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Um das Konkordat.

Uns wird mitgeteilt:

9n de^,K"nkordatsfrage hatte dieser Tage eine Berliner Morgenzeitung („Welt am Montag") dle

°up.tun9 ausgestellt, daß in manchen Punkten Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Dati- un° dem preußischen Episkopat größer Mischen dem Vatikan und dem ” außischen Staat. Mit dieser Bemerkung soll

preußischer Landtag.

In der Dienstagssitzung des Preußischen Landtags -mn es zu Beginn zu einem Zwischenfall. Als ?te Kommunisten wegen der Vorfälle auf dem Bahn- Zof Lichterfelde-Ost einen Antrag zur sofortigen Bera- «na stellen wollten und von der rechten Seite höhnische Zwischenrufe erfolgten, drang ein Kommunist gegen die Oeutschnationalen vor. Dem Präsidenten gelang es je- >och, die erregten Gemüter zu beschwichtigen. Erledigt »mde sodann die Einzelberatung des Kultusetats. Ohne vestntliche Debatte wurden darauf die Etats der preu- zsichen Gesetzsammlung, des Deutschen Reichs- und Preu- 3'schen Staatsanzeigers und der Münz- und Lotterie- Verwaltung erledigt. Am Mittwoch steht die zweite Lesung des Haushalts des Jnnenministeri- »ms auf der Tagesordnung.

Nr. 69

Donnerstag, 24. März 1927

Die Abrüstunqsverhandlungen in Genf

M internationale Viertel in Schanghai angegriffen

bin MeitWkMprMiff der Regierungsparteien.

Gegen Hakenkrenzler nnh

in Berlin

an-

in

Bei einem Presseempfang sprach sich Lord Robert Cecil über das Ergebnis der neuen Tagung der Abrüstungskonferenz zuversicht­lich aus.

* Dr. Marx beim Reichspräsidenten. Reichs­präsident von Hindenburg empfing am Mittwoch vormittag den Reichskanzler Dr. Marx zum Vor­trag.

* Neue Anforderungen für das Reichswehr­ministerium. In einem Nachtragsetat werden eine Million Mark als erster Teilbetrag für einen E r- weiterungsbau auf dem reichseigenen Grundstück Fasanenstraße 87 in Berlin-Charlotten­burg für das Waffenamt des Reichswehrministe­riums gefordert. Die Gesamtsumme wird auf 3 250 000 Mark beziffert. Das heutige Heereswaf- fenamt ist in drei verschiedenen, weit entfernten Stellen untergebracht, daher erschien die Vereini­gung des garygy Amtes aa einer Stelle als not-

wtb. Paris, 23. März. (Gig. Funkm.) Wie Havas aus Genf berichtet, werden als Antwort auf die dringende Aufforderung von Paul Bon­cour die Delegationen Rumäniens, Pole ns. Süd-Slawiens und der Tschechoflowa- kei ein gemeinsames Abrüstungspro- g r a m m einbringen, das unter Anlehnung an den französischen Entwurf der besonderen Lage die­ser Staaten Rechnung tragen werde.

wendig. Die durch die Neubauten frei werdenden anderen Gebäude sollen anderen Behörden zur Un­terbringung zugewiesen werden.

derlassung macht sich bereits Mangel an Fischen und Fleisch bemerkbar. Aus dem französischen Klo­ster Tschapei wurden 300 chinesische und auslän­dische Kinder mit Unterstützung von Schantung- soldaten in die internationale Niederlassung ge­bracht.

Es wird amtlich aus Schanghai mitgeteilt, daß infolge von Verhandlungen zwischen dem Oberbe­fehlshaber der ©übtruppen, Tschang Kai Schek, und dem bisherigen Befehlshaber der Schantungtruppen in Schanghai, General Pi- schutschen, letzterer sich zur Uebergabe bereit erklärte. Die Kuomintag-Flagge wurde hierauf von Pischutschens Hauptquartier gehißt. Viele Tausende von Schantungsoldaten in Tschapei und anderswo wissen jedoch nichts von der Aktion Pi­schutschens. Reguläre nationalistische Truppen nähern sich jetzt Tschapei, das sie, wie man erwar­tet, bald besetzen werden. Verschiedene Granaten und Minen sind in die Nordteile der Niederlassung gefallen.

wtb. Schanghai, 23. März. (Gig. Funkm.) Reu­ter. Der britische und der französische Generalkonsul in Schanghai haben heute Vormit­tag mit dem Führer der Kantontruppen, Pait- schingshi, Verbindung ausgenommen. Er versicherte, daß es seine Absicht sei, die O r d n u n g aufrecht zu erhalten.

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Die britische Regierung ernannte nach einem Telegramm aus Peking N a s i l Newton, der im letzten Jahre der Tarifkonferenz in Peking beigefügt wurde, zu ihrem diplomatischen VertreterinHankau, dem Sitze der siegrei­chen nationalistischen Regierung.

Die valkankrise.

Zur italienisch-jugoslawischen Spannung.

Reuter erfährt, daß in der italienisch-jugoslawi­schen Krise wegen Albanien nach dem allgemeinen Eindruck in London eine entscheidende Besserung der Lage eingetreten ist. Es verlautet, daß ein lebhafter Meinungsaustausch zwischen den in Betracht kommenden Regierungen weiter im Gauge fei. Aus Genf wird berichtet: In Völkerbundskreisen herrscht, wie aus Genf be­richtet wird, die Ansicht, daß die italienisch-jugo­slawischen Schwierigkeiten durch die Mächte ge­regelt und nicht vor den Völkerbund ge­bracht werden würden.

Die „Agenzia Stefani" teilt aus Rom mit: Der albanische Gesandte in Rom übermittelte im Auf­trag seiner Regierung Ministerpräsident Mus- folini den Dank für die politische Unterstützung, die die italienische Regierung Albanien zuteil werden ließ.

Die „Tribuna", das Hauptorgan Mussolinis, will durch Veröffentlichung eines Privatbriefes den Eindruck Hervorrufen, die serbischen Frei­maurer und katholischen Geistlichen

in Albanien hätten einen Anschlag gegen Albanien verabredet, um den Faschismus zu bekämpfen.

Der Tod des Führers der albanischen Unabhängig keilsparlei.

wtb. Rom, 23. März. (Eig. Funkm.) Zu den Gerüchten über eine Ermordung des Leiter- der albanischen unabhüngischen Partei erfährt „Po- polo d'Italia" aus Bari, daß Iussuf Bey Dibra gelegenlich eines Zusammenstoßes der albani­schen Bergbevölkerung mit der alba­nischen Gendarmerie umgekommen ist.

• Oberst Mac!« verlässt Frankreich. Oberst Macic der Führer der katalanischen Separistenbewegung, ver>. läßt infolge der gegen ihn erlassenen Ausweisungsver fügung Frankreich und begibt sich nach Brüssel.

völkische und Wirtschaftspartei.

Der „B. Z." zufolge verhandelt zurzeit der völ' kische Flügel um Graefe und Henning mit der Wirtschaftspartei über einen Anschluß, um die Vorteile einer Fraktion wieder zu gewinnen. Die Verhandlungen sollen unmittelbar vor dem Ab­schluß stehen.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilage: .^Illustrierte Beilage" uns „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Äctiendruckerel in Fulda. Fernsprecher Rr. 9. :< Monatlicher Bezugspreis 1.50 Mk. x

ein Gegensatz zwischen den deutschen Bischöfen und dem Vatikan in der Konkordatsfrage geschaffen und zum Ausdruck gebracht werden, daß die deut­schen Bischöfe in manchen Punkten andere Auf­fassungen hätten als der Vatikan.

Wir können demgegenüber auf Grund von In­formationen von autoritativer Seite auf das Be­stimmteste feststellen, daß an diesen Behauptungen und Schlußfolgerungen aber auch nicht ein einziges Wort wahr ist. Wir könnten vielmehr im Gegen­teil den aboluten Nachweis dafür führen, daß die deutschen Bischöfe und der Vatikan v o l l st ä n - d i g einig in der Vertretung der Konkordats­angelegenheiten stehen und handeln.

Reuter meldet aus Schanghai: Soldaten der Schantungarmee versuchten, in das interna­tionale Viertel einzudringen. 200 von ihnen wa­ren eben entwaffnet worden, als sich 700 weitere einfanöen und den Versuch machten, mit Gewalt hineinzukommen. Sie schossest auf britische Sol­daten, die das Feuer erwiderten. Etwa 20 Chinesen wurden getötet, zwei britische Soldaten wurden verletzt. Mehrere Schrapnells fielen in das inter­nationale Viertel, wo sie Schaden anrichteten. Die Zahl der Opfer ist unbekannt.

Montag nachmittag spielten sich in den dicht bevölkerten Stadtteilen in der Nähe des Chines en Viertels Szenen ab, die an die Lage in Frankreich und Belgien während desWelt- krieges erinnerten. Die Bewohner dieser Stadt­viertel, darunter viele englische und japa­nische Staatsangehörige, strömen scharenweise unter unaufhörlichem Gewehrfeuer nach der inter­nationalen Niederlassung. Auf den Straßen drän­gen sich in unübersehbaren Zügen Rickshaws, Schubkarren, Automobile und andere Fahrzeuge, auf die meist in aller Eile die verschiedensten Hab­seligkeiten gepackt wurden. Die städtischen Behör­den unterstützen die Abwanderung durch ein starkes Aufgebot von Lastkraftwagen, die durch Panzerautos geleitet werden. Dieser Zustrom in die internationale Niederlassung verschärft die Knappheit an Verpflegungs- und Un< terkunftsmöglichkeiten, die bereits durch das Eintreffen von Flüchtlingen aus dem oberen Pangtse-Tal entstanden ist. Viele werden in dem allgemeinen Krankenhaus untergebracht, während sich andere auf die Gastfreundschaft von Bekannten verlassen oder sonst wie Obdach suchen. In der französischen Konzession in der internationalen Nie-

Beorbert. Bereits beim Anmarsch der Demonstranten kam es in der Berliner Straße in Charlottenburg zu Zusammenstößen mit der Schutzpolizei. Die Beamten mußten von dem Gummiknüppel und von dem Seiten­gewehr Gebrauch machen, wob<B ein 32 jähriger Ar­beiter durch einen Säbelstich schwer verletztwurde. Aus dem Rückwege von der Versammlung durch die Bismarckstraße kam es erneut zwischen Schutzpolizisten und Demonstranten zu Zusammenstößen, wobei die Beamten von ihren Waffen Gebrauch machten. Die Polizei mußte mehrmals bis in die späten Nachtstunden hinein einen großen Teil der Bismarck- und der grenzenden Straßen mit dem Gummiknüppel säubern. Auf beiden Seiten gab es Verletzte.

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Auch in der Frankfurter Mlee kam es zu einem Zusammenstoß. Hier fielen mehrere Schüsse, wobei ein gewisser Brückmann durch einen Revolverschuß verletzt wurde.

Bei den Vorgängen soll auch der kommunistische Reichstagsabgeordnete Thälmann durch einen Säoel- hieb verletzt worden sein.

Es werden noch folgende Einzelheiten gerne!- bet: Ein Pollzeibeamter wurde niedergeschlagen und erlitt schwere Kopfverletzungen. Pistole und Gummi- knüppel wurden ihm entrissen. Auch in der Suarezstraße wurde ein Polizeiwachtmeister zu Boden geschlagen und seiner Pistole und des Gummiknüppels beraubt. Ferner wurden in der Suarezstraße zwei Passanten überfallen. Sie erlitten schwere Verletzungen.

Zu einer besonders widerwärtigen See* kam es in der Bismarckstraße. Mehrere Polizistenn, die einen Demonstrationszug begleiteten, wurden bedrängt, mit Eisenstücken geschlagen und mit Steinen, Flaschen usw. geworfen. Ein besonders scharf bedrängter Polizei­wachtmeister gab 4 Schüsse ab. Um Mitternacht kam es in Spandau zu einer Schlägerei zwischen National- s o z i a I i ft e n und Kommunisten, in deren Verlauf 8 Nationalsozialisten festgenommen wurden.

Zu Beginn der Sitzung des Abrüstungsaus- jchujses in Genf gab Graf Bernstorfs eine grund- ätzliche Darlegung des deutschen Standpunktes tum Abrüstungsproblem ab. Er betonte mit allem Nachdruck, daß nach den vielen mühsamen Ver­handlungen der Sachverständigen jetzt Taten fol- T-: aen müßten. „Wir müssen", so fuhr Graf Bern- storff fort, „uns klar darüber fein, daß die Blicke ? namentlich der kleinen und der bereits abgerüfte- ten Staaten wieder einmal auf Genf gerichtet sind. Die Verantwortung für eine Enttäuschung dieser Staaten wird wohl niemand übernehmen wollen. Gerade die aufgrund internationaler Verträge ab» gerüsteten Staaten, also in erster Linie Deutsch­land, haben ein Recht darauf, daß nunmehr die allgemeine Abrüstung erfolgt, nachdem zumal die deutsche Abrüstung restlos d u r ch g e f ü h r t ist. Diese Abrüstung sollte ja nach dem Versailler Ver­trag schon die Einleitung einer allgemeinen Rü­stungsbeschränkung fein, wie das auch in aller Form von mehreren Delegierten dieser Kommis­sion ausgesprochen worden ist. Mit Befriedigung begrüßen wir den praktischen Vorschlag von L'o r d Robert Cecil. Eine Teillösung wäre unbe­friedigend-, das Problem ist vielmehr in feiner Gesamtheit zu erfassen. Von den zwei Seiten des Problems, der Herabsetzung und der Be• schränkung der Rüstungen, ist die letztere we­nig aktuell, da gegenwärtig ein Wettrüsten nicht erfolgt. Unsere wichtigste Aufgabe ist also die Herabsetzung der Rüstungen, nach den Worten des Vertreters Italiens die Revision des gegenwärtigen Rüstungszustandes. Wir müssen effektive Ergebnisse erzielen. Endziel muß die Ausgleichung der Rüstungen sein, die allein dem Völkerbund vollste Aktionsmöglichkeit ge­währleistet. Nach Festlegung dieses Endzieles wer- den die Wege zu suchen sein, auf denen es in Etappen erreicht werden kann.

In der Nachmittagssitzung des Abrüstungsaus­schusses ergriff nach Graf Bernstorfs der pol­nische Vertreter S o k ol das Wort, der unter Hin­weis auf die Geschichte Polens vom 17. und 18. Jahrhundert die Nachteile der Abrüstung eines einzelnen Staates inmitten völlig gerüsteter

Gewerkschaftliches.

— Bevorstehende Berliner Zusammenkunft englischer und russischer Gewerkschaftsvertreter sozialistischer Rich­tung. Der Generalrat des Gewerkschaftskongresses hat beschlossen, eine gemeinsame Zusammenkunft mit Vertre­tern des Allrussischen Gewerkschaftsrates auf den 29. März nach Berlin einzuberufen, auf der außer den gegensestigen Beziehungen das Verhältnis zwischen Moskau und Amsterdam und die augenblickliche Lage der Arbeiterklasse im Zusammenhang mit der wirt­schaftlichen Offensive des Kapitalismus er­örtert werden sollen.

Kommunisten und Schupp.

Die kommunistische Partei hatte am Dienstagabend ihre Anhänger wegen der blutigen Zusammenstöße auf dem Bahnhof Lichterfelde-Ost zu einer Massendemon- stration nach dem Luisenplatz in Charlottenburg

♦ tzandelsminister a. D. von Meinel gestorben. I 11 (Eig. Funkm.) Der ftühere bayerische Handelsminister, Exzellenz Ritter von Meinel, der erst vor einigen Wochen von seinem Amt zurückgetreten war, ist in der Nacht zum Mittwoch int Alter von 62 Jahren gestor- Ct Ben.

* Die Verstaatlichung von Polizeiverwaltungen. Der dEpstche Staatsrat nahm Kenntnis von den Be- x schlössen des Innenministeriums über die Verstaatlichung der Polizeiverwaltungen in Hagen, Hamm, Harburg. sowie in Hoellberg, Woermlitz bezw. Halle. -<•*

Staaten beleuchtet. Dieser Zustand habe damals zur Katastrophe für das abgerüstete Polen geführt. Polen mache deshalb seine Mit- arbeit am Adrüstungswerk von den Sicher­heitsgarantien abhängig, die ihm im 18. Jahrhundert fehlten. Die neuen Verhältnisse er­lauben freilich nach der Auffassung des polnischen Vertreters noch keine allgemeine Abrüstung. Das erste Ziel, das erreicht werden könnte, fei die B e- qrenzung der Rüstungen, nicht die Abrüstung selbst. Die nächste Sitzung wurde auf Mittwoch nachmittag angesetzt, in der Paul Boncour feinen Gegenentwurf begründen wird.

*

Der von der französischen Delegation veröffent­lichte G e g e n e n t w u r f für ein internationale Konvention zur Begrenzung der Rüstungen zer­fällt in eine Präambel, sieben Kapitel und 30 Ar­tikel. Außerdem sind ihr neun Tabellen für die zahlenmäßige Festlegung der Rüstungsbeschränkun­gen beigegeben.

In der Präambel erklären die Vertragspart­ner nach einem Hinweis auf das Zustandekommen von regionalen Sicherheitsverträgen, daß es nun­mehr möglich fei, eine erste Etappe auf dem Wege der im Artikel 8 des Völkerbundspaktes vorgesehenen Begrenzung und Herabsetzung der Rüstungen ins Auge zu fassen.

rungsentwurs abändert. Der Reichsrat wird dann am Mittwoch oder Donnerstag den Entwurf voraussichtlich in der abgeänderten Form verabschieden, sodaß das Gesetz in der neuen Form an den Reichstag gehen wird.

Der Etatsausgleich.

Die Verhandlungen zwischen der Reichsregie­rung und den Regierungsparteien über die B e- seitigung des Defizits im Reichshaushalt sind zum Abschluß gekommen. Die Einigung ist, laut „Germania", auf folgender Grundlage zu­stande gekommen: Das Auskommen an Einkom­men- und Körperschastssteuem wird um 260 Mil­lionen erhöht; ferner sind aus dem Haushaltsjahr 1926 Ueberfchüffe in Höhe von 200 Millionen ver­fügbar. Schließlich soll der Betriebsmittelfonds mit 119 Millionen herangezogen werden. Die Rest­summe des Defizits soll durch Einsparungen auf der Ausgabenseite verschwinden. Es soll sich dabei hauptsächlich um den Fortfall eines Betrages von 50 Millionen, der für produktive Er- roerbslofenfürfarge in den Etat eingesetzt war, handeln. Eine Reihe verhältnismäßig kleinere Ersparnisse soll durch die Beseitigung mehrerer Dispositionsfonds der einzelnen Ministerien erzielt werden. Auf diese Weise ist der ordentliche Etat des Reichshaushalts für 1927 für den Augenblick ins Gleichgewicht gebracht worden. Sollten Aus­gaben für die Liquidationsgeschädigten notwendig werden, würde naturgemäß eine neue Lücke entstehen. Im außerordentlichen Haushalt werden 500 Millionen Mark beansprucht. Die ur­sprüngliche Absicht, diesen Betrag auf Anleihe zu nehmen, ist fallen gelassen worden. Auch bei die­sem Etat hatte man Abstriche in Höhe von rund 50 Millionen Mark vorgenommen, wobei 30 Millio­nen auf Kunalbauten entfallen, die zwar nicht voll­ständig ruhen aber wesentlich gestreckt werden sollen.

Wie der Polizeipräsident von Berlin mitteilt, haben die Ermittlungen der politischen Polizei in der Land- friedensbruchsache am Bahnhofe Lichter- selbe-Ost zur Festnahme von fünf weiteren Ange­hörigen der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei ge­führt. Sie sind dem Vernehmungsrichter zuqeführt wor­den, der sie sämtlich in Hast behalten hat. Das Wagen­äußere des von der roten Frontkämpfertruppe bei der Fahrt von Jüterbog nach Berlin benutzten Eisenbahn- wagens weist, wie die amtliche Jnmigenscheinnahme er­gab, zahlreiche Auf- und Durchschlagsstellen von S ch ü s- sen und Steinwürfen auf. Die Scheiben der Fen­ster und Türen sind sämtlich zertrümmert. Das Wagen- mnere zeigt mehrere Blutlachen. Von den'Verletz- ten sind fünf immer noch nicht vernehmungsfähig. Die weiteren Untersuchungen werben noch mehrere Tage m Anspruch nehmen, lieber die Vorfälle, die sich im Der- laufe des Demonstrationszuges der nationalsozialistischen Arbeitervarlei im Westen Berlins ereignet ha­ben, hat der Polizeipräsident sofort eine strenge Un­tersuchung eingeleitet. Es hat sich im Verlaufe derselben schon jetzt ergeben, daß sowohl der zuständige Revier- Vorsteher als auch der stellvertretende Jnspektionskom- mandeur sich ihrer Slufgabe nicht gewachsen gezeigt haben. Der Polizeipräsident hat dccher diese beiden Schutzpolizeiofstziere sofort von chren Posten abbe- rufen.

Es find von den Hakenkreuzlem jüdische Straßen- Passanten, meist ältere Leute, auch Frauen, ' rohester Weise unter dem Rufen: schlagt die Juden tot, mißhandelt worden, ohne daß die Schutzleute sich um die Vorgänge kümmerten.

Der interfraktionelle Ausschuß der Regierungs­parteien verhandelte unter Beteiligung des Reichs- arbeitsministers Dr. B r a u n s und der Fraktions­führer Graf Westarp (dn.) und Dr. Scholz (D. V. P.) nochmals über das Arbeitszeitnotgesetz mit dem Erfolg, daß eine Kompromißlösung gefun­den wurde. Ueber die Einzelheiten wird noch Still­schweigen bewahrt. Eine Unterkommission wird in den nächsten Tagen die Formulierung fertigstellen.

Das Kompromiß in der Frage der notgesetzli­chen Regelung der Arbeitszeit bewegt sich, laut „lägl. Rundschau", auf dem Boden des Vorschlags, den der Abg. Thiel gemacht hat. Danach wird'in den § 10 eine Bestimmung ausgenommen, die die Leistung von Mehrarbeit zuläßt, wenn die Unterbrechung der Arbeit schwerwiegende Nachteile im Gefolge haben würde. Weiter ist im § 12 die Frage der Saisonarbeit geregelt worden, und zwar in dem Sinne, daß in den wich­tigen Arbeitszweigen, in denen die achtstündige Ar­beitszeit während eines Teils des Jahres nicht er­reicht wird, in anderen Jahreszeiten, in denen besondere Anforderungen gestellt werden, die Ar­beitszeit überschritten werden kann.

Die einzelnen Bestimmungen sollen dem Reichs­arbeitsminister überlassen werden. Auf der ande­ren Seite wird die Bestimmung in das Gesetz aus­genommen werden, daß für jede Mehrar - r beit ein Lohnzuschlag bewilligt werden muß. Man wird es den vertragschließenden Par­teien überlassen, in welcher Höhe der Zuschlag fest­gesetzt wird. Wird keine tarifliche oder sonstige Dertragsabmachung erzielt, so soll ein angemes­sener Zuschlag in Kraft treten. Als solcher gilt rin Zuschlag von 25 v. H. des Arbeitslohnes.

Das Kompromiß wird voraussichtlich nicht von »en Parteien in Form eines Antrages im Reichs­tag eingebracht werden, vielmehr wird beabsichtigt, daß die Regierung die Bestimmung des Kompro­misses übernimmt und danach den Regie-

FmdaerZertung

Anzeiger für dle Skadk und den kreis Fulda. Amkliches krelsblakk.