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Mittwoch, 30. März 1927

Nr. 74

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der

Grundlage der Reziprozität einzuführen.

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* Botschafter Claudel in Washington.

Aus

rium aus eine Kontrolle und

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n Rom und Rela dsatz solcher Bespre

Anläßlich der Jahresversammlung der deutschen Reichsbank veranstaltete Reichsbankprä­sident Schacht und Gemahlin einen Empfang, woran die Mitglieder des Generalrates der Reichs­bank, des Zentralausschusses und des Direktoriums, ferner die Mitglieder des Vewaltungsrates der Deutschen Reichsbahnqesellschaft, des Verwaltungs­rates der Bank für Industrie-Obligationen und des Transferkomitees teilnahmen. Ferner waren Reichs- und Staatsminister, Mitglieder des Rcichs- rates, eine Anzahl führender Parlamentarier, An- gehörige der Presse und andere Persönlichkeiten ge­laden,'die in geselligem Beisammensein den Abend im Hause des' Reichsbankpäsidenten verbrachten.

Der Sonderberichterstatter des „Temps" in Pc king berichtet, innerhalb des Gesandtschaftsviertels von Peking herrsche Beunruhigung. Die Amerikaner, die bisher die Agitation der Südtrup-

ziere.

Mächte und Nanton-Regierung.

Untersuchung über die Ausschreitungen in Nanking.

wtb. London, 29. März. (Eig. Funkm.) Dem diplomatischen Berichterstatter der „Morning Post" zufolge ist der vormalige Vize-Konsul in Kanton, Wallis, von Schanghai nach Nanking abgereist. Er hat Auftrag, soweit möglich festzustellen, wie weit nationalistische reguläre Streitkräfte an den einzelnen Ausschreitungen beteiligt waren. Der Berichterstatter fügt hinzu, General Tschangkaischek erkläre, daß die Plünderungen und Mordtaten durch zurückgehende Nordtruppen und durch Gesindel begangen worden seien und daß die Ordnung bei Ankunft der nationalistischen Soldaten wieder hergestellt worden sei. Der diplomatische Berichterstatter des „Daily Telegraph" meldet, der Vizekonsul sei beauftragt, den dem britischen Eigen­tum zugefügten Schaden festzustellen und der Kan­tonregierung eine Entschädigungsforde­rung zu überreichen.

Das amerikanische Marinedepartement teilt mit, daß in anbetracht der gespannten Lage in Schang­hai Admiral Williams alle Schiffe dortzusam menzieht, die an anderen Orten entbehrlich sind. Einige Torpedobootzerstörer befinden sich augen­blicklich nach Schanghai unterwegs.

* Keine Subventionen für die Mologa und die Ufa? Das Reichskabinett hat sich mit der Frage der Subventionierung der Mologa und Ufa beschäf­tigt. Wie die „Germania" dazu erfahren haben will, dürfte sich die Entscheidung des Reichskabi­netts in der Richtung bewegt haben, daß sowohl der Kredit für die Ufa, als auch für die Mologa a b- gelehnt werden wird.

* Kein Amnestiegefeh? Gegenüber der Mel­dung eines Berliner Mittagsblattes teilt das Reichsjustizministerium mit, daß von einer Vorbe­reitung eines aus Anlaß des 80. Geburtstages des Reichspräsidenten zu erlassenden Amnestie­gesetzes nichts bekannt ist.

Die Handelsverträge.

Das Reichskabinett nahm in einer Sitzung am Montag den eingehenden Bericht des Ministerial­direktors P o ss e über die Verhandlungen zur Ver­längerung des d e u t s ch - f r a n z ö s i s ch en H an- delsabkommens entgegen. Im übrigen wur­den laufende Angelegenheiten erledigt.

Ostoberschlesien.

Bei einer großen Versammlung der Korfanty- Partei in Kattowitz machte, wie die Blätter melden, der polnische Abg. Ianitzky Mitteilung von einem Gesetz, das in allernächster Zeit im schlesi­schen Sejm eingebracht werden soll und dessen An­nahme sicher sei. Dieses Gesetz solle den schlesischen Wojwoden zur Auflösung derienigen Stadtverwal­tungen ermächtigen, deren Mitglieder ein Verhal­ten zeigen, das mit den Staatsbürgerpflichten un­vereinbar fei. Dieses Gesetz richtet sich gegen die als Ergebnis der letzten Äommunalwahlen in den Städten Ostoberschlesiens gewählten deutschen Mehrheiten in den Stadtparlamenten.

Reichstagsdebatte über die Reichswehr

Reichswehrminister Dr. Getzler und die Opposition.

Mystik um Mexiko.

Gefälschte amerikanische Staatsdokumente.

Die „Paris Times" veröffentlicht eine Meldung aus Washington, der zufolge Beamte des Staats­departements festgestellt hätten, daß dem Präsiden­ten von Mexiko gefälschte Dokumente, die die Un­terschrift K e l l o g g s trügen, und in denen die mexikanische Regierung heftig angegriffen wird, in die Hände gespielt worden leiht. Man habe ge­rade noch eine Krise in den Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko vermieden, nachdem man rechtzeitig festgestellt habe, daß die Dokumente gefälscht waren. Es sei eine Un­tersuchung eingeleitet worden, um festzustellen, wer diese Dokumente abgesandt habe.

* Die Untersuchung über den vorjährigen Um­sturz in Spanien. Wie der Berichterstatter des „Temps" in Madrid meldet, ist die Untersuchung gegen den Marschall Weyler und 26 weitere Ange­klagte, die beschuldigt werden, in der Nacht zum 25. Juni 1926 eine Umsturzbewegung vorbereitet zu haben, abgeschlossen. Unter den Angeklagten befinden sich int ganzen zehn Militärpersonen. Das Urteil wird wahrscheinlich anfangs April vom Obersten Kriegs- und Marinegericht gefällt wer­den. Es kommen Gefängnisstrafen von 2 bis 8 Jahren gegen die beschuldigten Osfiziere in Frage.

Washington wird gemeldet: Der neue französische Botschafter Paul Claudel, der berühmte fran­zösische Dichter katholischer Richtung, hat am 28. dieses Monats dem Präsidenten Coolidge sein Be­glaubigungsschreiben überreicht. Er erklärte hier­bei: Ich freue mich, daß ich meine Dienstpflichten in einem Augenblick übernehme, in dem Frankreich einen neuen Beweis seiner letzten Absicht gegeben hat, seine Schulden einzulösen und seine rechtmäßi­gen Verpflichtungen zu erfüHen.

nehmen. Die Verhandlungen zielen daraus hin, in den Warentarifen die Parität auf

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Ein großer Teil der Ausgaben für die Reichswehr ist einfach zwangsläufig. Dazu kommt, daß die zwölf­jährige Ausbildung sehr viel teurer ist als die bei einer kurzen Dienstzeit, denn sie fatuf nicht in der Kaserne durchgeführt werden. Es ist ein Irrtum, anzunehmen, daß ein Milizheer billiger sein würde als ein Berufsheer, denn die Zahl der Berufssoldaten als 21 "' bildungspersonal würde kaum geringer sein können. Dom rein finanziellen Standpunkt ge­sehen ist das deutsche System relativ das billigste.

Für die Aufgaben der Landesverteidigung aber kommt man naturgemäß für die Dauer damit nicht aus.

Wie eine Prager Korrespondenz meldet, weilen gegenwärtig Vertreter *' des tschechoslowakischen Eisenbahnministeriums und der Verkehrssektion des Handelsministeriums in Berlin, um an den Verhanvlungen über die Verkehrsklausel im deutsch - tschech«. slowakischen Handelsvertrag teilzu-

beiter, Angestellte, Kleingewerbetreibende usw. zu bewilligen. In zweiter und dritter Lesung ange­nommen wird auch das Besatzungslei- stungsgesetz. Damit ist die zweite Lesung des Haushalts der besetzten Gebiete erledigt, diejenige des Wehretats wird fortgesetzt.

Reichswehrmintster Dr. Gehler,

der dann das Wort ergreift, führte aus:

Leider hat sich die Hoffnung, daß nach den Erfahrun­gen des Weltkrieges eine Abrüstung durchgeführt werden würde, nicht erfüllt. In allen Parlamenten Europas wird in der gleichen Weife darüber geklagt, wie hier. Die englischen Militärlasten sind seit 1913 um ungefähr 700 Millionen Mark gestiegen. Der „Econo­mist" berechnet, daß England und Frankreich je 3% Prozent ihres Nationaleinkommens für ihre Sicherheit als Versicherungsprämie ausgeben, Italien am meisten, nämlich 4 Prozent, Deutschland dagegen nur 1% Pro­zent. (Hört, hörtl rechts.) England gibt für jeden sei­ner Berufssoldaten 4800 Mark im Jahre aus, Deutsch­land nur 4000 Mark.

Die Untersuchung in Jugoslawien.

wtb. London, 29. Mürz. (Eig. Funkm.) De> diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" schreibt: Die Ernennung einer internationalen Kommission zur Untersuchung der italienildyen Be­schuldigung wegen jugoslawischer Vorbereitungen ist noch immer in der Schwebe. Urprüng- lich war ein aus britischen, französischen und deut­schen Offizieren bestehende Kommission mit ita­lienischen und jugoslawischen Beobachtern oorge- schlagen worden. Allem Anschein nach aber wünsche niemand dringend eine solche Untersuchung und niemand glaube, daß sie bei der eingetretenen Ver­spätung einen praktischen Zweck haben würde. Es sei angeregt worden, daß Rom und Belgrad sich bemühen sollten, durch direkteVerhandl un- g e n zu einer Vereinbarung zu kommen.

Das Zentrum schickte als Redner den Abg. E r f i n g vor, der fol­gendes ausführte:

Ob Deutschland eine Politik des Friedens betreibt oder nicht, kann nicht von der Reichswehr entschieden werden, sondern von der Regierung und dem P a r l a m e nt. Die Reichswehr ist ein Instrument der von der Regie­rung und dem Parlament gebilligten Politik. Ich freue mich, feststcllen zu können, daß General Heye diese Auf­fassung im Ausschuß klar und deutlich ausgesprochen hat. Das offene Bekenntnis des Generals, daß die Offiziere der Reichswehr der Republik dienen wollen, hat im ganzen Lande eine gute Aufnahme gefunden. Die Reichs­wehr ist die Wehrmacht der Republik, der sie zu dienen und deren Hoheitszeichen sie voller Achtung entgegen« zutreten hat. Wer das nicht will, schaltet sich aus der Wehrmacht aus. Aber auch die Behauptung gewisser tlreise, daß eine Zustimmung zur Wehrmacht gleich­bedeutend sei mit kriegerischer Politik, weisen wir entschieden zurück. Nichts stört die ruhige und fried­liche Entwicklung des Reiches mehr, als die immer wie- l>erkehrende Behauptung, Deutschland rüstet zum Kriege. Deutschland hat abgerüstet und ist nicht in der Lage, Angriffskriege zu führen. Der Redner verweist aus die Feststellung der Botschafterkonferenz, “'m Deutschland die Abrüstungsbestimmungen des Ver­sa ller Vertrages erfüllt hat. Nun ist Deutschland ber-chtlgt jU ber Frage, wann die anderen abzurüsten gedeaken. Wir dürfen nicht eher ruhen, als bis die Ab­rüstung einheitlich durchgeführt ist.

Redner wendet sich dann zum Etat des Reichs- "eh^t>'nisteriums zu. Die hohen Kosten find Folgen ber Bestimmungen des Versailler Vertrags über das Auf- ttellen der Heermacht. Wenn Frankreich an der Höhe der Kosten für unsere Reichswehr Anstoß nimmt, so könnte es mithelsen, diese zst erniedrigen, indem es gestattet, daß die zweieinhalb Kaoalleriedivisionen be­seitigt und an deren Stelle Infanteriedivisionen ein­gestellt werden. Auch an den Verwaltungskosten könnte gespart werden, wenn man nicht verlangen würde, daß die Soldaten zwölf Jahre dienen. Zur Frage der Re­krutierung betonte der Redner, daß die in den letz­ten Jahren übliche Art nicht mehr beibehalten werden könne. Wir verlangen die Verwirklichung des Grund­satzes: „Freie Bahn dem Tüchtigen!" Wir be­grüßen die Besserung der Gesundheitsverhältnisse in der Reichswehr und die Abnahme der Selbstmorde. Der Re- ligionsbetätigung muß die Reichswehr die größte Beach­tung schenken. Namens meiner Freunde stelle ich gern Int daß wir der Reichswehr für die Art, wie sie ihre ■Aufgaben erfüllt, Achtung und Anerkennung zol- len. Wir wünschen, daß zwischen Volk und Heermacht rin Vertrauen geschaffen wird, das nötig ist, wenn die Reichswehr ihren Aufgaben gerecht werden will. (Bei­fall im Zentrum.)

Darauf wird die Beratung unterbrochen, um me Abstimmungen zum Haushalt für die besetzten qrkf,iete uachzuholen. Dieser Haushalt wird unter Ablehnung zahlreicher kommunistischer Aenderungs- anträge in der Form angenommen, die ihm die Ausschußbeschlüsse gegeben haben. Abgelehnt wird auch ein sozialdemokratischer Antrag, 70 Mil­nonen für durch den Ruhrkampf geschädigte Ar­

zum Ausdruck gebracht. Der Redner tritt ein für «in Milizheer und für allgemeine Abrüstung. (Bet­fall bei den Demokraten.)

Hierauf wird die Weiterberatung auf Dienstag 1 Uhr vertagt. Außerdem Notetat.

Genfer kldriistungsstreit.

Der Genfer Dorbereitungsausschuß beschäftigt sich mit der Werbung derausgebildeienRe- s e r v e n für die Begrenzung der Landstreitkräfte. England und Holland sind für, Belgien und Frank­reich gegen die Wertung der Reserven. Der deutsche Delegierte Graf Bern st off führte aus, Vie ausgebildeten Reserven müßten in irgend einer Weise bei der Begrenzung der Landstreitkräfte be­rücksichtigt werden. Die wirksamste Weise der Ab­rüstung wäre zweifellos eine möglichst kurze Aus­bildung. Aber eine einjährige Ausbildungszeit wäre bei Anwendung dieser Methode immer noch zu groß. Als vor einigen Jahren die großen Mi­litärs in Versailles die Bestimmungen für die deutsche Wehrmacht berieten und ausarbeiteten, wurde Deutschland schließlich ein System auf» oktroiert, das eben darauf gerichtet ist, Deutschland seiner Reserven vollständig zu berauben, um Deutschland jede militärische Angriffs- oder Ver­teidigungskraft zu nehmen. Es wäre also ein seltsames Abgehen von einem Grundsatz, der vor einigen Jahren als das beste Prinzip für die Ab­rüstung aufgsstellt würde, wenn man eben diesen Grundsatz wieder aufheben wollte. Der Leitge- danke des englischen Entwurfs ist die H e r a b s e - tz u ng der ausgebildeten Reserven. Ich unterstütze diese Idee, würde aber jeder andern Methode zu­stimmen können unter der Voraussetzung, daß sie zur Abrüstung führt. Mit der Ausschaltung oder wenigstens Verringerung dieser jungen Reserven würde auch die Stoßkraft eines Landes herabge­setzt. Der Einwand, daß durch eine nur teilweise Aushebung der jeweiligen Iahresklasse demokra­tische Grundsätze verletzt würden, ist nicht stich­haltig. Würde die Begrenzung der ausgebildeten Reserven, die übrigens mit dem Kriegs-Potentiel nicht zusammengeworfen werden dürfen, nicht in irgend einer Weise praktisch berücksichtigt werden, so würde dadurch der ganze Abrüstungsgedanke ernstlich gefährdet werden."

geübt.

Drückend ist der Zustand des Dersorgunas- wesens, lieber 20 000 Leute sind bereits ausgeschieden, die wir nur zum Teil haben unterbringen können. Das Heer darf nicht das Gefühl haben, daß sich niemand um es kümmert. Man darf nicht nur strafen, sondern man muß auch belohnen.

Die Reichswehr ist heute ein gefestigter Körper, aber leicht hätte es auch anders kommen können.

Für die Deutsche Volkspartei sprach Abgeord­neter Brünninghaus. Er wies auf die Ge­fahren im Osten hin und erklärte, daß die Frage „Republik oder Monarchie" heute überhaupt nicht zur Debatte stehe. Der Kommunist Creutzburg richtete wegen der Fememorde gegen den Wehr» minifter scharfe Angriffe. Auch die Kommunisten haben ein Mißtrauensantrag gegen Dr. Geßler eingebracht. Für die Demokraten sprach Abg. Frhr. v. R i ch t h o f e n. Er beantragt, daß die Ein­stellung der 200 Offiziersaspiranten vom Wehr- m i n i ft e r i u m selbst vorgenommen wird. Die Kommandeure und Kompägniechefs können die Auswahl nicht objektiv vornehmen. Wenn wir auch unser kleines Heer möglichst schlagfertig hal­ten müssen, so sind wir doch bei der heutigen Fi­nanzlage zu größter Sparsamkeit gezwungen. Darum beantragen wir eine allgemeine Herab­setzung des ganzen Etats um 10 Pro­zent. Die Demokraten werden nicht für die Mißtrauensvoten stimmen. Sie haben ihre Stel­lung gelegentlich der Regierungserklärung klar

Die deutsche Währung.

Was Reichsfinanzrninister Dr. Köhler sagt.

Reichsflnanzminister Dr. Köhler, der in Wien weilte, gewährte vor seiner Rückkehr nach Berlin einem Vertreter des „Neuen Wiener Tagebl. eine Unterredung, in der er erklärte, in diesen weihe- DoUenJfefttagen des Gedenkens an Beethoven nicht über Politik sprechen und die an ihn gerichteten Fragen über das Valutaproblem nur kurz dahin beantworten zu wollen, daß die d e u t s ch e W äjy rung absolut sicher und fest dastehe, toi: fei fest verankert, daß auch der letzte deutsche Volks­genosse von ihrer Unüberwindlichkeit überzeugt sei. Vom Finanzminister Kienbäck habe er das gleiche bezüglich der österreichischen Wahrung er­fahren.

Im Reichstag begann die Beratung des Wehr- i riats. Als erster Debatteredner sprach der Abg. M S ch ö p f l i n, der vorher den Ausfchußbericht er» t stattet hatte. Als Vertreter der Sozialdemokraten, I die ein Mißtrauensvotum gegen Dr. Geß- I ler eingebracht haben und außerdem die Streichung r seines Gehalts beantragen, erklärte er:

So kraß wie in diesem Jahre ist das Mißverhältnis f zwischen den Ausgaben für die Reichswehr und kulturel­len Ausgaben noch nie gewesen. Hierfür tragen die Re- M oierungsparteicn die alleinige Schuld. Der Verlauf der Genfer Abrüstungsverhandlungen ist wenig erfreulich. Ein dauernd beunruhigendes Moment ist es, wenn Deutschland und Oesterreich einer Rüstungsbeschrän­kung unterliegen, während auf der andern Seite nicht ernstlich an die Abrüstung herangegangen wird. Deutsch­lands Wehrmacht stellt keine Bedrohung nach außen dar, aber wir stehen vor der Gefahr, daß die Reichswehr dem heutigen Staate fremd gegenübersteht. General Heye hat zugegeben, daß die Mehrzahl des Offizierkorps mo­narchistisch sei. Wenn ein Mann wie General Reinhardt so frivole Vorwürfe gegen die Mitarbeit der Republi­kaner erhebt, wie er es in seinem 2lrtikel in der „D. A. Z." getan hat, so kann man sich vorstellen, wie es in den Offizierskasinos zugeht. Und da es nach dem Zeug­nis des Chefs der Heeresleitung lediglich auf die Führer ankommt, so steht das Bild der Reichswehr für uns fest.

Es muß die Lösung der Reichswehr von allen rechts­radikalen Organisationen erfolgen, und es muß damit aufgeräumt werden, daß die Offiziere der Reichswehr sich Unkorrektheiten gegenüber dem neuen Staat erlauben. Wenn die Reichswehr sich dem Volke weiter entfremdet, jo ist das auch vom militärischen Standpunkt aus eine Gefahr, denn nur eine Wehrmacht, die sich auf das ganze Volk stützen kann, kann in der Zukunft wirklich die Landesverteidigung übernehmen.

Wichtiger noch als die Frage des Mannschaftsersatzes ist die des Offiziersnachwuchses. Ebenso wie wir in der Reichswehr Traditions-Truppenteile haben, so haben wir für den Offiziers-Nachwuchs gewisse „Tra­ditionsfamilien". Nur aus diesen wird der Offiziersersatz genommen, und auf diese Weise wird letzten Endes ein Staat im Staate", geschaffen.

Das Mißtrauensivotum gegen den Reichswehrmini­ster haben mir eingebradjt, weil wir aus der bisherigen Amtsführung des Ministers nicht das Vertrauen gewin­nen konnten, daß er mit den Mißständen in der Reichs- »->hr energisch aufzuräumen gewillt sei.

Anschließend sprach für die Deutschnationalen Graf v. d. Schulen bürg: Wir haben alle Ver­anlassung, unser kleines Heer auf die Höhe der Schlagfertigkeit zu bringen. Die Erziehung im Heere spielt eine größere Rolle als früher. Die vielen Selbstmorde sind tief bedauerlich. Die rich­tige Auswahl der Vorgesetzten ist von entscheiden­der Bedeutung. Die Versorgung der ausscheiden­den Reichswehrangehörigen ist heute noch unzu­reichend. Für uns liegt nicht der mindeste Anlaß vor, an der Zuverlässigkeit der Reichswehr zu zwei­feln. Von einer politischen Betätigung der Reichs­wehr im umstürzlerischen Sinne ist uns nichts be­kannt.

Im Ernstfall würde die Kluft zwischen den 7 Divisionen der Reichswehr und evtl, in der Eile aufgestellten Re­serveformationen eine Verwendung praktisch unmöglich machen. Wir müssen also, wenn unsere Reichswehr einen Wert haben soll, auf eine allgemeine Abrüstung nach dem deutschen Muster drängen oder aber wir müssen die Möglichkeit erhalten, unseren Nachbarn mit einiger­maßen gleichen Waffen gegenüberzutreten

Daraus ergeben sich die Aufgaben für das Reichswehrministerium. Rüsten unsere Nach­barn nicht ab, dann muß die Wehrpolitik so eingestellt sein, daß auf der Grundlage unserer Reichswehr ein modernes Heer auf gebaut werden kann.

In dem Ende der Interalliierten Kontrollkommission sehe ich einen großen Erfolg unserer Außenpolitik. 9aj wünschte, daß die Berichte der Kommission veröfsent- licht werden könnten, damit man sähe, daß die Arbeit der Kontrollkommission aus allen Kreisen der Bevöl­kerung unterstützt worden ist.

Die Frage des Reichswehrersatzes hat nicht nur eine militärische, sondern auch eine hohe staatspoliti­sche Bedeutung. 2llle Parteien sind sich in der Theorie darüber einig, daß das Heer aus dem politischen Tages­kampf ferngehalten werden muß. Dazu gilt es in erster Linie, das Mißtrauen weiter Kreise gegen die Reichs­wehr zu überwinden. Ich nehme das Mißtrauensvotum der Sozialdemokratie gegen meine Person keineswegs leicht. Bei meinem Amtsantritt mußte ich mit den Per- sonen arbeiten, die ich vorfand und deren Kreis in Weimar bei dem Aufbau der Reichswehr im Sinne der Verwendung des alten Offizierskorps festgelegt mar. In der Zeit, in der ich mit der Entente im Kampf um den Chef der Heeresleitung stcmd, konnte ich es zu keinem Konflikt mit ihm kommen lassen. Der große Unterschied zwischen mir und Ihnen (zu den Sozialdemokraten ge­wendet) ist der, daß ich an kein- republikanische Jdeo- logie in der Reichswehr angeknüpft habe, sondern an das aus dem alten Heer stammende Pflichtgefühl und Gefühl für Treue dem Eid.

Der Minister setzt sich dann nochmals mir dem Rein­hardt-Zwischenfall auseinander und gibt zu, daß einzel­nes in dem Artikel in der „D. A Z.' „ungeschickt formu­liert" gewesen sei. Das alte Reich ist mit an seinem Mißtrauen gegen die Arbeiterschaft zugrunde gegangen. Mit Mißtrauen werden Sie das Heer nicht gewinnen können. Damit kann man es nur zer­schlagen. Es ist so, wie General Heye sagte: „Es kommt auf die Führer an", und ich glaube, daß Die Führer nicht enttäuscht werden.

Wenn das Heer heute auf einem hohen Stande steht, so ist das ein Verdienst des Generalobersten v. Seeckt, aber auch der Tavfenoe von Offizieren und Unteroffi­zieren. Das Heer hat sich leider sozusagen im luftleeren Raum entwickelt, aber mein Bestreben ist es stets gewe­sen, die Brücke zum Volkh zu finden.

Jetzt Haden wir etwa 250 000 Anmeldungen für die Reichswehr im Jahr. Man kann das nicht an zwei Stellen zentralisieren, man muß an der Verant­wortlichkeit der Kompanieführer festhalten. Berfas- sungsfeindliche Elemente sollen nicht ein­gestellt werden. Die Frage des Offiziersersatzes ist ge­regelt. Ich halte auch hier an der Verantwortlichkeit der Kommandeure fest, aber es wird jetzt vom Ministe»

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FuldaerZeriung

Anzeiger für die Stabt und den kreis Fulda. Amtliches Kreisblakt___________

wtb. Paris, 29. März. (Eig. Funkm.) Haoas berichtet aus Belgrad, die jugoslawische Regie­rung soll ohne Einschränkung die Anregung der Großmächte wegen des Untersuchungsversahren: an der serbisch-albanischen Grenze angenommen haben. Indessen ist es wegen der Weigerung Ital'ens, sich mit der Entsendung eines Un­tersuchungsausschusses einverstanden zu .rkiär-n, möglich, daß die gesamten Fragen durch unmittel­bare Verhandlungen Zwischen _ Rom und Belgrad geregelt werden. Der G ''s.'". ”

chungen ist bereits von Belgrad angenommen worden. Die Belgrader Regierung soll den Außen- Ministern der Großmächte zur Kenntnis gebracht haben, daß nach Meldungen, die aus Albanien eingetroffen seien, die Lage e r n st sei. Die al­banische Mobilmachung werde aktiv fortgesetzt, und zwar unter der Leitung italienischer Ossi-