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Anzeiger für die Sfaht und den kreis Aulda. Amiliches Lreisblakt.
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Zum Ergebnis von Genf.
Neber das Ergebnis der Tagung des Völkerbundsrates hinsichtlich der Saarfrage schreibt die „Deutsche Diplomatische Korrespondenz" aus Genf u. a.:
Das Kompromiß wurde deutscherseits vollzogen unter dem Gesichtspunkte der doch recht ansehnlichen, auch in dieser Frage erreichten Erfolge, nicht ganz, wie gewünscht, aber in einer Reihe, von Punkten wesentlich verbessert unb au gun- sten der Saarwünsche interpretiert gegenüber de^ Fassung des dem Rate zunächst vorliegenden Vorschlages, der sa auch bereits ein Kompromiß dar- ftetlt an dessen Gestaltung deutsche Interessen» nähme nicht ganz unbeteiligt war. Mit der Unterstellung der Bahnschutztruppe unter den ausschließlichen Befehl der Regierungskommission des Saargebirtes würde selbst für den Fall, daß die Angehörigen dieser Truppe aus den gleichen Individuen bestehen, die früher als militärische Truppe km Gebiete aufgetreten waren, die militärische Oberhoheit über die Angehörigen des Bahnschutzes entfallen. Die militärische Gewalt als solche hat damit wiedereine Etappe aufge- geben. Man hat sich auf deutscher Seite davon überzeugen lassen, daß eine individuelle Rekrutierung für den vorliegenden Zweck unmöglich wäre, daß vielmehr die Gefahr der Ausstellung einer undisziplinierten Waffe entstände, für die letzten Endes der Völkerbund die Verantwortung zu tragen hätte. Hierbei muß man noch ganz abfehen von dem Zeitverlust, den ein solches Verfahren für die Aufftellung und damit auch für die Entfernung der französischen Truppen aus dem Saargebiet bedeuten würde. Was die Zahl anbelangt, io ist ebenfalls ein Bestehen auf eine niedrigere Ziffer, nachdem Gewähr dafür geleistet schien, daß sich dir Regierungskommission der ihr anheimgestellten Herabsetzung der Zahl im deutschen Sinne nicht entziehen würde, nicht mehr zu verantworten gewesen. Ohne Unterschätzung des deutscherseits bekundeten Entgegenkommens darf daher die Schlußsitzung als ein b e f r i e d i g e n d e s, jedenfalls als ein politisch tragbares Ergebnis festgestellt werden. Das sind sehr wichtige Ereignisse, die eine Entwicklung der deutschen Politik voraus- sehen lassen, die die französische öffentliche Meinung stark beeinflufsen wird. Großbritannien und Frankreich werden die Irrtümer der letzten Jahre bezahlen müssen. Großbritannien hat zwei schwere Fehler begangen. Es hat den Sowjets eine politische Autorität gegeben, die diese niemals hätten erlangen dürfen und es hat Deutschland zu rasch emporkommen lassen, um die Spuren seiner Niederlage beharrlich zu beseitigen. Frankreich hat diese Politik angenommen, und schließlich daran mitgearbeitet. So finden England und Frankreich Sow- setrußland und Deutschland vor. vereinigt durch Abkommen und entschlossen, die Macht zur Geltung zu bringen, die ihre Einigung darftellt. Wäre deshalb nicht die Stunde gekommen, so fährt das Blatt fort, eine französische Entente wieder aufzubauen und könnten die Bedenken Chamberlains über die kommunistische Gefahr hierzu nicht eine Handhabe bieten?
was Paris sagt.
Während der „Temps" als das Ergebnis der Tagung des Dölkerbundsrates ein zu billigendes Kompromiß in der Saarfrage und eine Entspannung in den deutsch-polnischen Beziehungen fest- stellt, wirft das „Journal des Dubais" Fragen von weitgehender Bedeutung auf. Für die öffentliche Meinung in Frankreich, so schreibt das Blatt, liegt das Interesse an der letzten Tagung bei den in Genf verhandelten Angelegenheiten, als in den politischen Absichten, die Dr. Stresemann kundgegeben hat. Dr. Stresemann hat sich als ein Mann gezeigt, der eine Rolle bei den diplomatischen Ereignissen spielen und Leitsätze vorschlagen will. Seine Rede vor den Vertretern der internationalen Presse hat klar zum Ausdruck gebracht, welche Stellung er einzunehmen gedenkt. In dem Au- Anblick, in dem Chamberlain die bolschewisttsche Gefahr aufzeigt und sich in diskreter Weise er» rundet, welchen Beistand er finden könne, fürchtet t>cb Deutschland nicht, seinen Wunsch kundzugeben, Gu,te, ®e3lef)un9en zu den Sowjets zu unterhalten. Andererseits kündigt Deutschland in ‘>e!n, Augenblick in dem Frankreich ein Militär» gejetz diskutiert, das besagt, daß noch mehrere Jahre notig sinh, um bie französische Grenzverter- bigung zu organisieren an, daß es sehr bald dir Beendigung der Rhetnlandbesetzung fordern werde
Die saarländischen Sozialdemokraten zum Genfer Kompromiß.
Die Sozialdemokratische Partei des Saargebiets hat auf ihrem in Saarbrücken am Sonntag abgehaltenen Parteitag eine Entschließung angenommen, in der sie erklärt, das in Genf abgeschlossene Kompromiß könne nur als eine Etappe angesehen werden auf dem Wege zu einer weiteren deutsch-französischen Verständigung und damit zu dem Ziele der endgültigen Rückführung des Saargebiets an Deutschland.
6us der tiroler Wahlbewegung.
Aus Innsbruck wird gemeldet: Der Parteitag der Großdeutschen Volkspart ei T i- r o l s hat beschlossen, mit den C h r i stl i ch - So z ia- e» über die Aufstellung einer Einheitsliste lnr die Nationalratswahlen weiter zu verhandeln. Weiter hat der Parteitag beschlossen, mit den tiroler .Nationalsozialisten eine Einheitsfront für rue Nationalrats und die Innsbrucker Gemeinde- mtsroablen.au bilden.
Der volkttrauertag.
Am Sonntag gedachte das. deutsche Volk in wehmutsvoller, dankbarer Erinnerung der Millionen Opfer des Weltkrieges. Halbstock gehißte Flaggen auf amtlichen Gebäuden und zahlreichen Privathäusern zeigten schon äußerlich den Anlaß der Feier. Im Mittelpunkt der sieben großen Berliner Veranstaltungen des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge stand die Feier im Reichstag, zu der Reichspräsident v. Hindenburg in Begleitung von Staatssekretär Meißner erschienen war, und an der die in Berlin weilenden Mitglieder des Reichskabinetts, der preußische Ministerpräsident Braun, der Chef der Heeresleitung, General Haye und der Chef der Marineleitung Admiral Zenker teilnahmen. Der Präsident des Volksbundes, Pfarrer S i e m e l, feierte in seiner Gedenkrede den Volkstrauertag als den Tag, an dem wir alles vergessen sollen, was uns drückt und hetzt, und sprach zum Schluß die Hoffnung aus, daß der Volkstrauertag, den man als den Verföh- n u n g s t a g des ganzen deutschen Volkes bezeichnen könnte, nun bald zum gesetzlichen Feiertag werde. Mit dem Spiel „Ich hatt' einen Kameraden", einem Schlußwort des Präsidenten Siems und dem gemeinsamen Gesang der ersten Strophe des Deutschlandliedes schloß die ernste Feier, die bei allen Teilnehmern einen ernsten Eindruck hinterließ.
Auf dem Platz vor dem Reichstagsgebäude schritt der Reichspräsident, der beim Erscheinen wiederum mit brausenden Hoch- und Hurrarufen begrüßt wurde, die FrontderEhrenkompa- n i e ab, worauf er mit Staatssekretär Meißner sich im Kraftwagen in sein Palais zurückbegab.
polen.
Der polnische Staatshaushalt vom Senat angenommen.
Der Senat in Warschau hat den Staatshaushaltsplan für 1927 mit wesentlichen Aenderungen gegenüber den Beschlüßen des Sejm angenommen.
Erwerbslosenkundgebungen in Marschau.
In Warschau kam es an mehreren Punkten der Stadt zu Zusammenrottungen von Erwerbslosen. Polizei zu Pferds und zu Fuß zerstreute die Demonstranten, ohne von der Waffe Gebrauch zu machen. Einige Personen wurden verhaftet. Ursache der Kundgebungen war die Ankündigung des Magistrats, 1600 in öffentlichen Arbeiten Beschäftigten zu entlasten.
vom valkan.
Wiedereintritt der kroatischen Bauernpartei in dir südslawische Regierung?
In Belgrader und Agramer politischen Kreisen verlautet, daß Verhandlungen zwischen Usuno- witsch und der Kroatischen Bauernpartei wegen ihres Wiedereintritts in die Regieruna schweben. Die Partei des radikalen Ministers Mas- finowitsch, gegen den die Raditsch-Partei bekanntlich eine von der Skuptschina abgrlehnte Ministeranklaae eingebracht hatte, legt nach den letzten Informationen einer Zusammenarbeit zwischen den Radikalen und der Raditsch-Partei kein Hindernis mehr in den Weg. Die Raditsch- Partei würde einen eigenen Unterstaats- s e k r e t ä r im Ministerium des Innern erhalten, der bezüglich Kroatiens vollkommen freie Hand hätte. - 1 'f 4"J
In einem Interview mit Agramer Journalisten erklärte R! a d i t f ch. die Vervollständigung der neuen Regierung fei nur mehr eine Form a l i- t ä t. Außerdem sagte Raditsch Südslawien müsse für seine Außenpolitik die englische Orientierung wählen, gleichzeitig aber mit Rußland korrekte Beziehungen unterhalten.
von den Handelsverträgen.
Am Samstag nachmittag haben die deutsche und die franzsische Wirtschaftsdelegation in Paris eine Vollsitzung abgehalten. Nachdem eine Einigung über die Grundlage des endgültigen Handelsvertrags erzielt war, haben dir beiden Delegationen die Verhandlungen über gewisse Abänderungen des zur Zeit in Kraft befindlichen vorläufigen Abkommens fortgesetzt.
* Das dänische Königspaar beim französischen Präsidenten. Der Präsident der französischen Republik hat zu Ehren des in Paris weilenden dänischen Königspaares ein Frühstück gegeben.
Nord-Amerika und Mexiko.
Aus Mexiko wird gemeldet:
Der mexikanische Botschafter in Washington, Tellez, teilte nach der Konferenz, die er mit Calles hatte, mit, daß er sofort nach Washington zurückkehren würde, um seine Amtsgeschäfte als Botfchaf- ter wieder aufzunehmen. Seinerzeit waren Gerüchte verbreitet gewesen, das Staatsdepartement in Washington habe Abberufung Tellez' verlangt.
Uruguay und die requierlen deutschen Schiffe.
Die Regierung von Uruguay hat dem Agenten der Firma Holder Brothers in New Pork die früher Deutschland im Kriege requirierten Schiffe übergeben. Man nimmt an, daß die Schiffe, auf die England Anspruch erhebt, auf Ersuchen der britischen Regierung verkauft und der Erlös dafür au: das deutsche Reparationskonto gutgeschrieben werden wird.
Die französische Militärreform.
Die französischen Militärreformpläne, deren erster Teil, welcher die Rekrutierungsfrage regelt, bereits eine überraschend große Mehrheit in der französischen Kammer gefunden hat, werden in der Welt außerordentlich stark beachtet. Diese Reformpläne sind nicht etwa erst in den letzten Monaten gefaht worden, sondern gehen bereits auf eine Vorbereitungszeit von mindestens vier Jahren zurück. Außer dem Rekruticrungsgcsetz enthält die Reform ein Gesetz über die Kaders und Effektivbestände, die die Grundlage für die Mobilisierung der gesamten französischen Nation bilden. Sie bringen eine Erweiterung der französischen Militärdienstpflicht, die auf der anderen Seite durch die Herabsetzung der Dienstzeit auf ein Jahr finanziell erleichtert wird. Man hat für die Ausführung des neuen Mobilisationsplanesund die entsprechende Umgruppierung der Armee einen Zeitraum von achtzehn Monaten vorgesehen. Auch die Hinaufsetzung des dienstpflichtigen Alters von 20 auf 21 Jahre, die beabsichtigt ist, wird sich auf einen längeren Zeittaum, hier drei Jahre, verteilen. Der Mobilisierungsplan beruht auf dem Grundgedanken, daß sich die Truppe künftig völlig selbst auf Kriegsfuß bringen muß, wozu bestimmte Mobilisationszentren eingerichtet werden. Ihnen liegt die organisatorische Vorarbeit des Mobilisierungsvorganges ob, wie auch die Ausrüstung und Erneuerung der Reserven.
Das ganze Land ist in 20 Militärbezirke eingeteilt, von denen jeder eine Friedensdivision enthält. Nach dem Mobilisierungsplan wird die Anzahl der Berufsmilitärs, d. h. der Militärpersonen, die sich über die gesetzliche Zeit hinaus zum Heeresdienst verpflichten, von 76 000 auf 105000 erhöht. Dazu kommen 15 000 neue Militärbeamte und 14 000 neue Zivilbeamte, denen die Aufgabe zuerteilt wird, die Derwaltungsarbeiten und Jnstandsetzungsarbeiten beim Heere vorzunehmen. Die Zahl der zur Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit notwendigen Gendarmerietruppe wird erhöht, und zwar im ganzen auf 15000 Mann, die stärker als bisher militärisch organisiert werden soll. Der Effektivbestand der französischen Armee bettägt nach dem neuen Plane ein festes Kontingent von 240 000 Mann, das alle Jahre erneuert wird. Dazu kommen die 105 000 Mann Berufsmilitärs und die erwähnten Militär- und Zivilbeamten und die Gendarmerie. Die Kolonialarmce ist von der Heimatsarmee scharf geschieden, sie allein ist für Operationen außerhalb des Mutterlandes vorgesehen und hat eine eigene Organisation. Ihre Größe bettägt 80000 Mann.
Abgesehen von der Herabsetzung der Dienstzeit besteht das Wesentliche der neuen Reform in dem Mo bilisierungssystem. Das ganze waffenfähige Frankreich soll im Notfälle kriegsfähig sein. Innerhalb der Mobilisierungskader von 105 000 Berufssoldaten, die sich, wie gesagt, auf 20 Bezirke verteilen, werden alle waffenfähigen jungen Leute vom 21. Lebensjahre an ein Jahr lang militärisch ausgebildet. Die einzelnen Verbände sind dann so organisiert, daß in die Rekruten ausgebildete Berufssoldaten und Berufsoffiziere von einem Militärbezirk in den anderen sollen nicht stattfinden, sodaß der für einen Krieg mobilisierte Reservist seine alten Ausbildungsoffiziere wieder- findet. Die Gesamtdienstpflicht des französischen Bürgers stellt sich auf 28 Jahre, auf ein Jahr aktiver Dienstzeit, drei Jahre Bereitschaft, 16 Jahre erste Reserve und acht Jahre zweite Reserve. Die Einziehung der Rekruten erfolgt in zwei Teilen, und zwar im Mai und im November eines jeden Jahres. Der Reservist wird dreimal zu Nach- Übungen eingezogen und zwar jedesmal für drei Wochen. Für die Reserveoffiziere ist eine längere Uebungszeit vorgesehen. Der bisherige Ausbildungsweg des Reserveoffiziers bleibt unangetastet, er macht sechs Monate Dienst in seiner tspezial- schule und sechs Monate in seiner Truppe.
Das sind im großen und ganzen die Grundzüge der neuen französischen Militärreform, die ohne Zweifel in ihrer Gesamtheit recht bald Gesetz werden wird. Es ist bemerkenswert, daß sie sowohl auf der rechten wie auf der linken Seite der Kammer Zustimmung gefunden hat. Rechts gefällt die Gesamtmobllmachung des Volkes, links die Herabsetzung der Dienstzeit. Der sozia- listische Abgeordnete Boncour glaubt aber, daß die Militärreform auch deshalb begrüßt werden muß, weil die Herbekholung des gesamten Volkes zur Dienstpflicht nicht nur den bisherigen kastenmäßigen Charatter der französischen Armee beseittgen, sondern sie auch „pazisizieren" müsse. Darin ist unbedingt etwas richtiges, wenn auch nicht ab- geleugnet werden kann, daß der alte, gefährliche Grundsatz: „Wenn du den Frieden willst, so sei zum Kriege gerüstet" für die französischen Militärs kaum der ausschlaggebende Grund für die Bewaffnung der Gesamtnation gewesen sein wird. Der Berufssoldat hat eben seinen Lebenszweck verloren, wenn er auf Abrüstungsideen sich einläßt. Aber der militaristische Charakter einer Armee muß doch Nachlassen, wenn ein ganzes Volk ohne Ausnahme sich stündlich vor den Krieg gestellt sieht. Die Masse des Volkes ist, wenn sie nicht gereizt wird, immer friedliebend. Trotzdem bleibt bestehen die Tatsache,' daß der Kern der französischen Armee durch Berufssoldaten gebildet wird, die ihren Einfluß auf die französische Politik nicht aufgeben werden.
Merkwürdigerweise hat der Hinweis auf die Heeresverhältnisse in Deutschland bei der öffentlichen Aussprache in Frankreich über die Militärreform hin und wieder eine Rolle gespielt. Man glaubt in Frankreich, daß die deutsche Reichswehr dieselbe Aufgabe zu besorgen habe, wie sie die 105 000 Berufssoldaten in Frankreich spielen sollen, nämlich den Grundstock für große Mobilisierungsreserven zu bilden. Nach dem Versailler Friedensvertrag ist es der deutschen Reichswehr
Die Drei-MSchte-llonferenz.
Aus Washington wird gemeldet: Unmittelbar nachdem der japanische Botschafter in Washington das Staatsdepartement von der Annahme des Vorschlages einer Drei-Mächte-Konferenz durch die j a- panische Regierung Mitteilung gemacht hatte, wurden im Staatspartement dir formellen Einladungen fertiggestellt, die dem britischen und dem s a pa n i s ch e n Botschafter übersandt wurden. In der Einladung ist vorgesehen daß die Delegierten in Genf zu einem möglichst frühen Termin nach dem 1. Juni zusammentreten. Das Staatsdepartement hat keine Schritte unternommen, um Frankreich und Italien zur Entsendung von Beobachtern einzuladen. Es wird jedoch als wahrscheinlich betrachtet, daß durch Vermittlung der amerikanischen Botschafter in Paris und Rom insofern eine Ausstellung der Einladung erfolgt, als die französische und italienische Regierung informativ von dem Wortlaut der an England und Japan ergangenen Einladungen in Kenntnis ge- • setzt werden.
* Urteil im Disziplinarverfahren gegen köl- ling und Hofsmann. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst meldet, hat in dem Disziplinarverfahren gegen Landgerichtsrat K ö l l i n g und Landgerichtsdirektor Hoffmann der Disziplinarsenar in Naumburg nach mehrtätiger Verhandlung gegen Kölling auf einen Verweis erkannt und gegen Hoffmann auf Versetzung in ein anderes Richteramt vom gleichen Range sowie eine Geldstrafe von 200 Rm. Die Amtssuspension gegen Hoffmann in aufrecht erhalten worden. Wie verlautet, will Landgerichtsdirektor Hoffmann Berufung einlegen,
* Primo de Rivera über die Tangerverhandlungen. Aus Madrid wird gemeldet: In einem Kabinettsrat machte der Ministerpräsident Mitteilungen von sehr befriedigenden Meldungen, die vom Oberkommissar in Marokko über die Sage in der spanischen Protektoratszone eingegangen waren. Alsdann hob Primo de Rivera hervor, daß sich die Vorbesprechungen in Paris über die Tangerfrage in einer absolut freundschaftlichen Atmosphäre entwickelten.
* Verurteilung italienischer kommunistischer Kuriere. In Rom erfolgte nach zweitägiger Ver- hondttmg- das Urteil im Prozeß gegen 41 söge- nannte kommunistische Kuriere durch das Sondergericht, das Gefängnisstrafen gegen sämtliche Angeklagten je nach der Person und den Grad ihrer Schuld von 2 bis 14 Monaten Gefängnis verhängte.
* Der Gesundheitszustand des Königs von Spanien. Aus Madrid wird gemeldet: Die auswärts verbreiteten Nachrichten von einer Verschlimmerung des Befindens des Königs von Spanien, der an Lungenentzündung erkrankt ist, werden als jeder Grundlage entbehrend bezeichnet. Das Bulletin der Aerzte verzeichnet im Gegenteil eine Besserung des Gesundheitszustandes. In sechs dis acht Tagen wird nach Ansicht der Aerzte der König vollständig wiederhergestellt sein.
* Kerenski von einer Frau geohrseigt. (Eig. Funkm.). Als Kerenski in New Bork bei einer Feier aus Anlaß des 10. Jahrestages der russischen Märzrevolution in einer Massenversammlung eine Rede gegen die Sowjetregierung hielt, wurde er von der Braut eines zaristischen Offiziers, die Kerenski vorwarf, am Tode ihres Verlobten schuld zu fein, geohrseigt. Die Versammlung verlief stürmisch.
China.
Wie die Agentur Jndo Pacific berichtet, sind zahlreiche Emigranten der Provinzen Schantung und Tschlei während der letzten Wochen in der Mandschurei eingetroffen.
Reuter meldet aus Hankau, es verlaute, daß die diplomatische Fühlungnahme zwischen der b r itt s ch e n Regierung und der nationalistischen Regierung, die seinerzeit durch eine Zusammenkunft des britischen Gesandten in Peking mit Dr. Tschen hergestellt wurde, aufrechterhalten wird dadurch daß ein Mitglied der britischen Gesandtschaft in Hankau seinen Aufenthalt nehmen und der britische Gesandte Lampson von Zeit zur Zeit Hankau einen Besuch abstatten werde.
Aus Schanghai meldet Reuter, in der Chinesenstadt herrsche infolge der Ausschreitungen von Schantungtruppen gegen chinesische Kaufleute große Entrü st ung. Die Haltung der Soldaten trage viel dazu bei, daß die chinesischen Kaufleute in Schanghai sich der Sache der Nationalister zuwenden.
Der Fall Borodin.
Aus Hankau wird gemeldet: Der russische Rat- geber der nationalistischen Regierung, Borodin, erklärt, es fei unwahr, daß er irgendeine britische britische Behörde ersucht habe, zugunsten seiner Frau zu intervenieren.
verboten, eine solche Rolle zu spielen. Es können nicht alljährlich oder alle halben Jahre Hunderttausend von jungen Leuten zur Ausbildung in die Reichswehr einberufen werden. Das wird allerdings nicht geleugnet werden können, daß die 12jährige Dienstzeit unserer Reichswehrsoldaten sic zu hervorragend geschulten Militärs machen muß, die, theoretisch gesehen, die Rolle von Unteroffizieren übernehmen tonnten. Eine solche Auswirkung des deutschen Söldnersystems haben wahrscheinlich die Urheber des Versailler Friedensdiktates nicht klar vorausgesehen. Die Bedeutung eines Söldnerheeres für einen künftigen Krieg würde allerdings noch wachsen, wenn die neue Theorie richtig ist, daß ein neuer Krieg nur von verhältnismäßig wenigen technischen Genietruppen bestritten werden sollte.