Einzelbild herunterladen
 

TlWlllNNMr 10 Pf-, (ml KM. Sffltw 15 Via).

FuldaerZertung

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Areisblatt.

Sonntag, 17. April 1927

Nr. 89

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilage: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk.

Anzeiyen - P. *ife: Kleinzeile (Colonel) lokal 0,15 JUt, auswärts 0,20 5Ut. Reklamezeile: lokal 0,60 5Ut, 54 auswärts 0,80 Bei WiederKolungen Rabatt. > o

Postscheckkonto Frankfurt a. M. Str. 4051. __

Ostersieg.

Von P. Ambrosius Stock 0. 8. B. (Maria Laach).

„Das ist der Tag, den der Herr gemacht hat. Laßt uns jubeln an ihm und fröhlich sein." So lautet die Freudenbotschaft des Osterfestes, welche die hl. Kirche in dieser Woche nicht müde wird, der Welt zu verkünden. Langentbehrte Allelujaweisen singen sie im Gotteshaus, den Gläubigen ins Herz hinein, und festliche Glockenklänge tragen sie hin­aus über Berg und Tal, über Dorf und Stadt, hin­ein in den Alltag der Menschen, auch ihn zu durch­klären mit dem Glanz der Ostersonne.

Es ist, als ob die Kirche im überströmenden Osterjubel alle Trauer der kaum verflossenen Kar­woche vergessen hätte. Man meint fast, im Lichte des Auferstandenen hätte sie keinen Blick mehr für die Tragik des Menschenlebens, für all das Leid, das in Krankheit und Tod und Sünde und Not auf der Menschheit bergehoch lojtet. Mehr wie einer leidgeprüften Seele könnte sich die Frage auf die Lippen legen: „Lebt denn die Kirche in ihrer Liturgie nicht in einer wirklichkeitsfremden Erden­ferne, daß sie es wagt, scheinbar so unbekümmert um alles drückende Erdenweh ihr Osteralleluja zu singen? Daß sie den Mut hat, von uns niederge­beugten Menschen eine von Herzen kommende Teil­nahme an ihrer Osterfreude zu verlangen?"

Die Kirch« steht, auch in ihrer Liturgie, dem Leben nicht fremd gegenüber. Im Gegenteil, der letzte Sinn der Liturgie wird uns klar, wenn wir sie schauen und erfassen in ihrer Wesensverbunden­heit mit dem Alltagsleben. Sie soll ja gerade als Bote göttlicher Allmacht und Liebe zum Menschen sich herabneigen, um ihn aus seiner Sündenver­strickung zu lösen und ihn hinaufzuführen in die beseligenden Höhen der Gotteskindheit, zur Teil- nahrne am ewigen Gotteslobe Christi und sei­ner erlösten Glieder. Die Kirche kennt darum des Menschen Herz gut, besser als je ein Mensch es zu durchforschen geradezu die Signatur des Erden­lebens nennen könnte. Nur zu oft fleht sie in ihren Gebeten aus tiefster Not den Herrn um Hilfe an, und die Fastenliturgie ist gom erfüllt vom Gedan­ken der Sünde und Buße. Wenn gleichwohl die Kirche an Ostern nur Freudenlieder singt und uns zu heiligem Festesjubel aufruft, dann muß sie auch die Ueberzeugung haben, daß selbst dem leidbe- schwerten Menschen der Weg zur Osterfreude nicht verschlossen ist. Und der Grund zu dieser Zuver­sicht? Die Kirche schaut die erlöste Menschheit in heiliger Schicksalsgemeinschaft mit Christus, ihrem Haupte. Da weiß sie: wie das Leben des Hauptes die Glieder durchströmt, so nimmt auch der Leib teil am Triumphe des Hauptes. So ist Ostern für sie nicht bloß ein Erinnerungstag an die selige Ur­ständ des Herrn, an seinen Sieg über Leid und Tod, sondern zugleich auch der Gedenktag der in­neren Ueberwindunq des Leidens in der Mensch- heit. Und Ostern ist mehr als ein Gedächtnistag an ein einmaliges Geschehnis vor 1900 Jahren. Ostern ist Gegenwart, ist lebendige Wirklichkeit, ist Auferstehung ist Ueberwindung von Sünde und Not, die sich an diesem Tage bei der Feier der Liturgie in der hl. Kirche und in den einzelnen Seelen vollzieht. Christus erscheint wiederum im Glanze seiner Auferstehungsherrlichkeit in seiner Kirche, symbolisch in der geweihten Osterkerze, fakra- mental bei der hl. Taufe und beim hl. Osteropfer, und strahlt seine Verklärung, seinen Sieg, seine Leidüberwindung aus in feinen mystischen Leib

Gerade die beiden Ostermysterien der Taufe und Eucharistie sind so recht Symbole diefes Oster- sieges, den Christus in den Seelen der Gläubigen feiert. Sind doch beides heilige Handlungen, die durch ein sinnbildliches Sterben zur Auferstehung, zu neuem höheren Leben in Christus führen. Die Taufe, ursprünglich in der Osternacht durch Un­tertauchen gespendet, wird schon vom hl. Paulus im Hinblick auf die Symbolik des Vorganges eine „Taufe auf den Tod Christi", ein „Begrabenwer­den mit Christus" genannt, „damit, wie Chri­stus von den Toten durch die Herrlichkeit des Va­ters auferstanden ist, so auch wir in einem neuen Leben wandeln" (Römerbrief 6,4). In der hl. Taufe haben wir darum, zum ersten Male geheim­nisvoll mit Christus sterbend, die tiefste Tragik des Menschenlebens, die Sünde, überwunden und ind in der Kraft Christi zu göttlichem Leben er- landen. Und haben wir auch vielleicht durch per» önliche Schuld diesen ersten Ostersieg nicht in sei­ner ganzen strahlenden Schönheit durch unser Le­ben getragen, so bietet uns dennoch gerade die Gnade der Taufe die Möglichkeit, durch die „zweite Taufe", das Sakrament der Buße, immer wieder diesen Osterglanz aufs neue in unlerer Seele auf­leuchten zu lassen. Wenn in der ganzen Osterwoche mit Rücksicht auf die Täuflinge der Osternacht Wer Gedanke an die hl. Taufe so sehr die Liturgie be­herrscht, dann möge das für uns ein Hinweis fein, baß gerade an Ostern die Taufgnade in unserer Seele sich erneuern soll, damit dieser unser erster Ostersieg uns hinführe zu dem zweiten, größeren, dem Sterben und Auferstehen mit Christus im Opfer der hl. Eucharistie. In diesem My­sterium will Christus vollenden, was er in der Taufe begonnen. Da lädt er uns ein, ein Ganz- Opfer mit ihm zu werden, uns mit der ganzen Ira- Gk unseres Erdenlebens hineinversenken in sein heiliges Opfer. Brot und Wein, in früheren Zei­ten von den Gläubigen selbst zum Altar gebracht und auch heute noch stellvertretende Symbole der Gläubigen, werden zum sichtbaren Ausdruck un- feres Opferwillens. Und Christus nimmt uns bei oer Wandluna unserer stellvertretenden Gaben lelbst auf in seine heilige Opfergemeinschast und bringt uns mit seiner eignen Opferhingabe als ein flrDfjes Ovfer dem himmlischen Vater dar. Aus

--.S? sakramentalen Sterben mit Christus er« wach" dann wiederum eine reichere Anteilnahme an ferner Osterverklärung, indem der Vater uns zum Dank für unsere Opferhingabe das Öfter!eben 'eines auferstandenen Sohnes bei der hl. Kom­munion in die Seele senkt.

so wird gerade das Mysterium der Eucharistie lur uns zu eu>fr ständigen Teilnahme am Öfter­

sieg« Christi. Es wird für uns ein Ostersieg über die Sünde, aber auch über das Leid, über jegliche Not. Die freiwillige Opferhingabe überwindet see­lisch die Tragik des Lebens, das Opfer des Herrn heiligt und konsekriert unser Opfer und führt uns in der Kommunion zur inneren Verklärung. So dürfen auch wir trotz aller irdischen Not einstim­men in das Osteralleluja der Kirche. Und mit vol­

lem Recht dürfen wir mit dem Heiland Dfter- Morgen zum himmlischen Vater sprech ?!

5tb bin auferstanden und bin be: \ alleluja. Du hattest deine Hand auf mich fiele, -J der tie­fen Leidensnacht), alleluja. Wunder' v hat dein Wissen sich an mir erwiesen, alleluja, luja" üe Leidensnacht hat sich gewandelt b 'rahlendes Osterlicht. ,

Neue Meldungen über jugWwW Wungen.

Agenzia Stefani meldet aus Rom: „Giornale d'Italia hat aus Belgrad neue Informationen über militärische Vorbereitungen Jugoslawiens erhalten. Wie der Korrespondent des Blattes berichtet, lassen diese Vorbereitungen vermuten, daß Jugoslawien beabsichtigt, sich innerhalb eines bestimmten, Zeit­raumes auf einen militärischen A'k t i o ns- plan großen Stils vorzubereiten. Aus den Nachrichten, die der Korrespondent in maßgeben­den militärischen Kreisen gesammelt hat, geht her­vor, daß der jugoslawische Kriegsminister einen nicht im Budget vorgesehenen Kredit in Höhe von 800 Millionen Dinar zum Ankauf militärischer Ausrüstungen und Fußbekleidung eröffnet hat. Außerdem find in den letzten Tagen weitere Waf­fen- und Munitionskäufe getätigt worden. In Gravosa in Dalmatien sind beträchtliche Mengen Kriegsmaterial, die aus einer staatlichen Fabrik in Lüttich stammen und in Holland verladen wur­den, eingetroffen. Es handelt sich um 156 Stiften mit 27 832 Mausergewehren, 27 Kisten mit Ma­schinengewehren und andere Kisten mit sonstigem Material. Die jugoslawischen Kriegsmaterialkäufe erfolgen größtenteils durch ein Konsortium, von dem eine führende Persönlichkeit sich in Paris auf­hält. Wie der Korrespondent erfahren hat, steht dieses Konsortium in Verhandlungen mit französi­schen Firmen wegen des Ankaufs weiterer 120 000 Gewehre mit 120 Millionen Patronen. Wie der

Korrespondent weiter mitteilt, ist die jugoslawische Regierung im Begriff, mit einer spanischen Schiff­baugesellschaft einen Vertrag über den Ankauf von Torpedobootzerstörern mit großer Was­serverdrängung abzuschließen. Auch dauern die militärischen Vorbereitungen an und zwar nicht nur an der albanischen Grenze. Im allgemeinen, so bemerkt der Korrespondent, kann man behaupten, daß auch längs der jugoslawischen Südgrenze Vor­bereitungen im Gange sind.

Es scheint, so fährt „Giornale d'Italia" fort, daß die von den jugoslawischen Militärbehörden an­geworbenen russischen und albanischen Emigranten ausreichen, um bewaffnete Abteilungen in einer Stärke von 2500 bis 3000 Mann zu bilden. Eine regelrecht ausgerüstete Abteilung von 1000 Mann war an die albanische Grenze entsandt worden, um eine Aktion einzuleiten, wurde jedoch nach den italienischen Enthüllungen aus Furcht vor einer Untersuchung in das innere Serbien zurückgezogen und auf verschiedene EmigraNten-Konzentrations- lager verteilt. Der Korrespondent berichtet, daß ein albanischer Führer, ein gewisser Santoia, nach ausgedehnten Besprechungen mit den politischen und militärischen Behörden in Belgrad an die al­banische Grenze entsandt wurde, um die Sage zu studieren und bewaffnete Banden zu organisieren, sowie deren etwaige Verbindung mit dem Innern Albaniens herbeizuführen.

Die Luge in China wirb noch verw.Mer.

EndaiMiqe Spaltung der Kommunisten und Nationalisten. — Vie Antwort der Kanton- Regierung aus die Note der protoKollmSchte wegen der Nankinger Zwischenfälle.

Innerhalb bet chinesischen Nationalisten, die - gegenüber der nordchinesischen Regierung in den ! letzten Wochen so große Fortschritte gemacht hatten, ! bestehen bekanntlich in neuester Zeit tiefgehende Gegensätze. Die kommunistischen Kreise, unterstützt - von den Russen, kämpfen um die Macht mit den ■ Generälen, die zwar im nationalistischen Lager stehen, aber die bolschewistischen Ideen nicht anneh- men wollen. Jetzt ist es zu einem endgültigen Bruch gekommen. In der in Nanking unter dem Vorsitz D chiang Kai-schekS zusammengetretenen Kon­trollkommission der Kuomintang ist der Bruch zwi­schen Dchiang Kai-schek und Hankau definitiv voll- 1 zogen worden. Die Konnnission beschloß nach 1 langen Beratungen, die £> an tauet Regierung als abgesetzt zu erklären und in den Anklagezustand zu versetzen. Weiter wird gefordert, daß die kan­tonesischen Minister Hsu Tchier (Justizminister) und Tan Pinh-tschao (Ackerbmiminister) sowie die Kom­munistenführer Tschen Totschu und Tengyenta als „Feinde der öffentlichen Ordnung und Sicherheit" verhaftet werden. Ferner fordert die Kommission die sofortige Verhaftung und spätere Ausweisung Borodins, des Kommissars der Russen. Daß der chinesische Außenminister Ts chen nicht nament­lich aufgeführt wird, wird damit erklärt, daß Tschen mit dem gemäßigten Kuomintangflügel sym­pathisiert und lediglich durch die Macht der Tat­sachen gezwungen wird, den Kommunisten als Sprachrohr zu dienen.

In den Kreisen der Bolschewisten ist die Nach­richt mit großer Wut aufgenommen worden. Das Exekutivkomitee der Dritten Internationale ver­

öffentlicht einen Aufruf, in dem der Generalissimus als Verräter an der chinesischen Revolution und als Organisator der Gegenrevolutton bezeichnet wird.

„Mit Haß und Empörung," so wird in der Prollamation ausgeführt, „müssen wir Dchiang Kai-schek als Judas der chinesischen Revo- l ution und der Kommunistischen Internationale bezeichnen. Den imperialistischen Banditen in China ist es gelungen, Dchiang Kai-schek zu kaufen und die Einheitsfront der revolutionären Kuomintangpartei zu zerbrechen. Dchiang Kai-schek ist gezeichnet als Feind Chinas, als Feind der Arbeiterbewegung und als Alliierter und Freund der imperalistischen Rmibgesellen."

In russischen Regierungskreisen wird offen zu- gegeben, daß Dchiang Kai-scheks Putsch einen ernst en Rückschlag für die Kantoner Reg ierung bedeutet, dessen Folgen noch nicht abzusehen sind. Das Interesse konzenttiert sich nun­mehr auf die Haltung der Regierung in Han kau.

Im gleichen Augenblick wird die

Note Tschens

bekannt gegeben, die dieser geschickte Außenminister der Sanfonregierung an die Protokoll-Mächte, auf deren Sühnforderungen hin, gerichtet hat. Tschen schlägt darin vor, daß eine g emischte Unter­such u n gs k o m m i ss i o n gebildet wird, die von Zeit zu Zeit zusammentteten soll, um Zwischenfällen, die sich ereignen sollten, nachzugehen. In den Noten an Großbritannien und die Vereinigten Staaten wird gegen diese Mächte der Vorwurf erhoben, sie hätten die schutzlose Bevölke­rung von Nanking bombardiert. In der Antwortnote an England — und dieser Passus findet sich auch in der Note an Frankreich — wird daran erinnert, daß England und Frankreich das schutzlose Schamien bombardiert hätten. — Im

übrigen sind die fünf Antwortnoten fast identisch. In allen wird Nachdruck auf die Feststellung gelegt, daß Zwischenfälle von der Axt der N nkinger Er­eignisse immer wieder vorkommen könnten, solange die ungleichen Verträge weiter best '.noen. Deshalb schlage die Kantoner Regierung b.e sofortige Ei fetzung einer gemischten Kommission zur Revi­sion der Vertragsbestimmungen vor. Der Außenkommissar wiederholt zum Schluß aus­drücklich, daß die Nationalregierung nicht zugeben könne, daß die Nationalisten für die Vorfälle in Nanking verantwortlich seien.

Die Note wird in den europäischen Hauptstäd­ten und in Amerika nicht als befriedigt empfun­den. Washington und Paris betonen aber jetzt schon, daß sie sich an einer etwaigen englischen Strafexpedition gegen China nicht beteiligen wer­den.

wtb. Washington, 16. April. (Cig. Funkm.) In politischen Kreisen wird angenommen, daß ke ine Erwiderung auf die Note Tschens erfolgen werde, bis die Stellung Tschens als Außenminister sicher gestellt sei. In diesem Zusammenhang wird namentlich auf Tschens weiteren Vorschlag hinge­wiesen, die alten Verträge mit China abzuänbern. Da aber bis jetzt nur die Regierung von Peking anerkannt worden ist, erwartet man vorläufig keine derartigen Verhandlungen.

*

In der militärischen Lage ist keinerlei Aenderung eingetreten. Sowohl die nordchin?- fischen wie die südchinefischen Truppen machen keinen Versuch zum Uebrrschreiten des Jangtse, sondern haben sich auf beiden Seiten des Flusses zwischen Nanking und Tschinkiang ein­gegraben.

vorrücken der chinesischen Jtorbfruppen.

Havas meldet aus Schanghai, das allgemeine Vorrücken der Nordtruppen bestätige sich. In Schanghai fei die Lage trotz der Agitation, die unter den Arbeitern betrieben werde, ruhig.

•

Ans Washington wird gemeldet: Das Marine- devartement gibt bekannt: Der Zerstörer der Ver­einigten Staaten „John Ford" feuerte Schrapp- nells gegen chinesische Nordtruppen und brachte das Feuer zum Schweigen, das sie gegen den Dampfer der Standard Oil Company „Zion" richteten.

(Entwaffnung der Kommunisten.

wtb. Schanghai, 16. April. (Eig. Funkm.). Nach Funkmeldungen aus K a nt o n wurden auf An- ordnung der Kanton-Regierung die Streikposten und bewaffneten Kommunisten in Kanton und Um­gebung gestern eingefreift. Es kam zu hef­tigen Kämpfen, an denen, wie es heißt, ungefähr 100 Kommunisten gefallen feien. Zahl­reiche Verhaftungen wurden vorgenommen. Es sind alle Vorfchriftsmaßregeln getroffen, um das Fremdenviertel in Kanton vor den Auswirkungen der Kämpfe in der chinesischen Stadt zu schützen. Zur Zeit herrscht im Fremdenviertel, das sich, wie bekannt, auf der Insel Schamien befindet, völlige Ruhe. ' _ . __

Uirche und Völkerbund.

Von Dr. Otto Färber, Karlsmhe.

In der Presse wiederholen sich die Gerüchte, wonach der Vatikan um Aufnahme in den Völker­bund nachsuchen wolle. Die Richtigkeit, bezw. den Richttgkeitsgehalt solcher Meldungen nachzuprüfen, ist nicht im Rahmen nachfolgender Ausführungen. In der angeführten Weise sind die Nachrichten sicherlich nicht richtig. Fassen wir aber den da­durch entstehenden Zustand als schon geschaffen auf, so befinden wir uns mit einem Male einem Völkerbünde gegenüber, dessen Autorität eine an­dere wäre, als die des heuttgen Völkerbundes, der von recht mächtigen Kreisen als eine guantite negligeablc sozusagen über die Schulter angesehen wird, ja einer gewissen Seite als widerwärtiger Prügel auf dem Wege zu erträumten Machtzielen erscheint.

Beim Dattkan ist ja zur Zeit viel weniger, als zur Zeit der Existenz des größeren Kirchen­staates zu unterscheiden zwischen der weltlichen Souveränität und der mit beispielloser moralischer Autorität ausgestatteten höchsten Würde der Wett- kirche.

Ein Völkerbund mit Rom als geistiger Welt- haupfftadt hätte durch das Derbundensein von Hun­derten Millionen Menschen mit her organisierten Friedenssache einen großen Rückhalt und Resonanz­boden in breitesten Volksmassen und würde die Sache des Völkerbundes zur Herzenssache, von Millionen machen, während er heute noch viel zu' sehr Sache des Verstandes weniger Erlesener zu sein scheint. Die Klärung des prinzipielle Ver­hältnisses der Kirche zum Völkerbunde toirb_ uns nicht nur Mögliches und Unmögliches bezüglich der Stellung des Vatikans zu ihm unterscheiden lassen, sondern auch Prognosen und praktische Vor­schläge gestatten, die heute interessanter und wert­voller sind als je. Denn die Zeiten sind ernst. Die Erscheinungen und Formen in der Weltge­schichte wechseln. Wesen und Zweckbesttmmungen der Kirche bleiben gleich. Ihre Stellungnahme zv den Erscheinungen und Formen orientiert sich an ihren Prinzipien. Die Beurteilung der Umwelt ge­schieht im Hinblick auf die Zweckrichtung unter Frage nach Beweggrund und Zielrichtung, oder für oder gegen die eigenen Aufgaben. Die Kirche, welche älter ist, als alle heutigen Staaten und sich in allen Stürmen unerschütterlich erweist, erhält ihre letzten Aufgaben nicht von außen, sie wird aber durch menschliche Verhältnisse dauernd veran­laßt, im Hinblick auf ihre letzten Aufgaben, die ihr nicht von Menschen gesetzt sind, für oder gegen Stellung zu nehmen. Und wie ihr einzelne Men­schen Träger ihres Wirkens sind, so sind ihr ost auch Vereinigungen, menschliche Organisationen hochwillkommen oder geeignet, mitzuarbeiten an ihrer zeitlosen Mission. Die Menschheit zu Gott zu führen, Gottes Offenbarung zu verkünden und zu hüten, seine Gebote zu überwachen und in dau­erndem Kampfe gegen die Tiefennatur der Mensch­heit durchzusetzen, das ist wesentlich die Aufgabe der Kirche, verklärt durch die übernatürlichen Gna­dengeschenke, die sie mit nimmermüden Händen den Ihrigen spenden darf. In ihrer Aufgabe steht sie souverän über allen Einzelpersonen und Staaten, nicht im Sinne eines materiellen Machtkörpers, sondern bezüglich der Rangordming wahrer Autori­tät.

Sie kann sich deshalb nicht zurückziehen aus dem Gettiebe der Welt: denn unter Menschenkin­dern zu sein und zu wphnen, ist ja ihr Beruf, unb der Dienst an der Menschheit ihre zweite Natur. Sie kann sich auch nicht schieben und drücken lassen zu gnädig geteilten Rollen, sei es nun als Statist .ober Sündenmäntelchen ober Büttel für biefe ober jene Macht ober Mächtegruppe. Sie bestimmt ihren Bereich, wobei sie abe’r immer bereit ist, und be­reit sein muß, auch im Stillen unb auf begrenz­tem Raume zu wirken, wo ihre Feinseligkeit ober Hochmut die Türe weist. Eine königliche Dienerin!

Zur Höherentwicklung der Menschheit, zur Wah- rung nicht nur des fünften Gebotes, zur Ermög­lichung edelmenschlicher posittver Tat, zur Rettung endlich so vieler Seelen hat die Kirche immer den Frieden, basiert auf Gerechtigkeit unb Vernunft, warm, ja oft mit Leidenschaft vertreten. Sie unter­band niemals die Selbstbehauptung, Notwehr von einzelnen ober Nationen, wie sie überhaupt nicht Frieden im Sinne absoluter Waffenverwerfung oder Waffenenthaltung als Ideal oder sittlich an­erkannte. Hat sie doch oft genug die Waffen ge­segnet, die sich für die Rettung eines Ideals ober einen im höheren Sinne idealen Zustand erhoben. Ms verwerflich aber hat sie immer den Krieg, der ans „reinem“ Utilitarismus, Raubsucht, Haß oder Machtgier geführt wurde, bezeichnet. Indem sie sich die Beurteilung der einzelnen Fälle vorbehielt, wurde die Kirche im Laufe der Jahrhunderte zur größten und bewährtesten Fricbensstifterin, so­wohl von Amtswegen als auch durch ihr ergebene unb von ihrem Geiste erfüllte Persönlichkeiten.

Wohl zu beachten ist jedoch, daß wohl die Prin­zipien feststehen und bezüglich der sittlichen Norm die Kirche das Recht der Unfehlbarkeit in Anspruch nimmt, daß aber Stellungnahme im einzelnen Falle einen allerdings hochzuwertenden und mit höchster moralischer Autorität ausgestatteten mensch­lichen Akt vorstellt. Wie steht nun nach dem Ge­sagten die Kirche zum Völkerbund? Seine statu­tenmäßig festgelegte Absicht, dem Frieden zu dch en, wttd sie ohne Zweifel mit Wohlgefallen beachten und zu schätzen wissen. Don dem Recht, Motive, Voraussetzungen, Mittel und Ziele auch beim Völ­kerbund zu bewerten, wird sie naturgemäß nicht ab­gehen. Ohne Zweifel ergibt die Prüfung der Völ­kerbundssatzung, daß es sich um ein schon heute mit ziemlich brauchbaren Mitteln.arbeitendes In­stitut handelt. Merdings handelt es sich zunächst um das papierne Statut der Societe des Äla- lions. Da aber nach kirchlicher Auffassung nicht der