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Fuldaer Zertung

Anzeiger für die Stabt Fulda unb ben Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Anzeigen-P auswärts 0,20

Freitag, 22. April 1927.

Nr. 92.

Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 4051.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilage: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk.

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Iie Mimenze der Welten BAKilWszone.

rotb. Koblenz, 21. April. (Eig. Funkm.) Das Oberpräsidium gibt bekannt: Durch Abkommen vom 9. April 1927 der Reichskommission für die besetzten Gebiete und der interalliierten Rhein­landkommission ist die nördliche Demarkationslinie der 2. Besatzungszone nun im einzelnen festgesetzt worden. Das Abkommen tritt am 1. Mai dieses Jahres in Kraft. Die Demarkationslinie wird hauptsächlich von Landstraßen und Eisenbahnlinien gebildet. Um das der Besatzung zustehende Ver­kehrsrecht auch im Interesse der deutschen Bevöl­kerung reibungslos zu gestalten, sind sogenannte Uebergangs st reifen gebildet worden, die se nach den örtlichen Verhältnissen gewisse Gelände­gebiete nördlich und südlich der Demarkationslinie

* Abendessen des Reichspräsidenten in Hanno­ver. Wie die „Tägl. Rundschau" meldet, gab Reichspräsident v. Hindenburg in Hannover ein Abendessen, zu dem neben den Spitzen der Be­hörden eine Reihe privater Persönlichkeiten ge­laden war. Wie dem Blatt zufolge aus gut un­terrichteter Quelle verlautet, ist das Souper als ein Abschiedsessen zu betrachten, das zur Zeit bei der Uebersredlung des Reichspräsidenten von Hannover nach Berlin aus besonderen Gründen nicht gegeben wurde.

* keine Rückkehr des Fürsten Bismarck in den Reichstag. Der dcutschnationale Reichstagsabge­ordnete Fürst Otto v. Bismarck, der bekanntlich in den diplomatischen Dien st eintreten will, hat nach einer Meldung der „Deutschen Zeitung" den oldenburgischen Landesverband der Deutsch­nationalen Volkspartei ersucht, von seiner noch­maligen Aufstellung als Reichstagskandidat A b • stand zu nehmen.

* Die Ausführungsbeikimmungen zum Arbeits­zeitnotgesetz. Laut „Vorwärts" fanden im Reichs»

umfassen. Die Besatzung hat als Gegenleistung Zugeständnisse für die Ausführung des Besatzungs- Regimes in gewissen Teilen des noch besetzt blei­benden Gebietes gemacht. So soll Bad Neuen­ahr grundsätzlich von Besatzung frei blei­ben und von Kontrollen der Personalausweise soll dort möglichst abgesehen werden. Der Oberprä­sident der Rheinprovinz fordert in einer Bekannt­machung, die in dem Uebergangsstreifen zum An­schlag gekommen ist, die Bevölkerung auf, das Verkehrsrecht der Besatzung zu re­spektieren. Ruhe und Ordnung müsse unter allen Umständen gewahrt werden. Zuwiderhand­lungen gegen gesetzliche und polizeiliche Bestimmun­gen würden bestraft werden.

arbeitsministerium Besprechungen mit den Spitzen­organisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer über die Ausführungsbestimmungen zum Arbeits­zeitnotgesetz statt. Das Reichsarbeitsministerium wird nun dis Ausführungsbestimmungen endgül­tig formulieren und sie dem Reichsrat zuleiten. Nach Zustimmung des Reichsrats werden sie gegen Ende des Monats herauskommen.

* Neuorganisation des italienischen Roten Kreu­zes. Durch ein königliches Dekret werden das Zentralkomitee und das Leitungskomitee des italienischenRoten Kreuzes auf» gelöst. An ihre Stelle tritt ein Kommissar mit der Vollmacht, das italienische Rote Kreuz zu leiten und besonders Beamte zu ernennen und zu entlassen.

* Eine Erklärung veniselos. Wie havas aus Athen berichtet, hat Drniselos bei seiner Ankunft in Kreta erklärt, er werde sich jeder Ein­mischung in die Politik enthalten.

Amerikas Kamps am die Abröstung zur See.

Von Dr. Paul Ostwald.

Der Vorschlag, mit dem der amerikanische Prä­sident Eoolidge an die Mächte des Washingtoner Abkommens herangetreten ist, auf einer neuen Ab­rüstungskonferenz feste vertragliche Regelungen auch für die kleineren Schiffseinheiten festzusetzen, ist nicht auf allzu große Bereitwilligkeit und Be- zeisterung gestoßen. Vor allem haben Frank­reich und Italien abgelehnt, und es ist nicht zu erwarten, daß sie sich noch zu einer anderen Meinung bekehren lassen werden. Für Frankreich ist heute die militärische und wirtschaftliche Ab­hängigkeit von seinem nordafrikanischen Kolonial­reich eine derartige geworden, daß jede Gefähr­dung seiner Verbindung mit ihm an die Wurzeln seiner Macht greift. Den Plänen und Absichten Coolidges aber nachgeben, würde Frankreich nichts anderes bedeuten als diese ihm so notwendige Verbindung mit Nordafrika England auszuliefern und sich dadurch selbst in englische Hand zu be­geben. Frankreich braucht seine Kreuzer, seine U- Boote und Flugzeuge, wenn es im westlichen Mit­telmeer sich behaupten will, und wie diese Gründe für die Pariser Politik bereits im Jahre 1922 in Washington ausschlaggebend waren, als sich ihre Vertreter den amerikanischen Vorschlägen wider­setzten, die Über eine vertragliche Regelung der Großkampfschiffe hinausgingen, so sind diese Gründe auch heute noch entscheidend geblieben. Seute sogar noch mehr als damals, denn heute egen die Verhältnisse für Frankreich noch insofern ungünstiger, als es nicht nur mit der englischen Rivalität im Mittelmeer, sondern auch mit der italienischen zu rechnen hat. Frankreich sieht sich heute einem englisch-italienischen Bündnis im Mit- telmeer gegenüber, das ihm erst recht die Ver­pflichtung maritimer Rüstung auferlegt. Damit aber berühren wir auch schon die Gründe, die Ita­liens ablehnende Haltung dem neuen amerikani­schen Vorschläge gegenüber erklären. A l s Degen Englands entfaltet Italien heute im Mittel­meergebiet eine starke aktive Politik, und mögen die Ursachen dazu in dem Imperialismus der faschi- stischen Regierung oder in der dauernd wachsen­den Raumnot des italienischen Volkes oder gar in beiden zusammen zu suchen sein, der ungestümer gewordene Drang Italiens nach den benachbarten und vor den Toren Italiens liegenden Mittelmeer- gebieten ist da, mit ihm muß die römische Politik rechnen. Die Grundlage dafür bleibt ober auch hier eine maritime Rüstung; eine über die Wa­shingtoner Abmachungen hinaus gehende w'itere Einschränkung der Seerüstung ist für Rom zurzeit unannehmbar, und zwar umfomehr, als sich auch Frankreich nicht dazu entschließen kann.

Die parteipolitischen Gegner des amerikanischen Präsidenten Haden es denn auch nicht unterlassen, auf Grund der ablehnenden Antworten Italiens unb Frankreichs sich recht skeptisch über die Aus­sichten der neuen maritimen Abrüstungskonferenz auszusprechen und zll betonen, daß die Denkschrift des Präsidenten am besten unterblieben wäre. Sie vergessen dabei aber eins, daß der amerikanischen Politik gar nicht so viel an einer Teilnahme Frank- reichs ober Italiens an der neuen Abrüstungskon­ferenz gelegen ist. Denn Amerikas Interesse an ben Mittelmeerproblemen ist nur gering. Di: Spitze seiner Abrüstungsbestrebungen, richtet sich vielmehr gegen Japan. Das große Ziel, dem Amerika zustredt, ist die unangefochtene Herrschaft über den Stillen Ozean, die es allenfalls zunächst noch mit England an zweiter Stelle zu teilen bereit ist. Zwar hat Japan feinen noch im Weltkriege Seträumten Traum einer Vorherrschaft im Stillen 'zean feit der Washingtoner Konferenz aufgeben müssen, aber seine Anstrengungen, die es seitdem im Kreuzer- unb U-Boot-Bau gemacht hat unb noch macht, sind doch beunruhigend genug. So

wird Japan im Jahre 1929 über mehr neue Kreu­zer verfügen, als die Vereinigten Staaten unb über mehr als Englanb, unb bereitwillig hat dos japanische Parlament auch in biefem Jahre die nicht geringen Mehrsorberungen für die Flotte be­willigt. Zumal bei dem im javanischen Volke so stark ausgeprägten Zug zum Meere, bei seinem starken Drang nach der Inselwelt des Stillen Ozeans hält man es doch in Washington für ge­raten, beizeiten für eine weitere Drosselung des japanischen Flottenbaues zu sorgen. Nicht viel anders denkt man darüber auch in London, denn die Interessen beider angelsächsischen Mächte Ja­pan gegenüber stimmen aus den genügend bekann­ten Gründen durchaus überein. In London ist man also mit dem amerikanischen Abrüstungsvor- i schlage, der nur als ein Schlag gegen Japan ae- । dacht ist, ganz einverstanden, so große Aufmerk­samkeit auch sonst England gerade in letzter Zeit dem Kreuzerbau geschenkt hat. Die Frage bleibt nun allein, ob Japan zu der Abrüstungskonferenz - erscheinen wird, unb ob es sich ben Bedingungen, bie ihm bort von angelsächsischer Seite vorgeschla­gen werben, auch fügen wirb. Die japanische Re- । gierung hat bie Einladung zur Konferenz ange­nommen, aber bald darauf im Parlament erklckrt, daß sie sich nur dann durch eine Delegation ver­treten lassen würde, wenn auch Frankreich unb Italien sich an den Abrüstungsbesprechungen be­teiligen werden. Denn an sich hat Japan an einer neuen maritimen Abrüstungskonferenz insofern das größte Interesse, als diese ihr die einzige Mög» 'sichkeit bietet, auch den angelsächsischen Gegnern

Beschränkungen aufzuerlegen, die Japan nur er­wünscht fein müssen. Japan ist wirtschaftlich nicht in der Lage, auf bie Dauer ein Wettrüsten mit den beiden angelsächsischen Mächten durchzuführen, und so hat es selbst wiederholt in Washington An­regungen in der Richtung weiterer und über die Festsetzungen der Washingtoner Konferenz hinaus­gehender gegenseitiger Abmachungen zukommen lassen. Japan kann darum heute kaum zurück, auch wenn die Konferenz nur zu einer solchen von drei Mächten wird, es wird sich beteiligen müssen, wenn es aus der Lage überhaupt noch etwas her­ausschlagen will. Denn versagt es sich dr: Kon­ferenz, so gibt es ben beiten angelsächsischen Mäch­ten erst recht einen Anlaß, ihre maritimen Rü­stungen noch weiter zu beschleunigen unb zu ver­stärken, währenb es bei einer Teilnahme an ben Abrüstungsbesprechungen wenigstens hoffen kann, biefe boch in eine auch für seine eigenen Interes­sen vorteilhafte Bah« zu lenken. Schwer genug wirb ihm bas allerdings werben, da es allein bem Angelsachsen tum gegenüber stehen wirb unb nicht hoffen kann, burch Frankreich unb Italien eine ihm in diesem Kampfe erwünschte Unterstützung zu erhalten . Schwer genug werden auch bie Be­bingungen fein, bie ihm bie angelsächsischen Möchte in geschickter Ausnutzung ter Lage vorlegen wer­ben, und über deren letztes Ziel, Japan als See­macht hn Stillen Ozean so gut wie ganz auszu- schalten, man auch in Tokio sich völlig klar sein dürfte.

Man wird daher gespannt fein dürfen, wie Japan sich aus diesen Schwierigkeiten herauszie­hen wird, denn eins steht fest, daß Japan aus notwendigen Daseinsbedingungen heraus niemals auf seine Seegeltung, auf eine starke, ihm Schutz gewährende Flotte wird verzichten können. Es wird vielleicht bereit sein, vertraglich bindende Ver­einbarungen über eine weitere Flottenabrüstung einmgehen, die auch dem Angelsachsentum zalsien- mäßige Beschränkungen auferlegen, um sich selbst dadurch wirtschaftlich zu entlasten und gewisse Sicherungen maritimer Art zu verschaffen, zumal in einem Augenblick, in dem das fernöstliche Prob-

General Tschangkaischek und Nordchina, vor Verhandlungen des südchinesischen militärischen Machthabers mit den Nordchinesen. — Gemeinsame Ablehnung des Bolschewismus.

Massenhinrichtungen von chinesischen Nommunisten.

Der Sonderkorrespondent der Havasagentur be­richtet aus Sch anghai, Tschangkaischek setze seine Bemühungen um die Bildung einer antikommu­nistischen Regierung fort. Er werde dabei nicht nur von seinen unmittelbaren Anhängern un­terstützt, sondern auch von den südchinesischen Kauf­leuten, die ursprünglich durch ihre patriotische oder regionalistische Gesinnung der Kuomintangpartei näher gebracht worden seien, die aber jetzt eine extremistische Propaganda für die Einführung eines Sowjetstaats in China fürchteten. Die gemäßigten Elemente, die Tschangkaischek ergeben feien, seien für die Anbahnung von Verhandlungen mit denmoderni st ischen Elementen des No r- d e n s. Die Grundlage eines Kompromisses wäre die Annahme der demokratischen Grundsätze Sun- jatsens durch die führenden Kreise des Nordens, wobei jede kommunistische Interpreta­tion dieser Gmndsätze abzulehnen sei, ferner die Abdankung Tfchangtsolins zugunsten feines ältesten Sohnes, sowie endlich die Veröffentlichung einer gemeinsamen antikommunistischen Prokla­mation. Man glaube, daß die militärischen und finanziellen Schwierigkeiten der Mukde nregier ung Tschangtsolin zur An­nahme einer derartigen Konversion geneigt machen könnten.

Englische Truppenverschirbnngen nach China.

Aus Southampton wird gemeldet: Ein Fliegergeschwader, eine Anzahl Feldgeschütze, ver­schiedene Fahrzeuge, ferner Truppen in Stärke von 1000 Mann wurden nach China eingeschifft.

Havas berichtet aus Brest, daß der neue Kreuzer „Primauguet" Brest mit der Bestimmung nach dem fernen Osten verläßt.

Die Anordnungen der neuen Nationalistischen Re­gierung.

Wie aus Nanking gemeldet wird, soll Tschcmg- käischeck nach Bildung seines Kabinetts beabsich­

tigen, den Kampf gegen bie Nordarmee fortzusetzen. Da Tschangkaischeck über mehr als 300 000 Mann verfügt, rechnet man mit einem Nachgeben von feiten Hankaus. Die neue Natio­nalistische Regierung wünscht, wie es heißt, die Freundschaft aller Länder, jedoch auf der Grund­lage der Abschaffung aller ungleichen Verträge. In Schanghai wird mit allen Mitteln gegen die Kom­munisten vorgegangen. Etwa 100 Extremister sind bereits hingerichtet worden.

Aegypten.

Ans Kairo wird gemeldet: Da der Gesund­heitszustand Zaglul Paschas ihm ein Eingreifen in die gegenwärtige politische Lage im Zusammenhang mit dem Rücktritt des Kabinetts Adly Pascha nicht gestattet, wird, wie man glaubt, Adly Pascha die Geschäfte einstweilen weiterführen, wobei er sich jedoch auf die reinen Verwaltungsaufgaben be­schränken dürste.

3m Persischen Golf.

Nach einer Reutermeldung aus Basra ist dort die Nachricht eingetroffen, daß auf der Insel Hendjam im Persischen Golf das Zollhaus und das persische Postamt von demScheich von Hend- j a m angegriffen und geplündert worden sind. Der Zollinspektor und der persische Postmeister wurden fchwer verletzt. Der Postmeister ift bereits seinen Verletzungen erlegen. Der Scheich unb seine An­hänger sind augenscheinlich nach ber arabischen Küste entkommen.

Sumatra.

Aus Padang wird gemeldet: Im Verlaus einer militärischen Säuberungsaktion im Aufstands­gebiet von Solok wurden 120 Kommunisten, da­runter einer der Hauptführer, Hadji Mömek, ver­haftet, sowie 80 Gewehre und 70 Revolver be­schlagnahmt.

lem alle Aufmerksamkeit ber japanischen Politik erforbert; doch bie Grenze, bis zu ber Japan gehen kann, ist teutlich genug gezogen, unb gerate über diese Grenze werten die beiten angelsächsischen Mächte das Mikaboreich hinauszudrängen ver­suchen. Die Schwierigkeiten ber Seeabrüstungs- konferenz ber drei Mächte liegen also weniger in den Verhältniszahlen, bie zu finben sein werben, als in ben weltpolitischen Gegensätzen, die sich am Konserenttsich von neuem offenbaren werten, und deren Rückwirkungen sich nicht nur auf den fernen Osten und den Ssillen Ozean be= schrä ken werben. Darin aber liegt es auch be­gründet, daß wir, auch wenn wir nur unbeteiligte Zuschauer ber kommenden maritimen Abrüstungs­konferenz ber brei Mächte finb, ihr boch größere Aufmerksamkeit zu schenken haben, als allgemein angenommen wirb.

Deutschland und Italien.

Reichswirfschastsminister Dr. Cursins gewährte dem Berliner Korrespondenten der „Tribuna" eine Unterredung, in der er seine Eindrücke über seinen Aufenthalt en Italien schilderte. Der Minister gab seiner Befriedigung darüber Ausdruck, daß es ihm möglich war, einige Tage der Erholung in Italien zu derbringen und hiennit gleichzeitig einen Be­such der Mailänder Messe zu verbinden. Dadurch habe er einen interessanten Einblick in das italie­nische Wirtschaftsleben tun können, lieber seine per­sönlichen Eindrücke äußerte sich der Minister u.a.:

^,Jch habe mit Bewunderung die hervorragenden Leistungen der italienischen Industrie auf den ver­schiedensten Gebieten gesehen. Ich hoffe, daß die italienisch-deutschen Wirtschaftsbeziehungen sich in Zukunft noch intensiver geftalten werden, wenn auch noch manche Schwierigkeiten zu überwinden sind. Ich gebe oer Erwartung Ausdruck, daß bei gegenseitigem gutem Willen und wachsendem Ver­ständnis für die Interessen des anderen Teiles es beiden Ländern gelingen wird, die noch bestehenden Hindernisse zu beseitigen. Ich denke hierbei auch an die Schwierigkeiten, die sich häufig aus der Hand­habung der gesetzlichen Bestimmungen bei ber prak­tischen Abwicklung des Warenverkehrs ergeben. Ich hoffe auch, daß die internationalen Besprechungen gelegentlich ter Weltwirtschaftskonferenz auf die­sem Gebiete Erleichterungen schaffen werden, die dem Warenaustausch zwischen den beiden Ländern zugute kommen werden. Zusammenfassend nehme ich von meinem Besuche auf der Mailänder Messe den Eindruck mit, daß die italienische Wirtschaft sich in hervorragender fortschreitender Entwicklung befindet."

Sowjet-Rußland.

Nach einer Meldung ber Telegraphenagentur ber Sowjetunion würbe in Moskau eine mo­narchistische Gruppe entbeckt unb ausgehoben, bereu Mitglieber sich als Anhänger bes ehemali­gen Großfürsten Nikolai Nikolaje­witsch bezeichneten. Wie aus bem beschlagnahm­ten Material ersichtlich ist, ftanb bie Gruppe in kei­nerlei Beziehung zu irgendwelchen Volksschichten Sie trieb vornehmlich Militärspionage zugunsten eines ausländischen Spionagedienstes unb bezog ihre Geldmittel aus ausländischer Quelle. Führer der Gruppe ist.ber in Paris definbliche frühere zaristische General Kutepo.

Das tschechojlow kische Problem.

Bon Dr. Rudolf E r g e r t - Eger.

Noch vor wenigen Jahren hätte man es mit feinem sudetenteutschcn Gewissen für unvereinbar gehalten, bie Möglichkeit eines dauernden Weiter­bestandes ber tschechoslowakischen Republik über­haupt zu erörtern. Die schonungslosen Härten der tschechischen Herrschaft, bie sich überstürzenten Ge­walttaten gegen ben Besitzend ber ungefragt bem neuen Staat angeglieberten nationalen Minder­heiten, vor allem aber bie noch offenkundige Un­sicherheit ber internationalen Beziehungen, alle diese Gründe konnten eine andere Haltung als die striktester Verneinung ber neuen Machtverhältnisse, bie 3% Millionen Deutsche zwangen, bem tschecho­slowakischen Staat anzugehören, nicht rechtfertigen. Aehnlich wie man in Deutschland in weitesten Krei­sen bie Uederzeugung hegte, daß es ein Sich- abfinten mit bem Versailler Vertrag von einem wahrhaft nationalen Standpunkt aus einfach nicht geben könnte, begnügte man sich zunächst in der sudetendeutschen Politik von einer Zertrümmerung der Zwingburgen des Friedens von Saint Ger­main zu träumen, von einem Glückssatt, der bem Sutetenbeutschtum bas vorenthaltene Selbstbestim­mungsrecht, die freie Entscheidung über die eigene Staatszugehörigkeit ermöglichen würde. Da es zu dieser Zeit im sudetendeutschen Lager einschließ­lich ter Sozialdemokraten nur eine nationalpoli­tische Auffassung gab. konnte man sich keine andere sutetendeutsche Zukunft denken als die Zugehörig­keit zum Deutschen Reich, ein Ziel innigster na­tionaler Wünsche.

Die Zeit hat im nationalen Denken des sude- tenbeutschsn Volkes, das sich seiner beutschen Volks- Zugehörigkeit schon infolge ber jahrzehntelangen Kämpfe gegen ben tschechischen (Sroberungsbrang im alten Oesterreich in einem Maße bewußt ist, wie vielleicht kein anberer deutscher Vvlksstamm, erzieherisch gewirkt unb ben politischen Sinn auf praktisch erreichbare politische Ziele gelenkt. Man lernte in ben teutschen Gauen ber tschechoslowaki­schen Republik erkennen, baß mit einer bloßen ne­gativen Politik, die in einer grundsätzlichen Oppo­sition zum Staate stände, dem Deutschtum in keiner Weise auch nur int geringsten etwas genützt, um­somehr aber geschadet würbe. Gewährte man boch ben tschechischen Machthabern mit ber betonten staatsfeindlichen Einstellung geradezu bie Hand­habe, unb, international besehen, bie moralische Rechtfertigung bafür, aus wohlverstänblictern Selbsterhaltungstrieb bie Unterbrückung ber deut­schen Staatsfeinde nicht nur fortzusetzen, sondern gegebenenfalls mit allen zu Gebote stehenden Mit­teln zu verschärfen. Unermeßlichen Schaden er­wuchs auf diese Weise dem Deutschtum im Lande. Deutsche Beamte und Offiziere wurden entfernt, der wirtschaftliche Besitzstand der Deutschen auf jede erdenkliche Art geschmälert, die kulturellen An­sprüche waren auf reine Selbsterhaltung angewie­sen, und es wurde kaum ein Gesetz geschaffen, des­sen Spitze sich nicht irgendwie gegen die Deut­schen gerichtet hätte. Selbstverständlich wurden auf keinen Fall deutsche Wünsche, und wären sie auch noch so berechtigt gewesen, erfüllt. Die deutschen Abgeordneten, obwohl 72 Mann stark und ein Viertel des gesamten Dolkshauses, vergeudeten ihre Kräfte in einer völlig nutzlosen Opposition, mäh­rend dem Deutschtum ein Schlag nach dem andern im Staate versetzt wurde.

Die Sachlage führte zwangsläufig zu einer Um­stellung der sudetendeutschen Politik. So entstand