Fuld aer Z ertung
: Nr. so.
Anzeiger für die Stabt und den Kreis Fulda.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilage: „Illustrierte Beilage" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Monatlicher Bezugspreis 1,50 MI.
Mittwoch. 6. April 1927.
Amtliches Kreisblakt.
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Zahrg.54.
Die dritte Lesung des Reichsetats.
Der Reichstag setzte am Montag die erste Beratung des Ärbeitszeitnotgesetzes fort. Nachdem sich die Demokraten, die Bayerische Volkspartei, die Kommunisten und auch die Deutsche Volkspartei bedingt für das Notgesetz ausgesprochen hatten, wurde dieses dem Sozialpolitischen Ausschuß überwiesen und in die zweite Beratung des Wahlgesetzes nach der Reichsversicherung und dem Angestelltenversicherungsgesetz eingetreten. Dieser Antrag wird mit geringen Abänderungen und gleich darauf auch in dritter Lesung angenommen. Eine vom Ausschuß vorgelegte Novelle zur Invalidenversicherung, die sieben Lohnklassen bildet, wird in allen drei Lesungen angenommen. Nach Ablehnung einiger Abänderungsanträge zur Erwerbslosenfürsorge und Kleinrentnerfürsorge vertagt sich das Haus auf Dienstag 10 Uhr: Dritte Beratung des Etats.
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D.D.Z. Berlin, 5. April. (Eig. Funkm.) Aus der Tagesordnung der Reichstagssitzung am Dienstag steht die 3. Lesung des Etat 1927. Abg. Dr. Hilferding (Sozialdemokrat) ist überrascht davon, daß die Deutschnationalen ihren Monarchismus aufgeqeben und die Weimarer Verfassung anerkannt haben, um in die Regierung eintreten zu können. Er glaube nicht mehr an die Treue der Deutschnationalen zu den Hohenzollern, aber auch nicht an ihre Treue Str Republik. Die Deutschnationalen hätten die nausrichtigkeit in die deutsche Republik gebracht.
Abg. Müller- Franken (Sozialdemokrat) erklärt es für unwürdig, daß die Regierung bei der 3. Lesung des Etats nicht vollzählig zur Stelle sei und beantragt Vertagung. Dieser Antrag wird abgelehnt.
Abg. T o r g l e r (Korn.) weift darauf hin, daß Dr. Hilferding (Sozialdemokrat) vor einem halben
Jahr dem Etat Dr. Reinholds zugejubelt habe. Reinhold sei doch auch für diesen neuen Etat verantwortlich. Die Ablehnung des Etats durch die Sozialdemokraten habe nichts zu bedeuten, bald würden sie sich wieder zur Regierung drängen. Mit den Steuern der Länder und Gemeinden habe das Volk annähernd 15 Milliarden aufzubringen, wovon Mindestens 70 Prozent ausschließlich die breiten Massen belasteten. Die Kommunisten lehnten diesen Klassenetat des Bürgerblocks ab. (Beifall bei den Kommunisten.)
Abg. Dietrich- Baden (Demokrat) verlangt Klarheit und Durchsichtigkeit des Etats und spricht seine Befriedigung darüber aus, daß die Regierungsparteien einen Antrag vorgelegt hätten, dessen Gedanken sie dem demokratischen Antrag entlehnt hätten. Traurig sei es, daß sich am Finanzausgleich seit 1919 nichts geändert habe.
Der Redner bespricht dann die Frage des K onkordats. Seine Partei habe sich über Dr. Stresemanns Erklärung gefreut, aber die Freude fei von kurzer Dauer gewesen, denn Dr. Strese- mann habe seine Rede hinterher gleich wieder dementiert. Die Rede fei eben nur gehalten worden, um zu verhindern, daß seine Parteicmhänger in Scharen davonlaufen, weil sie fürchten, daß in dieser Koalition der Kulturliberasismus Schaden leide. Die Demokraten wollten deshalb der Volks- Partei Gelegenheit zu klarer Stellungnahme geben und legten eine Entschließung vor, die klar ausspreche, daß der Reichstag kein Konkordat und keine Beschränkung seiner Schulgesetzgebung wolle (Beifall bei dem Demokraten).
Abg. Dr. Bredt (Wirtschastspartei) erklärt, dieser Etat erwecke größte Bedenken. Von Sparsamkeit sei nichts zu merken. Deshalb lehne die wirtschaftliche Vereinigung diesm EtM grundsätzlich ab. (Die Sitzung dauert fort.)
Nach Stresemanns Konkordatsrede.
Der Redner erläutert seine Rede. — Die Demokraten übertrumpfen Strefemonns Forderungen. — Der Widerhall im Zentrumslager.
Ministeriums deS Innern. ES ist bekannt, baß sich die Deutsche Volkspartei in der jetzigen Regie- rungSkoalition, die sie als „schwarz-blauen Block" empfindet, nicht recht wohl fühlt, außerdem hat die sechzigste Wiederkehr deS Gründungstages der Na- tionalliberalen Partei, welche die Deutsche Volkspartei am 18. März festlich beging, alte fultur- liberale Erinnerungen wach gerufen, die das Gewissen der Deutschen Volkspartei in Unruhe halten. So ist es denn durchaus verständlich, daß Strese- mann als Parteiführer die kulturpolitische Tagung in Berlin zu einer Rede benutzt, die der Welt zeigen soll, daß der alte Nationalliberalis- m u s in der heutigen Deutschen Volkspartei noch durchaus lebendig ist, daß man kulturpolitische Fragen, gleich welcher Art, für rem innenpolitische Angelegenheiten des deutschen Reiches hält und man gewillt ist, den Primat des Staates und seine heilige Souveränität in diesm Dingen mit unerschütterlichem Nationalliberalismus zu schützen.
Daß der ganze Vorstoß Stresemanns in erster Linie parteipolitisch gemeint ist, zeigt sein Bestreben, die Deutsche Demokratische Partei in eine Derteidigungsstelle zu manövrieren und auf der anderen Seite, hinsichtlich der Teutschnationalen, seine Taktik des Bangemachens. Den Deutschdemokraten in Preußen sagte er: „Wenn unsere Partei in der Lage gewesen wäre, im Verlauf der letzten Jahre auf die Entwicklung praktisch stärkere!: Einfluß zu nehmen, so wäre die Lage inbezug auf
Der deutsche Außenminister Dr. Stresemann, der gleichzeitig Vorsitzender der Deutschm Volks- Partei ist, hat sich veranlaßt gesehen, auf der Tagung der Funktionäre der Deutschen Volkspartei seiner Rede, die er auf dem Kulturtag der Partei gehalten hat, einen Kommentar anzuhängen. Aus Worte kommt es nicht so sehr an. Im ganzen war die Stresemannsche Kulturrede, die wir hier schon verzeichnetm, ihrem Sinne nach eine Warnung vor Konkordaten überhaupt, wenn man auch in der langen Rede konkrete Bekenntnisse, handgreifliche Feststellungen vergebens sucht. Vielleicht wird man den Absichten Stresemanns am ehesten gerecht, wenn man sie p arteipolitisch nimmt, wenn man sie als einen Versuch auffaßt, für die nächsten Wahlkämpfe die alte liberale Plattform wiederzufinden. Als Dr. Strese- marrn mit samt seinem Parteikollegen Dr. Scholz sich bemühte, die Deutschnattonale Volkspartei in die Regierung hereinzuholen, da tat er das Haupt- sächlich in dem Gedanken, daß es für die Deutsche Volkspartei nicht gut sein würde, wmn sie bei den bevorstehenden Reichstagswahlen unter der Kritik der Deutschnationalen stehen würde. Stresemann und seine Leute fürchten dm ftärteren Wortpatriotismus der Nachbarn zur Rechtm. Aber die Regierung war noch nicht geblldet, als man erkannte, daß jetzt die deutsch- demokratische Partei zu einer Gefahr werden könne, und zwar vor allem auf ku11urpoli - t ischem Gebiete. Das Gesetz zum Schutz der Jugend vor Schmutz und Schund ist noch mit Hilfe eines Teiles der deutschdemokratischm Reichstagsfraktion verabschiedet worden, man hat aber das sichere Gefühl, daß man bei den demnächst zu erwartenden kulturpolitischen Gesetzesvorlagen auf die volle Opposition der Demokraten . flohen wird. An Ankündigung fehlt es ja auch nicht. Sie find bereits laut geworden bei dm Aus- schußberatungm über das Lustbarkeitsgesetz. Sie sind nicht minder vernehmlich «wesen bei der Reichstagsaussprache über ben Etat des Reichs-
das preußische Konkordat eine andere als jetzt." Die Antwort auf diesen Angriff gegen die Deutsch- demokratische Partei hat derm Dorsitzmder, Dr. Koch, „postwmdend" gegeben. Er äußerte sich am Montag einem Vertreter des demokratischen Zeitungsdienstes gegenüber wie folgt: „Ich bin hocherfreut über die entschiedene Stellungnahme, die Dr. Stresmurnn zur Frage des Konkordats eingenommen hat, und vergesse gern die kleine Polemik, die er bei dieser Gelegenheit, gegen die Deutsche Demokratische Partei geführt hat. Ich darf aber feststellm, die Deutsche Demokratische Partei hat niemals ehren Zweifel daran gelassen, daß sie weder durch ein Reichs- noch durch ein preußisches Konkordat auch nur die geringsten Rechte des Staates auf die Schule zugunsten der Kirche preisgebm wird. Diesen Standpunkt hat übrigens bei Abschluß des bayerischm Konkordates, auf das Dr. Stresemann verweist, bie Deutsche Demokratische Partei als einzige nicht- sozialistische Partei in einem entschiebenm Kamps vertreten."
Dr. Koch gibt also den Hieb unmittelbar zurück, er kann von seinem Standpunkte aus der Deutschen Volkspartei vorwerfen, daß sie durch ihr praktisches Verhalten bereits die alten Grundsätze des Nationalliberalismus verraten habe. Es scheint uns übrigen^, daß die Aufregung im liberalen Lager über die Konkordatsfrage nur deshalb so groß ist, weil man nicht recht weiß, daß der Ab- fchliiß eines Konkordats, sei es durch das Reich, sei es durch Preußen, eine N ot wendig! eit sein wird, weil seit dem Umsturz 1919 auf kirchenpolitischem Gebiete ganz neue staatsrechtliche Verhältnisse eingetreten find. Wenn man so manchen Aussatz in romseindlichm Blättem über das Konkordat lieft, kann man sich oft des Eindrucks nicht er« wehren, als wirke das Wort „Konkordat" in manchen Köpsm bereits wie Landesverrat, Revolution ober noch schlimmeres.
Die „Germania" erklärt mit aller Deutlichkeit folgendes:
Schwierig wird eS sein, Herrn Stresemanns neuesten Akt mit der KoalitionSsreundschast seiner Partei mit den D eutschnationalen, in Einklang zu bringen. Zumal, wenn man bedenkt, daß in manchen Landesteilen, so in Oldenburg, in Schleswig - Holstein, Ostpreußen, Bayern, die Deutsche Volkspartei orgawisatorisch oder doch wähl taktisch mit den Deutschnationalen verbunden ist.
Ter Führer der Deutschen Volkspartei verschmähte nicht altbekannte , feit Jahrzehnten abge nutzte Schlagworte und Phrasen. Wer will beim ben Primat des Staates, die staatliche Hoheit antasten? Ist es ein Gewissenszwang, eine Gefährdung der Gewissensfreiheit, wenn man meinem neuen Konkordat bie im Jahre 1820 m ber Bulle „Dei falute animarum" behandelten und vom Staate rechtsverbindlich versprochenen geldlichen Abfindungen an ben katholischen Klerus mit ben Gelbverhältnissen ber Gegenwart in Ueberein- stimmung bringt? Denkt irgenbein Katholik bar an, die Gewissensfreiheit der Andersgläubigen zu verletzen? Alles was wir wollen, ist dieselbe Freiheit für unseren Glauben, für unsere Kirche, für unsere religiöse Betätigung, die jedes religiöse Bekenntnis für sich zu verlangen berechtigt ist.
Für die dritte Lefung des Etats hat bie bemo- kratische Reichstagsfraktion zum Haushalt des
Die übrüftuitgsfrage.
steine Vertagung des vo»cereitenben Ausschusses.
Bei einem Presseempfang in Genf dementierte Lord Rodert Cecil die Gerüchte über eine bevorstehende Vertagung ber Arbeiten des Vorbereitungsausschusses für die Abrüstungskonferenz nach Abschluß der ersten Lesung.
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Die französische Antwort auf die Aufforderung der Regierung der Vereinigten Staaten, zum mindesten einen Beobachter zur Seeabrüst ungskonferenz zu entsenden, ist inzwischen vom französischen Außenministerium der Botschaft der Vereinigten Staaten überreicht worden, ohne daß eine Mitteilung ausgegeben wurde. Sie fiihrk aus, die französische Regierung könne ihre Absicht über die unterbreiteten Vorschläge nicht ändern. Sie bleibe bei der Ansicht, daß eine p o f t 11 d e Teilnahme Frankreichs an der mit den Vereinigten Staaten, England und Japan geplanten Konferenz nicht in Frage kommen kann, und daß Frankreich keinen Beobachter entsenden könne.
Dr. Wirth über die Abrüstungssrage.
wtb. Wien, 5. April. (Eig. Funkm.) In einer Unterredung des früheren Reichskanzlers Dr. Wirth mit einem Vertreter des „Neuen Wiener Journals" kam das Gespräch auch auf die Abrü- stungsfrage. Dr. Wirth wies dabei auf die Schwierigkeiten des Problems hin, da jeder Staat andere Interessen habe. Daher mehrten sich auch die Stimmen, welche angesichts der ganzen Lage in Europa den Augenblick für eine fruchtbare Besprechung der Abrüstungsfrage überhaupt noch für gekommen hielten. Er persönlich sei der Ansicht, daß die Arbeiten der Konferenz unbedingt fortgesetzt werden müßten, denn, täuschen wir uns nicht darüber, meinte Dr. Wirth, für den Fall, daß das Werk der Abrüstung mißlingt, steht Europa vor einem neuen Rüstungsrummel ohnegleichen, und bann, wenn die Nachbarn sich weiter bewaffnen, wird man auch vorn deutschen Volke nicht mehr verlangen, daß es auf seine Gleichberechtigung' in dieser Beziehung verzichte.
Der internationale Handel.
Franz v. Mendelssohn und Dr. Lammers in London eingetroffen. ——-
Der Präsident der Industrie- und Handekskam- mer Berlin, Franz v. Mendelssohn, und der Vorsitzende des Enqueteausschusses, Dr. Lammers, sind in London eingetroffen, v. Mendelssohn und Dr. Lammers werden an einem ihnen von der britischen Sektion der Internationalen Handelskammer im Hotel „Victoria" gegebenen Frühstück teilnehmen und bei dieser Gelegenheit wird der Präsident der Industrie- und Handelskammer einen Vortrag über die wirtschaftliche Lage Deutschlands halten. Dr. Lammers wird am 6. dieses Monats dem Regierungsausschuß für Industrie und Handel über die deutsche Industrie-, Handels- und Landwirtschaftsenquete und die dabet angewandten Methoden ^Bericht erstatten.
Neue Voxer-Beweguu ?
Zur Lage in Norbchina.
Der Sonderberichterstatter des „Temps" bestätigt die alarmierenden Nachrichten über die Sage in Nordchina. In der Provinz Schantung mache sich eine geheime Bewegung, ähnlich der der Boxer, bemerkbar, die eine fremdenfeindliche Propaganda betriebe. Auch General Fengjusiang fei wieder in Aktion getreten, der mit der Kuomintang zusammengehe. Er wolle mit drei Armeen von der Provinz Tscheng gegen die Provinz Honan marschieren, die die Mukden- truppen soeben vollständig besetzt hätten. Der französische Gesandte lasse b*) französischen Staatsangehörigen, die im Jnü?kn des Landes als Post- oder Zollbeamte auf ifo* 1 2 3 Werten Posten stehen, nach den großstädtischen Mittelpunkten zurückbeordern. Es erscheine unerläßlich, daß die französischen Untertanen in den für die Verteidigung geeigneten Mittelpunkten wie Peking und Hankau untergebracht würden und dort die Entwicklung des Bürgerkrieges abwarteten. Voraussetzung hierfür sei, daß durch gemeinsames Vorgehen der Großmächte die freie Schiffahrt auf dem Jangtse sicher gestellt würde.
Amerika an China.
(Eine Rote.
„Herold Tribüne", die der amerikanischen Regierung nahesteht, erfährt, daß das Staatsdepartement eine Note an bie Kantonregierung absenden wird, und zwar wird die Absendung wahrscheinlich gleichzeitig, aber nicht gemeinsam mit der englischen Note erfolgen. In der Note wird gegen die Vorfälle in Nanking protestiert, sowie Schadenersatz und Garantien gegen ähnliche Vorfälle in Zukunft gefordert. Jedoch sollen die Forderungen so mild gehalten sein, daß die Kanto- nesen sie unschwer erfüllen können. Nach einem Bericht des amerikanischen Admirals in Schanghai ist in Kanton eine Siegesfeier wegen der Einnahme von Schanghai und Nanking geplant. Den Fremden ist voller Schutz vor Belästigungen zugesichert worden.
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Der Wortlaut der amerikanischen Note ist be< Peking telegraphiert worden. Der ursprüngliche Entwurf, der von dem Gesandten nach Beratung mir seinen britischen und japanischen Kollegen in Peking an das Staatsdepartement gesandt worden war, ist in gewissen Einzelheiten abgeändert worden. Trotz der Aenderungen wird die Note in allen wesentlichen Punkten mit dem Inhalt der britischen und japanischen Note übereinstimmen. Es sei aber offenbar der Wunsch der amerikanischen Regierung, wenn möglich auch nur den Anschein einer Einmischung in den chinesischen Bürgerkrieg zu vermeiden.
Das Geheimnis Albaniens.
Ministerialdirektor Posse wird in Paris zu- rückerwartet. Es ist eine Sitzung anberaumt, in der die französische und deutsche Handelsvertrags- delegation ihre Arbeiten zum Abschluß des endgültigen Handelsvertrages fortsetzen werden.
* Abg. Fürst Bismarck im auswärtigen Reichsdienst. "Der deutschnationale Abgeordnete Fürst Bismarck wird, wie die „Kreuzzeitung" mitteilt, am 1. Mai in den auswärtigen Reichsdienst eintreten und zunächst im Auswärtigen Amt beschäftigt werden. Später ist seine Verwendung im Ausland in Aussicht genommen.
* Die Finanz-Sanierung in Frankreich. „Echo de Paris" berichtet, außer der angekündigten Konsolidierungs-Operation habe die Amortisierungs- kasse grundsätzlich die Schaffung von Bonds der nationalen Verteidigung mit öjähriger Laufzeit beschlossen.
Die spanischen Verschwörer.
wtb.paris, 5. April. (Eig. Funkm.) Dem „Petit Parisien" wird aus Madrid berichtet, daß im Komplottes vom 24. Juni 1926 mitgeteilt worden sei, daß man die Absicht gehabt habe, General Primo de Rivera und General Bartini Anido zu ermorden. Das revolutionäre Komitee habe einen Vertrag mit den Syndikalisten auf folgender Basis abgeschlossen: Konstituierung der Nationalversammlung, Freiheit der Presse, Anerkennung der Arbeiter-Organisationen, weitgehende Amnestie, Freilassung der Gefangenen, die wegen politischer und sozialer Vergehen in Gefängnissen sitzen. Der Aufstand hätte in V a- lencia beginnen sollen. In der Vernehmung erklärte der Direktor Guillera, daß dieser Pakt von ihm unterzeichnet worden sei. Marschall Westler habe lediglich seinen Inhalt gekannt.
Reichsministerülms des Innern eine Entschlie- ßung eingebracht, die die Reichsregierung ersucht:
1. fein Konkordat abzuschließen, das die Freiheit der kulturpolitischen GesetzgÄung beschränkt und dessen Bestimmungen Fragen des Bildungswesens berühren;
2. auf die Landesregierungen in gleichem Sinne einzuwirken;
3. in dem angekündigten Reichsschulgesetz a) die verfassungsmäßigen Rechte der Ge- meinschastsschule, b) die Schulhoheit des Staates, c) die Beamtenrechte unb die Gewissensfreiheit des Lehrers zu gewährleisten und der Schädigung des deutschen Schulwesens durch Zersplitterung vorzubeugen.
wtb. Paris, 5. April. (Eig. Funkm.) Den Morgenblättern zufolge bringt die Belgrader Zeitung „Politika" Einzelheiten über angebliche Rü- stungen in Albanien. In Skutari seien 4000 Mann zusammengezogen worden. Die Freiwilligen der ProviiWN Matia und Debra hätten Waffen erhalten. Man lege jetzt Befestigungen an auf einem Werke in unmittelbarer Nähe von Skutari. In dem nördlichen Teile des Landes seien drei große Munitionsdepots errichtet worden. In Va- lona habe man 120 Automobil-Kanonen aufgestellt.
Aus Belgrad wird gemeldet: Das Ministerium des Aeußern gibt bekannt: Italien hat nunmehr offiziell feine Z u ft i 'm m u n g zu direkten Verhandlungen notifiziert. Als Verhandlungsgrundlage dürfte die Verbindung der Revision des Vertrags von Tirana mit der Ratifikation der Konventionen von Rottuno dienen. In der Umgebung der drei flowenischen Minister verlautet, daß bei den Verhandlungen auch die Frage der roattschen Minderheiten in Italien aufgerollt werben wird.
Rumäniens Thronfolge.
Die rumänische Gesandtschaft in Berlin teilt mit:
In der Presse wurden verschiedentlich Nachrichten über angebliche Unruhen und TruppenzusaM» menziehunqen in Rumänien verbreitet. Minister- Präsident Äverescu stellt in einem Telegramm fest, daß diese Nachrichten nicht der Wahrheit entsprechen, daß auch zu Maßnahmen solcher Art keinerlei Anlaß vorliege, und daß im Lande vollkommene Ruhe und Ordnung herrsche. Gleich zeitig wird mitgeteilt, daß der Gesundheitszustand des Königs sich gebessert habe
Englands Kampf gegen Streilis.
Die Novelle jum englischen Gewerkschaslsgesetz.
Im Unterhaus brachte der Generalstaatsanwalt die Gesetzesvorlage über das Gewerkschaftswesen ein, die in der ersten rein formellen Lesung erledigt wurde. Die Gesetzesvorlage erklärt alle Streiks für ungesetzlich, die bestimmt sind einen Zwang auf die Regierung auszuüben obei die Allgemeinheit einzuschüchtem, ferner jeden Streik, der sich nicht auf einen Streit innerhalb des betreffenden Industriezweiges bezieht. Für Zu Widerhandlung sind schwere Geld- und Gefängnisstrafen vorgesehen. Das Streikpostenstehen bei bei Arbeitsstätte wird verboten, wenn die Streikposten so zahlreich sind, daß sie einschüchternd wirken.