„Mftabt".
Der Verfasser des Schauspiels, dessen Uraufführung auf dem Petersberg zu Ostern bevor- fteht, schreibt:
Ich bin gefragt worden, warum ich dem Schauspiel den Titel Fürftabt gegeben habe.
Wenn der Fürstentitel auch erst von 1300 ab, seit Fürftabt Heinrich V. von Weilnau, regelmäßig in den kaiserlichen Schriftstücken an die Fuldaer Siebte angewandt wurde, so ist er doch vereinzelt schon früher nach- zuweisen. Abt Berthoch I. von Schlitz wurde von Papst Innocenz II. in Rom im Jahre 1133 zum Abte geweiht und nach der Weihe auch als Fürst gekrönt. Kaiser Friedrich I. bezeichnete in einer von ihm am 25. 7. 1170 in Frankfurt ausgestellten Urkunde den Abt Burkard von Fulda als Fürst. In einer Urkunde des Königs Wilhelm von Holland vom 13. 12. 1252 wird Abt Heinrich IV. von Fulda als Fürst angeredet. Dos Ansehen des Fuldaer Abtes war auch vor 1300 das eines Fürsten. Kaiser Otto hatte schon im Jahre 968 vom Papste Johann XIII., der die Fuldische Kirche als die „specialis filia" der Römischen bezeichnet, dem Fuldaer Abte den Primat vor allen Benediktineräbten Germaniens und Galliens erwirkt, wahrscheinlich deshalb, weil er zum Trzkanzler der Kaiserin ausersehen war, wenn auch dieser Titel erst 1356 belegt werden kann . In diesem letztgenannten Jahre wurde er ihm aber nicht erst verliehen, sondern dem Abte die Würde des Erzkanzlers der Römischen Kaiserin bestätigt. Es war wohl ein seit Jahrhunderten bestehendes anerkanntes Vorrecht der Fuldaer Aebte. Ihnen stand auf Reichsversammlungen der Ehrenplatz zur Rechten des Erzbischofs von Mainz und bei ollen in Mainz gehaltenen Hoftagen zur Linken des Kaisers zu und das Recht, bei der Krönung und in Reichs- Versammlungen der Kaiserin die Krone aufs Haupt zu setzen. Der Titel Erzkanzler der Kaiserin wurde von 1356 an nun von den Fuldaer Fürstäbten und Fürst- blschöfen bis zur Auflösung der Abtei geführt.
Die oben genannten Tatsachen und die soweit zurück- reichende Würde eines Erzkanzlers haben mich veranlaßt, Abt Berthoch II. (1261—1271) als Fürftabt zu bezeichnen.
. Die Redlichkeiten, an denen sich die Handlung voll- «>eht, sind die Burg Steinau an der Haun mit dem dazu gehörigen Mushundes, die Osterburg norm Kreuzberg °as Paradies und die Jakobskapelle zu Fulda.
Mushundes lag nördlich von Lehnerz da, wo heute «r von der Leipziger Straße durchschnittene Wald- und
Flurteil „im Mausehund" liegt. Hier wird in die nach der Zukunft hin bewgte Situation des im dreizehnten Jahrhundert spielenden Trauerspieles versetzt und eine spannende Aussicht eröffnet.
Auf der Osterburg bei Bischofsheim schürzt sich der Knoten der dramatischen Verwicklung enger, der Konflikt des Dramas erhält schärfere Bestimmtheit.
Vor dem Paradiesgericht in Fulda wird er auf seine drohendste Spitze gesteigert. Das sogenannte Paradies war ein vom Abte Wernher im Jahre 973 vor dem Ostchor der Fuldaer Stiftskirche erbauter, viereckiger, von einer doppelten Säulenhalle umgebener Platz, dessen östlichen Abschluß die Königskapelle bildete, die dem hl. Johannes dem Täufer geweiht war. Ihre Fundamente wurden 1913 durch die Ausgrabungen Vonderaus freigelegt.
Auf Burg Steinau, die am südöstlichen Ende des Dorfes gleichen Namens am sumpfigen Ufer der Haun lag, 1287 zerstört wurde und deren letzte Reste noch heute als das „Alte Schloß" bezeichnet werden, vollzieht sich der vierte Aufzug mit der Entwicklung der dramatischen Krise zum Umschwung.
Die südlich des Querschiffs der Stiftskirche von Abt Berthoch TT. erbaute St. Jakobskapelle schaut die Kata- stronhe. (Aus einem Oelgemälde im Bischöflichen Palais zu Fulda sieht man zwischen dem südlichen Querbau der früheren Stiftskirche und der Abtsburg einen runden Turm, der zur ehemaligen Jakobskapelle zu gehören scheint. Siehe Beiträge zur Geschichte der Grabeskirche des hl. Bonifatius in Fulda von Dr. Z. Richter S. 41, Abbildung 3 und S. 47.
Die geschichtlichen Unterlagen für die dargestellte Handlung finden sich kurz zufammengestellt in meinen „Heimatbildern", gedruckt im Verlag der Fuldaer Actien- druckerei, Seite 52—69. In demselben Verlag sind Textbücher „Der Fürftabt" zum Preise von 80 Pfennig erschienen. Die Geschehnisse aus der Bühne zeigen, wie Haß die Welt zerstört und mahnen zur Eintracht. Wie die Idee des Spiels herausgearbeitet ist, zeigen folgende Urteile der heimischen Kritik .
Prof. Dr. Scherer, Direktor der Landesbiblothek in Fulda, schreibt: „Sie haben es vortrefflich verstanden, ein interessantes Stück der Fuldaer Geschichte im Rahmen des allgemeinen Geschehens mit feinen Gegenfätz- lichkeiten, Zwistigkeiten und Händeln lebendig zu machen. Sie geben ein gutes Zeitbild, das sehr verdient, als Volksschauspiel in die Oesfentlichkeit gebracht zu werden und unbedingt in Fulda Beachtung finden wird in einer Zeit, die ähnlichen Widerstreit der Ideen kennt."
Studienrat Bargon, Fulda, urteilt in der „Fuldaer Zeitung" vom 28. und 29. August 1923: . . . Den Stoff
zu seinem Drama „Der Fürftabt" hat er (der Verfasser) der Fuldaer Geschichte entlehnt. Kann aber der Abschnitt, den Fischer behandelt, schon an sich der Teilnahme weiter Kreise gewiß fein, so wird seine Bedeutsamkeit noch dadurch gesteigert, daß er in hohem Maße zeitgemäß ist . . . Und noch mehr von Bedeutsamkeit gewinnt das Drama dadurch, daß der Gedanke, der ihm zugrunde liegt, weder zeitlich noch örtlich begrenzt ist; es ist die alte Wahrheit: Haß zerstört die Welt, nur die Liede kann sie erhalten . . .
So weitet sich die Welt des Dichters und hebt fein Drama aus der Enge der Heimatdichtung hinaus in die große Welt . . .
Der Aufbau der Handlung ist einfach, klar und Übersichtlich. Das Drama bildet eine zusammenhängende Darstellung von einheitlicher Geschlossenheit . . .
Alle Gestalten, die der Dichter uns vorführt, sind Menschen von Fleisch und Blut, wie sie das Leben her- oorbringt und deren seeliches Empfinden wir verstehen können, seien es nun Geistliche, Ritter, Kaufleute, Bau- ern ober fahrende Sänger. Auch die Massen sind nicht stumm, sondern nehmen teil an der Handlung ....
Alle Vorgänge sind glaubwürdig und lebenswahr dargestellt ....
Das Ziel der Handlung erscheint nicht als etwas Zufälliges, sondern ist in dem Charakter der Person begründet.
Landrat Freiherr von Eagern in Fuldc» schreibt: Haben Sie vielen Dank für die Ucberfenbung Ihres dramatischen Werkes. Mit großem Interesse »nb herzlicher Freude habe ich es gelesen. Der Geist der Dich- tung ist dem menschlich großen Geschehen nach meiner unmaßgeblichen Aussicht durchaus gerecht geworden. Die Gestalten treten plastisch hervor, Licht und Schatten ist gut verteilt. Die Darstellung ist wirkungsvoll, was ich beim Vorlesen einzelner Szenen im Familienkreise auch beim jungen Volk gesehen habe. Alles in allem eine treffliche Heimatdichtung, die zu lesen mir eine wirkliche Freude war.
Landrat G. von Steinau-Steinrück in Ziegenhain schreibt:
Vor allem aber lassen Sie mich Ihnen sagen, mit welcher Freude ich Ihr Werk gelesen habe. Es war einmal die Freude des deutschen Mannes an Ihrem so wirkungsvollen Bestreben, dem inneren Frieden im Vaterlands zu dienen . . .
Dann aber war es ein eigenartiger Reiz, Gestalten, dw ich zu meiner Familie rechne, wieder Leben gewin- uen zu sehen. Was ist Ihr Giso Steinau für eine prächtige Gestalt. Ich empfinde stark, wie Ihnen bei dem Werk die Liebe zu dem Ort, dem Sie Ihre Lebensarbeit
Fuldaer Seitung
Borfrühlinqstag in der Rhön
Rudolf Happ.
in in
Den Frühling suche ich. Nicht in den Vorgärten, nicht den Anlagen der Stadt: den Frühling weit draußen Au und Wald.
Vereinzelte Spuren zeigt die Riesiger Au, hier und
Die Sonne tritt hervor und übergießt das Grünb- chen, das weite Land mit ihrem goldenen Scheine. Ich lagere mich neben einem Busche, der von Veilchen umsäumt ist. Lauter wird das Trillern der Rotkehlchen, lebhafter wird der Schlag der Finken, das Locken und Rufen der Meisen. Zärtlich verlangend ruft ein Blutfink im jungen Kiefernbestand; das Wässerlein im Grunde aber murmelt feine trauliche Weise.
Ich steige den schmalen Rain hinauf und gehe durch den Buchenwald am Rande des Gründchens dahin. Zu meinen Füßen raschelt das dürre Laub, aus den Wipfeln aber ruft mir die Graudrossel zu: Sing mit! Sing mit! Hier und da ein letzter Seidelbast, ein letztes Lungenkraut, ein erstes Waldveilchen — im Fichtenwäld- chen aber, am Pfaffenborn ein dichter Filz von Sauerklee. ___
Ein Weg wird überquert, ein Steinwall wird überstiegen, eine steile, ganz trockene Wiesenfläche wird überschritten. Wo zwischen uralten Steinwällen ein Hohlweg die Wiese begrenzt, da schimmerts unter Nuhhecken und Eschen schneeweiß: zahllose Schneeglöckchen, daneben die bunteiroten Trauben bes Lerchensporns unb bie lockeren Rispen bes Goldsterns. Seid mir gegrüßt!
An Wällen mit Hecken, die altes Brachland umschließen, gehe ich entlang, freue mich der Primeln, der Windröschen, des schönen Blutsinks dort auf dem Busche und achte nicht darauf, daß von Süden ein Wetter naht. Da krächzt ein Buchfink, dort ein zweiter. Ich schaue auf. Schon hat sich die Milseburg schwarz umhangen. Verstummt ist aller Vogelsang. Die ersten schweren Tropfen fallen. Ich eile über die Hutweide zur dichten Fichte am Waldesrand, unb es prasselt ein Hagelwetter hernieber in all die Frühlingsfreude. April —!
Dom Bahnhof Bieberstein schaue ich hinab ins Tal. Im Dämmergrau liegt das Blumengründchen. Schwarz stehen dahinter die Ziegenköpfe; Wolkenfetzen jagen darüber hin. Vor dem hellgrauen Osthimmel aber steht wuchtig unb ernst bie Milseburg mit der ragenden Kreuzesgruppe. Karwoche —!
bei ihren Kindern ober Verwandten, so haben sie als vollwertige Verdiener Stimme im Rate der Ihren. Als Angehörige des Alterswerks haben sie aufgehört, sich als altes Mobiliar behandeln zu lassen .
Wirtschaftlich gesehen liegt der Vorteil der Einrichtung, solange sie ohne nennenswerten Reingewinn bleibt, zunächst auf rein volkswirtschaftlichem Gebiet. Vorhandene Arbeitskraft, die sonst der Verkümmerung oder unvollkommenen Auswirkung preisgegeben wäre, übernimmt Produktionszweige, die größten Teils in dieser Form sonst nicht ausgenommen würden. Der Einwand, lieber jüngere Kräfte voll zu beschäftigen, als ihnen durch abgebientes Alter bas Arbeitsgebiet zu beschränken, ist nicht stichhaltig. Fürsorge für verdientes Alter ist moralische Pflicht, und produkttive Fürsorge ist wirtschaftliche Pflicht. Dieses gilt auch für die Schwerbeschädigten.
Eine andere Frage ist die, ob durch die Einrichtung solcher Abteilungen nicht Handwerk und Kleinhandel geschädigt werden. Auch hier muß man bei objektiver Prüfung der Verhältnisse sagen, daß es innerhalb der Industrie nur wenige Sachen gibt, die von diesen Zweigen bes Kleingewerbes gekauft werden. Ausfälle sind zu verzeichnen bei den Großisten unb Fabrikanten. Doch finb diese in der Sage, bie Einbuße wettzumachen, ba sie regionale Schädigungen durch Erschließung neuer Absatzgebiete ausgleichen können.
Die Erfahrungen, bie bisher mit biefer produktiven Sozialpolitik gemacht worden finb, finb recht günstige. Einen Einheitstypus für solche Werkstätten gibt es natürlich nicht.
Diese Pläne bes Dinta der Arbeit an der Jugend zum tüchtigen Facharbeiter, und der Beseitigung der Hem-
bort eine Primel, eine Dotterblume, am Acker ben Huflattich. Ebenso bas Hauntal. An ben trockenen, sonnigen Rainen bes Biebergrunbes schimmert es schon gol- ben unb weiß. Unter ben Hecken an ben Gehängen vor Schackau leuchten schon zahlreiche Buschwindröschen, unb Primeln zwischen ben buntlen Blattrieben bes gefleckten Arons Am rauschenben Wasser ber Mansbach ist eine sumpfige Fläche golbgrün von nieberem Milzkraut überzogen. — Aus ber Gerhardsau aber, jenem schmalen Grimdchen, das im Winblchutze bes Schackau- berges unb ber Ziegenköpfe sich zur Milseburg hinauf zieht, weht mir im schwachen Südwinde eine Welle bes süßesten Dustes entgegen. Wo eine trockene Stelle in ber Wiese ist, ba stehen zwischen graugrünem Grase Hunderte ber zierlichen Primelbolben.
Ich verlasse ben Weg zur Milseburg unb gehe hinein in bie goldene Pracht. Arn Wässerlein gehe ich entlang. Sein flacher Grund ist gefüllt, seine Ufer sind bedeckt mit den rötlichgrauen Blütenähren der Pestwurz. Wo bie hohe Nußhecke ben Rand bes Grünbchens gegen den Wald säumt, prangen zwei mächtige Salwei- benbüsche mit ihren golbgelben Kätzchen. Freunblich schaut von oben bie Milseburg herab.
Von dem kahlen Wipfel einer Buche jubelt ein Rotkehlchen feine Frühlingsfreube in ben Slütengrunb. Finken schmettern bazwischen, unb hell wie Glockenklang schallt ber Ruf ber Kohlmeise burch ben leeren Walb. Ein Pärchen Nonnenmeisen schlüpft durchs niedere Gezweig, Ammern zickern dahin. Der unscheinbare Vogel, ber sich so nahe bem Baben hält, erregt mit bem Schwänzchen wippt, sollte bas nicht bie Heckenbraunelle fein, hörte ich hoch vorhin ihre Helle Irillerftimme ganz deutlich aus all bem Singen heraus. Jetzt bleibt er ruhig sitzen. Sein Rücken rotbraun, bas Köpfchen grau — jetzt eine Wenbung, bie Brust hellgrau, ich habe mich nicht getäuscht: bie Heckenbraunelle. Ein fleißiger Sänger, ein nicht häufiger unb barum hoppelt willkommener Frühlingsbote.
M 86.
Mittwoch, 13. April 1927.
berfelben Form wie eben erwähnt sorgt. Darüber hinaus kann bas Alters- unb Jnvalibenwerk auch mit Dritten Lieferungsverträge abschließen.
Entsprechend dem sozialen Zweck eines solchen Werkes, müssen natürlich seitens ber Firmen Zuschüsse gegeben werben, bie solange als zinslose Darlehen zu betrachten finb, bis bas Werk über einen bestimmten Prozentsatz hinaus Ertrüge abwirft.
Sache ber Leitung eines solchen Alterswerkes ist es, bie Probuktionszweige zu suchen und auszubauen, bei welchen einmal die körperlichen Hemmungen der invaliden Arbeiter nach Möglichkeit nicht in Erscheinung treten, andererseits bie zu wählenben Probuktionszweige sich ben Bebürfnissen ber beteiligten Jnbustrieen bezw. des offenen Marktes anzupassen, sodaß ber Absatz ber Probukte gesichert erscheint.
Natürlich ist ein gutes Resultat nur bann zu erzielen, wenn auch mit Hilfe ber seelischen Beeinflussung ben alten Leuten bie Arbeit so leicht wie möglich unb freunblich gemocht wird. Das Vorbilb muß bie Familie sein, in ber sich bas Gemeinschaftsgefühl entwickelt. Hier bringen Die Jungen aus ben Lehrwerkstätten bie Freude mit
Darüber hinaus bleibt bie Fürsorge nicht vor den Toren ber einzelnen Wohnungen stehen. Durch Schwestern werben bie Wohnungen besucht unb dort nach bem Rechten gesehen unb überall ba, wo mit ben Hilfsmitteln bes Alters- und Jnvalidenwerkes etwas geschehen kann, werden diese für ben Fall ber Not in Anspruch genommen.
Die soziale Auswirkung einer solchen Einrichtung ist nicht zu verkem--n. Wohnen bie Alten unb Jnoaliben
2. Blatt.
vcuck der Fuldaer AcNeudruckerel. Fulda
„Dinta“
Die Arbeit bes deutschen Instituts für technische Arbeits- schulung.
Auf der Jahrestagung des Fuldaer Arbeitgeberverbandes sprach der Syndikus der Geschäftsstelle Fulda der Industrie- und Handelskammer Frankfurt a. M. Herr Dr. F. Weymar, über die „Dinta", das Deutsche Institut für technische Arbeitsschulung in Düsseldorf. Wir beenden im folgenden ben Bericht aus Nr. 85 ber „Fulbaer Zeitung".
Es ist Tatsache, baß sich im Probuktionsprozeß auch ein groß Teil Hemmungen auch burch bas fortgeschrittene Alter ber Werksangehörigen bezw. ihrer Halbleistungsfähigen ergeben. Es ist unb bleibt eine Ehre in feinem Betrieb eine Arbeiterschaft zu besitzen, bie fest mit ihm verwachsen ist. Die Zeit, in ber wir heute stehen, unb bie unter bem Zeichen ber Produktivität stehen muß, bringt aber für bas Werk, bas auf bem Erwerbsgebanken errichtet ist, Pflichten gegen biefes mit sich, bie ber bisherigen Einstellung zur Sicherung bes Alters entgegen laufen. „Dinta" sagt: mit allen sozialpolitischen Maßnahmen muß eine Steigerung ber Produktivität in Verbindung stehen . Heute werden die alternden Arbeitskollegen in ben einzelnen Betrieben so lange erhalten, als nicht eine birett fühlbare Erschwerung bes Probuktionsprozesses burch sie gegeben ist. Teilweise bestehen Pensionskassen, bie dann in Tätigkeit treten, wenn ber eben skizzierte Fall eingetreten ist, die aber auch bei bem nunmehr pensionierten Arbeiter unter Umftänben ein Gefühl nicht unterbrücken können, trotzbem er sich noch für biefe ober jene Arbeit geeignet fühlt, von ihr zwangsläufig ausgeschlossen zu werben.
Diesen letzten Gebauten aufgreifenb, hat sich Dinta auch zur Ausgabe gestellt, bas Älter noch dem Produktionsprozeß bis zum Versiegen ber letzten Kräfte bienst- bar zu machen unter gleichzeitiger Erhaltung ber Freube bes Arbeiterveterans an feiner Tätigkeit.
Neben bem alten, treugebienten Arbeiter, ber ein moralisches Anrecht auf Hilfe hat, stehen bie Unfall- unb Rriegsbefdjäbigten bestimmten Grades, die sogar einen gesetzlichen Anspruch darauf haben, Soll die Durchorgani- fation der Arbeit mit dem Ziel bes Maximalertrages des Arbeitsprozesses nicht burch diese Klaffe von Min- derleistungsfähigen gestört werden, dann müssen neue Wege gesucht werden, die Betriebe nur mit mindestens Normalleistungsfähigen zu besetzen und ben Minder- leistungsfähigen, soweit sie moralischen ober gesetzlichen Anspruch darauf haben, durch Alters- unb Inva - libenmerte bezw. solchen Abteilungen in ben einzelnen Werken zu helfen. In vordilblicher Weise ist biefe Aufgabe bereits bei ber Gelsenkirchener Bergwerksge- fellfchaft Abteilung Schalke gelöst.
Der birette Anlaß zur Schaffung bes Alters- und Jnoalibenwerkes war bie wirtschaftliche Not in ben Kreisen ber alten Arbeiter beim Ausgang bes Ruhrkampfes, welche ber wertfressenden Inflation mit ihren einzigen Einkünften aus der Altersrente und ber Werkpension ganz besonders wehrlos gegenüberftanben. Ausgehend von ben Erfahrungen, die hierbei gemacht worden find, ist die hierdurch eingeführte produktive Fürsorge mit ihrem sozialen und arbeitsorganisatorischen Zweck in bas Programm der Dinta übernommen worden. Es ist der Versuch, bie Fehler ber alten Form ber Werkshilfe zu korrigieren, b. h. bie Werkshilfe durch bie an bie Werksschützlinge ausgezahlten Zuschüsse ober Löhne wirksamer zu gestalten unb es in bie fjanb biefer selbst zu legen, eine Steigerung der Werkshilfe durch ihre Arbeit herbeizuführen.
Das Werk übernimmt bie Verpflichtung, zur Förde- | rung des Zwecks des Alters- unb Invalibenwerke durch M Absatzsteigerung, dieses nach Möglichkeit mit forr!auren= den Aufträgen im Rahmen der Fertigungsmöglichkciten zu versehen und die im Alterswerk hergcstelllea Gegenstände zu angemessenen Preisen zu übernehmen Was hier für ein Werk ausgesprochen ist, kann na.ürlich auch auf genossenschafts- ober gesellschastsorganisatorn'cher Grundlage aufgebaut werden, indem man bem Alters- tinb Jnvalibenwerk eine juristische Form gibt, es »- ich gegenseitige Verträge mit einer Gruppe von Jnbustrieen verpflichtet, bie als nicht mehr voll arbeitsfähig überwiesenen Leute zu übernehmen und für Besch i.iguig n
munaen durch zunehmendes Alter lassen auf bie Sauer qefetfen die Möglichkeit erstehen, einmal den richtigen Mann an ben richtigen Platz W stellen unb ben Sern des 'Betriebes mit Dolleistungsfahigen zu besetzen.
Die Lehren, welche man aus ber Kleinarbeit bes Dinta zieht, lassen sich aber auch bereits verwerten auf die heutigen Zustände in ben Betrieben, wobei allerbings Voraussetzung ist, baß man sich mit ber SfuZen Einstellung des Instituts zufrieden gibt. Um bie Möglichkeit ber weiteren Ausbreitung des Dinta-Gedankens zu geben, bildet das Deutsche Jnstitu für technische Arbests- ausbilbung die Möglichkeit ber Ausbildung von Ingenieuren. Keine Theorie, nur praktisch am Produktionsprozeß tätige Leute, meistens Diplom-Jngenreure, werden zur Durchführung ber Oebantengänge als geeignet angesehen . Ein Teil besonders als geeignet erkannte Leute wird von bem Institut berufen unb besoldet, tote bilden bie Schar ber Jünger biefes neuen Gedankens. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, Jngemeuer und Betriebsleiter zu ein-, zwei- und dreimonatlichen Kursen nach Düsseldorf zu schicken, um sie dort ausbilben zu lassen. .
Unter Benutzung dieser Einrichtung hat sich der Gedanke bes Dinta schon weit über Deutschland verbreitet. Selbst Oesterreich sandte im vergangenen Jahre eine Anzahl seiner besten Ingenieure zum Studium nach Düsseldorf. Diese so ausgebildeten Ingenieure müssen sich verpflichten, jedes Jahr 4 Wochen in bas Mutterinstitut Dinta zurückzukehren, um dort weitere Anregungen zu bekommen. Die Firmen müssen sich verpflichten, bie notwendige Zeit hierfür zu geben.
Aus der Reihe ber vorher erwähnten berufenen Ingenieure ist Dinta auch bereit, einzelne zum Studium der Organisation in den einzelnen Werken abzugeben, damit schon jetzt bie Möglichkeit besteht, auch auf bie heutigen Verhältnisse bereits Einfluß zu gewinnen.
Der Verbreitung des Dinta-Gedankens dienen auch sogenannte Werkszeitungen, welche in ganz hervorragender Weife redigiert und wie uns gesagt wurde, in einer Auflage von weit über 300 000 Stuck allwöchentlich von den Arbeitern ber einzelnen Betriebe ausgenommen unb gelesen werben.
Hiermit ist kurz ein Ueberblick gegeben über die Absichten von Dinta unb die Wege, bie es wandelt.
Es ist ganz selbstverständlich, daß die Auswirkung nicht in ein gewisses Schema gezwängt werden kann. Die Dinge, von denen hier gesprochen wurde, sind jüngsten Datums. Das Dinta-Haus wurde erst am 30. Mai 1926 in Dienst gestellt. Aber schon hat der Gedanke Wurzeln geschlagen. Im Westen, Osten und Süden unseres Vaterlandes sowie in Oesterreich hat sich die Aus- merksamkeit eines großen Teils der sozial-politisch interessierten Kreise ber Dinta-Arbeit zugewanbt. lleberall finb schon Ingenieure tätig als Apostel dieses Gedankens.
Soziales
— Kleinrentner- unb Wandererfürsorge. Die Reichsregierung beabsichtigt bekanntlich, zur Verbesserung der Lage der Kleinrentner einen Betrag von 25 Millionen Mark als Zuschuß zur kommunalen Kleinrentner-Fürsorge beizufteuern. Der Wohlfahrtsausschuß des Deutschen Landkreistages ist nun bet Ansicht, daß, ganz abgesehen von ben erschwerenden Bedingungen, die für die Verwaltungen an diese Fonds Verteilung wieder einmal geknüpft sind, diese M i t. te( auch viel zu gering sind, um wirklich zu Helsen Auf ben Kops des Kleinrentner entfällt nur ein Befra von etwa Mk. 5.—, ber kaum die Mietserhöhung oek ken wird. Es besteht auch keine Sicherheit, daß der Reichszuschuß laufend gewährt wird. Die mit der UeberroeHung verbundenen Grundsätze müssen daher von den Verwaltungen abgelehnt werden. Zur Regelung der Wanderer-Fürsorge will die Reichsregierung ein Gesetz herbeiführen, dH die Zuständigkeit der Landesfürsorge-Verbände (Lander unb Provinzen etc.) einführen will, jeboch mit ber Einschränkung, daß bie Länber auch andere Stellen hierzu bestimmen können. Da hieraus sicherlich eine Zersplitterung zu erwarten ist, ist cs bet Wunsch bes Landkreistages, die Z u - ftänbigfeit von Reichswegen zwingend feft- zuleaen. Denn gerade bie heimatlosen Wanderer kehren sich nicht an Lanbesgrenzen.
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gewidmet haben unb zu feiner Geschichte bie Feder geführt hat. Uns in ber Familie wirb Ihr Werk immer besonbers lieb und wen bleiben ...MitDankunb Freube würbe ich einer Einladung zur Erstaufführung des Stückes in Fulda entsprechen.
Prof. Dr. Scheller schreibt im Bcmifatiusboten: Die Lektüre von Fischers „Fürftabt" erfüllt mit Spannnug unb innerer Teilnahme, die Sprache ist hochpoetisch unb klangschön, die Charaktere treten plastisch und lebendig hervor: Wir zweiseln nicht, daß die demnächstige Ausführung bes Trauerspiels bem Dichter einen vollen Erfolg bringen wirb.
Die Musik zum „Fürftabt" ist von Herrn Lehrer Ed. Sauer-Fulda geschrieben. Der Verfasser, durch seine Lieder- unb Orchesterkompositionen schon bekannt, gibt uns durch vorliegendes Werk einen erneuten Beweis feines Könnens.
Das Lieb ber Spielleute und bes Reihengesangs — 1. Akt — finb volkstümlich, bem Charakter ber Zeit unb des Ortes angepaßt. Werden sie doch von schlichten Sanbleuten bei frohem Spiei unb Tanz gelungen. Im Bittgelang zum heil. Michael — 2. Akt — ist bem Verfasser ber Stil bes mittelalterlichen Kirchenliedes sehr gut gelungen. Inniges Flehen um Hilfe in der Kriegsnot tönt uns aus ben frommen Weisen bes Liebes entgegen. Das rounberoolle Slbenbfieb — 4. Akt — vom Äompomiften selbst Arie genannt, beweist uns, daß der Verfasser nicht bloß mit der Kirchenmusik, sondern auch mit ber klassischen Musik eines Rich. Wagner, A. Bruckner, E. Tinef wohl vertraut ist. Der sanfte Abend frieden, bie linbe Abenbluft, bie bie Aeolshorse leise erklingen läßt, ist trefflich in dem Liede verkörpert. In bem letzten Teil läßt uns bie Melobie auch einen Blick tun in ben Seelenzustand Juttas und bie Gefahr ahnen bie ihrem Geliebten droht. Wie tief ergreifend ist btc Komposition des Liedes: „Ist ein Weinen fern und nah" — 5. Akt — in welcher ber Verfasser bie phrygifche Kirchentonart gewählt hat. Wie empfinben wir befon bers an ber Stelle: „Schmerzzerspannt vom Sterben" und bei ben späteren verminderten Nonnenakkorbe» ben Schmerzensschrei bes vom Schwert bes Leidens durchbohrten Mutterherzens. Wohltuend läßt der Ver faifer die tiefe Trauer ausklinqen in Akkorde stiller Er gebung in Gottes heiligen Willen. Der Komponist hat bas Lied für gemischten Chor gesetzt, wodurch der Eindruck noch erhöht wird. Es kann aber auch von einem einstimmigen Chor gesungen werden.
So wird auch bie Musik bazu beitragen einen Erfolg dem „Fürftabt" zu sichern.