Fuldaer Zeitung
JVs 85.
Sonnlag, 10. April 1927.
2. Blatt.
*-$♦ Dtutf 6et Sntoaet «cfienörucfetei, Jutta
Rund um die Woche.
Heden lag mehr Sonne. — Da» dunkle Europa. — Vie neue Schwebebahn. — Adam und Eva. Die alte Jahne. — Der Steine Herder.
Wenn so der Regen rinnt und Stunde um Stunde und Tag um Tag dieses graue Netz Häuser und Strogen und alles, was uns sonst so freundlich grüßt, einspinnt, dann kann es wohl sein, daß auch das sonnigste Gemüt ganz und gar in dir Maschen dieses Netzes gerät und traurig wird wie jener schwarze Bogel, der mit gesträubtem Gefieder hoch oben auf der nahen Pappel sitzt und sitzt, während es rings regnet und regnet. Er sitzt da Stunden und Tage, es könnte scheinen, Wochen, und er spinnt mit dem Regen draußen sein grämlich Li-d. Ich aber schaue auf die Knospen an den Kastanienbäumen, die sich schon zu Blättern aus» falten, und auf die noch kleineren an den Linden und an den Buchen. Wie es auch regnet, die glauben an die Sonne. Mag auch Baum und Ast noch so schwarz und finster drohen, sie wissen, daß nach einiger Zeit das wenige Grün, das jetzt noch so bescheiden winkt, den ganzen Wald beherrschen wird. Es wird ein Frübllnasfest werden, gefeiert unter mächtigen lichtgrünen Kuppeln, begrüßt von zahlosen kleinen Sängern, ein Fest für Pflanze und Tür. Geh du nun leise von Knospe zu Knoive und sage es dir immer neu: Die Sonne ist da! Es wird jeden Tag mehr Sonne geben. Sie wird dies ganze graue Regennrtz wegziehen und ein blaues Segel über den weiten lachenden Himmel spannen.
Dieses Regennetz scheint 'mir übrigens charakteristisch für das große Weltbild, wie es sich im Augenblick darbietet. Es ist alles fo merkwürdig versponnen, so undurchsichtig. Was will England in China? Glaubt es wirklich, mit der bekannten eisernen Faust dort noch etwas retten zu können? Ich sehe die Schifslein vor Schanghai und daneben die ungeheure Küste und bas gewaltige Land und di« vielen Millionen von Menschen.'.. Vorsicht! Es geht nicht bloß um eine englische Sache, es ist die a a n z e weiße Rasse daran interessiert. O wie kehlt uns ein starker Völker- bund! Was will Mussolini in Albanien? Da sind die Regenfäden so dick, daß man überhaupt nichts mehr sieht. Aber mir kommt es vor, a's brenne dort eine Lunte weiter und weiter und als sei es nicht mehr weit bis zum Pulverfaß. Auch da fehlt uns der Völkerbund. Braucht Italien Land für feine ständig wachsende Bevölkerung, so könnte 'man die Frage doch gemeinsam prüfen, und es gibt doch noch unbebautes Land genug auf der Welt. Von den Vereinigten Staaten ist überhaupt erst ein Drittel oder ein Viertel planmäßig bebaut. Raum für alle hat dir Erde, das gilt immer noch. Solche Fraoen gehörten vor den Völkerbund. So ein fein aesponnens Netz sehe ich auck» über der Wirtschaft und den großen Banken. Hier und da kommt eine Nachricht, die von glänzenden Abschlüssen ermhlt. Verstände ich nu> die Sprache dieser Zahlen besser! So sehe ich hinter dem Netz immer dämmernd» Gestalten, rare sie in Kellern 'mit phantastischer Fackelbelenchtung ihre Goldfüchse zählen. Das gleißt und sch' 'wert wie im Märchen, und es ist unheimlich wie überall dort, wo Irrwische über vergrabenen Schätzen tanzen.
Nrm hellt es sich etwas auf. U.nb was sehe ich? Die neue Schwebebahn. Sie soll von Brüssel nach Berlin gehen oder am Ende noch weit'er. 360 Kilometer, sagt man, in der Stunde. Wer hätte das nun wieder gedacht! Eben noch grübeln wir, was für Umwälzungen mit der flüssigen Kohle eintreten werden und da schon wieder ein neues Projekt. Diese Schwebezüge werden fa olön,»nd eingerichtet sein. Einfach wie Paläste des Komforts. Wunderbare Sneisesalons, Konferenzzimmer mit Klubsesseln Bibliothek, drabllose Telegraphie natürlich nebst Televhon und Radio. Es wird ko entzückend sein, daß es am End- manche vorzi-hen m-rden, in Zukunft immer schm-bend zwischen Brüssel und Berlin zu pendeln. Wieder
werden die Entfernungen kürzer. Die europäischen Großmächte werden nur eine einzige Großstadt sein. Von Berlin nach Potrdam wird bald nicht weiter sein als von Berlin nach Paris . . .
Ich denke immer, wie bei veränderten Maßstäben doch alles bleibt, wie es früher war. Wer es weiter bringt als andere und Geld hat, der will es auch besser haben als alle anderen. Fährt alles vierter Klasse, so werden sich diese Besseren eben eine dritte Klasse einrichten lassen. Steigt die Menschheit nach in die dritte Klasse, so wird eine zweite angebaut und dann eine erste. Und so ist man von der alten Postkutsche über die verschiedensten Fahrgelegenheiten hin nun beim Ausstieg zur Schwebebahn. Genau so beim Militär. Der Ritter der Zukunft wird der T a n k r i t t e r sein. Wie einst den Ritter fein Panzer gegen Pfeile und Schwert und Lanzen schützte, fo wird in Zukunft dieser Tankritter sich hinter Stahl und Eisen gegen Bajonett, Giftgase und gar Granaten schützen, wird nach und nach einen neuen Adel bilden, und so haben wir eine neue Strophe zwar, aber doch wieder da^ alte Lied.
Hat man das einmal erkannt, so wird man merkwürdig ruhig. Der Schrei der großen Reklame hat seine Macht über einen verloren. Was willst du denn Neues bringen? Du bringst in allem Neuen immer den alten Menschen, wie er geboren wird, wie er lebt, wie er liebt, wie er stirbt. Wenn er siebzig Jahre alt ist, dann feiert er großes Jubiläum. Und selbst das imponiert mir nicht mehr. Als nämlich neulich einem Sie- benzigjähriqen gratuliert wurde, da hatte ich das Unglück, an Adam und Eva zu denken. Als die nämlich siebenzig Jahr waren, da haben sie noch miteinander Fangball gespielt, wie ganz junge Kinder. Sie waren doch ungefähr gleich alt. Das schließe ich daraus, daß ich nämlich berechnet habe, wie lange es Adam ohne Eva wohl wird ausgebalten haben. Vielleicht eine halbe Stunde. . . Der Adam flucht wohl einmal auf die Eva, aber ruft sie doch immer gleich wieder zurück. Länger als eine halbe Stunde hat er es gewiß ohne sie nicht einmal im Paradiese ausgehalten. Alta war Eva vielleicht eine halbe Stunde jünger Erst als sie beide 700 Jahre alt waren, haben sie daran gedacht, nun ein Jubiläum zu feiern. Das lohnt sich. Da hätte ich auch ein Verslein gemacht. Wie herrlich müssen doch jene Menschen gewesen sein, daß sie es siebenhundert und mehr Jahre zusammen ausgehalten haben. Man denke sich nur, welche Gesichter manche Eheleute von heute machten, wenn man ihnen sagte, sie hätten Hoffnuujq, etliche 700 Jahre noch beisammen zu sein . . . Wir staunen ja schon über die alte Faime, die augenblicklich die älteste Frau der Welt fein soll. Sie zählt 160 Jahre und leb* in der T'""-kel. Natür- sich im Osten, denn zwischen dem Drahtnetz der westlichen Zivilisation kann man doch nickt alt werden. Fatme hat 10 Kinder, woraus also hervorgeht, daß rechter Kindernackwuchs die Frau nur jung hält. Das jüngste Kind hat sie geboren mit 90 (?) Jahren. Fatme if* übrigens Fo frssch und gesund, daß sie noch auf viele Frühlinge hofft Einen Mokka ihr zu Ehren!
Und endlich, weil mich die gute Fatme wieder aanz in Stimmung gebracht hat, noch rin weiteres Hoch, und Zwar auf den Klein-n Herder Ick meine das kleine Konverfationslrrikon, das so handlich nett in der Reibe der Nack'cklagebücher stehl. Wie hab ick es dieser Tage schätzen gelernt, als die halbe Welt meinte, der Heilige Da*er Vm-- XI. habe am 31. März Geburtstag. Taffäck"ck stand diese Zahl auch im Kleinen Brockhaus. Aber der Kleine Herder wußte es besser. Er irrt sich nie. Ich will mit ihm durcks Leben wandern, denn er weiß über all-s Bescheid. Bestes Auskunsts- bßro der Welt. Es lebe der Kleine H-rder Und aufaehört hat es zu regnen, und die erkten Sterne scheinen.... DerMannlmMonde.
Wo bleibt die Konfeqenj?
Del sozialistischen Gewerkschaften von El- dlng geben ein Wochenblatt „für die Interessen der Arbeiter, Angestellten und Beamten des Regierungsbezirks Westpreußen" „Freie Presse" heraus, das sämtlichen Mitgliedern zugestellt wird. Darin steht (Nr. 11 vom 18. März 1927) folgendes zu lesen:
„Nehmt die Binde von den Augen. Heraus aus der Kirche! Die freigeistigen Organisationen rufen zu einer Demonstration für den Austritt aus der Landeskirche auf. Männer und Frauen der praletarischen Klasse, erkennt, daß die Kirche euer Feind ist, der sich euch hemmend bei der Erreichung eurer Ziele entgegenstellt. Erscheint in Massen zu dieser Versammlung."
Die immer noch den Neutralitätsbeteuerungen glaubenden christlich gesinnten Mitglieder der freien Gewerkschaften beschwerten sich und verlangten Rücksichtnahme auf die religiöse Anschauung, die ein Teil der Mitglieder noch achte. Die Antwort ist bezeichnend. Man müsse Rücksicht nehmen auf die Anschauung der Kommunisten und eben letztere verlangen eine offene Sprache.
Das ist ehrlich und eindeutig. Was m:r vermissen, ist die Konsequenz der christlichen Arbeiter, die trotz der offensichtlichen religionsfeindlichen Tendenz in den freien Gewerkschaften verbleiben.
Landwirtschaftliches.
— Frühjahrslagung der Vereinigung der deutschen Bauertwerelne. Gelegentlich der Frühjahrstagung der Bereinigung der deutschen Bauernvereine, an der Vertreter aller deutschen Bauernoereinsvorganisationen teil, nahmen, fand auf Einladung des geschäftsführenden Vorstandsmitgliedes Crone-Münzebrock ein parlamentarischer Abend in dessen Wohnung statt. An dieser Veranstaltung nahmen Vertreter aller Bau- enwereinsorganifationen, Abgeordnete aller bürgerlichen Parteien sowie Herren der Reichs- und Staats«- gierungen und verschiedener landwirtschaftlicher Körper- fchaften teil. Man sah u. a. den Reichservöhrungsmi- nifter Schiele, Reichssinanzminister Köhler, den Staatssekretär der Reichskanzlei Dr Pünder, Reichs banfpräfibcnt Dr. Schacht, den Preußischen Landwiri- fchaftsm'mister Steiger, den Preußischen Justizmim- fter Schmidt, die Reichsminister a. D. Dr. Bell und Dr. Hermes, den Vizepräsidenten der Preußenkasie Geheimrat Glaeler, den badischen Gesandten Honold und mehrere Ministerialdirektoren der verschiedenen Ministerien. Aus Kreisen der Bauernvereine und Abgeordneten waren u. a. anwesend Frhr. von Kerckernick zur Borg Staatsrat Weißhaupt vom Badischen Bauernverein, Hofbesitzer Siamer-
johann vom Schleswig-Holsteinischen Ba'iernverein, Reichs- und ßanhtaasabaeorbneter ftandesökonomierat Herold, Geh. Landesökonomierat Dr._ Heim. Landesökonomierat Lang ufw. Zu her schönen und interessanten Veranstaltung, hie die Gäste lanae zusammen- hielt, waren weit über 100 Herren erschienen.
katholische Welt.
— 50-3aljrfeier der katholischen Kaufmannschaft Deutschlands Der Verband katholischer kaufmännischer Vereine Deutschlands begeht in den Tagen vom 21. bis 23. Mai in Mainz die Feier seines 50jährigen B est e h e n s .das zugleich mit dem goldenen Jubelfeste des katholischen kaufmännischen Vereins Mainz oerbun- ben ist. Zu dem Fest, das in großzügiger Weise ge- feiert werden soll, werden Vertretungen fast sämtlicher deutschen katholischen Vereine erwartet. Fast zur gleichen Zeit (18.—21. Mai) findet hier auch eine Reichs- sührertagung der Iugendgruppen der katholischen Kauf- Mannschaft statt
Reife und Wanderung.
— Büdesheim. Der diesjährige Betrieb der Nieder- waldbahnRüdesheim-NiederwalvsRatlonaldenkmal) wird am Sonntag, den 10. April eröffnet. Es verkehren täglich 18 Züge zu Berg und Tal: an verkehrsreichen Tagen werden Sonderzüge eingelegt (20 Minutenverkehr.) Rach der Statistik beförderte die Bahn im Jahre 1925 rund 139000 Personen gegen 129 000 im Jahre 1926.
— Die letzten läge der Frankfurter vauausslellung. Die große Sonderausstellung „Die neue Wohnung und ihr Innenausbau" mit der die Hausfrauen besonders interessierende Gruppe „Der neuzeitliche Haushalt", hat in den Tagen ihres Bestehens vom 27. März an einen außerordentlich regen Besuch aus Fach- und weitesten Laienkreisen gehabt. Das ist nicht erstaunlich, denn hier in der mächtigen Festhalle war von den Musterbauten an bis zu den kleinsten Jnterneurstellen alles zu sehen, was sich irgendwie mit dem Problem des modernen Wohnens und Bauens befaßte. So bietet diese Ausstellung noch bis zum 10 April jedem die Möglichkeit, sich durch eigene Anschauung über modernes Wohnen und moderne Bauform zu unterrichten. Eine besonders interessante Abteilung ist „Der neuzeitliche Haushalt", her zeigt, wie auch im Reich der Hausfrau heute mit Erfolg die Bestrebung durch sparsame Wirtschaftssüh- rung sich durchzusetzen beginnen. Die wirtschaftlichen Hilfsmaschinen aller Art elektrisch betriebene Küchen, elektrische Eisschränke, Hack- und Waschmaschinen sind hier größtenteils sogar im Betrieb zu sehen und zu beurteilen. Samstag, den 9.und Sonntag, den 10. April bleibt die Ausstellung noch wie bisher bis abends 8 Uhr geöffnet. Wer sie noch nicht besucht hat, sollte die Schluß- tage unbedingt dazu benutzen, sich eine Schau anzusehen, hie in solcher Vollständigkeit sobald nicht wieder zu sehen jein wird.
Palm-Sonntag.
Don 3. Hatzfeld.
„Wenn du es doch erkenntest . .
Eo.
Jede Spannung trägt das Gesetz ihrer Lösung in sich selber. Darum ist der Palmsonntag, der Tag der höchst gesteigerten Spannuna, recht eigen»- lich schon der Tag der Entscheidung. Was nach ihm kommt, ist der unvermeidliche Ablauf dessen, wa- er grundgelegt hat. „Hosanna" und „Kreuzige" sind sich nicht so fremd, als es obenhin aussehen will. Diese lärmende Menge da ist dem Herrn am Palmsonntage innerlich schon genau Io fremd, als sie es am Karfreitag auch äußerlich sein wird. Da schreien diese Menschen mit kaum geringeren Lärm, als ihn ihre Vorväter um die Mauern Jerichos vottführten: „Hochgelobt fei, der da kommt im Namen des Herrn". Aber was meinen sie? Was steckt dahinter? Ach, sie haben ihn enMirf) gefaßt. Er wehrt sich nun nicht mehr, der Br-tt- fchaffer vorn Berge am See. Damals, ja, da ist er ihnen entwischt. Wie hat sie das geärgert! Aber nachher dann, in der Snnago-'e *u Sanbar« naum, da ssts ihnen klar geworden, warum er ihnen aus dem Garn lief. Er hatte — seltsame Ideen bekommen. Nun, da hat man ihn lassen müssen. Jetzt aber scheint das alles vergessen zu sein. Er geht brav mit ihnen, läßt sich ohne Sträuben als König ausrufen. Also ist der Weg nunmehr ganz klar und gewiesen. Die Römer? Kleinigkeit. Und nachher? Ja, da würde man dann erst recht sehen, was man an ihm gewonnen hatte. Was er gekonnt hatte, warum sollte er das nicht noch einmal können, und noch einmal, und immer wieder? Und dann wars geschafft. Darum kann man schon ruhig einmal schreien „Hochgelobt, der da kommt im Namen des Herrn." Im Namen des Herrn! Ei ja doch. Er würde sich schon denken, daß man das nicht so ganz wörtlich nehmen dürfe.
O nein, er nahm es auch wirklich nicht wörtlich, weil er seine Leute kannte und mit seinen Gedanken schon beim Karfreitage war. Das Del war ja noch nicht trocken, womit ihm Magdalena das Haupt zum Todesgange gesalbt hatte. Er wußte, jedes Hosanna war im Grunde eine Drohung. Für den Fall nämlich, daß er ihre Hoffnungen nicht erfüllte. Sie wollten doch nicht fetn Bestes von ihm. Ihnen gings Um ganz etwas anderes. Und weil er das, was s i e wollten, nicht geben konnte und wollte — fein „Wenn du es doch erkenntest" überschrieen sie vorläufig mit ihrem Hosanna — darum... Der Karfreitag gibt die Antwort.
Es bleibt nicht aus, daß auch in unferm Dasein, mag es auch noch so bescheiden sein und mögen wir tuen, was wir wollen, das Hosanna wie das Kreuzige erleben, nicht einmal bloß, sondern immer wieder. So verborgen ist keiner, daß niemand nach ihm sähe und sein Leben nicht in sein eigenes einzukalkulieren versuchte. Es muß demnach allzeit verdächtig erscheinen, wenn die Menge Hosanna ruft. Wie sie das ehedem beim Herrn nicht um seines Besten willen tat, so tut sie ’s auch heute nicht um unseres Besten willen. Sie kann in uns nur immer ein Werkzeug ihres Verlangens sehen, eines Verlangens,
das immer auf das Nächstgelsgene geht und bei- leibe nichts anderes will, als was die Augen leben, die Ohren hören und die Zunge schmecken rann. Darum bedeutet auch ihr Kreuzige ebensoviel und wenn sie ’s niemals um des Schlechten, des wirk- lich Schleckten willen, das etnw in uns ist und von dem unser Gewissen weiß. Kurz, das polanna ist keine Sicherheit dafür, bah wir aut sind und das Kreuzige keine, daß wir M-ckt sind
Warum horchen wir also ängstlich auf bas „Ho- fanna" und fiirckten das „Kreuzige ? Woran es heute fehlt, das sind Menschen, die für beides taube Ohren haben und gleichen Mutes tuen, was ihr Gewissen will, die ihre Ehre nicht draußen suchen und ihre Sckanhe nickt von außen furchen
„Daß du es doch erkenntest . . . Auch dein Leben und deine Wirklichkeit entlcheidei fi* nrbet am Palmsonntag, noch am Karfreitag. Es gehl ganz danach, ob Lebendiges in dir ist. Und bat — wird erst am Dftertag deines Lebens offenbar werden.
Das Urteil im Säwltbeis-vrozeh.
= Frankfurt a. M Im Schultheis-Prozeh wurde Freitag nachmittag das Urteil gesprochen. Der Angeklagte wurde wegen schweren Raubes in Tateinheit mit Totschlag zu 15 Jahren Zucht- Haus und lOJahren Ehrverlust verurteilt
Die Urteilsbegründung.
In der kurz gehaltenen Begründung heißt es u. a.; Es stehe ohne weiteres fest, daß Schultheis den Juwelier Grebenau getötet hat. Mit seiner Einlassung, daß er den Schuß nicht mit Willen abgegeben hat, hat der An- geklagte keinen Glauben gefunden. Sehr viele Grunde sprechen dafür, daß er den Schuß willentlich abgab und daß dieser vorsätzliche Schuß bestimmt war, den Tod des Grebenau herbeizuführen. Weiter war die Frage aufzuwerfen, ob die Tat mit oder nicht mit Ueberlegung ausgeführt war. Das Ge- richt hat zu Gunsten des Angeklagten ihre Ueberlegung verneint und feine Entscheidung dahin getroffen, daß dem Angeklagten nicht zu widerlegen sei, daß er nach einem oorausaegangenen Streit in Affekt geraten ist, auch in einen Angstzustand, daß Leute kommen konnten, sodaß ihm die klare Ueberlegung gefehlt hat. Der Angeklagte ist weiter des schweren Raubes schuldig. Unter Anwendung von Gewalt hat er Grebenau Geld unt Juwelen im Werte von etwa 30 000 Mark weggenommen. Wos die Strafhöhe betrifft, hat das Gericht mit Rücksicht auf das Vorleben des Angeklagten und einiger in der Verhandlung hervorgetretenen sympathischen Züge von der Verhängung einer lebensläng'ichen Zuchthausstrafe abgesehen. Aber immmerhin konnte von der mildesten Bestrafung nicht die Rede sein. Die außerordentlich rohe Tat machte eine Bestrafung mit 15 Jahren Zuchthaus notwendig. Da die Tat von ehrloser Gesin- nung zeugte, war auch auf Ehrverlust zu erkennen. Wegen des unbefugten Waffenbesitzes wurde auf 100 Mark Geldstrafe erkannt, die durch die Untersuchungshaft als verbüßt gellen.
Der Angeklagte wurde nun gefragt, ob er eine Er- Närung abgeben wolle, worauf er erwiderte: „.Ich will mir das vorbehalten!" Auch der Staatsanwalt gab feine Erklärung ab.
wie wird das Wetter?
Vorhersage bis Sonntag abend: Wolkig, meist trocken. Nachts milder als seither, meist westliche Winde.
Dein Sonntag soll froh sein: Stunden der Muße voll Anregung und Behagen! Dafür sorgt jetzt Die Grüne R)st,die neue große Wachen -Zeitung f Dich und die Deinen
Unparteiisch in ihren Berichten über Politik, Wirtschaft und Kultur.
Vielseitig in ihrer reichen Auswahl an Romanen und Novellen, Unterhaltung und KurzweiL Nützlich in ihren zahlreichen Winken und Vorschlägen für Beruf und Haus in Stadt und Land. Zahlreiche Bilder im Text
Roman; „Die Ruferin“ von Feder v. Zobeltitz.
Monatlich 80 PL / Die Nummer 20 PL
UeberaD im Buch- und Zeitungshandel.
Der Verlag, Berlin SW 68, sendet Ihnen auf Wunsch Die Grüne Post
kostenlos zur Probe.