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Nr. 60.
Anzeiger für die Stadt und den kreis Fulda.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilage: .Lllustrierle Beilage" und „BuchendlStterE Rotationsdruck und Verlag der Ruitkitt Actiendruckerei In Fulda. Fernsprecher Nr. 9. •x Monatlicher Bezugspreis 1.50 Ml x
Sonntag, 13. März 1927.
Amtliches krelsblatt.
Anzeigen.Prets«, Älelitgtilt <Lolonel) lokal 0,16 JEX. «uSwärt« 0,20 JÜL Reklame,et,-i lokal O.öC JEX, auswärts 0,80 JEX. Bei Wiederholungen kefcett x Postscheckkonto Franksurt a. MNr «05L X
Wahrst. ^4.
Aufwertung, Arbeitszeit mb Finanzausgleich.
Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, wird der vom Reichsjustizminister angekündiqte Gesetzentwurf zur Aufwertungsfrage in den ersten Tagen der nächsten Woche den Reichsrat beschäftigen und dann am Freitag im Rechtsausschuß des Reichstags zur Behandlung kommen. Da es sich um schwierige juristische Fragen handelt, kann die Beratung im Plenum des Reichstags sich bis i n d e n April hineinziehen. Das Reichskabiuett hat den Gesetzentwurf bereits verabschiedet. Er ist durch das zuständige Ministerium den Zlufwertungssachver- ständigen der Fraktionen zugeleitet worden. Der Gesetzentwurf wird ausdrücklich nicht als Novelle zum Aufwertungsgesetz bezeichnet, sondern als ein Gesetz zur Regelung der Verzinsung aufgewerteter Hypotheken und ihrer Umwandlung in Grundschulden, um nicht den Eindruck zu erwecken, daß es sich um eine Ergänzung der Mfwertungsregelung handele, die Anlaß zu neuen großen Hoffnungen geben könne.
Ter Gesetzentwurf hat lediglich den Zweck, eine Reihe von Streitfällen juristisch-technischer Art zu regeln, die sich aus der bisherigen Praxis des Auf- wertungswesens ergeben haben.
Außerdem erhält die Regierung am Schlüsse des Gesetzentwurfs eine Art Generalvollmacht, die übrigen Fragen der Rechtsverordnung zu regeln. Wie das Nachrichtenbüro des Vereins deutscher Zeitungsverleger erfährt, finden Verhand- hingen zwischen den Regierungsparteien und dem Reichsfinanzminister statt, um noch einige Zugeständnisse in der Richtung von Erleichterungen vom Finamministerium zu erlangen. Es verlautet, daß der Reichsfinanzminister sich bereits damit einverstanden erklärt hat, Kleinrentnern, die das 65. Lebensjahr überschritten Haben, die sofortige EinIösu ng der Anleiheablösung zuzugestehen.
'In den Kreisen der Regierungsparteien rechnet man damit, daß es schon in den nächsten Tagen gelingen wird, über all diese Dinge eine Einigung zu erzielen.
Das Reichskabinett ist, wie das „B. T." erfahren haben will, entschlossen, das „Gesetz zur Wiederherstellung des Volksvermögens", das von der Reichsarbeitsgemeinschaft der Aufwertungs-Geschädigten und Mieterorgmiisatio- nen eingerichtet worden ist, nicht zum Gegenstand eines Volksbegehrens machen zu lassen. Der Kabinettsschluß wird herbeigeführt werden, sobald der Reichsjustizminister Hergt die noch ausstehende juristische Begründung dieses Entschlusses ferti^geftellt haben wird.
Die Rrbertszeitfrage.
Ein sozialdemokratisches Urteil: Die christlichen Gewerkschaften „haben klug operiert".
„Der Volksstaat", das Organ der Alten Sozialdemokratischen Partei Sachsens, der in den sozialistischen Parteidoktrinen nicht das einzigste und wirksamste Heilmittel sieht und sich durch seine nüchterne und sachliche Schreibweise recht vorteilhaft von der übrigen sozialistischen Presse abhebt, bringt eine kurze Schilderung des Streites zwischen den christlichen Gewerkschaften und der Sozialdemokratie in der Arbeitszeitfrage. Nachdem er Auslassungen des „Deutschen" zitiert, schreibt der „Volksstaat":
„Daß in der Tat die christlichen Gewerkschaften klug operiert haben, geht daraus hervor, daß die Regierung erwägen soll, das Arbeitszeitnotgesetz zurückzuziehen. Der Protest des Generalsekretärs der christlichen Gewerllchaf- ten Otte, hat offenbar den größten Eindruck gewacht Er ist wohl geschehen nach Fühlungnahme mit °«n Arbeitervertretern in der Zentrumsfraktion. So ist
L abzustreiten, daß praktisch die christlichen Gcwerk- s^osten ^von gewaltigem Einfluß sind. Darauf muß man wohl Rücksicht nehmen: es ist der Arbeiterschaft nicht ge- £,."*• wenn verbitternder Haß zwischen ihren einzelnen -Dichtungen ouskeimt. Wenn die christlichen Gcwerkschaf- en in der Tat die Zurückziehung des Arbeitszeitnotge- lX? "«/'then, dann ist das eine Leistung, die der ge-
x Arbeiterschaft zweifellos zum Heile gereicht. Man muß das ohne weiteres aussprechen." pinJRy?. f° bemerkt dazu „Der Deutsche", Fraae des Entwurfes zwar nicht in
aenh, »«Ä ft e5JQ gleich, ob der vorlie- g„dert ®^.ne der Arbeitnehmer g e-
d r ob em veränderter Entwurf neu ein
gebracht wird. Der letztere Weg würde nur eine Verzögerung der dringlichen Notregelung bedeuten. Immerhin zeigt die vorstehende Auslassung, daß selbst Sozialisten, wenn sie ehrlich und offen sind, die Arbeit der christlichen Gewerkschaften anerkennen.
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Die Verhandlungen über die notgesetzliche Regelung der Arbeitszeit sind am Freitag zwischen den Regierungsfraktionen wieder ausgenommen worden. Die Vertreter der D e u t s ch e n Volkspartei stehen laut „Tägl. Rundschau" nach wie vor auf dem Standpunkt, daß ein V e r z i ch t a u f die freiwillige Mehrarbeit von den Fraktionen nicht ausgesprochen werden könne. Ebenso unmöglich erscheint der Fraktion die gesetzliche Festlegung eines schematischen Zuschlages von 25 v. H. auf jede Mehrstunde über den Achtstundentag hinaus.
Der Finanzausgleich.
Aus dem Reichstag wird uns mitgeteilt:
Nach überaus schwierigen Verhandlungen ist es, wie wir schon mitteilten, endlich gelungen, die Regierungsparteien auf einen Kompromißantrag in «achen des Finanzausgleichs zu bringen. Danach wird die provisorische Regelung des Finanzausgleichs auf die Haushaltsjahre 1927 und 1928 ausgedehnt. Der Antrag selber hat folgenden Wortlaut:
Um die Lander und Gemeinden (Gemeindeverbände) instand zu hallen, ihre Aufgaben, insbesondere auf sozia- lein und kulturellen Gebiete, zu erfüllen, werden den Ländern und Gemeinden (Gememdeverbänseiil, wenn sich ihr Anteile an der Einkommenlteuer, der Körper- fchaftssteuer und der Umsatzsteuer insgesamt in den Rechnungsjahren 1927 und 1928 je auf weniger als 2fi00 Millionen belaufen, die daran fehlenden Beträge aus Mitteln des R e i ch s h a u s h a l t s, insbesondere aus dein Aufkommen der nichtuerpfändelen Derbrauchs- abguben zur Verfügung geftoiit werden.
Aus dem Aufkommeii an Einkommensteuer, Körper- lck.ak ssteuer u»h Umsazi'e ier m.rti fiit tue Rechnungsjahre 1927 und 1928 u ein Betrag von 450 Millionen nach den Vorschriften über die Verteilung beer Umsatzsteuer (Paragraph -U), Ab'. 2 des Finänzausgleichsge- fetzes) verteilt.
Die Ergänzungsanteile nach Paragrapo 35 des Finnnzausgleichsgesetzes werden ahne Rücksicht aut die Vorsehri't des Paragraphen 2 sepgejieili.
Die Lander sollen bi der Beteiligung ihrer Gemeinden an der Emkomnumsteuer, der Äörperschastssteuer und der Umsatzsteuer insbesondere' die Lage der kleine- r e n steuerschwachen Gemeinden berücksichtigen.
Die Länder sollen in ihren Bestimmungen über die eigene Realbesteuerung, über die Bemessung der 0*e« meindeaMeile an den Reichssteuern, sowie über die eigenen Steuern der Gemeinden (Gemeindeverbände) VoRorge dafür treffen, daß die 'Reinerträge der lieber» Weisungen aus den Reichssteuern, die über den Betrag von 2,4 Milliarden Rm. hinausqsyen, in erster Linie zur Senkung der Rcalsteuern verwendei werden.
B's zum 1. Oktober 1927 wird die Reichsregierm'g den Entwurf eines Rahmengesetzes zur Regelung der Realsteuern und des Geldentwertungsiiusgleichs bei bebauten Grundstücken vorlegen.
Dazu ist noch zu bemerken, daß bisher 2,4 Milliarden den Ländern aus dem Reichseinkommen an Steuern überwiesen wurden, sodaß also künftighin 200 Millionen Mark mehr zugeteilt werden. Damit gewährt daS Reich den Ländern einen sehr erheblichen Vorteil, der der Entlastung ihrer Finanz- gebahrung zugute kommt.
Der endgültige Finanzausgleich ist also damit bis in das Jahr 1929 vertagt. Die jetzige Regelung, die ja auf eine Mehrheit in der Vollversammlung des Reichstags rechnen kann, wird aber einer sehr h'eftigen Opposition der Sozialdemokraten und Demokraten ausgesetzt sein. Insbesondere richten sich von dieser Seite,her die Angriffe gegen Bayern, dem man unterstellt, daß es auf Kosten der anderen Länder, namentlich Preußens, sich unterhalten will, und man macht ferner geltend, daß diese Maßnahme des neuen Reichssinanzministers in vollständigem Gegensatz zu der Politik des früheren demokratischen Finanzministers stehe und nur dazu diene, den Der- waltungsluxus der Länder statt einzuschränken, noch weiter aufrechtzuerhalten. Man wird deshalb auch außerordentlich lebhafte Debatten bei Beratung dieser Angelegenheit im Reichstag gefaßt sein müssen.
WirtsWsenln»MrW nnh LoWeMgungen
Em Reichstagsabgeordneter schreibt uns:
örnduna "es Lebenshaltungsinder in Der- Gehalt ganz nahiraom-1 Erhöhung des Mietzinses führt hoben.
ru L ohnbewegungen in Seitens des Reichsfinanzmini
Hinzu kommt die nicht zu umgehende Mietpreis- ernohung. Nach Lage der Gesamtverhältnisse ent-
sters ist für die Beamtenschaft schon angekündigt worden, daß am 1. April eine Anpassung der Eehaltsbezüge an die erhöhten Mietpreise erfolgen werde. Diese Maßnahme ist angesichts der derzeitigen Gehaltsverhältnisse der Beamtenschaft eine Wirtschafts- und finanzpolitische Selbstverständlichkeit. Schwieriger liegen dagegen die Verhältnisse auf dein freienMirtschaftsmarkt. Die Aussichten für die einzelnen Gewerbezweige und Industrien sind noch recht unterschiedliche, dasselbe trifft hinsichtlich der Ausfuhrmöglichkeiten für verschiedene Teile der deutschen Industrie zu. Durch zu weitgehende Lohnerhöhungen kann die Konkurrenzfähigkeit einzelner Wirtschaftszweige geschädigt werden, sodaß erneut mit einer Zunahme oct Arbeitslosenziffer zu rechnen wäre. Anderer- letts ist festzuhalten, daß die Rationalisierung »er deutschen Wirtschaft weitgehend durchgeführt ist. iSc 11,1 "lle die Rationalisierungsbestrebungen einen S'ijn haben sollen, dann mutz das Produtt ent« 11 yser hergestellt oder es muß auch das
Volk in Form verbesserter Löhne und Eehaltsbezüge davon Nutzen oder daran Anteil
Wenn nicht alle Anzeichen trüaen st-b-n wir vor einer ernsthaften Besserung unsrer' mfrtto Jtä l°ge. Die Zahl der Erwerbslosen'geht^S Be Landwirtschaft braucht Arbeitskräfte und^das Ba, gewerbe kommt wieder in Fluß. Der Dettauk
A^sse berechtigt S" der Hoffnung, ^ß msbesondere auch für die veraroettenden wieder eine bessere Zeit kommen dürfte Mir muffen aus der großen Arbeitslosiak-ic heraus! Zwei Millionen Erwerbslose mit ihren Familienangehörigen kann die deutsche Wirtschaft neben der gewaltigen Reparationslast auf die Tauer wcht ertragen.
Aeichsregierung hat durch Verordnung eine q77!Arozentige Mietzinserhöhung ab 1. ?'eses Jahres angezeigt. Trotz aller Proteste müf'ett te’C Erhöhung am 1. Avril eintreten. Mir Politik' K-e"r ^letzt nicht unsere ganze Wohnungs- die zusammenbrechen soll, schrittweise
^vohnnngszwangwirtschaft a b b a u e n.
brnduna^mu^"^ des Lebenshaltungsinder " ~
Abschluß der Genfer Ratstagung.
Reichsminister Dr. Stresemann stattete Freitag nachmitlag dem polnischen Außenminister Zaleski den ursprünglich für gestern vorgesehenen Gegen- besuch ab, der etwa eine Stunde dauerte.
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Freitag abend, etwa 12 Stunden vor Beginn der letzten vorgesehenen Ratssitzuna. sind, wie der Sonderberichterstatter des V.D.Z.-Büros erfährt, noch drei Frag en in der Schwebe, die Deutschland unmittelbar interessieren. Die Verhandlungen gelten in erster Linie der Beratung eines jetzt vorliegenden Vorschlages zur Regelung der oberschlesischen Schulfrage, die aus den verschiedenen von beiden Seilen gemachten Proportionen bervorgeganaen ist. Die zur Stunde letzten Formulierungen genügen uns noch nicht. In der Saarfrage scheint man weniger weiter gekommen zu sein. Nach dem gegenwärtioen Stand der Beratungen wird Scialoja als Berichterstatter über die Saarfrage vorlöufia keine Entscheidung vorschlagen, sondern das Schicksal des Kompromißvorschlages ber Regierungskommission über den Bahnschutz in die Hände des Ratsplenums legen.
Bezüglich der deutschen F l u g z e u g l i st e ist noch feine Verständigung vorhanden. Benesch und Staatssekretär v. Schubert verhandeln zurzeit darüber.
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Die Beligische Telegraphenagentur meldet aus Genf: Vandervelde beklagte sich bei Dr. Stresemann und auch in einer Note über die Gnadenmaßnahme gegenüber den beiden vom Stettiner Gerichtshof wegen Ermordung des belgischen Leutnants Graff verurteilten deutschen Polizeibeamten und wies dabei auf den bedauerlichen Eindruck hin, der dadurch in Belaien hervorgerufen worden fei. Von unterrichteter Seite wird dazu mitgeteilt, daß die in der belgischen Note gegen das Verhalten der deutschen Regierung erhobenen Vorwürfe nicht begründet sind. Eine Umwandlung der vom Schwurgericht in Stettin über die beiden deutschen Polizeibeamten verhängten Todesstrafe in eine 10- jährige Gefängnisstrafe entspricht der in berartiaen Fällen verfolgten Gnadenpraris der deutschen Justiz und wird in der Tat für eine angemessene Sühne angesehen werden müssen. Die Dervftich- tunaen, die die deutsche Regierung gegenüber der belgischen Regierung übernommen hat, sinn daher in jeder Beziehung eingehalten worden. Die belgische Note wird entsprechend beantwortet werden.
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V.D.Z. Genf. 12. März. (Eig. Funkm.) Spezialdienst des V.D.Z. Die Beratungen inn»rha-b der deutschen Delegation hoben bis in die fünfen Stunden der vergangenen Nacht ongedavert Das dabei festgelegte Programm für das deutsche Vorgehen in der heutigen vermutlich letzten Sitzung dieler Ratstagung wird bestimmt durch den Umstand, daß in der Frage des Bahnschutzes für das Saargebiet neue KompromißnorichGae nicht zustande gekommen sind. Demaemäß wird er in her heutigen Sitzung nicht zur Empi->hluna eines bestimmten Beschlusses durch den Berichterstatter Scialoia kommen. Es wird vielmehr der Mehrheitsvorfchloa der Reaiermtgskommission des Saargebiets der Beschlußfassung des Rates unterworfen werden und es ist anztmehmen. daß dieser Vor'chlag auf Grund der gegebenen Gr'wnierunq im Rat. indem eine ganze Reihe von nichtinteres- fierten aber auch in dieser Frage nickst lackmerstön- hinen Mächten vertreten sind, durch Mehrbeit^be- schluß anaenommen wird. In der zweifellos vorhergehenden Diskussion wird Reichsminister Dr. Stresemann eine länoer» Erklärung abaeben, in her er den deutschen Reckstsstandnunkt und die beabsichtiaten deutschen Zuaeftändniss". die unbe- schaet dieses Standpunktes iirt Interesse der Ver
ständigung formuliert worden sind, dargelegt wird. Er wird dabei an den Völkerbund appellieren, seinerseits diese Beschlüsse zu unterstützen, indem er daraus hinweist, daß das Saargebiet dem Dölker- bundsrat und nur diesem untersteht. Gegenerklärungen von französischer Seite werden folgen und die wahrscheinliche Konsequenz einer Ueberst im- mung Deutschlands wird hier, vor allem in Völkerbundskreisen, als eine recht wenig erwünschte empfunden, da sie gerinnet sei, dem Völkerbundsgedanken in Deutschland, aber auch anderswo Abbruch zu tun. Sn der oberschlesischen Schnlfrage dürfte es hingegen, wie bereits vorauszusehen, zu einer Verständigung kommen auf der Basis, daß die endgültige Entscheidung über den Schulbesuch bei dem Präsidenten der gemischten Kommission für Oberschlesien, dem Schweizer Altbundsrat C a l o n d e r, liegen wird, an den die Lokalbehörden in Zweifelsfällen sich wenden muffen.
Die Ratssitzung am Samstag.
wtb. Genf, 12. März. (Eig. Funkm.) Die Heu- tige Ratssitzung brachte die Erledigung der oberfchlrsifchen Schulfrage. Sie wurd in dem oben skizzierten Sinne herbei geführt. Dr. Stresemann erklärte dazu: Die deutsche Regierung betrachtete den Vorschlag als einen (Tu 5 m e g aus den Schwierigkeiten, dle hm- sichtlich der Minderheitsschulen entstanden waren. Sch möchte nicht verfehlen, den an dem Vorschlag beteiligten Ratsmitgliedern für ihre Bemühungen zu danken. Sch möchte aber auch darauf Hinweisen, daß der Bericht, wie es insbesondere seine letzten Zeilen dartun, die Rücksprache offen läßt.
(Eine Feststellung Chamberlains.
wtb London, 12. März. (Eig. Funkm.) Chamberlain ermächtigte den Genfer Berichterstatter der „Daily News" zur endgültigen Feststellung, daß die Frage der Zurücker st attung gewisser ü’ormaliger deutscher Kolonien zwischen ihm und Dr. Stresemann nicht erörtert wop den sei.
Der auswärtige Russchutz.
Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages ist für Samstag vormittags einberufen worden, um die vom Reichstagsplenum in erster Lesung erledigten Kleinen Abkommen mit Polen zu behandeln. Der „Lokal-Anzeiger" will wissen, daß sich der Aus- roärtige Ausschuß vermutlich in der nächsten Zeit in einer Sitzung mit Fragen beschäftigen werde, die mit dem Bau des Rhein-Schelde-Ka- n a l s in Verbindung stehen, da durch die teilweise Internationalisierung der Schelde und nach dem Bau des Rhein-Schelde-Kanals fremden Kriegsschiffen mit geringem Tiefgang die Möglichkeit gegeben werde, bis in das Herz des deutfchen Kohlenreviers vorzustoßen.
Der Führer der Deutsch-Demokratischen Partei, Reichsminister a. D. K o ch, gab auf dem Parteitag des Wahlkreisverbandes Berlin der Demokratischen Partei, zur Haltung der Demokraten, die ja zu der gegenwärtigen Regierung in Opposition stehen, hinsichtlich der Außenpolitik folgende Erklärung ab:
„Wir sind bereit, den Außenminister Stresemann zu unterstützen, aber wir verlangen von ihm, daß er sich alle Eingriffe in seine Außenpolitik verbietet. Wenn er jetzt etwa mitleerenHän- denausGenf zurückkehrt, ohne auf dem Gebiet der Räumung der Rheinlands etwas erreicht zu haben, so stellen wir fest, daß das M i ß t r a u e n g e- gen die Deutschnationalen in seiner Regierung der Hauptgrund zu diesem Fehlschlag gewesen ift<*.
stellt wird.
Polen und Sorojetru&Ianö.
Zaleski über Polens Beziehung:« zu Sowjetrußkaud.
Zu einer Unterredung mit dem Genfer Vertreter der „Tägl. Rundschau" erklärte der polnische
Arbeiterschaft empfehlen wir weise Mäßigung bei der Stellung ihrer. Forderungen; die Arbeitgeherschaft aber tut gut daran, berechtigten Lohnforderungen Rechnung zu tragen. Es ist besser für die Zukunstentwicklung der deutschen Wirtschaft, wenn die Industrie einmal ein Vierteloder Halbjahr selbst etwas weniger verdient, aber in dieser Zeit für die Erhöhung der Kaufkraft der breitesten Arbeiterfchichten Sorge trägt. Der erhöhte Lohn oder Gehalt fließt dann in Taufen- _
den von Kanälen der Wirtschaft wieder zu. Jeden- Gefahr heute in Europa viel durch falls darf es nicht dabin kommen, daß die Verbesse- '
halten die vielseitigen Lohnbewegungen einen berechtigten Kern. Die Arbeitgeberschast wäre übel beraten, wenn sie den diesbezüglichen Bestrebungen der Arbeiterorganisationen ein glattes Nein entgegensetzen wollte. Zur Zeit stehen etwa vier Millionen der deutschen Arbeiterschaft in Lohnbewegungen! das ist beinahe die Hälfte der industriellen Arbeiterschaft. Weitere Tarifverträge werden gekündigt werden; eine Organisasion nach der anderen wird ihre Ansprüche anmelden. Es darf nicht übersehen werden, daß die Tarfflöhne während des ganzen Jahres 1926 keine nennenswerte Aen- berung ober Erhöhung erfahren haben. Die Er- nährungskosten sind aber schon im Jahre 1926 um zirka fünf Prozent m bis Höhe gegangen.
Don größter Bedeutung für die Gesundung der Wirtschaft ist die Erhöhung bei Kaufkraft im Inland. Lohnerhöhungen bebeuten einerseits Verstärkung ber inneren Kaufkraft und andererseits Stärkung des Sparsinns und damit Förderung der eigenen Kapitalbildung. Je mehr bas Auslanb burch Verstärkung ber Zollmauern uns bie Ausfuhr erschwert, besto mehr ist bie deutsche Industrie und Landwirtschaft auf den Absatz ihrer Erzeugnisse im Inland angewiesen. Es erscheint angezeigt, angesichts der vielseitigen Lohnbewegungen auf diese wirtschaftlichen Zusammenhänge hrnzuweisen. Der
rung der Wirtschaftslage burch langwierige Streiks ober Aussperrungen sabotiert unb zerschlagen wirb. Darum bie Forberung: Weise Mäßigung auf ber Arbeitnehmer- unb soziales Pflichtgefühl unb großzügiges Hanbeln auf ber Ar- beitgeberfeite! Das ist es, was bie breiteste Öffentlichkeit von b eiben Seiten erwartet.
Stand der Erwerbslosigkeit.
Die Zahl ber HaupfunferstützungsempfSnger in ber Erwerbslosenfürsorge zeigt rn der z weiten Februarhälfte einen weiteren Rückgang um rund 65000 gleich 3,7 Prozent. Die Zahl bet männlichen Hauptunterstützungsempfänger ist in ber Zeit vom 15. Februar bis 1. März 1927 von 1509 000 auf 1458000 zurückgegangen, bie ber weiblichen Hauptunterstützungsempfänger von 252000 auf 238000, bie Gesamtzahl von 1761000 auf 1696000. Die Zahl bei Zuschlagsempfängei hat sich von 2 034 000 auf 1983 000 verringert. Heber Die Kiifemmterstützten liegt eine neuere Zahl nicht vor, ba biefe in ber Mitte {eben Monats feftge»
Außenminister, Zaleski, baß niemals ein Schritt EnglanbS, Polen für eine antirussische Politik zu gewinnen, unternommen worben sei. Der englischen Regierung sei ber Wunsch Polens, rnitRuß- lanb in Frieben zu leben, sehr wohl bekannt unb sie ' billige ihn. lieber bie Furcht vor bem Bolschewis- I rnus sagte Zaleski: „Man sieht bie bolschewistische
Gefahr heute in Europa viel burch ein Vergröße- 1 rungSglas."