Beilage zur Sulöaer Zeitung
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MIM Sparkasse
Die älteste Sparkasse des Regierungsbezirks 1
Mündelsicher ------
Freundlichkeit schafft bei den Untergebenen und Mangel an Vertrauen, Freundlichkeit schafft Verkennen der Stellung, das sich in Ehrfurcht und nicht angebrachter Dertrau-
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Ernst ohne Fremdheit ohne Ernst mangelnder
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diegene Frömmigkeit in der Familie zu pflegen und auch beim Personal auf eine solche zu hatten. Der „gute Dienstbote" ist nicht denkbar ohne den „guten Menschen", wie auch die .Hausfrau, die „Gott gibt, was Gottes ist", folgerichtig dem Dienstboten geben wird, was sein ist, sein als Mensch und als leistende Kraft.
5. Da in Gottes Segen alles gelegen ist, empfehle man täglich seine Untergebenen mit Leib und Seele in des höchsten Schutz und nehme sie so täglich zurück aus Gottes Hand, der unser mangelhaftes Tun ergänzen wird und einen gelegentlichen vollständigen Mißerfolg bei einem Dienstboten noch zu einem Erfolge gestalten tann, gemeßen an unseren Absichten und mög. lichen späteren Auswirttmgen unseres Tuns. . . Auch das scheinbar Kleine wurzelt in großen Tiefen und Zu- sammenhängen. ________
in Küche, Keller und alle Winkel des Hauses, was viel besagen will als: „Das Auge der Frau muß Hand der Magd führen."
4. Damit alle» wohl gelinge, ist eine
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lichkeit äußert.
3. Man bringe das uralte Wanderkästlein mit dem darin enthaltenen Zaubersprüchlein „Du mußt, solfts wohl im Hause stehn, auf Sparsamkeit und Ordnung sehn," dreimal des Tages und dreimal bei Nacht
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(Erprobtes Originalrezept, gute Dienstboten zu haben und zu halten, von Maria Donop.Maria Veen.
1. Man nehme (das ist die Hauptsache für« gute Gelingen) sich selber ernst, wenn man auch von anderen ernst genommen sein will. Sich selber ernst nehmen im Streben nach Pflichterfüllung im haushalt und in der Kindererziehung vom frühen Morgen bi« zum späten Abend, sich selber ernst nehmen im Streben nach äußerster Wahrhaftigkeit in Rede und Tun, sich selber ernst nehmen in Punkto Nächstenliebe durch Vermeidung jeglichen Klatsches und Bereitsein« zur Hilfe im gegebenen Falle. Ein solches Beispiel unterstreicht wirksam lebe mündliche Unterweisung, sodaß sie nicht zum einen Ohr hinein, zum anderen hinausgeht und nicht nur augendienerisch befolgt wird.
2. Man mische das rechte Maß von Ernst mit dem rechten Maß von Freundlichkeit in der Behandlung von Dienstboten und zwar einen Tag wie den anderen.
1825 Fulda 1825
Bahnhofstrasse 5
vom Parfüm.
Don Alice Wählers-Hamburg.
Der hätte nicht schon im Theater, in der Eisenbahn oder in Gesellschaften einen stillen Seufzer ob des auf- dringlichen Parfüms zum Himmel geschickt, womit uns eine Nachbarin belästigt? Ein Wohlgeruch, ob künstlich
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Qed.
Don Ernestine Groß.
Das war wohl schon vorzeiten, Da deine Hand mich fand. Daß du nun so wie Saiten Mein' Seele ausgespannt.
Nun, da du mich gezogen In Bangen und in Schmerzen so, Dein', Herzen» milder Bogen Macht mich viel Wunders froh.
Sonst läg' ich noch im Schweigen Und tief im Dunkel hier.
Mein' arme braune Geigen, Weiß Gott, wie dankt sie dir!
Für untere Frauenwelt.
ober von frischen Blumen herrührend, wirkt ebenso be- ruhigend auf die Nerven, wie gute Musik, wenn man von irgendeiner Tätigkeit abgespannt ist. Aber hierin, wie in allen anderen Dingen sind die Menschen verschiedener Ansicht. Wohlgerüche haben ihre Berechtigung, wenn sie mit Maß und Ziel angewendet werden. Aber leider gibt es eine große Anzahl Frauen, die sich bei festlichen Gelegenheiten in „guten Geruch" setzen wollen und damit meist das Gegenteil erreichen. In der Regel handelt es sich um ein Modeparsiirn, das nach der Ansicht der Käuferinnen wegen feines hohen Preises auch gut fein muß. Die Wenigsten wissen, daß nicht die Güte der Ware den Preis bestimmt, sondern die Reklame und die Ausstattungskosten. Wer sich möglichst viel im Freien aufhält, wer peinliche Sauberkeit in Kleidung und Leibwäsche übt, wem Körperpflege selbstverständliche Voraussetzung ist, der Hai nicht nötig, sich zu parfümieren. Wer es aber durchaus nicht lassen kann und will, hüte sich wenigstens aus Rücksicht für seine Umgebung vor Uebertreibung.
Mottensichere klufbewahrung.
Don Damian Gronen-Köln a. Rh.
Die zunehmende Frühlingswärme läßt nach und nach auch Pelze und dicke Winterhüllen entbehrlich werden. „Was foll nun in der Ruhezeit mit ihnen werden"?, fragt sich wohl voll Sorge manche Hausfrau. Das beste ist freilich, sie zum Kürschner zu schaffen und sich von diesem sichere Garantie für Mottenschutz geben zu lassen — aber das kostet denn auch ein gutes Teil Geld. Doch halt, — noch gibt es ein Mitte?, das Pelze imb Kleider vor Mottenfraß vollständig bewahrt, sehr billig und in jedem haushalt zu finden ist, zudem oft erprobt wurde und sich stets bewährte. Es ist das Zeitungspapier. Man darf zwar nicht zu alles verwenden, da gerade der Geruch der Druckerschwärze die Motten fernhält.
Man schneidet sich einen ganzen Stoß Zeitungen in fingerbreite Streifen, eine Arbeit, die schnell vonstatten geht, wenn man mehrere Bogen aufeinanderlegt, schmal zusammenfaltet und nun mit einem Scherenschnitt den den ganzen Bogen trifft. Auf diese Weise bekommen wir in Form von Papierwolle ein leichtes Verpackungsmaterial, das die Kleidungsstücke gegenseitig vor Druck bewahrt, keine Flecken absetzt und, was die Hauptsache ist, ganz sicher vor Motten schützt. Natürlich müßen die Pelze und Winterkleider sorgfältig von innen und außen ausgeklopft und gebürstet werden. Dann lege man die Kiste, den Koffer ober den Schrank, die die Sachen aufnehmen sollen, dicht mit Zeitungspapier aus, verklebe mich etwaige Riße und Lücken mit Papier und reinem Mehlkleister, dem man einen Teil gestoßenen Pfeffer beimischt. Ist dies geschehen, bann lege man bie einzel- neu Stücke möglichst glatt hinein, die schwersten nach unten, bie leichteren nach oben, alle Lücken, Falten, Aermel, Schultern „sw. mit Papierrolle a-usstopfend lieber jede Lage Kleidungsstücke breitet man einen ganzen Bogen Zeitungspapier aus und die obenauf liegen- den kleineren Sachen schlägt man jedes für sich in einen Bogen ein. Das Ganze wird mit Papierwotte dicht bedeckt. Dann schließt man den Deckel und öffnet ihn auch vor Beginn der kalten Tage im Herbst nicht wieder. Der Geruch der Druckerschwärze würde sonst nur entweichen und damit auch der einfache und doch so wirksame Schutz gegen bie Motten, hat man nur einen Schrank zur Verfügung, so lege man mich in ihn bie Kleidungsstücke übereinander und hänge sie nicht auf, will man seine Kleider unversehrt erhalten. Der Geruch der Druckerschwärze hastet den Kleidern nicht an, man kann sie sofort wieder in Gebrauch nehmen, während dies bei alten anderen Mottenmitteln, gleichviel wie sie heißen, ohne tagelanges Lüften unmöglich ist. Wer dieses einfache und billige Mittel einmal versucht hat, wird es stets von neuem gebrauchen .
Der schön gedeckte Tisch.
Cs ist wohl nicht abzuleugnen, wenn wir ganz ehrlich sein wollen, daß die wenigsten Frauen es heutzu- tage verstehen, einen hübsch gedeckten Tisch herzustellen. Wenn sie nur eine Ahnung hätten, wieviel davon abhängt, würden sie sich sicherlich mehr Mühe geben und Wert daraus legen.
Der Gatte kommt müde und abgespannt mittags von (einem Dienst zurück: wenn möglich, ist die Frau noch nicht einmal zurückgekehrt von ihren Einkäufen: sie hat eine Freundin getroffen und sich dadurch verfchwäht: abgehetzt stürzt sie noch Hause: der Mittagstisch ist noch nicht gedeckt; jetzt muß nattirlich alles schnell gehen: der Mann hat nicht so viel Zeit. Daß es da unmöglich ist, einen nur einigermaßen netten Tisch herzurichten, liegt auf der Hand.
Jeder Tisch müßte eine halbe Stunde vor Essenszeit gedeckt fein; hat man eine Hausangestellte, so muß trotzdem die Hausfrau nochmal nachfehen und die letzte Hand entlegen. Nichts ist häßlicher als angestoßenes Geschirr; solches darf auf gar keinen Fall auf einen Tisch gebracht werden, der Anspruch machen will auf Schönheit. Zerbricht mal ein ober das andere Stück, fo muß es ersetzt werden, soll nicht Unordnung einreißen. Ein paar Blumen, und sind sie noch so einfach, schmücken immer den Tisch und tragen zur Behaglichkeit bei. Auch muß auf saubere Tischwäsche geachtet werden; ist man nur etwas vorsichtig, so braucht man gar nicht viel und kann doch immer an einem sauberen Tisch sitzen. Sind Kinder am Tisch, fo hält das natürlich schwerer; aber auch da tarnt man durch Ermahnungen manches errei- chen. Gebt euch Mühe, immer zu Hause den Mittag«-, Frühstücks- und Abendtisch recht nett herzurichten; Männer sind empfänglich dafür, und Ihr werdet sie dadurch an das heim fesseln. Isabella.
Die verlassene Braut.
Die verlassene Braut — ist ein Kapitel, das sich wohl sehr oft wiederholen wird. Deshalb dürfte eine Gerichtsentscheidung nicht ohne Interesse sein. Gehen Verlobte auseinander, so können bekanntlich die gegenseitig gegebenen Geschenke wieder herausverlangt wer- den, auch muh unter Umständen der zurücktretende Teil dem anderen Schadenersatz leisten, falls dieser andere einen Schaden, zum Beispiel durch Aufwendungen für die erhoffte Ehe, durch Verlassen einer Stellung oder dergl. gehabt hat. Alle diese Ansprüche verjähren jedoch, und zwar in zwei Jahren nach Aufgabe de» Verlöbnisses. Wie nun, wenn das Verlöbnis nicht formell aufgehoben wurde, wenn der Verlobte zum Beispiel nur die gemeinsame Stadt verlassen hat ohne jemals wieder an seine Braut zu schreiben? Dann gilt nach einer Entscheidung des Oberlandesgericht Dresden das Verlöbnis noch immer weiter bestehend und jedenfalls erst von der Zeit an gelöst, zu welcher der andere sich anderweit verheiratet hat! Die verlaßene Braut hat also bann noch zwei Jahre Zett, ehe ihre Ansprüche gegen den anderweit, verheirateten einstigen Bräutigam auf Entschädigung und Rückgabe der Geschenke usw. verjähren. .
Die Frau als Hausarzt.
f. Da« Nagel.auen der Sinder. Diel zu wenig Bedeutung wird oft noch dem Nägelkauen der Kinder bei- gemeßen. Die größten Krankheitserreger können dadurch in den Mund der Kleinen kommen. Der Magensaft hat auf den Harnstoff, aus welchem bie Nägel bestehen, keinen Einfluß. Es entstehen dadurch die ärgsten Magen- und Darmkrankheiten. Auch Fingergeschwüre und Geschwüre im Munde sind oft bie Folge des Nägelkauens. Nicht genug achtsam können die Eltern fein, um diese häßliche und gefährliche Gewohnheit gleich im Keime zu ersticken.
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Valentin Ernst, Fulda
Nikolausstrtsoe 16
Bildhauer- und Kunsttischlermeister Werkstatt für kirchliche Kunst Lager in fertigen Möbeln
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1 Uhr oben, mfen.
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(Siegerin Sonne.
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Auf allen Wänden stand es geschrieben. Aus allen Ecken und Winkeln riefen es Unsichtbare. Die unter- gehende, schwindende Sonne schien ein Symbol dieses allesoerneinenden Stein«. Die aufziehende Nacht bestätigte es.
Und al« endlich der Schlaf, wie ein Erlöser sich auf Paul Spickermann» Lider herabgesenkt hatte, um dem fiebernden, gequälten Hirn für ein paar Stunden, wenn auch nicht Trost, so doch wenigste«s das Seelenschmerz stillende Mittel des Vergeßen» gewähren wollte, da kam wieder die Phantasie, deren Stimme auch der Schlafende hört.
Die Phantasir aber ist ein launisches Weib. Sie dient nicht nur den holden Musen und spendet ihre Gaben unter die Menschen. Sie dient auch dem Tod.
~3m Dienste be» Tode» trat sie heute an Paul Spickermanns Lager. Denn wo ein fieberndes Hirn, ein enttäuschte» Herz und eine verwundete Seele ist, dort singt der Tod ein Locklied.
hilflos und wehrlos im Traume mußte Paul Spickermann jetzt alle« sehen, alle» mitfühlen und miterleben, wa» die Phantasie ihm elnflüfterte.
Schwarze Wolken fleht er am nächtlichen Himmel ein- herziehen. Den wütenden Sturm hört er über kahle Felder und durch dunkle Wälder brausen und wimmern. Er hört fein melancholische» Lied. Und In dieser sturm- gepeitschten Natur steht er sich selbst. Er wandelt mitten hindurch. Ein grausam Lied von feiner Hoffnungslosigkeit singt ihm her Sturm. Dieses Lied weckt bie Verzweiflung in ihm.
In seiner eigenen eisig falten fjanb fühlt er einen Strick. Und es ist ihm ganz klar, daß er mit diesem Stricke zum Tode gehen muß, um mit feinem Leibe all [eine Schmerzen und all seine Verzweiflung dem Tode zu überliefern. E» erscheint ihm jetzt so, als ob er schon längst diesen festen, unwiderruflichen Entschluß gefaßt habe. Die Phantasie bestätigt es feinem fiebernden Kopfe in ihrem lügnerischen Spiele: Es ist der Weg zur Erlösung, zum ewigen Vergeßen.
Aber dieser Weg ist schrecklich in der nächtlichen Natur. _
Zwischen allen Bäumen schauen aus der Dunkelheit grinsende Fratzen hervor, hinter allen Bäumen ducken sie sich, und blinzeln, bald links, bald rechts hervor-
lugenb, und kichern und räuspern sich hohl. Und hinter ihm her ziehen sie und lachen. Vor ihm her huschen sie heimlich über den Weg.
Höllengesindel!
Und mit ihnen zieht albernes Viehzeug. Assen mit leuchtenden Augen und unzählige Ratten. Sie alle blicken und stieren auf ihn, und zwinkern die Augen, und ringeln bie Schwänze. Unb in der Luft krächzende Raben und schreiende Geier und in der Ferne der Uhu.
Galgengesindel!
So ist der Zug. Schon ist er nicht mehr allein. Schon begleiten ihn seine neuen Freunde. Wahnsinnig sehen sie aus, teils skelettartig dünn, teils unnatürlich dick. Alle tragen sie Kleider aus roten, grünen und schwarzen Lumpen zusammengenäht. Zwischen das Flüstern des Gesindels bringt von Ferne her unheimliches Sen,en- schärfen. Es ist der Schnitter, der Tag unb Nacht nicht mübe wird von feiner Arbeit, der in allen Feldern mäht, reife unb unreife Aehren.
Unbekümmert um alles dies schreitet er weiter unb gelangt an sein Ziel. Jetzt gilt es noch einmal Kraft! Den Strick um den hals, den Baum hinaufgeklettert, den Strick an den Ast, ein Sprung hinunter, — und bann?---
Wie mit taufenb Gliedern klammert sich etroas an ihn. Das Leben!
Der Tob lockt. Das Leben fleht!
Ein Zwiespalt bringt in seine Seele, ein Kampf, eine Glut, der er nicht standhatten kann. Wankend jetzt er sich nieder und preßt feine Stirn wider den naßkalten Stamm. Er stiert in das undurchdringliche Dunkel, unb erschrickt selbst nur wenig, als eine feste Hand sich plötzlich auf feine Schulter legt. Ein Greis steht vor ihm, gefpenftifd) dürr, mit hohlen Wangen, tiefliegenden Augen, mit ein paar schmutzigen Fetzen eines ehemals weißen Bartes, umschlungen von einem schwarzen Tuche und darauf große rote unb grüne Punkte.
„Wer bist Du, greifet Atter?"
JDae geht Dich nichts an. Folge mir! Ich will Dir etwas zeigen." Und schweigsam folgt er dem geheimni». nisvollen Führer. Durch tiefe Nacht, immer bergauf, keuchend und stöhnend. Und er gelangt endlich mit ihm an die Türe eines hohen Turmes. Der Alte schließt sie auf unb tritt ein: „Folge mir!"
„Nein!"
„Folge mir!" wiederholte er scharf. Und wie gebannt folgt er ihm. Es geht hinauf eine steile Wendeltreppe,
fast endlos. „Sind rofr nicht halb oben?" „Folge mir!" ist die Antwort und es geht weiter.
Es wirb hell — taghell — sie sind auf des Turmes Zinne unb über ihnen glüht die Sonne.
„Wo sind mir? Was ist das?"
„Was Du dort unten siehst ist bas Leben," so sagt ber Alte.
Zwölf Straßen nach allen Richtungen! Und auf allen viele, viele Menschen. Und ganz in der Ferne, am Ende jeder Straße ist ein Tor, bas fuhrt durch das Himmelsgewölbe.
Staunend sieht er nach der ersten Straße. Dort wallt ein Chor schweigender Mönche, dort ziehen Priester in geistlichen Gewändern, Könige und Fürsten, Bettler und Kranke, alle mit gefalteten Händen, und alle ihre Blicke nach dem Tore am Ende ber Straße gerichtet. Das trägt über dem Eingang in großer Schrift bas Wort: „Sonett tos."
„Das sind die Frommen," spricht ber Alte. „Aber Du sollst Dich nicht lange bei mir aushatten, und darum will ich Dir erklären, was Du siehst. Dort auf der zweiten Straße ziehen die Männer ber Wissenschaft. Sie wollen einziehen durch bas Tor, auf dem da« Wort: „Doetrina" steht. Auf der dritten Straße stehst Du die Künstler. Sie streben nach dem Tore mit der Aufschrift: „Pulchrttudo". Auf der vierten Straße wandeln die Verehrer ber Natur. Sie ziehen nach dem Tore mit der Aufichrist: „Natura". Auf der fünften Straße wandeln die Ehrsüchtigen noch dem Tore mit der Aufschrift: Jjo- nor“. Auf der sechsten Straße gehen die Machterstreben, den nach dem Tore mit der Aufichrist: „Potestas". Auf ber siebten Straße wieder andere. Sie träumen von Freiheit und Gleichheit und ziehen nach dem Tor mit der Aufschrift „Liberias". Auf der achten Straße gehen die Geizigen, feie sammeln Goldstücke in Beutel und streben hastig nach dem Tor mit ber Aufschrift: „Dtoi- tiae”. Auf der neunten Straße ziehen die Genußsüchtigen. Ihr Trachten ist Essen und Trinken und Vergnügung. Sie streben nach dem Tore mit der Aufichrist: „Dolun- tas". Aus der zehnten Straße ziehen die Wollüstigen. Sie ziehen nach dem Tore mit der Aufichrist „Cibibo*. Auf der elften Straße ziehen die Trostlosen. Sie suchen ihr heil in ßebensoerneigung und Pessimismus unb ziehen nach dem Tore mit der Aufschrift: „Negativ". Aus der zwölften Straße aber ziehen bie Todsuchenden nach dem Tore mit ber Aufschrift: ,Mors"."
„Unb was soll bas?" fragt er erstaunt.
-sm» __
ttr. 91 vom 21. april 1927.
Die $rau im Beruf.
f. Heber die Frauenarbett im Gewerbe offenbart bie letzte gewerbliche Betriebszählung in Deutschland vom 16. Juni 1925, deren Ergebnisse oorliegen, daß sich ihr Anteil bei 4 777 639 weiblichen Personen auf rund 26 Prozent beläuft Einzelne Industrien, so bas Gast- unb Schankwirtschaftsgewerbe mit 60,7 Prozent, das Bekleidungsgewerbe mit 52,1 Prozent, die Textilindustrie mit 57 Prozent unb bie hygienischen mit 44,1 Prozent, ragen jedoch über den Gesamt-Durchschnitt beträchtlich hinaus.
Rus dem Zrauenleben.
f. Eine Orbensfrau Ritter ber Ehrenlegion. Der französische Justiz Minister hat ber Gefängnisoberin Marte Perpetue das Orbenszeichen ber Ehrenlegion überreicht. Grunb hierzu sind bie überaus großen Der- bleuste ber Oberin auf dem Gebiete der Gefangenen- Fürsorge. _______________
Die Stau als Erzieherin.
f. harte Mütter, nicht hartherzige etwa, flnb die besten Erzieher. Ein Knabe soll vor allen Dingen von Anfang an begreifen lernen, baß er nicht nur auf ber Welt ist, um glücklich zu sein, sondern um zu arbeiten und seine Pflicht zu hm. Seine Pflicht gegen sich unb jedermann. Die Mütter sollen ihre Söhne nicht verweichlichen, Ihnen nicht alles zu bequem machen. Ein Junge muß früh schon im kleinen fernen, allein mit ber Not des Lebens fertig zu werben.
Die Zrau in der Rüche.
f. Pastete aus Kalbsmilch. Mehrere gut gewässerte Kalbsmilcher werben in leichtem Salzwafler weich gekocht und bann fein gewiegt. Dann verrührt man 100 Gramm Butter zu Schaum, fügt bas gehackte Kalbs- milchfleisch bazu, ein eingeweichtes Brötchen, zwei Löffel gehackte Petersilie, Schnittlauch unb Kresse, etroa; Bratenkraut, sowie Salz unb Pfeffer nach Geschmack. Diese Füllung gibt man in eine leichte Sauce, er- hitzt gleichzeitig bie am besten fertig bezogenen Blatt terteichpastetchen und füllt bie Masse hinein. Die Pasteten werden sofort gut warm angerichtet.
f. würziger kalbsnierenbraten. 6 Personen. 3 bis 4 Stunden. Der Nierenbraten wird gewaschen, abge- trocknet, leicht gesalzen, mit zerlaßener Butter bestrichen, mit geriebener, gesiebter Semmel bestreut, mit ungefähr 6—8 Nelken besteckt unb 'm Bratofen in heißer Butter unter öfterem Begießen von zerlaßener Butter ober heißer Brühe gar gebraten. Die Soße wird alsdann gut vom Boden losgekocht, mit etwas saurer Sahne verkocht, adgeschmeckt unb mit einhalb Teelöffel Maggi's Würze im Geschmack gehoben. Der Braten wird tranchiert, bie Nierenscheiben in bie Mitte gelegt mit etwas Soße übergossen unb die übrige Soße extra gereicht. ____________
Praktische Winke.
f. Innen braun gewordene Kaffeekannen reinigt man durch ein mehrstündiges Einlegen in heiße« Sodawasser, in welchem sie sodann mit Zinnkraut ober etwas feinem Sand und einem Sappen ausgewaschen werden. Schließlich werden sie gut gespült unb getrocknet.
f. Messer unb Gabeln sollen niemals feucht gereinigt werden. Am besten säubert man sie nach dem Gebrauch mit reinem Seidenpapier, das als Einwickelpapier ja in großer Menge ins Haus kommt unb deshalb gesammelt werden sollte. Danach reibt man die Messer unb Gabeln mit Putzpulver blank und reinigt sie mit einem weichen Tuche. .
kMeffe
Seidenstoffe \9Hdntelstbffe- postum Stoffe y’ in unerreichter ।
Auswahl. * C.
^Hdä^iedndistr<
„Dort unten liegt bas Leben. Du flehst die Mensch, hett nach allen Himmelsrichtungen ziehen und siehst deutlich, daß sie alle suchen. Und sie suchen alle dasselbe." höhnisch lachte der Alte. „Auf den entgegen- gesetztesten Wegen ziehen sie hin und doch alle nach dem- selben Ziel, Ihr Ziel ist das Glück. Von jedem Wege rufe sie zum anderen: Ihr gehet falsch. Unser Weg ist der rechte. Siehe ich gehe auf allen Wegen! Darum kann ich Dir sagen: Es führt keiner zum Ziel!"
„Du gehst auf allen Wegen? Wer bist Du?"
Da reißt ber Alte feinen Lumpenmantel ab und vor ihm steht der Tod.
„Du hast mich gesucht," spricht der Tob. „Ich bin bas Ziel aller Wege. Du gingst auf dem besten Wege, denn der zwölfte ist per kürzeste. Warum hast Du gezögert? Warum besannst Du Dich noch? Jetzt steige hinab und wisse Deinen Weg."
Sie gehen die Treppe hinab. Es wird dunkler und nachtfinster. Es knarrt in verrosteten Angeln bie Türe. „Also Du weißt Deinen Weg," ruft noch einmal der Tod, und die Türe kracht wieder hinter ihm zu.
Da erwacht er.
Qualvoll peinigend war der Traum.
Qualvoll das Erwachen.
Du ladest mich also ein zu Dir? Tod!
Bei dem Gedanken aber stieg ein Bild vor ihm auf, da» der alte Totengräber in seine Seele erneut festgelegt hatte: Der Richter.
So wie er den sündigen König richtete!
Wie wird er einen Selbstmörder richten?
Wahnsinnige GedankenI
Wenn Du mich aber so Hofen willst, Tod: Wir soll es recht Jein. Du haft mich eingeladen. Ich sage Dir ab. Aber ich labe Dich ein.
Doch wieder steigt ein Bild in seiner Seele auf. Wieder der Richter. Aber nicht richtend, sondern den Segen spendend über ein junges Paar, lieber einen, der lebendig im Kerker begraben lag, ber all seine Zukunft und alle seine Hoffnungen mit sich lebendig begraben glaubte.
Nein, Tob! Weiche! Ich trotze dir noch. Ich bin noch jung!---
Um bie Morgenstunbe fuhr bann Paul Spickermann von Tiefenhofen ab.
Wohin? — In eine lichtlose Zukunft.--
(Fortsetzung folgt)