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Fulda. AmkNches SrelsblaN.

Nr. 68.

Mittwoch, 23. März 1927.

An,etae».Preis«- «letnzeil, (Colonel) lokal 0,15 SJtA

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Erscheint sechsmal wüchenttich. Wochenbeilage: ^Illustrierte Beilage" und ..Buchrnblätter". RotattonSdruck und Verlag der Fuldaer Acttendruckeret In Fulda. Fernsprecher Nr. g. w Monatlicher Bezugspreis 1.50 Mk. x

lusammenhang mit den

B-r-

sammlungen.

Polizei durc

Die Mologakonzessionen in Rußland

Ge-

verlassen,

genommen, während sie auf die

Straßenkämpfe in Schanghai

lanba der Kanton-

. .. y . . . _ i an vielen Stellen gingen die noch in der Stadt befindlichen Schan- mngtruppen ohne weiteres zu den Südtruppen über.

Italienische Rüstungen.

Aus Agram werden militärische Vorbe­reitungen der Italiener längs der jugo­slawischen Grenze gemeldet. So sei in Pola eine neue Militärflugstation angelegt worden und mehrere italienische Militärflugzeuge patrouil­lierten ständig die südserbische Küste ab. Das 11. Bersagliere-Regiment sei an die Grenze verlegt worden, während die italienische Garnison in Fiume, St. Peter und Jdria um einige Bataillone verstärkt wurden.

sammluugen. Aus Berlin wird gemeldet: Die Polizei durchsuchte am Montag die Teilnehmer zweier Versammlungen der National-Sozialistcn nach Waffen. Gefunden wurden in der einen bei einem Teilnehmer ein Totschläger und ein leerer Patronenrahmen, in der anderen Versamm­lung fand man eine Mauserpistole mit 16 Schuß, einen Trommelrevolver, zwei Stahlruten, zwei Gummiknüppel, einen Totschläger, eine Bleistabl- rute und drei Dolche, alles in einem Klavier versteckt.

der Regierungen erkundigt, bei denen sie beglaubigt sind, ohne von sich aus irgendwie Vor­schläge zu machen. Im Zi.'

vielen Meldungen über die albanische Spannung

auch die

von chinesischem Dienstpersonal abhängigen Frem­den sehr unangenehm ist. Durch Zusammenstöße mit Demonstratronszügen ist es bereits zu kleineren Zwischenfällen gekommen, bei denen indische und «panische Truppen eingesetzt wurden. Dabei sind »rei indische Soldaten erschossen worden. Die Kommission der Niederlassungen hat daraufhin den Belagerungszustand über Schanghai verhängt. Innerhalb der Niederlassungen wurde eine An-

* Kein Rücktritt Lalonders. Zu den Gerüchten über angebliche Rücktrittsgedanken des Präsiden­ten der gemischten Kommission in Oberschlesien, Calonder, erfährt die „Neue Züricher Zeitung" aus zuverlässiger Quelle, daß diese Gerüchte auf reiner Erfindung beruhen. Das Blatt fügt hinzu, die Rechtsauffassung Calonders im oberschle­sischen Schulkonflikt ist unanfechtbar. Präsident Calonder hat daher die Genfer Verständigung als praktischen Ausweg aus der bestehenden Krise sehr begrüßt und denkt umsoweniger daran zurückzutre­ten, als -er das volle Vertrauen des Völ­kerbundsrates genießt.

Die fremden Truppen und die Freiwilligen be­finden sich in höchster Alarmbereitfchaft. Die Zu­gänge zu den internationalen Niederlassungen sind gesperrt. Zu schwereren Zwischenfällen ist es bis­her nicht gekommen, da die Kantonttuppen überall Proklamationen angeschlagen haben, in denen die Sicherheit der Fremden garantiert wird. Die schwie­rige Seite der Situation ist allerdings der Ge­neralstreik und die Erregung unter der Ar­beiterschaft, die noch im Wachsen ist. Der General­streikparole des Allgemeinen Arbeiterverbandes sind bisher etwa 40 000 Mann gefolgt. Der Streik hat Niederlassungen betroffen, was für die fischem Dienstpersonal abhängigen Frem-

vielen Meldungen über die albanische Spannung ist übrigens festzulegen, daß die Debatte über den Etat des auswärtigen Amtes im Reichstag nicht, wie im Ausland gemeldet worden ist, auf Wunsch des Außenministers auf Dienstag verlegt wurde. Dr. Stresemann hat überhaupt keinen Wunsch über den Zeitpunkt geäußert. Viel­mehr ist die Tagesordnung vom Aeltestenrat festgesetzt worden.

Die Besetzung Schanghais durch die Südtruppen ging, wie der Berichterstatter der Voss. Zeiümg meldet, im allgemeinen ohne größere Kämpfe vor sich. Schwerere Kämpfe spielten sich nur in der Nähe des Bahnhofes und der Polizeiwache in der Chinesenstadt ab. Die Propagi truppen hatte gut vorgearbeitet, >och in der Stadt

Bei der Opposition wurden die Worte Wilders mit Beifall ausgenommen, während sie auf die Mitglieder der Regierung sichtlich den peinlichsten Eindruck machten. Der Präsident der Skupschtina unterbrach die Versammlung und verließ den Saal. Wilder wurde später vom Präsidenten der Skupschtina von den drei folgenden Sitzungen ausgeschlossen. Außenminister Peritsch stat­tete im Zusammenhang mit dem Zwischenfall dem Gesandten Bodrero einen Besuch ao.

Aus Moskau meldet die Telegraphen-Agentur der Sowjet-Union:

Der Stellvertretende Vorsitzende des Konzes­sionskomitees, Kfandrow, erklärte in einer Unter­redung mit Pressevertretern über die Lage der Mologakonzessionen:

Das Konzessionskomitee protestiert mit aller Entschiedenheit gegen die Versuche eines Teiles der deutschen Presse, die schwierige Lage der Mologa auf die angeblich allgemeine Unmöglichkeit einer Betätigung des Konzessionskapitals in der Sowjet­union zurückzuführen. Das Konzessionskomitee be­hauptet, daß die wirkliche Finanzlage der Mologa nichts zu tun hat mit den Bedingungen des Kon- zessionsoertrages, den Arbeitsbedingungen der Sowjetunion und dem Verhältnis der Sowjetregie­rung zum Konzessionär. Die Sowjetregierung hat während der ganzen Tätigkeit der letzteren eine wohlwollende Haltung eingenommen. So hat sie sämtlichen Gesuchen des Konzessionärs um Bewil­ligung einer Reihe von Vergünstigungen stattgege­ben, was es diesem ermöglichte, die Holzausbeute im abgelaufenen Wirtschaftsjahr beträchtlich zu stei­gern, sodaß seine Erzeugung einen Wert von 8 Millionen Rubel gegen 4'■ Millionen im Vorjahre erreichte. Außer Vergünstigungen wurde dem Konzessionär bedeutende finanzielle Unterstützung

innerhalb der Sowjetunion zuteil. Die Staatsbank gewährte ihm einen Kredit von 4.5 Millionen Ru­del, die Jndustriebank einen solchen von 420 000 Rudel. Daneben werden der Mologa bei Holz­verkäufen Vorschußkredite bis zu 3 Millionen Ru- bei bewilligt. Im Januar erhielt der Konzessionär von der Regierung ein Darlehen von 2.2 Millionen Rubel.

Die Hauptursache der schwierigen Lage des Konzessionärs sind die ungenügenden Mit- t e l des Konzessionärs. Im Februar beantragte dieser eine radikale Revision des Vertrages. Die Sowjetregierung, die die wirtschaftliche Bedeutung dieser Konzession in Betracht zieht, ist bereit, den Vorschlag mit dem größten Wohlwollen zu prüfen. Allein die Hauptbedingung für eine solche Revision ist, daß der Konzessionär den Beweis erbringt, daß ihm genügend finanzielle Mittel zur Verfügung stehen. Die Berufung auf U n r e n t a b i l i t ä t der Konzession entbehrt jeder Gundlage. Im verflossenen Jahre warf die Konzession einen be­trächtlichen Gewinn aus den Holzoperationen ab. Die wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine ge­winnbringende Tätigkeit des Konzessionärs be­stehen in erster Linie darin, daß die Produktion des Konzessionsunternehmens und der Absatz­markt innerhalb der Sowjetunion gesichert sind.

zahl rebitaler Propagandisten verhaftet, die die chinesische Arbeiterschaft aufzuwiegeln suchten.

Putsche und größere Aufstände hält man jedoch für ausgeschlossen. Man rechnet auch nicht damit, daß die Kanton-Regierung irgendetwas gegen die Niederlassungen unternehmen wird. Man erklärt jedoch, daß man sofort Verhandlungen mit den Mächten aus der Grundlage der Abkommen in Hankau und Kiukiang aufnehmen werde.

Mit dem Fall von Schanghai verfügt Kanton über den Haupthandelsplatz Chinas, der beson­ders als Geldfaktor in Betracht kommt. Man nimmt an, daß sich der Norden nunmehr bis zur Schantunggrenze zurückziehen wird.

mit derselben Ausdauer verfolgen dürfte, wie er, im sicheren Schutz Englands, seine Politik im östlichen Mittelmeer durchführt.

Die gereizten Serben.

Die italienische Alarmnote wegen angeblicher Rüstungen Jugoslawiens gegen Albaniens Unab­hängigkeit ist in Belgrad durch den Außenminister Peritsch in einer Rede vor der Skuptschina beant­wortet worden. Peritsch erklärte wörtlich:

„Ich betone kategorisch, daß Südslawien eine Politik des Friedens führt und an keinerlei Abenteuer denkt. Wir sind bereit, jeden Beweis unserer Friedens­politik zu geben. Ich erkläre feierlich, daß wir auch be­reit sind, eine Cnpuete diesbezüglich zuzulassen. Wir laden die Militärs und andere Sachverständige aller Länder ein, sich an Ort und Stelle davon zu über­zeugen, daß der Stand unserer nationalen Verteidigung das normale Ausmaß nicht übersteigt, und daß die Nach­richten über Vorbereitungen eines Ueberfalls auf Al­banien unwahr und tendenziös find, in der Ab­sicht erfunden, Südslawien die Schuld an eventuellen Unruhen in Albanien zuzuschreiben."

Besonders bemerkenswert waren die Stellen in der Rede des Außenministers, die sich auf die Beziehungen zu Deutschland, Frankreich und Rußland bezogen. Peritsch erklärte: Mit Deutschland sind die Beziehungen s e h r g u t. Süd­slawien wird danach trachten, diese Beziehungen noch zu vertiefen, was auch gelingen wird. Dem­nächst sollen die Verhandlungen über einen Han­delsvertrag mit Deutschland beginnen. Am 1. Ja­nuar 1928 werden alle deutschen Reparationslei­stungen, die außerhalb des Dawesplanes fallen, erledigt sein, so daß die weiteren Reparations­zahlungen zu neuen Lieferungen benutzt werden können, welche den Aufbau des Landes mächtig beschleunigen sollen. Der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund sei der bedeutsamste Schritt in der Konsolidierung Europas gewesen.

Mit Frankreich sei Südslawien in guten und in bösen Tagen durch feste und unerschütter­liche Freundschaft verknüpft gewesen, und es herr­sche volle Solidarität der Ansichten und der Inter­essen zwischen den beiden Staaten.

Die Haltung Südslawiens gegenüber Sowjet­rußland schwankt zwischen dem Wunsche, mit dem russischen Volke die alten brüderlichen Be­ziehungen wieder aufzunehmen und der Besorg­nis, ob das heutige Regime in Rußland schon tat­sächlich konsolidiert ist. Ohne sich in die inneren Angelegenheiten Rußlands irgendwie einmengen zu wollen, wird Südslawien die Entwicklung der Ereignisse in Rußland aufmerksam verfolgen und die südslawische Regierung ist überzeugt, daß das ganze Volk mit Freuden den Tag begrüßen wird, an dem die Beziehungen zu Rußland wiederher­gestellt sein werden.

Für die gereizte Stimmung der Serben gegen Italien spricht folgender

Zwischenfall.

In der ausgedehnten Debatte in der Skupschtina über das Expose Peritsch fielen wiederholt feind­selige Zwischenrufe gegen Italien. Der Abgeordnete Wilder sprang plötzlich auf und rief, gegen die Diplomatenloge gewendet, wo in der ersten Reihe General Vordrer o, der italienische Gesandte, sah:

„Der italienische Gesandte Bordrero ist noch immer hier. Hinaus mit ihm aus dem Lande, mit seiner ganzen Spionenbanbe. Der südslawische ~ sandte Baludgowtisch mußte Rom bereits verl warum sitzt Bordrero noch immer hier?"

In der E i n g e b o r e n e n st a b t sind Straßen- kämpfe zwischen Truppen und bewaffneten Zivi­listen im Gange. Es wird gemeldet, daß an ver­schiedenen Punkten Brände ausgebrochen sind. Die Südtruppen haben jetzt die Grenze der Nie­derlassung erreicht.

Auf Wunsch der Gemeindeverwaltung der in­ternationalen Niederlassung sind nun­mehr auch holländische, spanische und italienische Seesoldaten gelandet worden. In der französischen Konzession wurden ftanzösische Seesoldaten an Land gesetzt. Ferner sind 1500 amerikanische Seesoldaten mit Maschinengewehren gelandet worden. Im Nor­den der internationalen Niederlassung wurde ein gegen plündernde chinesische Soldaten vorgehender Panzerwagen unter anhaltendes Maschincngewehr-

ver Abenteurer Mussolini.

Von besonderer Seite wird uns geschrieben:

Es ist möglich, daß Mussolini nach einem guten Grund sucht, um jetzt in Albanien seine Re­gimenter aufmarschieren zu lassen und einmal die Gefühle eines großen Feldherrn zu verspüren. Man hat davon gesprochen, daß er sich bei den letzten Ratssitzungen des Genfer Völ­kerbundes von England die Zusicherung habe geben lassen, daß seine albanischen Kreise von der englischen Diplomatie nicht gestört werden wür­den. Es ist das im Augenblick aber kaum zu glau­ben, da eine solche Handlungsweise der englischen Diplomatie den schweren Vorwurf einer unglaub­lichen Leichtfertigkeit nicht würde ersparen können. Jugoslawien könnte sich ein aktives militä­risches Vorgehen Italiens in Albanien nicht ge- allen lassen, da es sich ja durch die machiavelli­stische Mussolmipolitik auf dem Balkan feit langem eingekreist fühlt. In feinem Rücken steht Frank- re i cf), dessen Hilfe es bestimmt anrufen würde, da hier ein Freundschaftsvertrag vorliegt, und sc könnte ein englisch-französischer Gegensatz akut werden, der schließlich sogar das russische Schwert scharf machen würde. Man stände vor dem Ausbruch eines europäischen Krieges, man stände vor dem Untergang Eu­ropas.

Nach den letzten Meldungen ist man in den diplomatischen Kreisen Englands und Frankreichs sehr nervös geworden und hat sich beeilt, auf tAe italienische Regierung einen Druck auszuüben, um

f‘.e oon ooretltgen Schritten zurückzuhalten. Sind diese Meldungen richtig, so wären sie ein Beweis damr, daß man in Paris und London in Musso- Itnt den ersten Unruhestifter erblickte. Die Mit­teilungen, wonach durch Deutschland der Völker­bundsrat zu einer Sondersitzung einberufen wer­den solle, um sich mit dem gefährlichen albanischen Problem zu befassen, werden dementiert.

Erklärungen.

Der jugoslawische Gesandte in London teilte der br,ttfd)en Regierung mit, daß seine Regierung friedliche Absichten hinsichtlich Albaniens hege.

Zu der italienisch-jugoslawischen Spannung teilt der amtliche englische F u n t ö i e n ft mit: In betont, daß es nicht ratsam wäre, die V o l k e r b u n dsmaschinerie ohne zwin­genden Grund in Bewegung zu fetzen, und es nnrd zum Ausdruck gebracht, daß die Angelegen­heit auf dem gewöhnlichen diplomatischen Wege erledigt werden könnte. In vielen Kreisen ist man der Auffassung, daß der Belgrader Vorschlag be­treffend eine internationale Untersuchung zweck­mäßig erscheint, und daß die Militärattaches der verschiedenen Mächte an Ort und Stelle gemein­sam die Tatsachen nachprüfen sollten.

mtb. Washington, 22. März. (Eig. Funkm.) Die italienische Botschaft erklärte der nordameri- schen Regierung» die italienische Regierung beab­sichtige nicht, den europäischen Frieden zu stören Sie plane keinerlei militärische Akti- onen.

Deutschland und der Kdria-Nonflrkt

Der ilalienische Botschafter bei Dr. Stresemann.

Der italienische Botschafter stattete Dr. Strese­mann einen Besuch ab. Wie der „Lokal-Anzeiger" hört, hat der Botschafter im Anschluß an die der Reichsregierung am Samstag überreichte ita­lienische Albaniennote dem Außenminister das an­gekündigte ausführliche Material in der Form eines Aide memoire überreicht.

Der deutsche Botschafter in Rom, v. N e u r a th, wird in Berlin erwartet.

*

Wie den Berliner Blättern mitgeteilt wird, ist von deutscher Seite keine Demarche oder sonstwie geartete. Initiative in dem albanischen ' Konflikt erfolgt. Die deutschen Verterter im Aus­land haben sich nur nach den Auffassungen

Die Verträge, die im Taumel endlichen Sieges e vor Jahren geschlossen wurden, machen sich auch | in den Siegerstaaten langsam recht u n a n g e - | nehm bemerkbar. Nachdem man sich entschlossen [ hatte, dem Riesenhunger Italiens auch noch I Fiumezu opfern (Triest mit seiner großen Flotte ■ genügte keinesfalls) und nachdem man weife einen Vorort Fiumes, Sufak, zu Jugoslawien geschlagen (auf daß zwei Häfen nebeneinander liegen), er­kannte man voll Bestürzung, daß ein Hafen ohne Hinterland nicht viel wert sei. Fiume, einst unga­rischer Exporthafen und als solcher von Ungarn modern ausgebaut, liegt tot und leer. Das kleine Susak hat fast mehr Betrieb aufzuweisen als das große Fiume.

lieber ein kleines Flüßchen führt von Susak nach Fiume eine Brücke. Sie bildet die Grenze zwi­schen zwei Ländern und zwei Häfen. Diesseits ist nicht viel Leben, jenseits ist noch weniger Leben: und der Ruf nach der Schaffung von „Hinter­land" wird laut. Den Jugoslawen aber scheint diese enge Nachbarschaft nicht zu passen; sie wollen Split, das alte Spalato, zum Haupthafen ausbauen und bieten den ungarischen Nachbarn, die sie im Grunde zum Teufel wünschen, eine Freihafenzone in diesem neu auszubauenden Hafen. Da konnte es nicht ausbleiben, daß auch Italien sein freund­schaftliches Herz für die magyarischen Notwendig­keiten entdeckte und — eine Freihafenzone in Fiume zu guten Bedingungen anbot.

Soweit wirkt das Ganze wie der Konkurrenz­handel zweier Kaufleute und erweckt den Anschein, als handle es sich um den Wettstreit zweier Häfen, die Zufuhrmöglichkeiten suchen. Dieser merkanti­len Seite steht aber eine politische gegenüber, die weit unerfreulicher, für die Weltpolitik aber auch weit wichtiger ist:

Bekanntlich hat nach dem Weltkriege Italien fast ganz Dalmatien für sich beansprucht und große Küstenteile besetzt, in denen das Militär oft un­glaublich hauste. Dem kroatischen Einspruch ge­lang die Entfernung der Truppen und die Zutei­lung Dalmatiens zu Kroatien und damit zum süd­slawischen Reich. Durch diese Umformung war Italien insofern wenig geholfen, als an die Stelle her alten österreichisch-ungarischen Adriakonferenz jetzt eine jugoslawische getreten war. So begann das stille Ringen um die Vorherrschaft in der Adria gemeinsam mit dem politischen Kampfe Italiens auf dem Balkan, den es, fern allen Völkerbunds­sorgen, im Schutze Englands bis heute führt.

Zunächst handelt es sich darum, Freunde au: dem Balkan zu schaffen; und die Mussolinische Po­litik fand den ersten Freund leicht im verschüchter­ten und verarmten Bulgarien, dessen ergebene Anfrage nach Schutz und Stütze beim Foreign Office von diesem mit großartiger Geste durch einen Hinweis auf Rom beantwortet wurde. Bes­ser Italien als nichts; und in Sofia fand man sich mit der neuen Freundschaft ab. Umso eher, als der italienisch-jugoslawische Diplomatenkrieg ge­eignet war, Bulgarien gegen Wünsche des mächtig gewordenen Belgrader Nachbarn zu schützen.

Als Italien dann der Handstreich gelang, sich Albanienso zu „verbünden", daß das Bündnis verzweifelte Aehnlichkeit mit einem Protektorat hatte, dem bald eine „Angliederung" folgen dürfte, schien es Griechenland endlich notwendig, sich etwas enger an Jugoslawien anzuschließen, ihm in öer Saloniker Hafenfrage entgegenzukommen und auch wirtschaftspolitische Zugeständnisse zu ma­chen. Ader die Athener Herren hatten die Rech­nung ohne ihren Londoner Beschützer gemacht: England winkte ab! Und es versprach goldene Zeiten, wenn man sich in Athen entschlösse, vor­läufig dem Italien-feindlichen Jugoslawien fern- zubleiben. Zwischen Einsicht und Hoffnung schwan­kend, schob Athen seine Belgrader Politik auf die berühmte „lange Bank" und wartet.

Italien ober betont, wie bitter notwendig die Adria ihm fei. Betont, wie selbstverständlich diese Forderung sei; verweist auf die italienische Kultur Dalmatiens und darauf, daß Fiume und Spalato erst zu ihrer wahren Bedeutung kämen, wenn Ita­lien sich dieser Häfen durch gemeinsame Verwal­tung beider Adria-Ufer annehmen könne. Und es bemüht sich, die Konkurrenz so scharf wie mög­lich durchzuführen, den Fremdenstrom von Dal­matien fort zu locken, seinen Schiffen Passagiere zu­zuführen. Als Dalmatien in den ersten Früh­jahrstagen von einem Erdbeben heimgesucht wurde, das die Küste nur sehr wenig berührte, benutzte man die Gelegenheit, von einem verwü­stenden Beben in Ragusa zu sprechen; wenn der Himmel in Dalmatien Regen zur Erde schickt, han­delt es sich um Wolkenbrüche, denen alle Fremden sich durch rasche Flut entzogen hätten — kurz, es gibt kein Mittelchen, das zu schlecht wäre, die „Konkurrenz" zu schädigen.

Von Albanien aus erwartet Belgrad den näch­sten Schritt Italiens, um politisch die Vorherrschaft in der Adria zu betonen. Bei der Jndustriearmut Jugoslawiens und dem nicht unbeträchtlichen Ex­port nach Italien (Holz und Vieh), haben große Kreise des Landes an einer wirtschaftlichen Stär­kung durch engere Wirtschaftsbande mit Ungarn, Oesterreich und der Tschechei Interesse; und diese Kreise sehen nicht mit Unrecht in einer solchen wirt­schaftlichen Föderation das einzig wirksame Mittel gegen den Druck, den Italien durch seine Politik in Der Adria, in Bulgarien und Albanien auf die Boikanvölker auszuüben sucht. Bedauerlich, aber hidjt erstaunlich, ist, daß die Bestrebungen dieser Kreise durch den Chauvinismus anderer so heftig bekämpft werden, daß sie vorläufig wenig Aussicht buf Erfolg haben. Wofür Herr Mussolini den Gegnern Dank wissen wird und seine Ädriapolitik

Das Ringen um die Adria

Von Dr. Julius Rud. Kaim, z. Zt. Raguja (Jugoslawien).