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MdaerZertung
Anzeiger für die Stadt Julda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
7lr. 86.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilage: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk.
Mittwoch, 13. April 1927.
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Zahrg.54.
Stresemann.
Die letzten Monate waren angefüllt von starken innenpolitischen Auseinandersetzungen. Das Ar- beitszeitgesetz, der Finanzausgleich, der Reichshaushaltsplan, die Reichswehr, das Konkordat, das Reichsschulgesetz waren die Brennpunkte heftiger Parteimeinungen. Sie haben die außenpolitischen Fragen sehr in den Hintergrund der öffentlichen Aufmerksamkeit treten lassen, sodaß unser Außenminister Dr. Stresemann ziemlich ruhige Tage genießen konnte. Die Entscheidungen, die er von den letzten Genfer Verhandlungen mit nach Hause bringen konnte, haben zwar nirgendwo recht befriedigt, aber die Kritik des Reichstages ging doch nicht soweit, daß sie für Stresemann gefährlich geworden wäre. Mit der Einbeziehung der Deutschnationalen Volkspartei in die Regierung war ja auch der leidenschaftlichste Gegner lahmgrlegt. Eine wirkliche Opposition der Linken gegen die Stresemannsche deutsch-französische Ver- ftändigungspolitik aber hätte keinen Sinn. So war denn in den letzten Monaten nichts gefestigter als die Position unseres Außenministers, der sein Amt nun schon mehr als 3 Jahre verwaltet.
Trotzdem ist die politische Situation Strese- manns im Augenblick keine allzu beneidenswerte, und Stresemann selbst wird sich darüber wohl am ehesten klar geworden sein. Denn bei Licht besehen st a g n i e r t seit der berühmten Zusammenkunft von Thoiry die deutsche Außenpolitik gar sehr. Unser Eintritt in den Völkerbund ist als ein großartiges und für die Wiedererlangung der deutschen Weltgeltung recht verheißungsvolles Ereignis gefeiert worden. Und nicht nur dieser Eintritt in den Völkerbund, sondern vorher auch die Locarnoverträge, die dem deutschen Volke gerade durch Stresemann, weniger durch Luther, als außerordentlich zukunftsträchtig geschildert worden sind. Aber was ist von den Hoffnungen unv Entwürfen, die uns in Locarno und Genf nahe gelegt worden sind, eigentlich eingetreten? Wahrlich, recht wenig! Die Räumung des Rheinlande-, eins der wichtigsten Forderungen der deutschen Außenpolitik, wird schon garnicht mehr diskutiert Das deutsche Volk ist vertröstet worden, vorläufig, bis zu dem Tage, bis die noch nicht durchgeführten Abrüstungsverpflichtungen erfüllt sein werden. Man darf aber sehr im Zweifel sein, ob alsdann wirklich der Tag anriickt, wo die weitere Räumung der Rheingebiete als spruchreif anerkannt wird. Es gibt genug Gründe, an^unehmen, daß die Entente, insbesondere Frankreich, ein Pfand in der Hand behalten will, nicht nur zur Sicherung der Reparationsleistungen, sondern auch um ein Druckmittel zu haben, das Deutschland zum Abschluß eines „Locarnopaktes" i m O st s n bereit macht. Der Gedanke eines Ostpaktes ähnlich dem des Locarnoabkommens ist schon während der Locarnoverhandlungen besprochen worden. Er wurde aber in der deutschen Oeffent- lichkeit mit einer außerordentlichen Entschiedenheit abgelehnt und gerade die Zuversicht, daß ein solches Ost-Locarno immer außerhalb her Diskussion stehen würde, hat weiterhin die Zustimmung zum Locarnooertrage Mit seinen Verzichterklärungen erleichtert. Jenseits der deutschen Grenzen hört aber das Gedankenspiel mit dem Begriff „Ostlocarno" nicht auf, Stresemann wird große Mühe haben, den verdächtigen Absichten, die solches Spiel nicht aufhören lassen, die Entschließungen des deutschen Nein wirkkräftig genug entgegenzuhalten. Stresemann steht so vor der Aufgabe, über Danzig, den Korridor und Oberschlesien ständig reden zu müssen, ohne kräftige diplomatische Mittel in der Hand zu haben, fein Entente-Publikum zum wohlwollenden Zuhören zu veranlassen. Das deutsche Publikum aber sieht sich diese Dinge mit wachsendem Unbehagen an, ein Unbehagen, daß Stresemann ohne Zweifel bereits merklich empfindet.
Natürlich wird unserem Außenminister nichts Unangenehmes geschehen, solange er vom Zentrum unterstützt wird. Er wird aber auch wissen, daß diese Unterstützung für ihn wesentlich ist. Die deutsch-französische Verständigungspolitik als die Voraussetzung des deutschen und europäischen Wiederaufbaues hat sich in dem Bewußtsein unseres Volkes ungemein weit durchgesetzt. Wie weit diese Erkenntnis geht, kann man beispielsweise daraus ermessen, daß gerade rechtsstehende Kreise die deutsche Taktik auf der vorbereitenden Abrüstungskonferenz in Genf insofern für verkehrt halten, als sie sich darauf bezieht, zu verlangen, daß, nachdem Deutschland abgerüstet habe, nun auch die Vertragspartner des Versailler Vertrages verpflichtet seien, mit der Abrüstung Ernst Zu machen. Unsere Rechtspolitiker verlangen dieser Taktik gegenüber stellenweise ein so weites Zu- sammengehen mit Frankreich, daß es geradezu ein Interesse an der Wiederaufrüstung Deutschland bekommen solle. Solches ist zum Beispiel in der kürzlich neu erschienenen deutsch- faschistischen Korrespondenz zu lesen, die ein gewisser Dr. Hermann Stürmer, ein Mitarbeiter der Deutschen Zeitung herausgibt. Man weiß, daß auch in einzelnen Kreisen der Vaterländischen Verbände der deutsch-französische Verständigungsgedanke einen recht breiten Boden gefunden hat. Ist dem aber so, dann hat Stresemann als Repräsentant der deutsch-französischen Verständigungspolitik keine Monopolstellung mehr. Sein Prestige wird vor ollem dann schwächer werden, wenn ihm die vor- wärtstreibenden Ideen ausgehen. Es sind Ferienwochen, Wochen der Muße, und sie sind es schuld, daß man zu solchen kritischen Gedanken kommt.
Wenn aber die Position Stresemanns sehr stark von dem Wohlwollen des Zentrums abhängt, dann ^gibt sich für ihn daraus die Verpflichtung, als vührer der liberalen Volkspartei, sehr v o r • 11 d) t i a 311 sein. Die kulturpolitischen Aufgaben, veren Lösung angeblich in diesen Monaten vor» vere,tet wird, bilden für den Führer der Deutschen y»ltspartei innerhalb der Rechtskoalition recht ge
ZN erste Prozess liegen einen Mussolini-Attentiiter.
wib. Rom, 12. April. (Eig. Funkm.) Stefans. Gestern nachmittag begann im Zaniboni- Prozeß das Verhör der Beschuldigten. General Capello, der zunächst vernommen wurde, erklärte, sein ganzes Leben stehe in Widerspruch zu der gegen ihn erhobenen Anklage. Niemals habe er daran gedacht einen militärischen Plan zu organisieren, um eine Aktion gegen den Faschismus zu unternehmen. Er erklärte, Freimaurer gewesen zu fein, aber keine Beziehungen zu italienischen Flüchtlingen im Auslande gehabt zu haben. Von den Attentatsplänen Zanibonis gegen Mussolini habe er nichts gewußt. Er habe Zaniboni als einen überspannten Menschen betrach
tet. Sodann begann das Verhör Zaniboni», der erklärte, es sei seine Absicht gewesen, den Führer des Faschismus am 4. November 1925 zu b e - fettigen. Ich erkläre auch, führte Zaniboni weiter aus, daß, wenn mich die Polizei statt um ^10 Uhr um i/ol Uhr gefunden hätte, ich mein Vorhaben zweifellos ausgeführt haben würde. Sodann gab Zaniboni die Gründe für seine Gegnerschaft gegen den Faschismus an und äußerte sich dabei in so polemischer Form, baß ihn der Vorsitzende scharf rügte. Zaniboni schilderte dann die Vorbereitungen, die er in dem Zimmer des Hotels „Dragoni" getroffen habe, um das Attentat durchzuführen.
Das englische Riesen-Defizit.
3m englischen Haushalt fehlen durch die Streiks 36 Millionen Pfund Sterling. — Die Vorschläge des Schatzkanzlers.
Im englischen Unterhaus wurde die Budgetrede des Schatzkanzlers mit großer Aufmerksamkeit erwartet. Es herrschte eine ungewöhnlich lebhafte Spannung, wie sich angesichts des Defizits von 36 693 794 Pfund St., des größten Defizits in der Geschichte des englischen Schatzamtes, das Schatzamt die Erfüllung seiner Aufgabe denkt. Churchill wurde beim Betreten des Hauses von den Ministeriellen mit lautem Beifall und von der Opposition mit ironischem Beifall begrüßt. Churchill betonte, daß er im letzten Jahre ausdrücklich erklärt habe, sein Voranschlag gründe sich auf die Annahme, daß die damals bestehenden industriellen Schwierigkeiten eine friedliche Regelung finden würden. Man sehe heute die k a t a st r o p h a- l e n Folgen des letzten Jahres. Churchill gab dann zahlenmäßg die Verluste an, die der Generalstreik und der fiebenmonatige Kohlenstreik verur- facht haben. Die allgemeinen Verluste beliefen sich 1926 auf 32 Millionen Pfd. St. Dieses sei der Hauptgrund für das Defizit von 36% Mill. Pfd. St. Im Jahre 1927 fei ein weiterer ernster Verlust zu erwarten, der auf nicht weniger als 18 Millionen Pfd. St. veranschlagt sei, wozu 1928 und 1929 noch nahezu 9 Millionen Pf. St. kommen würden. Diese seien die direkten Verluste, die indirekten Verlüde ließen sich garnicht feststellen.
Churchill hob die Wichtigkeit hervor, die das öffentliche Vertrauen für den Kredit Großbritanniens habe und sagte, er fühle sich verpflichtet, wenigstens einen Teil des durch den Kohlen
streik angerichteten Schadens wieder gut zu machen. Hierauf gab er eine Uebersichi über die Art und Weise, in der er neue Einnahmequellen in Höhe von 35 bis 45 Millionen Pfund Sterling zu erschließen gedenkt. Er sagte, die verschiedenen Erhöhungen der gewöhnlichen indirekten Steuern ergäben eine Gesamtoermehrung der Einnahmen im laufenden Jahre um 5 880 000 Pfund und in einem vollen Finanzjahr etwas über 6% Millionen Pfund. Es blieben also noch ungefähr 30 Millionen Pfund aus anderen Quellen zu decken.
Wenn man 5 900 000 Pfund an neuen indirekten Steuern, 12 Mill, von den Reserven des Wegefonds, 5 Mill, von dem den Brauereien gekürzten Kredit, 14 800 000 von der Einkommensteuer Abteilung A und 300 000 Pfund aus anderen Quellen zusammenfaßt, so ergibt sich eine Vermehrung der Einnahmen für das laufende Finanziahr von 33 Mill. Pfund. Das voraussichtliche Defizit wrd also in einen voraussichtlichen Ueberfchuß umgewandelt und das Budget für 1927 ist ins Gleichgewicht gebracht mit Einnahmen von 838 800 000 Pfund und Ausgaben von 833 400 000 Pfd. Churchill schloß mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß es ihm gelungen fei, fein Budget so aufzustellen, daß die erhoffte Wiederbelebung des Handels nicht gefährdet werde.
Der frühere Schatzsekretär Snowden (Arbeiterpartei) und Lloyd George beglückwünschten Churchill und erklärten, ihre Kritik auf den folgenden Tag verschieben zu wollen.
Zie Note her Machte an die Kanton-Regierung.
Die Forderungen Amerikas, Großbritanniens, Frankreichs, Italiens und Japans. — werden die chinesischen Nationalisten die Sühne für Nanking leisten?
Die nunmehr nach langen Verhandlungen im Namen Amerikas, Großbritanniens, Frankreichs, Italiens und Japans dem Minister des Auswärtigen der Kantonregierung, T f ch e n, überreichte Note wegen der Vorfälle in Nanking am 24. März verlangt:
1. angemessene Bestrafung der verantwort- lichen Truppenkommandeure, ebenso aller mitwirkenden Personen,
2. eine schriftliche Entschuldigung des Oberbefehlshabers des nationalistischen Heeres einschließlich einer ausdrücklichen schriftlichen Verpflichtung, sich aller Formen der Gewalt und Agitation gegen Leben und Eigentum von Ausländern zu enthalten,
3. vollständige Wiedergutmachung für Perfonenverletzungen und angerichteten Materialschaden.
Wenn die nationalistischen Behörden, so heißt es dann weiter, nicht zur Zufriedenheit der interessierten Regierungen ihre Absicht kundgeben, dieser Bedingung prompt nachzukommen, werden sich die erwähnten Regierungen gezwungen sehen, die Maßnahmen zu ergreifen, die sie für angemessen halten.
Vie Lage der Südchinesen.
wib. London, 12. April. (Eig. Funkm.) „Mor- ning Post" berichtet aus Sanghai, daß die dortigen Nationalisten durch den andauernden Vormarsch der Nordtrupven auf drei Fron- ten sehr beunruhigt seien. Die Truppen Sunschuangfangs oerfoltgen die zurückweichenden Santonefen über den Pangtse und bedrohen jetzt die Kantonesen südlich von Tschingkiong. Inzwischen treiben die Truppen Tschangsuntschangs die Kantonesen auf Nanking zurück.
Die Einnahme Bukaus werde jeden Augenblick erwartet. Schwere Kämvfe linden im Tschutschau- fettor statt, wo sich die Kantonesen, wie gemeldet werde, auf den allgemeinen Rückzug über den Fluß vorbereiten.
Privaten, anscheinend zuverlässigen Meldungen zufolge sollen Nordtruppen rasche Fortschritte in
Richtung Hankau machen und jetzt 80 Meilen vor Hankau stehen.
Der Konflikt Peking-Moskau.
Erklärungen des japanischen Generalkonsuls.
Der Sonderberichterstatter der Agentur Havas in Schanghai gibt folgende Erklärungen des javanischen Generalkonfuls in Schanghai wieder: Infolge der Sowjetnote kann die Spannungzwi» fchen Rußland und China ernste F o l - g e n in der Mandschurei haben. Falls der latente Kriegszustand, mit dem man gegenwärtig rechnet, Unruhen Hervorrufen sollte, würde Japan eingreifen müssen, um die Ruhe wiederherzustellen. Der japanifche Generalkonsul erinnerte alsdann daran, daß auf Grund der in Kraft befindlichen Verträge die Sowjetbotschafter keine kommunistische Propaganda treiben dürsten und daß Japan angesichts der Bolschewisierung Chinas nicht gleichgültig bleiben könne. Die Regierung von Tokio stehe der nationalen chinesischen Bewegung g ü n ft i g gegenüber, aber sie werde keine Einmifchung der B o l- s ch e w i st e n zulassen, die Geben und Besitz der Japaner in China in Gefahr bringen würde.
„Morning Post" zufolge wird aus Peking gemeldet, Tschangtsolin erkläre, daß aus den Dokumenten, die bei der Durchsuchung des Pekinger Sowjetgebäudes gefunden wurden, hervorgehe, daß der Sowjetsche Konsul in Mulden das Haupt der Geheimagenten in Nordchina ist. Es werde erwartet, daß Tschangtsolin alle Sowjet-Beamten, solche des Konsulats oder andere Beamten entlassen und wahrscheinlich auch die vollständige Kontrolle der chinesischen Ostbahnen übernehmen werde. Dem Korrespondenten zufolge sei eine bemerkenswerte Versteifung in der Haltung der Japaner eingetreten.
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„Daily Mail" berichtet aus Peking, die gelegentlich der letzten Mazzia im russischen Botschaftsgebäude verhafteten Russen sind freigelassen wor
fährliche Klippen, und man geht wohl nicht feh», wenn man annimmt, daß er kürzlich, nach feiner ersten Konkordatsrede, durch das Zentrum auf diese Gefahren aufmerksam gemacht worden ist. Die Stresemann kennen, wißen, daß er die Klug heit besitzt, die parlamentarische Kräfte auch in diesen Fragen richtig abzuschätzen und sich danach
einzurichten. Die Rechtskoalition hat ihre ersten schwierigen parlamentarischen Kämpfe mit großem Opfermut überstanden, die allgemein politischen Verhältnisse aber werden die Person Stresemanns, in den letzten Monaten fast gänzlich unangefeinbet, I wahrscheinlich jetzt erbarmungslos in ihre Zange I nehmen.
den. Der Stab der russischen Botschaft fährt am Samstag nach Rußland ab.
Rußlands Stellungnahme.
In einer Rede auf dem allrussischen Rätekongreß in Moskau sagte der Vorsitzende des Rates der Volkskommissare, R y k o w, mit bezug auf die jüngsten Ereignisse in China u. a.: Bei allen feindlichen Aktionen gegen die Sowjetbotschaft in Peking und die Sowjetinstitutionen in andern Städten Chinas ist hervorzuheben, daß alle Gewalttaten unter dem Schutz und selbst der direkten Teilnahme der Vertreter des diplomatischen Korps verübt wurden. Deshalb fällt die Verantwortung hierfür nicht allein auf die Pekinger Regierung, sondern auch auf die sogenannten Protokollmächte. Die Sowjetunion hat auf chinesischem Gebiet keinen einzigen Soldaten und beabsichtigt nicht, Streitkräfte zur Einmischung in die inneren Angelegenheiten Chinas zu entsenden. Die Provozierung feindl. Aktionen gegen Die Sowjetunion in China verfolgt den Zweck, die Sowjetunion mit China zu entzweien. Diese Provozierung des Krieges zwischen China und der Sowjetunion durch einige imperialistische Mächte wurde und wird auch durch künftighin vonseiten der Sowjetunion durch dieselbe beharrliche Friedenspolitik erwidert werden, die die Sowjetregierung in all den verflos- fenen Jahren durchgeführt hat. Die von der Sow- jetregierung gestellten Forderungen find minimal und ermöglichen es der Pekinger Regierung, die Gefahr weiterer Verwicklungen abzu wenden. Die Sowjetunion hat nicht zu Repressalien gegriffen. Ihre Maßnahmen zur Liquidierung des Konfliktes werden unentwegt auf die Wahrung und Sicherung des Friedens gerichtet fein. Die Erreichung dieses Zieles hängt jedoch nicht allein von der Sowjetregierung ab.
Nichtungsstreit in Süd-China.
wtb. Washington, 12. April. (Eig. Funkm.) Reuter meldet: Der amerikanische Generalkonsul in Kanton berichtet, daß die Lage gespannt bleibe. Man erwarte jeden Augenblick-einen Zusammenstoß zwischen den K o m m u n i st e n und der gemäß i g t e n Richtung.
wtb. Paris, 12. April. (Eig. Funkm.) Der Sonderberichterstatter der Agentur Havas meldet aus Schanghai: Gestern abend rott-be her Führer der Gewerkschaften festgenom- m e n und vor ein Kriegsgericht gebracht. Er soll eingeftanben haben, von ben Kommunisten bezahlt worben zu sein, um ben Führer bes rechten Flügels her Kuomintang-Partei Hu ermorben. Der Verhaftete hat einen Befehl ube rbie Entwaffnung der Gewerkschaften unterzeichnen müssen. Um 4 Uhr früh hat eine Abteilung von 10 000 Antikommunisten den von den Gewerkschaften besetzten Süd-Bahnhof angegriffen. Nach einftünbigem Gefecht haben sie bas Gebiet räumen müssen. Die Verluste ber Kommunisten sollen bebeutenb sein. Man rechnet mit einem liebergreifen ber antibolschewistischen Aktion auch auf a n b e r e Vorstäbte.
von der sibirischen Grenze.
wtb. London, 12. April. (Eig. Funkm.) „Daily Mail" meldet aus Tokio, japanische Korrespondenten in Chardin berichten über die Zusammenziehungen großer russischer und chinesischer Kontingente an der sibirischen Grenze. — Aus Hankau wird berichtet, daß der japanische Konsul eine Mitteilung an scheu gesandt haben soll, worin er erklärt, drei japanische Zerstörer seien auf dem Wege nach Hankau mit genügenden Verstärkungen um dir Chin esenstabt in Grunb unb Boben z u schießen, was auch ohne zu zögern geschehen werbe, wenn ber geringste Versuch unternommen werden sollte, in die japanische Konzession einzubringen. — „Daily Telegraph" melbet aus Schanghai, baß 5000 ©übtruppen von Suntschu- angfang alle Gefangenen eines Regiments, bas feiner Zeit von ihm zum Feinb übergelaufen war, habe köpfen lassen.
Japan und China.
wtb. Tokio, 12. April. (Eig. Funkm.) Weiter» vier Torpebobootzerstörer finb angewiesen worben, sich zur A u s r e i s e nach S ch a ng« h a i bereit zu halten. Sämtliche Blätter finb der Meinung, daß Infolge des gegenwärtigen Standes ber Beziehungen zwischen Moskau unb Peking eine sehr ernste Lage entstehen kann, burch bie Japan vielleicht in Mitleibenschaft gezogen werben würde, obwohl Moskau wohl nicht eine Entscheidung durch Waffengewalt suchen werde.
* Reichspräsident von Hindenburg in Hannover. Reichspräsident von Hindenburg ist Dienstag mittag in Hannover e i n g e t r offe n , um dort seinen Dfterurlaub zu verbringen. Zur Begrüßung des Reichspräsidenten hatten sich bie Spitzen ber Behörben auf bem Bahnhof einge- funben.
Wirtschaftslagen.
= Der neue rumänische Zolltarif. (Eig. Funkm.) Das rumänische Amtsblatt veröffentlicht den neuen am 14. April in Kraft tretenden Zolltarif. Nach den Sätzen des allen Tarifs werden noch alle Waren verzollt werden, die in ihren Ursprungständern vor dem 14. April aufgeliefert wurden und bis zum 24. April bei den rumänischen Zollabfertigungsstellen eintreffen.
Die Berliner wachl-Truppen.
— Gießen. Die Maschinengewehrkompagnie des 1. Bataillons 15. Inf. Negts. unter der Führung von Hauptmann Offenbacher, wird von Anfang Mai ab auf drei Monate zur Wachttrupppe in Berlin treten.