Anzeiger für die Skadk und den Kreis Fulda. Amtliches Krelsblakl.
Ar. 67.
Erscheint sechsmal wöchentlich, wochenbeilage: ^Illustriert» Benage" und „BuchendlStter-. Rotationsdruck und Verlag der Kuldaer Brttendruckerei bi Fulda. Fernsprecher Rr. L •x Monatlicher Bezugspreis 1,50 Mk. x
Dienstag, 22. März 1927.
«u»eiaea»Dreif«i Kleinzeil, (Lolouel) total auswärt- 0,20 JUt. Reklamezetlei lokal 1
Sieg der chinesischen Nationalisten.
Generalstreik in Zchanghei. — Der Ausnahmezustand erklärt. — Die Südtruppen in die Lhinesenstadt eingedrungen. — Die ttriegsschiffe landen Marineabteilungen.
Die Verteidigungslime der Schantung-Truppen an der Front vor SungkLang ist durchbrochen. Die Nordarmee zieht sich in der Richtung nach Schanghai zurück.
Der mit der Verteidigung von Schanghai beauftragte General der Nordtruppen Pitschutschen hat einen Bevollmächtigten an den Befehlshaber der Kantontrupprn, Hoyingtschingg gesandt, der über einen W a f f e n st i l l st a n d verhandeln soll, um einen Kampf in der Umgebung Schanghais zu vermeiden. Nach den letzten Nachrichten ist die Spitze der nationalistischen Armee nur noch 10 Meilen von Schanghai entfernt.
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wtb. Schanghai, 21. März. (Eig. Funkm.) Die Eüdtruppen sind in die Chinesen st adt von Schanghai eingedrungen. Der Kommandeur der Tschangtschau Truppen hat sich in die französische Konzession geflüchtet. Die Südtruppen haben Tschangtschau, 40 Meilen nordwestlich von Suntschau, eingenommen und dadurch die Eisenbahnlinie Schanghai—Nanking abgeschnitten.
Reuter meldet aus Schanghai: Die Polizei mutzte wiederholt gegen die in den Stratzen demon
strierende Menge vorgehen. Drei Soldaten des Pundschab-Regiments wurden durch Schüsse verwundet. Einzelheiten liegen noch nicht vor. Die Freiwilligen sind mobilisiert worden.
Der Generalstreik.
wtbSchanghai, 21. März. (Eig. Funkm.) Reuter. Heute morgen ist ein neuer Streikbefehl erlassen worden. Alles deutet darauf hin, daß er allgemein befolgt wird. Die internationale Straßenbahn hat ihren Dienst eingestellt. Die Belegschaft der Baumwollfabriken ist gefolgt. Reuter meldet weiter, daß der Streik politischen Charakter trage.
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wtb. Shanghai, 21. März. (Eig. Funkm.) Der Generalstreik hat begonnen.
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wtb. Schanghai, 21. März. (Eig. Funkm.) Der Stadtrat von Schanghai hat den Ausnahmezustand erklärt. Sämtliche auf dem Fluß liegende Kriegsschiffe haben Marineabteilungen ans Land gesetzt. Ein bei den Unruhen verwundeter Soldat ist gestorben.
Die Gesetzesvorlage zur Aufwertung.
Die Verzinsung aufgewerteter Hypotheken und ihre Umwandlung in Grundschulden.
Der Reichsjustizminister hat dem Reichstag den Entwurf eines Gesetzes über die Verzinsung auf» oewrrteter Hypotheken und ihre Umwandlung in Grundschulden zugehen lassen. Das Gesetz geht von der Grundauffassung aus, daß an den Grundzügen der Aufwertungsgesetzgebung von 1925 unbedingt festzuhalten sei.
In Wahrung dieses Grundsatzes enthält der Entwurf einige Vorschläge, die dazu bestimmt sind, unvorhergesehene Härten des geltenden Aufwertungsrechtes zu mildern, mißbräuchlicher Ausnutzung der Gesetzesvorschriften entgegenzutretsn, sowie allgemein zur Vereinfachung und Beschleunigung der Abwicklung der Aufwertung beizutragen. Im Einzelnen handelt es sich nach der amtlichen Begründung des Regierungsentwurfes bei der Regelung der erörterten Fragen um folgendes!
I. Verzinsung.
Ein unvorhersehbare Härte hat sich insbesondere bei der Verzinsung von Hypotheken herausgestellt. Nach h 28 Abs. 2 des Aufwertungsgesetzes beginnt bei Hypotheken, die infolge Aufwertung kraft Rückwirkung wieder eingetragen werden, die Verzinsung erst mit dem Beginn des auf die Wiedereinführung folgenden Kalendervierteljahres. Nach der Rechtsprechung des Reichsgerichts ist diese Vorschrift sowohl für das dingliche Recht als auch für die persönliche Forderung anzuwenden. Solange also die Wiedereintragung noch nicht erfolgt ist, erhält der Gläubiger Zinsen weder vom Eigentümer noch vom persönlichen Schuldner. Bei der Ueberlastung der Aufwertungsstellen und Grundbuchämter ist die Eintragung der Rückwirkungshypotheken in vielen Fällen erst sehr spät oder überhaupt noch nicht erfolgt und vielfach für die nächste Zeit auch noch nicht zu erwarten. Aus dieser weiten Hinausschiebung der Wiedereintragung, mit der beim Erlasse des Aufwertunqsgefetzes nicht gerechnet worden ist, ergibt sich für den betroffenen Gläubiger eine erhebliche Unbilligkeit. Die Anknüpfung des Verzinsungsbeginns an die Wiedereintragung hat weiter den Nachteil, daß einzelne Gläubiger durch arößere Geschäftsgewandtheit, durch größere Nähe ihres Wohnsitzes zum Sitze des Grundbuchamtes und durch stärkeres Drängen und «us anderen Gründen Vorteile vor anderen Gläubigern errei- chen können. Daraus ergibt sich eine Ungleich- keit im Kreise der Gläubiger wie der Schuldner, die durchaus unerwünscht ist. Der Entwurf will hier Abhilfe schaffen. Er sieht vor, daß von einem festen, und zwar zeitlich zurückliegenden Termin der Aufwertungsbctrag des dringlichen Rechtes wie der persönlichen Forderung wieder ein- getragen wird. Als Termin ist der 1. Juli 1926 gewählt. Dieser Zeitpunkt wird insofern am ehesten den Auffassungen bei Erlaß des Gesetzes entsprechen, als beim Erlasse des Aufwertungsgssetzes mit einer Hinausschiebung der Wiedereintragung bis zur Dauer eines Jahres etwa gerechnet werden konnte. Eine unbillige Belastung des Eigentümers und Schuldners ist trotz der Verpflichtung zur rückwirkenden Zinszahlung hiervon nicht zu be- sorgen. Denn einmal ist zu berücksichtigen, daß in weiten Kreisen und insbesondere auch bei einer I Anzahl höheren Gerichte vor der Klärung dieser 1
Frage durch das Reichsgericht im Oktober vorigen Jahres die Anschauung vorgeherrscht hat, daß die persönliche Forderung ohne Rücksicht auf die Wie- dereintragung vom 1. Januar 1925 an zu verzinsen war. Des weiteren haben sich, was den städtischen Grundbesitz anbelangt, die beteiligten Hausbesitzerkreise auf Aufforderung ihrer Organisationen aus freien Stücken schon im Frühjahr 1926 in weitem Umfange zu einer Verzinsung vor erfolgter Wiedereintragung verstanden. Schließlich sieht bet Entwurf im Interesse des Eigentümers und des Schuldners ausdrücklich vor, daß die Fälligkeit für die Zinsrückstände nicht sogleich eintritt, diese Zinsrückstände vielmehr auf die beiden nächsten vertragsmäßigen Zinstermine verteilt werden können. Die Bestimmung des 1. Juli 1926 als Anfangstermin für den Beginn der Verzinsung erscheint daher sowohl vom Standpunkt des Gläubigers als auch vom Standpunkt des Eigentümers und Schuldners angemessen. Der 1. Juli 1926 soll der späteste Anfangstermin für die Verzinsung sein. Soweit etwa nach der Rrchtsauffafsung der Gerichte ein früherer Zeitpunkt für den Beginn der Verzinsung in Frage kommt (zum Beispiel Hypotheken, die auf Grund eines Vorbehalts der Rechte aufgewertet werden, oder für die persönliche Forderung solcher Rückwirkungshypotheken, deren Wiedereintragung infolge der Vorschriften über den Schutz des guten Glaubens nicht erfolgen kann), behält es hierbei fein Bewenden.
Der Entwurf schließt ferner die Anlehnung an den allgemeinen Grundsatz des Art. 23 der Durchführungsverordnung zum Aufwertungsgesetze vom 29. November 1925 (Reichsgesetzbl. I S. 392) aus, daß Zinsen, die für einen früheren Zeitpunkt gezahlt sind, zurückgefordert werden können. Dem liegt die Erwägung zugrunde, daß die Zinsleistung bereits zu damaliger Zeit nach Auffassung weiter Volksschichten einer sittlichen Pflicht ober doch einer auf den Anstand zu nehmenden Rücksicht entsprach. Die Ausschließung von Rückforderungsansprüchen soll auch dann gelten, wenn die Leistung unter Vorbehalt bewirkt ist. Sind jedoch dem Eigentümer oder dem Schuldner für einen früheren Zeitraum geleistete Zinsen inzwischen vom Gläubiger zurückerstattet worden, so behält es dabei sein Bewenden.
KeinT Volksbegehren zugunsten der Wiederherstellung des Volksvermögens.
wtb. Berlin, 21. Marz. (Eig. Funkm.) Der Reichsmini st er des Innern, Herr von Keudell, hat auf Beschluß der Reichsregierung den von der Reichsarbeitsgemeinschaft der Aufwertung-Geschädigten und Mirterorganlsationen gestellten Antrags auf Zulassung eines Volksbegehrens zugunsten eines Gesetzes über die Wiederherstellung des Volksvermögens abgelehnt.
Nach der Reichsoerfassung kann über ein Abgabengesetz nur der Reichspräsident einen Volksentscheid veranlassen. Damit ist ein Volksbegehren für Abgabengesetze ausgeschlossen. Hiernach mußte der Antrag der Reichsarbeitsgemeinschaft aus Rechtsgründen abgewiesen werden.
Italiens Finanzlage.
Nach dem Ausweis des Schatzamtes in Rom nom 28. Februar weist der Staatshauhalt einen Etatsüberschuß von 237 Millionen auf, das heißt 111 Millionen mehr als in dem Voranschlag vorgesehen war. Nicht berücksichtigt sind dabei aber bte für die Verminderung des 'Banknotenumlaufs bestimmten 333 Millionen und die früher gesondert gebuchten 167 Millionen für Eiseubahnbauten. Der Ueberschuß am Ende des Rechnungsjahres 1926/27 beträgt 737 Millionen, was eine Erhöhung um 399 Millionen gegenüber dem entsprechenden Zeitraum des Rechnungsjahres 1925/26 bedeutet. Die •ingänge aus dem ordentlichen und außerordent
lichen Einnahmen überstiegen am 28. Februar die Zahlungen für ordentliche und außerordentliche Ausgaben um 938 Millionen. Der Gesamtpapiergeldumlauf ist am 28. Febryar auf 19 585 Millionen gesunken, was eine Verminderung um 175 Millionen gegenüber dem Januar 1927 bedeutet.
* Dr. Külz Reichskommissar für die Presse. Die Reichsregierung hat den demokratischen Reichstags» abgeordneten Dr. Külz, den früheren Reichsminister des Innern, zum Reichskommissar für die Internationale Presseausstellung in Köln berufen. Dr. Külz wird in der nächsten Zeit seine Tätigkeit als Reichskommissar aufnehmen.
Die tlationallibcrakn.
In Hannover hielt die Deutsche Volkspartei, die sich jetzt in aller Form als Rechtsnachfolgerin der Nationalliberalen Partei betrachtet, eine 60 Iahrfeier des deutschen Nationalliberalismus ab. Die Hauptrede hielt Außenminister Dr. Stre- semann als Vorsitzender der Deutschen Volkspartei. Stresemann bekannte sich zum neuen Deutschland, das als Folge des unglücklich verlorenen Deutschlands entstanden ist.
Wir alle, die wir das alte Deutschland kannten und in dem neuen Deutschland leben, sind, um ein Wort von Walter Flex zu variieren, Wanderer zwischen zwei politischen Welten. Für uns gilt das Wort eines Parteifreund von dem alten Deutschland, das wir lie- b e n und dem neuen Deutschland, für das wir leb en. Wir werden uns dem Ruf, an unferm Staat im republikanischen Deutschland mitzuarbeiten, nie versagen, und werden lieber Unpopularität in gewissen Zeiten auf uns nehmen, als billige Agitationspolitik treiben. Aber wer mitarbeitet, der fei sich klar darüber, daß wir weder den nationalen noch den liberalen Gedanken jemals auf» geben werden, daß wir vielmehr wirken und weben dafür, daß der Liberalismus gerade in der Gegenwart das Trennende überwindet und die gemeinsame Kulturauffassung zur Geltung bringt. Wir lassen uns nicht einspannen in das enge Bett der parteipolitischen Schlagworte. Wir sind keine Rechtspartei und wir sind keine Linkspartei, sondern gehen selbständig unfern Weg aufgrund felbftgemonnener Erkenntnis, und unser Fühlen und Denken bleibt die natio- nalliberale Gedankenwelt unserer V ä - ter. .
Wir neigen uns in Ehrsurcht vor den Männern, die einst in dem schwarz-rot-goldenen Bande der Burschenschaft zuerst die Gedanken von Einheit und Freiheit verkündeten, als engherziger Fürsten- geift es nicht zur Einheit Deutschlands kommen ließ. Wir wissen, daß Staatskunst, verbunden mit militärischen Siegen, den Freiheitstraum der Deutschen erfüllte, daß die Nationalliberale Partei ihre Entstehundg Bismarck verdankt, weil sie ihm folgte, vorahnend, daß sie der Vollender fein werde feiner Ideen. Aber wir begrüßen auch in Ehrfurcht die Männer der Paulskirche, die die Vorarbeit für die Einigung Deutschlands getan haben, und die in ihrem Idealismus dem Tage des 18. Januar 1871 vorgeleuchtet haben, als es in andern Hirnen noch dunkel war. Immer war Deutschland am größten, wenn es kämpfen muhte um seine bessere Zukunft. Der großen Periode der Kämpfe um das Ideal der deutschen Einheit folgte die große Zeit der Ausgestaltung des Reiches. Ihr folgte
eine Saturiertheit und ein Abstieg von der Zeit Wilhelms II. Vielleicht war uns diese Prüfung auferlegt, um vor der Welt zu zeigen, daß wir doch die Kräfte in uns haben, wieder zu einer besseren Zukunft aufzustei- gen. Geschichtlich gesehen, wird man einst bewundern, was das deutsche Volk nach tiefstem Fall in wenigen Jahren für seine innere Konsolidierung geleistet hat. Wir wissen, daß der Wiederaufbau nicht von einer Partei geleistet werden kann. Wir lehnen es ab, das deutsche Volk zu zerreißen in angeblich nationale und nichtnationale Kreise. N a t i o n al ist für uns, wer seine Pflicht tut gegen sein Land. Möge die Zeit kommen, in der ein großes Volk, einig in seinen Stämmen, sich verbindet in Mitarbeit am deutschen Volkstum, in dem Bekenntnis zur Einigkeit und Recht und Freiheit!
Der Zentralvorstand der Deutschen Volkspartei beschloß auf der Tagung in Hannover eine Kundgebung, worin es heißt:
Der Zentralvorstand der Deutschen Volkspartei, zur Feier des 60jährigen Bestehens der Nationalliberalen Partei, in Hannover versammelt, bekennt sich an diesem Tage erneut zu den a l t e n Z i e l en und Bestrebungen des deutschen nationalen Liberalismus. Die Deutsche Volkspartei ist durch den Beschluß des Zentralvorstandes der Rationalliberalen Partei vom 15. Dezember 1918 die Fortsetzung der Nationalliberalen Partei geworden. Deshalb wünscht die Deutsche Volkspartei zu bekunden, daß die unzerstörbaren Ideale nationalen und liberalen Denkens und Wollens in ihr fortleben und die Grundlage ihrer Bestrebungen sind und sein werden. . . Unverrückbar ist und bleibt die liberale Grundeinstellung der Partei. Was Deutschland an materiellen Kräften verlor, muß es auf geistigem Gebiet umso mehr wieder zu gewinnen suchen. Ein solcher geistiger Wiederaufstieg wäre unvereinbar mit Einschränkung der Wissenschaft oder mit beherrschenden Einflüssen nicht st aatlicher Kreise. Auf dem Gebiete der Entfaltung der geistigen Kräfte innerhalb des christlichen Erziehungs- und Bildungs- ideals wird sie das hohe Gut des liberalen Gedankens, der Duldsamkeit gegenüber andern Gesinnungen, als ihre Aufgabe bewahren und neben dem Willen der Eltern Hüterin der Freiheit der Lehrerpersönlichkeit und der H o h e i t s r e ch t e des Staates sein. Die Freiheit der Persönlichkeit wird sic als ein ganz besonderes Gut schätzen gerade in einer Zeit, in der Massenwillen und
Dre italienisch-jugoslavische Spannung.
Nachdem schon in den offiziösen Zeitungen Mussolinis auf angebliche Rüstungen Groß-Ser- biens an der albanischen Grenze hingewiesen worden war, worüber wir bereits berichteten, hat die italienische Regierung auch an England und andere Regierungen in einer amtlichen Note mitgeteilt, sie habe Informationen erhalten, daß auf jugoslawischem Gebiet Vorbereitungen in gewaltigem Maßstab für einen Einbruch in Albanien gemacht würden, um die albanische Regierung zu stürzen. Italien habe vor kurzem den Vertrag von Tirana mit der Regierung der albanischen Republik abgeschlossen und es verlaute, daß die italienische Regierung gegenüber dem Schicksal dieser Regierung nicht gleichgültig bleiben werde.
Au in Berlin hat die italienische Regierung darauf hingewiesen, daß nach ihren Beobachtun- gen in Jugoslawien starke militärische Vorbereitungen mit Bezug auf Albanien getroffen würden. Die italienische Regierung beabsichtige nicht, hsicrauf mit militärischen Gegenmaßnahmen zu antworten. Sie werde aber der deutschen Regierung ebenso wie den übrigen am Balkan interessierten Mächten zur Entkräftigung der im Zusammenhang mit diesen Rüstungen' aegen Italien eingeleiteten Kapagne alsbald ausführliches Material vorlegen, das die tatsächliche Lage aufkläre.
Von jugoslawischer Seite werden die Mitteilungen der italienischen Presse über angebliche kriegerische Vorbereitungen in Belgrad, wie vorauszusehen war, dementiert.
Der Schleier, der monatelang über dem Hintergrund der Mussolini-Chamberlain- Freundschaft lag, beginnt sich jetzt zu lüften. Auf die Genfer Ankündigung der englischen Ratifikation des Bessarabien-Vertrages folgt jetzt die Gegengabe. Die „Times" hatten bereits am Montag in einem auffallenden Leitartikel eine scharfe Warnung an Jugoslawien gerichtet, die in der jugoslawischen Presse außerordentlich unfreundlich ausgenommen worden war. Die französische Außenpolitik verfolgt mit lebhafter Beunruhigung die Entwicklung auf dem Balkan. Man hat keinen Zweifel in Paris, daß Italien dieses Land zum Ausgangspunkt feiner Balkanpolitik machen will. Man erwartet mit lebhaftem Interesse die Beschlüsse der einzuberufenden Außenminister-Konferenz der Kleinen Entente.
Die Belgrader „Politico" erfährt aus Sofia, daß die bulgarische Regierung seit einiger Zeit mit Italien über einen Geheimvertrag verhandele. Angeblich seien die Besprechungen bereits sehr vorgeschritten, doch hätten sich in einigen Punkten Schwierigkeiten ergeben.
In der englischen Presse finden die italienischen Meldungen über angebliche Mobilisierungsmaßnahmen in Jugoslawien große Beachtung.
Ein Berichterstatter der „Times" in Albanien schreibt: Bei einem Einfall von Komitatschibanden nach Albanien würde der Vertrag von Tirana in Wirksamkeit treten und italienische Hilse würde den albanischen Widerstand stärken. Es erübrige sich, die ärgsten Möglichkeiten einer solchen Lage hervorzuheben.
„Westminster Gazette" schreibt, die in London eingetroffenen italienischen Berichte über eine un
gewöhnliche jugoslawische Tätigkeit an der albanischen Grenze seien besonders beunruhigend, da sie amtlich in Rom inspiriert zu sein scheinen.
Serbiens Kriegsbereitschaft.
Der Römische „Secolo" meldet aus Belgrad, die südslawische Regierung habe von der Kämmer außerordentliche Vollmachten verlangt, und die Er- ledigung des Kriegsbudgets auf dringlichem Wege gefordert, das eine fünffache Erhöhung gegen bis» her -edeute. Da die Opposition Schwierigkeiten machte, habe ein Ministerrat einige kleine Abstriche vorgenommen, um die schleunige Erledigung der Budgets zu ermöglichen. Die Kammer halte drei Sitzungen am Tage ab. Es sei auf die Bildung einer nationalen Konzentrationsregierung in Vorbereitung, der auch die beiden nationalistischen Führer Priitschewisw und Davidowitsch ange- hören sollen, die einander nicht mehr bekämpften, und nun angeblich vor der Versöhnung stehen.
Belgrad ruft den Völkerbund an?
wtb. Paris, 21. Mürz. (Eig. Funkm.) Die Agentur Havas berichtet: Gestern hat Botschafter von Hoesch mit dem Generalsekretär im Außenministerium, Berkhelot, in Abwesenheit Briands darüber verhandelt, ob angesichts der italienisch- serbischen Spannung bie (Einberufung des Völkerbundsrates erforderlich sei. Briano wird heute nach Paris zurückkehren und den italienischen Botschafter empfangen. Es hat auch ein lehafter Meinungsaustausch zwischen den Großmächten im Verlaufe des gestrigen Tages stattge- funden. Die jugslawische Regierung hat sich in Genf bereit erklärt, sich einer Enquete des alliierten Militär-Attachß zu unterwerfen, die genau prüfen könnte, was an militärischen Vorbereitungen an der albanisch-serbischen Grenze vorgenommen werde. Nach dem „Journal" soll jedoch die Belgrader Regierung beschlossen haben, die Angelegenheit dem Völkerbund zu unterbreiten. Das Blatt ist der Ansicht, daß die Probe» die der Völkerbund in diesem Falle zu bestehen haben würde, ernster fei als angesichts des griechisch-bulgarischen Konflikts.
Die russische Note an Italien.
Zu der von Sowjet-Rußland an Italien gerichteten Note wegen der Ratifizierung des Bessara- bischen Abkommens teilt „Giornale d'Jtalia" Einzelheiten mit. Das Blatt will wissen, daß die Note in milder Form gehalten sei und nicht einen alarmierenden, sondern einen fast rein juristischen Charakter habe. Sie mache auch Italien nicht den Vorwurf, daß es sich von einer anderen Macht habe leiten lassen. Der russische Protest sei rein formaler Natur und sei vorsichtig gehalten. Die Note enthalte keine besonderen Vorbehalte. Die russischen Regierungskreise hätten es verstanden, daß die italienische Ratifizierung ein Akt internationaler Korrektheit und der Ausdruck normaler Herzlichkeit gegenüber einem befreundeten Staate gewesen sei, ohne rußlandfeindliche Ziele zu verfolgen. Das bestimmende Verhältnis zwischen Rußland und Italien würde durch diese Protestnote nicht geändert, wie auch die letzten politischen Vorgänge dieses Verhältnis nicht verschlechtert hätten.