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Anzeiger für die Stabt und den kreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Nr. 72.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilage: „Illustrierte Beilage" uni) „Buchendlätter". Rotationsdruck und Verlag btt Rutoatt Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Str. S. ’x. Monatlicher Bezugspreis 1.50 9RI x

Sonntag, 27. März 1927.

An,«igeu.Vrets„ Kleiiqeüe (Lolonel) total 0.1« XX.l «mftoär« 0,20 JUL- Reklame,eUei total 0,60 JULI auswärts 0,80 JIX. Bel Wiederholungen Rabatt. 1 x Postscheckkonto Frankfurt a. M. Rr. <051 x £

Zahrg.54

Vier ÄSnrteHe tut Berliner Femetnordprozetz.

V.D.Z. Berlin, 26. Manz. (Gig. Funkm.) Im Mlmsprozeß wurden die Angeklagten Fuhr­mann, Klapproth und U m h o f e r wegen gemeinschaftlichen Mordes, der Angeklagte Ober­leutnant Schulz, wegen Anstiftung zum Morde, dem Antrag des Staatsanwalt entsprechend, zum Tode verurteilt, die Angeklagten von Po- ser, Stantirn und Budzinski wurden freigesprv- chen.

In der Freitagsverhandlung des Gießener Fememordprozesses wurde nach dem Zeugen Schmidt-Halbschuh Kapitänleutnant a. D. T i l e s s e n als Zeuge vernommen. Er be­richtet, daß Salomon am Abend des 5. März aufgeregt zu ihm gekommen fei und ihm erzählt habe, sie hätten den Wagnertotgefchlageu. Erhübe ihn kolossal angeschnauzt wegen dieser Schweinerei. Später hat ihm dann Kern mitgeteilt, daß man dem Wagner eine Abreibung gegeben habe, und wenn es nach ihm (Kern) gegangen wäre, würde der Mann nicht mehr am Leben sein. Kern sei gegen Wagner aufgebracht gewesen wegen verschie­

dener Erpressungen und habe dem Zeugen gegen­über geäußert, es müsse ihm das Handwerk gelegt werden. Auch vom „Umlege n" ist gesprochen worden. Ader das sei nicht, so ernst zu nehmen. „Bei uns herrscht in dieser Hinsicht immer eine etwas starke Ausdrucks- w e i s e." Ti liefen selbst will Kern gewarnt ha­ben, Dummheiten zu machen. Einige Tage nach der Tat sei Wagner zu ihm gekommen, und da habe er gesehen, daß es sich nicht bloß um eine Schlägerei, sondern um eine ernstere Sache gehan­delt habe. Ueber die Verhältnisse in der von ihm geleiteten Organisation bekundet der Zeuge, daß die Organisatkon C nur auf dem Papier bestan­den hätte. Eine Femebestimmung habe es nicht gegeben. Man habe nur unsicheren Kanto­nisten um sie abzuschrecken, gesagt: „Verräter verfallen der Feme!" Dabei konnte sich jeder denken, was er wollte. Jnterss- sant waren die Bemerkungen des Zeugen, daß die gesamte Organisation in Frankfurt nur aus 180 bis 200 Mitgliedern bestanden habe, Frankfurt fei kein geeigneter Boden für die vaterlän­dischen Verbände gewesen. Der Zeuge wurde nach seiner Aussage vereidigt.

Die bedrohten Fremden in China.

In Nanking sind irreguläre Truppen der chine- een Nationalpresse zu blutigen Taten gegen die Frem- geschritten. Bei diesen Kämpfen mit dem Pöbel und den kommunistischen Freischaren in Nanking sollen nach englischen Quellen zusammen 100 englische und ameri­kanische Zivilisten getötet worden sein, ferner zwölf eng­lische und sechzehn amerikanische Matrosen.

Wie daM weiter aus Nankmg gemeldet wird, wurde der englische Generalkonsul in Nanking in verwundetem Alstano gerettet und an Bord des Kreuzers „Emerald" gebracht. Der Vizepräsident der Nankinger Universität, Dr. Williams, ein Amerikaner, wurde getötet. Der bri­tische Dampfer Menchow hat 20 amerikanische Missionare aus Tschinkiang ausgenommen, wo im Anschluß an eine Demonstration gegen die Fremden viele Häuser von Ausländern geplündert wurden. Infolge des erneu­ten Aufloderns der Fremdenfeindlichkeit hat sich die Lage im oberen Teil des Pangtsetales be­unruhigend verschlechtert. In Hankau hat man die ameritanischen Frauen und Kinder zur Räumung der Stadt veranlaßt, während in Tschinkiang die engiischen wie auch die amerikanischen Frauen und Kinder in der unmittelbaren Nähe des Flußufers versammelt worden sind und Zerstörer bereit gehalten werden, um sie, wenn nötig, sofort an Bord aufnehmen zu können. Bei Sha- meen hat das Kanonenboot „Tarantula" Abteilungen an Land gesetzt, die die Drahwerhaue wieder herzu- stellen haben. In Nanking wird ein Offizier des eng­lischen Nachrichtendienstes vermißt.

Nach dem letzten vom Amtlichen Englischen Funk­dienst wiedergegeoenen Nachrichten aus Nanking weist die dort eine Besserung auf. Die in der Stadt licbenen Ausländer, über deren Schicksal bisher nichts bekannt war, sind nunmehr ohne Zwischenfälle abtransportiert worden. Unter ihnen befinden sich 95 Amerikaner und 15 Engländer.

Der Gemeinderat von Schanghai hat ein Not­standspostamt zur Beförderung von Postsendungen nach allen Richtungen außer China eingerichtet. Da die Post- angestellten noch immer streiken, haben sich die P o st - sendungen in gewaltigen Massen angehäuft. Abgesehen vom Postangestelltenstreik geht der General­streik allmählich zurück.

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Aus New-Pork wird gemeldet: Bei den Feindselig­keiten zwischen chinesischenGeheimgesellschaf- teit int östlichen Teil der Vereinigten Staaten wurden insgesamt acht Personen getötet, zwei sehr schwer verwundet und 45 verhaftet. Die Chinesenviertel in den größeren Städten des ganzen Landes werden poli­zeilich bewacht. Nach amtlicher Erklärung ist die Ur­sache wahrscheinlich kommerzielle Eifersucht und steht mit den Ereignissen in China nicht im Zusammenhang.

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„Dativ Telegraph" berichtet aus Schanghai, dir Lage gleicht der Stille vor dem Sturm. Die Er­eignisse in Nanking haben eine gewisse Unruhe ausge­löst. Es sei zweifellos, daß sich die Engländer inmitten von Todfeinden, die nur auf ihre Vernichbing sinnen, befinden. Reuter berichtet aus Schanghai, Tschang- kaischek und Paitschunghsi haben erklärt, daß sie eine freundschaftliche Regelung des Zwischen­falls in Nanking wünschen.

Admiral Mlliams übet die Lage in Nanking.

. wtb. New-York, 26. März. (Eig. Funkm.) Ad­miral Williams berichtete an das Marine-Departement von Mißhandlungen zahlreicher Ameri­kaner, banmter auch Frauen, durch chinesische natio- nalistische Soldaten ht Nanking. In Nanking seien nach den bisher vorliegenden Meldungen sämtliche amerikanische Missionen und Heimstätten ge- plündert worden.

zrankreich in Waffen.

Die künftige Verwendung der Vesahungstruppen des Rheinlandes.

Wie Haoas mitteilt, ist das Kompromiß, das im Heeresausschuß der französischen Kammer ab« !geschlossen wurde, auf folgender Grundlage zu- tande gekommen:

Von den vorgesehenen 20 Divisionen, aus denen das französische Heer sich in Friedenszeiten zusammensetzen soll, werden die vier gegenwärtig im Rheinland stehenden nicht in ihre alten Garni­sonen zurückkehren, sondern im Augenblick der Räumung den Truppen längs der franzö­sischen Grenze zugeteilt werden, so daß die Grenzdeckung auch bei der einjährigen Dienst­zeit ebenso stark fein wird wie jetzt bei der 18mo- uatigen Dienstzeit.

Kriegsminister PainlevL hat sich mit dem Hee­resausschuß der Kammer über die verschiedenen noch strittigen Punkte bezüglich des Gesetzentwur­fes betreffend die allgemeine Organisa­tion des Heeres geeinigt und der Bericht­erstatter Senat, der vor einer Woche wegen Mei­nungsverschiedenheiten fein Amt niedergeiegt hot, hat sich nunmehr bereit erklärt, feinen Bericht- erstatterposten beizubehalten.

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Der Wahlrechtsausfchuß der französischen Kairn Mer hat mit 7 gegen 5 Stimmen beschlossen, den Vorschlag seines Berichterstatters, den Frauen das aktive und passive Wahlrecht zu verleihen, zu verwerfe n.

.Vie Kappisten.

Die Gehalksforderung des Generals v. Lüttwih durch das Sammergericht bestätigt.

Das Kammergericht bestätigte das Ur­teil der ersten Instanz über die Gehaltsansprüche, die General o. Lüttwitz und Major Bischof gegen­über dem Reichswehrministerium geltend gemacht haben.

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Wie eine Korrespondenz hört, wird das Ferchs wehrmini st erlutn das Urteil des nammergerichts anfechten, so daß die For­derung des Generals von Lüttwitz nunmehr das neichsgericht beschäftigen wird. Unabhängig son diesen Gehaltsansprüchen läuft der Anspruch Uri Pensionierung des Generals v. Lüttwitz beim »leichsversorgungsgericht.

Was kostet die Dawesanleihe?

Von Dr. Johannes Pfihner.

Der Nominalbetrag der Dawesanleihe, die mit einer Verzinsung von 7 Prozent und zum Emis- sionskurs von 92 Prozent aufgelegt worden ist, ist bekanntlich so berechnet worden, daß sich nach Ab­zug der Emmissionskosten ein Reinertrag von 800 Millionen Mark ergeben sollte. Die Vereinigten Staaten übernahmen 110 Millionen Dollar, Groß­britannien 12 Millionen Pfund, Frankreich 3 Mil­lionen Pfund, Holland 2,5 Millionen Pfund, Bel­gien 1,5 Millionen Pfund, die Schweiz 2,36 Mil­lionen Pfund und 15 Millionen Schweizer Fran­ken, Italien 100 Millonen Lire, Schweden 25,2 Millionen schwedische Kronen. Die deutsche Reichs­bank übernahm als Spitzenbetrag 360 000 Pfund, doch wurde dieser Betrag nach endgültiger Abrech­nung des Erlöses der Anleihe wieder auf 320 000 Pfund herabgesetzt.

Diese Nominalbeträge sind zu verzinsen und zu tilgen. Die Tilgung erfolgt bei den eropäifchen Abschnitten zum Parikurse, bei dem amerikanischen Abschnitt zu 105 Prozent, falls eine Auslosung et- forderlich ist und die Anleihestücke nicht zu billige­rem Preise auf dem freien Markt gekauft werden können. Ein solcher Ankauf ließ sich in den ersten anderthalb Jahren noch zu einem erheblichen Teil durchführen, vor allem in New York; seitdem aber der Kurs der Dawesanleihe den Auslosungskurs in New York und an den europäischen Börsen­plätzen überschritten hat, kommt nur noch eine Aus­losung in Betracht.

Wenn man die beim Ankauf auf dem freien Markt erzielten, verhältnismäßig unbedeutenden Ersparnisse berücksichtigt läßt, fo ist der ameri­kanische Abschnitt der Anleihe mit 485,1 Millionen Mark zu tilgen, während der Reinertrag sich nur auf 400,6 Millionen Mark belief. Bei den euro­päischen Abschnitten sind nachträglich besondere Verluste dadurch entstanden, daß das Pfund Ster­ling und die schwedische Krone zur Zeit der Aus­gabe der Anleihe (im Oktober 1924) noch nicht auf Pari stand. Die auf Pfund lautenden Abschnitte erbrachten daher nur einen Reinertrag von 350,2 Millionen Mark, während der zu verzinsende und zu tilgende Nominalbetrag sich seit Erreichung des Paristandes des Pfundes auf 442,9 Millionen Ml. stellt. Der schwedische Abschnitt erbrachte einen Reinertrag von 24,3 Millionen Mark bei einem jetzigen Nominalbetrag von 28,3 Millionen Mark. Der Nominalbetrag des italienischen Abschnitts be­trägt 20 Millionen Mark, wenn man als Kurs der Lire 0,20 Mark annimmt; theoretisch besteht hier noch eine beträchtliche SteigerungsmöaliLckeit,

solange die Lire noch stabilisiert ist. Der Rein­ertrag belief sich auf 15,7 Millionen Mark. Der auf Schweizer Franken lautende schweizerische Ab- schnitt erbrachte 9,5 Millionen Mark bei einem Nominalbetrag von 12,2 Millionen Mark. Im Gan­zen sind demnach 988,5 Millionen Mark zu tilgen oder 188,5 Millionen Mark mehr, als der Erlös der Anleihe betrug.

Hierzu kommen die Zinsen; ihr Betrag nimmt zu Jahr ab, da die Anleihe allmählich in 25 Jahren getilgt wird und sich der zu verzin­sende Nominalbetrag infolgedessen von Jahr zu Jahr verringert. Von dem amerikanischen Ab­schnitt wird jährlich ein Fünfundzwanzigstel getilgt, so daß sich auch die Verzinsung jährlich um etn Funfundzwanzigstel verringert. 3m Ganzen sind bis zum Endjahr 1949 an Zinsen 412,3 Millionen Mark aufzubringen. Bei den europäischen Ab­schnitten ist die zu zahlende Zinsensumme erheblich höher, und zwar aus dem Grunde, weil die Til­gung durch einen sogenannten kumulativen Til­gungsfonds erfolgt. Das heißt, daß jährlich ein> sich gleichbleibende Annuität für Tilgung und Verzinsung zusammen zur Verfügung gestellt wird, während beim amerikanischen Abschnitt die Til- gungssumme dieselbe bleibt, die Zinsensumme und damit auch die Gesamtsumme für Tilgung und Verzinsung dagegen von Jahr zu Jahr abnimmt. Bei den europäischen Abschnitten ist die Tilgung im ersten Jahr verhältnismäßig gering und wächst jedes Jahr um den Betrag, um welchen infolge der Tilgung weniger Zinsen gezahlt zu werden brauchen. Entsprechend der Hinauszögerung der Tilgung sind auch mehr Zinsen zu zahlen.' Der geringere Gesamtzinsenertrag des amerikanischen Anleiheabschnitts war wohl zusammen mit der er­warteten Kurssteigerung des Pfundes der Grund, weshalb für ihn ein Auslosungskurs von 105 Pro­zent festgesetzt wurde.

Für die europäischen Abschnitte ist im Gan­zen eine Zinsensumme von 576,6 Millionen Mark aufzubringen. Der gesamte aufzubringende Zin­senbetrag beläuft sich also auf 988,9 Millionen Mark. Für Zinsen und Tilgung der Da- wesanleihe sind demnach 1977,4 Millionen Mark aufzubringen, denen ein Reinertrag von nur 800 Millionen Mark gegenübersteht. Die Dawes­anleihe kostet demnach der deutschen Volkswirt- schäft 1177,4 Millionen Mark. Diese Summe geht

auf Reparationskonto Neben der Dawesonieihr hat aber die deutsche Volkswirtschaft zum Zweck« des Wiederaufbaus und, um ihre ersten' Repara tionsverpflichtungen erfüllen zu können, bereit«, weitere 3 Milliarden Mark im Auslande ausge­nommen, deren Emissionskosten und Zinsen nicht auf Reparationskonto gehen und daher als zusätz­liche Reparationsleistungen aufzufassen sind.

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Ja, der verlorene Krieg hat Deutschland viel gekoster. Wie sagte der Kriegs-Finanzminister Dr. H e l f f e r i ch: Der Besiegte wird die Ketten der Schuldenlast durch Jahrhunderte tragen. Er dachte freilich damals, es würden die „anderen" sein die die Ketten tragen müßten.

StapeUauf des Kreuzers Königsberg wtb. Wilhelmshafen, 26. März. (Eig. Funkm.) Heut« vormittag wurde auf der hiesigen Reichswerft der klein» Kreuzer „Königsberg" vom Stapel gelassen. Schon ir den Morgenstunden boten Stadt unb Werft ein leb- Haftes Blld. Ueberall grüßten Fahnen und Wimpel Zahlreiche Ehrengäste waren aus dem ganzen Reiche her­beigeströmt, um dem feierlichen Akt beizuwohnen.

* Wiedereinführung der Goldwährung in Spa­nien? Haoas berichtet aus Madrid, gewisse Zei­tungen geben ein gegenwärtig im Umlauf befind­liches Gerücht wieder, wonach die spanische Regie­rung angesichts der Hausse der Papierpesetas, die den Goldwertstand erreiche, an die Wiedereinfüh­rung der Goldwährung denke.

* Keine neue Erkrankung des Königs von Spa­nien. Die Meldung des „Manchester Guardian" aus Hendaye, daß König Alfons von Spanien einen Blutsturz erlitten habe, ist, wie die Agen­tur Fabra mitteilt, vollkommen unrichtig.

* Verurteilung von zwei französischen Soldaten. Vom französischen Kriegsgericht in Mainz wurden die beiden Soldaten, die am 8. Ian. deutsche Civi- listen, darunter zwei Frauen, durch Faustschläge auf den Kopf schwer mißhandelt hatten, zu je d r e i । Monaten Gefängnis mit, bezw. ohne Straf« I aufschub verurteilt.

Die Lage an der

Agentur Avala meldet aus Belgrad: Der bri­tische Konsul in Albanien ,John Percell, der per­sönlich dieser Tage eine Untersuchung längs der albanischen Grenze vorgenommen hat und zwei Tage in Bitolj weilte, gab dem dortigen Korrespon­denten der Belgrader Zeitung „Politico" folgende Erklärungen über feine Eindrücke:

„Die Behauptungen der Italiener über angeb­liche Vorbereitungen zu einem Einfall nachAlbanien sind albernes Gerede! Vor meiner Abreife nach Bitolj hatte ich auf Grund der zahlreichen Be­hauptungen, denen ich Glauben geschenkt hatte, den Eindruck, daß Ihr zu allem bereit seid, und daß Euer Einfall in albanisches Gebiet nur noch eine Frage von Tagen sei. Während ich das Grenzge­biet und das Innere des Landes in einer Ausdeh­nung von «mehreren hundert Kilometern durch­streifte, bin ich nur sechs Soldaten begegnet, davon zweien auf der Straße nach Prilep, und vieren auf der Straße Bitolj-Struga. Die Bevölkerung geht ruhig ihren Geschäften nach. In Struga kämpfen die Einwohner beispielsweise gegen Mücken und die Malaria unb lachen über die Sorgen Italiens um die Albaner. Ich möchte eher sagen, daß etwas in Albanien vorbereitet wird. Ich habe in ganz Albanien einen starken italienischen Einfluß sest- fteUen können, unb ich bin nicht davon überrascht, baß Alarm geschlagen würbe.

Wie verlautet, hat Sübslawien der Abhaltung einer Untersuchung zugestimmt, vorausgesetzt, daß gleichzeitig i n 211 b a n i e n eine gleiche militärische Untersuchung stattfindet.

Revolution in Albanien?

Die „Tägliche Rundschau" weiß aus Belgrad zu melden, daß dort lebhafte Gerüchte verbreitet seien, wonach in Albanien eine Revolution ausge­brochen sei. Den Aufständischen soll es gelungen sein, in Tirana einzudringen und den Präsiden­ten Achmed Zogu gefangen zu nehmen. Nach einer weiteren Blättermeldung aus Athen soll in Elbas- fnn ein albanisches Bataillon gemeutert haben. Das Blatt bemerkt, man werde abwarten müssen, was an den Berichten Tatsache ist. Der „Voss. Ztg." zufolge sollen Wiener Korrespondenten englischer Blätter aus Albanien Nachrichten über derartige Gerüchte erhalten haben. Bis heute ist beim Bel­grader Außenministerium keine amtliche Meldung über den Ausbruch einer Revolution in Albanien

albanischen Grenze.

oder die Verhaftung Achmed Zogus eingelaufen Auch die „Voss. Ztg." erklärt, daß man den Be richten mit äußerster Skepsis werde gegenüber stehen müssen.

Die Regelung.

wtb. paris, 26. März. (Eig. Funkm.) Wi» „Malin" berichtet, wird der jugoslawischen Regie rung folgender Vorschlag unterbreitet werden: Zur Prüfung der angeblichen jugoslawischen Rüstunger wird ein Untersuchungsausschuß ent­sandt, der Feststellungen auf beiden Seiten bei jugoslawisch-albanischen Grenze zu machen ermäch­tigt unb aus deutschen, englischen uni französischen Vertretern, sowie italienischen und süd-slawischen Beobachtern zusammengesetzt sein soll. Im übrigen erwartet „Motin", daß bk italienische Regierung gegen die vorgesehene Ar der Regelung keinen Widerspruch erheben werde Dasselbe behauptet „Petit Journal" auch von bet jugoslawischen Regierung. Nach bem „Petit Pa- rifien" soll jebe Nation zwei Vertreter in dem vor­gesehenen Unterausschuß haben, nach dem „Petit Journal" sogar deren drei. Die Morgenpresse ver­öffentlicht ferner eine römische Depesche der transalpinen Nachrichtenagentur, die besagt: Für Italien bestehen keine Gründe, sich dem vorge­schlagenen Verfahren zu widersetzen, obwohl es offenbar ist, daß eine internationale Enquete ein ziemlich langsames Kontrollmittel bildet und in der Zwischenzeit die beanstandeten militärischen Maß­nahmen beseitigt oder unterbrochen werden können. Auf alle Fälle wird Italien in loyalster Weise an der Untersuchung teil ne hm en und zufrieden sein, daß es durch sein Vorgehen Albanien zum mindesten vorübergehend vor einem Handstreich von außen her bewahrt hat.

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wtb. London, 26. März. (Eig. Funkm.) Der divlomatische Berichterstatter des Daily Telegraph" will erfahren haben, daß Mussolini endgültig seine Zustimmung zur Ernennung einer inter­nationalen Kommission von Sachverständigen zwecks Untersuchung der italienischen Behauptun­gen über militärische Vorbereitungen in Jugosla­wien und Unterstützung der albanischen Revolutio­näre erteilt habe, doch sei noch keine ins einzelne gehende Uebereinhinft über die Zusammensetzung und genauen Funktionen erzielt worden.

Das Schicksal der Ufa.

Für die Reorganisation der Ufa hat sich cm Konsor­tium gebildet, daS die Durchführung der geplanten Kapitalerhöhungen garantiert. Das Konsortium besteht aus Persönlichkeiten und Firmen, die der Industrie, dem Verlagwesen und der Bankwelt angehören und läßt sich von dem Gesichtspunkt leiten, daß die Auftechterhaltung einer leistungsfähigen deutschen Filmindustrie, deren stärkster Exponnent die Ufa ist, ein erhebliches Jntereffe der deutschen Wirtschaft darstellt. Die von anderer Seite verbreiteten Nachrichten über eine Zerschlagung der Organisation deS Unternehmens sind unzutreffend.

* Amerikanische Stubiensahrl deutscher Ver­kehrssachleute. Zu bem Stubium ber Möglichkeiten zur Hebung bes Fremdenverkehrs von Amerika nach Deutschland unb gleichzeitig, um amerikanische

Verkehrseinrichtungen kennen zu lernen, werben sich auf Anregung bes Norbbeutschen Lloyb am 30. März eine Anzahl Vertreter ber Ministerien bes Reichs unb deutscher Staaten sowie SBertruer ber Reichsbahngesellschaft unb Delegierte ber deut­schen Fremdenverkehrsorganisationen auf eine 4- wöchige Informationsreise nach den Vereinigten Staaten begeben. Die Abfahrt erfolgt mit dem Dampfer „Stuttgart" des Norddeutschen Lloyd, die Heimreise am 30. April mit dem Lloyddampfer „Columbus". Für den Aufenthalt in Newyork hat die öortige Vertretung bes Norbbeutschen Lloyb bie erforberlichen Vorbereitungen getroffen. Sic wirb auch für bie erforderliche Führung sorgen 23cm Vorstand des Nordeutschen Lloyd nimmt Di­rektor Stabtlänber an der Reise teil.