Einzelbild herunterladen
 

kilmlnuniWk 10 M. (mH AM.Hkllistie 15 Psg).

uldaerZeitung

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt

54.Zahrg.

Mittwoch, 20. April 1927

TU. 90

ge-

ent

in den verschiedenen Werten,

2004 2333 2345 1568 2070 471

262 391 877 796 1873

Stadt, u. aurw. Anleih. 720 661 582 425 591

Eisenbahn.-Inleihen;

U. S. A. Govt. Anleihen

2

29

der mini'

der Re.

Vie Lage der 5owjet-Union.

Moskau, 19. Arpil. (Gig. Funkm.) (Mel- düng der Telegraphen-Agentur der Sowjet-Union) In dem dem Rätekongreß erstatteten Bericht er« klärte Rykoff:

Wie verlautet, hat Baron Tanaka das Amt des Ministerpräsidenten angenommen.

Die Vertreter der führenden japanischen Bank­häuser beschlossen, einen Fond zu errichten, um den Banken, die durch die gegenwärtigen finanziellen Schwierigkeiten in Gefahr sind, g r o ße V e r l u sie zu erleiden, soweit wie möglich Beistand zu ge­währen.

Eine japanische Nachrichtenagentur erfährt, daß die Dank von Japan 20 Millionen Den in konver­tierbaren Noten nach Formose schickt, um die Bank von Formosa zu stützen.

derslautenden Gerüchten keinerlei Truppenbeweg­ungen von russischer oder chinesischer Seite an der chinesisch-russischen Grenze wahrzunehmen sind.

Rußland und die Türker.

Bon außenpolitischer Seite wird uns schrieben:

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilage:Die Welt im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk.

laß einer kaiserlichen Verordnung ausgesprochen hatte, durch die die Unterstützung der Bank von Taiwan gutgeheihen werden sollte.

Baron Tanaka ist nach dem Palast des Kai­sers befohlen worden. Baron Tanaka ist seit 1925 rer der Seiyukai-Partei. Er war Kriegs- in drei Kabinetten.

Der fünfte Jahrestag des Rapallo-Vertrages

Telegrammwechsel zwischen Litwinoff und vr. Ztresemann.

die Aktien in der Gesamtstückzahl, die Obligattonen in Millionen Dollar ausgedrückt:

(in Millionen)

2. Januar bis 31. Dez.: 1926 1925 1924 1923 1922 1913

Akt. Zahl d. Umsätze: 450 454 282 236 248 83

Ueberall Krisen.

Regierungswechsel in Südslawien.

Ministerpräsident U s u n o w i t s ch begründete die Rücktrittserklärung des Kabinetts, die vom Kö­nig angenommen wurde, damit, daß die außen­politische Lage eine breitere und stabilere Grundlage der Regierung erfordert.

Das neue jugoslawische Kabinett wird geführt von Ministerpräsident, Minister des Innern und Minister für Volksunterricht ad interim Velja W u- kitschewitsch und Minister für Auswärtige Angelegenheiten Woja Marinkowitsch.

Rücktritt des japanischen Kabinetts.

Das japanische Kabinett ist zurückgetreten. Der Rücktritt erfolgte nach eine in Gegenwart des Kai­sers abgehaltenen Sitzung des Geheimen Staats­rates, in der dieser sich mit 19 gegen 11 Stimmen gegen den Antrag des Ministerpräsidenten auf Gr-

Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Colonel) lokal 0,15 JUt, auswärts 0,20 JUL. Reklamezeile: lokal 0,60 JU, auswärts 0,80 JUt. Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 4051.

Der Sturz her WchineWen BöWmisten.

Einsetzung einer neuen südchinesischen Regierung durch Tschankaischek.

Nachstehend geben wir eine interessante, dem Commercial and Financial Chronicle" entnommene Aufstellung über die getätigten Jahresumsätze an der Stock Exchange '

Reuter meldet aus Washington: Admiral Wil­liams teilte dem Staatsdepartement mit, daß der KreuzerCincinnati" auf dem Pcmgtseee zwei­mal beschossen wurde. *

Aus Peking wird gemeldet: Die noch zurück gebliebenen Beamten der Sowjet-Botschaft ein­schließlich der Geschäftsträger, die infolge der An­griffe Peking zu verlassen beabsichtigen, sind Diens­tag f r ü h a b g e r e i st.

Die Antwort auf die Rote Tschens,

wtb. London, 19. April. (Gig. Funkm.)West. Minister Gazette" will wissen, daß die Hebertet- chung einer neuen Fünfmächte-Note an die Kantonregierung unmittelbar bevorsteht und in der erklärt wird, daß dir Mächte, wenn ihre For­derungen nicht prompt erfüllt werden, Sank­tionen zur Anwendung bringen. Die Note will die Möglichkeit, Tschen und seine Sowjetratgeber zur Rechenschaft zu ziehen, offen zu lassen, ohne jedoch die gemäßigten Elemente in der nationali- sten Bewegung vor den Kopf zu stoßen.

W New Wrker Völk unö ihre Bedeutung söc Europa

Von Bernhard Mahrholz«Berlin.

Anleihen) zurückzuführen ist. Neben dem Zuwachs der Einführungen ist die Wertsteigerung, ganz be­sonders bei den deutschen Anleihen, recht groß gewesen. Die deutsche Reparationsanleihe ist bei einem Ausgabekurs von 92 Prozent inzwischen auf 108.5 Prozent gestiegen. Ueberhaupt ist die Steigerung der deutschen Anleihen erheblich stärker gewesen als die der anderen ausländischen Bonds. Sie ist ein Ausdruck für das wiedererwachte Ver­trauen auf Deutschlands wirtschaftliche Kraft. Aus dem Umstand, daß die Jndustrieanleihen verhält- nismäßig stärker gestiegen sind, als die öffentlichen Anleihen, darf auf die Tatsache geschlossen werden, daß hier seitens der Emittenten größere Rückkäufe von Jndustrieanleihen verhältnismäßig stärker ge­stiegen sind, als die öffentlichen Anleihen, darf auf die Tatsache geschlossen werden, daß hier seitens der Emittenten größere Rückkäufe von Industrie- werten getätigt werden, noch bevor letztere den Rückzahlungskurs überschreiten.

Auch von den deutschen Anleihen erscheint nur ein kleiner Teil im amtlichen Kurszettel; die Mehr­zahl von ihnen ist an der Stock Exchange nicht ein« geführt. Die Einführung von Auslandswerten in den amtlichen Börsenverkehr hängt von kostspie­ligen Voraussetzungen ab und stößt vor allem auf drei Schwierigkeiten: Einmal ist die Bildung einer Transfer-Office erforderlich. Zweitens schreibt das Gesetz den Druck auf besonders kostbarem Pa- Pier (Stahldruck) vor. Drittens müssen alle im New York gehandelten Attien auf den Namen lauten. Das Ausland hat sich nun in der Weise zu helfen gewußt, daß man die auf den Inhaber lautenden Originalaktien bei einem Treuhänder hin­terlegte, der dagegen überttagbare Namens-Pa­piere ausgab. Diese Börsenvorschristen tragen einen rein nationalen Charakter. Ihre Kompliziertheit hat viele europäische Firmen davon abgehalten, ihre Attien in New Pork einführen zu lassen. Indes besteht große Wahrscheinlichkeit dafür, daß dem- nächst eine Aenderung des Verfahrens eintteten wird. Die New Parker Börsenordnung soll hin­sichtlich der Einführung ausländischer Werte einen Zusatz erhalten, wonach es möglich sein wird, auch ausländische Inhaber-Aktien zur amtlichen Notiz alsgood delivery" zuzulassen. Diesbezügliche Ver­handlungen des New Porker Börsenvorstandes mit den maßgebenden Bankiers sind bereits gepflegen worden, und es ist zu erwarten, daß die Vorlage Annahme findet. Diese Maßnahme dürfte für die Weltgeltung der New Parker Börse von größter Bedeutung werden, da dann viele europäische Fir­men Anttäge auf Zulassung zur amtlichen Notiz beimListing Committee" stellen werden. Danach wird es möglich sein, Attien in ausländischer Sprache, also die Original-Titres, die auf Inhaber lauten, ohne weiteres an der Stock Exchange amt- lief) zu handeln.

Für die Unterbringung von ausländischen Wer- len in Amerika ist vor allem die Tatsache wichtig,

In steigendem Maße ist die Stellung Newyorks als Bankier der Welt in den letzten Jahren in die Erscheinung getreten. Wall - Street hat der Londoner Fondsbörse in der Unterbringung gro­ßer internationaler Werte den Rang abgelaufen. Dennoch vermochte sich der Charakter der New- Yorker Stock Exchange kotz riesiger Emissions- tätigfeit für ausländische Werte nicht wesentlich ztl verändern. Bekanntlich hat die Newyorker Fondsbörse vor dem Kriege ein rein national- wirt sch aftliches Gepräge. Heimische Eisen­bahnen, heimische Industrie- und amerikanische Staats- und Kommunalpapiere bildeten fast die einzigen Anlagewerte der Amerikaner. Der Markt für Auslandswerte war unbedeutend; knapp ein Dutzend Anleihen mit einem jährlichen Gesamt­umsatz von kaum zwei Millionen Dollar wurden amtlich gehandelt. Gegenüber Newyork waren selbst die deutjchen Börsen weltpolitisch. Don bett in Ber­lin zugelassenen 2800 Papieren entfielen fast 500 aus das Ausland; in Frankfurt-Main waren sogar ein Drittel ausländisch. In London kmnen normaler­weise sogar 80 Prozent aller Umsätze auf auslän­dische und koloniale Werte. Trotzdem ist der Ein- fluß der Newyorker Stock Exchange auf alle anderen Börsen der Welt auch vor dem Kriege rasch ge­wachsen, aber nicht, weil in Wall-Street Auslands­werte Aufnahme fanden, sondern umgekehrt, weil das Ausland immer mehr Interesse an amerika­nischen Werten nahm. Die verflossenen Jabre ver­mochten hier einen beträchtlichen Wandel zu schaffen: Statt der früheren 12 werden heute nicht weniger als 146 Wertpapiere ausländischer Staaten, Ge­meinten und öffentlicher Körperschaften amtlich gehandelt.

zusammen 2986 3384 3804 2789 4534 502

Die heutigen Maßstäbe sind im Vergleich zur Vorkriegszeit und zu europäischen Dechältnissen wahrlich ungeheuer zu nennen. Dabei werden noch nicht einmal 5 Prozent aller in Newyork gehandel­ten Aktien an der Stock Exchange notiert. Der überwiegende Teil wird im Curb Market und an der Consolidated Exchange, der Börse des kleinen Mannes gehandelt. Besonders erheblich ist die Umsatzsteigerung bei den Stadt- und auswärtigen Anleihen, was auf die wachsende Zahl der einge- führten ausländischen (meist Staats- und Stabt»

Am 11. März ist der neue Handelsvertrag zwi­schen der Sowjetunion und der Türkei in Angora unterzeichnet worden. Daß die Beziehungen der Sowjetunion zu der Türkei nunmehr durch drei Verträge und zwar durch den Moskauer Vertrag von 1921, den Pariser Pakt des Jahres 1925 und den soeben abgeschlossenen Handelsvertrag be­stimmt werden. Die Bande der Freundschaft zwi­schen der Sowjetunion und der Türkei stärkten sich mit jedem Jahre, unabhängig von der nationalen politischen Konstellation. Die Zeitungen betonen mit besonderem Nachdruck, daß die Sowjetunion das erste Land, das die Türkei anerkannt und das einzige Land, das die Türkei in ihrem Kampfe für die Unabhängigkeit unterstützt habe, gewesen sei. Der neue Handelsvertrag sei der erste Ver­trag, den die Sowjetunion mit einem östlichen Lande abgeschlossen habe und zwar in einem Au­genblick, wo eine anglo-italienische Ver­schwörung gegen die Türkei und neue Bestre­bungen Englands, eine geschlossene Front gegen die Sowjetunion zustande zu bringen, nicht zu leug­nen seien.

Die größte Schwierigkeit bei den Verhandlun­gen über den Handelsvertrag mit der Türkei bil­dete die Anpassung des Außenhandels-Monopols der Sowjetunion an die Struktur der Volkswirt­schaft der Türkei, die sich im Stadium der Entwick­lung aus einer rückständigen Naturalwirtschaft zu kapitalistischen Formen nach europäischem Muster befindet. Das neuerdings in der Türkei eingeführte System einer staatlichen Regulierung des Außen- Handels habe zu einer Annäherung der Auffassung der türkischen Regierung an den Standpunkt der Sowjetregierung in der Frage des Außenhandels^ Monopols geführt und den Abschluß des gegenwär­tigen Handelsvertrages ermöglicht.

Die Umsätze des türkischen Handels mit der Sow­jetunion könnten im Vergleich mit den Handelsum- (ätzen der Türkei mit Italien ober England aus als durchaus bescheiden bezeichnet werden. Die Sowjetunion habe aber ein Lebensinteresse an der Festigung der wirtschafttichen Lage der Türkei und an einer Erhöhung der Widerstandsfähigkeit dieses Landes gegen das Eindringen ausländischen Kapi­tols.

Die Gemeinschaft der Interessen beider Länder auf dem Gebiete der Politik müssen eine wirt­schaftliche Annäherung der Sowjetunion mit der Türkei unbedingt zur Folge haben. Der Handels­vertrag zwischen der Sowjetunion und der Türkei, der neue Rechtsnormen für die Abwicklung der Handelsbeziehungen beider Länder versehe, sei von allergrößter po l i t i f cher Bedeutung, die weit über den Rahmen gewöhnlicher Handelsverträge hinaus- gehe.

Das unruhige Marokko.

Kampfansage eines marokkanischen Dissidenten- führers.

Nach einer imMatin" veröffentlichten Mel­dung aus Tetuan hat einer der ehemaligen Un- terfuhrer Abd el Krims eine Kundgebung tierbrei­ten lassen, in der er seine ehemaligen Kämpfer auf. fordert, sich um ihn zu sammeln, um gegen Frank­reich und Spanien weiter zu kämpfen. Der Krieg werde im Frühjahr anfangen.

In Moskau wurde der Rätekongreß U. S. S. R. eröffnet. Rykow erstattete den gierungsberidjt. Kalinin führt den Vorsitz. In der Diplomatenloge sah man sämtliche Vertreter der fremden Staaten, darunter den Doyen des diplomatischen Korps, den deutschen Botschafter Graf Drockdorff-Rantzau. Die Versammlung nahm die Wahl der Präsidiumsmitalieder durch Akkla­mation vor. In dem von Rykow abgegebenen Rsgierungsbettcht wurden die Lage in China und die Haltung Rußlands gegenüber den jüngsten Er- eigniffen in Peking unter Betonung der fried- l i ch e n Bestrebungen der Sowjetunion ausführlich erörtert.

Durch bi» internationale Lage und die zuneh­mende Aktivität sowjetfeindlicher politischer Trup­pen wird eine erhebliche außenpolitische Span­nung geschaffen. Wiederholte Versuche, einen A n t i s o wj e t - Blo ck zu bilden und einen mi- litärischen Konflikt zwischen der Sowjet-Union und Cbina zu provozieren, schaffe eine überaus ver- wickelte Lage und bedrohe die Sache des Frie­den«. Der Stand der englisch-sowjetrussischen Be- ziehungen kennzeichnet am besten die gespannte in- : ternationale Lage. Indem die englische Regierung ihre Note absandte, verfolgte sie den Zweck, die westeuropäischen Staaten gegen die Sowjet-Union -wsammenzuschließen. In diesem Sinne harte die Note einen gewissen Einfluß auf die ita- lieni sche Regierung, die das bessarabische Protokoll ratifizierte, das vom Standpunkt der Sowjet-Regierung der Rechtsoerbindlichkeit behrt.

Rykoff wies dann den Vorwurf wegen der Nichtzugehörigkeit der Sowjet-Union zum Völkerbund zurück und erklärte: In der kur­zen Zeit feines Bestehens war der Völkerbund ledig­lich ein Werkzeug zur Festigung der Herrschaft gewisser Staaten über andere. Der . Völkerbund hat in die Lage in China nicht ein­gegriffen. Dir Sowjet-Union bezweifelt, daß vom Völkerbund einberufene Abrüstungs-Kon­ferenzen wirklich auf den Frieden hinzielen. Die Sowjet-Union ist bereit, gänzlich abzurüsten, falls alle Mächte dieses tun. Die vor kurzem im englischen Parlament aufgestellte Behauptung, daß die Sowjet-Union sich angeblich sehr intensiv zum chemischen Kriege rüste, ist unwahr. Auf allen Gebieten der Kriegsindustrie wird die Sow- let-Union von den bürgerlichen Staaten übertrof­fen.

Zu den Ereignissen in China bemerkte Rykoff unter Hinweis auf die ziffernmäßigen Angaben über die in China befindlichen ausländischen Streitkräfte, daß die Intervention der Mächte in China tatsächlich bereits begonnen habe, neben der Intervention und der Unterstützung der Militari­sten. Im Norden versuchten die "Mächte, eine Spal-

' Der stellvertretende Volkskommissar des Aus­wärtigen brr Sowjetunion, Herr Litwinoff, hat an . den Reichsminister des Auswärtigen, Dr. Strese- mann, das nachstehende Telegramm gerichtet:

Am fünften Jahrestage der Unterzeichnung A des Rapallo-Vertrages, welcher die Grundlage der ^freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und der Union festgelegt hat, betrachte ich es als meine angenehme Pflicht, Sie, Herr Reichsminister, so wie die Reichsregierung zu begrüßen. Unsere beiden Regierungen haben stets an den Prinzi­pien des Rapallo-Vertrages festgehalten, was, be­sonders auch beim Abschluß des Vertrages vom 12. Oktober 1925 und des Berliner Vertrages vom 25. April 1926 zum Ausdruck gekommen ist. Die Re­gierung der Union ist der vollen Ueberzeugung, daß der Ausbau der freundschaftlichen Zusammen­arbeit zwischen Deutschland und der Union voll­kommen den Interessen der beiden Länder ent­spricht. Ich bin fest überzeugt, baß die im Laufe der fünf Jahre sich so gut bewährten Grundsätze des Rapollo-Verkaaes auch im weiteren Voraus­setzung für die günstige Entwicklung der sowjet- deutschen Beziehungen bleiben und für die Wah­rung des F r i e d e ns, der für die Völker der ganzen Welt nötig ist, dienen wird."

Der Reichsminister hat Herrn Litwinoff darauf mit folgendem Telegramm geantwortet:

Für die freundlichen Worte, Herr Volkskom­missar, welche Sie anläßlich des fünften Jahres­tages des Vertrages von Rapallo an mich gerich­tet haben, danke ich Ihnen verbindlichst. Sie kön­nen überzeugt fein, daß die Gedanken, die Sie in Ihrem Telegramm zum Ausdruck bringen, nicht nur bei mir persönlich, sondern auch bei der Reichs­regierung lebhaften Widerhall finden. Ich teile ihre Ueberzeugung, daß die auf der Grundlage des Vertrages von Rapallo eingeleitete und durch den Vertrag vorn 12. Oktober 1925 sowie durch den Berliner Vertrag vorn 24. April 1926 gekräftigte freundschaftliche Zusammenarbeit zwischen der Sowjetunion und Deutschland den Interessen der beiden Länder dient, und hege den aufrichtigen Wunsch, daß die in jenen Verträgen feftgetegten Grundsätze sich auch in Zukunft bewähren und zur \ Erhaltung des allgemeinen Friedens beitrogen mögen."

Der von dem damaligen Reichskanister Dr. Wirth in Rapallo mit Rußland abgeschlossene Vertrag hat bekanntlich seinerzeit als erste selbstän­dige außenpolitische Handlung Deutschlands nach dem Kriege viel Veachtung gefunden.

Russischer Rätekongretz.

wtb. London, 19. April. (Eig. Funkm.)Ti­mes" berichtet aus Shanghai, eine von Tschankai- scheck einberufene Koumintang-Konferenz verkün­dete gestern in öffentlicher Sitzung die formelle Errichtung einer neuen Regierung in Nanking. An die verschiedenen Organisationen und an die Shanghai-Gilden und die Handels­kammer sind Befehle übersandt worden, heute zur Feier der neuen Regierung eine Versammlung ab­zuhalten. In H an kau, wo die Reste der Bol­schewisten sitzen, befiirchtet man einen Angrisf Tschankaischeks.

Daily Telegraph" berichtet aus Peking, Tschangtsolin hat den Verttetern der Protokoll­mächte vorgeschlagen, die Konttolle der Polizei im Gesandffchaftsviertel der Regierung von Peking zu übergeben. Dieser Vorschlag wird je­doch nach dem Blatt von den Protokollmächten nicht begrüßt.

Die Kampftage.

Aus San Diego (Nord-Amerika), wird ge­meldet: Ein dritter China-Transpott, bestehend aus 100 Offizieren und 1560 Mann sowie fünf Tanks Artillerie und Flugzeugen, ist mit unbekanntem Ziel in See gegangen, wahrscheinlich nach Tientsin.

Reuter meldet aus Tokio: Der japanische Gene­ralkonsul in Charbin berichtet, daß entgegen cm-

tung im Lager der nationalen Freiheitsbewegung zu schaffen. Die Zustimmung der Mächte zum Ueberfatl auf die Sowjet-Botschaft in Peking be­deutet einen Versuch, die Sowjet-Union zum Krieg gegen China herauszufordern. Die Sowjet-Regie­rung wird auf die Provokation nicht eingehen.

lieber Borodin bemerkte Rykoff, daß er in keiner Hinsicht Vertreter der Sowjet-Regierung sei und keinerlei Vollmachten habe. Dir Sowjet-Re­gierung trage für seine Handlungen keine Verant­wortung. Die Lage der Sowjet-Union in China sei dank der Anerkennung der Souveränitätsrechte Chinas fester und ungefährdeter als die Lage jeg­lichen anderen Landes ungeachtet der organisier­ten Provokation von feiten der Pekinger Polizei und der Truppen Tschangfolins.

Zu den Beziehungen zwischen Sowjet-Rußland und Deutschland erklärte Rykoff, daß diese Beziehungen nach dem Rapallo-Vertrag erheblich ausgebaut und gefestigt wurden. Die deutsche Re­gierung hat die nach Locarno erschienene Mit­teilung, daß Deutschland sich verpflichtet, durch sein Gebiet im Falle eines Krieges mit der S o w j e t Union Truppen durchzulassen, offiziell dementiert. Die Sowjet-Regierung geht davon aus, daß Deutschland sich nicht zu feindlichen Aktionen ausnutzen lassen wird. Die Gewährung eines 300 Millionen Kredites von Seiten Deutschlands an die Sowjet-Union beweist, daß die Freundschaftspolitik, die von beiden Regierungen nach Rapallo durch­geführt wird, sich auf dem Gebiete wirtschaftlicher und kultureller Veziehungen vollkommen bewährt.

Von besonderer Bedeutung für die Politik der Sowjet-Regierung sind die Randstaaten von P o - len, denen gegenüber die Sowjet-Regierung die Politik des Friedens durchführt, die sie durch Ga- ranttepakte zu festigen sucht. Ein Hindernis ist daraus erwachsen, daß Polen die Rolle eines Go- ranten spielen wollte. Auf einer derartige Der- handlungsmethode konnte die Sowjetunion nicht eingehen. Die Sowjet-Union ist bestrebt, die bal- tifdjen Staaten für die Entwicklung ihrer Wirtschaftsbeziehungen zur Sowjet-Union zu inte­ressieren und diese Wirtschaftsbande zu festigen und zu entwickeln.