gmiellt1linn,er ^nnnL gffWf 19
Fuldaer Zertung
Anzeiger für die Stabt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Areisblatk.
irr. ss.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilage: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk.
Freitag, 15. April 1927.
Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Colonel) lokal 0,15 5LM., auswärts 0,20 5Ut. Reklamezeile: lokal 0,60 5UI, auswärts 0,80 5UI. Bei Wiederbolungen Rabatt. Postscheckkonto Frankfurt a. M. 91t. 4051. :-:
Zahrg.54.
Zwischen Colmar und Poris.
Vor dem Schwurgericht in Colmar ist ein fünftägiger Prozeß zu Ende gegangen, der die Hintergründe beleuchten sollte, auf denen sich die e l s ä s- sischeAutonomiebewegung abspielt. Anlaß des Prozesses war die Klage, welche der frühere Reichstagsabgeordnete und das jetzige Mitglied des oberelfäsfifchen Generalrates, Abbee Haegy, gegen den Berichterstatter des „Journal", Helfey, und den Direktor dieses Blattes, Courgeon, wegen Verleumdung angestrengt hatte. Das „Journal" hatte den Kläger beschuldigt, er sei ein F e i n d Frankreichs und eine Gefahr für den Frieden und die nationale Sicherheit. Kläger und Beklagte hatten einen großen Zeugenapparat namhaft gemacht, sodaß man einen großen politischen Prozeß erwartete. Es ist dann auch bei der Zeugenvernehmung viel über die Geldquellen geredet worden, welche der elsässischen Autonomiebewegung zuflössen. Auch hat der Prozeß Gelegenheit gegeben, in die politischen Gefühle der Elsässer hineinzuschauen. Aber etwas eigentlich Neues hat er nicht gezeitigt. Daß die Elsässer heute mit der französischen Zentralisierungspolitik ebensowenig zufrieden sind wie dies früher unter der deutschen Verwaltungspolitik war, ist nichts Neues, auch daß die Franzosen noch nicht recht erkennen wollen, daß die Liebe der Elsässer zu ihnen gar keine so unbedingte ist, wie sie es beim Zusammenbruch der deutschen Kriegsfront meinten, ist hinlänglich bekannt. Der elsässische Autonomiegedanke ist nicht erst nach dem Kriege entstanden, sondern hat seine Wurzeln in der Vorkriegszeit, wo ihn sich die Franzosen bedenkenlos zunutze zu machen suchten. Daß er heute gegen die Franzosen s e l b st ausschlägt, sollte den Pariser Zentralisationspolitikern eigentlich kein Anlaß zur Klage sein. Immerhin berührt uns heute dieser Prozeß mit seinem politischen Hintergrund nicht mehr unmittelbar. Er ist eine französische Angelegenbeit, um die wir uns keine Sorge machen wollen Mir haben im eigenen Lande Sorgen genug. Der S ozeß schloß übrigens mit einer romantischen D e m o n st r a t i o n. Als die beklagte Partei dem Kläger Haegy das Zeugnis ausgestellt hatte, daß er nicht beabsichtige, sich mit dem Elsaß von Frankreich zu trennen, eine Erklärung, die allerdings erst auf einen Hochruf Haegys auf Frankreich erfolgte, stimmte das Publikum die Marseillaise an. Unterdessen verneinten die Geschworenen alle gegen den angeklagten Redakteur des „Journal" gestellten Schuldfragen. Dann gab es eine effektvolle Verbrüderungsszene mit einem großen Blumenstrauß, umwunden mit einem Band der französi- sischen Tricolore, den die Freunde des Angeklagten dem Kläger überreichten, den dieser aber mit seinem Prozeßgegner teilte.
Eine Rolle in dem Prozeß spielte auch die Haltung Dr. Haegys als ehemaliger Reichstagsabgeordneter im Kriege. Mehrfach wurde — zur Abwehr des Vorwurfs der Franzosenfeindschaft! — angeführt, daß Haegy vor dem Kriege und während des Krieges in deutschen Kreisen als Französling galt. Daß ein solcher Mann sich heute nun gegen den entgegengesetzten Vorwurf, „proboche" zu sein, verteidigen lassen mußte, ist ein ebensolches Zeugnis für die tragische Lage des elsaß-lothringischen Grenzlandes wie das Auftreten des früheren Abgeordneten Brogly, der wegen franzosenfreundlicher Kundgebungen von den Deutschen zu mehrjähriger Zuchthausstrafe verurteilt worden war und heute — Autonomist und damit nach französischer Auffassung Franzosenfeind ist.
Dr. Haegy ist ein katholischer Publizist von erstem Rang. In den letzten Tagen wurden in den elsässischen Zeitungen Dokumente aus der Kriegs- zeit veröffentlicht, die sich mit ihm beschäftigten. Haegy wird darin als ein ausgesprochener Fe i n d Deutschlands bezeichnet, und infolge dieser Ansichten der Militärbehörde wurde dem damaligen Abgeordneten die Provinz P o s e n als Aufenthaltsort angewiesen, ein Betreten des elsässischen Bodens wurde ihm untersagt. Damals wandten sich seine Freunde an Reichstagsabgeordnete, um eine Milderung dieser Maßnahmen durchzusetzen, aber es war kein Erfolg zu erzielen. Als nach dem Waffenstillstand Haegy in die Heimat zurückkehrte, hatte er bald Gelegenheit, für das ihm bezeigte Mißtrauen in christlicher und priesterlicher Weise den Dank abzustatten.
Es kamen nämlich im Elsaß die entsetzlichen Wochen nach dem deutschen Zusammenbruch mit dem theatralischen Einzug der Franzosen und der gewaltsamen Ausweisung einer großen Zahl von Altdeutschen. Jeder aufrechte Elsässer schämt sich noch heute für sein Volk über die Szenen der Verwilderung, die sich damals abspielten, als die Familien so vieler Beamten und anderer Deutschen unter dem Hohngelächter, dem Spott und den namenlosen Schmähungen eines Teiles der Bevölkerung das Land verlassen mußten. Die seelische Verwirrung, die der Krieg überall erzeugt hatte, mag als Erklärung, aber nicht als Entschuldigung dienen. In dieser schlimmen Zeit der Verrohung fanden nur wenige Elsässer den Mut, dem Pöbel entgegenzutreten und sein Verhalten zu mißbilligen. Unter diesen Wenigen stand an e r st e r Stell e H a e g y. Er tadelte offen und scharf die Raserei der mißleiteten Bevölkerung. Und was noch mehr in Anschlag gestellt werden muß — er stand nach Möglichkeit den bedrängten Deutschen bei, er sorgte in rührender Weise für die Rettung ihrer Habseligkeiten, er erbat von den Behörden Schonung und erleichterte, wo er nur konnte, das harte Los der so plötzlich und so erbarmungslos Ausgewiesenen. Wer die Lage des Landes kennt, wird ermessen können, welche Folgen daraus für den Mann entstehen mußten, der sich hier in erster Linie als Priester und als Menschenfreund fühlte. Er zog sich schon damals den Zorn der Machthaber zu, und er wurde zur Zielscheibe der
Verleumdungen und der billigen Denunziationen der Armseligen, der Allzuvielen.
Seit diesen Wochen des jammervoll ausgehenden Jahres 1918 wurde Haegy von Franzosen und noch mehr von Französlingen als „Feind Frankreichs" in allen Farben geschildert. Und als nun die Bedrückung der Heimattreuen Bevölkerung begann, als es sich herausstellte, daß Frankreich, statt die feierlich gegebenen Versprechungen zu erfüllen, dem armen Volke sogar sein köstlichstes Gut, die durch lange Jahrhunderte hindurch treu gehütete deutsche Muttersprache, rauben wollte, da erhob sich der Colmarer Volksmann als der ersten einer, um vor dem Elsaß und vor Europa lauten Einspruch zu erheben. Lange bevor der Heimatbund entstand, hat er den schweren Kampf
geführt, auch damals schon, als in den höheren Regionen des Landes das Außerachtlassen der Vorsicht noch als unmittelbare Gefährdung galt. Später ist der Heimatbund in stürmischer Frontstellung weit über die Linie Haegys hinausgegangen, da dieser großen Wert darauf legte, mit der Mehrheit der Elsässischen Volkspartei in Einklang zu stehen. Wir wollen ihn dafür weder tadeln noch loben, wir überlassen lieber den Elsässern selber die Regelung ihrer taktischen Angelegenheiten. Aber wir nehmen doch herzlichen menschlichen Anteil an einem Manne, der infolge der Lage seiner Heimat und infolge seiner Pflichterfüllung als k'tholischer Priester sowohl von den schwarz-weiß-roten, wie von den blau-weiß-roten Chauvinisten jeweils verfolgt worden ist und verfolgt werden wird.
*
Notwendigkeit ergeben, in der Ausstattung des Reichs- neue <2 Haushaltsplans mit Mitteln an Stellen zurückzuhalten, I Beschim wo sie nicht unbedingt notwendig sind. Der Bericht- folqung erstattet beantragte alsdann namens der Ausschüsse, I bezwecke
rung Staa
Be- zur
In der Reichsratsitzung am Mittwoch berichtete über den Reichshaushall für 1927, wie er sich nach den Beschlüssen des Reichstages gestaltet, preußischer Ministe- rialdirektor Sachs.
Re- i Nietung oen Avruiiungsgeoanren ntctjt errm nehme. ; Nicht weniger verkehrt fei es, von einem Ban- ;. kerott der gegenwärtigen Arbeiten zu sprechen. Cecil verteidigt im übrigen vor allem den englischen Vvrentwurf über die Seeabrüstung, ohne den die Debatten kaum zu einem Ergebnis und vor allem zu einem weniger ehrlichen Ergebnis geführt hätten, als es jetzt, wenn auch noch nicht abgeschlossen, vorliege. Dieses Ergebnis stelle in der ganzen Weltgeschichte den wichtigsten Schritt auf dem Wege zur Abrüstung dar.
von den Reichstagsbesck>'ülsen Kenntnis zu nehmen, ohne Midersvruch zu erheben.
Der Reichstat beschuh in diesem Sinne. Der Etat ist also mmmehr endaültia verabschiedet. Der R-'lbs-at erklärte, sich ferner einverstanden nut den Beschlüssen des Reichstages betreftend Entick,äd->un-en von M't-
Graf Bernstorsf hat einen Vorschlag für die Präambel der fünftioen Abrüstungrkonvention eingebracht, der die beiden vorliegenden französischen und englischen Fassungen ersetzen soll und in der Uebersetzuna folgenden Wortlaut bat: „In der Erwägung, daß die drückenden Rüstungen die größte Gefahr für den Weltfrieden bilden, daß ferner eine allgemein? Herabseßung der Rüstungen im Artikel 8 des Vmkerbundspaktes vorgesehen ist, haben die hohen Vertragsparteien den Abschluß einer Konvention beschlossen, um in der Richtung auf die Verwirklichung diel-w Ziele den ersten Schritt zu tun, dem weiteren Schritte folgen müssen, die deutlichere Fortschritte auf dem Wege der Abrüstung bringen."
gliedern des Reichstages und nahm weiterhin die schlüsse. des ReiLstaaes zum Arbeitszeitnotgesetz Kenntnis, ohne Einspruch zu erheben.
Das Republik - Schulgesetz.
Er hob hervor ,daß der Reichstag an der Regi'erunas- Vorlage westttagende Aendenmaen votgenommen habe, die sich sowohl auf die persönlichen wie auf die fach- lichen Aufgaben erstreckten. Insgesamt belaufen sich die vom Reichstag genehmigten Mehrausgaben auf nahezu drei Viertel Milliarden. Der Abschluß des Reichshaushaltsplanes zeigt, so führte der Berichterstatter aus, daß die Finanzlage des Reiches außerordentlich ernst ist. Bei der Aufstellung des Haushaltsplanes für 1928 werden insgesamt 1105 Millionen Rink., also mehr als eine Milliarde, fehlen, und das gegenüber einer Steigerung der Reparations- lasten von 351,9 Millionen Rmk. im Rechnungsjahr 1928. Wie dieser Gesamtbetrag von über 1,4 Milliarden gewonnen werden soll, dafür fehlt e i n st w e i l e n jedes Anzeichen. Fügt man hinzu, daß der Reichs- finanzminister im Haushaltimgsmisschnß des Reichstages erklärt hat, daß es eine dringend bevorstehende Aufgabe fei, eine Erhöhung der Beamtenbesoldung, eine Steigerung der Versorgung für Kriegsbeschädigte und eine Besserstellung der Liguidati onsgeschädigten herbeüufüh- ren, so erhellt dies die ganze Gespanntheit der Finanzlage des Reiches, und es werde sich die unabweisbar» Notwendigkeit ergeben, in der Nuss' " -----
Es handelt sich bei den preußischen Anträgen um die dauernde Einfügung von Bestimmungen "in das neue Strafgesetzbuch zur Bestrafung der' öffentlichen Beschimpfung der Republik und zur strafrechtlichen Ver- " J von Verbänden, die den Sturz der Republik ^zwecken.
Reichshkushalt für 1927 vom ReichM verabschiedet Die Sorgen für das kommende Jahr.
In der Reichstatssitzung wiederholte der Reichs- iustizminister Her gl den Widerspruch der Reichsreqie- ‘ * gegen die Anträge der preußischen tsregierung, die sich auf die Aufrechterhaltung gewisser Bestimmungen des Republik- schutzgesetzes bei der neuen Strafrechtsreform beziehen. Der Vertreter der preußischen Staatsregierung erklärte sich von der Erklärung der Reichsregierung nicht befriedigt und vermißt vor allem irgend eine bindende Zusage darüber, daß die entscheidenden Bestimmungen gegen eine Beschimpfung der republikanischen Staats- form oder ihrer Symbole aufrecht erhalten werden solle. Er beantragte namentliche Abstimmung über die preußischen Anträge. Diese Abstimmung ergab die Annahme der preußischen Anträge mit 37 gegen 30 Stimmen.
Jas KWnis der
Paul Boncour gab in Genf bei einem Er der internationalen Presse der Meinung Ausvruu, daß die Auseinandersetzung über das Abrüstungsproblem für die nächste Zeit außerhalb des Vorbereitungsausschusses und vor allem bei den Regierungen selbst liegt. Angesichts der augenblicklichen Lage, in der weder in der See- noch in der Kontrollfrage das Kernproblem gelöst ist, warnt Paul Boncour vor jedem „banalen Optimismus", obwohl er anderseits der Meinung ist, daß die bestehenden, allerdings noch tiefgreifenden Unstimmigkeiten überwunden werden können. Er glaubt, daß die aeaenroärtioen Abrüstungsverhandlungen am meisten durch den Umstand belastet werden, daß die Sicherheitsfrage, die eine Voraussetzung für die Durchführung der Abrüstung fei, seit dem Abschluß des Lo- carnovertrage« noch keine weiteren Fortschritte gemacht hat. Nach seiner Auffassung hätten, da das Genfer Protokoll nicht zustande kam, wenigstens die regionalen Sicherheitsverträge auf den Balkan, das Baltikum und das Mittelmeer ausgedehnt werden wüsten.
Bei dem Presseempfang wandte sich Lord Robert Cecil sehr entschieden oeaen die Behauptung, daß England daran Schuld sei, daß der Dorbereitunasausschuß für die Abrüstungskonferenz mit feinen Arbeiten nicht weitergekommen fei. Er
neuen Provinz Bozen einzutreten schien, ist eine Hoffnung geblieben.
Für Dr. Noldin, der einer der rührigsten Kämpfer für das Deutschtum in Südtirol war, hat sich vor allem auch der Kartellverband Katholischer Studentenvereine Deuschlands (K. D.) verwandt, dem Noldin angehärt. Die Reichsregierung in Berlin wurde dringend um Hilfe für den deutschen Vorkämpfer ersucht. Anscheinend hat Dr. Strefemann keine diplomatischen Mittel gehabt, bei Mussolini etwas zu erreichen, obgleich nach dem vor einiger Zeit bekannt gegebenen herzlichen Schreiben Stresemanns bei seiner Abreise von San Remo an den italienischen Diktator die Beziehungen nicht schlecht sein können.
Der Prozeß Zambom.
Im weiteren Verlauf der Verhandlungen gegen den General Zaniboni, der ein Attentat auf Mussolini geplant hat, schilderte der Zeuge Belloni, Leiter des politischen Dienstes, die Verhaftung Za- nibonis, die Untersuchung und die Auffindung der Mittäter. Der Zeuge Pennetta, der damals Leiter der Gerichtspolizei war, schilderte die Haussuchungen bei Torrigani und in der Freimaurerhauptloge, wo man das Archiv leer und im Keller versteckt mit Kalk bedeckte Papiere fand. Im Zimmer des Großmeisters habe man einen Zettel Tor- riganis mit folgenden Worten gefunden: „3.11. 25. Bei Laporte sehr reserviert morgen." Torrigani habe erklärt, diese Worte bezögen sich auf eine Einladung zum Feste; jedoch hätten mehrere Umstände, die sich während einer Haussuchung bei La- porta gezeigt hätten, den Zeugen von den Unrichtigkeit der Erklärungen Torriganis überzeugt. Der Zeuge Dosi, Polizeibeamter, sagte aus, die Generaldirektion des Sicherheitsdienstes sei schon seit einiger Zeit über die Absicht Zanibonis, einen Anschlag auf Mussolini zu verüben, im klaren gewesen.
Die BeamteivBefoIbung.
Die poft- und Telegravhenbeamten für Gehaltserhöhung.
Eine in Berlin veranstaltete stark besuchte Mit- gliederversammlung des Reichsverband >s deuifcher Post- und Telegraphenbeamten beschäftigte sich mit der Brsoldungsfrage und nahm nach Ausführungen des Verbandsvorfitzenden Kugler, der die wirtschaftliche Notlage besonders der unteren Beamten schilderte, einstimmig eine Entschließung an, in der gegen eine weitere Hinausschiebung der notwendigen Erhöhung der Beamtenbezüge protestiert wird. Der Verbandsvorstand wurde beauftragt, sofort mit dem Deutschen Beamtenbund die Erhöhung der Bezüge, mindestens rückwirkend ab 1. April d. Js. noch vor Beginn br Sommerferien des Reichstags zu verlangen.
Jas Ringen Wichen Wien und Milannen.
Stefani meldet aus Rom: Das Pressebüro des, Minstterpräsidenten veröffentlicht folgende Erklä- rung: Aus Anlaß einer von der jugoslawischen Agentur Avala in Belgrad veröffentlichten Mit- teilung, in der von direkten Berhandlun- gen gesprochen wird, welche in dieser Woche zwi- fchen Rom und Belgrad beginnen sollten, hält cs die italienische Regierung für richtig, bekannt zu geben, daß noch keine Fühlungnahme zwischen dem jugoslawischen Gesandten in Rom und dem Minister des Aeußern Mussolini ftattqefunben hat, daß noch fein Datum für eine eventuelle Unterredung festgesetzt ist und daß es sich in jedem Falle nicht darum handelt, Vorbesprechungen oder Verhandlungen über einen Vertrag wie denjenigen von Tirana, der den jugoslawischen Staat nicht betrifft, einzuleiten, sondern daß es sich allein um Besprechungen handelt, die dazu dienen sollen, die allgemeinen Beziehungen zwischen den beiden Staaten zu klären.
*
„Giornale d'Jtalia" ist im Besitze von Belgrader Informationen, wonach die jugoslawische Regierung die folgenden Mobilmachungsbefehle gegeben haben soll: 8—12 000 Mann sollen in den ersten Apriltagen in Cattaro konzentriert werden. 12—15 000 Mann am 15. April in Podgoritza (Montenegro) und an der albanischen Grenze 10—15 00Ö Mann in den ersten Apriltagen in dem Gebiet von Kossovo-Mitzovitscha an der albanischen Nordostgrenze. Ein Kontingent, besten Starke und | Zusammensetzung nicht festzustellen war. soll in •
die Gegend von Monastir verlegt werden. Am 8. April kam in Spalato ein jugoslawischer Dampfer an, der eine vollständige Ausrüstung und Be- roaffnung für 30000 Mann an Bord hatte.
Mussolinis Tyrannei.
Lin katholischer deutscher Mann als Opfer im Kamps für das Deutschtum in Südtirol.
Das italienische Innenministerium hat die Berufung des Rechtsanwalts Dr. Joseph Noldin aus Salurn gegen seine Zwangsverschickung abschlägig beschie- den; das Urteil des Präfekten Paccar! von Trient ist damit rechtskräftig geworden.
Noldin war lange Zeit hindurch als Führer der Deutschen in Südtirol Gegenstand heftiger Angriffe und Bespitzelungen durch die faszistifchen Behörden. Man hat ihm schließlich aus seinem Eintreten für den deutschen Privatunterricht, der nach seiner Ansicht durchaus zulässig ist, einen Strick gedreht: er wurde verhaftet, gefesselt nach Trient gebracht und auf Grund eines neuen italienischen „Sicherheitsgesetzes" ohne Angabe von Gründen zum höchsten Strafmaß von fünf Jahren Zwangsverschickung verurteilt. Die ge- rechte Empörung der südtiroler Bevölkerung über das drakonische Urteil schien die saszistilchen Behörden zum Einlenken zu veranlassen und gewisse Anzeichen deuteten daraus hin, daß von Rom aus eine weitere Per- schärfung der Gegensätze in Südtirol nicht gewünscht würde. Die Erwartung, daß die überaus harte Strafe für Noldin gemildert werden würde, hat sich nicht erfüllt: der aus dem Kreise seiner Familie gerissene deutsche Rechtsanwalt muß die Heimat verlassen, und die Beruhigung in Südtirol, die mit der Schaffung der
Die Lage in Thina.
In London fand eine englische Kabinettssitzung statt, in der die Lage in China erörtert wurde. Es nahmen daran auch der Luftmarschall, Trencbarb, und der Erste Seelord Beatty teil, die Mitglieder des Reichsverteidiaunasailsschustes sind. Es verlautet, daß die Stärke der Flotte und anderer Streitkräfte, die augenblicklich im Fernen Osten sind, erörtert wurde, da die erneute Tätigkeit der nordchinesischen Generäle und die allgemeine Unsicherheit der Lage Ursache zu Besorgnis gäbe. Die Minister erörteren u. a. die .ereile von Sachverständigen erwogene Möglichkeit der Entsendung von Flugbooten nach China, die im Notfall eingesetzt werden Wien. Bisher ist noch keine Antwort auf die Nanking betreffende Note der Mächte eingegangen. Es wird angenommen, daß das Kabinett vor den Parlamentsferien zu beschließen wünscht, welche Schritte Großbritannien unternehmen würde, falls keine Genugtuung gegeben wird. Die Chefs der Flotte und der Luftstreitkräfte besprachen sich über eine Stunde mit den Mitgliedern des Kabinetts, und die Minister setzten die Teratungen sodann weiter fort.
*
Nach einer Meldung des Sonderberichterstatters der Havasagentur in Schanghai, ist der von den Kommunisten entfachte General st reikge- scheitert, nur wenige Fabriken und Geschäfte seien von ihm betroffen worden. Die gemäßigteren Führer der Kuomintang hätten an alle Städte ein Rundschreiben gerichtet, in dem sie zum unerbittlichen Kampf gegen die Kommunisten auffordern.
•
„World" hort im amerikanischen Staatsdepartement, daß der Vorschlag des britischen Botschafters, die Yangtsehäfen zu blockieren, falls die Forderungen der Note an die Kantonregierung nicht erfüllt würden, von Kellogg a b g e l e h n t wurde. Die Regierung der Vereinigten Staaten fei bemüht, die bestehenden Reibungen zu vermindern, anstatt sie zu verschärfen.
Seine Truppenbewegungen in der Sowjetunion.
Die Telegraphenagentur der Sowjetunion ist ermächtigt zu erklären, daß alle in der ausländischen Presse verbreiteten Gerüchte über eine Verschiebung von Sowjettruppen nach dem Osten oder eine Truppenzusammenziehung an der Grenze der Mandschurei usw. eine lügnerische und provokatorische Erfindung darstellen. Die friedliche Haltung der Sowjetregierung sei mit besonderer KlarheU in ihrer Note an die Pekinger Regierung vom 9. April bargelegt worden.
*
Wie aus Moskau verlautet, wird der chinesische Geschäftsträger Moskau verlassen und sich nach E st l a n d begeben.
* Rakifizierung des deutsch-türkischen Handelsvertrages. (Eig. Funkm.). Die türkische Kammer in Angora hat den beutsch-lürkilchen Handelsvertrag ratifiziert.