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Fuldaer Zeitung

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großen Binnenhof. Kinder spielten dort im Sande. Etwas Gartenerde schien aus den Frühling zu war­ten. Auch fehlte es nicht an kleinen Schuppen, in denen sich Geräte für Turnübungen befanden. Vom Lärm der Großstadt hörte man dort nichts mehr, und die Luft, die man einatmete, war ländlich frisch. Man braucht nicht viel Einkommen zu haben, um in den Besitz einer solchen Wohnung zu gelangen. Hat die Frau etwas Sinn für Sauberkeit, so geht wirklich alles prächtig, und der junge Mann hat ein Heim, das er jedem Cafe und jedem Hotel vor­zieht. Es waren denn auch diese jungen Menschen bei aller Lebensnot, die auch sie zu überwinden haben, wie das strahlende Glück selber. Das Stück­lein Kuchen, das zum Feste bereitet war, ersetzte eine ganze Konditorei, und als es ans Nüfseknacken ging, wollte das fröhliche Geplauder gar kein Ende nehmen. Dabei sang in allen Winkeln ein heimli­ches Leben so etwas wie ein Wiegenlied, und welche Musik auf Erden gliche wohl dieser an Paradieses-

Die beiden Tage des Weltmeisters.

In Berlin Iah man dieser Tag« einen Film, der Dr. Otto Peltzers sensationellen Sieg über Nurmi ze'gt und der, - was vielleicht noch interessanter ist.- über das Privatleben un'eres Weltmeister« lebrre che Aufschlüsse aibt.

In einem schönem Bergort Thüringens lebt bet Over- lehret Dr. Otto Peltzer mit seinen Schülern nach von ihm selbst aufoestelllen Regeln. Wissenschaftliche Arbeiten und sportliche Hebungen bei vernunftgemäßer Lebenweise Auf ihrem Küchenzettel steht Kathreiners Malzkasf-e, der ihnen so aut schmeckt, daß sie ihn nicht nur morgens sondern auch nachmittags und abends trinken- Möge dieses Bei­spiel vernünftiger Lebensart unseres Weltmeisters Peltzers recht viele Nacheiferer finden. _______

seligkeit!

Wie ich da quer über den Hof schaute, stand an der gegenüberliegenden Seite eine einsame junge Frau am Fenster. Sie schien zu warten, wie es denn das Los der Frauen ist, daß sie warten müs­sen und immer warten. Hier ist ein weiterer Uebel- stand des modernen Lebens, den unsere Männer je nach Möglichkeit beheben sollten. Der Mann muß hinaus ins feindliche Leben, das war wohl zu allen Zeiten so. Aber daß er so schwer zurückkehrt ins freundliche Heim, das ist nicht immer so gewe­sen. Kaum, daß er morgens sein erstes Frühstück genommen, da stürzt er auf die Elektrische und fährt eine halbe Stunde oder mehr ins Büro. Vielleicht wird durchgearbeitet. Dann ist er wenigstens abends frei. Aber meist ist es doch so, daß er selbst in diesem Falle es nicht für der Mühe wert hält, nach Hause zu fahren, weil er doch später noch zu einer Sitzung muß oder zu einem Vortrag oder zu einem Theater. Die Frau könnte ja mitgehen. Aber das kostet zuviel, ist nicht selten zu umständlich und geht schon gar nicht, wenn niemand die Kinder hütet. So trennt das Leben selbst die Liebenden. Die Flamme, die nur aus ständiger gegenseitiger Glut leben kann, wird kleiner und schwächer und verlischt dann wohl. Oder es drängen andere sich dazwischen und ersetzen ihn oder sie, zunächst als Gesellschafter, dann als mitleidiger Freund; dann, nun ja, wie schnell kann ein hohes Glück zerstört werden, das zu hüten so schwer ist. Möchten doch alle jungen Männer sich ihrer Verantwortung be­wußt sein. Sie dürfen die Frauen nicht warten lassen, wenn es nicht notwendig ist. Wo ein guter Wille ist, da ist hier sicher ein Weg. Wie wußten sie doch die Wege und die Gelegenheiten auch nur kurzen gegenseitigen Sichsehens zu finden und zu nutzen, als sie noch in der ersten Zeit der Sehnsucht waren, im Vorfrühling ihrer Ehe. Und sie sollen sich auch gewöhnen, mit ihrer Frau die Bittgr besprechen, die ihr Leben, ausmachen. E« haben manche Männer so eine Praxis, die einfach sagt: Der Haushalt für die Frau und das Geschäft für den Mann. Selbstverständlich muß jeder sein eige­nes Reich haben. Aber ein wenig muß jeder sich auch im Reiche des anderen auskennen, sind sie doch Verbündete nicht nur, sondern Eheleute.

Wie wünschte ich doch allen den Tausenden von Gärtlein, wo Vater, Mutter und Kind ihr häusli-

Reizende Zukunfsbilder tauchten vor seinem Geiste auf.Trabe mit dem Gaul ein paarmal, durch die Allee!" rief er dem Reitknecht zu.

Klopfenden Herzens begab er sich nach dem Teeraum, wo Nora ihn erwartete.

Wenige Minuten später standen sie sich gegenüber, der derbe deutsche Landwirt und die Fremde, die Aus­länderin, die ihm gleich beim ersten Sehen rätselvoll vor- kam wie eine Sphinx.

Er verneigte sich tief und streckte Ihr feine kräftige Hand entgegen.Selen Sie auch mir herzlich will­kommen auf der Herrenstammburg, Gräfin I Daß meine Eltern durch Ihre Ankunft eine so große Freude hatten, macht auch mich sehr glücklich. Wenn ich Ihnen, der hochgeborenen Gräfin, nicht zu wenig bin, wenn ich hoffen darf auf eine gute Kameradschaft zwischen uns, so bleibt mir nichts zu wünschen übrig."

So bescheiden, Bernd?" meinte Nora mit einem koketten Lächeln.Wenn Sie nicht mehr verlangen, machen Sie eine rühmliche Ausnahme von anderen Männern. Und selbstverständlich wollen wir gute Ka­meraden, oder vielmehr wie Geschwister miteinander ver­kehren. Ich hoffe, Sie werden Ihrem Schwesterlein, das Sie gewissermaßen über Nacht bekommen haben, jederzeit ein treuer Schutz und Beistand sein."

Das will ich, Gräfin, das will ich, hier meine Hand darauf!"

Zum zweiten Male legte Nora ihre weichen und schmiegsamen Finger in diese harte Arbeitshand, der es niemals darauf ankam, derb mit zuzufassen, wenn sich die Gelegenheit bot.

Ein Schwesterlein tituliert man aber nicht, sondern man sagtDu" zu ihr und nennt sie bei ihrem Dor- namen. Ich heiße wie meine Großmutter Ellinor, man ruft mich hier aber Nora, damit es keine Mißverständ­nisse gibt. Großpapa wünscht es so."

Wenn du es erlaubst, Nora, liebe Nora! Ich finde, daß du sehr lieb und gütig bist."

0, es soll schon werden, Bernd, unser Leben auf der Herrenstammburg. Mir ist ja nun alles, aber auch alles so seltsam neu, und ich werde tausend Fragen haben. Wirst du nie ungeduldig werden, zu antworten? Wirst du so lieb sein, mich in deutsche Gewohnheiten und Gebräuche, in deutsche Denkungsart einzuweihen?

Es wird mir immer zur Freude gereichen, dir ge­fällig fein zu dürfen, Nora!"

M 78.

Sonntag, 3. April 1927.

Dann ist alles gut, Bernd. Und nun erlaube, daß ich dir dein Frühstück zurechtmache, ich bin es fo gewohnt, vom Later her!"

Ich danke dir, Nora, ich habe bereits gefrühstückt. Ich muß nun fort. Verzeihe! Aber mir ist eine ganz bestimmte Einteilung des Tages zur Gewohnheit gewor­den. Daran muh ich festholten; denn hier gibt es eine Unmasse Arbeit. Am Spätnachmittag stehe ich ein paar Stunden zu deiner Verfügung."

Sie schmollte.Ach, das ist eine arge Enttäuschung! Willst mich hier wirklich allein sitzen lassen?"

Es ist fast immer Besuch im Schlosse. Du wirst soviel Gesellschaft haben, als dir nur lieb ist. Und heute, am ersten Tage, gibt es so viel Neues für dich, daß du keine Langeweile haben wirst."

Die vielen Besuche sind mir höchst gleichgültig. Mit dir möchte ich plaudern, von dir lernen, wie man sich am besten hier eingewöhnt. "

Ach, Nora, gib dich nur so natürlich, wie es dir selbst am angenehmsten ist. Die Eltern erheben in die­ser Hinsicht keine Ansprüche. Hier kann sozusagen jeder nach seiner Fasson selig werden."

Sie lachte nun und zeigte ihre weißen, gleichmäßigen Zähne.Daran erkenne ich, daß ich mich auf der Her­renstammburg befinde. So war Vater auch.

Er hielt ihr seine Hand hin.Auf Wiedersehen also, Aber Nora, das geht doch nicht, dann wird ja dein ,Zch begleite dich hinaus."

ich muß nun fort!"

Frühstück kalt. Du hast noch nichts genossen."

Ach, was liegt daran, ich komme mit.'

Er sagte nichts mehr. Ihm war seltsam zumute.

Dieses fremde Mädchen, das sich seine Schwester nannte, mit welchem er so vertraute Worte tauschte, war ihm plötzlich wenig sympathisch.

Im großen und ganzen hatte er die braunäugigen Mädchen gern, er pflegte sie bei Spiel und Tanz jeder­zeit zu bevorzugen. Aber diese, die so lieb sich ihm zeigte, war ganz und gar nicht nach feinem Sinn. Er konnte das Gefühl, als trage sie eine dunkle Perücke, unter der sich blondes Haar verbarg, nicht los werden.

Aber er schalt sich, er war empört über sich selbst. Was ging ihn denn ihre Schönheit, ihr Aeußeres an. Sie wollte ihm Freundin, Schwester sein! Es war gar nicht nötig, daß er für sie schwärmte, sein Herz konnte ganz unbeteiligt bleiben. Sie war so harmlos, so lieb

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,Lch denke mir dieses Zusammenleben für den kom- wenden Winter entzückend," begeisterte sich Bernd,da werden Feste gefeiert werden, wie die Herrenstammburg sie seit langen Zetten nicht mehr erlebte, oder, wenn die junge Gräfin die stillen häuslichen Freuden vorzieht, dann stehen uns köstliche Stunden am Kamin bevor." und Behaglichkeit uns hier abschließen," meinte Dietrich. »Die Trauer um unseren geliebten Sohn verbietet, daß

Zur Gewöhnung werden wir vorläufig in aller Stille vir laute Feste feiern.'

.Hoffentlich bin ich, der Pflegebruder bürgerlicher Herkunft, der jungen Erbgräfin nicht im Wege?" über­legte Fernd,in diesem Falle würde ich cs allerdings vorziehen, mich dauernd auf meinem Vorwerk aufzu- halten."

Wo denkst du hin, mein Junge! Wir haben Nora, so wollen wir sie nennen zum Unterschied, weil sie auch wie ihre Großmutter, Ellinore, heißt; wir haben zu ihr schon von dir gesprochen, sie freut sich ebenso auf den Bruder, wie du dich auf die Schwester freust!"

Nun erst wurde es Bernd richtig warm und froh ums Herz.Dann ist ja alles gut"

14.

Der nächste Morgen erstrahlte in köstlicher Bläue. Darme Sommerluft wehte. Die Rosen dufteten wie im Hochsommer.

Bernd hatte auf feinem Zimmer gefrühstückt. Er war im Reitanzuge und wollte seinen gewohnten Ritt durch Felder und Waldungen machen. Sein Pferd hatte er bereits satteln lassen.

Er stand noch auf der Rampe und überlegte, wohin er sich zuerst wenden wollte.

Da trat der alte Lebrecht in halb respektvoller, halb vertraulicher Haltung zu ihm heran.Die gnädige Erb- zräsin befindet sich schon im Frühstückszimmer und «artet auf den jungen Herrn; sie wünscht nicht allein iu frühstücken."

Bernd lachte übers ganze Gesicht.Schwesterchen war also eine Frühaufsteherin, wie fein! Da konnte |e ja von nun an immer in der Frühe mit ausretten!*

rftes Glück pflegen, daß es in ihnen wäre, wie brau- nen in der Natur, wo immer wieder der Lenz fommt. Wie wünschte ich, daß es darin Hinge, wie in Beethovens herrlicher Neunten Symphonie, wo im Adagio mit so feinen Glocken ein wunderbares Frühlinqswehen, voll von heimlicher Freude und schmerzlicher Trauer daherkommt, wo es dann nicht fehlt an Sturm und Gewitter, wo aber nach und nach die heilige Sympathie aus aUenW616" bricht, um schließlich hinaufzurauschen mit dem Hymnus: Seid umschlungen, Millionen. Cchoner kann es nicht Wirklichkeit werden, als dann, wenn alle Gatten sich in seliger Liebe umschlingen, glück­lich wie am ersten Tage. ...

Der Manu im Monde.

Hus Bädern und Kurorten.

Bab Salzungen. Das bekannte ttjüringer Sol­bad, eröffnet den Kurbetrieb am 2. Mm. Auch bei Er­krankungen der Atmungsorgane, Asthma u m. ft iw« Bad zu empfehlen. Für Monat Mai if"" Kurkarte auf Rm 16.00 ermäßigt, em Solbad kostet Jim. z.O<i und eine Gesellschaftsinhalation in allen 5 Inhalations- hällen einWießUch der beiden Gradierhäuser, an deren Dornenwänden 27prozeniige Sole in Massen zerstäubt wird, Rm. 0.75 bczw. Rm. 1,00.

Iotzgrund und Freigericht.

u. Aus dem Freigericht. Am 4. d. M. sind es 40 Jahre, daß der auch im Freigericht bestens bekannte Straßenwärter K. Jahn in Hailer, ein gebroener Ioß- grünber ,in treuen Diensten der Straßenverwaltung steht. Jahn, der nicht nur den Gelnhäuser Straßenbezirk, son- aern auch den des vorderen Freigerichts mit Umsicht md Berus-Hingabe versieht, hat in seiner Wirkungszeit unter 6 verschiedenen S trabenmeistern gebient. Ein weiteres Jubiläum feiert am 19. April d. I. Pfarrer Aloys Ewald in Altenmittlau, der am genannten läge 25 Jahre Seelenhirt der vorgenannten Pfarrei ist. Wetter konnte am Freitag dieser Woche der in Dien­sten der Freigerichter Kleinbahn stehende Aufsehen Karl Müller-Sornb orn auf fein 25. Wirkungsjahr im Dienste der Gelnhäuser Kreisbahn zurückblicken. Der Jubilar ist einer derjenigen, die das ganze Werden, die Gestaltung und Not und Leid der Freigerichter Bahn vom Entstehungstage an miterlebt haben, und genießt allenthalben den Ruf eines fleißigen, tüchtigen Mannes, den besonders feine Berufskollegen achten und ehren.

Als ich anfing, meine Plaudereien zu schreiben, da war es mir zumute wie jemand, der im Radio spricht. Er sitzt einsam in einem Zimmer und ist durch eine dicke Wand von seinem Publikum ge­trennt. Es war mir, als würden meine Blätter dem Winde anvertraut, der sie mitnimmt auf Nim­merwiedersehen. Heute ist das ganz anders gewor­den. Ein ganzer Stoß von freundlichen Briefen kommt herein, die dicke Wand ist auf einmal nicht mehr da, ich sehe vor mir dasSchäflein", das mir geschrieben hat, dasKäthchen", mit dem ich herzlich Mitleid habe und vor dem ich zugleich den Hut ab- nehme, weil es große Prüfungen doch so tapfer überstanden hat. Tief gerührt hat mich die Gabe des Dienstmädchens von Fulda. Ich danke auch für manche Wünsche aus Aachen und warte im Uebrigen sehnsüchtig auf das Fernglas, das mir ein Pfälzer Bote liefern will, damit ich auch die dortige Gegend einmal genauer in Augenschein nehmen kann. Weil ein Fernglas vorsichtig verpackt werden muß, so wäre ja Gelegenheit, auch eine gute Flasche Pfälzer beizufügen. Liegt da in der Nähe nicht Deidesheim? Manche Briefe sind so inhalt­reich, daß ich kleine Kostproben daraus meinen Le­sers nicht vorenthalten möchte.

Da schreibt z. B. eine Dame aus Hamburg etwas höchst Zeitgemäßes:Der Vortrag der Karin Mi­chaelis war reinweg auf Sensation zugeschnitten. Begann mit einer Sympathiekundgebung für den amerikanischen Filmfchauspieler Charles Chaplin und endete mit einer Aufforderung an die Frau der ehemaligen jungen und jüngsten Frontsoldaten, dem Mann die Freiheit zu lassen . . . also Ehebruch mit Genehmigung. Ein paarmal hatte ich ganz stark das Gefühl, als wäre in dieser Frau alle Ver­irrung unserer Zeit Fleisch und Blut geworden und die will ein Ehebuch schreiben! (Ich glaube, auch das ist neuerdings modern.) Das soll sein wie ein gutes Kochbuch, ,bie erfahrenste Köchin soll sich danach richten können und die junge Hausfrau . . . Schreiben Sie mir, meine Damen, schreiben Sie mir an meine Verleger in Berlin... Und da setzt sich denn die gesamte Weiblichkeit Deutschlands und Europas hin und schreibt, schreibt an diese Frau die intimsten Erlebnisse und Beobachtungen und liefert Material. Ich wollte lieber kleine Steine essen und in Stücke ließe ich mich reißen, ehe ich den kleinsten Fetzen preisgeben würde ... Merk­würdig übrigens eines: die Jugend will diese Frau um jeden Preis vor diesen Dingen des Lebens be­wahrt wissen. Ist da noch ein letzter Rest?" . . . Soweit die Briefschreiberin, die noch etwas weiß von der Würde der deutschen Frau.

Dieses ganze Eheproblem, das zu allen Zeiten Glück und Unglück, Segen und Tragik so seltsam in sich gemischt hat ,tann man heute nicht anschnei­den, ohne zu allererst auf jene traurigen Lebens­bedingungen zu kommen, die der Familie so ungün­stig sind. Man soll aber auch hier nicht verzwei­feln, denn zusehends bessert sich doch manches. War ich da neulich in Berlin zu Gast in einer Art Miets­kaserne. In einem einzigen Riefenhaus waren etwa 110 Familien untergebracht. Und doch, wie freund­lich war alles eingerichtet. Es hatte jede Familie ein Wohnzimmer, einen Schlafraum, eine Küche, eine Mrdegelegenheit und noch ein Kämmerchen, dazu einen Balkon, der an der Sonnenseite liegt. Trat man auf ihn hinaus, so sah man unten einen

Rund um die Woche.

Kittchen und ein Pfälzer. Karin Michaelis. Neue Mietskasernen. Die Frau, die wartet.... Männer, ins hau»? Seid umschlungen, Millionen . . .

Radio-Proqrainm.

Montag, den 4. Aprtt.

Frankfurt a. M. Welle 428,6, (4 Kw.), Koste! (0,. Stro.) Welle 272,7. 3.304.00: Die Stunde der Iugenk (unter Leitung von Mittelschulrektor K. Wehrhan): Aue dem Leben und Weben in der Natur, vorgetragen von Lehrer K. Stricker:Das Hausrotsckwanzchen, (Mar­tin Braiß). Für Kinder vom 10. Jahre ab. 430 bis 5.45: Konzert des Hausorchesters des Frankfurter Orchestervereins. 5.45-6.05: Die Lesestunde: Aus der SammlungDeutsches Lesebuch" °°n §ugo °°n mannsthal. - Sprecher: O. W. Studimann 6.15 bis 6 45- Beamtenfortbildungskursus:Probleme des Genos- -nschaftswesen", Vortrag von Dr. Fr,tz Neumark. G45 bis 7.15: Englischer Sprachunterricht, erteilt von Ltu- bienrat Paul Olbrich. 7.15-7.30: Englische Literatur- proben, vorgetragen von Studienrat Paul Olbrich. - - Uebertraqung aus dem großen Saal des Saalbaues. Beethoven-Feier des Sinfonieorchesters des Frankfurter Orchestervereins. 1. Sinfonie Nr. 6 (fßafWra(e). - Sinfonie Nr. 5. Musikalische Leitung: Generawmf, , meister Pros. Ernst Wendel. Anschließend: Neue Schall- platten. ___

wie wird das Wetter?

lieber Mitteleuropa liegt ein Tiefdruckgebiet, das sich langsam auffüllen wird. Unser Gebiet kommt am seine Rückseite, sodaß zunächst noch mit einzelnen Nie­derschlagsschauern, später vorübergehend mit Leye- runa der Witterung zu rechnen ist.

Aussichten bis Sonntag Abend: Wolkig, meist trat- ten. tagsüber leichte Erwärmung, nördliche, spater nach Südwesten drehende Winde.

Hus dem Nachbargebiet.

= Hersfeld. Zu den bereits bestehenden drei Sutolinfen, die der Kreis Hersfeld in eigener Rech­nung betreibt, wurde jetzt eine vierte eröffnet. Die­selbe führt von Hersfeld über Unter- und Oberhaun, Sieglos, Eitra, Bodes, Buchenau, Arzell und Eiterfeld.

----- Hanau. Wie derHanauer Anzeiger" berichtet, scheint es in der Hanauer Edelmetallindustrie zu einem Lohnkonflikt zu kommen. Nach Ableh­nung des kürzlich vom Frankfurter Schlichter gefällten Schiedsspruchs ist die Verbandsleitung der Gold- und Silberarbeiter beauftragt worden, mit den schärfsten ge­werkschaftlichen Mitteln die Interessen der Arbeiterschaft zu wahren. Am Montag findet deshalb in Hanau eine Versammlung statt, in der entsprechende Maßnahmen beschlossen werden sollen.

Diez. In der letzten Stadtverordnetenversamm­lung wurde eine Kommission gewählt, die sich mit den Vorarbeiten zu der im Jahre 1929 stattfindenden 6 0 0» Iahrfeier der Stadt Diez befassen soll.

----- Bab Homburg. Einige Schulknaben stahlen dieser Tage aus dem Kirdorfer Bach einige L e g e - enten, schlachteten sie und boten sie einem Geflügel- Händler an, der sie auch für 2 Mark bas Stück erwarb. Die Sache kam heraus, die Enten mürben dem Eigen­tümer wieder zurückgegeben, nur die Diebe blieben un­bekannt. Der Händler entsann sich aber, daß unter den Knaben einer mit rotem Haar gewesen war. Dar­aufhin hielt die Polizei Ausschau unter den rothaarigen Schülern und faßte auch den Richtigen.

Dieburg. Hier wollte ein Fuhrmann mit einem vollbeladenen Wagen Gerste das Bahngleise am sogenannten Eselsbuckel überqueren. Dabei blieben die Räder des Wagens in den Eisenbahnschienen hän­gen und das Pferd brachte den Wagen nicht mehr von her Stelle. In diesem Augenblicke nahte ein Zug her­an, der nicht mehr zum Stehen gebracht werden konnte, den Wagen erfaßte und eine Strecke mitschleifte. Glücklicherweise konnte der Fuhrmann sich, ein auf dem Wagen sitzendes Kind und das Pferd noch in Sicherheit bringen. Der Wagen wurde völlig zertrümmert und die Frucht in alle Winde zerstreut. Der Schaden dürfte sich auf rund 800 Mark belaufen.

Großopperhausen. Durch einen vorzeitig losgegangenen Sprengschuß wurde im SteinbruchStormarnwerk" der Bruchmeister Schmidt etwa zwei Meter hoch in die Lust geschleudert. Neben Brandwunden erlitt er Verletzungen im Gesicht und an den Händen. Der Verletzte wurde in bas Krankenhaus nach Hephata gebracht.

Würzburg. In den Gemarkungen Amshausen und Bettstedt richtete ein Wirbelsturm schweren Schaden an. Diele Bäume wurden aus der Erde gerissen ober umgeknickt. In der Hauptsache handelt es sich hierbei um alte wertvolle Walnußbäume und Obsthaine. Die Fläche, die von dem Wirbelsturm betroffen wurde, macht den Eindruck eines durch Artillerie zerschossenen Waldes. Bei Neustadt a. d. S. wurde das Rederkreuz des Rhönklubs umgeriffen.

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und er, er belauerte sie förmlich, das war nicht in der Ordnung, er fühlte es, und er war von neuem be­müht, freundlicher für sie zu empfinden und sich zu- traulich zu geben.

Nora trug ein weißes Kleid aus feinem, weich flie­ßendem Stoff. Draußen in der Garderobe hing ein großes nach Mantillenart gestricktes Seidentuch; Nora hüllte sich blitzschnell in dasselbe, noch ehe Bernd ihr behilflich sein konnte.

Dann führte Bernd sie durchs Haus über die Ter- raffe durch den Park, an dessen Ende die breite, von hohen Ulmen umsäumte Reitallee lag.

Bernd hatte eine Reitgerte an sich genommen, deren biegsames Ledergeflecht er von Zeit zu Zeit beim Spre- chen durch die Luft sausen ließ.

So schritten sie dicht nebeneinander plaudernd dahin.

Graf Dietrich und sein Freund Aurel, die soeben gemeinsam das Frühstück einnehmen wollten, sahen ihnen nach.

Da scheint Süßholz geraspelt zu werden," sagte Aurel.

Graf Dietrich zuckte die Achseln.Bernd weiß sei- nen Vorteil zu wahren. Er wird sich bas reiche Erbe nicht entgehen lasten wollen. Noch ist ja die Bahn frei für ihn. Es ist unvernünftig von ihm, das Kind durch den kalten Morgen zu führen. Aber fein scharf be­rechnender Sinn zeigt sich auch hier wieder. Wird Nora erst von vielen jungen Männern umschwärmt, hat sie erst Gelegenheit, zu wählen, so dürften B-rvds Aussichten bedeutend sinken. Das weiß er, der be rechnende Egoist, und darum beugt er vor. Er läßt den andern erst gar keine Zeit, und angelt seinen Rivalen vor der Nase den Goldfisch weg . . . Allerdings, ich bin auch noch da. So ohne weiteres gebe ich meine Einwilligung nicht. Nora muß erst die Wahl habe 1, he fie sich bindet. Sie ist in der Einsamkeit der Prä ne ausgewachsen. Sie wird ihm vielleicht den Sieg leicht machen und würde zu spät ihren Irrtum erkennen. Aber dahin soll es nicht kommen, ich halte meine Augen offen."

Daß du Bernd immer nur Berechnung und Hab­sucht zutraust. Sei doch zufrieden, wenn die beiden sich finden. Dein reiches Erbe und dein Enkelkind, du kannst beides nicht in bessere Hände geben, als in die des ehren­werten Bernd."

(Fortsetzung folgt.)