleidung höherer öffentlicher Aemter gegolten und den Geist des Konfuzius geatmet hatten, durch kaiserliches Dekret abgeschafft. Die Dynastie hatte ihr Grab selbst gegraben, in dem sie schließlich 1912 tatsächlich verschwand. Eine Revolution brachte China die republikanische Staatsform, zerriß aber die Einheit des Landes, weil der individualistische Geist der chinesischen Generale in wütenden Machtkämpfen wahre Orgien feierte.
Diese inneren Kämpfe hatten ein nur nach innen gewandtes Gesicht. Da keimte in Kanton, — von Moskowiter Land sorgsam gepflegt —, ein Geist heran, der entschieden Front nach außen, gegen die wesllichen Hnterdrückermächte, machte und — China den Chinesen! — rief.
Diese sogenannte nationalistische Bewegung, die für China nicht etwa übertriebene nationale Ideale erstrebte, sondern das selbstverständlichste Völkerrecht auf Freiheit und Selbstbestimmung für sich in Anspruch nahm, mußte gegen die ideenlose Machtbegierde der nördlichen Generale Front machen, weil diese immer wieder in skrupelloser Geldgier nach den ausländischen Mächten schielten und das erste und ernsteste Hindernis für die Befreiung Chinas von auswärtiger Bevormundung darstell- ten.
Der siegreiche Vorstoß der begeisterten kantonesischen Truppen hat bis zum Iangtsebecken im mittleren China geführt. Die ehedem rivalisierenden Generale des Nordens fanden sich zwangsweise unter Tschangtsolin, dem Beherrscher der Mandschurei, zur Abwehr zusammen.
Der Kampf Kantons gegen den Norden ist nur unter Einschaltung der außenpolitischen Gesichts
punkte zu verstehen. Daher ist die allseitige Sympathie und die bald offene, bald verdeckte Unter- stützung der „interessierten Mächte" für den Norden nichts anderes als die Auswirkung der inneren Logik der Dinge.
Die ursprünglich in Kanton seßhafte, nationale Bewegung hat neuerdings ein Mißgeschick besonderer Art erleiden müssen. Sie mußte den Tribut für die russische Unterstützung auf eine eigene Weise bezahlen.
Selbstverständlich hatte Rußland die Zeit des Einvernehmens mit Kanton dazu benutzt, der jungen nationalen Bewegung den Geist des Kommunismus einzuimpfen. Den Südchinesen war an der russischen Hilfe natürlich sehr gelegen, so daß sie — um sich dieser Hilfe zu versichern — die Propaganda der Sowjets in Kauf nehmen müßten. Sie hohen das sicher in der Erwartung getan, daß sie nach gelungenem Werk den russischen Mohren, nachdem, er seine Schuldigkeit getan habe, ungestraft wieder fortschicken könnten.
Es hat sich nunmehr aber gezeigt, daß die Volksmassen Chinas für den Bolschewismus nicht unempfindlich find. In Nanking hat sich ein Herd kommunistischer Gesinnung gebildet, der für die getarnte nationale Bewegung schon heute insofern äußerst gefährlich geworden ist, als er eine tiefgreifende Entzweiung im nationalen Lager zur Folge hatte.
Vis zur Auseinandersetzung zwischen diesen beiden feindlichen Brüdern unter der nationalen Bewegung ist die Schlagkraft des kantonesischen Heeres natürlich gehemmt. Damit aber ist auch deren entscheidende Auseinandersetzung mit den nördlichen Generalen abermals in die Länge gezogen und der Prozeß der inneren Konsolidierung Chinas ins Stocken geraten.
(Erklärungen Tschangkaischeks.
Der Sonderkorrespondent der Havasagentur in Schanghai meldet: Tschanghaischek hat erklärt, daß die a n t i k o m m u n i st i s ch e Spaltung, die er hervorgerufen hat, nichts an dem Ziele der revolutionären chinesischen Bewegung ändere, sondern daß man weiter die Verwirklichung der drei Grundsätze Sunyatsens anstrebt, nämlich l.G I e ich- heit derNassen, 2. Demokratisierung Chinas und 3. soziale Reformen. Die Zurückerhaltung der Konzessionen ist in diesem Programm enthalten, aber Tschangkaischek will lediglich mit friedlichen Mitteln der Diplomatie diese durchzusetzen suchen. Wenn T s ch a g t f o I i n, der Machthaber im Norden, diese drei Grundsätze an- nehmen würde, könnte er mit ihm ein Kompromiß schließen, das allein den Frieden im Innern sichern könne. Tschangkaischek zweifelt daran, daß die Kommunisten von Hankau in der Lage sind, wirksam gegen Nanking vorzugehen. Er habe Befehl gegeben, Borodin festzunehmen und Maßnahmen gegen die Russen, die sich noch bei den nationalistischen Truppen befinden, zu ergreifen.
Diese Erklärungen Tschankaischeks, so bemerkt der Havaskorrespondent, müssen mit Vorbehalt ausgenommen werden. Eine Verständigung mit Tschangtsolin sei gewiß möglich, aber die Schwierigkeiten bei Verteilung der Posten unter die einzelnen Generäle macht sie unsicher. Was Hankau anbetreffe, so dürfe man die Macht der Kommunisten, die von Russen organisiert feien, nicht unter« schätzen, zumal sich bei den gemäßigten Truppen fchon Regelwidrigkeiten gezeigt hätten. Drei Probleme seien auf der Tagesordnung, nämlich 1. der Kampf der Kommunisten und der Gemäßigten am Blauen Fluße, 2. die eventuelle Verständigung der Nordtruppen mit Tschangkaischek und 3. das Eingreifen der Mächte auf Betreiben Englands. Diese Fragen würden zweifelsohne noch einige Tage unlösbar bleiben, aber die Lage könne durch jedwede Zwischenfälle verändert werden.
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Der Sonderberichterstatter des „Temps" in Peking berichtet, daß man in Kreisen Nordchinas die Umstellung Tschangkaischeks wenig Vertrauen zu schenken scheine. Man erkläre allgemein, er wolle nunmehr eine versöhnliche Rolle spielen, bleibe aber trotzdem Anhänger Moskaus. Die Fremdenfeindlichkeit in China bleibe die gleiche. Die Südchinesen behielten ihr Ziel, das die Eroberung Nordchinas sei, bei. Ihr Aktionsprogramm werde in einem äußerst wichtigen Dokument klar bestimmt, das bei der Haussuchung beim russischen Militärattachee gefunden sei. Bei diesem Dokument handele es sich um nicht weniger als um die von dem Moskauer Exekutivausschuß für die in China geplanten Aktionen gegebenen Instruktionen. Das Dokument sei durch das bei der Haussuchung angelegte Feuer leicht beschädigt worden. Der Schluß fehle. Ader was davon übrig geblieben fei. aenüae. um zu beweisen, daß die chine
* Der Reichsminisier des Innern in München. Reichsminister von Kendel ist Samstag vormittag zu Besprechungen mit dem Ministerpräsidenten und dem Minister des Innern in München eingetroffen.
* Botschafter von hoesch erkrankt. Nach einer Meldung der „B. Z. am Mittag" ist der deutsche Botschafter in P a r i s von Hoesch an einer eitrigen Angina erkrankt, die eine Hals- Operation notwendig gemacht hat. Es handele sich um einen ungefährlichen Mandelschnitt. Das Befinden des Botschafters fei so gut, daß er die Amtsgeschäfte weiter führen könne.
fische Revolution in Rußland gemacht sei. Das Dokument besage ausdrücklich, daß man durch Aufreizung der Massen in der von Tschangtsolin besetzten Zone ein Eingreifen der fremden Mächte provozieren müsse.
Tschens Nachfolger.
Aus Nanking meldet Reuter: Die neue nationalistische Regierung hat Dr. T s ch a o tu s ch u w u zum Minister des Auswärtigen ernannt. Minister Tschen wird noch so lange im Amte bleiben, bis die Angelegenheit des Zwischenfalls von Nanking geregelt ist.
Notmaßnahmen in Hankau.
Der Britische Funkdienst meldet aus Hankau, daß auf Anordnung de-- dortigen nationalistischen Regierungsbehörden die Chinesenstaoi Haus für Haus nach Silbervorräte'n durchsucht wird. Ebenso werden Straßenpassanten, soweit sie Chinesen sind, angehalten und nach Silber durchsucht. Die Kohlen- und Reisvorräte finc infolge der herrschenden Knappheit beschlagnahmt und rationiert worden.
Vie Mächte.
Der neue japanische Minisierprcisidetft über seine Politik.
Der Ministerpräsident Baron Tanaka erklärte über die Absichten der von ihm gebildeten neuen Regierung, daß das wesentlichste Ziel des Kabinetts darin bestehe, die wirtschaftliche Gesundung des Landes herbeizuführen. Zur Chinafrage erklärte der Ministerpräsident, er möchte die Aufmerksamkeit des chinesischen Volkes auf die Tatsache lenken, daß es China möglich sei, die Erfüllung feiner berechtigten Ansprüche zu erreichen, ohne damit seinen Beziehungen zu den Großmächten zu schaden. Der Ministerpräsident berührte bann auch die von den Kommunisten in China entwickelte Tätigkeit und erklärte, Japan könne diesen Erscheinungen gegen- genüber nicht gleichgültig bleiben und sei bereit, mit den übrigen Mächten zusammen; u- ar beiten.
Frankreichs Schwenkung.
Im Verlaufe des Ministerrates in Paris hat Außenminister Briand über die auswärtige Sage, insbesondere über die chinesische Frage, Bericht erstattet. Nach Beendigung der Beratung bestätigte er, daß zwischen der französischen und der englischen Regierung eine vollkommene Heberein st immung hinsichtlich der China zu übermittelnden Note bestehe und daß diese Hebereinstimmung stets zwischen den beiden Mächen bestanden habe.
Seemannsftreift in Kanton.
Reuter meldet aus Hongkong: Die Gewerkschaft der chinesischen Seeleute hat zum Zeichen des Protestes gegen die Unterbrütfung ber Gewerkschaften seitens ber neuen nationalistischen Regierung über alle im Hafen von Kanton liegenben chinesischen wie auslänbifdien Flußbampfer mit sofortiger Wirkung ben Streik verhängt.
Die Wahlrechtsreform.
Die Mitteilung, baß ber Entwurf zur Aenbe- rung des Reichs Wahlrechts, der bereits der letzten Reichsregierung Vorgelegen hat, nunmehr mit geringfügigen Aenderungen von ber neuen Regierung bem Reichstag unterbreitet werben wird, wirb von bem Demokratischen Zeitungsdienst für unzutreffend erklärt, weil Reichsminister des Innern v. Keubell über bie Ausgestaltung ber Wahlrefornworlage noch keine Entschei» bung getroffen habe.
Zur wahlresorm in Baben.
Der Slbgeorbnete Seubert hatte in Siner Zentrumsversammlung in Bühl mitMleiU, baß bie neue Wahlrechtsvorlage für ben Badischen Landtag bereits vom ©taatsmlnifterium v e r a b - schiedet fei. Wie wir von zuständiger Seite erfahren, ist dies nicht richtig. Die Besprechungen scheinen aber soweit gediehen zu sein, daß mit der baldigen Einbringung ber Vorlage im ßanbtog zu rechnen ist.___________ _________
Bus dem Land der Griechen.
Beschleunigte Berabschiedung der griechischen Bcrsiis- snng. — Kounduriotis bleibt Präsident.
Aus Achen wird gemeldet: Die griechische Regierung hat beschlosfen, alle Maßnahmen zu ergreifen, um die Verabschiedung der Verfassung, von der nur noch einige Artikel zu beraten sind, zu beschleunigen. Sie wird so rasch als möglich den Entwurf einer Entschließung vorlegen, in der zur Herbeiführung der Ratifizierung der Dersassungsurkunde vor dem 31. Mai alle anderen Beratungen für unzulässig erklärt werden. Aufgrund dieses Beschlusses hat der Präsident der Republik Kounduriotis, bei wegen der Verzögerung der Beratungen über die Verfassung beabsichtigte, zu demissionieren, diese Absicht aufaeaeben.