g g flh » KuekMMlV M MMA MM M»
uldaerZertung
Anzeiger für die Stadt und den kreis Fulda. Amtliches kreisblatt.
«s EFÄ» «SSSäö
Ä^&Ä.Jä'sr-s
Freitag, 11. März 1927.
Nr. 58.
auSwLrtt 0,20 XX. ReHomeiellet total 0,60 XX,I 54
auswärts 0,80 XX. Sei totebetbelnnge» *<bett| JUlJCy.u't. x Postscheckkonto Frankfurt a. wt Wx. 4051 xf________________
Zur politischen Lage.
Der Reichstag hat nun wieder seine Verhandlungen ausgenommen. 3m Plenum wurden die Angelegenheiten des Reichsarbeitsministeriums behandelt, ohne daß es aber zu besonders nennenswerten Debatten gekommen wäre.
Wichtiger ist das, was augenblicklich hinter den Kulissen verhandelt wird, und zwar handelt es sich dabei einmal um das Arbeitszeitnotgesetz, und zum zweiten um den Finanzausgleich. In beiden Fragen haben interfraktionelle Besprechungen stattgefunden, aber in den beiden Angelegenheiten hat keine Einigung der Regierungsparteien herbeigeführt werden können. Der Steuerausschuh, der die Frage des Finanzausgleichs behandelte, mußte seine Sitzung auf Freitag vertagen, während die Verhandlungen über das Arbeitszeitnotgesetz, denen auch der Reichskanzler und der Reichsarbeitsminister Dr. Br a u n s beiwohnten, unmittelbär wieder fortgesetzt werden. Es ist aber außerordentlich fraglich, ob fchon in den nächsten Tagen eine Einigung in dieser wichtigen Angelegenheit zu erzielen sein wird. Indessen treffen die in parlamentarischen Kreisen verbreiteten Gerüchte nicht zu, wonach die Regierung dieses Gesetz zurückziehen wolle. Die Schwierigkeiten sind aber im Augenblick noch derart, daß man gar nicht absehen kann, wie sie gelöst werden sollen.
Das Reichskabinett hat mit Handelsvcr- tragsverhandlungen sich beschäftigt, aber auch mit Angelegenheiten, die in Genf zur Debatte stehen. Leider muß jetzt damit gerechnet werden, daß in dem Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich eine Versteifung eingetreten ist, die offenbar auf ein gewisses Mißtrauen in Frankreich gegenüber der innerpolitischen Entwicklung zurückzuführen ist. Beachtlich ist auch, daß nach Genfer Mitteilungen die englischen Vertreter dieses Mißtrauen gegenüber Deutschland teilen, und zwar in Bezug auf die Behandlung der deutsch-polnischen Angelegenheiten. So stehen außenpolitisch die Dinge gegenwärtig durchaus nicht besonders günstig.
lieber die Sitzung des Reichskabinetts am Mittwoch, die die Handelsvertragsverhandlungen mit Frankreich und die Aufwertungsfrage zum Beratungsgegenstand hatte, weiß der „Lokal-Anzeiger" zu melden, daß in der ersteren Frage der Führer der deutschen Delegation, Ministerialdirektor Dr, P o s s e, über die bisherigen Verhandlungen referierte. Das Kabinett habe von den Ausführungen Dr. Posses zustimmend Kenntnis genommen; jedoch sollen noch weiter^ Besprechungen einem engeren Ausschuß über diese Fragen stattfinden. Dr. Posse werde alsbald nach Paris zurückkehren, wo die Verhandlungen fortgesetzt werden sollen.
Die Besprechungen des Kabinetts über die Aufwertungsfrage soll zu dem Ergebnis geführt haben, daß Reichsjustizminister H e r g t im Rechtsausschuß des Reichstages eine Regierungserklärung darüber abgeben werde, in welcher Weise das Kabinett einen Ausbau der Aufwertungsgesetzgebung, insbesondere hinsichtlich einer Beschleunigung^der Auszahlung an die Anleihealtbesitz e r, für möglich hält.
Hn die Deutschnationalen.
In der Nationalliberalen Korrespondenz, dem Pressedienst der Deutschen Volkspartei (Nr. 471 lesen wir folgende außerordentlich interessanten und die parteipolitische Situation recht charakteristisch beleuchtenden Ausführungen:
„Eine unerquickliche Diskussion ist in der D e u t s ch - nationalen Volkspartei im Gange. Verschiedene Blätter und Redner bemühen sich vor ihren Lesern und Zuhörern, geschehene Dinge als nicht geschehen hinzustellen. Offenbar macht sich in einzelnen Parteikreisen ein Widerspruch gegen die von der deutschnationalen Reichstagsfraktion als Grundlage der Regierungsbildung angenommenen Richtlinien bemerkbar. Es wäre Nun nicht nur unehrlich, sondern ist auch gefährlich für die Deutschnationale Volkspartei selbst, wenn allzu gesin- nungstüchtige Agitatoren die deutschnationalen Parteimitglieder im Lande glauben machen wollen, als habe sich'nichts geändert, sondern es sei alles beim alten geblieben. Diese Methode könnte tatsächlich dahin führen, daß die Berliner Parteileitung der Deutschnationalen Volkspartei sich eines Tages wieder einer selbstgezüchtigten Opposition gegenübersähe, vor der sie kapitu- lieren müßte. Die Deutschnationale Volkspartei dient sich selbst am besten, wenn sie die begonnene Entwicklung ruhig und zielbewußt weiterführt.
Man sollte weiter in deutschnationalen Kreisen auch einmal das Problem des deutschen Monarchismus rein objektiv betrachten und auf seine großen geschichtlichen Schattenseiten verweisen. Der deutsche Partiku- Icrismus, die deutsche Kleinstaaterei, sind sozusagen »fürstliche" Geschenke. Die geschichtlichen und politischen Folgen dieser Kleinstaaterei bestanden u. a. darin, daß die gesamte staatliche Entwicklung Deutschlands, vor allem die deutsche Einheitsbewegung um Jahrhunderte aufgehalten wurde. Darunter hat der deutsche Gedanke in der ganzen Welt gelitten. Ob- wohl Deutschland im 18. und 19. Jahrhundert winde, stens zweidrittel der Menschenmengen als Kolonisatoren in die Welt hinausgeschickt hat wie England und Irland zufommengenommen, sind diese doch nirgendwo staaten- bildend oder politisch ausschlaggebend geworden. Es stand nicht das Bild eines großen starken Helmotstaates hinter ihnen; sie fühlten sich zum Teil mehr als Bauern, dessen, Badenser, Württeniberger, Preußen usw. denn sils Deutsche. ' Betrachtungen dieser Art müßten heute überall dazu führen, den Gedanken des inneren Au» Yleichz und inneren Zuf a mmenschluf se s^auch Uber alle förderalistischen Bestrebungen zu stellen .
Diese Darlegungen gewinnen angesichts gewisser Ausführungen, die in der letzten Zeit in Renen und Artikeln deutschnationaler Abgeordneter, namentlich in dem neuerlichen „Kreuzzeitungs"- Artikel des Abgeordneten E v e c l i n g gemacht
worden sind und die vielfach den Eindruck der Zweideutlichkeit hervorgerufen hatten, ganz beson- jers an Bedeutung.
Das Reichsschulgesetz.
Die Kampfansage der Demokraten.
Schon immer hat bei den parlamentarischen Verhandlungen, die feither über das Reichsfchul- gesetz geführt wurden, sich ergeben, daß der größere Widerstand weniger auf sozialdemokratischer als auf demokratischer Seite lag. Wir hätten auch schon unter den früheren Koalitionen ein Reichsschulgesetz bekommen, wenn die Demokraten sich anders verhalten haben wurden. Nun aber, da die Demokraten der Regierung nicht mehr angehören, enthüllen sie ihr wahres Gesicht, und diese Demaskierung geschieht in einer brutalen Kampfansage, die der demokratische Landtagsabgeordnete Pfarrer Graue im „Berliner Tage- blatt" erhebt. Das geschieht mit folgenden ®orten: ~ „
„Es droht eine klerikale Durchdringung aller Unterrichtsfächer durch den Geist konfessionellen Kirchentums. Ein Reichsschulgesetz, das durch Konkordate mit den Kirchen belastet ist, muß noch schlechter ausfallen, als der Zedlitzsche Schulgesetzentwurf, der sogar 1892 scheiterte. Es bleibt nur der Kampf. Ein Kampf der Freiheit
Stresemnn will
Die Genfer Spiegelungen
„Vor Verleumdungen gegen Deutschland". Unter dieser Ueberschrift teilt der „Lokalanzeiger" u. a. mit: Wir haben dringenden Anlaß, uns für gut unterrichtet zu halten, wenn wir annehmen, daß in allernächster Zeit ein großer, sensationell auf gemachter P r o p a g a n d a f e l d zu g gegen Deutschland einsetzen wird. Dieser Feldzug dürfte mit angeblichen „Enthüllungen" über die deutsch-russischen Beziehungen" arbeiten und sich als Quelle auf einen Sowjetdiplomaten beziehen, der aus der Schule geplaudert hätte. All die alten Verdächtigungen über geheime Klauseln des Rapollovertra- ges und die in jüngster Zeit von der polnischen Propaganda in die Welt gesetzten Mitteilungen über angebliche Geständnisse russischer Deserteure scheint man für einen großen Schlag gegen Deutschland verwenden'zu wollen.
*
wtb. Genf, 10. März. (Eig. Funkm.f Reichsaußenminister Dr. Stresemann empfing heute vormittag, wie bei allen Genfer Tagungen üblich, die Auslandspresse. Der Minister erklärte, daß weder im Vertrag oder int Zusammenhang mit dem Vertrag von Rapallo noch mit dem Berliner Vertrag irgendwelche geheime Abrede mit Rußland bestände. Der Minister streifte den bekannten deutschen Standpunkt, daß wir nur an einer friedlichen Entspannung interessiert sind und mit Rücksicht auf die labilen Verhältnisse Europas in unserer ganzen Politik auf die Vermeidung von Kriegsgefahren eingestellt sind. Durch den Regierungswechsel habe sich in Deutschland der Kurs der deutschen Außenpolitik ebensowenig geändert wie in Frankreich derjenige der Politik Briands durch die Koalition mit Tardieu und Marin. Der Minister unterstrich schließlich, daß unser völkerrechtlicher Anspruch auf Grund von Artikel 431 auf Räumung des Rheinlandes bestehe und daß dafür außer der juristischen auch die moralische Gnrndlage von Locarno den Anspruch gewähre.
Am Mittwoch nachmittag begab sich um 4 Uhr der polnische Außenminister Zaleski zu Chamberlain ins Hotel und verweilte etwa eine halbe Stunde bei ihm. Punkt 5 Uhr erschien Zaleski im Hotel Metropole und begab sich zu Stresemann. Zu derselben Zeit suchte Briand den britischen Außenminister in seinem Hotel auf. Abends fand eine Aussprache Stresemanns mit Briand statt. Das war also ein inhaltsreicher Nachmittag.
Die Unterredung zwischen Dr. Stresemann und Zaleski, die kurz nach 5 Uhr begann, dauerte über eine Stunde und wurde, da Zaleski Deutsch nicht versteht, in eng lischer Sprache geführt. Der deutsche Gesandte in Warschau, Ulrich Rauscher, war während eines Teils der Unterredung zugegen. Das Ergebnis ist, wie aus einem Com- muniquö hervorgeht, ein der Erwartung entsprechendes und grundsätzlich nicht unbefriedigendes Ergebnis im Sinne einer materiellen Verständigung. Ueber die schwebenden Fragen selbst sind jedoch mit Rücksicht auf die kurze zur Verfügung stehende Zeitspanne und die Notwendigkeit, noch mehr Fachreferenten zu eventuellen Verhandlungen hinzuziehen, in Gens selbst wohl nicht zu erwarten. Kurz nach Zaleski, der vor seinem Besuch bei Dr. Stresemann eine Unterredung mit Chamberlain hatte, stattete Briand dem Reichsaußenminister den bereits angekündigten Besuch ab.
Die deutsche diplomatisch-politische Korrespondenz schreibt zu den Verhandlungen zwischen Stresemann und Zaleski in Genf u. a.: Die Presse wies bereits auf die Ankündigung der Zusammenkunft Dr. Stresemanns mit Zaleski hin, die teilweise dazu geführt hat, den deutsch-polnischen Besprechungen einen bestimmten Sinn zu unterlegen, und zwar kommt dabei vornehmlich die Interpretation in Frage, die mit dem Schlagwort Östloearno arbeitet. Diese Betrachtungsweise wird den Tatsachen nicht im entferntesten gerecht. Es handelt sich, wie auch in dem Communi- que betont wird, um wirtschaftliche Be-
und des Gewissens gegen Zwang und Knechtschaft. Dieser Kampf ist nicht aussichtslos. Die Verabschiedung eines Konkordats vor der Schul- gesetzgebung muß verhindert werden, vor allem aber ist der verfassungsändernde Charakter eines jeden Schulgesetzes festzustellen. Für ein konfessionelles Schulgesetz ebenso für die Konfessionalisierung der Theologischen Fakultäten an den deutschen Hochschulen wäre also zwei Drittel Mehrheit notwendig."
Wenn die Katholiken noch nicht gewußt hätten, um was es sich handelt, so würden sie es jetzt allerdings sehr deutlich zu Gernüte geführt erhalten. Wir nehmen den Kampf auf!
* Ein deutscher Journalist in Rom verhaftet. (Eig. Funkm.) Der deutsche Journalist Delius aus Berlin, der sich in Nervi aufhielt, wurde verhaftet. Er wird sich, rote „Popolo di Roma" mit» teilt, am nächsten Freitag in Genua wegen Ueber- trrtung des neuen Polizeigesetzes zu verantworten haben. Delius soll in Deutschland Photographien verbreitet haben, die geeignet sind, die nationale Würde Italiens zu schädigen. Weiter soll er durch seine Photographien und die dazu gegebenen Kommentare zum Klassenhaß aufgefordert und den Premierminister beleidigt haben.
UeWen vermeiden.
der europäischen Politik.
sprechungen, also um Fragen, die die beiderseitigen ökonomischen Interessen angehen, und nicht um politische Dinge. Nicht um ein Ostlocarno, nicht um politische und noch weniger um militärische Gruppenbildung geht es hier, sondern um die wirtschaftlichen Interessen zweier Nachbarstaaten, von denen der eine Rechte des anderen Teils verletzt hat, die in jedem Handelsvertrag mit stipuliert werden.
Die Saarfrage.
wtb. Paris, 10. März. (Eig. Funkm.) Der Genfer Korrespondent des „Petit Parisien" schreibt zur Saarfrage: Deutschland halte die Ziffer von 800 Mann zur Bewachung her Verkehrseinrichtungen im Saargebiet an Stelle der französischen Polizeitruppe für zu hoch. Es wünsche, sie um mehr als die Hälfte vermindert zu wissen. Briand halte eine Herabsetzung dieser Zahl nur für möglich, wenn sie durch die Schaffung einer besonderen Eisenbahnkommission neben der Regierungskommission ausgeglichen werde. Diese besondere Eisenbahnkommission würde eine genaue Ueberwachung über den Verkehr der englischen wie der französischen Zuge aufheben, die das Saargebiet durchqueren, um ins besetzte Rheinland zu gelangen. Diese Kommission würde nötigenfalls, beispielsweise im Falle eines Streiks, automatisch und ohne Verzug die notwendigen Schutzmittel beantragen. Angesichts der außerordentlich kleinen Gebietsfläche des Saarlandes und angesichts der Nähe der französischen Truppen könnten diese Schutzmaßnahmen fast unverzüglich ergriffen werden.
♦
In der Saarfrage scheint in den Kreisen der beteiligten Mächte Einigkeit darüber zu bestehen, daß man eine Verlängerung der Amtsperiode des zurückgetretenen Präsidenten der Regierungskommission des Saargebietes, des Kanadiers S t e p h e ns, zunächst bis zur Junitagung des Völkerbundsrates vorschlägt und diesen dazu bewegt, in eine solche Verlängerung einzuwilligen. In der Zwischenzeit soll dann die Gewinnung einer anderen geeigneten Persönlichkeit und zwar ebenfalls aus den britischen Dominions für diesen Posten gewonnen werden.
vriands Unterredungen.
wtb. Paris, 10. März. (Eig. Funkm.) Der Genfer Berichterstatter der Agentur Havas teilt mit, daß gestern nachmittag Briand den italienischen Delegierten Scialoja empfangen und seinerseits Chamberlain und Stresemann Besuche abgestattet hat. Die Besprechungen hätten dazu geführt, die noch voneinander abweichenden Ansichten über die dem Völkerbundsrat unterbreiteten streitigen Angelegenheiten einander zu nähern. Briand habe gestern abend erklärt, er glaube, der Völker- bundsrat werde seine Arbeiten am Freitag ohne Zwischenfall zum Abschluß bringen können. Briand habe seine große Befriedigung darüber zum Ausdruck gebracht, daß diese Tagung es den Vertretern der Locarnomächte durch den persönlichen direkten Meinungsaustausch ermöglicht habe, ihren Entschluß zu bestätigen, das am Lago Maggiore unternommene Werk der europäischen Annäherung sortzusetzen.
Rumäniens (Erfolg.
Aus Bukarest wird gemeldet: Der italienische Gesandte überreichte dem Premierminister die offizielle Notifikation von der Ratifizierung des Abkommens über Bessarabien durch Italien. Die Stobt ist geflaggt. Es finden begeisterte Kundgebungen statt. Die Kammer und der Senat hielten Festsitzungen ob. Die Presse bespricht das glückliche Ereignis, das nach der Ratifikation durch Frankreich und England endgültig den gegenwärtigen Stand und das historische nationale Recht bestätige.
. ♦
Wie der Londoner Berichterstatter des W. T. B. erfährt, zeigt sich in britischen Kreise» das Bestreben, der allzunachdrücklichen Auslegung der italienischen Ratifikation des bessarabischen Vertrages vonseiten der öffentlichen Meinung auf den Kon
tinent, auch in Deutschland, entgegenzukre- ten. Der Schritt der italienischen Regierung werde von englischer Seite der veränderten Lage zugeschrieben, die die mit Rußland zusammenhängen- den politischen und kommerziellen Möglichkeiten im Vergleich mit früher weniger Ernst und dahcr etwaige mit einer Ratifikation des Vertrages vrr- dundenen Nachteile leichter wiegen lasse. Es werde von britischer Seite betont, daß kein verantwortlicher Politiker in England irgendwelchen Zweifel an der vollkommenen korrekten Haltung Deutschlands gegenüber England in der russischen Frage hege, und daß im Gegensatz zu einem Teil der in- und ausländischen Presse volles Verständnis dafür empfunden werde, daß die Teilnahme Deutschlands am Locarnopakt für Deutschland keine Trübung feines Verhältnisses zu Rußland bedeute. *
Das führende Sowjet-Organ, die Jswestija bezeichnet die Ratifizierung des bessarabischen Protokolls durch Italien als einen unfreundl-ichen Akt Italiens gegen Rußland und als eine Bedrohung der guten Beziehungen, die bis in die letzte Zeit hinein zwischen den beiden Ländern bestanden haben.
Das englische Weltreich.
Der Genfer Berichterstatter des V.D.Z. erfährt: Die in der Ratssitzung am Mittwoch von Chamberlain verlesene Erklärung in bezug auf die im britischen Imperium erwünschte künftige Technik beim Abschluß von Verträgen unter den Auspizien des Völkerbundes hängt eng mit der verfassungsmäßigen Umgestaltung des englischen Weltreiches auf der letzten Reichskonferenz zusammen. Damals wurden die Dominions von der britischen Regierung unabhängig gemacht und als einziger Band zwischen ihnen und dem Mutterlande die Personalunion der „Vereinigten Königreiche" proklamiert. Zugleich wurde aber dieses personelle Band durch die Errichtung einer besonderen Behörde des Königs für den Verkehr mit den Dominions — anstelle des bisherigen besonderen Ministeriums gestärkt und die heutigen im Einvernehmen und auf Wunsch sämtlicher Regierungen des englischen Imperiums gemachten Anregungen dienen gleichfalls der Stärkung dieser Stellung des Königs. Sie bilden gewissermaßen das Gegengewicht gegen die konstitutionelle Lockerung des Reichsgefüges.
i Materiell roiriTmtTbi?fem Ersuchen bezweckt, durch die Verwendung der von altersher üblichen Formel, wonach nicht diese oder jene Nationen, sondern diese oder jene Staatsoberhäupter einen Vertrag schließen, den jeweiligen Bevollmächtigten des britischen Königs beim Völkerbund die Zeichnung eines Vertrages im Namen sämtlicher Gliedstaaten des britischen Reiches zu er» möglichen, während er anderenfalls in Zukunft sich zuvor von der Regierung jedes einzelnen selbständig gewordenen Landes des britischen Weltreiches ein besonderes Recht zur Unterzeichnung in seinem Namen verschaffen müßte. Das würde natürlich technische Schwierigkeiten, Zeitverlust und unter Umständen besondere Kosten durch die Entsendung einer Delegation verursachen Politische Kombinationen, die über diesen Tatbestand hinaus dem Anträge eine tiefere Bedeutung beimessen, werden schon durch die Formel Chamberlains, daß er auf ausdrücklichen Wunsch sämtlicher Gliedstaaten spreche, hinfällig gemacht.
Sicherung der Steuer-Gerechtigkeit.
Zu der Forderung des Finanzministers Dr. Köhler, ihm 2000 neue Finanzbeamte zu bewilligen, wird der „Voffifchen Zeitung" aus parlamentarischen Kreisen geschrieben, über die Notwendigkeit der Beamtenvermehrung herrsche völlige E i m mü tigkeit im Reichstag. Bon sachverständiger Seite wird versichert, daß die Steuereinnahmen bei restloser Durchführung der Gesetze um weit über 100 Millionen steigen werden, während die 2000 Beamten, selbst wenn man sie, was ein hoher Durchschnitt wäre, mit 5000 Mark pro Mann und Jahr einsetzt, nur 10 Millionen Mehrausgaben verursachen werden. Eine geregelte Durchführung der Steuererhebung fei geradezu eine Vorbedingung für eine zu- künftige Senkung der Steuersätze.
Zur Grotz-Hamburg-Zrage.
Zu Beginn der Sitzung der Hamburger Bürgerschaft gab der Senat durch feinen Präsidenten, Oberbürgermeister Dr. Petersen, eine Erklärung ab, die sich mit den Erklärungen des preußischen Ministerpräfidenten vom 23. Februar auseinander - fetzt. Der Senat hat dennoch die Hoffnung, daß das Reichsparlament und die Reichsregierung ebenso wie die Regierungen der deutschen Landern im Gegensatz zu der in der Rede des preußischen Ministerpräsidenten vertretenen Einschätzung Hamburgs die Leistungsfähigkeit und Bedeutung der amtlichen Selbständigkeit Hamburgs solange bewahren helfen werden, als es die durch die Verfassung von Weimar festgelegte Struktur desdeutschen Reiches und das Lebensinteresse der deutschen Wirtschaft erfordert.
Das blutige China.
Ein briüsches Kriegsschiff ist von Nanking nach Wuhu abgefahren, wo der Pöbel in das Eingeborenenzollhaus einbrach und plünderte. Alle Frauen und Kinder von Ausländern in Wuhu sind an Bord eines Dampfers gebracht worden, der noch nicht abgefahren ist.
Wie der amtliche britische Funkdienst meldet, habe» in Wusuch, etwa 20 Meilen stromaufwärts von Kiukiang, chinesische Soldaten einen britischen Dampfer beschlagnahmt. Ein britischer Zerstörer