Einzelbild herunterladen
 

Fuldaer Zeitung

Sonntag, 27. März 192T

Aussteuer für Erstlinge bekannt preiswert.

|

Sparverkehr :: Bankverkehr

vor

Schriftleiter: Dr. phll. Johanne» Kramer. Fulda. Berantwortlich für die Anzeigen: Direktor der Fuldaer Actiendruckerel I. Parzelle r.

s « Q

•o c a

a

£ c o V

c

F ■

Q

Es ist für den Kaufmann, der gewöhnt ist. seinen Laden nur von innen zu betrachten, von Zeit zu Zeit gut, ihn auch von außen einmal anzusehen, ob die Fassade seines Hauses so freundlich sei, wie es im Interesse des Geschäftes verlangt werden muß, ob das Schaufenster einen zugleich anlockenden und doch würdigen Eindruck macht; ob das Firmenschild noch in Ordnung sei, und was dergleichen mehr ist. Und so meine ich cs auch halten zu sollen mit dem deutschen Vaterlande; von Zeit zu Zeit gehe ich einmal nach Amsterdam oder nach Kopenhagen oder auch nach Warschau oder nach Prag oder nach Wien und betrachte das liebe Vaterland von außen.

Da muß ich gestehen, daß der Eindruck immer besser wird. Wenn wir uns doch noch erinnern an die Zeit des Krieges, so sprach man vielerorts draußen nur mit Verachtung von uns. Heute ist das schon ganz anders geworden. Der Glaube an die Deutschen ist gewachsen. Mag auch bei vielen Neid und Furcht dabei sein, eine gewisse Achtung und sogar Freude an unserem Aufstieg verbindet sich deutlich genug damit. Möchte doch kein Deut­scher im Inland vergessen, daß er in all seinem Tun auch eine hohe Verantwortung für den Ruf des deutschen Volkes habe, was natürlich ganz besonders für jene gilt, die eine Weltfirma inne­haben und mit dem Auslande verhandeln müssen, wie auch für jene, die Zeit und Geld genug ha­ben, viel in fremden Ländern herumzureisen.

Aus diesem Grunde begrüße ich auch alles, was bei uns geschieht, um den europäischen Horizont offen zu halten. Wir waren in früheren Zeiten zu sehr Kleinbürger, wir haben gemeint, es stehe schon gut um uns, wenn wir nur treu un­sere Arbeit in Haus und Hof tun. Darum haben wir auch gar nicht gewußt, was in der Welk eigentlich vorgeht und darum waren wir auch so wenig gerüstet für die große europäische Ausein­andersetzung. Gerade jetzt aber beginnt das e u - ropäische Interesse wieder mächtig zu steigen Vor einiger Zeit hatte es den Anschein, als ob das Spiel mit dem Abendland und mit Europa zu einer Spielerei werden sollte. Heute nimmt man die Dinge schon wieder viel ernster. Es sei nur erinnert an die Veranstaltung der „Europäischen Tribüne" im Plenarsaale des Herrenhauses in Berlin, die Mitte März stattfand. Was diele Leute wollen, ist die Verwirklichung des europäi­schen Einheitsgedankens durch Erkenntnis des europäischen Geistes und der europäischen Seele. Es ist ferner die Prägung der europäischen Phy­siognomie, das soll heißen, des europäischen Ge­sichtes. Nicht zu leugnen ist es doch, daß manche unserer stingeren Städte recht kulturlos ausgewach­sen sind. Es war da eine große Fabrik, und es mußten für dis dort beschäftigten Arbeiter Woh­nungen bereitgestellt werden. Wo viele Menschen sich zusammensinden, da muß man bald einen Bürgermeister haben, eine Kirche, eine Schule, viel­leicht ein Gericht, Vergnügungslokale, Gaschäuser, Schneider, Schuhmacher und Kolonialwarenhänd­ler, nun, und so wuchs denn das zusammen, was man eine moderne Industriestadt nennt. In eini­gen, wie zum Beispiel in Mannheim und in Essen, wurde gewiß nach großzügigen Plänen geschasst. Aber es regierte doch in diesen Plänen der bloße Zweckgedanke. An Vorbilder zu denken, wie efro« Nürnberg oder irgendeine andere stilvolle deutsche . Stadt der Vergangenheit, dazu war weder Lust

Hus Bädern und Kurorten.

— Bet» Sooben-lBerra. Das im lieblichen Werrotal gelegene Heilbad öffnet seine Pforten schon am 3. Öfter« seiertag, dem 19. April, um insbesondere sein Inhala­torium den unter Katarrhen und Asthma Beschwerden des Winters leidenden Gästen bald zugänglich zu machen. Die Kurgebühr beträgt für Mai für die Hauptkarte 18 Rm., für die 2. Karte 10.50 Rm. Im April wird nur ein Viertel der Mai-Sätze erhoben. Das Solbad kostet 2,25 Nm., die gewöhnlichee Inhalation 1.25 Rm.

Hof, zwischen dem Städtchen und dem Buchenhof lag. Schon feit zwanzig Jahren war wohl auf diesem Fried­hof niemand mehr beerdigt worden. Aber auf ben' neuen Friedhof ist der alte Hardert nicht mehr mitge- zogen. Damals war er siebenundfünfzig. Da hat er gemeint, daß er nicht mehr lange mitmachen werde und nun auch noch ein paar Jahre Ruhe verdient habe. Sein Vater war auch Totengräber gewesen. Sein Groß­vater und sein Urgroßvater auch. Alle auf diesem Friedhof. Weiter hinauf kannte er seinen Stammbaum nicht; es war aber gar kein Grund zur Annahme, daß sie etwas anderes gewesen waren. Die hatten also alle auf diesem Friedhöfe begraben, was sollte er da in sei­nen alten Tagen die Heimat wechseln, wo sein Junge ja doch nicht den Beruf des Vaters ergriffen hatte.

Harderts Vater und Großvater waren einfache, ge­nügsame und sparsame Leute gewesen und hatten daher doch einiges Vermögen. Schließlich hätte auch er es schon zu etwas besserem bringen können, aber aus Pietät zum Familienberuf ist er halt auch Totengräber gewor­den.

Aber dem Jungen ist das bischen Geld in die Krone gestiegen. Dem ist Tiefenhofen zu eng geworden, der ist in die Welt hinausgezogen, hat die höhere Schule besucht und hat später ein ganz gutes Geschäft gehabt.

Es war aber gerade, als ob die Harderts Totengräber sein und bleiben sollten. Denn nun ist der Sohn tot und die Schwiegertochter tot, und sie haben überhaupt keinen Jungen mehr bekommen, sondern nur ein einziges Töch­terlein, die Liesel.

„Das kommt davon, wenn man zu hoch hinaus will!" das war die Ansicht des Alten darüber. Da kommt dann nur Unglück. Und die arme Liesel, die ist dann in ihrer Lebensblüte ein Waisenkind geworden.

Aber die Liesel, die ist wieder bescheiden. Er ist nun alt und gebrechlich. Die Liesel aber ist zu ihm gezogen —, sie hat ja auch sonst niemand Näherstehendes auf der Welt — und ist zum Großvater, gerade wie nur ein ganz braves Mädel zu seinem Vater fein kann. Was Wunder, daß da auch der Totengräber die Liesel, fein Enkelkind, so lieb hat, wie auch je nur ein Vater fein ganz braves Mädel geliebt hat.

Drum nennen sie auch die Leute des Totengräbers Töchterlein, und es gibt nichts, das der alte Hardert lieber hörte. , ................_____

auf und mit rührender Ungeschicklichkeit versuchte er, sie Liefet anzustecken. Sie aber fang weiter:

Frei ist das Herz und frei ist das Lied, Und frei ist der Bursch, der die Welt durchzieht, Und ein rosiger Kuß ist nicht minder frei, So spröd und verschämt auch die Lippe fei. Wo ein Lied erklingt, wo ein Kuß sich beut, da heiht's: noch ist blühende, goldene Zeit, Noch sind die Tage der Rosen!

Und als sie geendet hatte, sprach der Großvater: „Komm' her, Liefet!" Er beugte sanft ihren Kopf und drückte einen Kuß auf ihren goldenen Scheitel und sprach ihr ins Ohr, ganz leise: „So spröd meine Lippe auch sei."--

„So war's recht, Liefet, sagte der alte Hardert." Da hat der Großvater sich gefreut, und die Liefet sich ge­freut, und ich könnt mir's nicht vorstellen, daß der liebe Herrgott im Himmel sich nicht auch gefreut hätte.

Deshalb wartete er auch schon im Garten, bis die Liefe! wiederkam. Er selbst stand mit den Hühnern auf; allerdings ging er auch ungefähr mit ihnen schlafen. Drum war er auch morgens immer um sechs Uhr in der Frühmesse. Heute stand er schon mit der langen Pfeife an der Türe. „Weil's nämlich Sonntag ist". Sonst gibt’s nur mittags und norm Schlafengehen eine. Har­dert freute sich über den warmen Sonnenschein. „Der tut den alten Gliedern so wohl. Und der Garten war ja dreimal so schön, als wenn'» trüb ist."

Und wenn jetzt die Liesel kam, dann wars auch in der Stube dreimal so schön ,benn dann war auch hier Son­nenschein.

Endlich kam sie, die Liesel.

Alter Totengräber, Du hast recht! Sie ist wahrlich Sonnenschein, die liebliche, neunzehnjährige Liesel.

Ihr Haar, so blond, wie die reifen, goldenen Aehren. Ihr Gesicht wie die Lilien im Garten, so unschuldsstrah- lend. Ihre Augen — ich weiß nicht, ob ich sagen soll wie der Himmel oder wie das Meer.

Unterwegs war sie den beiden neuen Gästen des Bu- chenhofes begegnet. Vielleicht hat Paul Spickermanns leeres Herz hier schon einmal gespürt, daß es ein Son­nenstrahl traf.

Flink hing Liefe! in des Großvaters Arm. Sie gin­gen ins Zimmer und nun war es auch hier dreimal so schön.

„Liesel, nun sing' mal was, weil heut' Sonntag ist, und der liebe Herrgott haben möchte, daß die Menschen sich freuen fallen."

Der Großvater setzte sich in-ben Lehnsessel am offe­nen Fenster. Seine Augen lagen lebensfroh auf den bunten Blumen des Gartens. Liefet faß am Tifch, in ihrer Hand die Laute.

Und ßautenfpiel und eine klare, reine Stimme wett­eiferten zusammen im Freudenlied:

Noch ist die blühende, goldene Zeit,

O du schöne Welt, wie bist du fo weit!

Und so weit ist mein Herz, und so blau wie der Tag, Wie die Lüste durchjubelt vom Lerchenschlag!

Ihr Fröhlichen singt, weil das Leben noch mait: Noch ist ja die schöne, die blühende Zeit, Noch sind die Tage der Rosen!

Reife und Wanderung.

— Heue Jugendherbergen in fiurfjeffen. Der Ver­band d-vtscher Jugendherbergen wird im Sattel des Burg' -ges bei Bieber im Kreise Gelnhausen eine neue , gendherberge errichten, um auch diesen vielen Wanderern noch fo fremden Landstrich, der auch seiner eigenen Reize nicht entbehrt, der Jugend nutzbar zu machen.

— von Rhein nach der Schweiz. Die Meldungen zu dem Rheinischen Pilgerzug nach der schönen Schweiz, Einsiedeln, Luzern mit Pilatus, Freiburg mit Grab des hl. Canisius usw. gehen erfreulich ein. Zu den biesbe- züglichen Veröffentlichungen ist jeboch zu bemerken, baß ber Fahrpreis ab Köln: 3. Klaffe 120—130 RM.. 2. Kl 150—160. RM. alle Unkosten des Zuges betrifft, ein­schließlich der vier Hvtelübernachtungen, sodaß hierfür keine besondere Auslage zu machen ist, wie in einem früheren Rundschreiben irrtümlich angegeben war. Hoffentlich wird diese Nachricht noch den einen ober a »beren Interessenten für die Teilnahme gewinnen. 5 rlbungen an Lehrerin a. D. Schäfer, Münstermaifeld, Bprt Koblenz.

Neues vom Esperanto.

— Die handels-Mesfen und (Efperanlo. Wie in den vergangenen Jahren, fo hat das Meßamt der Leipziger Mi stermeffen auch für die Frühjahrsmesse 1927 Pro­st, j je in Esperanto versendet. Die Messe von Budapest, ■4 i vom 30. April bis 8. Mai ftattfinbet, hat soeben schöne Plakate in Esperanto zur Verteilung gebracht. Die Frühjahrsmesse in Frankfurt a .M., 27. bis 30. März, versanbe ebenfalls einen Esperanto-Prospekt, ber besonders auf die Sonderschau „Die neue Wohnung und Ihr innerer Ausbau", die Kollektiv-Ausstellung ber Lyo­ner Seibeninbuftrie unb bie beutfche Industrie von Velour unb Velvet aufmerksam maftt. Erstklassige Pariser Modenfirmen werben eine Modenschau ver­anstalten. ________________

2. Blatt.

onid ber Fvldaer «efienbrudetei, Jnlba

Kreissparkasse Fulda

Mündelsichere Sparkasse

Tel. 176, 177

Postscheckkonto 80180 Frankfurt a. M.

Da griff ber Großvater nach bem Rosenstrauch bem Fenster, — unbeschwerlich konnte er ihn erreichen pflückte hip schönste Rose, stand aus bem Lehnsessel

Kleiderstoffe — Blusenstoffe — Baumwollwaren

noch Zeit. Im Augenblick bemerken wir, rote bl» grotzgewordenen neuen Städte sich bemühen, ihrem Antlitz charakteristische Züge zu geben. Es lst da vielleicht noch eine alte Domkirche, und nun geht man daran, um die Domkirche herum einen gro­ßen freien Platz zu schaffen und ihn mit mächtigen, eindrucksvoll g ebauten Häusern zu umsäumen. Neben dem Nutzen beginnt der schöpferische Geist, das Stadtbild zu bestimmen. Baut man aber aus dem Geist, so entsteht etwas viel Schöneres und Höheres und Reicheres. Man denkt an das gei­stige Erbe der Väter und will in ihrem Sinne weiter bauen, eine deutsche Stadt soll eben aus­sehen wie eine deutsche Stadt, wie denn eine asia­tische deutlich an eine gänzlich verschiedene Kultlur erinnert. Wie in jeder einzelnen Stadt, so wollen diese Menschen der europäischen Tribüne auch für Europa ein neues Antlitz schaffen, das zunächst einmal in dem lebendigen Menschen erscheinen muß.

So sprach Arnold Zweig über die europäischen Vorkriegsirrtümer. Unter anderem sagte er, daß Kunst und Geist früher zu einem bloßen Zierrat herabgesunken waren. Gerade sie aber müßten wieder führend werden. Gustav Wyneken rief nach dem gleichen Ideal, das er allerdings nie ver­wirklichen wird. Verbindet sie doch fein noch so großer Idealismus mit einem grundsätzlichen Zweifel an einem europäischen Gedanken über­haupt. Andere sprachen über das romanische Ele­ment, über das angelsächsische und über das Ko» wische. Wir aber freuen uns, daß nun endlich die Männer des Geistes wieder stärker hervortrr- ten. Nach und nach wird dadurch unser Leben von dem rein wirtschaftlichen befreit und wieder der Ausdruck des Menschen werden, in dem die Sehnsucht nach dem Göttlichen die Hauptsache ist, nicht aber der Appetit auf ein gutes Mittagessen

Glaub' aber nicht, daß ich mich bei diesen Rei­sen um Deutschland herum nur immer mit dem europäischen Gedanken beschäftigt habe. O nein! Da wurde auch eines Morgens das Wägelchen aus dem Schuppen geholt, ein kleines, feines, gelb­lackiertes, wunderbar federndes Wägelchen. Unb davor wurde ein Pferd gespannt, ein vierjähriges, mit junger, wolliger Mähne, das schon im Stalle , zu strampeln beginnt, weil es den Frühling wit­tert. Dann ging es los, den schrecklich holperigen Dorfweg hinab, daß die Polster nur so wippten. Eine riesige Gänseschar erhob bei der Ausfahrt ihr selig kreischendes Geschnatter und schlug dabei mit den Flügeln, als ginge es im Sturme auf Schar Hai. Aus einem Mauerloch kam auch der ftr.J- pige Hofhund zum Vorschein und fuhr uns ' hii einem so zähnefletschenden Gebiß beinahe in’ bi- Räder, als hätte er noch nichts gehört vom-'Völ- ferbunb unb europäischer Friebensidee. Links unb rechts aber behnte sich bas Lanb im grünen Schmuck feiner Wintersaaten unb bis auf bie Berge hinauf ganz voller Sonne. Ein Felb 'lag da, frisch gepflügt, tiefschwarz, noch dampfend vom morgendlichen Nebel, als würde unter der furcht­baren Scholle schon die Saat bereitet. Anderswo ging ber Sämann die Furche entlang, so energisch und kühn, als hinge von seinem Wurf allein bas Gelingen der Entente ab, und doch wieder so ehr­fürchtig unb erhaben, als bete'er für jebes Korn um den Segen des Himmels. Und das Pferdchen lief, und die Wasser spritzten um Räder unb Ver­deck, unb das Herz war wie ein einziges Jauchzen, während der trunkene Blick an den Höhen der

Be»-ae haftete, wo des Winters weißes Totenkleib nod)9 einmal bas Leben zu grüßen schien im Ge­flimmer ber strahlenben Sonne.

Vergiß den Frühling nicht und achte auf bte ersten freundlichen Zeichen; das Katzen am Ha- selstrauch muß du jetzt betrachten, auf bas Schnee­glöckchen lauschen und nach den jungen Veilchen ausschauen. Wenn du das alles wieder so blühen siehst, dann kehrt ber Glaube an das Leben unb an bas Glück wieder in dein armes Herz. So wen sind heute viele gekommen, daß sie in ber furcht» baren Not unb dem ruhelosen Kampfe ums Dä­fern das Geschenk des Lebens selber nicht mehr ach­ten, wo es doch etwas Wunderbares ist um dieses Lebens selber, und wo dieses Leben, wenn es feine Wurzel in die tiefe Gläubigkeit hinabsenkt, bte Kraft in sich hat, alles Leid zu überwinden m gro­ßer Freude. Dann wacht auch jene neue Liebe in dir auf, bie alles Leben schützen will, bte ben Hungernben speist, bie das Sinblein am Wege grüßt, die überall tröstet, rettet unb hilft, und bte bereit ist, allen Mammon zu verschenken, sei es auch nur zu bem einzigen Zwecke, um m ein trauernbes Menschenantlitz roieber das Lächeln brü­derlicher unb schwesterlicher Freude zu bringen.

Der Mann im Monde.

Rund um die Woche.

Deutschland im Auslandsspiegel. — Europäische Tribüne. — Städtebildec und europäisches Antlitz.

Lenzwitterungen der Seele.

Die Iunglehrerfrage.

Zu einer außerordentlichen Bedeutung hat sich 6ie Iunglehrerfrage allgemach herangebildet. Es m deshalb verdienstvoll, daß der Zentrumsabge­ordnete B r o ck m a n n bei der Etatsdebatte im £tnibta<] sehr eingehend sich mit diesem Problem beschäftigte. Zunächst sprach er seine große Bestie- diqung darüber aus, daß in diesem Jahre zur Be­hebung der für unser Schulwesen geradezu kata­strophalen Junglehrernot Hilfsmittel in größerem Ausmaß bereit gestellt seien. Er könne sich nicht beM Borwurf anschließen, daß das Ministerium e5 an Initiative zur Behebung der Iunglehrernol habe fehlen lassen. Die Junglehrerschaft verbindet Atif dem Dank für ben verständnisvollen Hilfs- tytilcn unb Hilfsbereitschaft des Ministeriums das Vertrauen, baß bis begonnee Hilfsaktion nunmehr tatkräftig geförbert unb geweitet würde. Verhäng­nisvoll habe sich ber Irrtum ausgewirkt, daß ein Lehrermangel eintreten könne. Dieser Irrtum habe die Ergreifung rechtzeitiger Hilfsmaßnahmen ver­hindert und hinausgezögert. Bezüglich der Ver­wendung ber bereitgestellten Mittel unb ber Ver­teilung der Hilfs-Lehrerstellen müsse gefordert wer­den, daß die am längsten von der Junglehrernot betroffenen Junglehrer zunächst berücksichtigt wür­ben. Das Flüchtlingslehrerproblem habe in ganz besonderer Weise die katholische Lehrerschaft be­lastet und damit die katholische Iunglehrerschaft benachteiligt.

Darauf sei bei der Auswertung der beschlossenen Hilfsmaßnahmen Rücksicht zu nehmen. Zunächst müssen die katholischen Iunglehrerinnen in Be­rufsverbindung gebracht werden. Genaueste Be­rücksichtigung der Altersreihensolge sei zu fordern. Unb ber Redner sprach sein Bebauern barüber aus, daß das Reich in der Flüchtlingslehrerfrage voll­kommen versagt habe. Es gehe nicht an, daß Preußen allein die kulturellen Schädigun­gen bzw. Nachteile des verlorenen Krieges zu tra­gen habe. Daher müsse das Reich durch tatkräf­tige Junglehrerhilfe Preußen in besonderer Weise entlasten. Größte Aufmerksamkeit sei zukünftig ben Arbeitsgemeinschaften für stellenlose Junglehrer als einzigem Mittel ber Berufsverbinbung zuzuwen­den. Die weltanschauliche Gesinnungsgemeinschaft müsse Grundlage der Bildungsarbeit der Arbeits­gemeinschaften fein. Redner begrüßt die durch bie Mitarbeit ber Dozenten ber pädagogischen Akabe- mien sich anbahn enbe Verbindung ber Arbeits­gemeinschaften mit bem kulturellen Bil­dungsgute biefer Akademien. Er wünscht in der inneren Ausgestaltung ber Arbeitsgemeinschaften starke Berücksichtigung ber Stoffgebiete, die vor allem ber Grunblegung unb Ausprägung eines neuen Lehreribeals bienen. In brr Methobe ber Arbeitsgemeinschaften sei bie stärkere Berückst h- tigung bes Wesens ber Gemeinschaftsarbeit zu for­dern. Neben Vorlesungen müßte größter Wert auf selbständige Hebungen gelegt werden. Organi­satorisch feiert bie Arbeitsgemeinschaften in solche für berufsverbundene unb berufsfrembe Junglehrer auszu gestalten, damit für die ersteren bie Berufs­praxis unb für bie letzteren bie Persönlichkeitsbil- bung und Erhaltung unb Vertiefung der Berufs- grwinnung in ben Mittelpunkt ber Arbeit gestellt werben könne. Redner wies auf die großen Schwierigkeiten in ber Berufsverbindung für jene Lehrer hin. bie befonbers weit zerstreut auf dem Lande wohnen, unb sprach bie Bitte aus, den im Etat vorgesehenen Posten für Arbett^emeinschaften wesentlich zu erhöhen.

Ihre Betten werden wie neu! wenn Sie unsere neu aufgestellte

Dampf - Bdticdcrn - Kcinlgiings - Maschine mit elektrischem Betrieb benutzen. Die Maschine arbeitet automatisch. Wir reinigen in Gegenwart des Kunden das Pfund für 40 Pfennig.

Wir halten die preiswertesten Inletts U. Bettfedern in grosser Auswahl auf Lager. Wir nähen und füllen kostenlos.

Wir holen mit unserem Geschäfts-Auto die Betten ao und stellen diese in Fulda wieder zu.

Warenhaus S. Baer <& Co. Mittelstrasse

Dr. Holzner und Paul Spickermann hatten einen kleinen Waldspaziergang gemacht. Dr. Holzner wallte nun den Arzt von Tiefenhofen, Dr. Berger, der ihm von feiner Studentenzeit her bekannt war, besuchen. Paul Spickermann sollte ihn aus seinem Zimmer im Buchenhof erwarten.

„Da wird er wieder schön Trübsal blasen", dachte Dr. Holzner.

Aber es kam nicht fo.

Für Leute, die zum Grübeln und Tiefsinnigwerden neigen, gibt es zwei unübertreffliche Mittel. Erstens einen Hühnerhof und zweitens einen Ententeich. Beides lag vor den Fenstern von Paul Spickermanns Zimmer.

Ein Philosoph könnte unter diesen Umständen Der- rückt werden. Ein Künstler könnte bedenkliche Tobsuchts- ansälle bekommen. Aber wenn einer Trübsal blasen will, dann ärgert er sich zunächst über das liebe Feder­vieh außerordentlich. Das ist dann schon der erste Fort­schritt. Aerger ist viel gesünder als Trübsal. Mit dem Aerger steigen dann die Rachegedanken auf. Man über­legt, ob man nicht mit dem Inhalte einer Waschkanne dem Konzert ein Ende bereiten könne. Man sucht im Zimmer nach Gegenständen, die man, ohne ihnen nach­trauern zu müssen, hinauswerfen kann. Aber es währt nicht lange, bis man einsieht, daß man machtlos ist.

ttFortletzuna folat.)

Gerhard Wiegand

Gegr. 1845 SiMiAndlung Fernsprech. 445

Fulda

liefert in zuverlässiger, hochkeimfähiger, fortenedjter Beschaffenheit

Karten- Q|||||(||

Siegerin Sonne.

31 ----------

Und jetzt schlage ich vor, gehen mir auf unsere Zim­mer."

Ms Siegerin stieg die Morgensonne auf.

Vor ihrer Majestät waren die Morgennebel macht­los. Wie ein wogendes Meer schlichen sie auf der Tal­sohle umher.

Weg mit dem Nebelkleide, Deinem Trauerkleide, Deine Königin die Sonne sieht Dich nicht gerne in die­sem Gewände. Heute ist Sommerfonntagsmorgen! Wo ist Dein Festtagskleid?

Die Zauberin Sonne, sie gibt es Dir. Aus Deinem Nebelkleide hat sie Dir ein Diamantgeschmeide geschaf­fen, und alle Deine schönsten Kinder, die Blumen, hat sie damit geschmückt, mit dem labenden Tau.

Jetzt lacht ihr goldstrahlendes Antlitz, und ihr Lä­cheln verklärt auch Dich Erde, und Dein Diamant- lieschmeide glitzert jetzt im Widerstrahle der Sonnen- Ichönheit.

Die Himmel rühmen des ewigen Ehre!

Du morgenfrifches, blaues, unendliches Firmament. Du Zauberin, Siegerin, Königin Sonne!

Es ist Sommersonntagsmorgen! Weg heute von den Stätten, wo Du im Schweiße Deines Angesichtes Dein Brot verdienst! Weg heute von Pflug und Senfe! Weg von der Hobelbank und vom Ambos! Hinaus aus der Fabrik und hinaus aus der Schreibstube!

Heute schenkt Dir der Herrgott Dein Brot umsonst!

^eute gilt kein Maschinengerassel und kein Sensen- schleisen, gilt kein Hammerschlag und kein knarrender Lastwagen. Heute gilt nur neben dem Lerchenschlag der Glockenton und die brausende Orgel!

Der Schall pflanzt feinen Namen fort!

Bfn®erU^auPt90ttesbienft ist in Tiefenhofen morgens

Schon feit einhalb neun lugte der alte Totengräber , °'l 'zu Zeit an der Gartentüre, ob seine Liesel nicht °md komme. Dabei war die Kirche doch vor neun Uhr nie aus.

■'larbert, ber alte Totengräber, wohnte in einem zier- uc9en, einstöckigen Häuschen, bas neben bem alten Frieb-